Heibel-Ticker PLUS Börsenbrief
- Einfach einen Tick besser -
20. Jahrgang - Ausgabe 50 (12.12.2025)
Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:
| 1. | Info-Kicker: Weihnachtsrallye in Sicht |
| 2. | So tickt die Börse: Zinssenkung führt zu Umschichtungen, die KI-Aktien belastet |
| - KI-Revolution differenziert betrachtet | |
| - Wochenperformance der wichtigsten Indizes | |
| 3. | Sentiment: Bullenmärkte klettern an der Mauer der Angst empor |
| - Interpretation | |
| 4. | Ausblick: Portfoliobesprechung und Gedanken zur KI-Revolution |
| 5. | Update beobachteter Werte: Nvidia, Apple |
| - Nvidia: US-Regierung erlaubt Verkauf nach China | |
| - Apple: iPhone 17, Siri-KI und Tim Cook Nachfolge | |
| 6. | Leserfragen |
| 7. | Übersicht HT-Portfolio |
| 8. | Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise |
| 9. | Mitgliedschaft verwalten |
1. Info-Kicker: Weihnachtsrallye in Sicht
Liebe Börsenfreunde,
Witzig: Da schrieb ich vor einer Woche zur Erklärung des zweistelligen Kurssprungs bei Bayer mit den US-Vorgängen bezüglich der Monsanto-Klagen wie folgt: "Glyphosat ist die Komponente bei Roundup, die in der Kritik steht, Krebs zu erregen. Es gibt Studien, die dies sowohl belegen als auch widerlegen."
Innerhalb von 10 Minuten erhielt ich zwei Rückmeldungen von Heibel-Ticker Mitgliedern. Hier die erste: "Widerlegende Studien? Vor allem die von Monsanto / Bayer selbst Beauftragten. Im Übrigen wird eine Kausalität in der Wissenschaft vielfach bejaht." Es folgen jede Menge Links, die diese Aussage beweisen sollen.
Und hier die zweite: "Es gibt weltweit keine einzige Studie, die eine Krebserkrankung durch Glyphosat beim Menschen nachweist. Es gibt einige grüne Stiftungen, die dies behaupten (an Tierversuchen) und die WHO hat dies übernommen, ohne dass dies jemals geprüft/überprüft wurde. Weltweit ist Glyphosat durch staatliche Behörden nicht als krebserregend eingestuft worden. Ihre Aussage ist somit völlig falsch Herr Heibel. Wenn Sie als Mensch ein Kilo Mehl essen, sterben Sie auch. Mehl wird deshalb auch nicht verboten..."
Tja, da denke ich, ich habe doch genau die richtige, zurückhaltende und offene Formulierung gefunden, oder? :-)
Diese Woche senkte die US-Notenbank den US-Leitzins. Es folgte eine starke Marktreaktion, die sich weniger in den Indizes, aber doch in den Bewegungen einzelner Aktien zeigt. Ich erkläre in Kapitel 2, was die Zinssenkungen auslöste, welche Branchen profitieren und was dies für die Tech-Branche bedeutet.
Kapitel 3 zeichnet das Bild eines Bullenmarkts, der trotz spürbarer Vorsicht weiter nach oben „an der Mauer der Angst” klettert. Zwar liefern DAX und S&P 500 nach der US-Zinssenkung nur moderate Wochengewinne, doch die Stimmung bleibt insgesamt freundlich: Das Anlegersentiment ist leicht positiv und die Selbstzufriedenheit ebenfalls. Gleichzeitig kippt die Zukunftserwartung ins leicht Negative, die Investitionsbereitschaft nimmt ab – Anleger werden also vorsichtiger, ohne schon in Panik zu verfallen. Auffällig ist die deutliche Absicherungsneigung.
Kapitel 4 ist eine Mischung aus Portfolio-Update und KI-Nachdenkstück: Grundsätzlich steht das Portfolio in meinen Augen sehr gut da, aber vier Titel sind mit „C” markiert, weil sie aktuell nicht mehr nachgekauft würden. Bei einer Dividendenaktie ist aufgrund des starken Kursanstiegs die Dividendenrendite zu klein geworden. Ein anderer Titel leidet fortwährend unter politischen Eingriffen. Eine junge Spekulation stieg bereits so stark an, dass ich an das Auflösen der Position denke. Und zuletzt bespreche ich anhand der KI-Strategie von Salesforce mit Agentforce die unterschiedlichen Geschäftsmodelle einiger KI-Unternehmen.
Die beiden dieswöchigen Portfolio-Updates in Kapitel 5 betreffen Apple und Nvidia. Ich versuche darzulegen, wie sich gerade Zeiten der Zweifel immer wieder als gute Kaufgelegenheit herausstellten.
In Kapitel 6 habe ich vier Leserfragen mit meinen Antworten abgedruckt. Ein Mitglied diskutiert Vor- und Nachteil einer Stopp Limit Order gegenüber einer Stopp Loss Order am konkreten Fall von AppLovin. Linde habe ich stets im Blick, leider hat es die Aktie noch nie ins Heibel-Ticker Portfolio geschafft. Vielleicht ist jetzt, nach 20% Kursverlust, die Zeit gekommen? Oder Energy Transfer, ein Pipeline-Betreiber mit einer Dividendenrendite von 8%. Ich begründe, warum die Aktie dennoch nicht ins Heibel-Ticker Portfolio passt. Außerdem gehe ich näher auf die in meinen Augen irreführenden Berichte ein, China "wolle" gar keine Chips von Nvidia.
Wie immer gibt es eine tabellarische Übersicht über unser Heibel-Ticker Portfolio in Kapitel 7.
Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr Börsenschreibel
Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs
2. So tickt die Börse: Zinssenkung führt zu Umschichtungen, die KI-Aktien belastet
Am Mittwochabend senkte US-Fed-Chef Jay Powell den US-Leitzins um 0,25%punkte auf die Spanne 3,5%-3,75%. Entgegen vieler Befürchtungen sanken im Anschluss auch die Zinsen am langen Ende. Dividendentitel, Einzelhändler und konjunktursensible Industrieaktien stiegen an, Technologieaktien traten auf der Stelle. Ich will Ihnen kurz die Logik hinter dieser Reaktion erläutern.
Zunächst einmal kämpft die US-Notenbank gleichzeitig an zwei Fronten: Geldwertstabilität, gemessen durch die Inflation, und Vollbeschäftigung, gemessen an der Arbeitslosenquote. Die EZB hat traditionell nur das eine Ziel der Geldwertstabilität. Die US-Notenbank muss nicht selten einen Spagat zwischen den beiden Zielen bewerkstelligen, da Maßnahmen häufig genug konträr auf die beiden Ziele wirken.
So steigt die Arbeitslosigkeit derzeit an, während die Inflation noch nicht auf dem gewünschten Niveau von 2% liegt. Donald Trump fordert seit Monaten niedrigere Zinsen, um die US-Konjunktur zu stützen und somit dem Arbeitsmarkt zu helfen. Doch die Erinnerung an die hohen Inflationsraten im Jahr 2022 ist noch präsent und Skeptiker fürchten, dass ein zu niedriger Leitzins die Geldflut erneut befördert und somit die Inflation wieder anheizt.
So zögerte Jay Powell sehr lange mit diesem Zinsschritt, der dritten Zinssenkung im laufenden Jahr. Denn, wie oben gesagt, ein zu niedriges Zinsniveau "am kurzen Ende" würde langfristig zu steigenden Inflationsraten führen, was einen steigenden Zins "am langen Ende" zur Folge hätte. Mit kurzem und langem Ende bezeichnet man die Zinskurve, die links die Verzinsung kurzläufiger Anleihen, und rechts die der lang laufenden Anleihen, und dazwischen alle anderen Laufzeiten zeigt. Am kurzen Ende steht also der Zins für Übernacht-Ausleihungen, die von der Notenbank mit dem Leitzins versehen werden. Am langen Ende steht die Rendite von Anleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren.
