Heibel-Ticker Free Börsenbrief
- Einfach einen Tick besser -
21. Jahrgang - Ausgabe 27 (03.07.2026)
Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:
| 1. | Info-Kicker: Von Alphabet über Nvidia, Rheinmetall, Nike bis hin zur Deutschen Telekom uvm. |
| 2. | So tickt die Börse: DAX stürmt auf Allzeithoch |
| - Wochenperformance der wichtigsten Indizes | |
| 3. | Sentiment: Privatanleger und Profis sind diametral unterschiedlich positioniert |
| - Interpretation | |
| 4. | Ausblick: KI-Revolution verläuft weiterhin im Plan, Geschwindigkeit nimmt zu |
| 5. | Update beobachteter Werte |
| Verkaufen: Geduld der Anleger wird zu lange strapaziert | |
| 6. | Wunschanalyse: Alphabet: KI für die Massen, wirtschaftlich und verständlich |
| 7. | Chartanalyse zu Rheinmetall: Kaufzeitpunkt noch nicht gekommen |
| - : Wunschanalyse identifizierte Rheinmetall als Kaufkandidat, doch erst zum richtigen Kurs | |
| 8. | Leserfragen: .com/de/der-moment/gewalt-von-sainte-soline-konflikt-um-verteilung-von-wasser-in-frankreich |
| 9. | Übersicht HT-Portfolio |
| 10. | Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise |
| 11. | Mitgliedschaft verwalten |
1. Info-Kicker: Von Alphabet über Nvidia, Rheinmetall, Nike bis hin zur Deutschen Telekom uvm.
Liebe Börsenfreunde,
Im Zentrum der heutigen Ausgabe steht die Wunschanalyse von Alphabet, die sich von 219 Plus-Mitgliedern gewünscht wurde. Ich muss schon sagen, Sie haben ein gutes Näschen, denn Alphabet ist inzwischen eine günstige KI-Aktie, die vertikal große Bereiche der KI-Welt abdeckt. Die Analyse lesen Sie in Kapitel 6. Zweitplatzierte der Abstimmung dieser Woche ist die Deutsche Telekom. Ich habe auch zu diesem Titel einen kurzen Kommentar ausgearbeitet, wie Sie im Kapitel 8 unter den Leserfragen sehen werden.
Vor einigen Wochen hatte Rheinmetall die Abstimmung zur Wunschanalyse gewonnen und das Ergebnis war eine Kaufempfehlung, aber noch nicht jetzt. Nachdem der Kurs nun kräftig unter die Räder kam, habe ich mir diese Woche die technische Verfassung näher angeschaut. Dabei habe ich die charttechnischen Tools genutzt, auf die ich über die Bloomberg-KI zugreifen kann. Die technische Analyse hilft, den richtigen Zeitpunkt für ein Investment in eine Aktie zu finden, die man "irgendwann" zu günstigem Kurs ins Depot holen möchte. Natürlich habe ich die technischen Begriffe durch für Sie verständliche Erklärungen ersetzt. Verpassen Sie also nicht Kapitel 7.
Losgehen tut's wie immer in Kapitel 2 mit dem Wochenrückblick: Ich gehe davon aus, dass wir auf ein Umfeld sinkender Zinsen zulaufen und denke, dass ein solches Szenario von den meisten Anlegern noch nicht für möglich gehalten wird.
Die Sentiment-Analyse gibt diese Woche ziemlich konkrete Hinweise auf eine mögliche Entwicklung im DAX für die Sommerzeit. Dabei spielt es eine Rolle, dass Privatanleger und institutionelle Anleger derzeit diametral gegensätzlich positioniert sind, wie Sie in Kapitel 3 lesen werden.
Im heutigen Ausblick in Kapitel 4 gehe ich kurz nochmals auf wichtige Erkenntnisse für die laufende KI-Revolution ein, die meiner Einschätzung nach den Trend der kommenden Tage und vielleicht Wochen bestimmen können.
Wir haben uns diese Woche von unserem Portfoliotitel Nike getrennt: Der Turnaround dauert mir zu lange, Adidas macht das besser. Mehrere Insiderkäufe hatten mich vor einigen Monaten positiv gestimmt, doch die Probleme scheinen tiefer zu sitzen, als selbst die Insider erwarteten. Mehr dazu lesen Sie im entsprechenden Update in Kapitel 5.
Die Leserfragen greifen aktuelle Themen und attraktive Aktienstories auf. In Kapitel 8 beantworte ich vier Leserfragen zu den Aktien CTS Eventim und zur Deutschen Telekom. Außerdem diskutiere ich, ob es bereits wieder ein guter Kaufzeitpunkt für Gold ist. Schließlich gehe ich aus Spaß an der Freude mal inhaltlich auf die Diskussion pro und contra Atomenergie ein.
Wie immer gibt es eine tabellarische Übersicht über unser Portfolio in Kapitel 9.
Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,
take share, Ihr Börsenschreibel
Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs
2. So tickt die Börse: DAX stürmt auf Allzeithoch
Fast sechs Monate dauerte es, nun ist es vollbracht: Der DAX übertraf am Donnerstag sein Rekordhoch von Mitte Januar und setzte am heutigen Freitag mit 25.809 Punkten gleich die nächste Bestmarke obendrauf. Für die Woche steht ein Gewinn von 4% zu Buche. Damit ließ unser Leitindex die Wall Street deutlich hinter sich. In den USA wird heute nicht gehandelt. Der morgige 250. Geburtstag (4th of July) fällt auf einen Samstag und bei den wenigen Feiertagen, die es in den USA gibt, pflegt man Wochenend-Feiertage dann eben entsprechend zu verschieben. Die starke Performance des DAX ist bemerkenswert, denn sie kommt aus einer Position der relativen Schwäche: Seit Jahresbeginn liegt der DAX mit 4,7% deutlich hinter EuroStoxx 50 und Dow Jones, die jeweils rund 10% im Plus notieren. Der deutsche Markt holt also lediglich nach, was er in der ersten Jahreshälfte liegen ließ. Während US-Aktien nach der KI-Rallye als hoch bewertet eingestuft wurden, war beim DAX zuletzt viel Konjunkturpessimismus eingepreist, der sich nun langsam auflöst.
Zwei Treibstoffe befeuern die Rekordjagd, und beide haben mit meiner Zins-These zu tun. Erstens der Ölpreis: Fallende Ölpreise sorgen für massive Entlastung, nachdem die Entspannung zwischen den USA und dem Iran die Kriegsprämie aus dem Markt gedrückt hat. Der Ölpreis verlor binnen 30 Tagen mehr als ein Viertel an Wert und notiert wieder auf dem Niveau von vor dem Konflikt. Mit der Passierbarkeit der Straße von Hormus dürften große Mengen an physischem Rohöl auf den Markt schwemmen. Hält die Entspannung an, ist der Weg für weiter fallende Notierungen frei.Zweitens der US-Arbeitsmarkt: Im Juni entstanden nur 57.000 neue Jobs, deutlich weniger als die erwarteten 115.000, und die Vormonate wurden um zusammen 74.000 Stellen nach unten revidiert. Es entstehen also weniger neue Jobs. Das ist ein Anzeichen für eine abflauende Konjunktur. Die dennoch auf 4,2% gesunkene Arbeitslosenquote sollte man nicht überbewerten. Sie ist nicht Ausdruck eines plötzlich stärkeren Arbeitsmarkts, sondern wurde durch eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung begünstigt: Die Partizipationsrate fiel auf 61,5% und damit auf den niedrigsten Stand seit März 2021. Die US-Arbeitslosenquote zählt nicht alle Menschen ohne Job. Als arbeitslos gilt nur, wer keinen Job hat, verfügbar ist und zuletzt aktiv nach Arbeit gesucht hat. Wer die Jobsuche aufgibt oder vorübergehend nicht sucht, fällt aus der offiziellen Arbeitslosenquote heraus und landet statistisch außerhalb des Arbeitsmarkts. Die niedrige Partizipationsrate ist der Beleg dafür, dass der arbeitswillige, aber derzeit nicht aktiv suchende Anteil der Bevölkerung wesentlich größer ist, als die niedrige Arbeitslosenzahl auf den ersten Blick vermittelt. Der Arbeitsmarkt kühlt also ab, ohne einzubrechen. Das ist für die Börse die beste aller Welten, denn ein schwächeres Wachstum erzwingt niedrigere Zinsen, ohne gleichzeitig Rezessionspanik zu erzeugen.
