Heibel-Ticker PLUS 26/6 - Punktuelle Ausverkäufe einzelner Branchen erfassen (?noch?) nicht den breiten Gesamtmarkt

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Heibel-Ticker PLUS Börsenbrief

- Einfach einen Tick besser -

21. Jahrgang - Ausgabe 06 (06.02.2026)




Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:

1.Info-Kicker: Turbulenzen in Einzeltiteln zeigen sich kaum in den Indizes
2.So tickt die Börse: Punktuelle Ausverkäufe einzelner Branchen erfassen (?noch?) nicht den breiten Gesamtmarkt
 - Wochenperformance der wichtigsten Indizes
3.Sentiment: Heftige Marktschwankungen kommen nur bedingt bei Anlegern an
 - Interpretation
4.Ausblick: Künstliche Intelligenz: Flaschenhälse, Anpassungsprobleme und Neu-Gewichtung
5.Update beobachteter Werte: Xtrackers Nasdaq 100, Tesla, Novo Nordisk, PVA Tepla, Salesforce, Bitcoin im Hardware Wallet, Yamaha Corp., Deutz
 - Xtrackers Nasdaq 100: Nasdaq 100 versus S&P 500 & versus Währungsabsicherung
 - Tesla: General Dynamics Atlas Konkurrenz zu Teslas Optimus
 - Novo Nordisk: Katastrophaler Ausblick
 - PVA Tepla: Weiterhin verzögerte Auftragsabarbeitung
 - Salesforce: Quatsch regiert: KI frisst Software
 - Bitcoin im Hardware Wallet: Erste Käufe möglich, näher am Boden als am Top
 - Yamaha Corp.: Teilverkauf
 - Deutz: Kaufen, Spekulation auf erfolgreiche Neupositionierung
6.Leserfragen
7.Übersicht HT-Portfolio
8.Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
9.Mitgliedschaft verwalten



1. Info-Kicker: Turbulenzen in Einzeltiteln zeigen sich kaum in den Indizes



Liebe Börsenfreunde,

In Kapitel 2 beschreibe ich, warum die jüngsten Kursstürze zwar spektakulär wirken, aber (noch) keine flächendeckende Baisse im Gesamtmarkt bedeuten. Die KI-Euphorie lief zuerst an der Börse heiß, von ChatGPT als Fantasie-Zündfunke über Gemini als Reality-Check bis hin zu Anthropic als Auslöser für ganz konkrete Angst vor Automatisierung in „White-Collar”-Berufen. Während die ersten Zukunftswetten auf fliegende Autos, modulare Kernkraft und Quantencomputer brutal abverkauft wurden, wanderte das Kapital in vermeintlich reale Engpassgüter wie Edelmetalle. So strömt das Kapital durch verschiedene Marktsegmente, um immer wieder verscheucht zu werden. Gehebelte Wetten werden in einer Zwangswelle liquidiert. Parallel trifft die nächste Verkaufswelle jene Branchen, die plötzlich direkt von KI ersetzt wirken: Software, Buchhaltung, Recht/Recherche bis hinein in Bitcoin & Kryptoaktien.

Das Anlegersentiment zeigt sich verunsichert: Zwar ist man beruhigt darüber, dass die Indizes relativ ruhig laufen, doch Anleger sehen die erratischen Bewegungen einzelner Aktien. In Kapitel 3 analysiere ich, wie sich diese Anlegerstimmung auf die künftige Börsenentwicklung auswirken könnte.

Kapitel 4 ordnet die Lage ein: Entscheidend ist die Zeitachse. Eine Aktie ist nicht „gut” oder „schlecht”, sie ist je nach Kurs und Erwartungshorizont fair oder überzogen. Genau hier holt die KI-Euphorie die Realität ein. Kurzfristig bremsen Flaschenhälse wie Stromversorgung, Speicherchips und Finanzierung, doch alle Stolpersteine werden schnell aus dem Weg geräumt. Der eigentliche Engpass ist der Mensch: Zwischen technischer Möglichkeit und verlässlicher Industrieanwendung liegt Post-Training, Integration und Zeit, wie einst beim Internet. In dieser Zeit zeigt sich, welche Unternehmen zu den wirklichen Gewinnern dieser Entwicklungen gehören. Wir haben heute eine neue Aktie in unser Heibel-Ticker Portfolio geholt.

Die turbulenten Bewegungen in Einzelaktien kommentierte ich im Verlauf der Woche mit einer Reihe von Updates (8 Stück) in Kapitel 5. Darin gehe ich weiter auf die derzeitige Börsenverfassung ein und kommentiere unter anderem die Kursbewegungen von Tesla, Salesforce, Novo Nordisk, Yamaha und dem Bitcoin. Wir tätigten einige Verkäufe und Käufe und ich stelle Ihnen eine neue Aktie vor.

Die beiden heutigen Leserfragen drehen sich um Pfizer und Lithium: Ist Pfizer eine gute Dividendenaktie? Und warum investieren wir nicht direkt in Lithium? Meine Antworten lesen Sie in Kapitel 6.

Natürlich gibt es wie jede Woche eine tabellarische Übersicht über unser Heibel-Ticker Portfolio in Kapitel 7.

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

heibel

take share, Ihr Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs




2. So tickt die Börse: Punktuelle Ausverkäufe einzelner Branchen erfassen (?noch?) nicht den breiten Gesamtmarkt



Erst ChatGPT zum Eingewöhnen der Privatanwender, dann Gemini für die Tech-Freaks, und nun Anthropic für die White Dollar (Hemdträger): Die KI-Revolution findet zuerst an den Aktienmärkten statt. Dort werden die Veränderungen frühzeitig mit Zahlen belegt und entsprechende Aktien fahren Achterbahn.

Mit der Einführung von ChatGPT ging die Phantasie der Menschen auf die Reise: Was wird die KI alles ermöglichen? Insbesondere die Komplexität bei der Forschung dürfte von der KI beherrscht werden und zu einer beschleunigten Entwicklung neuer Technologien führen: Fliegende Autos, Modulare Kernkraftwerke, leistungsstarke Quantencomputer und all das auf der Basis sicherer Verschlüsselungsalgorithmen aus der Kryptowelt - die Möglichkeiten schienen unbegrenzt und je weiter eine neue Idee in die Zukunft reichte, desto begeisterter sprangen Investoren auf.

Mit der Einführung von Gemini 3 durch Google im vergangenen November wurde plötzlich eines sichtbar: ChatGPT klingt zwar clever, halluziniert jedoch viel zu viel. Für eine KI, die verwertbare Ergebnisse für die Industrie erzeugen soll, ist noch viel Handarbeit erforderlich. Nicht umsonst arbeiten bei Google einige Tausend Mitarbeiter an der Verfeinerung (Post-Training) von Gemini, damit die KI in möglichst vielen Bereichen weg von der "wahrscheinlichsten" Antwort auf eine nach wissenschaftlichen Modellen sicher "determinierte" Antwort umgelenkt wird.

Die Spekulation in den oben genannten Zukunftstechnologien erwiesen sich als verfrüht. Die Highflyer wurden ausverkauft, teilweise gaben sie über 80% ab.

Parallel zur Hausse in fernen Zukunftsideen erlebten wir eine Hausse am Rohstoffmarkt. Die Logik dahinter ist einfach: Wenn die KI in der Zukunft alles besser kann als wir, wo hat sie dann ihre Grenzen? Na klar, natürlich dort, wo reale Dinge im Spiel sind. Es können nicht mehr Rohstoffe abgebaut werden, als die Kapazität der verfügbaren Maschinen in den vorhandenen Minen hergibt. Da gibt es keine geheime Formel, mit der Rohstoffe plötzlich vervielfältigt werden können. So stiegen Kupfer und insbesondere Edelmetalle immer weiter an.

