Leserfragen (August 2026)


 Frage vom 21.08.2026

#Anleihekäufe US versus US-Indices und Bitcoin

Moin aus Flensburg,

wie passt das aktuelle Thema "Anleihekäufe US-Finanzministerium" und die aktuellen Reaktionen am Markt zusammen? Warum reagieren die Kryptowerte so deutlich positiv, die Aktienmärkte aber nicht. An der Börse werden doch in erster Instanz "News" gehandelt und hier geht es meiner Meinung nach erstklassig um Wirtschaftsnews?

Meine erste Vermutung ist, dass Investoren, welche schon länger an der Seitenlinie zum Einstieg in den Kryptomakt stehen, die Kertwende in den nächsten Bullenmarkt sehen. Die US-Börse bewegt sich dem entgegen bereits auf Rekordniveau.

Wäre super wenn Sie ein kurzes Statement für mich hier oder im nächsten Börsenbrief dazu haben.

Beste Grüße aus Flensburg, Peter

 Antwort:

US-Finanzminister Bessents Ankündigung vom Mittwoch dieser Woche, die Käufe von Anleihen mit langen Laufzeiten (10-30 Jahre) von 2 auf 4 Mrd. USD zu verdoppeln soll die "Yield Curve“ dahingehend modifizieren, dass lang laufende Anleihen eine niedrigere Verzinsung erhalten, die Yield Curve also flacher wird. Die Regierung will vor den November-Zwischenwahlen die Kapitalkosten senken, indem sie das dafür erforderliche Kapital über die Ausgabe kurz laufender Anleihen, die niedriger verzinst werden, holt. Bei US-Schulden von rund 40 Bio. USD und einer 30-jährigen Rendite kurz zuvor auf 19-Jahres-Hoch von 5,34% ist das Bedienen der Zinsen inzwischen um ein Vielfaches gegenüber der Last von vor fünf Jahren angesprungen. Genau das ist historisch das Umfeld, in dem harte Anlagen wie Gold und Bitcoin glänzen.

Der überproportionale Bitcoin-Sprung hat drei konkrete Gründe. 1.: Short Squeeze. Innerhalb weniger Stunden wurden 1,4 Mrd. USD an Short-Positionen liquidiert. 2.: Bitcoin hatte seit Juni gegen die 70.000-USD-Marke angerannt, viel Kapital wartete an der Seitenlinie auf einen Auslöser. Aktien stehen dagegen bereits auf ihren Allzeithochs. 3.: Krypto lebt von der Anti-Fiat-Erzählung - jedes Anzeichen von finanzieller Repression, wie beispielsweise das kurzfristig hilfreiche Umschichten auf niedriger verzinste Kurzläufer, treibt die Story.

Die Rückkauf-Ausweitung der lang laufenden Anleihen läuft nur bis 4. November 2026. Wird sie nach den Zwischenwahlen nicht verlängert, könnte die Reaktion sich schnell umkehren. Anleger reagieren meiner Einschätzung nach mehr auf die Erwartung weiterer Maßnahmen durch die US-Regierung als auf die tatsächliche Größenordnung. 4 Mrd. USD sind gemessen an den 40 Bio. USD Gesamtschulden ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ich denke, dieser Short-Squeeze im Bitcoin dürfte zunächst konsolidiert werden, bevor die Bitcoin-Rallye dann im Herbst an Fahrt gewinnt. Nach dem Sprung über 65.000€ würde mich eine Konsolidierung in Richtung 57.000€ nicht überraschen. Der KI-Halbleiter-Trade macht eine Pause, die Energie-Infrastruktur-Story bleibt attraktiv, defensive Dividendenwerte profitieren von fallenden Langzins-Renditen. In unserem Heibel-Ticker-Portfolio ist die Ausrichtung genau darauf abgestellt.


 Frage vom 20.08.2026

#Strom statt Chips: Konstellation Energy und Vistra

Hallo Herr Heibel,
Kann es sein das eine Sektorrotation weg von Halbleiter hin zu Stromaktien die günstiger bewertet sattfindet, denke an constellation energie , Vistra corp ?

Freundliche Grüße

Dieter aus Hüven

 Antwort:

Ja, daher haben wir ja auch eine entsprechende Energie-Aktie in unser disruptives Portfolio aufgenommen. Das Kapital strömt stets dorthin, wo der aktuelle Flaschenhals ist. Derzeit gibt es in meinen Augen zwei davon: Strom und HBM-Speicher, ich würde diese spezielle Branche der Halbleiter deswegen nicht gegen Strom eintauschen, sondern beides parallel verfolgen.

Constellation ist mit einem EV/EBITDA von 14 günstig bewertet, im laufenden Jahr wird ein Gewinnwachstum von 50% erwartet. Doch der Anbieter von Kernkraftwerken kann die Fertigung nicht einfach hochfahren, sondern muss langsam die Kapazitäten ausweiten, was zunächst wieder Investitionen mit sich bringt. Daher wird der Gewinn im nächsten Jahr weitgehend von Investitionen aufgezehrt. Das erwartete Umsatzwachstum ist jedoch mit 3-5% p.a. für die kommenden drei Jahre nicht gerade besonders hoch. Also: Als Spekulation ja, aber Kernkraft hat so seine eigenen Probleme.

Vistra hingegen ist mit einem EV/EBITDA von 10 echt günstig, der Gewinn soll im laufenden Jahr ebenfalls um 50% anspringen. Der Umsatz wächst im laufenden Jahr mit über 30%. Doch die Gewinnerwartungen für Vistra wurden in den vergangenen Monaten kontinuierlich nach unten gesenkt. Das Unternehmen verspricht offensichtlich gerne mehr als es liefern kann. Die Bewertung ist günstig genug für eine Spekulation, aber vom Hocker haut mich die Aktie nicht.


 Frage vom 20.08.2026

#3 Bio. USD KI-Investsitionen sind Versprochen

Hallo Herr Heibel,
mich haben als Laie die billionenschweren finanziellen Dimensionen (bilanziell erfasste Investitionen und außerbilanzielle Verpflichtungen)im KI-Sektor aufgerüttelt. Ebenso die gigantische Dimension der Rechenzentren wie z.B. des Meta-Rechenzentrums Hyperion, das 1.700 Fussballfelder umfassen soll. Diese gigantischen Rechenzentren werden auf einem aktuell sehr hohem Preisniveau errichtet.
Was passiert, wenn die chinesische Konkurrenz billigere KI-Modelle und Hardware (Chips) entwickelt und die Token-Preise fallen? Dann lassen sich die in den Wirtschaftlichkeitsrechnungen der westlichen Investoren prognostizierten Erlösströme vermutlich nicht mehr in voller Gänze materialisieren. Die Hyperscaler wie z.B. Amazon werden dies auf Grund ihrer traditionellen Geschäftsmodelle vermutlich kompensieren und verkraften? Was passiert mit den anderen im KI-Bereich engagierten Unternehmen wie z.B. Oracle? Sind diese Unternehmen in einem solchen Fall überlebensfähig? Könnte es im Hinblick auf die neuen "kreativen" Finanzierungstrukturen (Kreislauf- bzw. Zirkelgeschäfte etc.) zu einem starken Börsencrash oder sogar zu einer mit der Immobilienkrise vergleichbaren Finanzkrise kommen?
Viele Grüße
Helmut aus Lippstadt

 Antwort:

„Irgendwann“ ja. Doch in meinen Augen sind wir noch immer weit davon entfernt. Ja, China wird im Wettbewerb aufholen bzw. gleichziehen, manche behaupten, das sei bereits geschehen. Die KI-Modelle werden immer besser, doch wir Menschen lernen nur sehr langsam, damit umzugehen - auch bei den besten Modellen dürfte es noch ein wenig dauern, bis wir wissen, wie wir sie effizient einsetzen.