Ich erinnere daran, dass in den USA zuletzt nicht über Zinssenkungen, sondern über Zinserhöhungen diskutiert wurde. Der US-Leitzins steht bei 3,50 bis 3,75%, und noch im Juni projizierten neun Notenbanker mindestens eine weitere Anhebung für 2026, weil die Kerninflation mit 3,4% hartnäckig über dem Ziel verharrt. Der schwache Arbeitsmarktbericht hat diese Diskussion vorerst beendet.
Kurzfristig bleibt der Inflationsdruck erhalten, denn die gigantischen KI-Investitionen wirken preistreibend – die Woche lieferte dafür Anschauungsmaterial frei Haus. Micron meldete ein Rekordquartal, sprach von Speicherknappheit bis mindestens 2028, und Apple gab die explodierenden Speicherpreise mit Aufschlägen von bis zu 300€ beim MacBook direkt an die Kunden weiter. Das ist KI-getriebene Güterinflation in Reinform. Doch mittelfristig sollte sich die disinflationäre Kraft des fallenden Ölpreises durchsetzen: Energie wirkt über Transport, Produktion und Vorleistungen auf nahezu alle Preise, während die Speicherknappheit ein Nischenphänomen der Tech-Hardware bleibt. Setzt sich die geopolitische Entspannung fort, dürften niedrigere Zinsen das Rennen machen und der abkühlende Arbeitsmarkt nimmt der Fed jeden Grund, sich dagegen zu stemmen. Die Börse hat diese Rechnung am Donnerstag aufgemacht und den Dow prompt auf ein Rekordhoch getrieben.
Unter der Oberfläche vollzog sich derweil ein Reifungsprozess, der den KI-Boom nicht beendet, sondern gesünder macht. Die exorbitanten Wachstumsraten der KI-Revolution, getrieben durch die hohen Investitionen der Hyperscaler, werden nicht mehr infrage gestellt. Nun wird diskutiert, ob sich diese Investitionen rechnen. Microns operativ makelloses Quartal wurde mit einem Kursverlust von über 10% quittiert, denn Rekordmargen beim Speicherhersteller bedeuten Rekordkosten bei Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta, die diese hohen Kosten beim Bau ihrer KI-Rechenzentren bezahlen müssen.Tags darauf traf der Ausverkauf gezielt die Chip-Maschinenbauer und die Anbieter von Nicht-KI Chips: SanDisk und Teradyne verloren je 14%, KLA Tencor 12%, Lam Research 10%, während Nvidia, Taiwan Semi und Broadcom ihr Kursniveau halten konnten. Auch der Maschinenbauer in unserem Heibel-Ticker Portfolio wurde um 5% nach unten gedrückt. Maschinenbau-Aktien sind Frühindikator für die Investitionsabsichten der Chip-Hersteller, sie laufen der Entwicklung meist um 4-6 Quartale voraus. Der Selloff signalisiert eine vorsichtigere Investitionsplanung außerhalb der engen KI-Nische.
Wer allerdings bereits Geld verdient, wird belohnt: Meta sprang um 9% an, nachdem der Konzern ankündigte, überschüssige KI-Rechenleistung als Cloud-Dienstleistung zu verkaufen. Aus Kostenblöcken werden im Zuckerberg-Universum damit plötzlich Erlösquellen, aus Kapitalverbrennung wird ein Margentreiber.
Nike hingegen zeigte die Kehrseite: Trotz übertroffener Gewinnerwartungen, gestützt von Zollrückerstattungen, fiel die Aktie, weil das China-Geschäft nach wie vor keine Aussicht auf Besserung bietet. Wir hatten das Schicksal unserer Position an diesen Quartalsbericht gehängt und somit unsere spekulative Position in Nike nunmehr aufgelöst.
Hierzulande sorgten zwei Einzelwerte für Schlagzeilen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Bayer sprang nach dem Supreme-Court-Urteil zu Glyphosat, das den US-Klagen die Grundlage entzieht, um 9% an und trieb den DAX mit an. Nach Jahren der Rechtsunsicherheit endlich Planungssicherheit.
Die Aktie von Rheinmetall dagegen verlor nach dem Stopp des Fregattenprojekts F126 rund 19%. Das Unternehmen beziffert die mögliche Umsatzbelastung für 2026 auf bis zu 300 Mio. €. Im Rahmen unserer ausführlichen Wunschanalyse hatte ich Rheinmetall als Kaufkandidat bezeichnet, sobald der laufende Ausverkauf endet. Anlässlich des erneuten Kurseinbruchs habe ich heute eine ausführliche technische Analyse erstellt, mit deren Hilfe wir beurteilen, ob sich der Ausverkauf seinem Ende nähert, oder ob es noch immer zu früh für einen Kauf der Aktie ist. Mehr dazu in Kapitel 6.Erfreuliches gab es von Boeing: Die US-Flugbehörde FAA erteilte der 777-9 die Typengenehmigung der Phase 4B, einen der letzten Schritte vor der finalen Zertifizierung. Der Zeitplan, Zertifizierung Ende 2026, Auslieferungen Anfang 2027, bleibt bestehen.
Bleibt abschließend die Frage, warum der DAX diese Woche mit +4% so viel besser lief als der S&P 500 mit nur +1,7%. Da kamen einige Dinge zusammen: Zunächst wirkt sich der rückläufige Ölpreis direkt positiver auf das Energie-Importland Deutschland aus als auf die USA, in denen das meiste verwendete Öl selbst gefördert wird. Außerdem gibt es im DAX keine Chip-Maschinenbauer, deren Aktienkursverfall den Index belasten würde, wie es im S&P 500 sowie insbesondere im Nasdaq 100 der Fall war. Und zu guter Letzt hat der DAX gegenüber den US-Aktienmärkten im ersten Halbjahr kräftig Nachholpotenzial aufgebaut. In Kapitel 4 gehe ich darauf ein, ob daraus ein neuer Trend entstehen kann, oder ob es sich nur um eine kurzzeitige Gegenbewegung handelt.
