Heibel-Ticker PLUS Börsenbrief
- Einfach einen Tick besser -
21. Jahrgang - Ausgabe 04 (23.01.2026)
Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:
| 1. | Info-Kicker: Portfolioabsicherung: Dieses Papier gehört in jedes Anlegerportfolio |
| 2. | So tickt die Börse: Anleger reagieren skeptisch auf Grönland-Lösung |
| - Wochenperformance der wichtigsten Indizes | |
| 3. | Sentiment: Reinigende Korrektur ermöglicht bullische Prognose |
| - Interpretation | |
| 4. | Ausblick: Neue Absicherungsposition für unser Heibel-Ticker Portfolio |
| 5. | Update beobachteter Werte: Applovin, Snap-On, Amazon, DAX, Applovin, Capital One Financial |
| - Applovin: Doch nicht | |
| - Snap-On: Teilverkauf, Cash generieren | |
| - Amazon: Verkaufen, kleinen Gewinn sichern | |
| - DAX: Einkaufsliste: Applovin und Nike | |
| - Applovin: Short-Attacke, Aktie schon wieder ausgestoppt | |
| - Capital One Financial: Durchwachsene Q-Zahlen belasten die Aktie | |
| 6. | Leserfragen |
| 7. | Übersicht HT-Portfolio |
| 8. | Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise |
| 9. | Mitgliedschaft verwalten |
1. Info-Kicker: Portfolioabsicherung: Dieses Papier gehört in jedes Anlegerportfolio
Liebe Börsenfreunde,
Nach der Grönland-Lösung bleibt der Markt mißtrauisch: Zwar holten viele Titel die Trump-bedingten Verluste teilweise auf, doch der DAX liegt auf Wochensicht noch 1,8% hinten. Im Hintergrund bremst die Berichtssaison: Finanzwerte hatten viel vorweggenommen, selbst gute Quartalszahlen führen eher zu Gewinnmitnahmen. Währenddessen treiben Trader den Speicherchip-Hype. In Kapitel 2 lesen Sie, was mir diese Woche auffiel.
Unsere Sentiment-Umfrage liefert diese Woche gleich zwei starke, bullische Signale, die jedoch mit Vorsicht zu genießen sind. In Kapitel 3 zeige ich die aktuelle Gemütslage der Anleger auf und leite daraus Prognosen für die Finanzmärkte ab.
Unser Heibel-Ticker Portfolio hatte seit Dezember eine Absicherungsposition "vakant". Unsere festverzinsliche Anleihe war fällig und ich fand keinen geeigneten Nachfolger. Auf meiner Suche nach einem anderen Papier, das ich als Absicherung für unser Portfolio eignet, bin ich nun fündig geworden. Naja, eigentlich weiß ich schon seit vielen Jahren, dass so eine Komponente in das Depot eines jeden Privatanlegers gehört, ich fand nur noch keine Gelegenheit, ein passendes Papier für uns aufzunehmen. Jetzt ist der Zeitpunkt gut. Die Details dazu lesen Sie in Kapitel 4.
Wie immer gibt es eine Reihe von Updates, sechs an der Zahl, die ich im Wochenverlauf schrieb. Wir haben diese Woche ein paar Verkäufe und auch Käufe vorgenommen, um unser Portfolio an die geänderte Marktsituation anzupassen. In Kapitel 5 sind die Updates dieser Woche abgedruckt.
Zu meiner zurückhaltenden Beantwortung einer Steuerfrage vor einer Woche meldete sich nun ein Heibel-Ticker Mitglied mit einer kurzen und klaren Antwort. Ich habe die Antwort für Sie in Kapitel 6 bei den Leserfragen aufgenommen. Dort diskutiere ich auch darüber, ob die KI Softwareunternehmen wie SAP überflüssig machen wird, ob Stablecoins eine Alternative zum Bitcoin darstellen, und welche Zukunftschance ich dem XRP Ripple gebe.
Wie immer gibt es eine tabellarische Übersicht über unser Heibel-Ticker Portfolio in Kapitel 7.
Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr Börsenschreibel
Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs
2. So tickt die Börse: Anleger reagieren skeptisch auf Grönland-Lösung
Grönland bleibt also dänisch, Trump bekommt seinen Golden Dom, die Raketenabwehr, und darf dafür auch Grönland nutzen. Die Rede von Donald Trump in Davos klang sehr versöhnlich. Es regte sich Widerstand gegen seine Eroberungspläne im eigenen Land und sogar in der eigenen Partei.
So holten viele Aktien ihre Kursverluste, die sie zu Beginn der Woche in Folge der Drohungen Trumps erlitten, teilweise wieder auf. Doch der DAX notiert zur Stunde (12:17 Uhr) auf Wochensicht noch immer mit 1,8% im Minus. Die Erholung bleibt sehr zögerlich, zu oft konnte man sich auf die Versprechen Trumps nicht verlassen.
Ich sehe jedoch die zögerliche Entwicklung eher vor einem anderen Hintergrund: In den USA befinden wir uns mitten in der Berichtssaison, die Finanztitel haben größtenteils bereits ihre Q-Zahlen vorgelegt. Doch manchmal ist es völlig egal, wie die Zahlen ausfallen. Aktien von Banken und Finanzdienstleistern sind in den vergangenen Monaten so stark angestiegen, dass selbst die besten Q-Zahlen keinen zusätzlichen Kursschub mehr erzeugen können, und so kommt es zu Gewinnmitnahmen.
Und wenn die Aktien von Banken fallen, dann ist das ein Warnsignal für die Konjunktur, so haben wir das zumindest gelernt. Daher zögern Anleger mit Aktienkäufen. Man wartet lieber erst einmal ab, wie die anstehenden Q-Zahlen in der Industrie, im Technologiesektor und in anderen Bereichen ausfallen. Die Fallhöhe ist zu hoch, als dass man kurz vor so wichtigen Zahlen noch mehr ins Risiko gehen möchte.
Nicht Anleger, sondern Trader treiben die Aktien von den Speicherchip-Anbietern in den Himmel: Seagate, Micron, Western Digital und SanDisk springen auch diese Woche weiter von Hoch zu höherem Hoch. Micron gab den Bau einer neuen Chipfabrik im Staat New York bekannt, 100 Mrd. USD sollen dort investiert werden und 50.000 Jobs schaffen. Die Fertigstellung der Fabrik werde vier Jahre in Anspruch nehmen, so Micron-CEO Sanjay Mehrotra.
