Heibel-Ticker PLUS 25/51 - Vorweihnachtliche Entspannung

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Heibel-Ticker PLUS Börsenbrief

- Einfach einen Tick besser -

20. Jahrgang - Ausgabe 51 (19.12.2025)




Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:

1.Info-Kicker: Hektik in der Politik wird von den Finanzmärkten mit Abverkäufen beantwortet
2.So tickt die Börse: Geld hat keine Moral
 - Wochenperformance der wichtigsten Indizes
3.Sentiment: Vorweihnachtliche Entspannung
 - Interpretation
4.Ausblick: KI-Nutzung im Heibel-Ticker
5.Update beobachteter Werte: Capital One Financial, Amazon, Novo Nordisk
 - Capital One Financial: Kurszielanhebung durch zwei Analysten
 - Amazon: Die falsche Erholungsrallye
 - Novo Nordisk: Bewertung am Boden, Aktie sinkt auch bei schlechten Nachrichten nicht mehr: Nachkaufen
6.Leserfragen
7.Übersicht HT-Portfolio
8.Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
9.Mitgliedschaft verwalten



1. Info-Kicker: Hektik in der Politik wird von den Finanzmärkten mit Abverkäufen beantwortet



Liebe Börsenfreunde,

Am kommenden Freitag haben wir nicht nur den zweiten Weihnachtsfeiertag, sondern auch noch meinen Namenstag. Auch wenn heutzutage niemand mehr mit mir meinen Namenstag feiert, so möchte ich dennoch den Tag nicht mit dem Schreiben des Heibel-Tickers verbringen. Die nächste Wochenausgabe gibt's also erst in zwei Wochen. Da werde ich die Handelsblatt-Jahresumfrage auswerten, einen Jahresausblick geben und unseren Jahresrückblick mit einer detaillierten Besprechung aller Anlageentscheidungen des abgelaufenen Jahres präsentieren. Bis dahin melde ich mich je nach Ereignissen mit entsprechenden Updates bei Ihnen.

Die abgelaufene Woche war geprägt von politischer und geldpolitischer Unruhe: Die EU verwarf die Idee, eingefrorene russische Vermögen als Sicherheit für Ukraine-Kredite zu nutzen. Die EZB hält sich datenabhängig alle Optionen offen, Großbritannien senkt weiter die Zinsen zur Stützung der Industrie, Japan hebt den Leitzins auf den höchsten Stand seit 1995 an und verschärft damit das Risiko einer Auflösung des Yen-Carry-Trades. In Kapitel 2 setze ich die Ereignisse ins rechte Licht.

Es kehrt so langsam vorweihnachtliche Gelassenheit ein bei unseren Umfrageteilnehmern. Die Sentimentindikatoren drehen in neutrale Bereiche und lassen erkennen, das Anleger den Finanzmärkten gerne mal den Rücken zukehren würden. In Kapitel 3 zeige ich, was das für die Aktienmarktentwicklung der kommenden Wochen bedeutet.

Der heutige Ausblick in Kapitel 4 gibt einen kleinen Einblick in meine Ideen und meine Projekte, mit denen ich den Heibel-Ticker im kommenden Jahr weiterentwickeln möchte. Ich habe eine ganze Reihe Ideen, wie wir die KI "sinnvoll" nutzen können, ohne auf deren Halluzination hereinzufallen.

Die Updates in Kapitel 5 behandeln wichtige Entwicklungen dieser Woche. Zum einen erkläre ich die Bedeutung der guten Q-Zahlen von Micron für die KI-Branche. Zum anderen schaue ich auf die jüngsten Entwicklungen im Markt der GLP-1 Abnehmspritzen und -pillen. In einem dritten Update zeige ich auf, warum unser Finanztitel derzeit so gut verformt.

In Kapitel 6 beantworte ich zwei Leserfragen. Der finnische Motorenbauer Wärtsilä Oyj wird mir als interessante Umweltaktie vorgeschlagen. Ich prüfe, ob das Unternehmen den grünen Punkt verdient und ob mich das Geschäft begeistert. Ein anderer Leser sucht nach einem ETF, in dem Industriemetalle abgebildet werden. Ich erkläre, warum ich das nicht für sinnvoll halte.

Wie immer gibt es in Kapitel 7 eine tabellarische Übersicht über unser Heibel-Ticker Portfolio.

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

heibel

take share, Ihr Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs




2. So tickt die Börse: Geld hat keine Moral



Von vorweihnachtlicher Beschaulichkeit kann keine Rede sein. In dieser Woche ging es drunter und drüber.

EUR Starten wir mit der Entscheidung der vergangenen Nacht, die russischen Vermögen in Höhe von 210 Mrd. EUR nun doch nicht als Sicherheit für Ukraine-Kredite zu verwenden. Belgien und Ungarn waren strikt dagegen, Italien und Frankreich konnten der Idee ebenfalls nicht viel abgewinnen.

In Belgien sitzt Euroclear, ein Institut der Finanzwelt, über das die Auslandszahlungen abgewickelt werden. Euroclear ist einer der größten Steuerzahler von Belgien. Dort wird der Großteil der russischen Vermögen, die in Europa sind, verwaltet und dort sind die Vermögen seit Kriegsbeginn eingefroren. Die Zinsen, die diese Vermögen abwerfen, werden bereits seit 2024 als Ukrainehilfe verwendet.

Kanzler Merz hatte sich eine komplizierte Logik ausgedacht. Die eingefrorenen Vermögen sollten als Sicherheit für einen Ukraine-Kredit verwendet werden. Der Kredit sollte dann später von russischen Reparationszahlungen abbezahlt werden. Sollte der Krieg ohne russische Reparationen beendet werden, würden die russischen Vermögen den Kredit tilgen.

Ich kann dieser Idee nicht viel abgewinnen. Zum einen würde sich die EU mit einer solchen Entscheidung aus dem internationalen Finanzsystem verabschieden. Unser Euro würde weltweit als Währung betrachtet, die für politische Zwecke verwendet werden kann. Das ist für eine internationale Reservewährung, die Länder jeglicher Gesellschaftsform bedient, ein K.O.-Kriterium. Welches Land, welcher Bürger gibt sein Geld in einen Währungsraum, der enteignet, wenn es zu politischen Konflikten kommt?