Schauen wir nun zunächst auf die Wochenentwicklung der wichtigsten Indizes:
Wochenperformance der wichtigsten Indizes
| INDIZES | 3.7., 21:32 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ |
| DAX | 25.779 | 4,5% | 5,3% |
| S&P 500 | 7.483 | 1,7% | 9,3% |
| Nikkei | 69.744 | 0,6% | 38,5% |
| Shanghai A | 4.842 | -0,5% | 4,6% |
| US-Dollar/EUR | 1,14 | 0,2% | -2,6% |
| Euro/Yen | 184,56 | 0,0% | 0,5% |
| 10-Jahres-US-Anleihe | 4,48% | 0,10 | 0,32 |
| Umlaufrendite Dt | 2,92% | 0,07 | 0,14 |
| Feinunze Gold | $4.177 | 2,3% | -3,3% |
| Fass Brent Öl | $72,12 | 0,0% | 18,5% |
| Kupfer | $13.326 | 0,4% | 7,3% |
| Baltic Dry Shipping | $2.650 | 2,3% | 41,2% |
| Bitcoin | $62.123 | 3,5% | -29,2% |
3. Sentiment: Privatanleger und Profis sind diametral unterschiedlich positioniert
Um 4% springt der DAX diese Woche an. Da sind gleich mehrere Knoten geplatzt: Entspannung im Iran-Konflikt führt zu sinkenden Ölpreisen und befürchtete Zinsanhebungen werden zunehmend unwahrscheinlich. Der DAX wirft die Lasten der Vormonate ab und klettert auf ein neues Allzeithoch. Schauen wir mal, wie die Anleger diesen Befreiungsschlag aufnehmen.Unser Anlegersentiment steigt von -1,3 in der Vorwoche auf +3,2 und notiert damit schon fast im Bereich der Euphorie (ab Werten über 4). Vielleicht spielte sogar auch der Monatswechsel eine Rolle, denn der Kurssprung im DAX erfolgte am 1.7.; offensichtlich sprechen Anleger dem DAX aktuell das größte Kurspotenzial zu, vielleicht sogar auch Aufholpotenzial, nachdem der DAX im ersten Halbjahr 2026 hinter den meisten Indizes hinterherhinkte.
Der Kurssprung kam überraschend, Anleger waren darauf nicht vorbereitet. Dies leite ich zumindest aus der Selbstzufriedenheit ab, die mit einem Wert von nur +0,7 relativ neutral für einen so großen Kurssprung im DAX ist.
Und auch die Gründe für den Kurssprung scheinen Anlegern nicht offensichtlich, denn die Zukunftserwartung zeigt mit einem Wert von -0,7 einen leichten Überhang der Bären. In einer ersten Reaktion wird der Kurssprung offensichtlich als technische Reaktion, als fundamental nicht gerechtfertigt, ja vielleicht sogar als Fehler interpretiert.
Da ist es schon fragwürdig, warum die Investitionsbereitschaft mit einem Wert von +2,4 erstaunlich hoch ist. Wollen Anleger Geld auf fallende Kurse setzen? Schauen wir mal, ob die weiteren Sentiment-Daten zu dieser Frage Aufschluss geben.
Das Euwax-Sentiment der Privatanleger sinkt diese Woche vollständig ins Minus und schließt bei -35. Damit werden Absicherungsprodukte, deren Kurs bei fallenden Kursen steigt, stark nachgefragt. Bereits seit Mitte Juni überwiegt die Nachfrage nach Absicherungsprodukten. Wir können daher davon ausgehen, dass Privatanleger keine Angst vor fallenden, wohl aber vor steigenden Kursen haben könnten.
Das DAX-Put/Call-Verhältnis der institutionellen Anleger, die sich über die Eurex absichern, sinkt diese Woche auf 1,12, einer der niedrigsten Werte auf Jahressicht. Anders als beim Eurex-Indikator gilt hier: Je niedriger der Wert desto mehr Call-Spekulationen werden nachgefragt. Institutionelle Anleger verhalten sich also diametral unterschiedlich zu Privatanlegern. Während sich Privatanleger gegen fallende Kurse absichern, spekulieren institutionelle Anleger auf weiter steigende Kurse.
An der CBOE in den USA sieht es ähnlich zur Eurex aus. Dort notiert das Put/Call-Verhältnis für Equities mit einem Wert von 0,63 ebenfalls auf einem auf Jahressicht niedrigen Niveau. In den USA gehen Anleger also eher von steigenden Kursen aus.
US-Fondsanleger sind aktuell zu 85% investiert. Damit wurde die hohe Investitionsquote von vor einer Woche bei 99% deutlich zurückgefahren, Fondsmanager werden vorsichtig.
Die Bulle/Bär-Differenz der US-Privatanleger fällt auf -11%punkte. Die Bären stellen mit 42% die Mehrheit dar, nur 31% der Anleger betrachten sich als Bullen.
Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 32% moderate Angst an und unterstützt damit eher die defensive Marktverfassung.
Interpretation
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4. Ausblick: KI-Revolution verläuft weiterhin im Plan, Geschwindigkeit nimmt zu
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5. Update beobachteter Werte
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6. Wunschanalyse: Alphabet: KI für die Massen, wirtschaftlich und verständlich
Vor gut einem Jahr galt Alphabet an der Wall Street als der große KI-Verlierer: ChatGPT ersetzte das Suchgeschäft, hieß es, und Google verschlafe die Revolution, die im eigenen Haus erfunden wurde. Ja, das ist ein interessantes Informationshäppchen, das ich da gefunden habe: Das Transformer-Papier von 2017 aus dem Hause Google beschrieb die technische Grundlage der gesamten modernen KI. Heute steht der Konzern mit 4,3 Bio. USD Börsenwert da, wurde letzte Woche in den Dow Jones aufgenommen, Berkshire Hathaway stieg mit zehn Mrd. USD bei Alphabet ein, und die Aktie notierte Mitte Mai auf einem Allzeithoch.
Beginnen wir mit der Cloud, denn dort wird derzeit über Erfolg oder Misserfolg entschieden. Google Cloud beendete 2025 mit einer Jahresrate von über 70 Mrd. USD und legte im ersten Quartal 2026 nochmals um 63% zu. Mit der "Jahresrate" ist der annualisierte Umsatz des jüngsten Quartals gemeint. Bei den exorbitanten Wachstumsraten ist es manchmal hilfreich, die aktuelle Kenngröße entsprechend ins Verhältnis zu bringen. Bei einem Konzernumsatz von 403 Mrd. USD im Jahr 2025 macht die Cloud-Sparte bereits lukrative 17% aus, Tendenz wachsend. Für das Jahr 2026 dürfte der Anteil auf 25% anwachsen und dabei die Gewinnmarge im Konzern kräftig nach oben ziehen.Die Cloud von Google wächst schneller als die AWS von Amazon oder Azure von Microsoft. Das Cloud-Wachstum ist elementar für Alphabet, denn bei der letzten Unternehmenspräsentation vor einigen Wochen nannte das Management Enterprise-KI-Lösungen erstmals als wichtigsten Wachstumstreiber der Cloud. Die KI-Lösungen selbst wuchsen um mehrere hundert Prozent. Es ist ein Zeichen dafür, dass die KI-Investitionen in Umsatz münden. Entscheidend ist aber der Auftragsbestand. Dieser hat sich binnen eines Quartals auf über 460 Mrd. USD nahezu verdoppelt. Das sind mehr als sechs vertraglich vereinbarte, aber noch nicht belieferte Cloud-Jahresumsätze. Die KI-Ausgaben lassen sich problemlos in Umsatz wandeln. Die Nachfrage ist da, vertraglich fixiert, das Problem ist eher, die nachgefragte Leistung auf die Schiene zu bringen.
Auch der Gewinn aus dem KI-Geschäft ist keine bloße Hoffnung mehr. Das operative Ergebnis der Cloud verdreifachte sich im ersten Quartal nahezu, die Segmentmarge liegt inzwischen über 30%. Und das, obwohl die Abschreibungen auf die neuen Rechenzentren bereits den Nettogewinn schmälern. Konzernweit hielt Alphabet die operative Marge bei über 31%, während der Umsatz um 22% auf das schnellste Wachstumstempo seit 2022 anzog. Die Skepsis, KI-Abschreibungen würden die Margen zermalmen, hat sich bislang also nicht materialisiert.