Meine Erwartung: Die KI-Modelle werden irgendwann gut genug für alle sein, darüber kann man sich kaum noch unterscheiden. Der Preis für die Rechenleistung bzw. umgerechnet auf die Qualität der Antwort wird das entscheidende Kriterium werden, und derzeit steckt die Nachfrage noch in den Kinderschuhen. Ich halte es für richtig, auf Teufel komm raus in KI-Rechenzentren zu investieren, da das Inferencing, also das Beantworten von Fragen und die Übernahme komplexer Aufgaben durch KI-Agenten, viel mehr Rechenleistung in Anspruch nehmen wird als die Entwickelung der neuesten und besten KI-Modelle. Deswegen investieren alle so viel in Rechenleistung und ich erwarte, dass Oracle und Dell demnächst gute Zahlen veröffentlichen werden.

Das absolute Volumen schreckt mich noch nicht. Dessen ungeachtet erfolgt auch die KI-Revolution in Wellen und es wird sicherlich die eine oder andere Konsolidierung geben, vielleicht irgendwann auch mal einen Crash wie nach der Internetblase. Doch von einem KI-Crash sind wir noch weit entfernt, Konsolidierungen können jederzeit kommen.


 Frage vom 20.08.2026

#Spekulation in Applovin nach Beendigung der SEC-Untersuchung

Hallo Herr Heibel,

ich habe AppLovin zuletzt Mitte Juni verkauft. Das war kurz nach dem Höchststand.
Was glauben Sie, ist die Aktie mittlerweile soweit gefallen, dass sich ein neuer Einstieg lohnt?
Sie liegt heute tiefer, als bei meinem ersten Einstieg 11/25. (da nur einen Monat gehalten)

beste Grüße aus Görlitz
Micha

 Antwort:

Herzlichen Glückwunsch, da haben Sie durch Ihren Verkauf einen 35% Kurssturz umgangen. Im Heibel-Ticker waren wir bereits im Februar ausgestiegen, als die US-Börsenaufsicht SEC die Untersuchung der Bilanzierungspraktiken beim Produkt AXON ankündigte. Seither kam die Aktie nicht mehr vom Fleck. Anfang August wurde die Untersuchung nun eingestellt, die Vorwürfe sind vom Tisch. Aber fast zeitgleich veröffentlichte Applovin am 5. August Q-Zahlen, die leicht hinter den Erwartungen der Analysten blieben. Die Aktie gab also nochmals kräftig ab und notiert nun auf einem EV/EBITDA von nur noch 15 bei einem erwarteten Gewinnwachstum von 58% im laufenden Jahr. Das ist günstig.

Tendenziell gingen die Erwartungen an die Gewinnentwicklung bei Applovin in den vergangenen Monaten hoch, wenngleich seit Anfang August wieder etwas von dem Erwartungsanstieg abgegeben wurde. Soll heißen: Das Geschäft läuft eigentlich gut, allerdings hatten sich die Erwartungen noch schneller entwickelt.

Kritisch zu sehen ist natürlich der Wettbewerb: Meta und Google sind zwei schlagkräftige Gegner, die ihre Marktanteile kaum kampflos abgeben werden. Auf der anderen Seite hat sich Applovin im Spielebereich inzwischen eine ziemlich gute Marktposition aufgebaut und grenzt sich so vom Wettbewerb ab.

Somit ist Applovin in meinen Augen nun wieder eine Spekulation wert, so wie auch Salesforce, ServiceNow, Adobe, SAP und die Reihe weiterer Software-Unternehmen eine Spekulation wert sind. Wir haben bereits eine entsprechende Spekulation in unserem Portfolio und für zwei solche Spekulationen ist mir die Situation zu ungewiss.


 Frage vom 15.08.2026

#Druckenmiller kauft Natera & Bitdeer

Guten Morgen Herr Heibel,

Ich habe in den 13F Berichten gelesen dass Druckenmiller massiv umschichtet , kauf z.b. Bitdeer. Könnte man davon ausgehen dass hier umfangreiches Insiderwissen vorhanden ist, ebenso wie bei Natera. Ich habe Natera im Depot, läuft super.

Danke

Freundliche Grüße

Dieter aus Hüven

 Antwort:

Druckenmillers 13F ist ein Signal unter vielen, aber kein Freibrief zum Nachkauf und schon gar nicht ein Beleg für Insiderwissen. Die 13F-Berichte werden mit bis zu 45 Tagen Verzögerung veröffentlicht, das heißt Druckenmiller kann bereits wieder ausgestiegen sein, wenn Sie die Meldung lesen. Zudem sind sein Portfolio-Volumen und seine Halteperspektiven ganz andere als die eines Privatanlegers: Er kann eine Position von 100 Mio. USD über Wochen aufbauen und ebenso lang wieder abgeben, ohne dass es jemand merkt.

Natera ist ein Unternehmen der Gesundheitsbranche. Mit Signatera wird ein Produkt angeboten, das in der Onkologie-Diagnostik zum Standard werden könnte. Das ist keine Insider-Information, sondern eine begründete Wette auf strukturelles Wachstum, das jeder Beobachter erkennen kann. Da Sie die Aktie bereits im Depot haben, würde ich aktuell nicht zukaufen, bevor die Aktie sich nach dem +107%-Anstieg der letzten 12 Monate konsolidiert hat. Ein Rücksetzer in den Bereich 240-260 USD wäre die Gelegenheit zum Aufstocken. Aktuell würde ich sogar überlegen, einen Teil der Position zu verkaufen und die Kursgewinne teilweise zu sichern - vor allem, wenn die Positionsgröße durch den Kursanstieg mittlerweile überproportional geworden sein sollte.

Beim Bitcoin-Miner Bitdeer wäre ich deutlich vorsichtiger. Das Unternehmen verbrennt jährlich 2,1 Mrd. USD Cash bei einer Marktkapitalisierung von nur 2,48 Mrd. USD und hat 1 Mrd. USD Nettoschulden. Q2-Zahlen haben enttäuscht und die Aktie brach um -16% ein. Druckenmiller könnte sich sogar einen Totalverlust dieser Position leisten und wettet vermutlich darauf, dass Bitdeer den Schwenk zur KI-Colocation schafft, bevor das Geld ausgeht. Mehrere Bitcoin-Miner haben in den vergangenen Wochen KI-Rechenleistung angeboten und teils erfolgreich vermietet. Für einen Privatanleger ist das eine völlig andere Risikodimension. Wenn Sie unbedingt am Miner-KI-Trend teilhaben wollen, sind Hut 8 (26,6 Mrd. USD AI-Auftragsbestand) oder Core Scientific (24 Mrd. USD) die deutlich konservativere Wahl - beide haben ähnliche Chancen bei erheblich besserer Finanzlage.

Grundsätzlich zur 13F-Logik: Prominenten Investoren zu folgen funktioniert in der Regel für Privatanleger nicht. Druckenmillers Portfolio ist kein Musterportfolio zum Kopieren, sondern ein Ideengeber für weitere eigene Recherche. Als Ideengeber ist es sicherlich interessant, den Aktionen der prominenten Investoren zu folgen.


 Frage vom 15.08.2026

#Dividendenaktien: Nissan Chemical, McDonalds, Procter & Gamble, Koninklijke Ahold Delhaize

Guten Tag Herr Heibel,

ganz herzlichen Dank für die ausführliche Rückmeldung zur Nissan Chemical. Die ist mir leider ziemlich davongelaufen, wo sehen Sie hier die relevanten Einstiegsniveaus?

