Nike hat im Q3 2026 (endete 28.2.26) auf den ersten Blick ordentlich geliefert, auf den zweiten Blick aber genau dort enttäuscht, wo Anleger inzwischen am empfindlichsten sind: Beim Ausblick und bei China. Die Aktie gab diese Woche 14% ab.
Der Umsatz lag bei 11,28 Mrd. USD nach 11,27 Mrd. USD im Vorjahresquartal also praktisch unverändert und um ein halbes Prozent über den Erwartungen. Der Gewinn je Aktie fiel von 0,54 USD auf 0,35 USD, liegt damit aber noch immer um 20% über den Erwartungen. Nike selbst sprach von Ergebnissen im Rahmen der eigenen Erwartungen.
Im Vergleich zum Vorjahresquartal zeigt sich damit das bekannte Muster: Der Umsatz stabilisiert sich, die Profitabilität aber noch nicht. Die gesamten Vertriebs- und Verwaltungskosten stiegen von 3,89 Mrd. USD auf 3,98 Mrd. USD, unter anderem wegen Abfindungen. Das größere Problem bleibt jedoch, dass Nike noch immer zu stark mit der kontinuierlichen Bereinigung von veralteten Lagerbeständen beschäftigt ist, statt wieder klar in einen echten Wachstumsmodus zu kommen.
Operativ ist das Bild zweigeteilt. Der Großhandel war mit 6,5 Mrd. USD um 5% stärker, während Nike Direct (Direct-to-Consumer, D2C) mit 4,5 Mrd. USD um 4% sank. Digital war besonders schwach und fiel um 9%. Das passt zur Kernaussage des Managements: Nike versucht, das Geschäft wieder stärker über einen „balancierten Marktplatz“ zu steuern, also weniger D2C-Fixierung und mehr Rückgewinnung des Großhandels. In Nordamerika scheint das allmählich zu funktionieren, weil Running und Fußball zweistellig wachsen und der Großhandel dort um 11% zulegte. Aber im Bereich von Sportswear, Converse und China gelingt der Umschwung noch nicht.
Das China-Geschäft bleibt der wunde Punkt. Greater China fiel im Quartal von 1,73 Mrd. USD auf 1,62 Mrd. USD, also um 7%. Nike Direct sank dort um 5%, das Digitalgeschäft sogar um 21%, und der Großhandel fiel um 13%. Das Management betont zwar, Running wachse zweistellig und die saisonalen Abverkäufe hätten sich sequentiell verbessert. Nike zieht Produkte aus Rabattkanälen, räumt alte Ware aus dem Markt und versucht erst einmal, die Preisqualität zurückzuholen. Das hilft mittelfristig der Marge, kostet kurzfristig aber Umsatz.
Doch der Fokus auf den Verkauf von Altbeständen zeigt das wahre China-Problem: Lokale Wettbewerber in China wie Anta und Li Ning reagieren schneller, treffen den Geschmack chinesischer Käufer besser und verteidigen ihre Marktanteile aggressiv, während Adidas, On und Hoka ihre Angebote lokaler und passgenauer positioniert haben. Nike läuft also nicht nur gegen Konjunktur und Nationalstolz, sondern auch gegen ein handfestes Ausführungsproblem.
Für das vierte Quartal erwartet Nike einen Umsatzrückgang von 2% bis 4%, wobei Greater China sogar um rund 20% fallen soll. Genau dieser Punkt hat den Markt schockiert. An der Wall Street hatte man für das laufende Quartal eher mit Wachstum in China gerechnet, nicht mit einem erneuten Rückgang. Der Fokus der Anleger liegt, wie eingangs erwähnt, auf China. Obwohl sich das US-Geschäft inzwischen erholt, lasten die schwachen China-Zahlen auf den Q-Zahlen und sorgten für den Ausverkauf der Aktie in Folge dieses Quartalsberichts.
Ich habe mir auch den Analystencall angehört: Die kritischen Analystenfragen gingen in die richtige Richtung. Die Analystin von Barclays wollte wissen, ob die Perspektive für die nächsten Quartale nicht deutlich schwächer ist, als der Markt bislang annimmt. Die Antwort von CFO Matthew Friend war höflich, aber im Kern ernüchternd: Man wolle mehr Transparenz für die nächsten neun Monate geben, Nordamerika solle moderat wachsen, Greater China bleibe jedoch Gegenwind, und die Margenverbesserung werde erst ab dem zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 (das beginn bei Nike im September 2026) sichtbar. Das ist keine Entwarnung, sondern ein Eingeständnis, dass die Wende länger dauert.
Zwischen den Zeilen des Analystencalls war ein stilles Eingeständnis herauszulesen, dass die frühere D2C-Strategie übers Ziel hinausgeschossen ist. Das war ein Trend aus der Corona- und Lockdown-Zeit, der zu lange verfolgt wurde. Der Konzern muss Regalfläche im Handel zurückerobern, weil er im Alleingang über Digital und eigene Stores das Wachstum nicht mehr tragen kann. Friend ergänzte, in Nordamerika verbessere sich die Qualität des digitalen Geschäfts durch bessere Produkteinführungen und geringere Rabatte. Aber auch das ist eher eine Stabilisierungsaussage als eine neue Wachstumsstory und außerdem interessieren sich Anleger derzeit weniger für die USA, sondern nur für China.