Es wird also endlich wieder investiert. Das ist keine Überraschung, die Maschinenbauer der Chipindustrie befinden sich ebenfalls seit vielen Monaten schon auf einem Höhenflug: Lam Research, KLA Tencor und Applied Materials. Auch unsere Infineon und Siltronic legten in den vergangenen Monaten jeweils um über 30% zu.
Wir sind mit einer kleinen, spekulativen Position an diesem Hype beteiligt. Ich muss mir daher nicht vorwerfen, diese Rallye verpasst zu haben. Aber wer noch nicht dabei ist, der sollte jetzt sehr vorsichtig sein. Die Aktien steigen aufgrund der temporären Knappheit, die für exorbitant hohe Preise für DRAM-Speicher sorgt. Die Unternehmen profitieren also nur temporär, trotzdem werden deren Aktien bewertet, als würden diese Wachstumsraten ewig anhalten.
Bei SanDisk geht man beispielsweise von einer Gewinnverdopplung im kommenden Jahr aus. Vor diesem Hintergrund sieht das Bewertungsverhältnis EV/EBITDA von 23 recht moderat aus. Doch schon für das darauffolgende Jahr wird dann ein Gewinnrückgang von 7% erwartet. Wenn Spekulanten diese Kennziffer sehen, werden sie die Aktie ohne Rücksicht auf Verluste verkaufen. Ich kann Ihnen nicht sagen, wann genau das der Fall sein wird, ich weiß aber, dass es irgendwann genau so kommen wird. Das haben wir gerade bei den Speicherchip-Herstellern oft genug gesehen. Also: Seien Sie bitte vorsichtig.
Anders sieht es für mich bei Siemens Energy aus: Die Aktie klettert auch von Hoch zu Hoch. Seit der Korrektur im vergangenen April legte die Aktie 250% zu. Doch die Nachfrage ist real, wir haben nicht genug Energie in unserem Land und wenn hier irgendwann auch mal neue KI-Rechenzentren gebaut werden sollten, bislang macht dies nur die Schwarz-Gruppe, dann wird die Nachfrage nach den komplexen Kraftwerken weiter anziehen. Ich warte schon seit Monaten auf eine Kaufgelegenheit, doch nennenswerte Rückschläge gab es nicht.
Und noch immer ist die Aktie nicht teuer. Das EV/EBITDA steht bei 19, für die kommenden drei Jahre wird ein Gewinnwachstum von 20-30% p.a. erwartet.
Anders als bei den Speicherherstellern, wo eine neue Fabrik das Angebot sprunghaft nach oben katapultieren kann, wird man die Kapazität für den Bau von Kraftwerken nicht so einfach nach oben schrauben können. Die Wartezeiten werden länger, die Preissetzungsmacht von Siemens Energy wird größer werden. Viele sprechen bei den geplanten Investitionen in KI-Rechenzentren von der natürlichen Bremse durch den erforderlichen Ausbau der Energieversorgung.
Könnte auch hier eine neue Technologie für eine sprunghafte Revolution sorgen? Es wird viel über die modularen kleinen Kernkraftwerke gesprochen, die "in Kürze" marktreif seien. Solche Prognosen sind jedoch eher in reißerischen Börsenbriefen zu finden als in den seriösen Research-Berichten aus der Energiebranche. Ich halte diese Lösung für weit entfernt.
Also, selbst Anfang dieser Woche war die Aktie von Siemens Energy kaum im Minus. Ich warte weiter ab.
Schauen wir mal, was die wichtigsten Indizes im Wochenvergleich gemacht haben:
Wochenperformance der wichtigsten Indizes
| INDIZES | 23.1., 15:51 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ |
| DAX | 24.824 | -1,9% | 1,4% |
| S&P 500 | 6.901 | -0,6% | 0,8% |
| Nikkei | 53.847 | -0,2% | 7,0% |
| Shanghai A | 4.703 | -0,6% | 1,6% |
| Euro/US-Dollar | 1,17 | 1,3% | 0,0% |
| Euro/Yen | 185,91 | 1,4% | 1,3% |
| 10-Jahres-US-Anleihe | 4,24% | 0,02 | 0,08 |
| Umlaufrendite Dt | 2,80% | 0,07 | 0,02 |
| Feinunze Gold | $4.952 | 7,7% | 14,6% |
| Fass Brent Öl | $65,94 | 2,8% | 8,4% |
| Kupfer | $12.756 | -0,4% | 2,7% |
| Baltic Dry Shipping | $1.761 | 12,4% | -6,2% |
| Bitcoin | $88.797 | -6,7% | 1,2% |
3. Sentiment: Reinigende Korrektur ermöglicht bullische Prognose
Puh, da rutschte den Anlegern am Montag nach der Drohung von Donald Trump das Herz in die Hose. Donald Trump wird zufrieden sein mit der Reaktion: Selbst seine Freunde fürchteten, dass er militärisch gegen sie vorgeht. Wie sonst will er verhandeln, wenn man ihm solche Behauptungen nicht abnimmt?Nun, der DAX brach ein, Europa holte zum Gegenschlag aus. Dann trat ein versöhnlicher Donald Trump in Davos auf und die Wogen glätteten sich. Dennoch konnte der DAX seine Verluste bis zum Ende dieser Woche nicht aufholen. Anleger bleiben verunsichert.
Unser Anlegersentiment sackt diese Woche von 3,3 auf nur noch 1,4 ab. Der letzte Schluck des Cocktails von der Party, die seit Anfang Dezember im Gange ist, landete in der Luftröhre, der Hustenanfall ist noch nicht ausgestanden. Aber eines scheint klar: Die Jahresend-, Weihnachts- und Neujahrsrallye scheint in den Augen der Anleger beendet zu sein.
Die Selbstzufriedenheit, in den vergangenen Wochen am Rande der Selbstüberschätzung notierend, bricht nach diesem Schock auf -0,9 ein. Man ist verunsichert. Hatte Trump wirklich die Absicht, militärisch vorzugehen? Ist es lediglich der politischen Lage geschuldet, dass er es nun nicht mehr tun möchte? Oder war es nur ein Bluff im Rahmen seiner Verhandlungen? Sein Ruf als skrupelloser Dealmaker ist ja weithin bekannt.
Obwohl der DAX diese Woche unterm Strich 1,7% abgab, bleibt die Zukunftserwartung mit einem Wert von -0,2 eher skeptisch.