Die Logik dahinter war so einfach und bestechend, dass immer mehr Anleger aufsprangen und viele ihre Spekulationen sogar hebelten. Zusätzlich befeuert wurde die Edelmetallhausse noch von der Verschuldungsorgie, in die viele westliche Länder verfallen sind - auch und insbesondere die USA. Zuletzt kündigte Donald Trump sogar an, die Verteidigungsausgaben, die in den USA ohnehin schon so hoch sind, wie in allen folgenden Ländern zusammengerechnet, nochmals um 50% zu erhöhen. Da gab es kein Halten mehr für Gold und Silber.

Unterstützt wurde diese Rallye noch von der Erwartung, dass Trump einen ihm gefälligen Nachfolger für Fed-Chef Jay Powell nominieren würde. Ende Januar nominierte Trump dann überraschend Kevin Warsh. Er war 2008 bereits Notenbankmitglied und hat das damals viel zu lange hoch gehaltene Zinsniveau mit zu verantworten, dass die große Finanzkrise maßgeblich verschlimmerte. Er gilt also als Falke; als jemand, der eher höhere Zinsen befürwortet als eine lockere Geldpolitik.

... so wird er zumindest von Marktbeobachtern eingestuft. Wir werden sehen, ob sie Recht behalten. Ich habe ein wenig recherchiert und konnte feststellen, dass er von seiner damaligen falkenhaften Haltung inzwischen deutlich abgerückt ist. So sagte er beispielsweise vor einem halben Jahr in einem Interview, dass die KI seiner Ansicht nach alles viel günstiger machen werde und dass er einen Produktivitätsboom erwarte, der zu Kostensenkungen, und damit zu einer niedrigen Inflation führen werde. Warsh distanzierte sich ganz klar von der unter einigen Volkswirten vorherrschenden Meinung (nein, nicht bei mir), dass Wirtschaftswachstum steigende Inflationsraten nach sich ziehen würde.

Das ist die Einschätzung, die ich bei vielen Politikern ohne Wirtschaftskenntnisse immer wieder sehe. Bei diesen Menschen fehlt die Vorstellungskraft, dass Effizienzsteigerungen zu steigendem Wohlstand für alle führen können. Effizienzsteigerungen sind in unseren volkswirtschaftlichen Modellen schwer abzubilden, daher steigen dort offensichtlich viele aus. Doch wenn die KI tatsächlich Effizienzsteigerungen nach sich zieht, kann die Geldmenge steigen, ohne dass wir anziehende Inflationsraten sehen. Warsh kritisierte damals Jay Powell, der diesen absehbaren Effekt in seine Modelle nicht einrechne.

Wachstumsraten von 5% und mehr könnten dank der KI-Revolution erreicht werden und so viele Produkte schaffen, dass sich das Preisniveau dennoch stabil halte. Wenn man nicht ausreichend Liquidität zur Verfügung stelle, so könne man sogar trotz hoher Wachstumsraten in eine deflationäre Phase rutschen, was kontraproduktiv für das weitere Wachstum wäre.

Durch diese Brille betrachtet kann ich nun sogar die Kritik Donald Trumps an Jay Powell verstehen :-).

Auch wenn Kevin Warsh gut ausgebildet ist für den Job und mit einer schlüssigen Theorie antritt, haben viele Marktbeobachter Angst, er könne von Donald Trump instrumentalisiert werden. Sonst hätte Trump ihn nicht nominiert, so die verkürzte Argumentation. Dagegen steht, dass Warsh als Falke gesehen wird, der er jedoch gar nicht mehr ist, wie ich recherchierte, und so weiter und so fort: Wir haben also einen durchaus interessanten Kandidaten, an dem sich Finanzmarktteilnehmer, Medien und Donald Trump abarbeiten können.

Dabei ist gut zu wissen, dass Warsh mit der Enkelin des Kosmetik-Magnaten Estee Lauder verheiratet ist. Finanziell ist er also unabhängig und dürfte auch darüber hinaus einiges mobilisieren können, um seine Unabhängigkeit zu wahren, selbst wenn er nach seiner Ernennung plötzlich bei Trump in Ungnade fallen sollte.

Letztlich ist es wohl diese Unabhängigkeit, gepaart mit seiner falkenhaften Vergangenheit, die Ende Januar an den Finanzmärkten zur Befürchtung führte, er könne eine straffe Geldpolitik durchsetzen, die den US-Dollar wieder steigen lässt und somit die Edelmetalle unter Druck setzt. Dies war eine Überraschung, mit der Edelmetallspekulanten, insbesondere diejenigen, die zuletzt gehebelt spekulierten, zwang, ihre Positionen zu liquidieren. Silber verlor binnen 24 Stunden zwischenzeitlich 38%! Der größte Tageseinbruch seit den 1970er-Jahren.

Dabei ist doch der Bedarf insbesondere an Silber für die vielen Rechner der KI-Rechenzentren, die mit dreistelligen Milliardensummen aus dem Boden gestampft werden, schier unersättlich, so klang noch wenige Stunden zuvor die Überzeugung an den Terminmärkten. Tja, hier sehen wir, wie sich die Finanzmärkte von der realen Welt abkoppeln können. Ich überlasse es vorerst Ihnen zu entscheiden, ob die vorhergehende Hausse die Abkopplung war, oder der Crash.

Mit der Nutzung von Gemini wurde zunehmend sichtbar, wie gut die KI komplexe, logische Probleme angehen kann. Die Vermutung gibt es schon seit Monaten und entsprechend hatten es Aktien von Softwarefirmen, die viele Informatiker beschäftigen, schwer. Anfang dieser Woche kippte die Stimmung vollends, als sich die Erfolgsberichte mehrten, wie gut die Gemini-KI "coden" (programmieren) kann. Aktien der Softwarefirmen rauschten in den Keller.

Ebenfalls am vergangenen Wochenende veröffentlichte Anthropic aktualisierte Versionen für Perplexity und dazugehörige KI-Produkte. Nun ging es Schlag auf Schlag: Zunächst brachen die Aktien von Anbietern von Buchhaltungssoftware und Steuererklärungen (Intuit) ein. Es folgte die Erkenntnis, dass Anthropics KI wesentlich besser Aktienbewertungen berechnen kann als die meisten Analysten. Die Aktien von Thomson Reuters brachen ein.

Die Arbeitsmarktdaten unterstützten diese Befürchtungen, denn nicht nur Amazon entlässt wieder viele Mitarbeiter, sondern auch Rechtsanwaltskanzleien und Unternehmen mit großem administrativem Wasserkopf. Research-Unternehmen Gartner brach diese Woche um 25% ein.

Heute Nacht erwischte es schließlich auch den Bitcoin, der schon seit Wochen langsam gen Süden zottelt. Binnen weniger Stunden ging's um 13% in den Keller, die Aktien von Coinbase folgten mit -20%. Es gibt Berichte von Goldverkäufern (häufig Goldminen), dass Gold gegen Bitcoins gekauft werde. Offensichtlich stellen einige Anleger die Solidität des Bitcoins nach dem aktuellen Kurseinbruch in Frage, während man sich nun eher auf die seit Jahrtausenden bewährte Solidität des Goldes verlassen möchte. Ich sehe das natürlich ein wenig anders und werde das auch in Kapitel 4 darlegen.

