Heibel-Ticker PLUS 25/39 - Intellektuelle Skeptiker dominieren die Gespräche

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Heibel-Ticker PLUS Börsenbrief

- Einfach einen Tick besser -

20. Jahrgang - Ausgabe 39 (26.09.2025)




Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:

1.Info-Kicker: Zwischen Konsumsorgen und KI-Euphorie
2.So tickt die Börse: Intellektuelle Skeptiker dominieren die Gespräche
 - Weitere KI-Meldungen
 - Wochenperformance der wichtigsten Indizes
3.Sentiment: Positive Sentimentverfassung könnte kurzfristig belasten
 - Interpretation
4.Ausblick: Trennung der Spreu vom Weizen
5.Update beobachteter Werte: Novo Nordisk, Goldmünzen & Goldbarren, Home Depot
 - Novo Nordisk: Abfüllanlagen versus Fertigungstiefe
 - Goldmünzen & Goldbarren: Teilverkauf wegen Überhitzungsanzeichen
 - Home Depot: Steigende Zinsen könnten Erholung weiter verzögern
6.Chancen und Risiken bei Dax-Absteigern
 - : Keine statistisch signifikanten Bewegungen ableitbar
7.Übersicht HT-Portfolio
8.Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
9.Mitgliedschaft verwalten



1. Info-Kicker: Zwischen Konsumsorgen und KI-Euphorie



Liebe Börsenfreunde,

In dieser Woche scheinen die Skeptiker das Wort zu führen. Parallelen zur Internetblase werden gezogen, Analysten verweisen auf historische Bewertungsfallen und warnen vor übertriebenen KI-Investitionen. Da passt es ins Bild, dass Nvidia Milliarden in seine eigenen Kunden steckt und Oracle sein Wachstum mit frischem Fremdkapital finanziert. Für viele ist das ein Déjà-vu, für mich nicht, wie Sie in Kapitel 2 lesen werden.

Während in Kapitel 2 die Stimmen der Skeptiker dominierten, rückt in Kapitel 3 die Stimmungslage der Anleger selbst in den Mittelpunkt. Nach einem nervösen September zeigt sich, dass viele Investoren zwar mit gemischten Gefühlen auf die Märkte blicken, gleichzeitig aber voller Zuversicht in die kommenden Monate gehen. Diese Diskrepanz zwischen kurzfristiger Unsicherheit und langfristigem Optimismus ist typisch für eine Börsenphase, in der die Kurse auf hohem Niveau verharren und jeder Rücksetzer sofort auf seine Bedeutung abgeklopft wird. Mit anderen Worten: Die Stimmung ist fragil. Was das bedeutet, lesen Sie in Kapitel 3.

Kapitel 4 widmet sich dem Ausblick – und der ist so zwiespältig wie selten. Einerseits zeigt die Fülle an skeptischen Argumenten, dass viele Anleger noch immer auf der Suche nach Haaren in der Suppe sind. Andererseits sehen wir in unseren Portfolios, dass die großen Gewinner – allen voran Nvidia und Tesla – kräftig zugelegt haben. Die Frage lautet nun: Gewinne sichern und Cash aufbauen, um mögliche Rücksetzer abzufedern, oder dabei bleiben und auf die nächste Aufwärtswelle setzen? Meine Einschätzung dazu lesen Sie in Kapitel 4.

Kapitel 5 liefert frische Updates zu einzelnen Portfoliowerten, die in dieser Woche im Fokus standen. Bei Novo Nordisk sorgt die Ankündigung von Strafzöllen auf Pharmaprodukte für Unsicherheit. Unsere Goldposition ist dank der starken Rallye inzwischen überproportional gewachsen. Und bei Home Depot wiederum bleibt die Hoffnung auf eine Erholung am Immobilienmarkt gedämpft. Die jüngste Zinssenkung hat – paradoxerweise – die Renditen länger laufender Anleihen nach oben getrieben.

Kapitel 6 nimmt die DAX-Absteiger unter die Lupe – jene Aktien also, die aus der ersten Börsenliga herausgefallen sind. Oft wird vermutet, dass diese Titel Nachholpotenzial besitzen, ähnlich dem „Dogs of the Dow”-Ansatz. Doch die Realität sieht differenzierter aus: Bei vielen Unternehmen spiegelte der Abstieg lediglich strukturelle Probleme wider, die sich auch nach Jahren nicht gelöst haben – man denke an Lufthansa, Thyssenkrupp oder ProSiebenSat.1. Wer hier Chancen sucht, muss jedes Unternehmen im Detail prüfen.

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

heibel

take share, Ihr Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs




2. So tickt die Börse: Intellektuelle Skeptiker dominieren die Gespräche



"This time is different" lautet der Titel eines für US-Börsianer berühmten Buches, in dem historische Parallelen schonungslos aufgezeigt werden. Tenor: Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.

Aktuell werden Vergleiche zur Internetblase 2000 gezogen: Die KI-Investitionen seien zu hoch und würden niemals Rückflüsse erzeugen, die diese Investitionen rechtfertigen könnten. Als Beweis wird angeführt, dass Nvidia nun 100 Mrd. USD in ChatGPT Betreiber OpenAI investiert, damit OpenAI wiederum von dem Geld KI-Chips von Nvidia kaufen könne. Ein Kreisgeschäft, das beweise, so die Mahner, dass es keine ausreichende Nachfrage außerhalb des Nvidia-Ökosystems mehr für die Nvidia-KI-Chips gebe.

Den Bau der KI-Rechenzentren bewerkstelligt dann Oracle, die nach fulminanten Q-Zahlen kürzlich kräftig ansprangen. Doch das Wachstum kommt nicht aus dem Nichts, Oracle holte sich über eine Anleihe diese Woche 18 Mrd. USD an Kapital, um das Wachstum zu finanzieren. Ein weiterer Schock für Anleger, die glaubten, das Wachstum ließe sich aus dem Cashflow finanzieren.

Ich sehe das weniger kritisch. Zum einen überrascht es mich nicht, dass Oracle das Wachstum über Fremdkapital finanziert. In meinen Augen werden die Rückflüsse, die durch KI-Anwendungen generiert werden, alle Erwartungen übertreffen. Mag pauschal klingen, ich will hier aber nicht alle Möglichkeiten aufzählen, mit der KI-Prozesse effizienter gestalten wird. Übrigens gilt insbesondere die Industrie, und dort der Maschinen- und Anlagenbau als Bereich, in dem die KI besonders wirksam eingesetzt werden kann. Es mag zwar noch eine Weile dauern, bis wir das hier in Deutschland spüren, doch dies ist eine der möglichen "positiven" Überraschungen, auf die ich mich heute schon freue.