Und auch die Investitionsbereitschaft bleibt mit einem Wert von 1,0 eher verhalten.
Das Euwax-Sentiment der Privatanleger, letzte Woche noch extrem bullisch, kehrt auf einen neutralen Wert von -0,5 zurück. Auch hier zeigt sich, dass die Bullen zurückgedrängt wurden. Nach dem heftigen Ausverkauf zum Wochenbeginn scheint das Abwärtsrisiko jedoch überschaubar, denn Absicherungen werden kaum gekauft.
Das Put/Call-Verhältnis für den DAX an der Eurex zeigt mit einem Wert von 1,46 ebenfalls einen moderaten Rückgang der zuvor in großer Überzahl vorhandenen Bullen.
In den USA fällt das Put/Call-Verhältnis (PCR) für Equities an der CBOE auf 0,52, das niedrigste Niveau der vergangenen 12 Monate. Bei vergleichbar niedrigen PCR-Werten war der Löwenanteil der Rallye meist schon gelaufen. Ein niedriger PCR-Wert ist zwar kein Signal für eine Korrektur, aber er zeigt, dass die Rallye nicht mehr jung ist.
Die Investitionsquote der US-Fondsmanager sinkt auf 88%. Damit ist auch hier die extrem bullische Positionierung der Vorwochen auf ein Normalmaß zurückgekommen.
Die Bulle/Bär-Differenz der US-Privatanleger liegt bei 10%punkten. 43% Bullen stehen 33% Bären gegenüber. Insbesondere das Bullenlager ist in der vergangenen Woche kleiner geworden, die ehemaligen Bullen gingen teils direkt ins Bärenlager, teilweise positionieren sie sich neutral.
Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt nunmehr mit 53% eine neutrale Verfassung der Märkte an.
Interpretation
Nach wie vor kann ich aus den Sentimentdaten keine akute Crashgefahr ableiten. Im Gegenteil: Der Schock zum Wochenbeginn hatte bereits eine stark bereinigende Wirkung. Die große Skepsis, die uns seit Beginn der Rallye Anfang Dezember begleitet, besteht nach wie vor. Und so wirklich überzeugte Käufer gibt es ebenfalls noch immer nicht. Im Gegenteil, die Selbstherrlichkeit, die in den vergangenen drei Wochen langsam einzog, ist schon wieder verflogen, eine leichte Verunsicherung kehrte ein.Das alles ist aus Sicht der Sentiment-Analyse gesund und ermöglicht eine baldige Fortsetzung der Rallye. Dafür spricht auch ein weiterer Indikator, den wir in unserer umfangreichen animusX-Umfrage erheben: Die geringe Cashquote. Seit 20 Jahren erheben wir wöchentlich die Sentiment-Daten. Nur zweimal war in dieser Zeit, immerhin 20 Jahre x 52 Wochen = 1.040 Erhebungen, die Cashquote der Anleger niedriger als heute.

Abbildung 1: Die Cashquote unserer Umfrageteilnehmer ist so niedrig wie erst zweimal zuvor in den vergangenen 20 Jahren
Offensichtlich haben Anleger den Crash Anfang der Woche genutzt, um Positionen aufzubauen. Beide Vergleichsereignisse fanden im Sommer 2024 statt. In den darauffolgenden 6 Monaten stieg der DAX um durchschnittlich 19,2% an. Na, wenn das kein bullisches Omen ist :-).
GOLD
Nur einmal in den vergangenen zwei Jahren war die Stimmung am Goldmarkt besser als heute: Das war im Februar letzten Jahres. Der Goldpreis stieg in den folgenden 6 Monaten um 17,8% an.

Abbildung 2: Goldstimmung so gut wie nur einmal zuvor
Natürlich können aus nur zwei oder nur einem Referenzereignis aus der Vergangenheit keine statistisch belegbaren Prognosen abgeleitet werden. Stimmungsindikatoren zeigen lediglich auf, was möglich ist und setzen dort Grenzen, wo Stimmungsschiefstände eine bestehende Entwicklung beenden. Aktuell liegt kein Stimmungsschiefstand vor, daher reicht dieses Stimmungsbild allein nicht für die Prognose. Doch das Stimmungsbild zeigt, was möglich ist.
4. Ausblick: Neue Absicherungsposition für unser Heibel-Ticker Portfolio
Alea iacta est, die Würfel sind gefallen. Ich hole einen Nasdaq-ETF in unser Portfolio. Damit korrigiere ich endlich, was mich schon seit vielen Jahren in Erklärungsnot bringt.
Jedem, der mich fragt, wie man am besten mit dem Investieren anfangen sollte, empfehle ich zunächst den Kauf eines endlos laufenden Index-ETFs. Sei es ein ETF auf den DAX, auf den S&P 500 oder auch auf den MSCI World, das ist mir egal. Je nach Vorliebe kann man sich da mit wenig Risiko an das Börsengeschehen ankoppeln. Und in der Regel fährt man mit diesen ETFs besser als mit den meisten Fonds und sogar fast so gut wie mit dem Heibel-Ticker :-)
Der Nachteil ist in meinen Augen, dass ETF-Anleger in Crashphasen nicht aussteigen oder auch nicht zumindest ihr Engagement reduzieren. Aber genau das sind die Marktphasen, in denen wir mit dem Heibel-Ticker Portfolio die Verluste reduzieren und dadurch langfristig besser unterwegs sind, als die Indizes.
Aber was soll's: Bevor man jahrelang wie das Kaninchen regungslos vor der Schlange hockt und keine einzige Aktie kauft, sollte man lieber sofort mit Index-ETFs starten. Und wenn man sich dann ein wenig mit dem Börsengeschehen angefreundet hat, kann man sich ja ein paar Lieblingsaktien zusätzlich holen. Da hilft dann der Heibel-Ticker.
Ich hatte bislang den Index-ETF im Heibel-Ticker stets außer acht gelassen, weil ich davon ausging, dass dies eigentlich jeder individuell für sich schon längst entschieden und umgesetzt hat. Doch dass dem nicht so ist, weiß ich eigentlich schon seit vielen Jahren. So korrigiere ich nun, was eigentlich schon seit vielen Jahren Bestandteil eines jeden Portfolios von Privatanlegern sein sollte: Eine Index-Komponente, um am Börsengeschehen teilzuhaben, ohne sich in einzelnen Aktien irren zu können.