UkraineRussland Zum anderen sieht es für mich derzeit eher danach aus, als würde Russland bei Friedensverhandlungen auf die Vermögen bestehen, ohne Reparationszahlungen zu akzeptieren. Dann würde die EU auf den Krediten sitzenbleiben, wir hätten Eurobonds durch die Hintertür. Ein Frieden in der Ukraine wird zwischen Putin und Trump ausgehandelt. Trump wird auf die Rohstoffe bestehen, die er Selenskyj abgerungen hat. Putin wird auf möglichst großen Machteinfluss und möglichst wenig westlichen Einfluss pochen, und natürlich seine russischen Vermögen in die Waagschale werfen. Ich fürchte, Europa ist noch weit entfernt davon, durch eigene Stärke ein wichtiger Verhandlungspartner zu werden.

Ohnehin spricht man vielfach davon, dass Atomwaffen als Garant für den Frieden eine Bereinigung kriegerischer Gesellschaften verhindern. Bitte missverstehen Sie diese Formulierung nicht, ich weiß, dass wir in der Ukraine Krieg haben. Doch um Russland an den Verhandlungstisch zu bringen, muss man das Land entweder in die Ecke drängen, oder aber Zugeständnisse machen. Und in die Ecke kann man die weltweit größte Atommacht nicht drängen. Daher bleibt der offene Krieg zwischen Ost und West aus, so die Theorie, und daher können sich solche kriegerischen Regierungen weiterhin an der Macht halten.

Wenn die Chance auf einen Friedensschluss mit Russland, der Reparationszahlungen beinhaltet, gering ist, und gleichzeitig Trump seine ökonomischen Interessen auf dem Rücken Europas durchsetzen dürfte, dann ist absehbar, dass die russischen Vermögen nicht zur Kredittilgung verwendet werden können. Wir würden also auf Eurobonds sitzenbleiben.

Nun haben sich die EU-Staaten, mit Ausnahme Ungarns, Tschechiens und der Slowakei, auf einen Kredit über 90 Mrd. EUR verständigt, der durch den EU-Haushalt abgesichert wird. Da nicht alle EU-Staaten an der Finanzierung teilnehmen, können wir nicht von Eurobonds sprechen ... aber vielleicht von "Eurobonds minus Drei".

Der Bitcoin sprang über Nacht von 72.000 Euro auf 75.000 Euro, +4%. Der Goldpreis hingegen zeigt nur einen kurzen Ausschlag nach oben (+1,3%), der direkt im Anschluss wieder abgegeben wurde.

Bundesobl Die EZB beließ erwartungsgemäß den europäischen Leitzins bei 2-2,25%. Wichtiger war die Erwartung der EZB an die Zinsentwicklung. Aktuell geht man dort von einem weiteren Absinken der Inflation auf 1,9% aus. Allerdings sei die Inflation im Dienstleistungssektor noch nicht ausreichend zurückgekommen, daher diskutiert die EZB tatsächlich auch Zinsanhebungen für die Zukunft.

Damit bleibt die EZB "data-driven", bestimmt ihre Zinsentscheidung jeweils nach aktueller Datenlage. Das ist gut, da wir mit Vorfestlegungen immer wieder schlechte Erfahrungen gemacht haben. Für den Euro wirkt das stabilisierend, ist also ein Gegenpol zur Kreditentscheidung von heute Nacht. Der Ausblick auf das Risiko der zu hohen Teuerungsrate bei Dienstleistungen zieht allerdings Sorgen nach sich, dass die Industrie, die niedrigere Zinsen benötigt, im Falle einer Zinsanhebung künftig unter die Räder geraten könnte.

In Großbritannien geht man einen anderen Weg. Auch dort ist die Inflation der Dienstleistungen zu hoch und für die Industrie zu niedrig. Man stützt dort die Industrie mit einer weiteren Zinssenkung.

Nippon Und wenn wir schon mal einen Blick über den Tellerrand machen, dann schauen wir auch nach Japan: Dort wurde heute der Zins um 0,25%punkte auf 0,75% angehoben. Damit ist der Zins in Japan auf dem höchsten Niveau seit 1995. Der Carry-Trade droht sich aufzulösen.

Als Carry-Trade bezeichnet man Transaktionen, bei denen sich internationale Anleger in Japan Yen-Kredite holen und mit dem Geld Risikopapiere, wie bspw. auch den Bitcoin, kaufen. Während der Bitcoin hoffentlich steigt, gibt der Yen aufgrund des niedrigen Zinsniveaus an Wert ab. Das hat nun 30 Jahre lang gut funktioniert, doch das steigende Zinsniveau droht diesen Trade zu einem Ende zu führen. Die Carry-Trader lösen ihre Yen-Kredite ab. Um dies zu tun, liquidieren sie ihre Risikowerte.

Die Auflösung des Yen-Carry-Trades läuft schon seit über einem Jahr und erfolgt bislang mehr oder weniger gesittet. Die Angst besteht, dass irgendwann zu schnell zu viele Yen-Kredite abgelöst werden und die entsprechenden Risikopapiere zu schnell verkauft werden. Nach den letzten Zinsentscheidungen in Japan gab es durchaus solche Momente, sie dauerten aber nur wenige Stunden und führten bislang nicht zu einem Chaos. Hoffen wir mal, dass es so bleibt.

DTrump Donald Trump macht täglich mehrere Schlagzeilen, da weiß ich gar nicht, welche ich auswählen soll. Diese Woche kritisierte er die US-Rüstungskonzerne, weil sie die aktuell gute Geschäftslage nutzen, um Managementgehälter in die Höhe zu schrauben und hohe Dividenden an die Aktionäre ausschütten sowie hohe Aktienrückkäufe tätigen. Gleichzeitig würden sie Deadlines und Budgetvorgaben routiniert brechen. Lockheed Martin, L3Harris und RTX Corp sollen seiner Ansicht nach künftig keine Dividenden ausschütten und Rückkäufe tätigen dürfen, wenn sie Zeitpläne oder Budgets nicht einhielten.

Tatsächlich schütten die drei Unternehmen derzeit in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen recht viel an ihre Aktionäre aus: L3Harris 7%, Lockheed Martin 6% und RTX Corp 2%. Ich halte seine Kritik für gerechtfertigt. Während man in Deutschland eine solche "Überrendite" gerne abschöpfen würde, was in meinen Augen ebenfalls schon einer Enteignung nah käme, appelliert man in den USA an die Verantwortung, das überschüssige Kapital doch bitte zu reinvestieren, statt die Bilanz auszutrocknen. Mir ist nur noch nicht ganz klar, welches Druckmittel Trump für seine Forderung einsetzen möchte.