Und wenn Nvidia in seinen Kunden investiert, dann aus strategischen Gründen. Die Hyperscaler Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta verfügen über ausreichend Kapital, um mehr KI-Chips von Nvidia zu kaufen, als Nvidia in absehbarer Zeit produzieren kann. Möchte Nvidia wirklich abhängig von nur vier Unternehmen sein? Nein. Die vier Hyperscaler könnten die Preise für die KI-Chips drücken. Also schließt man exklusive Vereinbarungen mit den Kunden der Hyperscaler, damit diese darauf drängen, die Nvidia-Chips zu nutzen. Nvidia wird zum KI-Standard, so wie Microsoft in den 90ern zum PC-Standard wurde.

Aber sei's drum: Derzeit dominieren skeptische Berichte die Stimmung am Aktienmarkt. Warum auch nicht, wir haben gerade erst den Angst-Monat September ohne nennenswerte Blessuren durchlebt. Da müssen nun auch mal die Skeptiker zu Wort kommen. Und den Skeptikern fallen in diesen Tagen noch viel mehr Warnsignale auf:

Die USA hängen wesentlich stärker am heimischen Konsum als wir. Daher analysiert man in den USA den Konsumsektor besonders intensiv. Und so hat nun ein Analyst festgestellt, dass der Anteil der Aktien von Konsumartikelherstellern im S&P 500 immer dann am niedrigsten ist, wenn ein Crash bevorsteht.

Besonders niedrig war der Anteil im März 2000, also genau auf dem Peak der Internetblase. Auch im Juli 2007 war der Anteil sehr niedrig, das war der Beginn der großen Finanzkrise, die bis 2009 andauerte.

Und heute ist der Anteil niedriger als 2007, aber noch nicht ganz so niedrig wie 2000. Niedrig genug, um Sorgenfalten auf die Stirn zahlenorientierter Analysten zu jagen. Denn der Konsum spielt bei der Bewertung der US-Aktienmärkte aktuell kaum noch eine Rolle, obwohl er wirtschaftlich extrem wichtig ist.

Auch diese "Fakten" kann ich kritisieren: Konsum betrachtete früher den Kauf von Gegenständen: Kleidung, Waschmaschinen und Autos. Auch heute noch. Doch Aktien von Apple, Google, Amazon etc. werden nicht dem Bereich der Konsumentenunternehmen zugerechnet, obwohl die Menschen Cloud-Dienste (Apple iCloud, Google Drive) konsumieren und Lieferdienste (Amazon Prime) nutzen. Sogar iPhones fallen aus meiner volkswirtschaftlichen Sicht zwar in den Konsumgüterbereich, bei der Aktienanalyse werden sie jedoch den Technologie-Unternehmen zugerechnet. Viele Konsumausgaben fließen heute in Produkte, die dem Technologiesektor zugeordnet werden. Da ist die historische Betrachtung, die der Analyst oben ausgegraben hat, wohl nur noch bedingt aussagekräftig.

Eine weitere Grafik dieses Analysten zeigt, dass die Zinsdifferenz (credit spread) zwischen hochverzinsten Anleihen und US-Staatsanleihen nur selten so klein war wie heute. Der Risikoaufschlag ist historisch betrachtet heute sehr gering. Nur 1998, also zwei Jahre vor dem Platzen der Internetblase, und 2007, also direkt vor der großen Finanzkrise, war der Spread vergleichbar klein wie heute.

Dieser "Fakt" macht mich tatsächlich sehr nachdenklich. Er ist in meinen Augen aber mehr eine Folge der staatlichen Übergriffigkeit, die weltweit um sich greift, als dass wir daraus eine Sorglosigkeit der Anleger ableiten könnten. Vor den Krisen 2000 und 2007 waren es die Anleger, die vollkommen sorglos und gierig investierten, als gäbe es kein Morgen. Heute sehe ich unter Anlegern noch immer sehr viel Skepsis. Den niedrigen Spread führe ich eher darauf zurück, dass es seit "whatever it Takes" und "Bazooka" etc. nur noch wenige Unternehmen gibt, die ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen können. Insolvenzen waren in den vergangenen Jahren selten.

Schließlich wird noch das Robert Schiller CAPE Ratio (auch Schiller-KGV) als vermeintlicher Beweis angeführt, dass die heutigen Aktienmarktstände übertrieben hoch bewertet würden. Das Schiller-KGV nimmt die Unternehmensgewinne der jüngsten 10 Jahre, bereinigt sie um die Inflation und stellt sie ins Verhältnis zum aktuellen Indexstand. Das Schiller-KGV für den S&P 500 steht aktuell bei 40. Nur 1999, also direkt vor dem Platzen der Internetblase, stand es mal noch höher, nämlich bei 44. Vor der großen Finanzkrise stand das Schiller-KGV bei 18 und fiel dann bis 2009 auf 13.

Tatsächlich ist die Bewertung vieler Unternehmen aus diesem historischen Blickwinkel hoch. Ich halte jedoch auch hier dagegen und weise darauf hin, dass die größten Unternehmen der Indizes derzeit Wachstumsraten haben, die wir 1999 bei den Internetbuden nicht hatten. Und ich meine Gewinnwachstum, denn das ist der große Unterschied zwischen heute und damals. Die Internetblase wurde auf Umsatzwachstum aufgebaut, da Gewinne für die ferne Zukunft versprochen wurden. Die heutige KI-Rallye wird mit echten Gewinnen finanziert, wenn wir uns die Hyperscaler anschauen.

Und heute weisen gerade die Mega-Caps, die großen Unternehmen, Gewinnwachstumsraten von 30%, 50% und teilweise noch mehr aus. Aussagekräftiger als ein KGV ist es, wenn man das KGV ins Verhältnis zum Gewinnwachstum setzt. Und das fehlt beim Schiller-KGV.