Dort gebe ich Ihnen auch meine Antwort auf die Frage, ob sich die Finanzmärkte von den realen Märkten abgekoppelt haben, indem ich eine revolutionäre neue Komponente einführe: Die Zeitachse :-) Ist es Ihnen aufgefallen, dass die meisten Anleger wissen wollen, welche Aktie gut "ist"? Fast niemals wird die Zeit in die Entscheidung einbezogen: Geht es um die nächsten Stunden oder Tage? Um Monate oder um viele Jahre? Je nachdem fällt die Antwort nämlich völlig unterschiedlich aus.

Was mich jedoch am meisten beschäftigt, ist die Frage, ob wir es hier mit dem Anfang vom Ende zu tun haben, oder ob wir bereits die exzessive Spekulation an den Finanzmärkten ausspülen konnten. Auch dieser Frage gehe ich in Kapitel 4 nach.

Schauen wir nun zunächst mal auf die Wochenbewegungen der wichtigsten Indizes:

Wochenperformance der wichtigsten Indizes




INDIZES6.2., 21:17 UhrWoche ΔΣ '26 Δ
DAX24.721 0,7%0,9%
S&P 5006.916 -0,3%1,0%
Nikkei54.254 1,7%7,8%
Shanghai A 4.644 -1,3%0,3%
Euro/US-Dollar1,18-0,3%0,6%
Euro/Yen185,711,2%1,2%
10-Jahres-US-Anleihe4,20%-0,030,04
Umlaufrendite Dt2,72%-0,02-0,06
Feinunze Gold$4.953 1,2%14,7%
Fass Brent Öl$67,84 -2,1%11,5%
Kupfer$12.903 -1,9%3,9%
Baltic Dry Shipping$1.936 -9,9%3,1%
Bitcoin$70.452 -15,5%-19,7%








3. Sentiment: Heftige Marktschwankungen kommen nur bedingt bei Anlegern an



Umfrage Die Brutalität der abgelaufenen Woche ist in der Wochenperformance des DAX von +0,6% nicht ablesbar. Dabei gaben Zalando und Scout24 12% ab, weil Google das Einkaufserlebnis von der Verkaufsplattform hin zu einem standardisierten KI-Einkäufer entwickeln möchte. Auf der anderen Seite im DAX legte die Deutsche Telekom um 8% und Henkel um 7% zu. Weder die monatliche Telefonrechnung ändert sich in absehbarer Zeit durch die KI, noch kann die KI Haare waschen, abspülen und das Waschmittel für die Kleidung ersetzen.

Im S&P 500 fallen die Unterschiede noch größer aus: Zahlungsabwickler Paypal verliert nach schwachen Q-Zahlen beispielsweise 25%, während Schokoladenhersteller Hershey um 20% anspringt.

In diesen Tagen schlafen diejenigen Anleger besser, die in Index-Zertifikate investiert haben und nicht der Gefahr ausgesetzt sind, bei einer Aktie auf das falsche Pferd gesetzt zu haben. Das Minus im S&P 500 beträgt "nur" 0,8% und ist deutlich nervenschonender als die heftigen Kursbewegungen vieler Einzeltitel.

Doch wir sehen an der Indexperformance, dass es sich um eine Rotation handelt, nicht um einen breiten Ausverkauf. Anleger liquidieren unbeliebte Aktien und stecken das Geld umgehend wieder in ihre neuen Lieblinge. Schauen wir mal, wie sich diese Entwicklung auf die Anlegerstimmung niedergeschlagen hat.

Unser Anlegersentiment rutscht diese Woche auf -3,4 und flirtet damit bereits mit Extremwerten (ab -4), bei deren Erreichen wir von Angst und Panik sprechen. Noch ist es jedoch nicht soweit, vermutlich der moderaten Indexentwicklung geschuldet.

Immerhin zieht starke Verunsicherung ein, wie der Wert von -5,1 anzeigt. Ich würde sagen, viele Anleger hören von den heftigen Kursausschlägen einzelner Aktien, sehen diese aber nicht in ihren Indexzertifikaten. Wer keinen Heibel-Ticker liest, könnte tatsächlich Probleme haben, die Hintergründe zu verstehen ;-).

Die Zukunftserwartung steigt auf +2,3, was eine klare Dominanz der Bullen anzeigt. Zuletzt hatten wir einen so großen Bullenüberhang im September vergangenen Jahres.

Auch die Investitionsbereitschaft steigt an, der Wert erreicht 2,1, was ich als moderat positiven Wert bezeichnen würde.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger rutscht diese Woche auf -15 ab und zeigt die Kapitulation vieler Anleger, die noch kurz zuvor auf steigende Kurse spekuliert haben.

Das Put/Call-Verhältnis für den DAX an der Eurex fällt auf 1,55. Es hat den Anschein, dass institutionelle Anleger den Ausverkauf erwarteten und nun ihre Absicherungspositionen auflösen.

Das Put/Call-Verhältnis an der CBOE zeigt mit einem Wert von 0,64 ein ähnliches Bild. Auch in den USA lösen Anleger ihre zuvor gebildeten Absicherungspositionen auf.

Die Investitionsquote der US-Fondsmanager sinkt auf 85%, das niedrigste Niveau des noch jungen Jahres.

Die Bulle/Bär-Differenz geht auf 11%punkte zurück. Die Polarisierung sinkt, 40% Bullen stehen 29% Bären gegenüber. Aus beiden Lagern wanderten diese Woche Anleger ins neutrale Lager ab, das von 25% auf 31% zulegte.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 44% nur moderate Angst an, der Zeiger steht an der Schwelle zur Neutralität.

Interpretation



Neutral Von Angst und Panik ist also noch nicht viel, noch nicht ausreichend viel zu sehen. Zwar messen wir eine deutliche Verunsicherung der Anleger, doch gleichzeitig besteht große Zuversicht für bald wieder steigende Kurse. Hätten wir einen breiten Ausverkauf, dann würde ich ein solches Stimmungsgemenge noch nicht als ausreichend für eine Bodenbildung bezeichnen. Doch da wir keinen breiten Ausverkauf, sondern nur punktuelle Ausverkäufe in einzelnen Branchen sehen, müssen wir die Stimmung etwas differenzierter interpretieren.

So stellt sich die hohe Investitionsbereitschaft für mich so dar, dass Anleger grundsätzlich optimistisch gestimmt sind und viele günstige Aktien sehen, in die sie investieren möchten. Vielleicht tatsächlich die Aktien von Unternehmen, die in den vergangenen Jahren vergessen wurden und heute ein günstiges Bewertungsniveau ausweisen. Es setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass die KI-Revolution viele Branchen umwälzen wird. So langsam wird sichtbar, welche Branchen am stärksten leiden dürften, dort sollte man sich tunlichst fern halten.

Was dann wirklich laufen wird, welche Branchen von der KI profitieren dürften, das ist ja eigentlich auch schon bekannt. Alle Aktien von Unternehmen, die mit dem Bau von Rechenzentren in Verbindung gebracht werden können, sind bereits ordentlich angestiegen. Doch hier gibt es Flaschenhälse beim Ausbau der Energieinfrastruktur, beim Einsatz von Speichern etc., die für negative Kursreaktionen bei Aktien sorgen, die eigentlich auf der Gewinnerspur waren.

Insofern würde ich das aktuelle Sentiment-Bild als gesunde Ernüchterung nach den zuvor exzessiven Eskapaden in einzelnen Aktien und Branchen bezeichnen. Eine Sentiment-Schieflage für den Gesamtmarkt kann ich aktuell daraus nicht ableiten. Das könnte jedoch bereits nächste Woche anders aussehen, nachdem diese Woche die Absicherungen stark zurückgefahren wurden.