Semi Diese Woche veröffentlichte Micron herausragend gute Q-Zahlen und hob den Ausblick an. Die Aktie sprang um 14%, ich kommentierte die Zahlen in unserem Update zu Amazon. Einen weiteren Aspekt möchte ich hier anfügen: Seit Jahren warten wir auf einen neuen Investitionszyklus für Maschinen im Halbleitersegment. Der Bedarf ist da, doch weder Micron noch Sandisk, Seagate oder Western Digital bauen die Fertigungskapazitäten nennenswert aus. Daher das knappe Angebot, daher die hohen Preise für Speicher.

Applied Materials, Lam Research, KLA Corp und ASML wurden daher vom KI-Boom noch nicht wirklich erfasst. Dell, Apple und HP sowie andere Hersteller von Laptops und PCs fielen nach den Zahlen von Micron, da sie die teuren Speicherpreise zahlen müssen, um ihre Geräte damit auszustatten.

Schauen wir mal, wie sich diese Nachrichtenflut auf die wichtigsten Indizes im Wochenvergleich auswirkte:

Wochenperformance der wichtigsten Indizes




INDIZES19.12., 21:08 UhrWoche ΔΣ '25 Δ
DAX24.288 0,4%22,0%
S&P 5006.837 0,0%15,7%
Nikkei49.507 -2,6%24,1%
Shanghai A 4.568 -0,3%16,1%
Euro/US-Dollar1,17-0,2%12,6%
Euro/Yen184,650,9%13,5%
10-Jahres-US-Anleihe4,15%-0,04-0,36
Umlaufrendite Dt2,81%0,010,50
Feinunze Gold$4.343 1,1%66,1%
Fass Brent Öl$60,48 -1,4%-18,8%
Kupfer$11.778 -0,8%32,2%
Baltic Dry Shipping$2.071 -9,7%107,7%
Bitcoin$87.594 -2,7%-6,6%








3. Sentiment: Vorweihnachtliche Entspannung



Umfrage Die abgelaufene Woche war eine gefühlte Korrekturwoche: Täglich ging es gen Süden. Mit der EZB-Entscheidung am Donnerstag glückte die Kehrtwende und die Aktienmärkte erholten sich, der DAX stärker als sein US-Pendant.

Doch die Korrektur steckt den Anlegern offensichtlich noch in den Knochen. Unser Anlegersentiment ging diese Woche auf einen Wert von 1,0% zurück (Vorwoche 2,2%). Die Laune der Anleger ist neutral.

Die Selbstzufriedenheit, die vor einer Woche noch moderat vorhanden war, schlug mit einem Wert von -0,5 in ein leichtes Gefühl der Verunsicherung um. Selten war man sich über eine zu erwartende Weihnachtsrallye so einig wie in diesem Jahr. Doch bislang ist davon nicht viel zu sehen.

Aber vielleicht wird's noch was mit der Weihnachtsrallye, denn die Zukunftserwartung stieg von -1,0 in der Vorwoche auf +0,4. Ein zartes Pflänzchen der Hoffnung. Vielleicht können wir ja einen anderen Namen verwenden: Jahresendrallye wäre doch auch nicht schlecht. Dann haben wir noch ein paar Tage mehr Zeit dafür.

Die Investitionsbereitschaft verbleibt bei einem moderaten Wert von +0,8.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger fällt diese Woche auf den Nullpunkt zurück. Die Long-Spekulationen der Vorwochen werden aufgelöst, neue Absicherungen benötigt man derzeit jedoch noch nicht.

Das Put/Call-Verhältnis für den DAX an der Eurex verbleibt auf einem niedrigen Wert. Institutionelle Anleger sind unbekümmert. In den USA zeigt das Put/Call-Verhältnis für Equities an der CBOE hingegen eine gestiegene Absicherungstätigkeit der Anleger. Put-Absicherungen werden verstärkt nachgefragt.

US-Fondsanleger sind nunmehr zu 100,7% investiert. Werte über 100% sind möglich, wenn durch Optionen gehebelte Spekulationen eingegangen werden. Damit gehen US-Fondsmanager sehr bullisch positioniert in das neue Jahr.

Die Bulle/Bär-Differenz beträgt 11%punkte. Den 44% Bullen stehen 33% Bären gegenüber. Diese Werte haben sich in den vergangenen drei Wochen kaum verändert.

Der technische Angst & Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 45% eine neutrale Verfassung der US-Märkte an.

Interpretation



Neutral Weihnachten möchten unsere Umfrageteilnehmer vorzugsweise ruhig und besinnlich begehen. Man ist beruhigt, dass die Korrektur dieser Woche zum Ende der Woche hin noch ein gutes Ende fand. Wirkliche Quantensprünge erwarten Anleger in den letzten Tagen dieses Jahres nicht mehr, entsprechend zurückhaltend sind sie positioniert und entsprechend entspannt sind sie gestimmt.

Ich würde daraus ableiten, dass unsere Grundtendenz, die wir vor einigen Wochen ableiteten, weiterhin bestehen bleibt: Die Kurse steigen langsam an, immer wieder unterbrochen von kurzen, aber heftigen Korrekturen.

Es würde mich daher nicht wundern, wenn wir dieses Jahr tatsächlich eine recht ruhige Weihnachts- und Neujahrszeit bekommen, in der die Aktienmärkte ohne besondere Meldungen moderat ansteigen.

Überraschende Meldungen können Anleger jederzeit aus der Entspannung reißen und zu erneut heftigen Kursschwankungen führen, beide Richtungen sind auf Basis der aktuell neutralen Verfassung möglich.

BTC Die Zukunftserwartung für die Bitcoin-Preisentwicklung ist auf ein extremes Tief gefallen: Nur viermal in den vergangenen Jahren waren noch mehr Bären zu verzeichnen. Drei dieser Ereignisse erfolgten im Jahr 2022.

Im Anschluss folgte eine Bodenbildung, die durchschnittlich zwei Monate in Anspruch nahm. Sechs Monate später stand der Bitcoin in allen vier Fällen deutlich höher. Durchschnittlich betrug der Preisaufschlag 39,5%.



4. Ausblick: KI-Nutzung im Heibel-Ticker



Weihnachten in Sicht! Da werfe ich stets gerne einen Blick zurück. In zwei Wochen kommt ein ausführlicher Jahresrückblick auf unsere Portfolioentwicklung, doch heute möchte ich schon den einen oder anderen Gedanken formulieren.