Die Notenbank kann mit dem Leitzins nur das kurze Ende direkt beeinflussen. Für das lange Ende kann die Notenbank andere Hilfsmittel verwenden, wie beispielsweise das aktive Aufkaufen von lang laufenden Anleihen über den Markt. Dies hat sie am Mittwoch ebenfalls angekündigt und somit sorgt sie eben auch für fallende Zinsen am langen Ende.
Damit heizt sie also durch die Leitzinssenkung die Konjunktur an, was zu einer Erhöhung der Arbeitsplätze führen dürfte, und kümmert sich gleichzeitig um die Sorgen über eine steigende Inflation, indem sie durch Anleihekäufe die Preise für lang laufende Anleihen stabil hält und somit auch steigende Zinsen am langen Ende verhindert.
Für Aktienanleger ist das die beste aller Welten: Die Konjunktur brummt, ohne dass Inflation zu fürchten ist. Da das Zinsniveau sinkt, werden Dividendenaktien attraktiver. Die Dividendenrendite ist der direkte Konkurrent der Anleiherendite. Das Risiko bei Dividendenaktien liegt im Aktienkurs der Dividendenunternehmen. Schwächelt die Konjunktur, so könnte ein Aktienkursverlust die attraktive Dividende aufzehren, oder sogar die Dividendenhöhe in Frage stellen. Vor dem Hintergrund einer gesunden Konjunkturentwicklung, wie wir sie derzeit in den USA sehen, darf man bei vielen Dividendenaktien jedoch davon ausgehen, dass die Dividende stabil bleibt, und dass zusätzlich vielleicht der Aktienkurs sogar noch steigt. Alle unsere fünf Dividendenaktien aus dem Heibel-Ticker Portfolio notieren diese Woche im Plus.
Banken profitieren ebenfalls von dieser Zinssenkung. Ein großer Teil des Bankgeschäfts ist vom Erfolg der Kreditvergabe abhängig. Je schwächer die Konjunktur, desto mehr Unternehmen können ihre Kredite nicht bedienen. Je höher die Arbeitslosigkeit, desto mehr Konsumenten können ihre Kredite nicht abbezahlen. Diese Ausfallquote, auf der die Banken sitzen bleiben, wird also durch die Zinssenkung kleiner. Goldman Sachs legte diese Woche um 9% zu, Visa um 6% und unsere Finanzaktie im Heibel-Ticker Portfolio um 4%.
Schließlich legen auch die Aktien von Unternehmen zu, die stark an den Finanzierungskonditionen ihrer Investitionen hängen. Biotech-Unternehmen Moderna legte diese Woche um 16% zu, Regeneron um 3%. Die Automobilindustrie, die sich hohen Investitionen gegenübersieht, legte diese Woche zu: General Motors +8% und Ford +4%. Naja, und so zieht sich das durch viele Branchen: Der Immobiliensektor profitiert von günstigen Finanzierungskosten, der Einzelhandel von einer steigenden Zahl an Arbeitnehmern, die ihr Gehalt ausgeben können, die Tourismusbranche ebenfalls, ...
Auf der anderen Seite sind Unternehmen, die nicht auf Finanzierungen angewiesen sind. Allen voran die Magnificent Seven, die glorreichen Sieben, die ihre Investitionen aus dem eigenen Cashflow stemmen. So sollten Sie die aktuellen Bewegungen am Aktienmarkt dahingehend interpretieren, dass Anleger ihre Portfoliostruktur dem niedrigeren Zinsniveau anpassen. Wenn im Zuge dessen einige Tech-Giganten hinter dem Markt zurückbleiben, dann ist das nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass deren Geschäft Probleme bereitet. Vielmehr ist es das Resultat von Umschichtungen: Damit Anleger die oben genannten Profiteure der Zinssenkung kaufen können, müssen sie sich irgendwo Bargeld besorgen. Und das holt man sich am einfachsten bei den liquiden Tech-Giganten.
Vor diesem Hintergrund sollten Sie Berichte in der Finanzpresse mit großer Vorsicht genießen. Viele Autoren schauen sich die Kursentwicklung an und folgern aus fallenden Kursen Probleme im Geschäft des Unternehmens. Es ist zu einfach, aus einem Wochenminus von 1% bei Nvidia zu schließen, dass deren KI-GPUs in China nicht gewünscht sind. Es ist zu einfach, aus einem Minus von 1% bei Meta zu folgern, dass sich Mark Zuckerberg mit seiner KI-Strategie verhoben hat. Schauen wir lieber mal in die jüngsten Entwicklungen der KI-Revolution.
KI-Revolution differenziert betrachtet
Die Einführung von Gemini 3 vor drei Wochen zieht unzählige Meldungen zum Stand der Entwicklungen bei KI-Chips nach sich, die sich teils widersprechen. DeepSeek wurde mit gestohlenen Nvidia-GPUs entwickelt, die über Singapur nach China geschmuggelt wurden. Dies würde bestätigen, dass ohne Nvidia-GPUs kaum ein führendes KI-Modell entwickelt werden kann.
Gestern Abend veröffentlichte Broadcom Quartalszahlen, die über den Erwartungen lagen. Der Ausblick für 2026 wurde angehoben und die Aktie sprang nachbörslich zunächst an. Im Analystencall berichtete CEO Hock Tan, dass jedoch die Gewinnmarge in der zweiten Hälfte 2026 etwas nachlassen könnte, weil verstärkt auf Partner gesetzt würde. Analysten fragten, ob dies bedeute, dass Kunden verstärkt Eigenentwicklungen forcieren würden. Die Frage resultiert aus Gemini 3: Die verwendete KI-TPU basiert auf der Plattform von Broadcom, die KI-XPUs entwickelt. Alphabets Google hat jedoch den TPU entscheidend mitentwickelt. So entscheidend, dass Mark Zuckerberg Interesse an diesem TPU nachgesagt wurde, obwohl Meta eine eigene Kooperation zur Entwicklung von eigenen XPUs mit Broadcom hat.
Die Frage der Analysten deutete in die Richtung, ob Broadcom Kunden wie Alphabet irgendwann in der Lage sein werden, die TPUs alleine zu entwickeln. Hock Tan führte aus, dass dies nicht zu befürchten sei, weil Kunden niemals so nah an den neuesten Entwicklungen sein können wie Broadcom. Ich interpretiere dies so, dass Broadcom die Kunden eher aufgefordert hat, sich in die Entwicklung einzubringen, um die explosiv ansteigende Nachfrage bedienen zu können: Der Umsatz mit KI-XPUs sprang um 76% an.
Nachdem also vor wenigen Tagen noch Broadcom als die nächste Nvidia in die Höhe gejubelt wurde (+14% in 30 Tagen), fürchtet man nun, dass alles, was Broadcom tut, auch von jedem Unternehmen selbst getan werden kann. Lächerlich.
Ein weiterer Wettbewerber machte diese Woche Schlagzeilen: Marvell entwickelt, ähnlich wie Broadcom, ebenfalls kundenindividuelle KI-Chips. Marvell setzt zusätzlich noch auf eine neue Technologie: Nachdem Rechenzentren aus Gründen der Hitzeentwicklung immer weniger mit Kupferkabeln, sondern zunehmend mit Glasfaser verkabelt werden, möchte Marvell nun auch die Hitzeentwicklungen auf den KI-Chips durch den Einsatz der Glasfasertechnologie in den Griff bekommen. Spannend, aber vielleicht noch zu viel Zukunftsmusik. Daher kann Marvell am Erfolgslauf von Nvidia, AMD und Broadcom bislang noch nicht teilhaben.
Nun gibt es auch bei der KI-Revolution schon Bereiche, die zu stark hochgejubelt wurden. Ich blicke seit einigen Wochen skeptisch auf OpenAI. Das Unternehmen hat Rechenzentren im Volumen von 300 Mrd. USD bestellt, doch die Finanzierung dafür steht noch nicht. Oracle möchte die Rechenzentren bauen und verschuldet sich dafür hoch. Nun ist weder gewiss, dass Oracle die Finanzierung der bestellten Rechenzentren stemmen kann, noch, ob OpenAI diese dann überhaupt abnehmen kann.