Mich würde noch Ihre Einschätzung zu den defensiven Werten McDonald‘s, Procter & Gamble sowie Ahold Delhaze auf den aktuellen Niveaus interessieren. Diese dürften ja vom Prinzip her auch in ihr Beuteschema passen.

Beste Grüße vom Niederrhein
Felix aus Geldern

 Antwort:

@Nissan Chemical: Die Aktie steht aktuell ein wenig höher als Anfang Juni, als Sie mich erstmalig darauf ansprachen. Bitte geben Sie mir noch ein paar Wochen Zeit für die Suche nach alternativen Dividendenaktien, ich habe mir vorgenommen, spätestens im Laufe des Septembers neue Positionen aufzubauen.

@McDonald's: Die Aktie steht bei rund 272-275 USD, satte 22% unter dem 52-Wochen-Hoch von 341,75 USD und nahe am 52-Wochen-Tief. Ein EV/EBITDA von 14 ist für McDonald's historisch niedrig, die Dividendenrendite von 2,6% mit 50 Jahren ununterbrochenem Dividendenwachstum passt wunderbar in unsere Dividendenkriterien, von denen alle fünf erfüllt werden. Q2 2026 hat die Gewinn-Erwartung leicht übertroffen, der Umsatz war leicht unter den Erwartungen. Konjunkturdruck sorgt gerade bei Geringverdienern für Konsumzurückhaltung, aber genau in solchen Phasen sammelt McDonald's mit McValue-Angeboten Marktanteile ein. Die Analysten-Kursziele liegen im Schnitt 20% über dem aktuellen Kursniveau.

@Procter & Gamble: Solide, aber nicht besonders attraktiv. 136 Jahre ununterbrochene Dividende, 70 Jahre in Folge erhöht - das ist Weltrekord und macht P&G zu einer der defensivsten Aktien überhaupt. Q3 FY26 zeigte ein Umsatzwachstum von 3%, was für ein Konsumgüterunternehmen dieser Größe ordentlich ist. Das EV/EBITDA von 16 bei nur 3-5% Gewinnwachstum ist nicht besonders günstig, die Dividendenrendite von 2,7% ist historisch unterdurchschnittlich. Für eine reine Dividendenposition mit maximaler Stabilität passt P&G, aber wer Rendite sucht, findet an anderer Stelle mehr.

@Koninklijke Ahold Delhaize: Der interessanteste Wert Ihrer drei defensiven Kandidaten ist dieser Supermarktbetreiber. Die Aktie steht nahe dem 52-Wochen-Tief. Das EV/EBITDA von 6 ist deutlich günstiger als das von McDonald's oder P&G. Die Dividendenrendite ist mit 3,6% attraktiver, 20 Jahre ununterbrochene Dividendenzahlung, 10 Jahre kontinuierliche Erhöhungen. Q2 2026 lag im Rahmen der Erwartungen: Umsatz +1,9%, Gewinn leicht unter der Erwartung. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten von 40 EUR entspricht rund 15% Aufwärtspotenzial. Der Wert passt gut in ein defensives Dividendendepot.


 Frage vom 14.08.2026

#Tonies' ambitionierte Pläne und Bewertung

Hallo Herr Heibel,

wir beide hatten uns zur Aktie 'Tonies' bereits einmal ausgetauscht ... ich habe mit großem Interesse deren Unternehmens-Präsentation zum Capital Market Day aus dem Juni 2026 durchgeschaut ...

... meine KI hat das für Sie wie folgt zusammengefasst:

Tonies Capital Markets Day 2026 – die 6 wichtigsten Punkte

Sehr ambitioniertes Wachstumsziel bis 2030
tonies will den Umsatz von zuletzt rund 630 Mio. € auf mehr als 1,4 Mrd. € bis 2030 steigern – also mehr als verdoppeln.
Gleichzeitig soll die bereinigte EBITDA-Marge auf 16–18 % steigen. Das wäre eine erhebliche Verbesserung gegenüber den aktuell rund 9 %.
Der wichtigste Wachstumstreiber ist Internationalisierung
Besonders interessant: In DACH erreicht tonies nach eigener Darstellung bereits rund 58 % der Zielhaushalte, in den USA dagegen erst etwa 12 %.
Die USA sind deshalb der mit Abstand wichtigste kurzfristige Wachstumsmarkt.
2027 sollen mindestens zwei weitere Länder/ Märkte hinzukommen; bis 2030 will tonies in allen wichtigen Weltregionen vertreten sein.
Insgesamt sieht tonies weltweit mehr als 570 Mio. adressierbare Haushalte.
Aus dem Produkt soll ein Ökosystem werden
Das ist für mich eine der interessanteren Aussagen des CMD: tonies möchte sich nicht mehr nur als Hersteller der Toniebox verstehen, sondern als globale Audio-Plattform für Kinder.
Die Logik:
Toniebox → installierte Nutzerbasis → Tonies/Inhalte → wiederkehrende Umsätze → neue Geräte → noch größere Nutzerbasis.
Der entscheidende Punkt für Anleger ist dabei, dass die Figuren bzw. Inhalte eine höhere Marge haben als die Hardware. Mit wachsender installierter Basis soll sich deshalb der Umsatzmix zugunsten des profitableren „Attach Revenue“ verschieben.
Toniebox 2 und neue Geräte sollen die Plattform erweitern
tonies will künftig ein Multi-Device-Ökosystem aufbauen. Das Unternehmen erwartet also nicht nur Wachstum durch mehr Boxen und mehr Figuren, sondern auch durch weitere Gerätegenerationen und neue Produktkategorien.
Das ist strategisch wichtig: tonies versucht, aus einem erfolgreichen Einzelprodukt eine Marke bzw. Plattform zu machen.
AI wird als Wachstumshilfe eingesetzt
Bemerkenswert ist, wie stark tonies AI in die zukünftige Skalierung einbezieht:
schnellere Lokalisierung von Inhalten
kürzere Entwicklungszyklen
mehr Content ohne proportional steigende Kosten
Das passt zur Internationalisierungsstrategie: Wenn Inhalte für viele Länder schneller und günstiger angepasst werden können, verbessert das theoretisch die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells.
Der eigentliche Investment-Case lautet: Wachstum + Margenhebel
Genau hier wird die Präsentation für mich als Aktionär interessant. tonies behauptet nicht nur:
„Wir wachsen stark.“
Sondern eigentlich:
„Wir können gleichzeitig wachsen und deutlich profitabler werden.“
Das Unternehmen erwartet, dass mit zunehmender Größe die Kosten für Beschaffung, Logistik und Verwaltung relativ zum Umsatz sinken. Zusammen mit dem höheren Anteil margenstarker Inhalte soll daraus der Sprung auf 16–18 % EBITDA-Marge entstehen.

Dazu muss man sich natürlich fragen:

1. Wie realistisch sind die 1,4 Mrd. € Umsatz?
2. Wie realistisch sind 16–18 % EBITDA-Marge?
3. Was bedeutet das für den heutigen fairen Aktienwert bzw. das Kursziel?

Ich finde den generellen Case (Produkt, Strategie und Vertriebsarbeit) wirklich gut und bin gespannt auf die neuen Zahlen am 20. August.
Was meinen Sie ?

Viele Grüße
Stephan aus Hamburg (nein, nicht ihr Autor selbst ;-)

 Antwort:

Danke für die schöne strukturierte Aufbereitung - Ihre KI hat die zentralen Punkte des CMD sehr gut herausgeschält. Ich beantworte Ihre drei Fragen der Reihe nach.