BTC Der Bitcoin brach in der vergangenen Nacht um 13% ein und summierte sein Minus seit dem Allzeithoch im vergangenen Oktober zwischenzeitlich auf -48%. Entsprechend erreicht die Stimmung am Kryptomarkt einen Tiefpunkt, wie wir ihn in den sechs Jahren, seit wir diese Umfrage auf den Bitcoin erweiterten, bislang kaum gesehen haben.

Sowohl institutionelle als auch Privatanleger zeigen Angst und Panik im Gesicht. So mies war die Stimmung erst zweimal, beide Male im Jahr 2022: einmal im Juni, einmal im November. Einmal folgten steigende Kurse, einmal fallende. Privatanleger waren nie zuvor vergleichbar niedergeschlagen. Bei institutionellen Anlegern kam eine vergleichbar schlechte Stimmung hingegen schon 6 Mal vor. Es folgten daraufhin meist steigende Bitcoin-Notierungen, durchschnittlich notierte der Bitcoin sechs Monate später 28,8% höher.

2022, also vor vier Jahren, hatten wir ebenfalls gerade zum Ende des Vorjahres ein neues Allzeithoch im Bitcoin verzeichnet. Der Ausverkauf im Bitcoin hielt damals das gesamte Jahr an, erst Ende 2022 wurde das Tief der Korrektur bei 20.000 USD erreicht, bevor dann der drei Jahre andauernde Lauf in Richtung 126.000 USD startete.

Der Vier-Jahreszyklus, bedingt durch das alle vier Jahre erfolgende Halving-Ereignis, spricht also dafür, dass wir noch einige Monate im Bitcoin-Winter verharren müssen. Dagegen spricht hingegen, dass die seither erfolgte breite Akzeptanz und das Einflechten in den Finanzmarkt durch diverse Bitcoin-Finanzprodukte eine andere Dynamik erzeugen könnte: Manche erwarten einen weniger heftigen Zyklus, andere versprechen sich eine Beschleunigung auf der Zeitachse.

Ich würde auch beim Bitcoin zunächst weiter abwarten, bis die Signale aus der Sentiment-Umfrage deutlicher werden. Je nach Zeithorizont kann man meines Erachtens auf lange Sicht das aktuelle Preisniveau gut für Käufe nutzen. Wer jedoch kurzfristige Schwankungen für sich nutzen möchte, sollte auf deutlichere Signale warten.



4. Ausblick: Künstliche Intelligenz: Flaschenhälse, Anpassungsprobleme und Neu-Gewichtung



Auch im Volatilitätsindex VIX oder im VDAX ist noch nicht viel Stress zu sehen. Beide notieren noch unter 19 Punkten, immerhin deutlich höher als zum Jahreswechsel, denn damals standen beide unter 15. Doch bis zu einem Wert von 30, der Stress im Finanzmarkt anzeigt, ist noch ein weiter Weg.

Damit müssen wir weiterhin verhalten reagieren. es ist noch zu früh, um all-in zu gehen. Vielleicht bleibt es ja bei der Rotation und ein finaler Ausverkauf bleibt aus.

Ich hatte versprochen, die Zeitachse in die Betrachtung einzubeziehen. Denn immer wieder erlebe ich in Gesprächen, dass Anleger dem Wunsch nachlaufen, etwas als richtig oder falsch einzustufen. Doch unsere Dividendenaktie Cewe ist zu Kursen um 80 Euro "richtig" und bei 160 EUR "falsch". Ein und dasselbe Unternehmen kann also mal richtig und mal falsch sein. Und das wiederum betrifft nur heute. Schon in einem Jahr kann das anders aussehen, da würde ich dann Kurse um 90 EUR als richtig betrachten und erst Kurse ab 170 EUR als falsch bezeichnen. Je nach Entwicklung.

So sind, das ist Ihnen sicherlich auch klar, viele KI-Aktien ihrer Zeit vorausgeeilt. In meinen Augen spielen da derzeit drei Komponenten eine Rolle: Verfügbarkeit, Auffassungsvermögen und technische Möglichkeiten.

Informatiker sind schnell dabei, die technischen Möglichkeiten der KI zu erkennen. Da ist es ganz klar, dass Nvidia noch auf Jahre ausverkauft sein wird, wenn es um die leistungsstarken KI-GPUs geht. Da kommt kein TPU von Amazon oder Alphabet mit. Die TPUs dienen nur dazu, einen theoretischen Preisdruck auszuüben.

Doch bis die KI soweit ausgefeilt ist, dass autonomes Fahren in der Breite einsetzbar ist, dauert es noch eine Weile. Und dann ist es noch komplizierter, humanoide Roboter zu bauen, die zunehmend Tätigkeiten übernehmen können, die eigentlich Menschen machen: Waschen, putzen, schwere Sachen die Treppe Hochtragen, ... Ich würde sagen, auf Sicht von 3-5 Jahren ist noch keinerlei Ende der explosiven Nachfrage nach KI-Rechenzentren mit Nvidia-GPUs zu sehen.

Natürlich gibt es Flaschenhälse: Stromnetze werden durch die KI-Rechenzentren überlastet, die meisten Rechenzentren werden mit eigenen Stromgeneratoren gebaut. Siemens Energy und GE Vernova sind auf Jahre ausverkauft in diesem Bereich.

Die Speicherchips werden in diesen Tagen als Engpass herumgereicht. Micron, SanDisk, Seagate und Western Digital sahen ihre jeweiligen Aktien in den Himmel schießen. Also, so folgern einige Anleger, wird Nvidia nicht ausreichend KI-GPUs verkaufen können, da ihnen der Speicher fehlt. Doch offensichtlich ist diesen Anlegern entgangen, dass Nvidia bei den beiden koreanischen Speicherherstellern SK Hynix und Samsung einkauft.

Auch auf Apple wird das Chaos um Speicherchips angewendet. Anleger verkauften Apple, weil teure Speicher die Gewinnentwicklung beeinträchtigen könnten. Die Q-Zahlen zeigten davon hingegen nichts. Und auch im Ausblick gab sich CEO Tim Cook entspannt, man werde stets ausreichend Speicher zu vernünftigen Preisen im Zugriff haben.

Dazu müssen Sie wissen, dass Apple einer der größten Abnehmer von Speicherchips ist. Wir sehen derzeit einen Schiefstand zwischen Fertigungskapazitäten und Nachfrage. Jedes Unternehmen, das langfristig am Markt bestehen möchte, wird den Teufel tun und Apple mit Mondpreisen verärgern. Denn das wird sich rächen, sobald der temporäre Schiefstand behoben ist. Wenn die Speicherchips also mit Mondpreisen verkauft werden, dann nur an diejenigen, die sich um die kleine Spitze der Produktion streiten, die nicht langfristig verplant ist.

Diese Woche zeigte sich übrigens endlich, dass die zögerliche KI-Vorgehensweise von Apple auch Vorteile hat: Es kristallisiert sich heraus, welche KIs für welche Bereiche am besten sind. Apple musste keinen Cent für Eigenentwicklungen ausgeben, sondern sucht sich jetzt die besten KIs zusammen. Googles Gemini soll Siri antreiben. Aber auch Anthropics KI-Angebot soll für bestimmte Anwendungen genutzt werden. Apple stieg in dieser turbulenten Woche um 8% an.

Neben Strom und Speicher ist natürlich auch das Geld ein Flaschenhals. Die Investitionssummen in dreistelliger Milliardenhöhe bei Amazon und Alphabet, wie wir diese Woche im Rahmen der Q-Zahlen erfuhren, lassen sich locker finanzieren. Beide Aktien wurden jedoch ausverkauft, weil Anleger Zweifel haben, ob sich die Investitionen jemals rechnen werden.