So war ich mit meinen Entscheidungen in diesem Jahr überwiegend zufrieden, wenn man mal von dem einen oder anderen Fehlgriff absieht. Insgesamt bleibt unsere Performance hinter der von DAX und S&P 500 zurück und ich wollte mich nächste Woche eigentlich auf die Fehlersuche machen. Doch in den verschiedenen Weihnachtstreffen mit Geschäftspartnern erfuhr ich überraschenderweise stets große Anerkennung für unsere Portfolioentwicklung: Die meisten machten dieses Jahr Verlust, die besten erreichten gerade mal die Null-Linie. Da sind wir mit aktuell +10% doch recht gut unterwegs.

Grund ist die überraschend gute Performance des DAX, auf die keiner gesetzt hatte, und der überraschend schwache US-Dollar, der die US-Performance schmälerte. Diesen Effekt haben auch wir zu beklagen, doch offensichtlich haben wir insgesamt bessere Aktien ausgewählt, so dass unsere Performance doch zufriedenstellend ist.

Bleibt der US-Dollar so schwach? Und kommt Europa, und mit ihm dann auch Deutschland endlich aus dem Quark? Dann wird sich eine stärkere Gewichtung von DAX-Titeln im Portfolio lohnen. Ich bin bereits auf der Suche.

Ich denke, die KI-Revolution haben wir recht gut verstanden und für uns nutzen können. Wenn es jetzt positive Effekte in der Industrie geben wird, dann muss ich mich in diesen Bereich erst noch einarbeiten. Ich habe zwar fünf Jahre in der Chemie (Hoechst) gearbeitet und kann als VWLer die Konjunkturdaten verstehen. Doch in diesem Bereich bin ich nicht besser als andere Volkswirte: Wir können nachträglich alles erklären, aber unsere Prognosen sind nichts für die Galerie.

Das ist der Bereich, den ich im kommenden Jahr mit Hilfe der KI ausarbeiten möchte. Wir haben die animusX-Umfragedaten, die als Datenschatz zu sehen sind. Diese Daten möchte ich in Beziehung zur aktuellen Konjunkturverfassung setzen und daraus branchenspezifische Prognosen ableiten. Hört sich recht abgehoben an, aber es ist eigentlich genau das, was ich kann: Den ungeschliffenen Rohdiamanten namens KI nutzen, um diese komplexen Bereiche in eine sinnvolle Beziehung zu setzen - zunächst mathematisch und anschließend ausformuliert, so dass wir es verstehen.

Damit werde auch ich die KI immer stärker nutzen, jedoch ohne mich auf sie zu verlassen. Wenn heute Kollege ChatGPT vielleicht einen Anteil von 5-10% am Heibel-Ticker hat, so könnte das im Laufe des kommenden Jahres in Richtung 50% steigen. Damit meine ich jedoch insbesondere die Recherche, nicht das Einordnen der Ergebnisse. Das wird wohl noch eine Weile meine Leistung bleiben.

Nun ja, nun habe ich doch ein wenig über die Zukunft philosophiert. Ich denke, mein Bereich ist prädestiniert für die intensive Nutzung von KI. Ich möchte mit dem Heibel-Ticker zeigen, wie die KI sinnvoll eingesetzt werden kann.

Im abgelaufenen Jahr haben wir bereits die Bloomberg-Daten intensiv genutzt. Ich meine, dadurch konnte ich mir zu vielen Aktien ein deutlich besseres Bild erarbeiten, als dies früher der Fall war. Ein erstes Resultat daraus sind die weniger hektischen Umschichtungen im Heibel-Ticker Portfolio. Auch bei Bloomberg habe ich noch einige Ideen, wie wir das intensiver für uns nutzen können.

Tatsächlich bin ich schon mittendrin im Verfeinern spezieller Analyseübersichten, mit deren Hilfe ich mir immer schneller eine fundierte Meinung zu den Aktien in unserem Universum bilden kann.

So, das soll's erstmal gewesen sein. Ich wünsche Ihnen besinnliche Weihnachtstage, wir lesen uns zum Jahreswechsel.



5. Update beobachteter Werte: Capital One Financial, Amazon, Novo Nordisk



Im Wochenverlauf habe ich Updates zu unseren Portfolio-Titeln verfasst. Diese erhalten Sie nachfolgend zusammen aufgeführt.

Die Updates finden Sie generell jeweils nach der Veröffentlichung verfügbar unter Heibel-Ticker -> Portfolio -> 10 neueste Einträge und mit der Express-Funktion erhalten Sie die Updates direkt unterwöchig per E-Mail und SMS.

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Capital One Financial: Kurszielanhebung durch zwei Analysten



Do, 18. Dezember um 10:39 Uhr
Die Bank of America und Morgan Stanley haben diese Woche beide das Kursziel für Capital One angehoben. Die BofA nennt die guten Kreditkartenzahlen als Grund. Dort seien weniger Zahlungsausfälle zu verzeichnen als ursprünglich angenommen, so dass die Gewinnerwartung leicht angehoben wurde. Tatsächlich meldete Capital One am Dienstag für November eine Ausfallquote von 4,01% statt der erwarteten 4,57% und Abschreibungen auf notleidende Kredite in Höhe von 5,02% statt der erwarteten 6,08%.

Morgan Stanley schaut bereits auf das Jahr 2026. Synergien mit dem übernommenen Kreditkartenbetreiber Discover Financial und weitere Verbesserungen bei Kreditausfällen dank einer anziehenden Konjunktur stützen die Gewinnentwicklung. Dadurch werde Capital One in der Lage sein, 2026 Aktien im Wert von 13,4 Mrd. USD und 2027 im Wert von 14,2 Mrd. USD zurückzukaufen. Insgesamt also 27,6 Mrd. USD bei einer Marktkapitalisierung von aktuell 152 Mrd. USD macht stolze 18% der ausstehenden Aktien aus, die in den kommenden zwei Jahren vom Markt genommen werden könnten. Das ist gigantisch! Normalerweise betragen Aktienrückkäufe in einem so kurzen Zeitraum 2-3%, manchmal stolze 5% und mir ist nur ein Fall bekannt, in dem diese Quote Richtung 10% ging.