Der ausgewiesene Nettogewinn (+81%) ist durch 37 Milliarden Dollar Bewertungsgewinne auf Beteiligungen aufgebläht, unter anderem SpaceX und Anthropic. Operativ wuchs der Gewinn "nur" solide zweistellig. Und die Kehrseite der Investitionswut ist der Free Cashflow: Bei 180 bis 190 Mrd. USD Investitionen (CAPEX) für 2026, und nochmals deutlich mehr für 2027 angekündigt, blieben im ersten Quartal nur gut 10 Mrd. USD freier Cashflow übrig. Anfang Juni holte sich der Konzern über 80 Milliarden Dollar frisches Kapital am Markt (Aktien-Zweitplatzierung erhöhte die Anzahl ausstehender Aktien um 2%). Das Urteil "die Investitionen rechnen sich" ist also für die Cloud belegbar, für den Konzern insgesamt aber erst zur Hälfte gesprochen: Der Umsatz-Beweis ist erbracht, der Cashflow-Beweis steht noch aus.
Die im eigenen Haus entwickelten KI-Chips sind dabei Alphabets vielleicht am meisten unterschätzter Trumpf. Die siebte TPU-Generation Ironwood erreicht bei den speziellen Aufgaben für die Google Cloud nach Analysen von SemiAnalysis nahezu das Rechenleistungs-Niveau von Nvidias ein Jahr alten KI-GPU-Generation (Blackwell-Generation), bei rund 44% niedrigeren Gesamtkosten pro Chip für Google selbst. Während Meta, Microsoft und OpenAI die Nvidia-Marge von deutlich über 70% mitbezahlen, trainiert und betreibt Alphabet seine Modelle zum Selbstkostenpreis.
Gemini 3 wurde vollständig auf TPUs trainiert und erzielte im Dezember beachtliche Leistungsergebnisse. Mit der neuen Claude-Version Fable 5 / Mythic von Anthropic oder ChatGPT 5.5 von OpenAI kann Gemini in den Extremanforderungen zwar nicht mithalten, dafür können Standard-Anwendungen schneller und günstiger abgewickelt werden.
Neu ist, dass Google die Chips nun auch nach außen verkauft: Anthropic hat sich rund eine Million TPUs gesichert, ein Paket im geschätzten Gegenwert von über 50 Mrd. USD, das den Löwenanteil des großen Auftragsbuches erklärt. Aus dem Kostenvorteil ist damit ein zweites Geschäft geworden: Die gemeinsam mit Broadcom entwickelte TPU ist heute eine der wenigen ernstzunehmenden Alternativen zu Nvidia KI-GPUs im Markt. Die Ironie, dass Google damit den schärfsten Konkurrenten des eigenen Gemini (Anthropics Claude) aufrüstet, löst der Konzern kaufmännisch: Alphabet ist mit 40 Mrd. USD an Anthropic beteiligt und verdient an Claude über Cloud-Miete, Chipverkauf und Beteiligungswert dreifach mit.
Die Google-Suche wächst weiterhin ordentlich - und das nicht trotz KI, sondern inzwischen auch wegen ihr, zuletzt um 19%, das höchste Tempo seit Jahren. Die KI-Übersichten erreichen über zwei Milliarden Nutzer monatlich, und Google monetarisiert sie zunehmend mit Anzeigen. Die Disruption der alten Google-Suche findet statt, aber sie findet bislang innerhalb von Google statt. Sollte der Rückgang der Google-Suche irgendwann doch kommen, stehen mehrere Ausgleichskandidaten bereit, die längst keine Zukunftsmusik mehr sind: Die Cloud, das Abo-Geschäft mit 350 Millionen zahlenden Abonnements über Google One, YouTube Premium und Gemini-Tarife, die einen wiederkehrenden Erlösstrom liefern, den es vor wenigen Jahren kaum gab. YouTube überschritt 60 Mrd. USD Jahresumsatz aus Werbung und Abos und ist nebenbei der größte Streaming-Anbieter auf dem Fernseher. Und Waymo fährt inzwischen über 500.000 vollautonome Fahrten pro Woche. Aus der Geldverbrennungs-Wette im Segment Other Bets, das weiterhin operativ Verluste schreibt, wird gerade ein echtes Geschäft mit Bewertungen jenseits der 100 Milliarden Dollar. Das Kerngeschäft Google Services wuchs zuletzt um 16% bei rund 40% Gewinnmarge und ist damit die Cash-Maschine, die das alles finanziert.
Das Thema China ist bei Alphabet schnell erzählt: Google hat sich 2010 aus China zurückgezogen und macht dort praktisch kein Geschäft. In Zeiten von Zöllen, Exportkontrollen und Taiwan-Risiko ist Alphabet damit der geopolitisch sauberste der großen Tech-Werte. Kein Vergleich zu Apple mit seiner Fertigungs- und Absatzabhängigkeit oder zu Nvidia mit dem China-Umsatz, um den wir uns regelmäßig sorgen. Der Preis dafür ist ein für immer verlorener Milliardenmarkt und die Tatsache, dass chinesische KI-Konkurrenz wie DeepSeek außerhalb von Googles Reichweite entsteht.
Bleibt die Frage aller Fragen: Warum ist Gemini nicht führend, wo Alphabet doch die Erfindung, die Chips, die Daten und mit Demis Hassabis einen Nobelpreisträger an der Spitze von DeepMind hat?
Gemini ist mit rund 660 Millionen Monatsnutzern die klare Nummer zwei in Sachen Verbreitung hinter ChatGPT, das gerade als schnellste App der Geschichte die Milliarde knackte. Deren Marktanteil fiel aber erstmals unter 50%, während Gemini auf rund 28% zulegte. Der Rückstand von Gemini hat drei Gründe. Erstens der Erstanbieter-Vorteil: "ChatGPT" ist zum Gattungsbegriff geworden wie einst "googeln". Aus "googeln" wird also nicht "frag Gemini", sondern "frag Chatti". Zweitens die Nutzungstiefe: ChatGPT-Nutzer verbringen gut doppelt so viel Zeit in der App wie Gemini-Nutzer. Gemini wird vielen Menschen über Android und über die Google-Suche zugespielt, statt aktiv gesucht zu werden. Und Reichweite ist nicht gleich Bindung. Wir sehen also, dass Gemini den Nutzern eher untergejubelt wird, während ChatGPT aktiv aufgerufen wird. Und drittens: Jede Suchanfrage, die eine KI abschließend beantwortet, gefährdet das margenstärkste Werbegeschäft der Welt. OpenAI und Anthropic haben da nichts zu verlieren, Google hingegen alles, und das bremst nicht die Forschung, aber die Radikalität der Produktentscheidungen.
Und genau das ist der Punkt, an dem Anleger ihre Zweifel haben. Binnen weniger Junitage verlor Alphabet zwei Aushängeschilder: Noam Shazeer, Mitautor des Transformer-Papiers und Co-Leiter von Gemini, ging zu OpenAI und Nobelpreisträger John Jumper, der Kopf hinter der Biotech-Forschung von Deepmind namens AlphaFold (Erforschung von Proteinstrukturen), wechselte zu Anthropic. Die Aktie verlor daraufhin an einem Tag rund 6%, etwa 250 Mrd. USD an Börsenwert, und die Markteinführung von Gemini 3.5 Pro wurde auf Juli verschoben. Die Vernetzung des Managements von Alphabet in der KI-Branche ist dabei paradoxerweise erstklassig. Hassabis genießt in der Forschungswelt einen Ruf wie kaum ein Zweiter, Mitgründer Sergey Brin arbeitet wieder operativ mit, und über die Beteiligungen an Anthropic und SpaceX sitzt Alphabet an den entscheidenden Tischen der Branche.