Die Befürchtung, die derzeit auf dem gesamten KI-Markt lastet, ist, dass wir schon bald ungenutzte KI-Rechenkapazitäten sehen werden, deren Anbieter, vermutlich Microsoft (Azure), Amazon (AWS) und Alphabet (Google Cloud) sich in einem Preiskampf um Kunden prügeln. Das Ende vom Lied wollen die Skeptiker auch schon kennen: Abschreibungen in dreistelliger Milliardenhöhe.

Insbesondere weil es ja zunehmend wettbewerbsfähige KI-Chips geben soll, so die Skeptiker: AMD und Broadcom. Doch AMD vermeldete gerade ein enttäuschendes Quartal, mit "zweitbesten" KI-Chips lässt sich offensichtlich kein so gutes Geschäft machen. Und Broadcom hat gar nicht den Anspruch, Chips für die High-End Anwendungen zu entwickeln.

Zudem zeigt sich, dass die Nvidia-GPUs wesentlich länger in KI-Rechenzentren profitabel genutzt werden können, als ursprünglich befürchtet. Alte Chips können noch viele Jahre für das Inferencing genutzt werden. Nur für das Training neuer KI-Modelle sind die neuesten Chips erforderlich.

Und da sich diese Preisvorteile so langsam zeigen, gelingt den Wackelkandidaten, die ich Ihnen Ende letzten Jahres aufzeigte, Oracle und OpenAI, immer besser, ihre Projekte zu finanzieren. Oracle führte gerade erfolgreich eine Finanzierungsrunde für 50 Mrd. USD durch. Und OpenAI war am vergangenen Wochenende in den Schlagzeilen, da befürchtet wurde, Nvidia stünde nicht mehr zu dem im vergangenen Jahr vereinbarten Investment in das Unternehmen. Doch diese Befürchtungen zerstreute CEO Jensen Huang gleich mehrfach in dieser Woche, man halte OpenAI für ein führendes KI-Unternehmen und fühle sich geehrt, darin investieren zu können.

Ich persönlich glaube, dass OpenAI lediglich Probleme bei der Bewertung des eigenen Unternehmens hat: Binnen weniger Wochen war der Unternehmenswert im vergangenen Herbst von 300 über 500 auf 800 Mrd. USD gesprungen. Die Billion lag in der Luft, und da könnte ich mir vorstellen, dass der eine oder andere Investor sich sagte, dass er nicht zu jeder Bewertung Anteile vom Unternehmen kauft. Somit musste man sich zunächst auf einen vernünftigen Unternehmenswert einigen, bevor die Investments fließen können.

Es zeigt sich also, dass es nicht das Problem ist, ausreichend Kapital für die Investitionen zu generieren. Weder Stromversorgung, noch Speicherchips, noch Kapital sind auf Dauer ein K.O.-Kriterium, sie fungieren lediglich vorübergehend als Bremse. Doch ich sehe, wie eine Bremse nach der anderen in atemberaubendem Tempo gelöst wird.

Bleibt der Mensch, oder besser gesagt die Auffassungsgabe des Menschen. Ich habe den Eindruck, die KI kommt so langsam in Bereiche, in denen wir Menschen die Bremse darstellen. Diese Woche wurde eine Plattform erstellt, die nur für KI-Agenten gedacht ist. Dort haben sich die KI-Agenten unterhalten, erschufen eine eigene Religion, dichteten Reime und machten sich "selbständig". Für die Menschen haben sie eine Menge Ratschläge.

Das ist zwar alles noch Spielerei, aber Sie sollten es mal gehört haben, denn KI-Agenten werden künftig immer mehr untereinander abmachen. Aber worauf ich hinaus will, ist die unterschiedliche Geschwindigkeit, mit der sich KI entwickelt und mit der wir sie nutzbar machen.

ChatGPT wurde im November 2022 vorgestellt. Vor mehr als drei Jahren. Und erst heute kommen so langsam die ersten sinnvollen Industrieanwendungen, die verlässliche Ergebnisse auf der Basis deterministischer Systeme ermöglichen. Technologisch war das schon vor drei Jahren möglich. Aber wir müssen die KI trainieren und einen entsprechenden Feinschliff vornehmen, damit alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen. Und das braucht Zeit.

Das Internet war 1998 da und in ausreichender Geschwindigkeit verfügbar. Bis 2000 stiegen die Kurse von Internetaktien in den Himmel, weil man sich tolle Dinge vorstellen konnte. Doch es dauerte noch bis 2010, bis viele Dinge, die ich mir damals vorstellen konnte, für mich auch umsetzbar waren. Und so wird es mit der KI ebenfalls verlaufen: Die Dinge, über die wir heute sprechen, die eigentlich heute (technologisch) schon möglich sind, benötigen noch einige Jahre, bis wir Menschen die KI dahin gebracht haben, dass es auch in unserem Sinne funktioniert. Und genau das ist die Phase, in der die KI-Aktien eine Konsolidierung erfahren könnten.

Da geht es also nicht darum, ob sich die KI durchsetzen wird oder nicht. Da geht es nicht um die Fragen, welche KI-Aktie richtig oder falsch ist. Da geht es nur darum, welche Aktie entsprechend der Geschwindigkeit der KI-Entwicklungen fair bewertet ist und welche nicht.

Daher bin ich mir bei Nvidia und Apple so sicher, dass wir da wenig Probleme bekommen werden. Natürlich schwanken auch die Kurse dieser beiden Blue Chips. Aber deren Zukunftsfähigkeit dürfte nicht in Frage gestellt werden. Aktuell sind einfach viele Anleger zu stark geschichtet in diesen beiden - und anderen - KI-Titeln, da deren Kurse so stark angestiegen sind. Die Verkaufswelle in Nvidia ist in meinen Augen nicht ein Hinterfragen der Zukunftsfähigkeit, sondern einfach nur eine Neu-Gewichtung vieler Anlegerportfolios.

Wenn ich mir all diese Flaschenhälse (Strom, Speicher, Kapital), die menschlichen Anpassungsprobleme und die nachvollziehbaren Neu-Gewichtungen vor Augen führe, dann läuft die aktuelle Rotation doch recht gesittet ab. Sie bleibt stets auf gezielte Branchen fokussiert, weitet sich nicht auf allzu viele Sektoren aus und ist häufig nach wenigen Tagen schon wieder beendet.

Bleibt letztlich nur die eine Frage: Führt die KI-Revolution denn nun tatsächlich zu einem Anziehen des Wirtschaftswachstums, das die Börsenkurse weiter gen Norden treiben könnte? Nun, die Meinung der Skeptiker habe ich Ihnen dargelegt. Sie gehen von gigantischen Abschreibungen in der Zukunft aus. Meine Meinung kennen Sie: Ich gehe davon aus, dass die KI-Rechenkapazität noch auf absehbare Zeit nicht ausreicht, um alle Ideen umzusetzen, die Unternehmen finanzieren können. Wenn überhaupt, dann gibt es kurzfristige Stolpersteine, wenn irgendein Flaschenhals zu durchlaufen ist.

Aber eines ist mir in den vergangenen Tagen klar geworden: Egal, ob SAP und Salesforce durch eine Anthropic-KI abgelöst oder obsolet gemacht werden können oder nicht, Anleger haben ihre Meinung bereits gefasst: Allein das Risiko, dass KI in diesem Bereich intervenieren könnte, lässt die Bewertungsmultipels aus der Vergangenheit überteuert aussehen. Es gibt ein neues Risiko, und das drückt das Bewertungsniveau aller Aktien, die sich diesem Risiko gegenüber sehen. Ob das eine oder andere Softwareunternehmen einen Weg findet, die KI profitabel zu integrieren, wird dann erst in der Zukunft entschieden. Und bis dahin bleibt die Aktie auf einem niedrigen Bewertungsniveau.