Zu 1.: 1,4 Mrd. EUR Umsatz bis 2030: Das ist machbar, wenn auch ambitioniert. Von 630 Mio. EUR in 2025 auf 1,4 Mrd. EUR entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von rund 17%. Aktuell wächst Tonies mit über 20%, für 2026 hat das Management mehr als 760 Mio. EUR (+20%) angekündigt. Der entscheidende Hebel sind die USA mit einer Haushaltsdurchdringung von aktuell erst 12% - im DACH-Raum sind es bereits 58%. Nordamerika legte 2025 um 40% zu, und die Toniebox 2 ist dort ein Verkaufsschlager. Wenn die US-Expansion in den kommenden Jahren nicht ins Stocken gerät und ab 2027 tatsächlich zwei weitere Länder hinzukommen, ist der Umsatzpfad realistisch. Das Risiko liegt weniger im Produkt als in der Frage, ob Tonies bei Konjunkturschwäche bestehen kann. Kinderprodukte sind zwar relativ konjunkturunempfindlich, aber ein 80-EUR-Spielzeug bleibt Luxus, den man sich im Zweifel auch sparen kann.

Zu 2.: 16-18% Gewinnmarge (EBITDA): Hier bin ich skeptischer. Mattel und Hasbro erreichen in guten Jahren 15-17% Gewinnmarge. Das sind aber etablierte Konzerne mit treuen Kunden aus jahrzehntelanger Gewöhnung. Tonies müsste in fünf Jahren einen Weg zurücklegen, für den die Klassiker Jahrzehnte gebraucht haben. Dafür spricht hingegen ein wachsender Anteil des margenstärkeren Content-Umsatzes (Figuren statt Boxen), Skaleneffekte in Logistik und Beschaffung, KI-getriebene Anpassung der Inhalte an lokale Gegebenheiten. Allerdings bleibt Hardware Hardware, und je stärker Tonies in neue Länder expandiert, desto höher werden zwischenzeitlich die Markterschließungskosten. Im Studium habe ich gelernt, dass jedes Geschäft, das mit mehr als 15% Gewinnmarge operiert, Neider erzeugt, die für Wettbewerbsdruck, und damit sinkende Margen sorgen. Ich würde daher nur mit 12-14% Gewinnmarge rechnen.

Zu 3.: Fairer Aktienwert: Bei 1,3 Mrd. EUR Umsatz in 2030 (leicht unter Ziel) und 14% EBITDA-Marge ergeben sich 182 Mio. EUR Gewinn (EBITDA). Bei einem EV/EBITDA von 15, wie es in dieser Branche üblich ist, komme ich auf einen Enterprise Value von rund 2,7 Mrd. EUR in 2030. Diskontiert mit 10% p.a. auf heute sind das rund 1,7 Mrd. EUR. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei 1,6 Mrd. EUR - also praktisch fair bewertet.

Im optimistischen Fall (1,4 Mrd. EUR Umsatz und 16% EBITDA-Marge) ergibt sich ein diskontierter fairer Wert von rund 2,1 Mrd. EUR, das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 30% gegenüber dem heutigen Kurs.

Der Investment-Case ist gut, das Ökosystem-Argument ist stark und die USA-Chance ist real. Meine früheren Bedenken zu Jan Middelhof sind seit seinem Ausscheiden Ende 2023 obsolet, das Management wirkt heute ausgereift. Wer bereits investiert ist, kann auf die Q2-Zahlen am 20. August warten. Dort wird sich zeigen, ob das Unternehmen für die 2026er-Guidance (>760 Mio. EUR, 9-11% EBITDA-Marge) im ersten Halbjahr auf Kurs ist.

Grundsätzlich gibt es noch weitere Trigger, die zu einer deutlich höheren Bewertung der Aktie führen könnten. So hinkt der Vergleich mit Hasbro und Mattel, denn Tonies selbst vergleicht sich lieber mit Netflix und Spotify. Die Spielzeuge sind die Geräte, um in das Abo-System von Tonies einzutreten. Danach können Inhalte bezogen werden, Hörspiele und ähnliches, deren Herstellung eben nur einmal Geld kostet, und deren Gewinnmarge steigt, je mehr davon verkauft werden.

2025 machte die Toniebox 26% des Umsatzes aus, die Tonie Figuren 71% und digitale Inhalte lediglich 3%. Da ist der Vergleich mit Netflix und Spotify gewagt, denn bei den beiden gibt es kaum ein Hardware-Geschäft und dennoch ist die Bewertung (EV/EBITDA) nicht höher als bei Tonies.

Hmm, alles in allem bleibt Tonies also für mich eine interessante Aktie, aber für unser Heibel-Ticker Portfolio fehlt mir noch immer die Phantasie.


 Frage vom 13.08.2026

#Migration Bitcoin -> KI, GLP-1 Risiko -> Eli Lilly shorten

Lieber Herr Heibel,
eine Frage, eine Anmerkung:

Im Handelsblatt vom 10.08 steht ein Artikel über die Motivation der BTC-Miner, ihre Rechenkapazitäten eher der KI als dem Mining zu Verfügung zu stellen bzw zu verkaufen. Die Frage nach der Stabilität des BTC Systems wird nur erwähnt, treibt mich aber in der Tat etwas um. Ist das für Sie ein relevantes Problem. Das stromintensive Mining vs. stromintensive KI Nutzung.

Ich hatte Ihnen vor langer Zeit mal eine (sehr skeptische) Stellungnahme zu den GLP1-Analoga geschrieben und dummerweise den Anstieg von Lilly und NovoNordisk weitgehend verpasst, dafür aber den Abstieg teilweise mit einer zu späten Investition mitgenommen. Nun passiert das, was ich vor ca zwei Jahren befürchtet habe: die ersten Toten kommen ans Licht, vorwiegend Mounjaro Nutzer, aber auch Wegovy/Ozempic sind betroffen. Der große gesundheitliche Nutzen, wenn man als Landsäugetier nicht das Volumen eines Meeressäugers hat ist unbestritten. Der Weg dahin mit Bauchspeicheldrüsen-manipulierenden Medikamenten möglicherweise doch kritisch zu sehen. Ich habe mich heute von NovoNordisk verabschiedet. Lilly shorten als Spekulation?

Last not least: vielen Dank für Ihre wöchentliche Stellungnahme zu Börsen/Weltpolitik usw. Ich freue mich jedes Mal aufs neue.

VG aus dem Tirol-Urlaub

Markus aus Hürth

 Antwort:

Vielen Dank für das nette Lob :-)

@Bitcoin und Miner-Migration zu KI: Gute Beobachtung, aber die Stabilität des Bitcoin-Systems ist nicht gefährdet. Die Hashrate (Messgröße für die weltweite Rechenleistung, die nach Bitcoin-Blocks sucht) ist von ihrem Ende-2025-Höchststand von 1,2 Zettahash/s inzwischen um 10% zurückgegangen. Entsprechend wurde die Mining-Difficulty (Schwierigkeit für die Suche neuer Blöcke) gesenkt, sie ist im Jahresvergleich sogar negativ - erst zum zweiten Mal in der Bitcoin-Geschichte.

Trotz der rückläufigen Difficulty kostet die Suche nach einem neuen Block durchschnittlich mehr, als man dafür als Belohnung bekommt. Viele Miner verkaufen also ihre Bitcoins, um die Kosten zumindest teilweise zu decken. Miner haben allein im Q1 2026 mehr Bitcoins (32.000 BTC) als in ganz 2025 verkauft.