Damit zeichnet sich eine Entwicklung ab, die ich durch die Übernahme von Discover erwartete: Die Qualität der ausgegebenen Kredite verbessert sich deutlich, da das vergrößerte Unternehmen wesentlich mehr Daten zugrunde legen kann, um die Solvenz der Kreditnehmer zu bestimmen. Außerdem sorgen Synergien zusätzlich für frei werdende Mittel, die im Sinne der Aktionäre, also für Aktienrückkäufe, genutzt werden.

Aktuell notiert Capital One auf einem EV/EBITDA von 11. Der Gewinn wächst mit 27% p.a. Ich denke, die Aktie wird im Jahr 2026 durchstarten :-)

Alle Updates zu Capital One Financial


Amazon: Die falsche Erholungsrallye



Do, 18. Dezember um 14:33 Uhr
Die KI-Blase, die es meiner Ansicht ausschließlich bei Oracle, OpenAI und Softbank gab, platzt gerade. Die anderen KI-Unternehmen werden mit nach unten gezogen, Anleger positionieren sich in Industrieaktien und Dividendentiteln. Ich gehe nicht davon aus, dass wir eine Marktphase vor uns haben, die mit dem Platzen der Internetblase, die von März 2000 bis März 2003 dauerte, zu vergleichen ist. Vielmehr müssen nur einzelne Marktteilnehmer diszipliniert werden.

Gestern verkündete Amazon plötzlich, man werde 10 Mrd. USD in OpenAI investieren und OpenAI werden den von Amazon entwickelten KI-Chip Trainium für 10 Mrd. USD einkaufen. Sofort zirkulierten wieder die Vorwürfe des "Circular Investing", der Zirkelinvestitionen. Amazon hat zu viele Trainium-Chips und gibt nun OpenAI, die händeringend Rechenkapazität aufbauen müssen, 10 Mrd. USD, damit OpenAI die Trainium-Chips kauft. Im Schwabenländle würde man sagen, das hat ein Geschmäckle.

Erinnerungen an die Nvidia-Investition in OpenAI kommen hoch: Mit 100 Mrd. USD möchte sich Nvidia an OpenAI beteiligen. OpenAI werde Nvidia-Chips im Wert von 100 Mrd. USD kaufen. So lautete die Meldung vor zwei Monaten. Anlässlich der gestrigen Vorgänge fragte man bei Nvidia nach. CFO Colette Kress teilte mit, dass die Transaktion bis heute noch nicht vollzogen sei.

Dann ist da noch die Transaktion zwischen Disney und OpenAI: vor einer Woche verkündete Disneys CEO Bob Iger, 1 Mrd. USD in OpenAI zu investieren. Im Gegenzug werde OpenAIs Video-KI Sora die Disney-Charaktere anbieten. Ich habe das nicht ganz verstanden: Warum zahl Disney an OpenAI? Wäre es nicht viel einleuchtender, wenn OpenAI dafür zahlt, die Disney-Charaktere nutzen zu dürfen?

Nun ja, OpenAI sammelt also Kapital ein, um die angekündigten Investitionen stemmen zu können. Gleichzeitig schwenkt der Appetit der Anleger weg von den KI-Modellen für Privatkunden (B2C) und hin zu industriellen Angeboten (B2B). Ich sehe OpenAI sehr skeptisch.

Und gerade OpenAI zwingt Meta zu hohen Investitionen in den Ausbau der KI-Infrastruktur, damit OpenAI nicht etwa in den Bereich der Social eindringt. Und OpenAI zwingt auch Amazon und Alphabet zu hohen Investitionen, damit OpenAI nicht plötzlich Business-Anwendungen und Cloud-Angebote in Konkurrenz zu den beiden Marktführern in Stellung bringt. Und auch Microsoft, Partner von OpenAI, investiert, um die Abhängigkeit von OpenAI zu mindern.

Der wichtige Unterschied: Im Gegensatz zu OpenAI verfügen die anderen Hyperscaler über ausreichend Cash, um ihre Investitionen zu stemmen. Dennoch brechen deren Aktien derzeit ebenfalls ein, weil Anleger befürchten, dass sie "überinvestieren". Es wird zu viel KI-Infrastruktur aufgebaut, die später vielleicht gar nicht benötigt wird - einfach nur, um OpenAI zu zeigen, dass es keinen Sinn hat, in diesem oder jenen Bereich überhaupt daran zu denken, in den Wettbewerb einzusteigen.

Oracle, der Auftragnehmer von OpenAI, setzte vor einigen Wochen ein versteinertes Lächeln auf: Natürlich wird man all das bauen, was OpenAI in Auftrag gegeben hat. Und falls OpenAI zwischenzeitlich auf der Strecke bleiben sollte, dann wird es genügend andere geben, die sich über diese Rechenleistung freuen.

Das mag sein. Aber die Finanzierung bei Oracle wird stark angezweifelt. Die Oracle-CDSs, also die Ausfallversicherungen für Oracle-Unternehmensanleihen, schießen seit Wochen in die Höhe. Ich denke, dass kann nicht gut ausgehen.

Oder anders ausgedrückt: Wir haben hier ein stichfestes Ereignis in der Zukunft, das den Boden dieser Korrektur beschreiben wird: Wenn Oracle und/oder OpenAI die Investitionspläne zusammenstreichen, wenn die Hyperscaler ihre Investitionsabsichten auf ein vernünftiges Maß stutzen, dann werden gerade die Aktien der Hyperscaler wieder in die Höhe schießen. Die Hyperscaler haben das Geld. Die Aktien fallen derzeit, weil man fürchtet, dass sie sich übernehmen. Anzeichen der Vernunft werden Anleger sofort wieder zu diesen Aktien ziehen, denn die Bewertungen sind wirklich günstig.

Gestern Abend veröffentliche Micron Quartalszahlen, die über den Erwartungen lagen. Der Ausblick wurde angehoben, die Börse jubelt. Heute erleben wir eine Erholungsrallye. Ich habe dieses Update mit "die falsche Erholungsrallye" betitelt. Falsch, weil die Zahlen von Micron zeigen, dass die Nachfrage nach deren Speicherlösungen noch immer viel zu hoch ist. Micron und seine Wettbewerber haben von Anfang an den Wahnsinn nicht mitgemacht, die Fertigungskapazitäten massiv auszubauen. Das hätte einen ruinösen Wettbewerb zwischen den wenigen Anbietern von Speichern ausgelöst. Vielmehr hat man diszipliniert das Angebot beliefert und Wartelisten angelegt.