Unternehmen, die jedoch die KI für ihre Entwicklung einsetzen können, um Produkte besser, günstiger, verlässlicher etc. zu machen, die gehören heute schon zu den Gewinnern. Deshalb haben wir heute bereits Deutz ins Portfolio geholt. Und deshalb werde ich bei den nächsten Käufen darauf achten, dass wir nur noch Unternehmen mit realen Produkten ins Portfolio holen. Alles ausschließlich digitale ist derzeit unter Generalverdacht.



5. Update beobachteter Werte: Xtrackers Nasdaq 100, Tesla, Novo Nordisk, PVA Tepla, Salesforce, Bitcoin im Hardware Wallet, Yamaha Corp., Deutz



Im Wochenverlauf habe ich Updates zu unseren Portfolio-Titeln verfasst. Diese erhalten Sie nachfolgend zusammen aufgeführt.

Die Updates finden Sie generell jeweils nach der Veröffentlichung verfügbar unter Heibel-Ticker -> Portfolio -> 10 neueste Einträge und mit der Express-Funktion erhalten Sie die Updates direkt unterwöchig per E-Mail und SMS.

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Xtrackers Nasdaq 100: Nasdaq 100 versus S&P 500 & versus Währungsabsicherung



Di, 03. Februar um 18:11 Uhr
Hallo Herr Heibel,

gestatten Sie eine kurze Frage zum empfohlenen Nasdaq ETF. Sie schreiben „zur Absicherung“. Dabei sind die im Nasdaq enthaltenen Werte doch eher sehr volatil und viel hängt an der zukünftigen Performance von der kleinen, aber schwergewichtigen Gruppe der Mag7. Darüber hinaus ist man dem Währungsrisiko eines von vielen erwartet weiter abwertenden Dollars ausgeliefert, das dann die Rendite wegschmelzen lässt. Meine Frage daher: Warum nicht stattdessen einen währungsgesicherten ETF auf den S&P500? Vielleicht mögen Sie ja mal ein Auge auf diesen hier werfen? SPDR S&P 500 UCITS ETF EUR Hedged, WKN: A2AGXP, ISIN: IE00BYYW2V44

Mit bestem Gruß

Joerg aus Berlin

ANTWORT
vielen Dank für Ihre Frage, die vermutlich mehrere Mitglieder bewegen wird.

Ich habe mich für den Nasdaq 100 entschieden, weil ich davon ausgehe, dass auch in den kommenden 5-8 Jahren große Fortschritte durch technologische Erfindungen getrieben sein werden. Die Magnificent 7 sind tatsächlich ein Schwergewicht im Nasdaq 100, aber es gibt schon eine ganze Reihe von Unternehmen, die überproportional Wachstumsraten haben und in ihrer Bewertung zunehmend Einfluss auf die Nasdaq-Entwicklung haben: Broadcom, Micron, SanDisk, GE Vernova, …

Im S&P 500 befinden sich viele Industrietitel, die meiner Einschätzung nach in den kommenden Jahren Probleme bekommen werden. So stehen unsere Autos bspw. 90% der Zeit einfach nur ungenutzt herum. Autonom fahrende Autos können rund um die Uhr fahren, brauchen keinen Schlaf, keinen Urlaub und werden selten krank (Inspektion, Unfall). Wir werden in der Zukunft viel weniger Autos benötigen, um die Transportwünsche im Individualverkehr zu erfüllen. Dies nur als ein Beispiel, warum ich den Nasdaq 100 bevorzuge.

Währungsabsicherung halte ich für unnötig teuer. Wenn wir einen Index auf lange Sicht kaufen, dann gehe ich davon aus, dass Euro und US-Dollar irgendwo um die Kaufkraftparität schwanken werden (derzeit irgendwo zwischen 1,15 und 1,20 USD/EUR). Ob die eine oder andere Währung zwischenzeitlich für wenige Jahre nach oben oder unten ausbricht, interessiert mich nicht.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen ausreichend beantworten.

Alle Updates zu Xtrackers Nasdaq 100


Tesla: General Dynamics Atlas Konkurrenz zu Teslas Optimus



Di, 03. Februar um 18:50 Uhr
Hallo Herr Heibel,
was halten Sie denn von folgender Mitteilung aus dem vergangenen Jahr:

"In einem Schachzug, der humanoide Roboter von bloßen YouTube-Sensationen direkt auf die Fließbänder katapultiert, hat die Hyundai Motor Group
die Bestätigung herausgehauen, Zehntausende von Robotern ihrer Tochtergesellschaft, Boston Dynamics, Inc., einzusetzen.
Der Einsatz umfasst die gesamte kommerzielle Produktpalette: den frisch elektrifizierten humanoiden Atlas, den vierbeinigen Spot und
den kistenstapelnden Stretch-Roboter".

Ist der "Atlas" dem kommenden "Tesla"-Roboter nicht deutlich überlegen? Und kommt man "irgendwie" an Aktien von Boston Dynamics?

Beste Grüße
Michael aus Ettlingen

ANTWORT
Die südkoreanische Hyundai hat die Industrierobotersparte von der US-amerikanischen General Dynamics übernommen. Deren Roboter Atlas ist für schwere Industrieaufgaben optimiert, wiegt also mehr und ist für belastende repetitive Aufgaben ausgelegt. Teslas Optimus ist filigraner, legt mehr wert auf die Koordination der Hände und Finger, so dass Optimus zunächst variable Aufgaben bei der Tesla-Fertigung übernehmen, später dann im Haushalt bei Privatkunden helfen kann.

Das Preisschild für Atlas wird im hohen fünfstelligen Bereich liegen, vielleicht sogar 100.000 US$. Optimus soll laut Tesla um 20.000 US$ kosten, wird also deutlich günstiger sein.

Ich glaube, Sie schauen auf die falschen Kriterien: Natürlich ist es ein Wettlauf um die besten Roboter. Und da könnten wir nun stundenlang diskutieren, wer dort die Nase vorn hat. Ich habe jedoch Tesla in unser Portfolio geholt, weil dort die Fertigungskapazitäten viel größer sind als bei irgendeinem der herkömmlichen Autofertiger oder Roboteranbieter. Der Markt ist groß genug für verschiedene Roboter für unterschiedliche Anwendungen. Doch ich gehe davon aus, dass die Nachfrage dann, wenn sie einsetzbar sind, viel größer als das Angebot sein wird. Ob dann Atlas ein oder zwei Jahre früher marktreif ist, spielt dann nur vorübergehend eine Rolle.

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Novo Nordisk: Katastrophaler Ausblick



Mi, 04. Februar um 10:35 Uhr
Gestern früh veröffentlichte Novo Nordisk Q4-Zahlen, die über den Erwartungen lagen: Der Umsatz ging gegenüber dem Vorjahresquartal um 8% auf 79 Mrd. DKK zurück und lag damit um 3% über den Erwartungen. Der Gewinn (EBITDA) fiel um 12% auf 37 Mrd. DKK und lag um 8% über den Befürchtungen der Analysten. Der Schock kam mit dem Ausblick.