Ich habe mich für den Nasdaq-ETF von Xtrackers entschieden. Der Xtrackers NASDAQ 100 ETF (WKN A2QJU3, ISIN IE00BMFKG444) war der Sieger unseres ETF-Sparen Projekts, das ich im vergangenen Frühjahr mit meinem Schülerpraktikanten ausarbeitete. Wir verglichen die 30-Jahresperformance der wichtigsten Indizes miteinander und suchten ETFs mit der günstigsten Kostenstruktur. Wir berücksichtigten Dividenden und gingen von thesaurierenden ETFs aus.
Der Nasdaq100 erzielte inkl. Dividenden bei Wiederanlage der Dividenden (thesaurierend) eine Rendite von 14,86% p.a. Ich habe nun überlegt, ob sich die vergangenen 30 Jahre in die Zukunft extrapolieren lassen und bin der Ansicht: Ja.
Mag sein, dass Software durch die KI-Revolution künftig weniger Wert ist. Gerade Softwareunternehmen haben die Nasdaq-Entwicklung der vergangenen 30 Jahre getrieben: Microsoft, SAP, Oracle, ... Das lässt sich natürlich nicht eins zu eins in die Zukunft projizieren. Aber im Nasdaq sind auch andere Technologieunternehmen enthalten: Nvidia, Broadcom, Tesla, Amgen, Axon, Biogen, und viele andere Branchen, die durch Technologie ihre Produkte verbessern. Wenn man also die Errungenschaften der KI irgendwo mitnehmen möchte, dann dürfte dies im Nasdaq 100 am besten gelingen. Und somit ist dieser Index für mich auch für die kommenden Jahrzehnte der aussichtsreichste Index.
Seit dem vergangenen Herbst läuft der Nasdaq 100 seitwärts. Insbesondere die magischen Sieben werden verkauft, um Cash zu generieren. Ich berichtete darüber. Es ist eine willkommene Verschnaufpause, aber nicht das Ende der technologiegetriebenen Innovationen. Somit halte ich es nun für einen guten Zeitpunkt, diesen Index in Form eines ETFs in unser Heibel-Ticker Portfolio zu holen.
Zum Jahreswechsel hatte ich angekündigt, mich nach anderen Instrumenten umzuschauen und es wurden mir einige interessante Alternative Investments vorgeschlagen. Doch die meisten Vorschläge waren nicht liquide und für mich ist es eine wichtige Voraussetzung bei der Vermögenssicherung, dass man die enthaltenen Werte jederzeit zu Geld machen kann.
Mit dem Index sichern wir uns gegen Fehler ab. Fehler bei der Auswahl unserer Einzeltitel, die ich mit großer Begeisterung immer wieder auf ihre Geschäftsmodelle abklopfe. Natürlich mache ich Fehler und die schmerzen um so mehr, wenn wir in falsche Branchen investiert haben, während andere Bereiche in den Himmel stürmen. Mit diesem Index-ETF werden die Folgen der Fehler ein wenig abgemildert. Insofern ist es eine Absicherung gegen Fehler.
Anleihen möchte ich derzeit grundsätzlich nicht mehr in unser Portfolio holen. Grundsätzlich heißt natürlich, dass ich da gegebenenfalls eine Ausnahme machen kann. Aber grundsätzlich heißt auch, dass ich den Schuldenstand vieler Regierungen für so hoch halte, dass ich mich in dieser Ecke der Finanzwelt nicht wohl fühle.
Also: Der Nasdaq 100 ETF ist eigentlich die natürliche Komponente, die ich in den vergangenen Jahren sträflich ignoriert habe. Unsere Absicherungspositionen sollen 6,6% Portfolioanteil ausmachen. Ich würde die Position in zwei Käufen a 3,3% aufbauen, den ersten Kauf würde ich nun bei nächster Gelegenheit (also Montag früh) tätigen.
Kurzer Ausblick: Ich habe keine Ahnung, wie die Zwischenwahlen in den USA im November letztlich ausfallen werden. Aber ich halte es für unwahrscheinlich, dass Trump danach noch mit seiner erratischen Aktionsweise fortfahren kann. Das wird auch dem Donald bewusst sein. Daher hat er, wie kein anderer je zuvor, seine Agenda mit höchster Geschwindigkeit vorangetrieben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir noch lange mit dieser großen Unsicherheit leben müssen. Viele Dinge, die Trump bereits umsetzte, sind sehr positiv für die Aktienbörsen. Ich denke, wir erleben gerade eher eine Neustrukturierung vieler Portfolios, nicht aber eine wirkliche Korrektur, auch nicht das Ende der Rallye. Die zu erwartende Beruhigung dürfte dann für weiteren Auftrieb an den Aktienmärkten sorgen.
KI-Chips (Nvidia, Broadcom) bleiben knapp, die Aktien können weiterhin gehalten / gekauft werden. Auch die Energieversorgung wird ein Flaschenhals bleiben, hoffentlich gerät Siemens Energy irgendwann mal kräftig unter Druck. Der Bau von KI-Rechenzentren wird durch die verfügbare Energie limitiert, die Kosten des Ausbaus dürften sich dadurch ebenfalls tragen (Oracle, Dell, Amazon, Alphabet, ...). Bei der Nutzung der KI durch Softwareunternehmen wie Adobe, ServiceNow, SAP und Salesforce werde ich langsam unsicher, ob sich das ausreichend zu Geld machen lässt, um deren Aktien wieder auf hohe Bewertungsniveaus zu hieven. Vielleicht sollten wir Salesforce bei nächster Gelegenheit aus dem Portfolio werfen. Na, und dann kommt der Benefit für die Industrie, die von den KI-generierten Lösungen profitieren und an Effizienz zulegen wird. In freudiger Erwartung laufen DAX und MDAX bereits seit Monaten sehr gut.
5. Update beobachteter Werte: Applovin, Snap-On, Amazon, DAX, Applovin, Capital One Financial
Im Wochenverlauf habe ich Updates zu unseren Portfolio-Titeln verfasst. Diese erhalten Sie nachfolgend zusammen aufgeführt.
Die Updates finden Sie generell jeweils nach der Veröffentlichung verfügbar unter Heibel-Ticker -> Portfolio -> 10 neueste Einträge und mit der Express-Funktion erhalten Sie die Updates direkt unterwöchig per E-Mail und SMS.