Dennoch können häufig die kleinen, fokussierten KI-Labore den besten Köpfen etwas bieten, das ein Vier-Billionen-Konzern nicht kann: Weniger Bürokratie und die Aussicht, Geschichte zu schreiben statt ein Werbegeschäft zu verteidigen.
Nach der Korrektur von den Höchstständen bei 408 USD notiert die Aktie bei rund 360 USD. Das durchschnittliche Analystenziel liegt gut 15 bis 20% darüber. Im laufenden Jahr wirkt sich der Umbruch bzw. Aufbruch in die KI-Welt belastend für die Umsatzentwicklung aus: Nur +4% werden erwartet. Dafür soll das Umsatzwachstum in den kommenden beiden Jahren dann stets bei 20% liegen.
Erfreulich ist die Gewinnentwicklung. Für das laufende Jahr wird ein Gewinnsprung von 50% erwartet, anschließend gehen Analysten von Wachstumsraten um die 25% aus. Doch am schönsten sieht der Chart aus, der die Entwicklung der Gewinnerwartung anzeigt: Analysten heben ihre Gewinnerwartung regelmäßig an. Hier gibt es also eine positive Dynamik, die jegliche Bewertungen bereits nach wenigen Monaten wieder als zu günstig entlarvt, solange dieser Trend anhält. Und ich habe den Eindruck, dieser Trend hat gerade erst begonnen.
Das EV/EBITDA von nur 18 macht Alphabet zu einer günstigen Möglichkeit, die gesamte Wertschöpfungskette der KI-Welt zu kaufen: KI-Modelle, KI-Chips, KI-Rechenzentren, Distribution und Anwendungen in einer Aktie.
Alphabet gehört für mich in den disruptiven Teil des Depots, wenn wir dort mal einen neuen Kandidaten aufnehmen möchten. Der Rücksetzer nach den Personalabgängen in den vergangenen Wochen ist meines Erachtens eine Übertreibung. Zwei Forscher, so brillant sie sind, entwerten weder 460 Mrd. USD Auftragsbestand noch den TPU-Kostenvorteil. Wer einsteigen möchte, sollte sich noch etwas Pulver trocken halten für nach den Quartalszahlen am 28. Juli. Da wird sich zeigen, ob die Cloud-Dynamik weiterhin trägt und wie groß die Investitionsansage für 2027 ausfällt.
Das größte Risiko ist meiner Ansicht nach nicht ChatGPT, sondern die Möglichkeit, dass die Branche insgesamt Überkapazitäten aufbaut. Dann träfe es allerdings die reinen Infrastruktur-Unternehmen deutlich härter als Alphabet, das seine Rechenzentren notfalls mit dem eigenen Werbegeschäft auslastet.
7. Chartanalyse zu Rheinmetall: Kaufzeitpunkt noch nicht gekommen
: Wunschanalyse identifizierte Rheinmetall als Kaufkandidat, doch erst zum richtigen Kurs
Mi, 01. Juli um 17:01 Uhr
Rheinmetall ist in den vergangenen Monaten vom Börsenliebling zum charttechnischen Problemfall geworden. Die Aktie notiert aktuell bei 1.035,60 Euro und damit fast 50% unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2.008 Euro, das Anfang Oktober 2025 erreicht wurde. Das 52-Wochen-Tief wurde erst in der vergangenen Woche bei 900,20 Euro markiert. Wir sprechen also nicht über eine normale Konsolidierung nach einer starken Rallye, sondern über einen heftigen Vertrauens- und Trendbruch.Besonders auffällig ist der Abstand zum volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen 52 Wochen. Dieser liegt bei rund 1.602 Euro, der aktuelle Kurs also deutlich darunter. Das zeigt: Alle, die in den vergangenen zwölf Monaten zu durchschnittlichen Marktpreisen eingestiegen sind, liegen inzwischen tief im Minus. Entsprechend hoch ist der Druck auf Anleger, die Gewinne sichern wollten, zu spät ausgestiegen sind oder nun auf eine technische Gegenbewegung hoffen.
Das Chartbild ist eindeutig angeschlagen. Der Kurs liegt unter dem 20-Tage-, dem 50-Tage- und dem 200-Tage-Durchschnitt. Diese drei Linien verlaufen zudem in einer klar negativen Reihenfolge: Der kurzfristige Durchschnitt liegt unter dem mittelfristigen, dieser wiederum unter dem langfristigen. Das ist die klassische Struktur eines Abwärtstrends. Der 20-Tage-Durchschnitt bei rund 1.122 Euro bildet den ersten relevanten Widerstand, darüber wartet der 50-Tage-Durchschnitt bei rund 1.209 Euro. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt mit 1.567 Euro inzwischen so weit entfernt, dass er kurzfristig eher als Erinnerung an die frühere Euphorie dient denn als realistische Zielmarke.
Beim Momentum ist Rheinmetall angeschlagen, aber noch nicht zwingend am Ende des Ausverkaufs angekommen. Der RSI liegt bei 38,5 Punkten und damit im unteren neutralen Bereich. Klassisch überverkauft wäre die Aktie erst unter 30 Punkten. Das ist wichtig, denn viele Anleger verwechseln einen stark gefallenen Kurs mit einem automatisch günstigen Einstieg. Die Technik sagt hier etwas anderes: Der Verkaufsdruck hat nachgelassen, aber ein sauberer Erschöpfungspunkt ist noch nicht erreicht.
Auch der MACD bestätigt das schwache Bild. Die MACD-Linie liegt tief im negativen Bereich und zudem unterhalb der Signallinie. Das Histogramm ist ebenfalls negativ. Mit anderen Worten: Der Abwärtstrend verliert bislang nicht sichtbar an Kraft. Für eine echte Bodenbildung bräuchte es zunächst eine Stabilisierung, dann eine Verengung des negativen Momentums und schließlich ein Kaufsignal. Davon ist im aktuellen Chart noch wenig zu sehen.
Die Bollinger-Bänder zeigen, wie nervös die Aktie inzwischen geworden ist. Die Bandbreite liegt bei über 36%, der Kurs bewegt sich im unteren Bereich der Spanne. Die untere Begrenzung verläuft bei rund 920 Euro und liegt damit nahe am jüngsten 52-Wochen-Tief. Genau dort entscheidet sich nun, ob Rheinmetall einen tragfähigen Boden ausbilden kann oder ob der nächste Verkaufsimpuls folgt. Die Zone zwischen 900 und 920 Euro ist damit die zentrale Unterstützung. Fällt sie, wäre das ein weiteres klares Warnsignal.
Auch die Schwankungsbreite bleibt hoch. Die durchschnittliche Handelsspanne der vergangenen 14 Tage liegt bei rund 64 Euro je Aktie, das entspricht etwa 6% des aktuellen Kurses. Für Anleger bedeutet das: Rheinmetall ist derzeit kein ruhiger Depotwert, sondern ein Titel mit erheblichen täglichen Ausschlägen.