Tatsächlich kenne ich das Schiller-KGV, seit ich an der Börse unterwegs bin. Und das Schiller-KGV wird permanent herangezogen, wenn man Warnungen aussprechen möchte. Hätte ich seit meiner Banklehre auf die Warnungen gehört, dann wäre mir eine DAX-Rallye von 1.000 auf heute 23.400 Punkte entgangen.

Ich bin mir sicher, sollten wir in den kommenden zwei Wochen einen deutlichen Rücksetzer an den Aktienmärkten sehen, werde ich mit E-Mails zugeschüttet, die mir diesen heutigen Artikel vorhalten. Natürlich erfolgten die Börsenanstiege nicht linear, Rücksetzer gehören dazu. Und tatsächlich gibt es aktuell auch eine Reihe von Risiken, die ich anerkenne und deretwegen ich auch vor einer ganzen Reihe von Aktien warne.

Doch nicht vor KI-Aktien. Und nicht vor Energieaktien und auch nicht vor Finanztiteln. Diese Titel würde ich auch im Falle eines Rücksetzers halten, denn sie dürften im Anschluss um so stärker wieder anziehen.

Weitere KI-Meldungen



Die Meldungen im Bereich der KI-Investitionen überschlagen sich. So legte Micron, Anbieter von HBM (High Bandwidth Memory) hervorragende Q-Zahlen vor. Die HBM-Speicher werden von den parallelen Prozessen der KI-Architektur benötigt. Western Digital hob diese Woche die Preise für Festplatten an. Wettbewerber Seagate geht eine Kooperation mit einem Anbieter von KI-gesteuerten Archiven ein.

Plötzlich kommt das Gerücht auf, Intel könne nach der US-Regierung und Nvidia auch noch Apple an sich binden. Weder Intel noch Apple äußerten sich zu diesem Gerücht. Auf der einen Seite hat sich Apple erfolgreich von Intel gelöst und stellt heute seine eigenen Chips her, die wesentlich besser sind als die von Intel. Auf der anderen Seite hat sich Apple verpflichtet, 600 Mrd. USD in den Ausbau der US-Foundry zu investieren, also in den Ausbau der Chipfertigung innerhalb der USA. Und da ist Intel nach wie vor Platzhirsch. Wenn Apple also Chips in den USA fertigen möchte, könnte ein Gespräch zwischen CEO Tim Cook und Intel-CEO Lip-Bu Tan sinnvoll sein.

In China schossen die Aktien von Alibaba um 9% in die Höhe, nachdem das Unternehmen eine Partnerschaft mit Nvidia verkündete. Alibaba werde den Bau von Rechenzentren außerhalb Chinas ausweiten, arbeite an einem neuen Large Language Model (LLM) und forsche im Bereich der Roboter. Offensichtlich gelten die Beschränkungen Chinas, dass chinesische Firmen keine Nvidia-Chips nutzen sollen, nicht für das international aufgestellte Alibaba.

In Deutschland meldete SAP, gemeinsam mit OpenAI eine KI-Cloud nach EU-Standard aufzubauen. Höchste Zeit, würde ich sagen.

Doch gleichzeitig gerät SAP unter Duck, nachdem die EU-Kartellbehörde nun eine Untersuchung in die Wartungsverträge von SAP werfen möchte. Die Befürchtung lautet, SAP könnte Lizenzen an Wartungsverträge hängen, so dass Kunden keine freie Entscheidung darüber treffen können, wer die ERP-Software betreut. Klingt für mich ähnlich wie das Apple-Problem: Natürlich können Apple und SAP die Qualität der Software besser im Griff behalten, wenn Externe darin nicht herumpfuschen dürfen. Doch auf der anderen Seite wird damit auch die Innovation gebremst.

Schauen wir mal, wie sich die wichtigsten Indizes im Wochenvergleich entwickelten:

Wochenperformance der wichtigsten Indizes




INDIZES26.9., 18:11 UhrWoche ΔΣ '25 Δ
DAX23.739 0,4%19,2%
S&P 5006.618 -0,7%12,0%
Nikkei45.355 0,7%13,7%
Shanghai A 4.550 1,1%15,6%
Euro/US-Dollar1,17-0,5%12,3%
Euro/Yen174,850,6%7,5%
10-Jahres-US-Anleihe4,19%0,07-0,31
Umlaufrendite Dt2,65%0,030,34
Feinunze Gold$3.779 2,5%44,5%
Fass Brent Öl$70,58 5,8%-5,2%
Kupfer$10.260 2,7%15,1%
Baltic Dry Shipping$2.266 2,9%127,3%
Bitcoin$109.322 -5,7%16,6%



Der Ölpreis sprang um 6% an. Hintergrund sind Berichte über die Fähigkeit der Ukraine, die russische Öl-Infrastruktur mit Dohnenangriffen empfindlich zu stören. Nachdem Donald Trump diese Woche die Möglichkeit in den Raum stellte, dass die Ukraine mit westlicher Unterstützung ihr ursprüngliches Gebiet zurückerobern könnte, wird in alle Richtungen spekuliert. Gleichzeitig fliegen russische Drohnen über Nato-Gebiet. Die Spannungen nehmen weiter zu und entsprechend springt der Ölpreis an.




3. Sentiment: Positive Sentimentverfassung könnte kurzfristig belasten



Umfrage Diese Woche blieb der DAX von der Skepsis der US-Anleger verschont und konnte sich mit leichtem Plus (+0,3%) aus der Woche retten. Der S&P 500 hingegen gab diese Woche 0,8% ab. Steigende Renditen führten zu einem Ausverkauf insbesondere bei spekulativen Werten.

Das Anlegersentiment in Deutschland wird offensichtlich stärker von den Vorgängen in den USA beeinflusst, denn mit einem Wert von -0,8 herrscht hierzulande nun wieder ein gewisses Unwohlbefinden. Verunsicherung macht sich breit, unser entsprechender Sentiment-Indikator zeigt einen Wert von -0,9.

Ungeachtet der momentanen Verunsicherung bleiben Anleger optimistisch. Die Zukunftserwartung steigt auf +3,0. Ab Werten von 4,0 sprechen wir von Extremwerten, die zur Vorsicht mahnen. Es ist selten, dass der Zukunftsoptimismus so hoch notiert, während die Aktienmärkte auf hohem Niveau und unter großer Skepsis seitwärts laufen.