KI-Rechenleistung pro Megawatt generiert derzeit etwa 20x mehr Umsatz als das Schürfen von Bitcoins. So lese ich derzeit fast täglich von Bitcoin-Minern (Cipher Mining, Hut 8, Core Scientific), die ihre Rechenleistung KI-Projekten zur Verfügung stellen. Es ist also eine ökonomische Entscheidung und in meinen Augen keine Entscheidung, die den Bitcoin grundsätzlich infrage stellt. Und für ökonomische Entwicklungen gibt es flexible Anpassungsmechanismen in der Bitcoin-Welt, wie bspw. die regelmäßige Anpassung der Difficulty.

Für die Netzwerksicherheit ist das also kein systemisches Problem. Weniger Hashrate (weltweite Bitcoin-Mining-Rechenleistung) bedeutet leichteres Mining und damit häufigerer Erfolg für die Übriggebliebenen, das Gleichgewicht stellt sich neu ein.

Für die Bitcoin-Preisdynamik ist der Wechsel der Miner zu KI-Rechenzentren kurzfristig belastend, weil die Miner als Verkäufer auftreten, um die KI-Umstellung zu finanzieren. Solange der Bitcoin-Preis nicht deutlich über 80.000 USD zurückkehrt, wird der Verkaufsdruck aus dieser Ecke anhalten. Ich bleibe bei meiner Erwartung, dass ab Oktober neue Kauflaune aus anderen Bereichen für den Bitcoin diese Belastung aufheben wird.

@Novo Nordisk und Lilly: Der Novo-Verkauf ist nachvollziehbar, das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren zu viele Fehler gemacht und strapaziert unsere Geduld. Aber Lilly zu shorten wäre in meinen Augen zu viel Pessimismus für diese Story.

Die 162 in der FDA gelisteten Todesfälle über einen Zeitraum von 6 Jahren sind bei rund 20 Millionen Anwendern statistisch niedrig, und eine Kausalität ist bislang noch nicht belegt, sondern lediglich eine zeitliche Koinzidenz. Von den über 3.800 anhängigen Klagen im GLP-1-Bereich geht es überwiegend um Gastroparese und Bowel Obstruction (Verstopfung), nicht um Todesfälle. Das ist zweifellos ernst und wird zu strengeren Warnhinweisen führen, aber Big Pharma hat historisch mit solchen Klagen wenig existenzielle Probleme.

Lilly ist bei den GLP-1-Wirkstoffen der Gewinner der letzten zwei Jahre, gerade weil das Management strukturell besser aufgestellt ist als Novo. Zepbound zeigt stärkere Gewichtsreduktion als Wegovy, die Pipeline mit Retatrutide und der Abnehmpille Orforglipron ist der Konkurrenz voraus. Wenn Sie den Sektor shorten wollen, dann lieber den schwächsten Anbieter.

Die Bewertung sowohl von Lilly als auch von Novo, ist günstig: Lilly notiert auf einem EV/EBITDA von 28 bei erwarteten 45% Gewinnwachstum im laufenden Jahr und weiteren 28% für 2027. Auch das Umsatzwachstum von erwarteten 31% bzw. 16% untermauert die günstige Bewertung, denn ich bin bei Marktführern mit ordentlichem Wachstum bereit, bis zum Zweifachen des Gewinnwachstums beim EV/EBITDAzu bezahlen. Novo notiert bei einem EV/EBITDA von nur noch 12, verzeichnet jedoch aktuell kein nennenswertes Wachstum. Auch das ist in meinen Augen ein faires Bewertungsniveau.

Wenn Sie an der Skepsis gegenüber GLP-1 wirklich verdienen wollen, wäre der schlauere Weg ein Kauf von klassischen Adipositas-Chirurgie-Anbietern (bspw. Intuitive Surgical, Magenverkleinerungen) oder Fitnesswerten (Adidas), die im Falle einer echten GLP-1-Rückschlagsdiskussion Nutznießer wären.

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Urlaub.


 Frage vom 11.08.2026

#Neueinstieg ins Heibel-Ticker Portfolio

Hallo Hr.Heibel, ich lese Ihre Beiträge schon seid vielen Jahren.
Sollte ich mich entscheiden Ihre Investitionen ineinander Portfolio zu nehmen, wie sollte
ich beginnen.
Die Einstiegswerte sind ja heute andere, als Sie begonnen haben.

Vielen Dank!
Michael aus Wien

 Antwort:

eine sehr gute grundsätzliche Frage, die ich häufig bekomme. Die Kurzantwort: Nicht alles auf einmal, sondern gestaffelt und mit klarer Cluster-Logik. Da Sie „schon seit vielen Jahren“ Mitglied sind gehe ich davon aus, dass Sie mittleren Alters mit einem gewissen Grundvermögen sind. (Für Sie würde ich daher wie folgt vorgehen, junge Studenten hingegen kaufen einfach den unter „Absicherung“ vorgeschlagenen ETF für 5-10T€ und spekulieren mit dem Rest :-):

Sie finden bei jeder Position im Portfolio-Update meine aktuelle Einstufung. „A" bedeutet Kaufen und ist die Grundlage für Neueinsteiger. „B" bedeutet Halten - solche Positionen sollten Sie beobachten, aber nur bei einem deutlichen Rücksetzer nachkaufen, weil der Kurs bereits nahe meiner Zielzone ist. „C" bedeutet, dass ich in eine Kursstärke hinein verkaufen möchte - solche Positionen sollten Sie überhaupt nicht neu aufnehmen. Wer heute einsteigen will, konzentriert sich also auf die A-Positionen und ergänzt später mit B-Positionen, wenn diese eine Kaufgelegenheit bieten.

Die zweite wichtige Regel ist die Cluster-Struktur. Das Portfolio ist in vier Bereiche gegliedert, die zusammen etwa 90-95% des Kapitals binden, während 5-10% als Cash-Reserve für Sonderopportunitäten liegen bleiben. Die Absicherungs-Positionen (Ziel ~20% des Portfolios) - hier bin ich mit Gold, defensiven Werten und ähnlichem für Krisenszenarien positioniert. Diese Positionen sollten Sie zuerst aufbauen, weil sie am wenigsten zyklisch sind. Anschließend folgt der Dividenden-Bereich (Ziel ~30%) mit soliden Dividendenunternehmen. Als drittes der Disruptiv-Bereich (Ziel ~30%) mit Wachstumswerten wie Nvidia. Zuletzt die Spekulations-Positionen (Ziel ~20%), die die höchste Volatilität haben. Dort sollten Sie auf neue Ideen warten, die regelmäßig von mir vorgeschlagen werden.

Praktisch würde ich das über drei bis sechs Monate strecken. Beginnen Sie mit den A-eingestuften Positionen aus dem Absicherungs- und Dividenden-Cluster in voller Zielgröße, weil diese meist wenig schwanken. Bei den Disruptiven würde ich pro Position mit einer halben Zielposition starten und die andere Hälfte bei einem Rücksetzer nachlegen. Bei den Spekulationen ähnlich, aber in kleineren Tranchen. Wenn der Gesamtmarkt gerade heiß gelaufen ist, warten Sie eher auf eine 5-10%-Korrektur, bevor Sie die Wachstums- und Spekulations-Positionen aufbauen.

Zu Ihrem Hinweis, dass „die Einstiegswerte heute andere sind": Das ist völlig richtig, aber weniger schlimm, als es scheint. Meine Kauf- und Verkaufsempfehlungen im Update beziehen sich immer auf den aktuellen Kurs, nicht auf meinen historischen Einstand. Wenn ich eine Position auf „A" lasse, halte ich sie auch zum heutigen Kurs für kaufenswert, sonst würde sie auf „B" oder „C" stehen. Der Zug ist also selten abgefahren - er hat nur eine neue Anfahrtsgeschwindigkeit. Wer sich davon irre machen lässt, kauft nie ein: „Die Aktie ist mir schon zu hoch gelaufen" ist eine der teuersten Ausreden an der Börse.