Auch Oracle veröffentlichte diese Woche Quartalszahlen, doch diese blieben hinter den Erwartungen zurück. Aber das interessiert Anleger derzeit weniger, vielmehr möchten sie wissen, wie es um die Finanzierung der angekündigten Rechenzentren steht. Dazu äußerte sich Chef Larry Ellison nicht. Die Aktie von Oracle brach gestern um 11% ein.
Dabei wäre es ein Leichtes für Larry Ellison gewesen, die Sorgen seiner Anleger zu zerstreuen. Er hätte lediglich sagen müssen, wie genau er die 35 Mrd. USD an Investitionen in KI-Rechenzentren im Jahr 2026 finanzieren möchte. Schon die Finanzierung der 20 Mrd. USD im laufenden Jahr brachte Oracle an seine Grenzen, die Ausgabe von Unternehmensanleihen lief schlecht und führte so zu einem hohen Zins. Doch stattdessen erhöhte Ellison die Investitionsabsicht für 2026 von 35 Mrd. USD auf 50 Mrd. USD. Kein Wort dazu, wie er das Geld auftreiben möchte.
Es würde helfen, wenn OpenAI-CEO Sam Altman Zuversicht ausstrahlen könnte, die bestellten KI-Rechenzentren auch abnehmen zu können. Doch auch er blieb diesbezüglich in einem Interview am gestrigen Donnerstag unverbindlich, bzw. wich der Frage aus.
OpenAI wurde durch Gemini 3 unter Druck gesetzt. So veröffentlichte das Unternehmen wenige Stunden nach dem Interview die Version 5.2 für ChatGPT. Vor zwei Wochen hatte Sam Altman Code Red ausgerufen, Alarmstufe Rot, und stellte alle Aktivitäten des Unternehmens hinter die Entwicklung der nächsten Generation ihres Large Language Models (LLMs) ChatGPT zurück. Die Version 5.2 ist nun also das Ergebnis.
Ebenfalls am Donnerstag gab der Mickey Maus Konzern Disney bekannt, 1 Mrd. USD in OpenAI zu investieren, um die 200 Zeichentrick-Charaktere für KI verfügbar zu machen. Dabei geht es weniger um Bilder, sondern vorzugsweise um die Videoplattform Sora von OpenAI. Sora-Kunden dürfen also künftig die Charaktere von Marvel, Pixar, Star Wars und Walt Disney nutzen. Ich dürfte also für Sie, liebe Heibel-Ticker Mitglieder, ein Interview mit Dagobert Duck führen.
Die Kooperation mit Disney zeigt, dass OpenAI durchaus auch über ChatGPT hinaus Produkte anbietet, die Anklang finden.
So, das war ein kleiner Rundumschlag anlässlich der vielen Ereignisse dieser Woche. Ich hoffe, ich konnte die teils widersprüchlichen Finanzberichte hier ins rechte Licht rücken. Im Hintergrund dieser KI-Revolution stehen nach wie vor Unternehmen wie Meta Platforms, Microsoft und Amazon, die ihre gigantischen Investitionen aus dem freien Cashflow finanzieren und somit nach wie vor jeden produzierten KI-Chip und jedes gebaute KI-Rechenzentrum benötigen und sich leisten können.
Oder anders ausgedrückt: Wir nehmen aus der folgenden Aussage vorsichtshalber mal Oracle (und sowie Softbank und Adobe) aus. Wenn die Zinssenkung zu Aktienmarktumschichtungen führt, unter der die Aktienkurse unserer KI-Unternehmen leiden, dann stellt das nach wie vor eine Kaufgelegenheit dar.
Wochenperformance der wichtigsten Indizes
| INDIZES | 12.12., 18:59 Uhr | Woche Δ | Σ '25 Δ |
| DAX | 24.186 | 0,7% | 21,5% |
| S&P 500 | 6.835 | -0,4% | 15,7% |
| Nikkei | 50.837 | 0,7% | 27,4% |
| Shanghai A | 4.581 | -0,1% | 16,4% |
| Euro/US-Dollar | 1,17 | 0,9% | 12,8% |
| Euro/Yen | 183,02 | 1,2% | 12,5% |
| 10-Jahres-US-Anleihe | 4,19% | 0,05 | -0,32 |
| Umlaufrendite Dt | 2,80% | 0,09 | 0,49 |
| Feinunze Gold | $4.298 | 2,0% | 64,3% |
| Fass Brent Öl | $61,33 | -4,0% | -17,7% |
| Kupfer | $11.872 | 3,7% | 33,2% |
| Baltic Dry Shipping | $2.294 | -18,5% | 130,1% |
| Bitcoin | $90.053 | 1,0% | -4,0% |
3. Sentiment: Bullenmärkte klettern an der Mauer der Angst empor
Der DAX steigt diese Woche um 1% an. In den USA gibt der S&P 500 ein halbes Prozent ab. Die Zinssenkung in den USA sorgte für einige Umschichtungen, die unterm Strich jedoch nur zu einem moderaten Kursplus in den Indizes führten. Spät am heutigen Freitag folgt nun ein Ausverkauf, der insbesondere einmal mehr die KI-Aktien betrifft. Die jüngste Entwicklung ist in der Auswertung der vorläufigen Ergebnisse nicht enthalten, muss also am Wochenende nach Abschluss der Umfrage nochmals aktualisiert werden.Unsere Umfrageteilnehmer freuen sich in erster Linie über das dicke Plus im DAX. Das Anlegersentiment verbleibt diese Woche mit einem Wert von 2,4 auf einem moderat positiven Niveau. Auch die Selbstzufriedenheit verbleibt mit 1,6 auf einem passend positiven Niveau.
Die Zukunftserwartung hingegen fällt auf -0,8 ab, noch in der Vorwoche überwogen die Optimisten mit +0,6. Doch es handelt sich um eine kleine Schwankung im neutralen Bereich, denn erst ab Werten über +4,0 oder unter -4,0 sprechen wir von Extremwerten.
Die Investitionsbereitschaft sinkt nach 1,0 in der Vorwoche auf nur noch 0,6. Anleger werden vorsichtiger.
Das Euwax-Sentiment der Privatanleger fällt diese Woche auf einen Extremwert bei -50. Absicherungsprodukte gegen fallende Kurse sind diese Woche so stark gesucht wie seit Anfang Oktober nicht mehr. Damals notierte der DAX auf seinem bisherigen Allzeithoch.
Das Put/Call-Verhältnis für den DAX an der Eurex steht bei 0,6 und zeigt eine moderate Absicherungsneigung der institutionellen Anleger an. Ganz ähnlich sieht das Put/Call-Verhältnis der CBOE für US-Aktien aus, das mit einem Wert von 1,38 ebenfalls eine moderate Nachfrage nach Put-Absicherungen gegen fallende Kurse zeigt.
Die Investitionsquote der US-Fondsmanager liegt mit 97% leicht unter dem Wert der Vorwoche. Nach wie vor sind Fondsmanager eher für steigende Kurse positioniert.
Die Bulle/Bär-Differenz der US-Privatanleger steht bei 14%punkten zugunsten der Bullen, die mit 25% die gleiche Anzahl haben wie vor einer Woche. Auch die Bären machen unverändert zur Vorwoche 31% aus.
Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 48% eine neutrale Marktverfassung an.