Die Investitionsbereitschaft notiert mit 1,9 auf moderat positivem Niveau. Unsere Umfrageteilnehmer wollen ihrem Optimismus also auch Taten folgen lassen.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger sinkt auf -25 und signalisiert eine gestiegene Absicherungsneigung. Erneut, wie auch in der Vorwoche, widerspricht dieser Indikator unserer Beobachtung.

Das Put/Call-Verhältnis für den DAX an der Eurex notiert auf niedrigem Niveau bei 1,32. Institutionelle Anleger sehen derzeit wenig Bedarf an Absicherungspositionen. An der CBOE sinkt das Put/Call-Verhältnis sogar auf 0,54 und somit auf einen extrem niedrigen Wert.

US-Fondsmanager behalten ihre durchschnittliche Investitionsquote von 86% bei. Die Bulle/Bär-Differenz steigt moderat auf den weiterhin neutralen Wert von 2,5 an. 42% Bullen stehen 29% Bären gegenüber. Klein ist lediglich das Lager der neutral eingestellten Anleger. Die Polarisierung bleibt also, genau wie in der Vorwoche, groß.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 52% eine neutrale Verfassung an.

Interpretation



*** Sentiment Interpretation wird Teil des Heibel-Ticker PLUS ***

Die Sentiment-Analyse basiert auf dem Prinzip "Geben & Nehmen": Ab demnächst werden wir lediglich den ersten Teil des Kapitels, die deskriptive Auflistung der Umfrageergebnisse, im Heibel-Ticker Free belassen.

In den vergangenen Monaten haben wir die Sentimentauswertung inhaltlich und methodisch deutlich weiterentwickelt – und wir werden sie auch künftig kontinuierlich optimieren. Ziel ist es, Ihnen noch präzisere Hinweise für das Timing Ihrer Anlageentscheidungen zu liefern und die Portfolioentwicklung systematisch zu verbessern.

Um diesen Service auch künftig kostendeckend anbieten zu können, integrieren wir die Interpretation daher künftig in den Heibel-Ticker PLUS. Sie können aber auch weiterhin kostenfrei von der Sentiment-Interpretation profitieren – als Gegenleistung bitten wir Sie dann um Ihre Teilnahme an der wöchentlichen, rund 2 Minuten dauernden Umfrage auf unserer Plattform animusX.

*** ENDE DES HINWEISES IN EIGENER SACHE ***

Positiv Ich würde die derzeitige Sentiment-Verfassung als optimistisch bezeichnen. Auch meine animusX-Sentimentdaten zeigen eine hohe Polarisierung an, die Cashquote ist auf historisch niedrigem Niveau.

2025-09-DAXCashquote
Abbildung 1: Cashquote historisch niedrig


Obwohl die Stimmung durchwachsen ist, bleiben Anleger zuversichtlich. In der Vergangenheit führten vergleichbare Sentiment-Situationen zu einem DAX-Anstieg von durchschnittlich 8,2% nach sechs Monaten. Tendenziell ist das also eine gute Ausgangslage.

Ich würde den Optimismus zum Teil auch der Saison zusprechen: Wir haben den Angstmonat September fast überstanden und traditionell laufen die Aktienmärkte von Oktober bis in den April hinein recht gut. Wer sich also über den Sommer zurückgehalten hat, konnte in den vergangenen Wochen wieder zugreifen und blickt nun zuversichtlich auf die kommenden Monate.

Der DAX ist schon lange nicht mehr allein von der Stimmung unserer heimischen Anleger abhängig, sondern gilt als internationaler Indikator der globalen Konjunktur. Nach den turbulenten vergangenen Monaten könnte sich die Situation auf den Weltmärkten also beruhigen, was dem Exportland Deutschland zugute käme.

Fraglich ist nur, wie sich die neuen Zollpläne der EU auf diese Stimmungslage auswirken. Nachdem chinesische Produkte, die nun nicht mehr in die USA geliefert werden können, den europäischen Markt überfluten, untersucht man in Brüssel nun ebenfalls den Einsatz von "Schutzzöllen".

Letztlich halte ich die aktuelle Sentimentverfassung für kurzfristig (wenige Wochen) gefährlich, mittelfristig (wenige Monate) jedoch konstruktiv.



4. Ausblick: Trennung der Spreu vom Weizen



Manchmal habe ich den Eindruck, es gibt nur noch ein Investment-Thema, das funktioniert: KI. Alles andere gerät unter die Räder, egal ob Industrie, ob fundamental günstig bewertete Aktien, ob Pharma-Innovationen oder ob Krypto: Überall finden Analysten Haare in der Suppe. Wir müssen uns überlegen, ob wir "Gegenhalten" wollen, oder aber ob wir ein wenig Cash generieren und erst einmal abwarten.

Viele unserer fundamental günstig bewerteten Aktien legten in diesem Spätsommer kräftig zu, endlich. Ich baute darauf, dass nun eine Trendwende kommt. Doch nun geben sie wieder einen Teil ihrer Kursgewinne ab. Handelt es sich um eine gesunde Verschnaufpause? Oder war die Aufholjagd ein letztes Aufbäumen?

Sie sehen, wenn ich auch den intellektuellen Quatsch der Skeptiker in Kapitel 2 entkräften kann, so hinterlassen allein die Vielzahl der negativen Argumente doch Spuren bei mir. Nun habe ich Sie erfolgreich durch den Sommer geführt, unser Portfolio konnte sich gut entwickeln. Doch nun kommt die Angst auf, diese Kursgewinne bis zum Jahresende wieder abzugeben. Warum also nicht einfach ein paar Gewinne realisieren und mit einer höheren Cashquote die Entwicklungen abwarten?

Unsere Nvidia-Position ist inzwischen zur größten Portfolioposition angewachsen. Hier könnten wir ein wenig Gewinne mitnehmen. Auch Tesla konnte sich in der kurzen Zeit, in der wir die Aktie im Portfolio halten, um 68% nach oben entwickeln. Dort könnten wir ebenfalls ein paar Teilgewinne einstreichen.

Diese beiden Positionen würde ich jedoch nur ein wenig kappen, da ich die Aktien für günstig halte. Ich würde dann im Falle eines Rücksetzers frühzeitig wieder nachkaufen.