Wenn Sie mit einer konkreten Positionsliste starten wollen, empfehle ich Ihnen, sich das aktuelle Portfolio-Update in der letzten Wochenausgabe herauszuziehen und mit den A-Positionen aus Absicherung und Dividende zu beginnen.


 Frage vom 11.08.2026

#Heidelberger Druckmaschinen kämpft gegen den Untergang

Hallo Herr Heibel,
schon seit Jahren lese ich Ihren Ticker mit großem Erkenntnisgewinn, zeitweise als nicht zahlendes Mitglied, seit etlichen Monaten jedoch,
wie auch schon in früherer Zeit, wieder als Abonnent. Bei meiner wiederkehrenden Suche nach Turnaround-Kandidaten bin ich auf Heidelberger Druck
gestoßen: vor 30 Jahren noch ein scheinbar unangreifbarer Blue Chip, und dann hat keiner mehr hochwertige Druckmaschinen haben wollen, infolge
Digitalisierung bzw. grundlegender Veränderung der Art und Weise unserer Kommunikation. Beispielsweise hat das Unternehmen versucht, mit der
Produktion von Wallboxen für Elektroautos wieder in die Gänge zu kommen. Jetzt gibt es Kooperationen zum Aufbau des Defense-Geschäfts mit Drohnen-
Abwehrsystemen, und jüngst hat man Teile der insolventen Manroland Sheetfed Gruppe erworben. Daneben wurde mit der PHENOGY AG, Luzern, eine
umfassende Industriepartnerschaft zur Übernahme der Fertigung kompletter Energiespeichersysteme begründet.

Aus meiner Sicht ist das industrielle und technologische KnowHow im Konzern nach wie vor stark, so dass früher oder später ein echter Turnaround
kommen müsste. Wäre das auch für Sie eine Anlageidee mit langfristiger Perspektive?

Beste Grüße, Werner aus Lautertal

 Antwort:

Ihre Analyse ist zutreffend, mein Fazit fällt trotzdem skeptisch aus. Heidelberger Druck ist ein Lehrbuchbeispiel für eine Value-Falle: Das Kerngeschäft schrumpft strukturell (Auftragseingang zuletzt -8% auf 2,25 Mrd. EUR), die Dividende wurde gestrichen, für 2026/27 wird erneut ein Nettoverlust erwartet, 450-550 Stellen fallen weg und die Fertigung des Flaggschiffs Speedmaster CX 104 wandert komplett nach China. Der Aktienkurs bei 1,40 EUR spiegelt genau das wider: 32% Verlust seit Jahresbeginn, 44% unter dem 52-Wochen-Hoch, Marktkapitalisierung nur noch 435 Mio. EUR.

Die neuen Standbeine sind interessant, aber weit von Ertragswirkung entfernt. Beim Drohnenabwehr-Joint-Venture ONBERG hält Heidelberg nur 49%, Partner ist Ondas Autonomous Systems. Erste Umsatzbeiträge werden für Frühjahr 2027 erwartet, ob und wann daraus ein margenträchtiges Geschäft wird, kann heute niemand seriös prognostizieren. Die Manroland-Übernahme bringt zwar 3.000 zusätzliche Kunden ins margenstarke Service- und Ersatzteilgeschäft - das ist der überzeugendste Teil der Strategie, denn Ersatzteile benötigt der Kunde auch bei schrumpfendem Neugeschäft. Aber die Manroland-Insolvenz zeigt gleichzeitig, wie stark rückläufig die Gesamtbranche ist. Die PHENOGY-Kooperation für Energiespeicher ist bislang zu vage, um eingepreist zu werden.

Immerhin haben Banken den Konsortialkredit über 436 Mio. EUR vorzeitig bis 2030 verlängert - ein echtes Vertrauenssignal, denn ohne dieses wäre die Aktie längst ein Sanierungsfall. Mag sein, dass eine der Initiativen Früchte trägt. Doch wenn Sie das industrielle Knowhow als Vorteil anführen, führe ich es als Belastung an, das beim konsequenten Verfolgen neuer Ideen meist bremst.

Oder, um es ganz einfach zu machen: Kein CEO möchte seinen Aktienkurs unter 5 Euro sehen, denn man wird dann von Anlegern als Penny-Stock wahrgenommen. Eine Aktie, die dennoch so tief notiert, hat meist einen guten Grund dafür.


 Frage vom 11.08.2026

#Vorgehensweise bei Verkleinerung des Portfolios

Guten Morgen Herr Heibel,

Ich habe in meinem Portfolio 33 Aktien und 5 Themen ETF s,. Durchschnittlich jede Position mit 500 Euro. Ich würde jetzt, nachdem ich Ihre letzte mail gelesen habe, auf ca. 20 Positionen reduzierten, vorher alle bei investing .com einem Qualitätscheck unterziehen und dann spätestens beim Break Even verkaufen.

Gute Idee ?

Ich weiß nicht ob Sie auch mal über das Portfolio drüber schauen würden, ich erwarte auch nicht eine detaillierte Auskunft, vielleicht aber einen Hinweis was ich unbedingt verkaufen sollt, ich weiß, alles ohne Gewähr, niemand hat die Glaskugel.

Danke

Freundliche Grüße

Dieter aus Hüven

 Antwort:

33 Einzelaktien plus 5 ETFs sind zu viele Positionen, um sie ernsthaft zu beobachten. Meine Faustregel lautet 8-15 Einzelaktien für ein privates Portfolio, mehr kann niemand seriös verfolgen. Ich gehe im Heibel-Ticker in Richtung 20, weil ich mich rund um die Uhr mit dem Thema beschäftige.

Break-Even-Regel: „Spätestens beim Break Even verkaufen" ist einer der teuersten psychologischen Fehler, die Anleger machen. Sie behalten damit die Verlierer besonders lange (weil Sie auf Break Even warten) und verkaufen die Gewinner tendenziell nicht. Das ist genau das Gegenteil dessen, was Sie tun sollten. Ich gebe daher unsere Kaufkurse bewusst nicht in der Übersichtstabelle an, denn sie sind nichts weiter als störende psychologische Hürden.

Der Kaufkurs ist eine versunkene Größe, die die Zukunft der Aktie nicht beeinflusst. Die einzige Frage lautet: Würde ich die Aktie heute neu kaufen? Wenn nein, verkaufen - egal, ob mit Gewinn oder Verlust. Bei Ihren Positionen à 500 EUR sind die absoluten Beträge zudem so klein, dass Sie sich nicht wegen jedes Prozentpunkts verrückt machen sollten.

Investing.com-Qualitätscheck: Die dortigen Kennzahlen sind ein sinnvoller erster Filter, aber sie ersetzen keine Beurteilung des Geschäftsmodells. Eine Aktie mit „schlechten" Kennzahlen kann inmitten einer erfolgreichen Restrukturierung stecken, eine mit „guten" Kennzahlen kann strukturell auf verlorenem Posten stehen (wie viele Zykliker auf dem Zyklushöhepunkt). Nehmen Sie die Kennzahlen also als Diskussionsgrundlage, nicht als Verdikt.