Interpretation
Vor einigen Wochen hatten wir Ihnen eine moderate Aufwärtstendenz unter zwischenzeitlich heftigen Schwankungen angekündigt. Ich denke, das hat sich inzwischen als korrekt herausgestellt. Die Aktienmärkte laufen moderat nach oben, wobei immer wieder heftige Schwankungen, teils in Einzelwerten, teils im Gesamtmarkt, diesen Aufwärtstrend stören, aber nicht beenden.Die steigenden Kurse sorgen für gute Laune unter den Anlegern. Der Pessimismus in der deutschen Nachrichtenpresse sorgt für ausreichend Angst, um Euphorie zu vermeiden. Die besten Rallyes klettern an einer Wand der Sorgen empor, sagt man an der Börse. Und Sorgen haben wir mehr als genug in diesen Tagen. Eigentlich passt die Berichterstattung nicht zur Börsenentwicklung. In der deutschen Finanzpresse wird diskutiert, wer in Deutschland wohl als letzter Betrieb das Licht ausmacht, während unsere börsennotierten, international aufgestellten Konzerne von der US-Zinssenkung profitieren.
So zeigen unsere Umfrageauswertungen keinerlei extreme Stimmungswerte, aus denen wir eine Prognose in die eine oder andere Richtung ableiten könnten. Ich würde mich daher auf die vor wenigen Wochen getätigte Aussage berufen, die ich oben zitierte: Es bleibt dabei, dass die Grundtendenz an den Aktienmärkten gen Norden bestehen bleibt, jedoch immer wieder von Rücksetzern unterbrochen werden kann.
Diese Rücksetzer fallen traditionell insbesondere an Handelstagen mit geringen Umsätzen besonders stark aus. Lassen Sie sich daher in den Tagen zwischen den Jahren nicht ins Bockshorn jagen, wenn einzelne Aktien oder auch der Gesamtmarkt plötzlich in die eine oder andere Richtung heftig ausbrechen sollte: Meistens wird eine solche Bewegung nach den Feiertagen schnell wieder korrigiert.
Für den Bitcoin messen wir einen Extremwert bei institutionellen Anlegern. Die Zukunftserwartung der Profis für die Bitcoin-Entwicklung ist so pessimistisch wie selten zuvor. Nur sechsmal in den vergangenen fünf Jahren wurden vergleichbare Extremwerte erreicht. In den folgenden sechs Monaten stieg der Bitcoin um durchschnittlich 18% an. Allerdings erfolgte dies mit großer Streuung: Zweimal endete er nach sechs Monaten im Minus, viermal im Plus.Der Umstand, dass gerade institutionelle Anleger pessimistisch gestimmt sind, ist bemerkenswert, da gerade die institutionellen Anleger in den vergangenen zwei Jahren zu einer großen Triebfeder für den Bitcoin wurden. Nach der Zulassung von Bitcoin-ETCs in den USA strömte viel Anlegergeld in den Markt. Nun warten viele Bitcoin-Anleger auf die typisch heftige Korrektur gemäß dem 4-Jahreszyklus für den Bitcoin, der sich nach den Halving-Terminen richtet. Doch Bitcoin-Bullen halten dagegen, dass der verbreiterte Zugang zum Bitcoin dazu führte, dass dieser Zyklus zum einen abgeschwächt wird und zum anderen früher erfolgt, als dies bislang der Fall war: Vielleicht haben wir die befürchtete Korrektur bereits hinter uns? Zumindest aus Sicht der Sentiment-Theorie haben wir dafür nun ein statistisches Argument.
4. Ausblick: Portfoliobesprechung und Gedanken zur KI-Revolution
Mehrmals in der Woche setze ich mich an unser Heibel-Ticker Portfolio und schaue, welche Positionen ich vielleicht verkleinern oder ganz verkaufen soll. Derzeit stehe ich hinter jeder Position.
Okay, es gibt ein paar Positionen, die ich jetzt nicht mehr kaufen würde. Ich habe diese Positionen mit "C" markiert. So zum Beispiel Holcim, denn der Schweizer Zementmischer ist nach der Abspaltung des US-Geschäfts (Amrize) kräftig angesprungen und durch den Kursanstieg ist die Dividendenrendite unter 2,5% gerutscht. Aber das ist ja ein Problem auf hohem Niveau.
Oder Medios. Das Unternehmen wird eins ums andere von politischen Entscheidungen gebeutelt. Immer, wenn es mal in Ruhe Geld verdienen könnte, kommt die nächste politische Entscheidung. So sind wir in Deutschland sehr großzügig, wenn es darum geht, welche medizinische Versorgung doch nun wirklich jedem mindestens zustehen muss, doch auf der anderen Seite beschneiden wir Krankenhäuser, Arztpraxen und Pharmakonzerne bei der Preisgestaltung.
Leistung erfordert einen Leistungsanreiz und ein "Recht auf medizinische Versorgung" ist auf der anderen Seite eine Pflicht für die Gesundheitsbranche, kein Anreiz. Das kann auf Dauer nicht funktionieren. Ich denke, so günstig Medios auch bewertet sein mag (EV/EBITDA = 5), der nächste Griff in die Unternehmenskasse seitens der wohlmeinenden Politik ist absehbar. Ich fürchte, Medios werden wir demnächst aus unserem Portfolio schmeißen.
AppLovin habe ich ebenfalls auf "C" gesetzt. Binnen weniger Wochen kletterte die Aktie um 25% nach oben. Ich hatte das Unternehmen angepriesen als die nächste Google im Bereich der Social Apps. Das denke ich nach wie vor. Doch die Bewertung ist tatsächlich so hoch, dass ich hier nicht zu lange an Bord bleiben möchte. Vielmehr möchte ich mir das Geschäftsmodell mal ausführlich anschauen und überlegen, ob die Aktie sich für unseren disruptiven Portfoliobereich eignet.
Vierte und letzte Aktie, die ich mit einem "C" versehen habe, ist Salesforce. Seit unserem Einstieg ging der Kurs um 30% zurück - zwischenzeitlich noch viel mehr, inzwischen konnte sie sich wieder ein wenig erholen. Grund ist die Frage, ob Salesforce das lukrative alte Geschäftsmodell, bei dem Nutzerlizenzen verkauft wurden, durch eine Token basierte Abrechnung für die KI-Nutzung ablösen kann. Ich habe meine feste Meinung dazu: Ja. Doch offensichtlich dauert es länger, bis auch andere Anleger das glauben.
Ich habe diese Woche im Handelsblatt ein hervorragendes Interview mit Palantir-CEO Alex Karp gelesen. Darin sagt Karp so nebenbei, dass er immer anders denke als Mainstream. Das komme daher, dass er Legastheniker sei und noch nie so dachte wie alle anderen. Legastheniker finden eine eigene Rechtschreibung und schaffen es nur sehr schwer, die Rechtschreibregeln, an die sich "alle" halten, umzusetzen.
Ich fühlte mich angesprochen, denn auch mir fiel die Rechtschreibung alles andere als leicht... bis heute. Sie merken das daran, dass die Updates zunächst unkorrigiert per E-Mail an Sie verschickt werden. Damit sind die wichtigen Infos schneller bei Ihnen. Das Lektorat findet erst im Anschluss statt, so dass die Updates im Archiv und in der Freitagsausgabe hoffentlich fehlerfrei sind.
So meine ich manchmal recht frühzeitig, Entwicklungen zu verstehen, während an der Börse noch völlig andere Überzeugungen dominieren. Ich erkenne sogar wiederkehrende Muster. Ich will Sie jetzt nicht mit meinen persönlichen Problemen langweilen, aber das Beispiel Salesforce zeigt mein Problem recht gut. Vielleicht hilft es Ihnen ja, meine Empfehlungen besser einzuschätzen, wenn ich dies erkläre.
Salesforce stellte konsequenter als irgendein anderes Unternehmen um auf Agentforce, eine KI, die aus den Unternehmensdaten der Salesforce-Plattform die Kundendaten analysiert und möglichst sinnvolle Aussagen macht. Ein LLM. Natürlich würde eine solche Umstellung Zeit und Geld kosten, das war umgehend klar. Doch die Aktie hielt sich nach der Ankündigung lange stabil auf hohem Niveau. Erst zwei Monate später begann der Ausverkauf, und er dauert noch immer an.