Nike hat kein Zahlenproblem, sondern ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das abgelaufene Quartal war etwas besser als die Analysten erwartet hatten, aber die eigentliche Botschaft war, dass die Aufräumarbeiten weitergehen und China noch deutlich länger weh tun wird. Dort wird nicht nur bereinigt, sondern ein neues Geschäftsmodell entwickelt. Solange dort digitale Rabatte bekämpft werden und lokale Wettbewerber Marktanteile gewinnen, bleibt China eher Bremsklotz als Hoffnungsträger. Positiv ist, dass Running, Fußball und Nordamerika erste echte Fortschritte zeigen.
CEO Elliott Hill war sichtlich unzufrieden. Einen Tag nach den Zahlen ließ er verlauten, dass die Zeit des Aufarbeiten alter Probleme nun enden und man sich auf Wachstumsmärkte für die Zukunft konzentrieren werde. Das hört sich für mich so an, als habe er bislang den Turnaround ohne schmerzhafte Einschnitte für Mitarbeiter versucht. Das dürfte sich künftig ändern. Wir haben Nike gekauft, weil ich es Elliott Hill zutraue, den Konzern wieder auf Wachstumskurs zu führen. Vielleicht waren diese Zahlen erforderlich für ihn, um ausreichend Rückendeckung für die nötigen Schritte zu bekommen. Ich würde also noch ein wenig dabei bleiben.
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Okay, der Ölpreis springt heute über 100 USD/Fass. Der japanische Nikkei 225 bricht am heutigen Montag um weitere 5,2% ein, der DAX notiert aktuell noch bei -1,7%, heute früh war's schon schlimmer. Eine schnelle Lösung für die Straße von Hormus ist nicht in Sicht, sie wird nach derzeit herrschender Meinung an den Finanzmärkten wohl mindestens zwei Wochen und hoffentlich nicht länger als vier Wochen unbefahrbar bleiben.
Damit sind Beeinträchtigungen der globalen Konjunktur unvermeidbar. Fraglich ist nur, wie stark. In den USA sind die Ölvorräte nur halb gefüllt. Bei uns in Deutschland gehen die Gasvorräte zur Neige. Mit dieser Reserve sollen eigentlich solche Angebots-Schocks geglättet werden.
Meine persönliche Meinung: Obwohl die Vorräte größer sein könnten, sind sie doch nicht vollständig leer. Der Winter endet und die Heiz-Saison endet damit. Es wird in Deutschland also künftig ohnehin weniger Gas benötigt. In den USA reichen die halb gefüllten Öl-Reserven, um einen Wechsel der Versorgung zu glätten. Die USA sind der größte Öl-Exporteur der Welt, haben also ausreichend Öl. Es geht also auch dort nur um eine Übergangslösung.
Der Iran droht derzeit den Schiffen, die durch die Straße von Hormus fahren, mit Drohnen unter Beschuss zu nehmen. Die USA können die Schiffe nicht beschützen. Berichten zufolge könnte der Iran diese Blockade "unendlich lange" aufrecht erhalten. Es fällt mir schwer, das zu glauben, während die USA und Israel gleichzeitig die militärische Infrastruktur im Iran bombardieren.
Die arabischen Länder, deren Öltanker durch die Straße von Hormus fahren müssen, haben sich bislang noch zurückgehalten. Ich denke, wenn der Ölpreis in Richtung 150 USD/Fass steigen sollte, dann werden diese Länder ein so lukratives Geschäft nicht dem Rest der Welt überlassen. Sie werden nach eigenen Lösungen suchen. Keine Ahnung, was denen einfällt ... vielleicht tragen sie das Öl auf Kamelen durch die Wüste, um wieder liefern zu können.
Also: Heute ist keine Lösung in Sicht und die Aktienmärkte stürzen in den Abgrund. Keine Ahnung, wie lange diese Panik andauert, aber wir warten auf den Augenblick der maximalen Panik, um dann zuzugreifen.
Ich hatte angekündigt, Nike im Zweifel zu verkaufen. Doch das bringe ich nun nicht über's Herz. Ja, Nike wird unter dem hohen Ölpreis und einer gegebenenfalls schwächeren globalen Konjunktur leiden, doch die Aktie ist so günstig bewertet, dass ich mehr Angst habe, bei der anschließenden Erholung nicht dabei zu sein, als dass ich nun die Reißleine ziehen würde.
Ende Januar kündigte Nike die Streichung von 775 Stellen in den Logistikzentren von Tennessee und Mississippi an. Schon im vergangenen Sommer wurden 1.000 Stellen gestrichen. Nike beschleunigt damit die Einführung von Lagerautomation, mit der Kosten eingespart werden sollen.
Wir haben ausreichend Cash, um vielleicht heute Nachmittag, oder aber in den kommenden Tagen, andere Positionen aufzustocken oder vielleicht sogar einen DAX-Call zu kaufen. Mit Nike würde ich diese aktuelle Schwächephase des Marktes aussitzen.
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