Am 3. Juli 2026 erreichte der Heibel-Ticker mit 25.809 Punkten ein neues Rekordhoch für den DAX und meldete für die Woche ein Plus von 4% – deutlich mehr als die 1,7%, die der S&P 500 im selben Zeitraum verzeichnete. Der Index hatte bereits am Donnerstag sein bisheriges Hoch aus Mitte Januar übertroffen.
Sie fragen sich zu Recht, ob das der Start einer neuen deutschen Stärke ist oder nur eine Aufholjagd gegenüber der Wall Street. Stephan Heibel, Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs (21. Jahrgang), ordnet in seiner aktuellen Ausgabe ein, worauf diese Outperformance tatsächlich zurückgeht.
Ein zentraler Treiber der Rekordjagd ist der Ölpreis. Er verlor binnen 30 Tagen mehr als ein Viertel an Wert und notiert wieder auf dem Niveau von vor dem Iran-Konflikt, nachdem sich die Lage zwischen den USA und dem Iran entspannt und die Kriegsprämie aus dem Markt gedrückt hat. Mit der Passierbarkeit der Straße von Hormus dürften größere Mengen an physischem Rohöl auf den Markt kommen, was den Weg für weiter fallende Notierungen offenhält.
Für Deutschland als Energie-Importland wirkt ein günstigerer Ölpreis direkter entlastend als für die USA, die einen erheblichen Teil ihres Öls selbst fördern. Genau dieser Unterschied in der Wirkungsrichtung erklärt einen Teil des Vorsprungs, den der DAX gegenüber der Wall Street in der vergangenen Woche aufgebaut hat. Wie eng Ölpreis und Börse dabei verknüpft sind, hat Stephan Heibel bereits an anderer Stelle anhand zweier Damoklesschwerter über Ölpreis und Börse eingeordnet.
Während der DAX zulegte, traf ein gezielter Ausverkauf in den USA die Chip-Maschinenbauer und Anbieter von Nicht-KI-Chips: SanDisk und Teradyne verloren je 14%, KLA Tencor 12%, Lam Research 10%. Auch der Maschinenbauer im Heibel-Ticker-Portfolio wurde um 5% nach unten gedrückt. Nvidia, Taiwan Semiconductor und Broadcom konnten ihr Kursniveau dagegen halten.
Im DAX gibt es keine vergleichbaren Chip-Maschinenbauer, deren Kursverfall den Index hätte belasten können – anders als im S&P 500 und insbesondere im Nasdaq 100. Dieser strukturelle Unterschied in der Indexzusammensetzung ist damit der zweite Grund, warum der DAX von der Entwicklung rund um die KI-Branche verschont blieb, während US-Indizes darunter litten.
Der dritte und aus Sicht von Stephan Heibel gewichtigste Grund liegt im Rückstand, den der DAX im ersten Halbjahr 2026 aufgebaut hatte: Seit Jahresbeginn liegt der Index mit 4,7% deutlich hinter EuroStoxx 50 und Dow Jones, die beide rund 10% im Plus notieren.
Während US-Aktien nach der KI-Rallye als hoch bewertet eingestuft wurden, war beim DAX zuletzt viel Konjunkturpessimismus eingepreist – ein Pessimismus, der sich nun langsam auflöst. Der deutsche Markt holt also mit dem aktuellen Rekordlauf lediglich nach, was er in der ersten Jahreshälfte liegen ließ.
Wenn Sie deutsche und US-Werte parallel halten, zeigt sich in der vergangenen Woche ein Muster, das Sie einordnen sollten: Die Outperformance des DAX beruht nicht auf einer neu entstandenen strukturellen Stärke der deutschen Wirtschaft, sondern auf einer Kombination aus günstigeren Rahmenbedingungen (Ölpreis, Indexzusammensetzung) und einem einfachen Aufholeffekt gegenüber einem zuvor unterdurchschnittlichen ersten Halbjahr.
Ob aus diesem Aufholen ein tragfähiger neuer Trend wird oder es bei einer kurzzeitigen Gegenbewegung bleibt, ist damit noch nicht entschieden – „Nachholpotenzial“ ist kein Selbstläufer, sondern muss sich in den kommenden Wochen erst bestätigen. Auch Stephan Heibel macht in der aktuellen Ausgabe deutlich, dass er diese Frage selbst noch als offen betrachtet und sie im Ausblick seiner Ausgabe vertieft behandelt; seine eigene Portfolioausrichtung bleibt davon zunächst unberührt.
Dass es kurzfristig noch an einem Trigger für einen weiteren Anstieg fehlt, zeigt auch die aktuelle Sentiment-Lage. Eine tiefergehende Betrachtung, wie sich Privatanleger und institutionelle Anleger aktuell beim DAX positionieren, finden Sie im Sentiment-Kapitel der aktuellen Ausgabe.
Über den Autor
Stephan Heibel ist Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs, den er seit 1998 herausgibt.
Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Mitglieder über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Heibel-Ticker Mitglieder schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.
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