Portfoliocheck: Nein, tut mir leid, das kann ich derzeit leider nicht anbieten. Ich arbeite daran, so etwas in der Zukunft mit Hilfe der KI automatisiert anzubieten, aber das wird noch eine Weile dauern. Wenn ich mich durch 33 Positionen kämpfen muss, dann müsste ich je Position viel mehr berechnen, als Sie an Vorteil daraus ziehen könnten. Daher ist mein Heibel-Ticker als „Massenware“ für alle angelegt. Ich bemühe mich, Themen tiefgehend auszuarbeiten, die dann möglichst viele interessieren. Ich hoffe, Sie haben dafür Verständnis.


 Frage vom 11.08.2026

#Ausstieg verpasst bei Puma und Aerovironment

Hallo Herr Heibel,

2 kurze Fragen:

Puma: ich bin damals nicht raus und nach einiger Zeit fing die Aktie an zu steigen. Ist das der turn around oder soll ich besser jetzt verkaufen?

AEROVIRONMENT : vor längerer Zeit haben Sie das Gechäftsmodell des Unternehmens besprochen – Dronen-Abwehr. Irgendwann hob die Aktie ab, legte aber alsbald eine Bauchlandung hin. Was ist passiert? Überholtes technisches Konzept oder zu viele Mitbewerber? Soll ich aus dem Wert raus?

Mit freundlichen Grüßen
Edgar aus Neunkirchen a. Sand

 Antwort:

@Puma: Die Aktie hat einen erfolgreichen Turnaround bereits vorweg genommen und konnte sich vom Tief bei 15 Euro auf inzwischen 26 Euro erholen. Operativ ist davon jedoch noch nichts zu sehen: Puma freut sich über einen nicht mehr so starken Umsatzrückgang. Analysten senken weiterhin regelmäßig ihre Gewinnerwartung. Das EV/EBITDA von 21 ist angesichts der schwachen Bilanz (Gewinnmarge netto -8%) für meinen Geschmack noch immer zu hoch. Freuen Sie sich über den Kursanstieg der vergangenen Monate und suchen Sie sich eine bessere Aktie :-)

@Aerovironment: Da sind wohl die Erwartungen zu stark angestiegen. Von den jüngsten 8 Quartalsergebnisse konnte die Hälfte die Erwartungen der Analysten nicht erfüllen. Die Gewinnerwartung wird seitens der Analysten immer wieder gesenkt. Das spricht dafür, dass das Unternehmen zu hohe Erwartungen in die ferne Zukunft geschürt hat.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr wies Aerovironment einen Verlust aus. Der Verlust ist die Folge der großen Übernahme (BlueHalo, 4 Mrd. USD Deal) - Firmenwerte werden abgeschrieben, wenn sich Erwartungen nachträglich nicht erfüllen, und die Übernahme-Amortisation wird die Zahlen noch Jahre belasten. Unser Verkauf im Dezember 2024 mit 8% Verlust genau wegen unserer Zweifel an der BlueHalo-Integration hat sich damit im Rückblick als richtig erwiesen. Zusätzlich belasteten dann noch Bilanzierungsprobleme den Kurs, da Anleger stets sehr verschnupft auf solche Probleme reagieren. Diese sind inzwischen jedoch ausgestanden und stellten sich als einmaliger Fehler heraus.

30% Umsatzwachstum wird mit einem EV/EBITDA von 29 bewertet. Das halte ich inzwischen für fair. Dennoch hängt das Unternehmen an der Verteidigungsindustrie und derzeit werden alle Unternehmen dieser Branche im Wert nach unten korrigiert. Ich traue mir keine Aussage darüber zu, wo der Kurs seinen Boden finden könnte. Daher würde ich mich nach anderen Aktien umschauen.


 Frage vom 07.08.2026

#Home Depot und Fachchinesisch

Hallo Herr Heibel,

Ich versuche, mich gerade auf Ihrer Homepage einzuloggen, schaffe das aber nicht, weil mein Google-Browser die Verbindung als unsicher kennzeichnet und das Öffnen ablehnt.

Das ist aber nicht mein Hauptproblem. Wenn ich mich richtig entsinne, hatte ich seinerzeit die Aktien von Home Depot US4370761029 gekauft. Die stehen bei mir mit 25 % im Minus. Ich wollte eigentlich nur nachfragen, ob ich den rechtzeitigen Verkauf verpasst habe oder mit dem Halten noch richtig liege. Was raten Sie mir?

Ein zweites Problem habe ich auch noch. Ich versuche Ihren wöchentlichen Bericht zu verstehen, stolpere aber über ganz viele Fachwörter, Vorgänge und Begriffe, die ich nicht verstehe. Es fällt für mich, frei nach Brecht, der Vorhang zu und alle Fragen offen. Abhilfe könnte bringen:

Ich stelle mir aber vor, dass Sie ihren Wochenrückblick nach dem Verfassen an K I. mit der Bitte übergeben können, daraus eine oder gar mehrere Varianten zu stricken, die auch für Green Horns unterschiedlichen "Bildungsstandes" verständlich sind. Eine solche Variante sollte dann am Beginn Ihres Berichtes anklickbar sein. (Na klar mit dem Hinweis, dass Sie nur für die Originalvariante verantwortlich zeichnen, weil die vorliegende Version für Greenhorns KI-generiert wurde.)

Ich könnte mir vorstellen, dass Sie mit einem solchen Schritt Ihre Abonnentenzahlen nennenswert steigern können.

Immer wieder Ihr treuer Leser
Joachim aus Berlin

 Antwort:

Das wundert mich, eigentlich sollte meine Webseite keine Meldung wie von Ihnen beschrieben ausgeben, da wir einen zertifizierten https-Anbieter nutzen. Wenn das nochmal vorkommt: Können Sie mir einen Screenshot schicken?

Home Depot: Ich halte die Aktie nach wie vor als Spekulation auf rückläufige Zinsen. Der Iran-Konflikt mit dem gestiegenen Ölpreis hat das Zinsniveau nun länger hoch gehalten, als von mir erwartet. Stolpern wir von einer Krise in die nächste? Dann ist Home Depot die falsche Aktie. Oder kommt es irgendwann zumindest zu einer Beruhigung? Dann dürfte das Zinsniveau sinken und die Aktie von Home Depot kräftig ansteigen. Ich setze nach wie vor auf letzteres Szenario und halte die Aktie daher weiterhin.

Ich bilde mir ein, mit dem Heibel-Ticker den Spagat zwischen Fachwissen und Verständlichkeit recht gut zu schaffen. In Publikationen, die auf jegliches Vorwissen verzichten, kommt man leider nicht so stark in die Tiefe bei der Analyse von Unternehmen. Wenn ich für jede kurze Einschätzung sämtliche finanzspezifischen Hintergründe erläutern müsste, würde die Textlänge viele Leser vermutlich überfordern. Daher erkläre ich periodisch die wichtigsten Finanzbegriffe. Nicht jedes Mal, sondern hoffentlich häufig genug, um die treuen Leser mitzunehmen.

Falls Sie also über bestimmte Begriffe stolpern, bin ich über einen konkreten Hinweis dankbar und werde die entsprechenden Begriffe und Hintergründe bei nächster Gelegenheit wieder einmal erklären.

Der Umweg über die KI klingt naheliegend. Als Leser würde ich dies dann jedoch am liebsten selber machen, indem ich den entsprechenden Passus in die KI kopiere und mir erklären lasse. Das ist in dieser gezielten Form dann ebenfalls mMn effizienter als wenn ich alles ausschweifend durch die KI erklären lasse.

Vielleicht können Sie sich ja mit dieser kombinierten Herangehensweise anfreunden :-)


 Frage vom 07.08.2026

#Gefahr durch manipulierte Midterms in den USA?