Für Umsatz und Gewinn erwartet CEO Maziar Doustdar einen Umsatz- und Gewinnrückgang von 5-13%. Analysten waren von einem leichten Rückgang von 1,4% ausgegangen. Ich habe mir gerade ein Interview mit Doustdar angeschaut, in dem er nach der Ursache für die große Diskrepanz gefragt wurde. Seine Antwort war technokratisch: Wir definieren das Jahresziel und schauen uns die Schwankungsbreite aus der Vergangenheit an und kommen so zum oberen und unteren Prognoseziel.

Also: Die Mitte liegt bei -9%. Das ist also das Ziel von Novo Nordisk. Analysten erwarteten -1,4%. Da ist doch irgendwas in der Kommunikation zwischen Unternehmen und Analysten mächtig schief gelaufen, oder? Aber auf diesen Umstand geht Doustdar in dem Interview überhaupt nicht ein.

Was ist die Ursache für den erwarteten Rückgang: Preis oder Wettbewerb? Doustdar nennt ausschließlich die neuen Preise in den USA als Grund für den Umsatzrückgang. Mit der Trump-Administration einigte man sich auf das „Most Favored Nation Pricing“, demzufolge in den USA ein Medikament nicht mehr kosten darf als der günstigste international verfügbare Preis. Es handelt sich um einen Doppelschlag: Zum einen darf die Wegovy-Spritze nicht mehr über 1.000 USD im Monat kosten, sondern nur noch weniger als 200 USD. Zum anderen ist die vor vier Wochen in den Markt eingeführte Wegovy-Pille deutlich günstiger als die Spritze.

Doustdar verweist auf die erfolgreiche Einführung der Pille, die vielleicht erfolgreichste Medikamenteneinführung in der Geschichte des Unternehmens. Er macht Hoffnung, dass die Pille durch große Volumina perspektivisch den Verlust durch die niedrigen Preise kompensieren kann.

Den Wettbewerb fürchte er nicht, der globale Markt für Abnehmprodukte sei mit 2 Mrd. Menschen groß genug für Novo, Lilly und weitere Wettbewerber. Sein Unternehmen konzentriere sich derzeit auf die Skalierung der Pille.

Den Kommentaren der Analysten entnehme ich, dass selbst die pessimistischsten von ihnen von der Prognose überrascht wurden. Die Aktie verlor zwischenzeitlich 20%, aktuell beträgt das Minus 14%. Was machen wir daraus? Nun, irgendwie habe ich das Gefühl, Doustdar hat entweder sein Unternehmen, oder die Analysten nicht im Griff. Er behauptet, die negative Prognose sei keine Überraschung, doch die Kursreaktion und die Kommentare der Analysten sprechen eine andere Sprache.

Der Kursgewinn der vergangenen vier Wochen ist nun leider dahin. Zum Glück haben wir einen Teil der Position schon verkauft und damit zumindest teilweise die Rallye für uns genutzt. Ich würde nun auf eine Gegenbewegung zu diesem heftigen Ausverkauf warten und mich von dieser enttäuschenden Position trennen. Ich schaue mir nun doch Eli Lilly wieder näher an. Das Unternehmen scheint einfach das bessere Management zu haben. Novo Nordisk setze ich somit auf „C“ - nach Kursanstieg verkaufen.

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PVA Tepla: Weiterhin verzögerte Auftragsabarbeitung



Mi, 04. Februar um 11:46 Uhr
PVA Tepla legte vorläufige Q-Zahlen vor, die erneut enttäuschten. Projektverschiebungen sorgten für eine Umsatzentwicklung, die „nur“ im Rahmen der Erwartungen ausfiel und eine Gewinnentwicklung, die um 7% hinter den Erwartungen der Analysten zurückblieb.

Lichtblick ist der Auftragseingang, der um 50% über den Erwartungen lag und eigentlich eine ordentliche Geschäftsentwicklung für das gestartete Jahr 2026 erwarten lassen sollte. Doch die Unternehmensprognose fiel sehr zurückhaltend aus, weiterhin spricht CEO Jalin Ketter von einem Übergangsjahr und stellt erst für 2027 eine zunehmende Umsatzdynamik in Aussicht.

In Zahlen: Das Umsatzwachstum für 2026 wird im Mittel mit +9% prognostiziert, beim Gewinn +14%. Für 2027 dann +13% Umsatzwachstum, endlich wieder zweistellig und hoffentlich dann nachhaltig zweistellig laut Management.

Analysten hatten sich deutlich mehr erhofft: Bereits für das laufende Jahr 2026 erhoffte man sich 18% Umsatzwachstum und einen Gewinnsprung von 59%. Auch bei Jalin Ketter muss ich nun fragen, ob sie Opfer widriger Umstände ist (zögerliche Abnahme der bestellten Maschinen durch die Kunden), oder aber ob sie ihr Geschäft nicht im Griff hat. Andere Bereiche der Chip-Fertigung werden von der sprunghaft angestiegenen Nachfrage überrascht. Sind es bei PVA Tepla wirklich die Kunden, die Projekte verzögern, oder kommt sie vielleicht mit der Fertigung nicht nach?

Die Aktie bricht aktuell ebenfalls um 14% ein. Irgendwie sind Anleger derzeit überaus nervös, anders kann ich mir die heftigen Kursabschläge nicht erklären.

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Salesforce: Quatsch regiert: KI frisst Software



Mi, 04. Februar um 12:13 Uhr
Hmm, vor drei Wochen noch war ich überzeugt, dass Softwarekonzerne wie Salesforce, ServiceNow, Adobe und SAP ihre Existenzberechtigung in einer KI-dominierten Welt hätten. Ich hatte das als Quatsch abgetan. Doch an der Börse sieht man das offensichtlich anders. Nachdem am Freitag die Rohstoffmärkte durch Liquidationen ihren heftigsten Ausverkauf seit Jahrzehnten erlebten (Silber -38%), kam am gestrigen Dienstag der Softwaresektor dran.

Salesforce -7%, Palo Alto -6%. Ich wusste gar nicht, dass Palo Alto ein Softwareanbieter ist, in meinen Augen ist das Unternehmen ein Anbieter einer Cloud-Plattform für IT-Sicherheit. Palo Alto nutzt KI für die schnelle Aufdeckung und das Beheben von Problemen. Ob das Kunden so einfach mit KI selber können, wage ich zu bezweifeln, da dazu eben die großen Netzwerke erforderlich sind, die Palo Alto über die Jahre aufgebaut hat.

Salesforce hingegen gehört traditionell zur Softwarebranche. Gestern liquidierten Trader einige Software-ETFs. In den vergangenen Jahrzehnten waren Effizienzsteigerungen in Unternehmen häufig softwaregetrieben. Softwareunternehmen entwickelten einmal und verkauften unendlich oft, ohne nennenswerte Zusatzkosten. In einer KI-Zukunft unterstellt man Kunden nun, ihre Software selber entwickeln zu können.

Geschwindigkeit: An der Börse ist man den realen Entwicklungen häufig um 9-12 Monate voraus. Die KI entwickelt sich schneller als wir das erfassen können. Beinahe monatlich werden derzeit revolutionär neue KI-Modelle vorgestellt. Die Möglichkeiten der KI wachsen schneller als sich das irgendjemand vorstellen kann. Das erfassen Anleger derzeit. Doch in meinen Augen übersehen sie, dass die sinnvolle Nutzung der neuesten KI-Modelle nicht ad hoc gelingt. Menschen benötigen etwas Zeit, um sich mit den neuen Möglichkeiten zurechtzufinden. Und das ist eigentlich die Phase, in der Salesforce noch ordentlich Geld verdienen kann, so zumindest meine Investmenttheorie.