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Applovin: Doch nicht
Di, 20. Januar um 08:17 Uhr
Heute früh notiert AppLovin vorbörslich bereits unter meinem Nachkauflimit von 470 EUR. Ich würde die Position jedoch noch nicht nachkaufen, sondern erst einmal weiter abwarten, wie sich die aktuelle Auseinandersetzung zwischen den USA und der EU weiter entwickelt. Ich fürchte, da könnte es in den kommenden Tagen zunächst noch hitziger werden, bevor sich eine Lösung abzeichnet.
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Snap-On: Teilverkauf, Cash generieren
Di, 20. Januar um 10:08 Uhr
Um es kurz zu machen: Ich denke, jetzt vergaloppiert sich Trump. Auf der Suche nach dem Grund für seine Grönland-Ambitionen bin ich noch immer nicht wirklich fündig geworden. Rohstoffe? Nein, die könnte er auch kaufen. Dazu muss er keinen "Freund" erobern. Strategische Sicherheit in der Arktis? Nein, das kann er ebenfalls in Kooperation mit Freunden umsetzen.
Einzig mögliche Erklärung, die ich nicht ausschließen kann, ist sein Ego. Einige Beobachter ziehen historische Vergleiche heran. Donald Trump möchte gerne in den Geschichtsbüchern als der Präsident stehen, der das Territorium der USA vergrößerte. 1821 kauft Präsident Andrew Jackson Florida von Spanien. 1867 kaufte Andrew Johnson Russland Alaska ab. 1959 wurde das 1898 annektierte Hawaii von Präsident Dwight Eisenhower als 50. Bundesstaat eingegliedert.
Ich fürchte, es geht also nun nicht mehr um Dinge, die er "endlich gerade ziehen" möchte, sondern nur noch ums Ego. Und das ist gefährlich. Daher möchte ich ein wenig Cash generieren.
Snap-On ist seit unserem letzten Nachkauf Ende letzten Jahres um 10% angestiegen. Durch den Kursanstieg sinkt die Dividendenrendite auf 2,4%, also unter unsere Schwelle von 2,5%. Ich würde daher die halbe Position verkaufen, um die weitere Richtung des Kurses abzuwarten. Steigt die Aktie weiter kräftig an, dann sinkt vermutlich die Dividendenrendite weiter, da ich nach dem aktuellen Geschäftsverlauf keine nennenswerte, sondern nur eine kleine Dividendenerhöhung erwarte. Sinkt der Kurs stark genug, dann springt die Dividendenrendite dadurch wieder über 2,5% und wir können nachkaufen :-)
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Amazon: Verkaufen, kleinen Gewinn sichern
Di, 20. Januar um 11:30 Uhr
Ich mache weiter: Unsere Amazon-Position notiert noch bei +5%, ich möchte nicht zuschauen, wie daraus ein Minus wird. Sollte es nun zum offenen Schlagabtausch in Zoll-Fragen kommen, ist Amazon sicherlich eines der stärker betroffenen Unternehmen, da sie mit ihrer Cloud AWS einen großen Teil Ihres Umsatzes in Europa machen. Eine Digitalsteuer würde dieses lukrative Geschäft beeinträchtigen.
Meine Informationsquellen diskutieren noch, ob dieser Ausverkauf eine Kaufgelegenheit darstellt, oder aber erst der Anfang eines größeren Ausverkaufs ist. Ich habe noch ein paar unserer Positionen im Blick, die ich gerne im Falle einer Gegenbewegung verkaufen möchte. Doch grundsätzlich sehe ich im aktuellen Ausverkauf den Auftakt für eine Ausverkaufsphase, die mehrere Tage in Anspruch nehmen kann. So schnell wird das Ego von Trump nicht einlenken.
Daher also nun Amazon verkaufen, 5% Spekulationsgewinn sichern. Die Aktie ist fair bewertet und dürfte, wenn sich die Wogen glätten, insbesondere als neue KI-Aktie gefragt sein. Doch auch dort kommen mir langsam Zweifel auf, ob das "Digitalgeschäft", das uns die vergangenen Jahrzehnte so erfreute, wirklich auch in einer KI-Zukunft noch das lukrative Geschäft sein kann wie in der Vergangenheit.
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DAX: Einkaufsliste: Applovin und Nike
Do, 22. Januar um 12:02 Uhr
Okay, ich habe mir gestern die gesamte Rede von Donald Trump im O-Ton angehört und muss sagen, dass ich ihn selten so versöhnlich habe sprechen gehört. Mal schauen, wie lange dieser Tonfall Bestand hat. Doch solange könnte es wieder aufwärts gehen an den Finanzmärkten.
Inzwischen wurde OpenAI von Elon Musk auf 130 Mrd. USD Schadensersatz verklagt, das Unternehmen habe rechtswidrig die Gemeinnützigkeit aufgegeben. OpenAI wird sich wehren müssen und in dieser Zeit Probleme haben, neue Gelder einzusammeln, die es dringend benötigt, um die hunderte Milliarden an Investitionen zu stemmen, die es bereits verschiedenen Geschäftspartnern fest zusagte. Das wird spannend und im Zweifel belastend für die gesamte Branche der KI-Rechenzentrumserbauer. Ich schaue daher derzeit lieber anderswo nach Chancen.
Applovin haben wir per Stopp Loss verkauft und ich schrieb Ihnen am Dienstag, dass ich mit dem Rückkauf warten würde. Heute notiert die Aktie noch immer unter dem von mir avisierten Rückkaufniveau und ich würde die Gelegenheit nutzen, jetzt wieder zuzugreifen. Das Geschäftsmodell ist überzeugend, das Wachstum intakt. Mit aktuell 462,70 EUR haben wir nochmals die Gelegenheit zu einem günstigen Einstieg. Ich würde aber umgehend wieder ein Stopp Loss, diesmal bei 445 EUR, einrichten.
Nike würde ich neu in unser spekulatives Depot holen. Apple-CEO Tim Cook und ehemaliger Intel-CEO Bob Swan kauften Nike-Aktien im Wert von mehreren Millionen USD. Außerdem kaufte das Nike-Management kräftig ein. Das Unternehmen durchlief eine Durststrecke und ich möchte dabei sein, wenn das Unternehmen die Talsohle durchschritten hat. Allem Anschein nach wird das in den kommenden Monaten der Fall sein, wenn wir den Insidern glauben.
Soweit ein kurzes Statement von mir zur aktuellen Lage. Grönland? Kein Militäreinsatz, vorerst keine Zölle. Wie nehmen, was wir kriegen und schauen, wie es sich weiter entwickelt.