Im Vergleich zum DAX hat Rheinmetall zuletzt klar enttäuscht. Der Sortino-Wert über zwölf Monate liegt bei −1,34, während der DAX auf +0,70 kommt. Das zeigt nicht nur eine schwächere Kursentwicklung, sondern vor allem eine deutlich schlechtere Entwicklung im Verhältnis zum eingegangenen Abwärtsrisiko. Rheinmetall war lange Zeit der große Profiteur der sicherheitspolitischen Neubewertung Europas. Nun zeigt sich, dass auch ein starkes strukturelles Thema keinen Schutz vor überzogenen Bewertungen und enttäuschten Erwartungen bietet.
Aus charttechnischer Sicht ist das Fazit klar: Rheinmetall befindet sich in einem intakten Abwärtstrend. Die Aktie ist stark gefallen, aber noch nicht überzeugend überverkauft. Eine technische Gegenbewegung ist jederzeit möglich, zumal die Zone um 900 bis 920 Euro kurzfristig stützen kann. Doch eine Gegenbewegung ist noch keine Trendwende. Erst ein Anstieg über den 20-Tage-Durchschnitt bei rund 1.122 Euro würde das kurzfristige Bild etwas entspannen. Oberhalb von 1.209 Euro, also über dem 50-Tage-Durchschnitt, könnte man erstmals wieder von einer ernsthafteren Stabilisierung sprechen. Bis dahin bleibt jeder Anstieg zunächst nur eine Erholung im Abwärtstrend.
Um einen günstigen Kaufzeitpunkt zu finden, lautet die zentrale Frage daher nicht, ob Rheinmetall langfristig ein interessantes Unternehmen bleibt. Das ist angesichts der europäischen Verteidigungsausgaben weiterhin der Fall, wie ich in der Wunschanalyse zeigte. Die charttechnische Frage ist vielmehr, ob der Markt bereits genug schlechte Nachrichten eingepreist hat. Der Chart gibt darauf noch keine eindeutige Antwort. Er sagt nur: Die Aktie nähert sich einer wichtigen Unterstützungszone, aber der Trend zeigt weiter nach unten. Wer investiert ist, achtet nun auf die 900-Euro-Marke. Wer einsteigen möchte, sollte abwarten, ob Rheinmetall diese Zone verteidigt und anschließend die ersten Widerstände zurückerobert.
8. Leserfragen: .com/de/der-moment/gewalt-von-sainte-soline-konflikt-um-verteilung-von-wasser-in-frankreich
Vorübergehende Belastungen am Goldmarkt
Hallo Herr Heibel,
Wie immer habe ich mit großem Interesse Ihren Börsenbrief gelesen. Habe versucht, die Sentiment-Indikatoren ins Verhältnis zu den makroökonomischen Entwicklungen zu setzen und konnte mir kein klares Bild machen.
Mal angenommen: Die Zinsen sinken überraschend, und gleichzeitig fällt die Inflation, weil der Ölpreis einbricht. Eigentlich müsste Gold dann ja steigen (=Sentiment). Aber wie passt das genau zusammen? Wenn die Inflation schneller fällt als die Zinsen, steigt ja der Realzins – blockiert das nicht den Goldpreis? Was passiert, wenn sich der Konflikt im Nahen Osten entspannt? Dann fällt doch die Krisen-Prämie bei Gold weg. Und wenn der US-Dollar trotz der sinkenden Zinsen stark bleibt (starke Wirtschaft, KI-Investitionen), macht das Gold ja auch wieder teurer für internationale Käufer.
Kurz gesagt: Macht es vor dem Hintergrund Sinn, jetzt für das nächste halbe Jahr auf Gold zu wetten?
Vielen Dank für Ihre Einschätzung!
Beste Grüße aus Bochum,
Christoph
ANTWORT
Vielen Dank für die ausführliche Frage – Sie haben die richtigen Hebel im Blick, und genau deshalb bekommen Sie derzeit kein klares Bild. Die von Ihnen aufgelisteten Faktoren ziehen derzeit tatsächlich in verschiedene Richtungen.
Fangen wir mit Ihrem stärksten Argument an, dem Realzins. Sie haben völlig recht: Für Gold zählt nicht der Nominalzins, sondern der reale Zins, also Nominalzins minus Inflation. Fällt die Inflation schneller als die Leitzinsen, steigt der Realzins. Ein steigender Realzins erhöht die Opportunitätskosten für das zinslose Gold. Das ist klassischerweise Gift für den Goldpreis. Ihre Intuition, dass „Zinsen runter" eben nicht automatisch „Gold rauf" heißt, ist also goldrichtig.
Aber genau das ist die entscheidende Änderung der vergangenen Jahre: Genau diese enge inverse Beziehung zwischen Gold und Realzins ist seit 2022 weitgehend außer Kraft. Gold ist trotz hoher Realzinsen massiv gestiegen. Der Grund dafür ist meiner Einschätzung nach ein Wechsel des "Grenzkäufers". Den Preis setzt nicht mehr der westliche ETF-Investor, der auf den Realzins schaut, sondern inzwischen die Notenbanken, allen voran China und andere Schwellenländer, die seit dem Einfrieren der russischen Devisenreserven 2022 systematisch aus dem Dollar in Gold diversifizieren. Diese Käufer sind zins- und preisunempfindlich und handeln nach politischem Kalkül, nicht nach dem Realzins. Das Realzins-Modell gilt also weiter, es wird nur derzeit vorübergehend von der aktuell starken Notenbanknachfrage seitens Chinas und der Schwellenländer überlagert.
Zur Krisenprämie und zum Nahost-Konflikt: Auch hier liegen Sie richtig, eine Entspannung nimmt Gold die Sicherheitsprämie. Das passiert gerade. Nach den Schlägen gegen den Iran im Frühjahr laufen inzwischen Friedensbemühungen, der Ölpreis ist auf das Vorkriegsniveau zurückgefallen, und genau das hat in den vergangenen Wochen einen Teil der Goldkorrektur ausgelöst. Eine Krisenprämie ist immer flüchtig. Sie bläht den Preis schnell auf und entweicht anschließend ebenso schnell. Darauf würde ich keine Sechs-Monats-These bauen.
Auch beim US-Dollar haben Sie recht. Gold wird in Dollar gehandelt, ein starker Dollar verteuert es für alle Käufer außerhalb des Dollarraums und wirkt historisch gegenläufig. Und der Dollar-Index ist zuletzt wieder über die Marke von 100 gestiegen.
Und jetzt der eigentliche Knackpunkt, der Ihr ganzes Szenario auf den Kopf stellt: Ihre Annahme über sinkende Zinsen und fallende Inflation ist im Moment das genaue Spiegelbild der Realität. Wir haben es in der Wahrnehmung der Finanzmarktteilnehmer mit dem Gegenteil zu tun, ich berichtete darüber. Die Fed unter dem neuen Vorsitzenden Warsh gibt sich betont restriktiv, am Markt werden für dieses Jahr eher Zinserhöhungen eingepreist als Senkungen. Die Inflation fällt nicht, sie hat zuletzt wieder angezogen (die PCE-Rate lag im Mai bei rund 4 Prozent), auch befeuert von den Energiepreisen des Konflikts. An den Finanzmärkten rechnet man mit Inflation, steigenden Zinserwartungen, einem starken Dollar und wegbröckelnden Krisenprämien. Das sind vier Gegenwinde gleichzeitig. Kein Wunder, dass Gold von seinen Hochs über 5.500 Dollar bis in den Bereich von 4.000 Dollar korrigiert hat.