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass der Prozess bereits weiter fortgeschritten ist, also erfolgreicher ist als erwartet. Die Aktie beginnt nun nur langsam anzuklettern. Eigentlich müsste sie meiner Ansicht nach binnen weniger Stunden auf das Niveau zurückschießen, das sie vor der Ankündigung von Agentforce hatte. Doch das ist nicht der Fall. Es wird wohl noch mindestens ein weiteres Quartalsergebnis benötigt, um diese Entwicklung zu bestätigen.
Wir haben Salesforce gekauft, nachdem Agentforce angekündigt wurde und ein befürchteter Ausverkauf zunächst ausblieb. Der Ausverkauf kam mit Verzögerung und so schreiten wir derzeit leider durch das Tal der Tränen. Nun ist aber der Erfolg der Umstellung klar sichtbar und die Aktie ist dennoch nicht oder nur moderat angesprungen. Und schon kommen mir wieder Zweifel: Vielleicht irre ich?
Es wird gesagt, an der Börse werden Entwicklungen immer schneller eingepreist, seit Informationen über das Internet schneller verfügbar gemacht werden. Ich habe dieses Jahr besonders hartnäckig an vielen Positionen festgehalten, weil ich mich stärker als früher mit den fundamentalen Entwicklungen beschäftigte. Und häufig zeigten sich kurzfristige Kursabschläge als Fehler, die auf der Marktstimmung oder aufgrund einzelner Meldungen vorschnell zu Verkäufen führten. Ja, es sind heutzutage mehr Informationen denn je für uns Privatanleger verfügbar. Aber Sie glauben gar nicht, wie viele Ahnungslose an der Börse unterwegs sind, die mit ihren überhasteten Entscheidungen für Kurseskapaden sorgen.
In diesem Sinne rutsche ich unruhig auf meinem Stuhl hin und her: Nachdem Salesforce nun erfolgreich die Wende geschafft hat, müsste die Aktie doch deutlich höher stehen, oder? Sollen wir also jetzt aussteigen? Nein, das möchte ich nicht, denn erst jetzt können Analysten sukzessive ihre Modelle von ihren pessimistischen Annahmen befreien und vielleicht demnächst sogar ein wenig Optimismus einziehen. Das führt dann zu Hochstufungen, die dann hoffentlich die Aktie endlich wieder ansteigen lassen.
Ach so, weil ich oben von Palantir sprach: Ich habe nun auch eine Meinung dazu, warum das Unternehmen so erfolgreich ist. Palantir hat laut Aussage seines CEOs das Problem der Halluzination gelöst. Bei Palantir setzt man nicht ein halluzinierendes, wohlklingendes LLM-Modell ein, sondern eine Vielzahl von deterministischen KI-Modellen, die in einem genau definierten Verhältnis miteinander kommunizieren. Daraus folgt, so Alex Karp, dass die Modelle von Palantir Lösungen liefern, auf die man sich verlassen könne.
Genau ist ja das, woran derzeit alle KI-Unternehmen arbeiten: Wie können wir das Halluzinieren in den Griff bekommen? Nun, die Antwort liegt eben gerade nicht in den LLMs, sondern in anderen Modellen, die ohne Stochastik (Welche Antwort möchte der Nutzer wahrscheinlich hören?) auskommen. Das ist ungleich aufwendiger, aber im Erfolgsfall natürlich viel nützlicher. Ich glaube nicht, dass Palantir etwas gelöst hat, an dem sich Alphabet, Meta und Microsoft die Zähne ausbeißen, sondern das Unternehmen hat eine wesentlich kleinere KI entwickelt, die wesentlich gezielter (eingeschränkter) eingesetzt werden muss, dafür dort dann aber gute Lösungen liefert.
So gehe ich weiterhin davon aus, dass wir bis März tendenziell steigende Kurse an den Aktienmärkten sehen werden. Der Bau der Infrastruktur für KI-Rechenleistung ist in den USA voll im Gange, in Deutschland sehen wir erste zarte Pflänzchen. Irgendwann werden Oracle, OpenAI und Softbank ihre Karten auf den Tisch legen müssen, um zu beweisen, dass ihre Investitionspläne finanzierbar sind. Diese Woche behielt Larry Ellison sein Blatt auf der Hand. Schauen wir mal, was er in drei Monaten sagt.
Sollte dieses Trio tatsächlich Liquiditätsprobleme bekommen, dann dürfte natürlich ein großer Teil der KI-Branche mit in den Keller gerissen werden. Aber: Wir wissen noch nicht, ob das Trio wirklich Probleme bekommen wird. Der Deal mit Disney zeigt, dass die Nachfrage nach ihren Leistungen durchaus vorhanden ist. Doch wenn sich deren Investitionsplan als Kartenhaus herausstellt, dürften auch die Aktien anderer KI-Unternehmen in Mitleidenschaft gezogen werden. Wir werden uns das Ganze im März näher anschauen :-).
5. Update beobachteter Werte: Nvidia, Apple
Im Wochenverlauf habe ich Updates zu unseren Portfolio-Titeln verfasst. Diese erhalten Sie nachfolgend zusammen aufgeführt.
Die Updates finden Sie generell jeweils nach der Veröffentlichung verfügbar unter Heibel-Ticker -> Portfolio -> 10 neueste Einträge und mit der Express-Funktion erhalten Sie die Updates direkt unterwöchig per E-Mail und SMS.
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Nvidia: US-Regierung erlaubt Verkauf nach China
Di, 09. Dezember um 18:00 Uhr
Als die US-Regierung den Verkauf der KI-GPUs von Nvidia nach China verbot, brach die Aktie von Nvidia um mehr als 10% ein. Gestern wurde dieses Verbot aufgehoben, Nvidia darf die vorletzte Generation der KI-GPUs nach China verkaufen, muss dafür jedoch 25% "Zoll" an die USA abführen. Die Aktie von Nvidia reagierte auf diese Meldung kaum (+2%).
Ich denke, Anleger unterschätzen die Bedeutung dieser Entscheidung. Analysten von Wells Fargo schätzen, dass diese Entscheidung zu 25-30 Mrd. USD (+8%) zusätzlichem Jahresumsatz für Nvidia führt. Der Gewinn würde laut Analysten um 70 bis 80 Cents je Aktie anspringen, was ein Plus von 10% auf die aktuellen Analystenerwartungen für 2026 bedeutet. Aus 64% erwartetem Gewinnwachstum würden 70%. Das EV/EBITDA von 33 ist nach meinen Wertvorstellungen viel zu günstig für dieses anhaltend explosive Wachstum.
Doch schauen wir uns die Bedenken der Finanzpresse näher an.
Genehmigt wurde der Verkauf der KI-GPU namens H200. Es handelt sich um die vorletzte Generation der KI-GPUs auf Basis der Blackwell-Architektur, die deutlich effizienter ist als die vor einem Jahr speziell für China gedrosselten H20-GPUs. Die H20-GPUs wurden von China aufgrund von Sicherheitsbedenken verboten. Es ist für mich nicht klar, ob es sich dabei um eine politische Retourkutsche handelte, oder ob die Bedenken gerechtfertigt waren.
In Sachen Performance ist der nun zugelassene Chip deutlich leistungsfähiger als alle bislang in China verfügbaren KI-Chips. Wer bei der Entwicklung von KI-Modellen führend mitmischen möchte, kann dies heute noch nicht mit den chinesischen Chips erreichen. Die Frage, ob China die H200 nachfragen wird, hängt von der politischen Entscheidung ab, ob China eine eigene KI-Infrastruktur entwickeln möchte und dafür den Entwicklungen in den USA hinterher hinkt, oder aber ob China eigene führende KI-Modelle entwickeln möchte, um mit den USA ein Kopf an Kopf rennen zu veranstalten.
Ich weiß nicht, wie sich China entscheidet. Doch mein Gefühl sagt mir, dass sie alles tun werden, um die leistungsstärksten verfügbaren Chips zu nutzen. Und das sind nun mal für China die H200-GPUs. Da spielt der Preis nur eine Nebenrolle, selbst mit der abenteuerlichen Konstruktion einer "Ausfuhr"abgabe.