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Applovin: Short-Attacke, Aktie schon wieder ausgestoppt
Fr, 23. Januar um 11:33 Uhr
Nun weiß ich, warum Applovin in den vergangenen Tagen so extrem stark schwankte: Von 475 Euro auf 430 Euro am Dienstag Morgen, mittags dann eine Gegenbewegung auf 490 Euro, seither ist die Aktie kontinuierlich unter Druck und notiert heute bei 444 Euro. Der Grund ist eine Short-Attacke.
CapitalWatch veröffentlichte einen Bericht, in dem Applovin Geldwäsche für asiatische Betrüger vorgeworfen wird. Applovin reagierte umgehend mit einer Gegendarstellung, die wiederum von CapitalWatch als intellektuelle Beleidigung abgetan wurde.
Natürlich ist uns der Wirecard-Betrug noch in frischer Erinnerung. Doch während ich bei Wirecard über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren immer wieder zugeben musste, dass ich deren Geschäftsmodell nicht verstand, meine ich, Applovin zu verstehen. Mein Bauch sagt also diesmal, dass die Vorwürfe konstruiert sind.
Konstruiert heißt, man nimmt sich punktuell einige Zahlen aus der Bilanz, konstruiert eine kriminelle Geschichte und belegt diese mit den willkürlich herausgepickten Bilanzzahlen. Je besser der Short-Report, desto schwerer sind diese Vorwürfe dann zu widerlegen. Und nach einigen Tagen wird dann CapitalWatch nochmals tiefergehende "Beweise" veröffentlichen, was erneut Druck auf die Aktie ausüben wird.
Gerne wird so ein Short-Bericht zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, wenn die nächsten Quartalszahlen in weiter Ferne liegen. Tatsächlich stehen bei Applovin die nächsten Q-Zahlen erst am 20. März an.
Doch natürlich kann ich mir nicht 100% sicher sein, dass an den Vorwürfen nichts dran ist. Immerhin gab CEO Tom Clarke vor einigen Monaten stolz bekannt, man habe die Umsatz- und Gewinnentwicklung in der eigenen Hand. Je mehr man investiere, desto schneller wachse das Unternehmen, bei gleichzeitig steigender Gewinnmarge. Das hört sich an wie das Schlaraffenland, das wir alle suchen. Da könnte es wirklich sein, dass Clarke zu viel versprochen hat.
Wir sind leider schon wieder ausgestoppt worden, ich hatte ja gestern bei der Kaufempfehlung umgehend einen Stopp Loss bei 445 EUR empfohlen, und der wurde schon wieder erreicht. Nun würde ich erst einmal abwarten, wie sich die Nachrichtenlage entwickelt, bevor wir erneut einsteigen.
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Capital One Financial: Durchwachsene Q-Zahlen belasten die Aktie
Fr, 23. Januar um 12:02 Uhr
Gestern Abend veröffentlichte CEO Richard Fairbank durchwachsene Q-Zahlen: Der Umsatz lag um ein halbes Prozent über den Erwartungen, der Gewinn jedoch um 5% darunter. Grund dafür sind höhere Abschreibungen auf notleidende Kredite.
Es handelt sich nur um eine kleine Nuance, die für die schwache Gewinnentwicklung verantwortlich ist: Die Abschreibungsquote stieg um 0,3%punkte im Q4 auf 4,93%. Ein Anstieg im Weihnachtsquartal war erwartet worden, doch nicht so stark. Dennoch liegt diese Quote um 1,11%punkte tiefer als im Vergleichsquartal vor einem Jahr. Die Tendenz stimmt also, die Geschwindigkeit ist lediglich ein wenig langsamer. Die Aktie notiert heute im 2% im Minus.
Fairbank gab außerdem bekannt, dass man das Start-Up Brex für 5,5 Mrd. USD gekauft habe. Brex biete Unternehmenskreditkarten und Bankdienstleistungen für junge, dynamisch wachsende Unternehmen. Anthropic, Coinbase, TikTok, Robinhood, CrowdStrike und DoorDash gehören zu den Kunden von Brex. Damit erweitert Capital One das Discover-Kundenspektrum um eine interessante neue Klientel.
Ich finde es nachvollziehbar, dass die Aktie heute ein wenig unter Druck ist. Doch an meiner grundsätzlichen Erwartung der ordentlichen Steigerung der Gewinnmarge über die nächsten Quartale ändert das nichts. Inzwischen habe ich auch so meine Zweifel, ob Donald Trump wirklich sein 10%-Zinslimit auf Kreditkartenkredite umsetzen kann, er braucht dafür eine Mehrheit im Kongress, und die wird zunehmend unwahrscheinlich.
Wir bleiben also bei dieser Spekulation weiterhin an Bord :-)
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6. Leserfragen
Verlustverrechnungstöpfe
Hallo Herr Heibel,
kurze Anmerkung zur Leserfrage von Roy aus Lützen aus dem letzten Heibel-Ticker.
Es macht schon einen steuerlichen Unterschied, welche Verluste anfallen: In den Verlustverrechungstöpfen "Aktien" und "Allgemein" werden "Einkünfte aus Kapitalvermögen" (§20 EStG) verrechnet.
Gewinne oder Verluste aus Bitcoin bzw. einigen damit verbundenen ETP fallen unter "Sonstige Einkünfte" (§ 23 EStG). Eine Verrechnung von diesen Verlusten über die Veranlagung mit positiven Kapitaleinkünften ist damit ausgeschlossen. Bitcoin-Verluste können somit nur über die Veranlagung mit anderen Krypto- /Gold-/ sonstigen privaten Veräußerungsgeschäften innerhalb der jeweiligen Fristen verrechnet werden. Die Verrechnung kann auch in den Folgejahren vorgenommen werden, das Finanzamt führt einen entsprechenden Verlustvortrag fort.
Ansonsten vielen Dank für den informativen Newsletter!
Viele Grüße
Wolfgang aus Rittershausen
ANTWORT
Vielen Dank für die verständliche Erläuterung. Ich reiche das gerne weiter.
SAP: Macht KI Softwareunternehmen überflüssig?
Moin Herr Heibel,
ihr Börsenbrief ist immer wieder eine wertvolle Lektüre über Wirtschaft, Finanzen und Aktien insbesondere!!