Was heißt das für Ihre Frage nach der Sechs-Monats-Wette? Hier müssen wir zwei Dinge sauber trennen, und ich vermute, in genau dieser Vermischung steckt Ihr Unbehagen.
Als taktischer Trade über sechs Monate kämpfen Sie aktuell gegen den Strom. Die makroökonomischen Rückenwinde, die Sie sich in Ihrem Szenario ausmalen, sind im Moment schlicht nicht da – es weht von vorne. Wer jetzt rein tradingorientiert auf einen schnellen Goldanstieg setzt, stellt sich gegen Notenbankpolitik, Inflationsdynamik, Dollar und Technik. Möglich ist das, da ich insbesondere den Inflationsdruck als übertrieben wahrnehme. Ein einfaches Setup ist es aber nicht.
Als strategische Position sieht die Geschichte anders aus. Der strukturelle Treiber – Notenbankkäufe, De-Dollarisierung, die Sorge um die Schuldentragfähigkeit der großen Industrieländer – ist intakt. Genau deshalb hat Gold trotz der vier Gegenwinde „nur" bis 4.000 USD korrigiert (ein Drittel der zuvor erzielten Gewinne) und nicht tiefer, und genau deshalb halten Broker ihre Jahresendziele überwiegend deutlich höher.
Beste Grüße zurück nach Bochum
Atomkraft: Falsches Narrativ in Deutschland
Lieber Stefan Heibel,
Frankreich muss seit längerem jedes Jahr mangels ausreichender Kühlwassermengen Meiler herunterfahren.
Explosiv, im wahren Sinn.
https://f97.be/blog/2025/12/01/frankreich-atomkraft-wassermangel.html
Aktuell:
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/atomkraftwerke-hitze-kuehlung-abgeschaltet-100.html
https://www.deutschlandfunk.de/kuehlung-fuer-klimawandel-geruestet-frankreich-setzt-weiter-auf-kernenergie-dlf-d99e634a-100.html
https://www.handelsblatt.com/politik/international/energie-trockenheit-und-fehlende-energie-alternativen-frankreichs-atomkraftwerke-ueberhitzen-fluesse/28588994.html
In Frankreich gibt es bereits massive Differenzen, wer wann wie Wasser verbrauchen darf.
https://meinfrankreich.com/frankreichs-kampf-ums-wasser/
https://www.dw.com/de/frankreichs-kampf-gegen-den-klimawandel/a-66924218
https://abereus.net/artikel-am-dienstag/der-franzoesische-kampf-ums-wasser/
https://www.gtai.de/de/trade/frankreich/specials/frankreich-klimawandel-erzwingt-neue-loesungen-im-wassersektor-1072168
https://www.kivvon.com/de/der-moment/gewalt-von-sainte-soline-konflikt-um-verteilung-von-wasser-in-frankreich
Wissenschaftlich ist (nur seriöse Wissenschaft) unstreitig klar, dass sich das heatimg noch verschlimmern wird.
https://www.planet-wissen.de/sendungen/sendung-hitze-100.html
https://www.umweltbundesamt.de/auswirkung-des-klimawandels-auf-die
Atomkraft ist daher tot oder bringt (mangels Kühlung oder weiterer Umweltphänomene) den Tod.
https://www.gamestar.de/artikel/frankreich-atomkraftwerk-quallen-hitze-sommer-klima,3438710.html
https://www.energiezukunft.eu/klimakrise/atomkraftwerke-von-hochwasser-bedroht-endgueltige-abschaltung-gefordert/
https://www.grs.de/de/aktuelles
ah-am-wasser-gebaut-haben-zunehmende-trockenheit-und-hitzeperioden-einfluss-auf
Das ist, ungeachtet der "Über alles Kosten" als teuerste Stromart überhaupt,
https://www.enbw.com/unternehmen/themen/klimaschutz/kernkraft-kosten.html
https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/studie-stromgestehungskosten-erneuerbare-energien.html
https://www.fr.de/politik/die-atomkraft-in-frankreich-ist-ein-finanzielles-desaster-93532284.html
https://www.watson.de
achhaltigkeit/watson-antwortet/888863339-atom-blackout-in-frankreich-wie-stabil-ist-frankreichs-kernenergie
nurmehr immer unkalkulierbareres Risiko und keine Story mehr?
Der Mensch "denkt" oder auch Planung ist die Ersetzung des Zufall duch Irrtum (A. Einstein(?
Liebe Grüße
Peter aus Düsseldorf
ANTWORT
Was Sie irrtümlicherweise tun, kenne ich aus vielen anderen Bereichen. Sie nehmen einen berechtigten Kritikpunkt, überspitzen jedoch dessen Bedeutung - machen aus einer Mücke einen Elefanten - und ziehen voreilig weitreichende Schlüsse daraus. Ich habe versucht, das Thema sachlich aufzuarbeiten.
Zunächst das, worin Sie recht haben. Französische Reaktoren müssen in Hitze- und Dürreperioden tatsächlich gedrosselt oder abgeschaltet werden, weil das aus den Flüssen entnommene Kühlwasser zu warm zurückliefe und die Ökosysteme schädigen würde. Das ist kein Randphänomen vergangener Jahre, das passiert genau in diesen Tagen: In der laufenden Junihitze drosselt EDF Meiler an Rhône und Garonne, betroffen sind unter anderem Saint-Alban, Bugey, Blayais und Golfech. Und Sie haben auch im Trend recht, denn mit dem Klimawandel werden solche Wetterlagen häufiger und intensiver, aus einem Sommerproblem wird ein strukturelles Resilienzthema. Auch das gern gehörte Argument, Kernkraft sei „wetterunabhängige" gesicherte Leistung, stimmt eben nur eingeschränkt: Flusswassergekühlte Reaktoren sind es nicht.
Wo ich Ihnen widerspreche, ist das Ausmaß. „Atomkraft ist tot" bildet die Zahlen nicht ab. Die hitzebedingten Drosselungen kosten Frankreich übers Jahr nur einen sehr kleinen Teil der Erzeugung, im laufenden Sommer bislang nur Bruchteile eines Prozents der Jahresproduktion und selbst in schlimmen Sommern wenige Prozent. Frankreich hat 2025 netto über 90 Terawattstunden Strom exportiert und deckt rund 95 Prozent seiner Stromerzeugung CO2-arm. Das ist kein kollabierendes System, sondern eines mit einem realen, aber bislang beherrschbaren Sommerproblem.
Beim Geld bin ich nah bei Ihnen, aber mit einer wichtigen Unterscheidung. Die jüngsten Neubauten sind tatsächlich ein finanzielles Desaster. Flamanville 3 hat sich preislich vervielfacht und um mehr als ein Jahrzehnt verspätet. Die Fraunhofer-ISE-Studien, die Sie ja verlinken, sind jedoch das Papier nicht weg, auf dem sie gedruckt ist. Die Vergleichsrechnung wurde von Prof. Daniel Stelter durchaus schlüssig kritisiert (https://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/atomkraft-das-sind-die-verschwiegenen-kosten-der-energiewende-03/100101121.html). Bereits abgeschriebene, laufende Reaktoren produzieren günstig, und der Vergleich hinkt, weil Atomstrom planbare Grundlast liefert, während die billigen Erneuerbaren für dieselbe Versorgungssicherheit Speicher und Backup brauchen. Kurz gesagt: Die Fraunhofer-Studie rechnete die Kosten für Batteriespeicher und Backup der Atomenergie zu.