Anders sieht es bei den fundamental "günstigen" Positionen aus, wie Medios, PVA Tepla und Puma. Alle haben ihre Probleme, alle haben Lösungen vorgelegt und alle haben sich gut entwickelt. Reicht uns das oder wollen wir abwarten, bis die Problemlösungen zu Gewinn- und somit auch nochmals Kurssprüngen führen? Ich schaue mir das in den nächsten Tagen genauer an.

Unsere jüngsten Spekulationen, Capital One und TJX, entwickeln sich prächtig. Es sind die richtigen Aktien für die derzeitige Börsenverfassung, daran sollten wir festhalten.

Apple schwimmt auf dem Erfolg des iPhone 17: Schlangen vor den Apple-Stores von Hamburg bis Japan zeigen das große Interesse an der neuen Generation. Ich war diese Woche hier in Hamburg im Apple Store am Jungfernstieg und sah die Schlange der Menschen, die ein neues iPhone oder eine neue Apple Watch kaufen wollten. Wie immer werden die Neuerungen von Kritikern als zu wenig revolutionär abgetan, doch die Kunden sprechen eine andere Sprache.

Soweit ein kleiner Überblick. Ich werde mich im Verlauf der Woche melden, wenn ich eine etwas klarere Erwartung für die kommenden Wochen habe. Oder anders ausgedrückt: Wenn ich nichts zu sagen habe, sollte ich auch nicht so viel schreiben.



5. Update beobachteter Werte: Novo Nordisk, Goldmünzen & Goldbarren, Home Depot



Im Wochenverlauf habe ich Updates zu unseren Portfolio-Titeln verfasst. Diese erhalten Sie nachfolgend zusammen aufgeführt.

Die Updates finden Sie generell jeweils nach der Veröffentlichung verfügbar unter Heibel-Ticker -> Portfolio -> 10 neueste Einträge und mit der Express-Funktion erhalten Sie die Updates direkt unterwöchig per E-Mail und SMS.

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Novo Nordisk: Abfüllanlagen versus Fertigungstiefe



Fr, 26. September um 15:51 Uhr
Heute Nacht verkündete Donald Trump nun endlich die Strafzölle auf Pharma-Artikel: 100% für alle, die nicht in den USA fertigen.

Novo Nordisk verfügt bereits über eine personalintensive Fertigungsstätte in North Carolina (Clayton). Doch personalintensiv ist nicht gleichzusetzen mit einer großen Wertschöpfung. Tatsächlich handelt es sich um Abfüllanlagen. Die Wirkstoffe, die dort in Pens und Fläschchen abgefüllt werden, stammen aus Dänemark.

Novo Nordisk kündigte bereits eine Investition in Höhe von 4,1 Mrd. USD in den Ausbau dieser Fertigungsstätte an, Fertigstellung 2027 bis 2029. Donald Trump gewährt Pharmakonzernen, die bereits in US-Fertigungen investieren, ebenfalls Zollfreiheit.

Doch der Teufel steckt im Detail. Bislang ist noch nicht bekannt, wie stark die "Fertigungstiefe" ausgeweitet werden soll, oder ob im Zweifel einfach nur mehr Abfüllanlagen gebaut werden.

Die Aktie von Novo Nordisk fällt nach dem starken Anstieg in der Vorwoche diese Woche wieder deutlich zurück, aktuell -9%. Vermutlich weiß niemand so genau, wie die neue Regelung nun für Novo Nordisk Anwendung finden wird. Lässt die Trump-Administration die Abfüllanlagen als US-Fertigung durchgehen oder bestehen sie auf eine tiefere Integration der Wertschöpfungskette? Wie schwer wäre es für Novo, auch den Wirkstoff für Wegovy und Ozempic in den USA zu produzieren? Lässt sich die 4,1 Mrd. USD-Investition entsprechend anpassen?

All das ist jedoch keine wirkliche Überraschung. Von ihrem Korrekturtief bei 39 EUR Ende Juli stieg die Aktie bereits um 35% an. Nun gibt sie einen Teil des Anstiegs wieder ab, notiert aktuell noch bei 47,50 EUR.

Da es sich um einen Wachstumsmarkt handelt, für den derzeit Fertigungskapazitäten massiv aufgebaut werden, dürfte es für Novo Nordisk machbar sein, die entsprechende Fertigung maßgeblich in den USA voranzutreiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Abnehmspritzen von Novo Nordisk tatsächlich mit 100% Strafzoll belegt werden.

Ein Heibel-Ticker Mitglied wies mich diese Woche auf US-Klagen gegen Novo Nordisk hin: Ein Verabreichen der Abnehmspritze verursache heftige Verdauungsprobleme bis hin zu bleibenden Schäden. Schadensersatzforderungen in Höhe von 2 Mrd. USD stünden im Raum, da Novo Nordisk wider besseren Wissens nicht auf diese Gefahr hingewiesen habe.

Das EBITDA wächst Analystenschätzungen zufolge um 2 Mrd. USD im Jahr. Damit würde gegebenenfalls das Wachstum eines Jahres verspielt. Doch ich bin skeptisch, ob die Klagen durchkommen ... immerhin habe ich als eine der ersten möglichen Nebenwirkungen überall über Verdauungsprobleme gelesen. Sollte das in den USA anders deklariert worden sein? Nun, ein solcher Prozess kann als weiterer Grund betrachtet werden, warum die Aktie in den vergangenen Monaten so stark einbrach.

Mit dem aktuellen EV/EBITDA von 11 und einem erwarteten Gewinnwachstum von 9-10% in den kommenden Jahren halte ich solche Probleme für ausreichend eingepreist.

Alle Updates zu Novo Nordisk


Goldmünzen & Goldbarren: Teilverkauf wegen Überhitzungsanzeichen



Do, 25. September um 13:45 Uhr
Um 27% ist der Goldpreis gerechnet in Euro allein in diesem Jahr gestiegen. In US-Dollar sind es sogar 40%. Wenn Positionen in unserem Heibel-Ticker Portfolio Dank einer guten Performance groß werden, schaue ich besonders kritisch nach, ob Teilverkäufe sinnvoll sein könnten.

Unsere Goldposition macht inzwischen 7,9% unseres Portfolios aus, beabsichtigt ist ein Portfolioanteil von rund 6,6%. Ich hätte kein Problem, die Gold-Position in besonders turbulenten Zeiten in Richtung 9-10% laufen zu lassen, doch aktuell habe ich den Eindruck, dass wir den Zenit der Turbulenzen bereits erlebt haben.