Eine kurze Frage habe ich an den Ex-SAPler: Die Aktie ist in den letzten Wochen heftig unter die Räder gekommen. Wie ist ihre Einschätzung für die Zukunft? Profitiert SAP von der KI oder wird das eigene Geschäft kannibalisiert? Sollte man eventuell jetzt einsteigen oder warten?
Vielen Dank und sonnige Grüße nach Hamburg!
Bernd aus Stade
ANTWORT
Vielen Dank für das Lob :-)
SAP würde ich in die Software-Ecke stellen, gemeinsam mit Salesforce, ServiceNow und Adobe. In der Finanzwelt geht man derzeit davon aus, dass alles, was aus Bits und Bytes besteht, schon bald durch KI-Agenten übernommen werden kann. Wenn SAP-Software deshalb so teuer ist, weil hunderttausende Entwicklungsstunden in die Softwareerstellung eingingen, so könnte man mit Hilfe von KI vergleichbare Software mit einem Bruchteil des Aufwands erstellen. Wie soll SAP da die hohen Nutzungsgebühren rechtfertigen?
Auf der anderen Seite steht die intelligente Nutzung des SAP-Systems durch KI-Angebote, die SAP anbietet und verkauft. Doch immer mehr Zweifel kommen auf, ob dadurch der zuvor beschriebene Umsatzrückgang aufgefangen werden kann.
Ich persönlich gehe davon aus, dass es genau so kommen wird, aber langsamer. Die KI-Revolution wird schon bald nicht mehr durch begrenzte Rechenkapazitäten gebremst, sondern durch den Menschen, der neue Möglichkeiten nicht annimmt. Das ist vermutlich auch gut so, denn unsere Gesellschaft wird einen Wandel durchlaufen, während uns die KI immer mehr Arbeit abnimmt. Dieser Wandel kann nicht über Nacht erfolgen, das wird Zeit brauchen. Und in dieser Zeit wird man die Software von SAP & Co. noch stark nutzen.
Doch mir kommen immer mehr Zweifel daran auf, ob ein dem Untergang geweihtes Geschäftsmodell (Softwareentwicklung) überhaupt in unserem Heibel-Ticker Portfolio einen Platz haben darf. Daher halte ich mich bei SAP zurück und überlege, Salesforce mit Verlust zu verkaufen.
Zu den Zahlen: Der Umsatz von SAP wächst mit 10% p.a., Tendenz steigend. Der Gewinn legt überproportional mit knapp unter 20% zu. Die Rule-of-40 wird erfüllt (43) und das EV/EBITDA im Verhältnis zum Gewinnwachstum (vergleichbar mit PEG) liegt mit 1,2 auf einem vernünftigen Niveau. Fundamental betrachtet machen Sie nichts falsch mit dem größten deutschen börsennotierten Unternehmen. Aber ich denke, es gibt bessere Aktien :-).
Stablecoin USDC von Circle statt Bitcoin? OpenAI vs. Applovin
Hallo Herr Heibel,
noch ist es möglich, Ihnen und Ihrer Familie ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2026 zu wünschen. Auch ich möchte mich für Ihre interessanten und aufschlussreichen Analysen jedes Jahr neu bedanken.
Bezüglich des ETC Insurance A27Z30 habe ich folgende Frage: Nachdem sowohl dieser als auch Stablecoins im Dezember 2025 ausverkauft wurden und sich seither etwas erholt haben möchte ich gerne von Ihnen wissen, ob der Kauf von Stablecoins eine Alternative zu dem Kauf von weiteren A27Z30 ETCs wäre?
Kann der Absturz der AppLovin- Aktie damit zusammenhängen, dass ChatGPT am Freitag mitgeteilt hatte, in den Werbemarkt einzutreten?
Ich freue mich auf Ihre Antworten.
Viele Grüße
Ortrun aus Bad Homburg
ANTWORT
Vielen Dank für die netten Wünsche :-)
Wenn Sie einen Stablecoin wie bspw. den USDC von Circle direkt kaufen, dann gilt dort ebenfalls die Steuerfreiheit nach einem Jahr Haltedauer. Er ist also vergleichbar mit Gold und dem Bitcoin, wenn es um die Spekulationsfrist geht.
Allerdings ist der USDC ja nicht als Langfristanlage gedacht, sondern eher als kurzzeitiger Parkplatz für jemanden, der mit anderen Kryptowährungen traden möchte. Der Weg raus aus der Kryptowelt ist langwierig, umständlich und stets mit Risiken verbunden, denn die Anbieter solcher Transaktionen sind meist kleine Startups und selten etablierte Unternehmen. Daher kann man sich den Weg nach draußen sparen, wenn man zu einem späteren Zeitpunkt ohnehin wieder in die Kryptowelt einsteigen möchte. In der Zwischenzeit parkt man im USDC. Dieser entwickelt sich 1:1 zum USD.
Also: Als Alternative zum Bitcoin ETC ist das nicht sinnvoll, denn es ist etwas völlig anderes. Ich würde höchstens überlegen, die Aktie von Circle, dem Anbieter des USDC, ins Depot zu holen. Denn je stärker die von mir oben beschriebene Parkplatz-Funktion genutzt wird, desto besser läuft das Geschäft von Circle. Dort fällt dann allerdings wieder die normale Kapitalertragssteuer auf die Gewinne an.
Applovin: OpenAI sucht händeringend nach neuen Geschäftsfeldern und versucht sich in so ziemlich allem, was ihnen über den Weg läuft. Da sind wir noch weit entfernt von einer wirklichen Konkurrenz. Mag sein, dass die Schlagzeile den einen oder anderen Trader in die Flucht geschlagen hat, doch Applovin nutzt ebenfalls KI und hat schon eine ganze reihe von Wettbewerbern ausgestochen. Der Weg für OpenAI, hier eine ernstzunehmende Konkurrenz zu werden, ist weit.
Zukunftschancen des XRP Ripple
Sehr geehrter Heibel,
ich bin schon lange Leserin des Heibel-Ticker und schätze Ihre fundierten Analysen sehr. Nun hätte ich eine Frage an Sie, in der Hoffnung Sie können mir einen Rat erteilen.
Vor ein paar Monaten habe ich mich dazu verleiten lassen 400 XRP Token von Ripple in mein Depot bei Flatex zu holen. Gekauft habe ich diese für 2,93 € pro Stück , inzwiscehn sind sie jedoch immer weiter abgesackt auf 1,78 €. Ich weiß nicht ob es noch Sinn macht, wie z.B. bei Nvidia eine Korrektur auszusitzen, oder ob es besser ist die Token mit Verlust zu verkaufen bevor sie noch weiter nach unten gehen im Wert.