Hallo Stephan,

wollte für mich einen Fahrplan bis nächstes Frühjahr erstellen, aber mir stellt sich dabei eine Frage: Wie wirkt sich der Wahlausgang der amerikanischen Midterms auf die Börse aus?
Sicher wird Herr Trump alles menschen(un)mögliche tun, um diese zu gewinnen, auch, wenn evtl. ein Verfassungsbruch ansteht, oder die Wahlen zB für ungültig erklärt werden.
Der amerikanische Präsident wird sicher alles tun, um nicht zu verlieren, davon gehe ich aus.

Mal angenommen, er macht etwas, das das Vertrauen in die US Wirtschaft deutlich reduzieren könnte. Ich denke, die USA wird inzwischen bereits alles andere als demokratisch regiert. Was passiert also, wenn er gegen das Wahlergebnis vorgeht?? Soll ich vorher alle US Aktien verkaufen? Auch die Staatsanleihen? Befürchtest Du einen weiteren groben und dauerhaften Vertrauensverlust?
Oder wird alles nur halb so wild, und nur ein geringer Einfluss auf die Börsen wird geschehen?
Ich kann das nicht einschätzen, ich hoffe auf Dich!

Viele Grüße
Chris aus Kaufbeuren/Allgäu

 Antwort:

Ihre Frage ermöglicht es mir, meine Sichtweise auf den Punkt zu bringen, vielen Dank. Ich habe durchaus heftige Kritik an Trumps Vorgehensweise, auch wenn ich hier im Heibel-Ticker immer wieder auch andere Sichtweisen diskutiere. Er testet die amerikanische Demokratie, wie Sie richtig schreiben. Doch in der Schlussfolgerung biege ich anders ab.

Die amerikanische Demokratie ist nicht umsonst die älteste Demokratie der Welt. Sie hat sich bereits mehrfach widerstandsfähig gezeigt und ich persönlich gehe davon aus, hoffe es zumindest, dass sie sich auch dieses Mal durchsetzen wird. Zwischenzeitlich zerschlägt Donald Trump verkrustete Strukturen, die das Land in den vergangenen Jahren zunehmend handlungsunfähig machten. Einvernehmlich sind solche Strukturen nicht zu beseitigen, dazu brauchte man einen wilden Chaoten im Weißen Haus.

Doch die US-Demokratie unterscheidet sich von unserer Demokratie, dass die Menschen dort Lösungen stets zunächst in Eigenregie suchen, während hierzulande meiner Ansicht nach zu häufig nach staatlichen Hilfen gerufen wird. In den USA geht diese Eigenregie sogar so weit, dass man dort schwerlich jemals das Waffengesetz wird ändern können. Und wenn es ein Präsident gegen das eigene Volk übertreibt, wie beispielsweise durch die Immigrationsbehörde ICE mit den brutalen Abschiebungen geschehen, findet sich ganz schnell eine Mehrheit gegen solche Übergriffe.

Demokraten und Republikaner strapazieren das Wahlrecht nicht zum ersten Mal zu eigenen Gunsten. Und dennoch konnte Biden gegen Trump gewinnen, und dennoch konnte Trump anschließend gegen Harris gewinnen. Ich gehe davon aus, dass die Mehrheitsverhältnisse bei den Midterms die Befugnisse von Donald Trump deutlich einschränken werden, egal wie viel er trickst, denn inzwischen hat er bereits genug verkrustete Strukturen zerschlagen und zusätzlich, sehr zum Bedauern vieler ehemaliger Republikaner, neue Probleme erzeugt, insbesondere indem er das Pulverfass Iran auf falsche Weise entzündete.

Also: Wenngleich Trump seine Befugnisse immer wieder überstrapaziert und durch Gerichtsbeschlüsse zurückgepfiffen werden muss, so sind die USA von einer Autokratie in meinen Augen noch immer weit entfernt.


 Frage vom 07.08.2026

#Strive-Dividende täglich ausbezahlt

Sehr geehrter Herr Heibel

An der Börse ist es ja aktuell für das Sommerloch ungewöhnlich turbulent. Falls doch einmal die Saure Gurkenzeit ausbricht hätte ich da eine Frage:

Ich komme als Babyboomer ja so langsam auf die Zielgerade meines Berufslebens und lege bei meinen Wertpapieren verstärkt Wert auf regelmäßige Ausschüttungen zur Aufstockung des spärlichen Einkommens. 😊

Es liegt anscheinend in der Natur des Menschen, daß er sich über Viele kleine Zuwendungen mehr freut als über eine Größere. Während deutsche Aktien meistens nur einmal Jährlich ihre Dividenden verteilen, machen das US-Firmen meistens quartalsweise und vereinzelt sogar monatlich!

Jetzt bin ich tatsächlich auf ein Papier gestoßen, das täglich eine Dividende bezahlt! Es handelt sich um die Strive Aktie WKN A41U43 ISIN US86629452017 (es gibt da wohl auch noch ein Schwesterprodukt, das ziemlich unter die Räder gekommen ist)

Was sich mir allerdings noch nicht so ganz erschließt ist das Geschäftsmodell dieser Firma. Irgendetwas mit Hedgefonds und Finanzen scheint da eine Rolle zu spielen
und Bitcoins stecken wohl auch mit drin. Vielleicht können sie mal einen Blick darauf werfen und mir ihre Meinung dazu mitteilen.

Bis dahin viele Grüße und weiterhin viel Erfolg im Börsenjahr 2026


Christoph aus Sommerhausen

 Antwort:

Ja, das Sommerloch lässt auf sich warten und von einer Saure Gurkenzeit, in der ich mal die Füße hochlegen kann, träume ich.

Tatsächlich handelt es sich bei Strive (WKN A41U43) nicht um eine gewöhnliche Dividendenaktie, sondern um eine Vorzugsaktie. Die tägliche Ausschüttung ist vor allem ein Marketinginstrument. Die Dividende beträgt aktuell 13% p.a., wird aber seit Juni 2026 nicht mehr monatlich, sondern an jedem Börsentag ausgezahlt. Die Gesamthöhe der Dividende ändert sich dadurch nicht.

Jeden Tag wird also von der US-Lagerstelle eine entsprechende Gutschrift an Ihren Broker überwiesen. Ihr Broker schreibt die Cent-Beträge jedoch nach eigenem Ermessen nicht täglich, sondern gebündelt gut. Mir liegen jedoch keine Erfahrungswerte vor, welche Broker wie bündeln.

Strive ist ursprünglich ein ETF-Anbieter und entwickelt sich derzeit zu einer sogenannten Bitcoin Treasury Company. Das Unternehmen sammelt über die Ausgabe der Vorzugsaktien Kapital ein und kauft dafür Bitcoin. Inzwischen hält das Unternehmen knapp 20.000 Bitcoin und möchte langfristig den Wert je Aktie durch einen wachsenden Bitcoin-Bestand sowie einen Preisanstieg im Bitcoin steigern. Die Vorzugsaktie dient dabei als Finanzierungsinstrument, Anleger erhalten eine hohe und möglichst stabile Dividende.

Für einen einkommensorientierten Anleger würde ich die Strive-Vorzugsaktie dennoch nur mit großer Vorsicht betrachten. Die hohe Dividendenrendite ist kein Geschenk, sondern die Gegenleistung für ein komplexes Geschäftsmodell, das letztlich auf der Entwicklung des Bitcoin-Preises basiert. Wer vor allem verlässliche Ausschüttungen für den Ruhestand sucht, fährt mit klassischen Dividendenwerten aus meiner Sicht ruhiger. Strive ist eher eine spekulative Beimischung als ein Baustein für die Altersvorsorge.