US-Präsident Donald Trump machte in diesen Tagen eine Kehrwende in seiner Ukraine-Politik: Seine Geduld mit Putin scheint am Ende zu sein. Seine Kamikaze-Politik gegenüber seinen westlichen Verbündeten könnte ebenfalls ihren Zenit überschritten haben. Gestern wurde die Zollvereinbarung zwischen den USA und der EU rückwirkend zum 1. August in Kraft gesetzt.

Den Commitments of Travers können wir entnehmen, dass die Rallye zuletzt durch Spekulanten getrieben war. Goldhändler ziehen sich aus dem Markt zurück.

2025-09-Gold_COT
Abbildung 1: Gold: Commitment of Traders bei den Händlern sehr gering: Rallye könnte ihr Top erreicht haben


Die grüne Linie zeigt das Engagement der Spekulanten, häufig Hedgefonds. Häufig steigt deren Engagement parallel zum steigenden Goldpreis an. Sie springen auf den angefahrenen Zug auf.

Die rote Linie zeigt das Engagement der "Commercials", also der Goldhändler. Sie nutzen niedrige Preise zum Kauf und verkaufen in die Rallye hinein.

Die beiden Linien zeigen also die Verteilung des Golds an: Wenn viel Gold in den Händen der Spekulanten ist und Händler kein Interesse am Gold haben, wird häufig ein Top im Goldpreis markiert. Eine solche Situation haben wir zur Zeit.

Natürlich kann die Welt jederzeit kollabieren und den Goldpreis nochmals weiter nach oben treiben. Wer regelmäßig darauf spekuliert, hatte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Unrecht. Damit möchte ich ausdrücken, dass schon etwas ziemlich Schlimmes passieren muss, um die Goldpreisrallye auf dem aktuell hohen Niveau noch weiterzutreiben.

Daher halte ich es für angebracht, einen kleinen Teil unserer Goldposition zu verkaufen und somit einen Teilgewinn aus der jüngsten Rallye zu realisieren. Ich würde die Position auf 6,6% Portfolioanteil stutzen.

Praktische Umsetzung: Unsere Goldposition ist als Versicherung gegen schlimmste Entwicklungen gedacht. Daher empfehle ich Goldmünzen und ab 100 gr. Goldbarren. Diese können Sie zu Hause im Safe oder aber in einem Bankschließfach lagern. Auch Zollfreilager in der Schweiz sind eine gute Alternative.

Ich weiß aus Ihren Rückmeldungen, dass viele von Ihnen stattdessen das von mir ebenfalls empfohlene Xetra Gold Index-Zertifikat (WKN: A0S9GB, ISIN: DE000A0S9GB0) nutzen. Das Papier liegt, genau wie Aktien, in Ihrem Depot und kostet statt der Schließfachgebühr eben eine Depotgebühr. Mit dem sind sie flexibler, mit physischem Gold sind Sie dafür auch handlungsfähig, falls unser Banksystem kollabiert (siehe vorübergehend große Finanzkrise 2008).

Für diejenigen, die sich für ein ETF entschieden haben, lässt sich ein Teilverkauf, wie heute empfohlen, leichter umsetzen: Es bedarf nur ein paar Mausklicks. Für die aktive Portfoliogestaltung ist das ETF aus dieser Sicht besser geeignet.

Wer hingegen Barren und Münzen eingelagert hat, müsste damit zum Goldhändler laufen, um einen Teil zu verkaufen. Die Hürde ist relativ groß. Und es kann sein, dass wir in ein paar Monaten Gold wieder zurückkaufen, falls der Goldpreis tatsächlich um 15% oder mehr korrigiert haben sollte.

Das Feintuning, das wir hier mit der Positionsgröße betreiben, ist mit Münzen und Barren kaum umsetzbar. Das Münzen und Barren eher sehr langfristige Anlagen sind, würde ich das hier vorgeschlagene Feintuning nicht unbedingt mitmachen. Sie können einen eventuellen Rücksetzer auch aussitzen.

Für unser Heibel-Ticker Portfolio würde ich mich natürlich auf den Weg zum Goldhändler begeben, da mir für Sie, liebe Mitglieder, kein Weg zu weit ist :-)

Alle Updates zu Goldmünzen & Goldbarren


Home Depot: Steigende Zinsen könnten Erholung weiter verzögern



Fr, 26. September um 16:04 Uhr
Wissen Sie eigentlich, dass Sie nur einen kleinen Teil dessen zum Lesen bekommen, was ich schreibe? So habe ich soeben eine ausführliche Begründung zu Home Depot geschrieben, warum ich die Aktie nun verkaufen würde. Doch je tiefer ich in die Gründe eintauchte, desto mehr Zweifel kamen mir auf. Also habe ich den Text gelöscht und schreibe nun nochmals neu: Wir werden zwar Geduld benötigen, doch wenn wir die Aktie jetzt verkaufen, laufen wir Gefahr, eine ordentliche Kursrallye zu verpassen.

Die Baumarktkette stellte sich erfolgreich auf schwere Zeiten ein. Trotz hohem Zinsniveau konnte das Geschäft ausgeweitet werden. Die Gewinnmarge (EBITDA) kann durch mehrere Zukäufe auf dem hohen Niveau von 33,3% gehalten werden. Doch wirklich wachsen kann Home Depot nur dann, wenn die Hypothekenzinsen fallen. Aktuell droht ein ähnliches Szenario wie vor einem Jahr: Leitzinssenkungen könnten einen Anstieg der Renditen lang laufender Anleihen nach sich ziehen.

2025-09-US-Zinsen
Abbildung 1: Leitzinssenkung führte zu steigenden Renditen bei US-Staatsanleihen


Die erste Leitzinssenkung seit einem Jahr von Fed-Chef Jay Powell führte zu einem Anstieg der Renditen bei Anleihen. Hypothekenzinsen richten sich nach den Anleiherenditen, steigen also ebenfalls. Der 30-Jahres-Zins stieg auf 6,37 %. Wie soll die Aktie von Home Depot in diesem Umfeld endlich abheben?