Die Preise für Speicher springen in die Höhe, weil die Nachfrage in den Himmel gewachsen war. Ich weiß nicht, ob das bereits das richtige Signal ist, dass den Boden der Korrektur beschreibt. Na, hoffen dürfen wir. Vielleicht folgen ja noch vor Weihnachten weitere Meldungen, die in meine oben aufgezeigte Entwicklung passen (Investitionskürzungen). Aber die guten Q-Zahlen von Micron allein dürften nur für ein kurzes Strohfeuer ausreichen.

Zeithorizont? Na, ich habe den Eindruck, dass OpenAIs Allerwertester bereits auf Grundeis gegangen ist. Das von mir oben beschriebene Szenario, das einen Boden dieser Korrektur auslösen dürfte, kann nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das heißt: Tage oder maximal wenige Wochen ... hoffentlich.

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Novo Nordisk: Bewertung am Boden, Aktie sinkt auch bei schlechten Nachrichten nicht mehr: Nachkaufen



Do, 18. Dezember um 19:52 Uhr
Die Aktie von Novo Nordisk ist in diesem Jahr unsere größte Verlustposition. Der Konzern ist auseinander gefallen: Der Vorstand wurde nach Hause geschickt. Danach wurde der Aufsichtsrat ausgetauscht. Der neue Vorstand arbeitet sich noch durch das Chaos und gab bislang noch keinen neuen Ausblick.

Mitte November einigten sich Novo und Lilly mit der Trump-Administration auf niedrigere Verkaufspreise für die GLP-1 Medikamente. Das bedeutet zum einen weniger Gewinn je verkaufter Spritze. Aber auf der anderen Seite werden die Spritzen künftig von den US-Krankenkassen übernommen, so dass mehr Patienten darauf zugreifen können.

Nun geht es also darum, möglichst viele "Indikationen" für die GLP-1 Medikamente zu finden. Indikationen sind Krankheiten, bei denen das Medikament hilft. Wir wissen seit langem, dass Übergewicht die Ursache vieler Folgekrankheiten ist: Herzinfarkt-Risiko, Schlaganfall-Risiko und orthopädische Probleme werden geringer, wenn man weniger übergewichtig ist. Auch Alzheimer könnte damit verlangsamt werden, so die Hoffnung. Doch ebenfalls Mitte November veröffentlichte Novo Studienergebnisse, die bei der Demenz leider die gesteckten Studienziele verfehlten. Das Unternehmen hatte im Vorfeld bereits angekündigt, dass dies ein Langstreckenlauf sei und dass die Erfolgswahrscheinlichkeit gering sei, dennoch brach die Aktie nochmals um 10% ein.

Nun richten wir den Blick auf 2026, und auch das sieht noch nicht wirklich viel besser aus. Oder anders gesagt: Es drängt sich mehr und mehr der Eindruck auf, dass Eli Lilly an Novo Nordisk vorbei zieht.

Eli Lilly beantragte diese Woche die Zulassung der ersten GLP-1 Pille (Orforglipron), die täglich einzunehmen ist und das Gewicht wohl um 12,4% senkt. Novo Nordisk beantragte ebenfalls diese Woche eine neue Spritze (CagriSema), die nur noch einmal pro Woche zu injizieren ist und das Gewicht um 20,4% senkt. CagriSema hat weniger Nebenwirkungen als das bisher verkaufte GLP-1 Medikament Wegovy (Verdauungsprobleme).

Was wird sich wohl durchsetzen? Nun, Lilly und Novo haben die Antwort bereits gegeben. Während Novo für 2026 von einem stagnierenden Umsatz ausgeht, investierte Lilly in die Fertigungskapazitäten für die Pille und möchte den Umsatz um 33% steigern. Es ist wohl für viele Patienten wichtiger, einfach täglich eine Pille einwerfen zu können, statt sich wöchentlich eine Nadel ins Bein zu jagen. Spiel, Satz und Sieg Lilly?

Aktuell sieht es so aus, als hätte Lilly alle Karten auf der Hand. Novo versank im Chaos, eine neue Strategie lässt auf sich warten.

Dafür steht die Aktie von Lilly auf einem EV/EBITDA von 36, die von Novo bei nur 9. 63 Mrd. USD Jahresumsatz bei Lilly werden mit einem Unternehmenswert von 1 Billionen USD bewertet. Novo setzt 48 Mrd. USD um und wird mit nur noch 223 Mrd. USD bewertet.

Wie steht es eigentlich um die GLP-1 Pille von Novo? Nun, darüber lese ich unterschiedliche Meldungen. JP Morgan rechnet für 2026 mit Pillen von beiden. Die von Novo sei einfach die "oral semaglutide" Version der Semaglutide-Spritze Wegovy und werde im Jahr 2026 einen Marktanteil von 21% einnehmen, während Orforglipron von Lilly 60% Marktanteil erobern wird. Ich verstehe jedoch nicht, warum oral Semaglutide von Novo maximal eine Nebenbemerkung ist, während Orforglipron mit einer neuen Pille von Novo verglichen wird, die erst 2028 auf den Markt kommen soll. Bei der Wirkung ist die Pille von Novo (16,6% Gewichtsverlust in 64 Wochen) der von Lilly (11,2% Gewichtsverlust in 72 Wochen) überlegen.

Tja, da hatte ich gedacht, mit Novo ein Pharma-Unternehmen in unser Portfolio zu holen, das leicht zu verstehen ist, weil es nur ein Produkt gibt. Entweder habe ich mich da mächtig geirrt, oder aber die Aktie ist zu Unrecht auf dem niedrigen Niveau. Seit Ende Juli pendelt die Aktie um die 40 Euro. Ich möchte diese Position nicht mit großem Verlust auflösen, wenn dann in ein paar Wochen der neue CEO seine Strategie verkündet und die Aktie dadurch vielleicht aus dem Keller springen kann. Oder andersherum gesagt: Ich denke, bei Novo sind inzwischen alle negativen Meldungen raus. Deutlich tiefer geht es auch bei neuen Hiobsbotschaften nicht mehr. Wenn nun irgendwann mal etwas ansatzweise positives kommt, dürfte die Aktie abheben.