Die wichtigste Frage ist, ob China seine KI auf der Nvidia-Architektur entwickelt. Das sind dann weniger Sicherheitsfragen, die in den Chips zu finden sind, sondern vielmehr Sicherheitsfragen, die die Verfügbarkeit von KI-Entwicklern betreffen. Wenn die Nvidia-Architektur (inkl. CUDA) zum Standard bei der KI-Entwicklung in China wird, dann könnte man sich in eine Abhängigkeit begeben, die der chinesischen Regierung nicht Recht ist. China wird also mindestens beide KI-Entwicklungen, Nvidia und eine eigene, parallel verfolgen.
Aber wie genau dies aussehen wird, ist nach der Freigabe durch die US-Regierung für mich noch nicht klar absehbar. Ich vermute, dass dies der Grund dafür ist, dass die Aktie gestern nicht stärker angesprungen ist. Dennoch halte ich die zurückhaltende Reaktion für falsch. Nvidia ist nun wieder in China im Spiel. Damit wird sich die Nvidia-Architektur in China halten und da die Nvidia-Architektur für führende Entwicklungen benötigt wird, wird sich auch die Infrastruktur dazu in China bilden - egal ob als alleinige KI-Infrastruktur oder als eine alternative Infrastruktur. Und das allein dürfte reichen, um der Aktie wieder zusätzliches Wachstumspotential zuzusprechen. Ich denke daher, dass sich diese Erkenntnis in den kommenden Wochen in einen steigenden Nvidia-Kurs umsetzen wird.
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Apple: iPhone 17, Siri-KI und Tim Cook Nachfolge
Mi, 10. Dezember um 12:31 Uhr
In den vergangenen 6 Monaten konnte die Aktie von Apple um 40% zulegen, leider gemessen in US-Dollar, durch dessen schwache Performance dieser Gewinn leider nur unterproportional in unserem Portfolio ankommt. Doch ich nenne Ihnen die 40% um Ihnen zu zeigen, wie stark Anleger die Aktien des Multi-Billionenkonzerns nachfragen. Zeitgleich reißen die negativen Berichte über Apple nicht ab.
Das iPhone 17 sei keine wirklich Innovation gegenüber dem Vorgängermodell, heißt es immer wieder. Diese niederschmetternde Aussage kommt Jahr für Jahr von Techies, die sich nostalgisch an die Quantensprünge beim iPhone vor 15 Jahren erinnern, als das Konzept noch ganz neu war. Quantensprünge gibt es nicht mehr, sondern stets graduelle Verbesserungen. Für Apple ist wichtig, ob diese graduellen Verbesserungen die große bestehende Kundenbasis dazu animiert, ihre veralteten iPhones gegen das neue Modell einzutauschen. Und das ist beim iPhone 17 der Fall, wie wir den Verkaufszahlen entnehmen können.
Anleger blicken offensichtlich auf die Verkaufszahlen, nicht auf die technischen Spezifikationen.
In Sachen KI hinkt Apple nun wirklich hinterher. Ich war in früheren Artikeln darauf eingegangen, dass sich die heutige Konzeption der KI-Modelle in LLMs, die "probabilistisch" vorgehen, also aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung ableiten, welches Wort als nächstes wohl am besten passt, nicht zum Verlässlichkeitsanspruch von Apple passt. "Deterministische" KI-Modelle sind wesentlich eingeschränkter einsetzbar, dafür verlässlicher. Doch im Vergleich zu den vermeintlich intelligenten LLMs wie ChatGPT wirken deterministische KI-Modelle heute noch nicht besonders ansprechend.
Im Jahr 2025 gab es große Turbulenzen im Management von Apple, viele Führungskräfte verließen das Unternehmen, um anderswo ihre Fähigkeiten einzusetzen, sei es bei Meta, sei es bei Start-Ups. Diese Turbulenzen sind in meinen Augen nachvollziehbar, da Apple den Spagat zwischen den ungenauen Wahrscheinlichkeitsmodellen und dem Verlässlichkeitsanspruch bislang nicht lösen konnte. Ist CEO Tim Cook zu pingelig? Dynamische Führungskräfte kümmern sich ungern um die letzten 3% einer Lösung, sie wollen sich lieber der nächsten Herausforderung stellen. Ich würde die vielen Abgänge von Führungspersonen bei Apple daher dem Verlässlichkeitsanspruch von Apple zuschreiben, der von Tim Cook bedingungslos verfolgt wird.
Und so kommen Gerüchte auf, das Tim Cooks Chefsessel wackle. Er könnte im Jahr 2026 das Zepter an einen Nachfolger übergeben, behauptet die Financial Times. John Ternus, der Hardware-Entwicklungschef bei Apple, könnte CEO werden, so wird gemutmaßt. Ternus ist seit 2001 bei Apple und trieb die Umstellung auf Apple Silicon, weg von Intel-Chips, voran. Tim Cook ist 65 Jahre alt, John Ternus ist 50. von den Zahlen her würde es passen :-)
Ein Wechsel im Chefsessel führt immer zu Neueinschätzungen, die nach der Erfolgsstory von Tim Cook schwerlich zu einer verbesserten Prognose führen kann. Vielleicht helfen die Probleme im KI-Beriech dem Nachfolger, wer auch immer es wird, wider Erwarten einen guten Start zu haben. Grundsätzlich finde ich erstmal nur Gutes zu John Ternus und würde daher nicht befürchten, dass die Aktie aufgrund eines Wechsels auf dem Chefsessel eine dramatische Neubewertung erfahren wird.
Soweit ein kleiner Überblick über die vielen Stories, die derzeit zu Apple kursieren. Unterm Strich läuft es eigentlich derzeit sehr rund bei Apple, ich sehe keine wirklich dramatischen Probleme. Das EV/EBITDA steht bei 25 für 11% Gewinnwachstum, wobei Apple in sämtlichen Quartalsergebnissen der vergangenen zwei Jahre die Erwartungen übertreffen konnte. Die Aktie ist auf Basis der Erwartungen fair bewertet. Ich erwarte allerdings, dass die Erwartungen in den kommenden Monaten kontinuierlich nach oben bewegt werden, was der Aktie weiter Luft nach oben gibt.
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6. Leserfragen
Stopploss oder Stopp Limit bei AppLovin
Sehr geehrter Herr Heibel,
ich wende mich häufiger mal mit Fragen an Sie - und nicht immer (vielleicht zu häufig 😳) denkt man auch an ein Lob.
Also nochmals und immer wieder vielen Dank für Ihre großartige Arbeit 🙌 und das sie sich (fast) immer die Zeit nehmen kleinen Nervensäge wie mir alle Fragen zu beantworten. 😅
STOP LIMIT?
Die Empfehlung des Stop Loss führte bei mir zur Frage, was für mich das kleinere Übel ist.
US-Werte handele ich meist über die Börse Tradegate, aufgrund der längeren Öffnungszeiten als Xetra und somit entsprechender Überlappung mit den US-Börsen am Abend.
Vormittags bzw. vor Eröffnung der US-Börsen gibt es jedoch teils "interessante" Kurse. (Ab 15:30 dann wieder alles normal.)
Da sie die Kurse meist in EUR nennen, und besonders wegen der Wechselkursgebühren (€/$) habe ich mich gegen die US-Börsen und für die Tradegate entschieden, auch wenn die Kursstellung an der TDG evtl. etwas schlechter ist.
Ein Stop Loss gilt logischerweise für die gesamte Öffnungszeit der Tradegate und nicht nur für die Öffnungszeiten der US-Börsen.
Ist in einer solchen Konstellation ein Stop Limit besser als ein "einfacher" Stop Loss?
Vorteil:
Es kommt nicht zu einem unlimitiertem Verkauf nach einem Stop Loss, bei "komischen" Kursen außerhalb der Öffnungszeiten der US-Börsen.
Nachteil:
Fällt/Bleibt der Kurs auch während der Öffnungszeiten der US-Börsen nicht nur unter die Stop Loss Schwelle, sondern auch unter das Limit, bleibt man auf den Aktien sitzen und muss ggf. durch "das Tal der Tränen".