Die Leitzinssenkung signalisiert den Anlegern, dass die Inflation in den USA weniger strikt bekämpft wird, also länger hoch bleiben dürfte. Gleichzeitig wird der Staat zu höheren Schulden motiviert, was ebenfalls inflationär wirkt. Aktuell werden in den USA zwei weitere Zinssenkungen bis Jahresende erwartet. Als die Fed vor ziemlich genau einem Jahr das letzte mal den Leitzins mehrfach senkte, schossen die Renditen kräftig nach oben (siehe obiger Chart). Sollten wir diesmal eine ähnliche Entwicklung sehen, dürfte die Erholung von Home Depot noch länger auf sich warten lassen.

Irgendwie habe ich noch keine Überzeugung zur Strategie von Donald Trump: Seit Monaten fordert er niedrigere Zinsen, damit er seinen Staatshaushalt günstiger refinanzieren kann. Doch ein niedriger Leitzins treibt die Renditen lang laufender Staatsanleihen - und somit auch für Refinanzierungen lang laufender Staatsanleihen - nach oben. Hat er das falsch eingeschätzt oder übersehe ich etwas?

Hmm, solange ich hier keine klare Meinung habe, warte ich ab.

Alle Updates zu Home Depot



6. Chancen und Risiken bei Dax-Absteigern




: Keine statistisch signifikanten Bewegungen ableitbar



Fr, 26. September um 10:07 Uhr
Diese Woche kontaktierte mich ein Redakteur des Handelsblatts mit der Bitte um eine Stellungnahme zu Dax-Absteigern. Was ist dran an der Theorie des "Dogs of the Dow", demzufolge günstig bewertete Index-Aktien Nachholpotential haben? Performance Dax-Absteiger besser oder schlechter als der DAX?

Ich habe mich schlau gemacht und möchte meine Erkenntnisse mit Ihnen teilen.

Im DAX sind die 40 Unternehmen mit dem wertvollsten Streubesitz Deutschlands. Es geht also nicht nach Umsatz oder nach Marktkapitalisierung, sondern maßgeblich ist der Anteil der Aktien, der im Streubesitz ist. Nachdem die Aktien von Hello Fresh und Delivery Hero in der Coronazeit in den Himmel stürmten und dadurch in den DAX aufgenommen wurden, obwohl sie vor Corona noch keine Gewinne erzielten, ergänzte man nun eine zweite Bedingung: Für die DAX-Aufnahme muss das Unternehmen in den letzten zwei Geschäftsjahren ein positives EBITDA aufweisen.

Unternehmen fliegen raus, wenn der Wert nicht mehr für die besten 60 Unternehmen Deutschland ausreicht. Es gibt also kein permanentes Anpassen der Zusammensetzung des Indexes, wenn der Wert mal vorübergehend auf den 41. Platz abfallen sollte.

Hier eine kleine Übersicht über die jüngsten DAX-Absteiger:
2016: K+S
2018: ProSiebenSat.1 Media, Commerzbank
2019: Thyssenkrupp
2020: Lufthansa, Wirecard
2022: Delivery Hero, HelloFresh, Puma,
2023: Siemens Energy, Fresenius Medical Care

Schauen wir uns mal ein paar Aktien an, die nach dem DAX-Ausstieg weiterhin schwach blieben.

Deutsche Lufthansa: Die Airline fiel im Juni 2020 nach 32 Jahren aus dem DAX, da die Marktkapitalisierung infolge der Corona-Krise auf Rang 60 absank. Der Aktienkurs läuft seither seitwärts, Erholungen waren bislang nur vorübergehend.

Tatsächlich fand der Löwenanteil des Kursverfalls bereits vor dem DAX-Ausstieg statt. Der Ausstieg war dann die Folge struktureller Probleme: Der Wettbewerb bei Airlines ist hart, viele Wettbewerber erhalten staatliche Hilfen. Da ist es der Lufthansa kaum möglich, profitabel Paroli zu bieten.

ThyssenKrupp, einst deutsches Industrieschwergewicht, verlor 2019 seinen DAX-Platz nach anhaltenden Verlusten. Bis heute hat Thyssenkrupp keine nachhaltige Trendwende geschafft. Auch nach der jüngsten Rallye von 3 auf 11 Euro wurde das Kursniveau vom Ausstieg noch immer nicht erreicht. Auch hier sind strukturelle Probleme Deutschlands die Ursache für die schwache Performance: hohe Energiekosten, Bürokratie, hohe Sozialabgaben, ... Sie kennen die alte Leier. Besserung wird von der Politik seit Jahren versprochen, gesehen haben wir noch nichts.

ProSiebenSat.1 findet keinen Boden, seit sie 2018 aus dem DAX flog. Die Finanzierung des Senders über Werbung ist nicht mehr zeitgemäß, der Löwenanteil der Werbebudgets fließt inzwischen ins Internet. Das Unternehmen hat den Wandel der Zeit verschlafen.

Doch es gibt auch Unternehmen, die nur vorübergehend aus dem DAX flogen. Schauen wir uns mal an, wie sie es zurück in den Index schafften.

Die Commerzbank wurde 2018 (noch durch Staatshilfe gestützt) aus dem DAX verdrängt, nachdem Fintech-Newcomer Wirecard ihren Platz einnahm. In den Folgejahren durchlief die Commerzbank einen harten Konzernumbau mit Filialschließungen und Jobabbau. Das zeigte Wirkung, das Institut schrieb wieder Gewinne. 2023 schaffte die Commerzbank schließlich das Comeback in den DAX, über 4 Jahre nach dem Abstieg. Der Aktienkurs hatte sich bis dahin vom zwischenzeitlichen Tief unter 3€ im Jahr 2020 deutlich erholt auf etwa 10€, eine bessere Performance als der Gesamtmarkt in diesem Zeitraum.

Beiersdorf ist ein gutes Beispiel für defensive Qualität plus Regelmechanik. 2021 musste der Nivea-Konzern Siemens Energy Platz machen. 2022, als Delivery Hero nach heftiger Kurskorrektur abstieg, rückte Beiersdorf zurück. Keine besondere Konzernstrategie, sondern simple Rangliste. Stetige Zahlen im Konsumgüterprofil und ein höherer Free-Float-Börsenwert als Delivery Hero reichten aus.

Siemens Energy pendelte 2021/22 kurz zwischen DAX und MDAX. Nach dem Abstieg im Juni 2022 kehrte der Titel bereits zum 19. September 2022 in den DAX zurück, als die Marktkapitalisierung, trotz zwischenzeitlichem Gegenwind, wieder in die Eintrittszone rutschte und HelloFresh verdrängte. Auch hier zog das Regelwerk des DAX, die einfache Rangliste.