Und damit zu Ihrer eigentlichen Frage: „keine Story mehr"? Hier muss ich Ihnen als Börsianer deutlich widersprechen, und zwar empirisch, nicht weltanschaulich. An den Märkten ist Kernkraft seit 2023 nicht etwa tot, sondern eines der heißesten Themen überhaupt. Der Treiber ist der gewaltige Strombedarf der KI-Rechenzentren. Microsoft lässt für sich Three Mile Island wieder hochfahren, Meta hat Anfang 2026 ein Kernkraft-Portfolio über mehrere Gigawatt angekündigt, die US-Regierung hat milliardenschwere Reaktorprogramme aufgelegt, Uranaktien stehen 2026 deutlich im Plus, und einzelne Nuklear-ETFs haben dreistellig zugelegt. Wer in den vergangenen zwei Jahren behauptet hätte, Atomkraft sei „keine Story", hätte eine der stärksten Sektorbewegungen schlicht verpasst.
Sie argumentieren physisch und fundamental (Klima, Wasser, Kosten), der Markt handelt eine Nachfrage-Erzählung (die KI braucht jetzt verlässlichen, CO2-armen Strom). Beides kann gleichzeitig wahr sein. Genau die Risiken, die Sie benennen – Kühlwasserstress, explodierende Neubaukosten, jahrelange Bauzeiten – sind der Bärenfall innerhalb eines heiß gelaufenen Themas. Es sind die Argumente, mit denen man die Story hinterfragt, nicht die, die sie beerdigen.
Liebe Grüße zurück
Deutsche Telekom mit negativer Dynamik
Guten Tag Herr Heibel,
Ihre Idee mit der "Wunschanalyse" finde ich einfach hervorragend! Sicher ist die Wunschliste Ihrer Leserschaft inzwischen schon lang, dennoch möchte ich die Deutsche Telekom noch hinzufügen, wenn sie nicht ohnehin schon vorgeschlagen wurde.
Die Aktie hat seit 03/25 fast ein Drittel ihres Wertes verloren und nach einer Erholung bis März 26 ist sie wieder unterwegs gen Süden. Die Voten der Analysten Buy / Hold / Sell bewegen sich dennoch unbeirrt bei 9/0/0 bis 7/0/0. Bei den Kursverlusten hilft auch die wirklich gute Dividende nicht! Die Aktie ist schon lange in meinem Depot, aber es fällt mir seit Anfang 2025 zunehmend schwer, dabei zu bleiben. Mich würde daher Ihre Meinung sehr interessieren. Falls es mit der Wunschanalyse so schnell nichts werden kann, dann vielleicht als Antwort in der Rubrik Leserbriefe.
Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen Gerhard aus Kornwestheim
ANTWORT
Die Deutsche Telekom hat es in die Vorschlagsliste dieser Woche geschafft, musste sich dann aber hinter Alphabet mit dem zweiten Platz geschlagen geben. Daher vorerst leider keine Wunschanalyse.
Dennoch kurz meine Einschätzung: 2019 wurde die Dividende gesenkt und es dauerte bis 2022, um das Niveau von 2018 wieder zu erreichen. Daher erfüllt diese Aktie nicht unsere Kriterien für eine Dividendenaktie. Doch die anderen vier Kriterien sind erfüllt: Hohe Dividendenrendite von 3,6%, moderate Ausschüttungsquote, regelmäßige Anhebungen und eine ordentliche Wachstumsrate.
Der Umsatz wächst mit 3% p.a., das ist in einem reifen Markt nicht überraschend, aber dennoch zeigt auch diese Kennziffer, dass mit großen Sprüngen nicht gerechnet werden sollte. Mit einem EV/EBITDA von 6,2 ist das moderate Wachstum fair bewertet.
Analysten senken regelmäßig ihre Gewinnerwartung, was für eine negative Dynamik spricht. Daher kann ich nicht abschätzen, wann diese negative Dynamik, die auch den Kurs mit nach unten zieht, endet. Die Investitionen werden kräftig nach oben gefahren, was den freien Cashflow belastet. Es muss sich erst zeigen, ob sich die Investitionen rechnen.
Ich würde davon ausgehen, dass sich die Investitionen rechnen, allerdings kann es noch eine Weile dauern, bis sich das im Kurs zeigt. Aktuell würde ich daher nur mit engem Stop-Loss eine erste Position eröffnen, wenn überhaupt. Grundsätzlich warte ich lieber, bis diese negative Dynamik endet, bevor ich mich für eine Aktie entscheide.
CTS Eventim aktuell günstig bewertet
Lieber Herr Heibel,
da ich Ihnen zum ersten Mal schreibe, möchte ich mich an dieser Stelle für ihr Engagement bedanken.
An zweiter Stelle möchte ich Sie bitten einen Blick auf CTS zu werfen. Sie hat ordentlich Federn gelassen daher find eich sie jetzt interessanter denn je.
Vielen Dank nochmal für ihre Arbeit und nähe zu Ihren Abonnenten.
Liebe Grüße,
Lucas aus Siegsdorf
ANTWORT
Mit CTS haben Sie eine derzeit gute Aktie gefunden. „Derzeit“, weil das Geschäft in der Corona-Zeit quasi zum Erliegen kam, die Aktie kräftig einbrach und der Fortbestand des Unternehmens in Frage stand. Es folgte die Erholung und der starke Nachholbedarf bei den Kunden, die zu erhöhten Preisen kein Event, kein Konzert ausließen und dem Unternehmen zu Wachstumsraten um die 20% p.a. im Umsatz über mehrere Jahre bescherten. Die Aktie sprang von 40 Euro Mitte 2022 auf 114 Euro Mitte 2025.
Doch der Nachholeffekt ist nun eingepreist und die Wachstumsraten kommen wieder auf ein „normales“ Niveau von 3-5% p.a. im Umsatz zurück. Die Aktie war für ein so langsames Wachstum viel zu hoch bewertet und korrigiert nun wieder. Aktuell steht sie wieder bei 53 Euro. Analysten hinken noch immer der Entwicklung hinterher und senken bei jeder Gelegenheit ihre Gewinnerwartung, so dass die Aktie keinen Boden findet.
Inzwischen steht das EV/EBITDA bei nur noch 6. Für den Gewinn werden im laufenden und in den kommenden beiden Jahren Wachstumsraten von 6-9% p.a. erwartet, damit ist die Aktie günstig.
Nun habe ich gestern Abend zufällig zwei Karten für das Konzert des Rappers A$AP Rocky in der Barclays Arena hier in Hamburg gekauft, über CTS Eventim. Es wird das erste Konzert sein, das meine Tochter besucht, und ich habe uns weit hinten, weit oben positioniert. Wir werden das Gesicht von A$AP Rocky vermutlich kaum erkennen. Pro Karte habe ich 100€ ausgegeben. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass hier die Zahlungsbereitschaft der „Fans“ zu stark ausgenutzt wird. Mit so hohen Preisen muss man jederzeit damit rechnen, dass Konzerte auch mal nicht ausverkauft sind. Wenn wir hier in Deutschland den Gürtel mal wieder etwas enger schnallen müssen, dann wären Konzerttickets so ziemlich das erste, an dem der Konsument sparen würde.
Ich finde, das Geschäftsmodell von CTS Eventim ist ziemlich solide, die Bewertung günstig, und auf Sicht von mehreren Monaten kann ich mir gut vorstellen, dass die Aktie zulegen wird. Doch langfristig unterliegt das Geschäft sehr stark dem Konjunkturrisiko, so dass es für mich eher eine Spekulation wäre als ein Investment.
9. Übersicht HT-Portfolio
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Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen
DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag
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Stephan Heibel
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