Im konkreten Fall hier (Applovin), habe ich ein Stop Limit mit 510/490 gesetzt. (Stop Loss Schwelle / Verkaufs-Limit)
Mit freundlichen Grüßen
Daniel aus Essen
ANTWORT
Erstmal danke für die netten Worte, solche Mails lese ich tatsächlich sehr gern 😊. Wer viel fragt, denkt mit, das macht meinen Börsendienst so interaktiv.
Es ist ein Abwägen der Risiken: Entweder riskiert man, von Tradegate abgefischt zu werden, wenn man ohne Limit die Position beim Stopkurs verkaufen lässt. Auf der anderen Seite riskiert man, auf der Position sitzen zu bleiben, wenn der Kurs zu schnell fällt. Ich würde das je nach Position individuell entscheiden.
Bei AppLovin habe ich mich für einen Stopp ohne Limit entschieden, da es sich um eine Spekulation handelt, die im schlimmsten Fall auch mit Verlust aus dem Portfolio fliegen soll, damit wir einen längeren Rücksetzer nicht aussitzen müssen. Aber das ist Geschmackssache, ich kann Ihre Sichtweise ebenfalls verstehen.
China möchte keine Nvidia-Chips
Hallo Herr Heibel,
hören Sie sich doch bitte mal an, was Markus Fugmann in seinem heutigen (Mi, 10.12.) Morgenvideo dazu zu sagen hat. Das hört sich völlig anders an. China hat nun mehrmals deutlich geäußert, dass man keine Chips von Nvidia kaufen wird. Und das beleuchtet Fugi. Für mich ist er kein Pessimist, sondern einer, der die Situation beschreibt wie sie ist. Er sagt ja nicht, dass das und das passieren wird. Und Ihre Aussagen zu Nividia und China stehen seinen diametral entgegen. Dann wissen Sie wohl mehr als die offiziellen Stimmen des Landes kund tun?
Mit freundlichen Grüßen, Jörg aus Costa Rica
ANTWORT
Diese Woche wurde bekannt, wie damals auch ohne Beweis von mir behauptet, dass DeepSeek auf Nvidia-GPUs trainiert wurde, die widerrechtlich über Singapur nach China gebracht wurden. Das belegt erneut, dass führende KI-Modelle ohne Nvidia nicht trainiert werden können. Das weiß auch China. Da werden die den Teufel tun und das zugeben. Vielmehr wird sich China vermutlich irgendwann gnädigerweise bereit erklären, ein paar Nvidia-Chips zu kaufen, um die Handelsbeziehungen mit den USA nicht zu stark zu belasten… so zumindest könnte ich mir das vorstellen.
Die Aussage, man wolle gar keine Nvidia-Chips, ist Verhandlungstaktik, die man entweder durchschaut, oder nicht. Beweisen kann ich das natürlich zum heutigen Zeitpunkt auch nicht.
Linde verliert 20%
Hallo Herr Heibel,
ich muss nach längerer Zeit 'mal wieder Ihre Kompetenz direkt in Anspruch nehmen. Linde hat meine Kaufschwelle unterboten. Da ich weiß, dass Sie Linde auch schon länger unter Beobachtung haben, würde ich gerne Ihren qualifizierten Kenntnisstand nutzen: Warum schwächelt die Aktie? Abwarten und Tee trinken oder kaufen? ;)
Danke Im Voraus und viele Grüße aus dem Südwesten,
Karl aus Mannheim
ANTWORT
Linde fehlt das Umsatzwachstum. Als Versorger von Gasen für Kliniken bis hin zur Industrie ist der Umsatz gut planbar, die Kosten können an den Kunden durchgereicht werden. Damit verbessert Linde kontinuierlich die Gewinnmarge (EBITDA) von 23% im Jahr 2018 auf inzwischen 39%. Der Gewinn wächst somit jährlich um 6%, das EV/EBITDA liegt bei 15. Die Kontinuität des Geschäftsmodells hatte ein EV/EBITDA von bis zu 20 hervorgerufen, was für das moderate Wachstum vielleicht ein wenig hoch war. Dies wurde nun korrigiert. Das Geschäft läuft aber wie ein Schweizer Uhrwerk :-).
Energy Transfer attraktiver Dividendentitel mit 8% Div-Rendite
Hallo Herr Heibel,
ich lese Ihren Heibel-Ticker jetzt schon viele Jahre und freue mich über den Inhalt und wie Sie diesen weiterentwickelt haben.
Aktuell stelle ich mir die Frage, ob bei der Menge an geplanten Gas-Kraftwerken in den USA für den steigenden Strombedarf der Rechenzentren(könnten bis 2030 rd. 10% des US-Stromverbrauchs ausmachen und so 40GW neuer geplanter Gaskraftwerke auslösen), KI…eine Investition in eine AG mit Schwerpunkt Gas sinnvoll wäre.
Alternativ soll der LNG Sektor bis 2030 von rd 19 bcf/d auf 40 bcf/d Nutzung der LNG-Anlagen wachsen.
Wenn darüber hinaus die Verschuldung hoch ist, sollte bei einem deutlichen Zinsrückgang durch die FED, wenn Trump den Chefposten, mit einem ihm genehmen Menschen besetzt, der Titel 2x-fach profitieren können.
Ich habe mir Energy Transfer herausgesucht:
- Wachstum über die nächsten 3 Jahre mit rd. 5-7% bei einem KGV von 10 in 2026.
- Div-Rendite von rd. 8%
- Hohe Verschuldung: Dept/Equity >1,1
- Hat große Midstream-Kapazitäten (also Transport und Lagerung)
- Analysten billigen im Schnitt aktuell rd. 30% Kurspotenzial zu
Was denken Sie? Oder würden Sie mehr im Bereich LNG-Sektor schauen?
Wäre das eine Idee und was wäre dann Ihr Favorit?
Freue mich, wenn Sie sich meiner Frage annehmen und eine Einschätzung vornehmen.
Lieben Dank im Voraus!
Herzliche Grüße
Thomas aus Montabaur
ANTWORT
Herzlichen Dank für das Lob. Es freut mich, dass die Neuerungen erkannt werden und gefallen. Es ist nicht leicht, neben dem Tagesgeschäft Neuerungen zu entwickeln. Im kommenden Jahr fällt eine ehrenamtliche Tätigkeit bei mir weg, so dass ich mehr Zeit für die Weiterentwicklung habe. Die KI hilft, Ideen schneller umzusetzen. Ich blicke eigentlich voller Ideen und Tatendrang auf das neue Jahr 2026 :-).
Ihr Gedankengang ist hervorragend. Allein die neuen KI-Rechenzentren sollen laut Goldman Sachs 47 GW Kraftwerkskapazität benötigen, 60% davon werden aller Voraussicht nach gasbefeuert sein. Gleichzeitig gehen 40 GW an Kraftwerken, die mit fossilen Brennstoffen befeuert werden, vom Netz (zu alt). Der Bedarf an neuen Kraftwerken schießt derzeit in die Höhe. Bei GE Vernova sind alle Fertigungskapazitäten bis Ende 2028 bereits verkauft.
Energy Transfer transportiert das Gas von der Quelle zum Kraftwerk und kassiert je transportierter Menge eine Gebühr. Für Energy Transfer ist der Gaspreis Nebensache, der Preis richtet sich nach der Menge. Die Finanzierung einer neuen Gaspipeline ist komplex, der Bau bis zur Inbetriebnahme dauert lange, dafür ist das Geschäft sehr gut planbar. Geldgeber wollen aufgrund der langen Laufzeit eine attraktive Rendite. Dies zeigt sich sowohl in der hohen Verschuldung als auch in der hohen Dividendenrendite. Mit 63 Mrd. USD übersteigt die Verschuldung sogar die Marktkapitalisierung von 56 Mrd. USD.