Aktuell notiert die Aktie wieder nah an der 40 Euro-Marke. Unsere Position ist klein geschrumpft und eine - in meinen Augen doofe - Börsenregel besagt, man solle kein gutes Geld dem schlechten hinterher werfen. Das sind Regeln für Trader, die sich nicht um fundamentale Entwicklungen kümmern. Ich habe mir eine fundamentale Meinung gebildet ... und habe mich geirrt. Ich hatte nicht erwartet, dass Lilly so überlegen ist. Wieder einmal siegt die Marketing-Maschine der USA, gepaart mit einer Massenfertigung. Es ist ja nicht so, dass Novo auf den Spritzen sitzen blieb, Novo produzierte einfach zu wenig.

Somit würde ich unsere Position nun wieder von aktuell 4,5% Portfolioanteil auf 6% aufstocken. Ich erwarte nicht, dass die Aktie zum Jahresende noch deutlich ansteigt. Die oben genannte, doofe Börsenregel ist viel zu verbreitet und kein Finanzprofi möchte sich sagen lassen, er habe dagegen verstoßen. Insbesondere da er sich zum Jahresende dann seinen Kunden gegenüber rechtfertigen muss.

Als Privatanleger sind wir niemandem Rechenschaft schuldig, können also gegen Börsenregeln verstoßen, wenn wir es für sinnvoll halten. Ich würde dies also tun.

Alle Updates zu Novo Nordisk



6. Leserfragen





Finnischer Motorenbauer Wartsila Oyj


Sehr geehrter Herr Heibel,

ich wurde diese Woche auf ein Unternehmen aufmerksam gemacht, welche mir bisher absolut nicht bekannt war: Wärtsilä Oyj (WKN 881050)

Es ist ein finnisches Unternehmen mit einem auf den ersten Blick interessanten und aus meiner Sicht auch durchaus zukunftsfähiges Geschäft mit einer Dividendenrendite von um die 1,5%.
Ohne mich näher damit beschäftigt zu haben, weckte die Aktie durchaus Interesse bei mir.

Könnten Sie sich die Aktie einmal anschauen und mitteilen, was Sie von dem Unternehmen halten?

Vielen Dank vorab und schon mal ein frohes Weihnachtsfest für Sie und Ihre Familie!

Freundlichen Grüße aus Chemnitz
Sven aus Chemnitz

ANTWORT
Sie haben mir leider nicht gesagt, was genau Ihr Interesse weckt. Eine Dividendenrendite von aktuell 1,7% finde ich nicht besonders attraktiv, zumal diese bei Wärtsilä über die Jahre stark schwankt, also auch mal rückläufig ist.

Wachstum kann es auch nicht sein, mit rund 7-8% Umsatzwachstum entwickelt sich das Unternehmen solide, aber nicht besonders auffällig. Immerhin springt der Gewinn derzeit überproportional an: Im Vorjahr um 42% und im laufenden Jahr um 22%. Doch schon 2026 geht dieses überproportionale Gewinnwachstum auf 10% zurück. Da gab es offensichtlich einen Nachholprozess, der aber inzwischen vollzogen wurde.

Dies erklärt auch den sprunghaften Anstieg der Aktie im laufenden Jahr von 17 auf 30 Euro. Ich kann also nur vermuten, dass Sie aufgrund der guten Kursperformance auf die Aktie gestoßen sind und nun wissen wollen, was dahinter steckt. Nun, bilanztechnisch ist die Sache durch: Mit einem EV/EBITDA von aktuell 16 ist die Aktie fair bewertet. Anfang des Jahres stand dieses Verhältnis bei 8. Daraus ist abzulesen, dass die damals erwartete gute Gewinnentwicklung durch die Kursrallye nun eingepreist wurde.

Wärtsilä baut Motoren und Antriebssysteme für Schiffe und kleine Kraftwerke. Ein besonderes Augenmerk legt das Unternehmen auf die Dekarbonisierung, also auf umweltfreundliche Technologien. Ich kann jedoch keine besonderen Patente finden, mit denen Wärtsilä ein Alleinstellungsmerkmal in diesem Bereich einnehmen würde. Somit ist es in meinen Augen ein solide geführtes, derzeit gut laufendes finnisches Unternehmen.


RÜCKMELDUNG

Guten Morgen Herr Heibel,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung und Meinung! Genau diese Ausführung und Prüfung war quasi mein Anliegen.

Ich fand vor allem das Geschäftsfeld interessant, da ich es so verstanden habe, dass das Unternehmen an der Dekarbonisierung der Schifffahrt arbeitet, welche ja immer wieder aus umweltlichen Gesichtspunkten in Kritik steht.
Außer hatte ich die Info, dass die Firma den größten und leistungsstärksten Motor baut. Auch die Nutzung von solchen Motoren an Land als schnell hochfahrbare und verfügbare Leistung (innerhalb von 2 Minuten, wenn erneuerbare Energien kurzfristig wegbrechen) und der Bau von riesigen (und einer der größten weltweit) Batterienspeichern als Ersatz für Kohlekraftwerke in Australien klang spannend. Ich war mir nicht sicher, ob das Unternehmen dadurch einen gewissen Burggraben hat.
Als Fazit Ihrer Mail ziehe ich, dass das Unternehmen insgesamt nicht so spannend ist, wie ich es am Anfang angenommen hatte.

Vielen Dank dafür!

Freundliche Grüße
Sven aus Chemnitz


RÜCKANTWORT

Ahh, das sind ja wichtige Hinweise. Ich habe daraufhin nochmals gezielt nachgeschaut: JP Morgan hat eine aktuelle Einschätzung zur Technologie des Unternehmens gegeben (Wärtsilä Energy business deep-dive and key debates) und CEO Hakan Agnevall gab Ende November ein detailliertes Strategie-Update.

Hervorgehoben wird eine Technologie, mit der Schiffe heute schon auf Flüssiggas umstellen können, sich dabei gleichzeitig auf spätere grüne Brennstoffe vorbereiten. Maschinen also, die flexibel hinsichtlich der eingesetzten Brennstoffe sind. Das haben viele andere Anbieter auch, nicht zuletzt auch 2G Energy, die wir schon öfter besprochen haben.