Die Hannover Rück wiederum ist ein Wiederaufsteiger im Versicherungssektor. Sie war 2009 nur kurz im DAX, verschwand wieder und schaffte 2022 erst wieder den Sprung in die erste Liga. Verlässlich steigende Erträge im Rückversicherungsgeschäft, solide Kapitalstärke und damit genug Free-Float-Market-Cap für den Aufstieg, als Siemens Energy (vorübergehend) weichen musste.

Genug der Beispiele. Um ehrlich zu sein, ich kann hier keine systematische Aufholjagd der DAX-Absteiger erkennen. Bei jedem Unternehmen gibt es individuelle Gründe, seien es unternehmensspezifische strukturelle Probleme oder aber einfach eine Neuordnung der DAX-Rangliste. So ist der DAX-Abstieg die Folge und nicht etwa die Ursache von Problemen. Und deren Lösung ist mit dem DAX-Abstieg nicht in die Wege geleitet, sondern beansprucht häufig genug sehr viel Zeit, wenn es überhaupt gelingt.

Ich habe noch zwei gute Studien gefunden, aus denen hervorgeht, dass für Aktien, die aus dem Index fliegen, keine verlässliche Prognose ableitbar ist. Für die DAX-Familie zeigt eine aktuelle Studie, dass die Ankündigung einer Degradierung im Schnitt nur einen eintägigen negativen abnormalen Renditeeinbruch von rund −1,5% bringt. Ein technischer Effekt, jedoch kein fundamentaler Trendbruch. Langfristige Überrenditen aus der bloßen Degradierung lassen sich nicht belegen.

Für den S&P 500 zeigt eine Studie, dass der Abstieg-Effekt in den 2010ern praktisch verschwand. In den Jahrzehnten zuvor performen Aktien, die aus dem S&P 500 flogen, anschließend schwächer als der Index.

Also: Wer versucht, als solchen Ereignissen Profit zu schlagen, sollte sich jedes betroffene Unternehmen individuell anschauen, denn pauschalisieren kann man einen Effekt nicht.



7. Übersicht HT-Portfolio




Spekulation (≈20%) =13,6%WKN26.9., 18:11 UhrWoche ΔΣ '25 ΔAnteil 8x2,5%!
PVA Tepla74610026,96 €-1%108%2,1%B
Puma69696020,64 €-4%-38%2,1%B
DELL TechnologiesA2N6WP111,05 €-1%29%3,0%B
Home Depot866953350,34 €-1%-8%2,3%A
SalesforceA0B87V207,52 €-1%-34%1,4%C
Capital One Fincl893413191,15 €-2%19%2,7%A
TJX854854121,77 €2%13%2,6%A






Disruptiv (≈30%) =33,5%WKN26.9., 18:11 UhrWoche ΔΣ '25 ΔAnteil 5x6%!
MediosA1MMCC13,24 €-6%0%3,6%C
Nvidia918422150,78 €0%14%7,4%B
Palo Alto NetworksA1JZ0Q173,01 €-2%-2%6,4%B
Novo NordiskA3EU6F46,69 €-10%-44%5,2%A
Apple865985218,35 €5%1%6,7%B
TeslaA1CX3T367,39 €1%69%4,1%A







Dividende (≈30%) = 26,1%WKN26.9., 18:11 UhrWoche ΔΣ '25 ΔAnteil 5x6%!
CEWE54039097,30 €1%-6%5,7%B
Allianz840400358,00 €3%21%5,0%B
Snap-On853887290,57 €1%-11%6,0%A
Holcim86989872,14 €-2%38%3,4%B
Yamaha8553145,76 €0%-6%6,0%A







Absicherung (≈20%) =16,3%WKN26.9., 18:11 UhrWoche ΔΣ '25 ΔAnteil 3x6,6%!
Goldbarren /Uz9655153.232,45 €3%29%6,6%C
Symrise %-'12.25SYM77299,78%0%1%2,8%C
BitcoinA27Z3093.545,21 €-5%4%7,0%B



Woche ΔΣ '25 ΔCashquote



-1%7%10,5%

Heibel-TickerGewichtung# Positionenangestrebte Positionsgröße
PortfolioZielSollIstSollIst
SpekulationEreignis20%13,6%872,5%
DisruptivEnkelkinder30%33,5%566,0%
DividendeUrlaub30%26,1%556,0%
AbsicherungZins & Gold20%16,3%336,7%
Summe
100%89%2121100%


Anmerkungen:
- Die Überschrift über jedem Portfoliobereich in der jeweiligen ersten Spalte (bspw. Absicherung (≈20%) =21,8%) bedeutet: Der beabsichtigte Anteil dieses Portfoliobereichs am Gesamtportfolio beträgt ungefähr 20%. Aktuell beträgt der Anteil 21,8%.
- Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend.
- Unter „Woche” steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche.
- Unter „Σ 'XX Δ” steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn bzw. seit Aufnahme ins Portfolio.
- Unter „Anteil” finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am Gesamtdepot.

Unter ! steht zur Information meine Grundtendenz:

ATop-Aktie mit günstigem Kurs, 
BKursrücksetzer zum Kaufen nutzen 
CKurssprünge zum Verkaufen nutzen, 
Dbei Gelegenheit Verkaufen, 
ESofort Verkaufen 


Die „Gelegenheit” zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.

Ich habe diese Spalte „!” insbesondere für neue Mitglieder vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.

Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:
- Dividenden- + Wachstumspositionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,
- Zyklische Positionen in zwei Schritten aufbauen: 50%-50%,
- Spekulative Positionen ganz oder gar nicht: 100%.

Die letzte Spalte wird für eine Einschätzung der Auswirkung aktueller Entwicklungen auf die jeweilige Portfolioposition genutzt. „%“ stuft den Einfluss der Inflation auf das jeweilige Geschäftsmodell ein.

Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll, allenfalls Stopp Loss Marken für unseren Spekulationen werde ich bisweilen im Text bekanntgeben.

Eine erfolgreiche Börsenwoche,
take share

Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

https://www.heibel-ticker.de




8. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise



Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.

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Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen

DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5436
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag



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