Daraus können wir ableiten, dass geringste Schwankungen im Geschäft, insbesondere bei den Finanzierungskonditionen, stark auf den Aktienkurs durchschlagen. In guten Zeiten winkt eine überaus attraktive Dividendenrendite. In schlechten Zeiten kann diese aber auch mal reduziert werden.
Mit einer aktuellen Dividendenrendite von 8,1% ist Energy Transfer natürlich ein Traum für viele Dividendenanleger. Doch in den vergangenen 10 Jahren gab es zwei Jahre, in denen die Dividende gesenkt wurde: 2021 und 2022 von 1,22 USD/Aktie über 0,92 auf 0,63 USD/Aktie. Seither erholt sich die Dividende kontinuierlich auf inzwischen 1,43 USD/Aktie. Unsere strengen Dividendenkriterien erfüllt Energy Transfer daher leider nicht.
Auch eine zweite der fünf Bedingungen wird gerissen: Die Auszahlungsquote liegt mit 92% über meiner maximalen Schwelle von 90%. Dieses Kriterium würde ich jedoch für Energy Transfer aussetzen, da es sich um eine besondere Unternehmensform handelt, deren einziger Vorteil es ist, möglichst viel des Gewinns auszuschütten. Bleibt also eine von fünf Bedingungen, die nicht erfüllt ist.
Energy Transfer erscheint nicht in meinen Listen, die sich nach den großen Aktienindizes richten. Obwohl das Unternehmen 133 Mrd. USD Unternehmenswert auf die Waage bringt, ist es nicht im S&P 500 enthalten. Der Grund ist die oben angesprochene besondere Unternehmensform. Es handelt sich um eine Master Limited Partnership (MLP). Rein nach Größe und Liquidität wäre Energy Transfer nämlich ein Kandidat für den Index. Doch S&P-500 nimmt nur klassische Corporations – also Unternehmen mit „Inc.“ oder „Corp.“ – auf.
Energy Transfer dagegen ist eine MLP, also so etwas wie eine börsennotierte Kommanditgesellschaft. Diese Konstruktion ist im Pipeline-Sektor beliebt, weil sie steuerliche Vorteile bietet und die Ausschüttungen direkt auf Gesellschafterebene versteuert werden. Ich weiß allerdings nicht, wie sich diese steuerliche „Vorteile“ für ausländische Anleger auswirken.
Daher kommt die Aktie für uns nicht in Frage. Wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Steuerberater den steuerlichen Effekt abschätzen können und für gut befinden, dann ist das sicherlich eine attraktive Dividendenaktie, die jedoch weniger auf Wachstum ausgerichtet ist als die Dividendentitel, die wir in unser Heibel-Ticker Portfolio geholt haben.
7. Übersicht HT-Portfolio
| Spekulation (≈20%) =21,3% | WKN | 12.12., 18:59 Uhr | Woche Δ | Σ '25 Δ | Anteil 8x2,5% | ! |
| PVA Tepla | 746100 | 22,28 € | -3% | 72% | 1,7% | B |
| DELL Technologies | A2N6WP | 112,78 € | -4% | 31% | 3,0% | C |
| Home Depot | 866953 | 304,15 € | 1% | -20% | 2,0% | A |
| Salesforce | A0B87V | 223,87 € | 0% | -29% | 1,4% | C |
| Capital One Fincl | 893413 | 201,79 € | 2% | 25% | 2,8% | A |
| TJX | 854854 | 133,41 € | 2% | 24% | 2,8% | B |
| AppLovin | A2QR0K | 580,29 € | -1% | 22% | 2,7% | C |
| Boeing | 854854 | 175,02 € | 1% | 10% | 2,4% | A |
| Amazon | A2QR0K | 193,06 € | -2% | 2% | 2,5% | A |
| Disruptiv (≈30%) =33% | WKN | 12.12., 18:59 Uhr | Woche Δ | Σ '25 Δ | Anteil 5x6% | ! |
| Medios | A1MMCC | 13,56 € | -6% | 3% | 3,6% | C |
| Nvidia | 918422 | 150,66 € | -3% | 14% | 7,3% | A |
| Palo Alto Networks | A1JZ0Q | 162,07 € | -4% | 0% | 5,9% | B |
| Novo Nordisk | A3EU6F | 43,00 € | 4% | -49% | 4,7% | A |
| Apple | 865985 | 237,23 € | -1% | 18% | 7,2% | A |
| Tesla | A1CX3T | 383,01 € | -2% | 76% | 4,2% | A |
| Dividende (≈30%) = 26,9% | WKN | 12.12., 18:59 Uhr | Woche Δ | Σ '25 Δ | Anteil 5x6% | ! |
| CEWE | 540390 | 101,20 € | 1% | -2% | 5,8% | B |
| Allianz | 840400 | 380,90 € | 4% | 29% | 5,2% | B |
| Snap-On | 853887 | 298,77 € | 0% | -9% | 6,0% | A |
| Holcim | 869898 | 80,84 € | 1% | 55% | 3,7% | C |
| Yamaha | 855314 | 5,94 € | 1% | -3% | 6,1% | A |
| Absicherung (≈20%) =12,9% | WKN | 12.12., 18:59 Uhr | Woche Δ | Σ '25 Δ | Anteil 3x6,6% | ! |
| Goldbarren /Uz | 965515 | 3.659,45 € | 1% | 46% | 7,3% | C |
| Symrise %-'12.25 | SYM772 | 100,00% | 0% | 2% | 0,0% | D |
| Bitcoin | A27Z30 | 76.707,21 € | 0% | -15% | 5,6% | B |
| Woche Δ | Σ '25 Δ | Cashquote | ||||
| 0% | 9% | 5,9% |
| Heibel-Ticker | Gewichtung | # Positionen | angestrebte Positionsgröße | |||
| Portfolio | Ziel | Soll | Ist | Soll | Ist | |
| Spekulation | Ereignis | 20% | 21,3% | 8 | 9 | 2,5% |
| Disruptiv | Enkelkinder | 30% | 33% | 5 | 6 | 6,0% |
| Dividende | Urlaub | 30% | 26,9% | 5 | 5 | 6,0% |
| Absicherung | Zins & Gold | 20% | 12,9% | 3 | 2 | 6,7% |
| Summe | 100% | 94% | 21 | 22 | 100% | |
Anmerkungen:
- Die Überschrift über jedem Portfoliobereich in der jeweiligen ersten Spalte (bspw. Absicherung (≈20%) =21,8%) bedeutet: Der beabsichtigte Anteil dieses Portfoliobereichs am Gesamtportfolio beträgt ungefähr 20%. Aktuell beträgt der Anteil 21,8%.
- Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend.
- Unter „Woche” steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche.
- Unter „Σ 'XX Δ” steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn bzw. seit Aufnahme ins Portfolio.
- Unter „Anteil” finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am Gesamtdepot.
Unter ! steht zur Information meine Grundtendenz:
| A | – | Top-Aktie mit günstigem Kurs, |
| B | – | Kursrücksetzer zum Kaufen nutzen |
| C | – | Kurssprünge zum Verkaufen nutzen, |
| D | – | bei Gelegenheit Verkaufen, |
| E | – | Sofort Verkaufen |
Die „Gelegenheit” zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.
Ich habe diese Spalte „!” insbesondere für neue Mitglieder vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.
Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:
- Dividenden- + Wachstumspositionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,
- Zyklische Positionen in zwei Schritten aufbauen: 50%-50%,
- Spekulative Positionen ganz oder gar nicht: 100%.
Die letzte Spalte wird für eine Einschätzung der Auswirkung aktueller Entwicklungen auf die jeweilige Portfolioposition genutzt. „%“ stuft den Einfluss der Inflation auf das jeweilige Geschäftsmodell ein.
Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll, allenfalls Stopp Loss Marken für unseren Spekulationen werde ich bisweilen im Text bekanntgeben.
Eine erfolgreiche Börsenwoche,
take share
Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs
https://www.heibel-ticker.de
8. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)
Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.
Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar.
Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren.
Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.
Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen
DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5436
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag
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