Ich lese zum Teil ganz unterschiedliche Bewertungen zu XRP, von Verkaufen bis Einkaufen ist alles enthalten an Ratschlägen. Ich hoffe Sie haben einen besseren Durchblick als ich welche Aussichten XRP für die Zukunft tatsächlich hat.
Mit freundlichen Grüßen
Monika aus Tecklenburg
ANTWORT
Der Ripple wird bei Geldtransfers über Landesgrenzen hinweg genutzt. Ich habe da eigentlich kein Alleinstellungsmerkmal finden können. Stablecoins können das inzwischen auch umsetzen.
Grundsätzlich beschäftige ich mich aber nicht mit „anderen“ Krypto-Angeboten neben dem Bitcoin, sondern betone stets, dass es für mich nur eine Kryptowährung gibt, und das ist der Bitcoin. Alle anderen Krypto-Angebote sind Geschäftsmodelle, die ich wie Startups einstufe: Kann sein, dass das eine oder andere Startup da erfolgreich ist, die meisten werden jedoch wieder verschwinden, genau wie die Internetbuden, die zur Jahrtausendwende die Internetblase aufpusteten.
7. Übersicht HT-Portfolio
| Spekulation (≈20%) =18,1% | WKN | 23.1., 15:51 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ | Anteil 8x2,5% | ! |
| PVA Tepla | 746100 | 27,80 € | -4% | 22% | 2,1% | A |
| DELL Technologies | A2N6WP | 97,50 € | -6% | -9% | 2,4% | C |
| Home Depot | 866953 | 324,92 € | -1% | 11% | 1,9% | A |
| Salesforce | A0B87V | 196,48 € | 0% | -13% | 1,2% | C |
| Capital One Fincl | 893413 | 192,37 € | -7% | -7% | 2,6% | A |
| TJX | 854854 | 130,40 € | -4% | 0% | 2,5% | B |
| AppLovin | A2QR0K | 433,80 € | -12% | -4% | 0,0% | C |
| Boeing | 850471 | 212,67 € | 0% | 15% | 2,9% | A |
| Amazon | 906866 | 200,61 € | -3% | 0% | 0,0% | A |
| Disruptiv (≈30%) =31,7% | WKN | 23.1., 15:51 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ | Anteil 5x6% | ! |
| Medios | A1MMCC | 16,00 € | 7% | 10% | 4,1% | C |
| Nvidia | 918422 | 159,77 € | -1% | 1% | 7,5% | A |
| Palo Alto Networks | A1JZ0Q | 155,68 € | -4% | -1% | 5,3% | B |
| Novo Nordisk | A3EU6F | 54,24 € | 4% | 25% | 5,7% | B |
| Apple | 865985 | 209,26 € | -5% | -10% | 6,1% | A |
| Tesla | A1CX3T | 379,68 € | 1% | -1% | 3,0% | B |
| Dividende (≈30%) = 23,6% | WKN | 23.1., 15:51 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ | Anteil 5x6% | ! |
| CEWE | 540390 | 102,40 € | -2% | -1% | 5,7% | B |
| Allianz | 840400 | 364,70 € | -4% | -7% | 5,0% | B |
| Snap-On | 853887 | 317,20 € | 2% | 8% | 3,1% | A |
| Holcim | 869898 | 84,12 € | 0% | 1% | 3,7% | C |
| Yamaha | 855314 | 6,24 € | -3% | 5% | 6,1% | A |
| Absicherung (≈20%) =13,4% | WKN | 23.1., 15:51 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ | Anteil 3x6,6% | ! |
| Goldbarren /Uz | 965515 | 4.216,39 € | 6% | 15% | 8,2% | C |
| Bitcoin | A27Z30 | 75.596,81 € | -8% | 1% | 5,2% | B |
| Woche Δ | Σ '26 Δ | Cashquote | ||||
| -1% | 2% | 13,1% |
| Heibel-Ticker | Gewichtung | # Positionen | angestrebte Positionsgröße | |||
| Portfolio | Ziel | Soll | Ist | Soll | Ist | |
| Spekulation | Ereignis | 20% | 18,1% | 8 | 8 | 2,5% |
| Disruptiv | Enkelkinder | 30% | 31,7% | 5 | 6 | 6,0% |
| Dividende | Urlaub | 30% | 23,6% | 5 | 5 | 6,0% |
| Absicherung | Zins & Gold | 20% | 13,4% | 3 | 2 | 6,7% |
| Summe | 100% | 87% | 21 | 21 | 100% | |
Anmerkungen:
- Die Überschrift über jedem Portfoliobereich in der jeweiligen ersten Spalte (bspw. Absicherung (≈20%) =21,8%) bedeutet: Der beabsichtigte Anteil dieses Portfoliobereichs am Gesamtportfolio beträgt ungefähr 20%. Aktuell beträgt der Anteil 21,8%.
- Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend.
- Unter „Woche” steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche.
- Unter „Σ 'XX Δ” steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn bzw. seit Aufnahme ins Portfolio.
- Unter „Anteil” finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am Gesamtdepot.
Unter ! steht zur Information meine Grundtendenz:
| A | – | Top-Aktie mit günstigem Kurs, |
| B | – | Kursrücksetzer zum Kaufen nutzen |
| C | – | Kurssprünge zum Verkaufen nutzen, |
| D | – | bei Gelegenheit Verkaufen, |
| E | – | Sofort Verkaufen |
Die „Gelegenheit” zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.
Ich habe diese Spalte „!” insbesondere für neue Mitglieder vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.
Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:
- Dividenden- + Wachstumspositionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,
- Zyklische Positionen in zwei Schritten aufbauen: 50%-50%,
- Spekulative Positionen ganz oder gar nicht: 100%.
Die letzte Spalte wird für eine Einschätzung der Auswirkung aktueller Entwicklungen auf die jeweilige Portfolioposition genutzt. „%“ stuft den Einfluss der Inflation auf das jeweilige Geschäftsmodell ein.
Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll, allenfalls Stopp Loss Marken für unseren Spekulationen werde ich bisweilen im Text bekanntgeben.
Eine erfolgreiche Börsenwoche,
take share
Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs
https://www.heibel-ticker.de
8. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)
Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.
Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar.
Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren.
Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.
Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen
DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5436
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag
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