Zudem wird hervorgehoben, dass Stromgeneratoren von Wärtsilä besonders schnell ab- und wieder angeschaltet werden können. Das ist besonders sinnvoll bei flexibler Nutzung zum Ausgleich von Solar- und Windenergiespitzen und -flauten. Hmm, ja, das ist richtig. Aber diese Technologie als umweltschonend darzustellen ist, naja, nicht falsch aber in meinen Augen weit hergeholt. Natürlich ermöglichen solche Technologien das weitere Aufrüsten mit Solar- und Windkraft. Und außerdem sind die modernen Maschinen von Wärtsilä CO2-arm. Und darüber hinaus sind solche Generatoren ein Garant für den Betrieb der modernen KI-Rechenzentren, die auf Spannungsschwankungen empfindlich reagieren. Daher ist das Geschäft tatsächlich in meinen Augen solide. Aber einen Burggraben in Sachen Umwelttechnologie hat das Unternehmen nicht.


Profitieren von Industriemetallen


Sehr geehrter Herr Heibel,

in welcher Form könnte man am besten von steigenden Preisen bei Industrie- und Edelmetallen profitieren? Sind hier ETF eine geeignete Option? Wenn ja, sollte die Zusammensetzung des ETF Industrie- und Edelmetalle enthalten?. Vielen Dank für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen, Hans-Jürgen aus Marl

ANTWORT
Edelmetalle empfehle ich bereits seit langem, so bspw. einen physisch gesicherten Gold-ETC. Der ETF-Preis errechnet sich direkt aus dem Wert der im Tresor befindlichen Goldbarren.

Für Industriemetalle gibt es das nicht, sie werden in „synthetischen“ ETFs abgebildet. Diese ETFs bilden die Preisentwicklung des Industriemetalls durch Futures ab, also durch Schuldverschreibungen. Sie unterliegen damit als Anleger nicht nur dem Emittentenrisiko, sondern auch dem Contango.

Der Haken – und das unterschätzen viele – ist der sogenannte Roll-Effekt: Wenn der Futures-Markt im „Contango“ ist (spätere Kontrakte teurer als nahe), kostet das Rollen dieser Kontrakte in längere Laufzeiten Rendite; bei „Backwardation“ kann es umgekehrt helfen. Damit gibt es bei synthetischen ETFs zusätzliche Renditetreiber oder Renditekiller, die bei längerem Halten solcher Produkte die reine Preisentwicklung der zugrunde liegenden Industriemetalle verzerren können. Für mich ist das nichts.

Schauen wir lieber nach Unternehmen, die von einem Anziehen der Industrienachfrage profitieren :-).



7. Übersicht HT-Portfolio




Spekulation (≈20%) =21,3%WKN19.12., 21:08 UhrWoche ΔΣ '25 ΔAnteil 8x2,5%!
PVA Tepla74610021,66 €-3%67%1,7%B
DELL TechnologiesA2N6WP108,20 €-4%26%2,9%C
Home Depot866953295,89 €-3%-22%1,9%A
SalesforceA0B87V221,44 €-1%-30%1,4%C
Capital One Fincl893413208,59 €3%30%2,9%A
TJX854854131,84 €-1%23%2,8%B
AppLovinA2QR0K613,88 €6%29%2,8%C
Boeing854854183,60 €5%15%2,5%A
AmazonA2QR0K195,27 €1%3%2,5%A






Disruptiv (≈30%) =34,5%WKN19.12., 21:08 UhrWoche ΔΣ '25 ΔAnteil 5x6%!
MediosA1MMCC13,42 €-1%2%3,6%C
Nvidia918422153,98 €2%16%7,5%A
Palo Alto NetworksA1JZ0Q160,07 €-1%-1%5,9%B
Novo NordiskA3EU6F41,50 €-3%-43%6,1%A
Apple865985231,75 €-2%16%7,0%A
TeslaA1CX3T410,70 €7%89%4,5%A







Dividende (≈30%) = 26,9%WKN19.12., 21:08 UhrWoche ΔΣ '25 ΔAnteil 5x6%!
CEWE540390100,40 €-1%-3%5,8%B
Allianz840400388,80 €2%31%5,3%B
Snap-On853887295,91 €-1%-10%6,0%A
Holcim86989882,75 €2%58%3,8%C
Yamaha8553145,89 €-1%-4%6,0%A







Absicherung (≈20%) =12,8%WKN19.12., 21:08 UhrWoche ΔΣ '25 ΔAnteil 3x6,6%!
Goldbarren /Uz9655153.705,21 €1%48%7,4%C
Symrise %-'12.25SYM772100,00%0%2%0,0%D
BitcoinA27Z3074.733,51 €-3%-17%5,5%B



Woche ΔΣ '25 ΔCashquote



0%9%4,4%

Heibel-TickerGewichtung# Positionenangestrebte Positionsgröße
PortfolioZielSollIstSollIst
SpekulationEreignis20%21,3%892,5%
DisruptivEnkelkinder30%34,5%566,0%
DividendeUrlaub30%26,9%556,0%
AbsicherungZins & Gold20%12,8%326,7%
Summe
100%96%2122100%


Anmerkungen:
- Die Überschrift über jedem Portfoliobereich in der jeweiligen ersten Spalte (bspw. Absicherung (≈20%) =21,8%) bedeutet: Der beabsichtigte Anteil dieses Portfoliobereichs am Gesamtportfolio beträgt ungefähr 20%. Aktuell beträgt der Anteil 21,8%.
- Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend.
- Unter „Woche” steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche.
- Unter „Σ 'XX Δ” steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn bzw. seit Aufnahme ins Portfolio.
- Unter „Anteil” finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am Gesamtdepot.

Unter ! steht zur Information meine Grundtendenz:

ATop-Aktie mit günstigem Kurs, 
BKursrücksetzer zum Kaufen nutzen 
CKurssprünge zum Verkaufen nutzen, 
Dbei Gelegenheit Verkaufen, 
ESofort Verkaufen 


Die „Gelegenheit” zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.

Ich habe diese Spalte „!” insbesondere für neue Mitglieder vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.

Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:
- Dividenden- + Wachstumspositionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,
- Zyklische Positionen in zwei Schritten aufbauen: 50%-50%,
- Spekulative Positionen ganz oder gar nicht: 100%.

Die letzte Spalte wird für eine Einschätzung der Auswirkung aktueller Entwicklungen auf die jeweilige Portfolioposition genutzt. „%“ stuft den Einfluss der Inflation auf das jeweilige Geschäftsmodell ein.

Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll, allenfalls Stopp Loss Marken für unseren Spekulationen werde ich bisweilen im Text bekanntgeben.

Eine erfolgreiche Börsenwoche,
take share

Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

https://www.heibel-ticker.de




8. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise



Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.

Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar.

Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren.

Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen

DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5436
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag



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