Sie kennen meine Vorgehensweise: In Panik hinein verkaufe ich nicht. Warten wir auf eine Gegenbewegung, aber dann würde ich auch Salesforce aus dem Portfolio werfen. Leider. Eine vorübergehende Geschäftserholung ist höchstens eine vorübergehende Kurserholung wert, insbesondere bei einer spekulativen Position, an der wir schon viel zu lange festhalten.

So, nun haben Sie heute gleich drei Hiobsbotschaften von mir erhalten. Dennoch hält sich unser Portfolio recht gut, weil wir eben breit diversifiziert sind und dadurch in anderen Titeln Gewinne haben. Grundsätzlich brechen in diesen Tagen stets nur einzelne Marktsegmente ein, Trader liquidieren ohne Rücksicht auf das Kursniveau. Glücklicherweise greifen diese Liquidationen bislang noch nicht auf den breiten Markt über, sondern bleiben auf ihren jeweiligen Bereich (Rohstoffe, Software) begrenzt. Hoffen wir, dass dies so bleibt.

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Bitcoin im Hardware Wallet: Erste Käufe möglich, näher am Boden als am Top



Mi, 04. Februar um 12:22 Uhr
Der Bitcoin rutscht heute unter 65.000 EUR. Unseren ersten Kauf tätigten wir vor zwei Jahren bei 61.000 Euro, damit nähern wir uns diesem ersten Kaufpreis. Damals waren die Bitcoin-ETFs in den USA gerade genehmigt worden und es folgte ein Run auf den Bitcoin seitens der institutionellen Anleger, die endlich diese alternative Währung in ihre Portfolios holen konnten. Zuvor verhinderten ihre jeweiligen Regeln das.

Nun fehlt die Nachfrage, um das durch vielfache Liquidationen erzeugte Angebot aufzufangen. Ja, in meinen Augen ist der Bitcoin-Preissturz derzeit eine Folge der Rohstoffliquidation am Freitag und der Softwareliquidation am Montag. Mag sein, dass weitere Liquidationen folgen, doch mit 65.000 Euro, aktuell sogar unter 64.000 Euro, notiert der Bitcoin auf einem Niveau, auf dem ich langfristig Käufe tätigen würde.

Unsere Positionsgröße beträgt aktuell 4,6%. Beabsichtigt sind 6,6% Portfolioanteil. Wer noch nicht im Bitcoin investiert ist, der kann auf diesem Niveau beginnen, eine Position aufzubauen. Für unsere Position warte ich noch ein wenig ab, bis ich unsere Position aufstocke. Vielleicht geht‘s ja noch unter 60.000 EUR.

Soweit das Verhalten für unser Portfolio. Wer jedoch den Bitcoin einfach nur als Parkbucht für langfristig nicht benötigte Gelder betrachtet, der kann auf dem aktuellen Niveau kaufen, sollte aber noch Pulver trocken halten, um im Falle eines weiteren Preisverfalls nochmals nachfassen zu können.

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Yamaha Corp.: Teilverkauf



Mi, 04. Februar um 16:14 Uhr
Ich würde heute noch die Hälfte unserer Yamaha-Position verkaufen. Wenn ich das richtig verstehe, hat Yamaha soeben den Jahresausblick gesenkt. Im Kurs schlägt sich das aber noch nicht nieder, daher können wir den nächsten Ausverkauf vielleicht vermeiden, indem wir ein wenig schneller sind als die Masse.

Als Ursache wird ein schwacher Absatz von Pianos und professioneller Audio-Equipement in China genannt.

Dass Yahama Absatzprobleme hat, ist nicht neu. Der feste Wechselkurs des Yen trägt seinen Teil dazu bei. Yamaha ist jedoch global aufgestellt und fertigt teilweise vor Ort, so dass die Effekte eigentlich kompensiert werden müssten. Doch eine Prognosesenkung ist immer negativ und da wollen wir diesmal schneller sein als der Markt.

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Deutz: Kaufen, Spekulation auf erfolgreiche Neupositionierung



Fr, 06. Februar um 15:01 Uhr
Der kölner Motorenhersteller Deutz positioniert sich erfolgreich für die Zukunft. Großkunde Daimler Trucks bekommt heute schon Motoren, die wahlweise mit Benzin / Diesel oder auch mit Batterien (EV) betrieben werden können. Die Motoren sind so konzipiert, dass Daimler Truck wenig Anpassungen vornehmen muss, wenn zwischen den Antriebsarten gewechselt wird.

Anfang Februar wurde nun die Übernahme von Frerk abgeschlossen. Damit erschließt sich Deutz den Markt für Notstromanlagen, die gerne für kritische Infrastrukturen (Rechenzentren, Krankenhäuser, ...) eingesetzt werden.

Der Wechsel auf Elektromobilität erfolgt zumindest in Europa nicht so schnell wie noch vor zwei Jahren angenommen. Das "Verbrenneraus" wird aufgeweicht. Für den LKW-Bereich dürfte da noch mehr Zeit vergehen. Dennoch wurde Deutz in den vergangenen Jahren auf ein Bewertungsniveau gedrückt, das in meinen Augen viel zu pessimistisch ist.

Mit der Neuausrichtung möchte Deutz nun im laufenden Jahr den Umsatz um 16% steigern, im Jahr 2027 um 11%. Das Gewinnwachstum (EBITDA) soll sich laut Analystenschätzungen in den kommenden drei Jahren kontinuierlich über 20% p.a. bewegen. dennoch wird die Aktie nur mit einem EV/EBITDA von 9,5 bewertet.

2 Mrd. EUR Jahresumsatz werden mit 2 Mrd. EUR Enterprise Value bewertet, bei 24% Gewinnmarge (EBITDA) kommen wir auf erwartete 294 Mio. EUR Gewinn im laufenden Jahr. Die Bewertung ist in meinen Augen viel zu günstig.

An den Aktienmärkten erleben wir eine Rotation raus aus Wachstumstiteln hin zu Value. Deutz ist so ein Valuetitel und ich könnte mir gut vorstellen, dass die Aktie auch nach der Kursrallye von 125% in den vergangenen 12 Monaten noch weiter nach oben laufen wird.

Ich würde daher eine spekulative Position in Deutz zu Kursen um 11 Euro eingehen.

Alle Updates zu Deutz



6. Leserfragen





Lithium als Investment


Hallo Herr Heibel,

Viele Jahre bin ich aufmerksamer Leser Ihres Tickers und hab unter anderem eine von vor 5 Jahren rausgekramt, wo schon mal das Thema Uran diskutiert wurde.

Nun habe ich eine Frage zu Lithium. Lithium ist in meinen Augen wie auch Uran eine Rohstoff für und mit Zukunft. Fällt Ihnen ein Titel ein, der die steigende Lithium Nachfrage gut abbildet? Eine Miene oder etwas, was direkt an der steigenden Nachfrage nach Lithium partizipieren kann?

Herzlichen Dank und Viele Grüße,

Axel aus Hamburg

ANTWORT
Ich halte mich weitgehend aus diesen Spekulationen heraus. Unsere Erde hat reichlich Ressourcen und vorübergehende Engpässe werden durch Investitionen und Preisanpassungen immer wieder ausgeglichen. Ein wirklich stabiler, langfristiger Wachstumstrend ist in Märkten, die dem Schweinezyklus folgen, meiner Erfahrung nach nicht zu finden.

Lithium oder Lithiummine? Der Lithiumpreis unterliegt kurzfristig Angebot und Nachfrage und langfristig den Förderkosten. Das kann man recht gut ausrechnen. Minenbetreiber können völlig unabhängig von der Preisentwicklung ihres Rohstoffs erfolgreich sein oder Pech haben. Minen unterliegen Umweltrisiken (Naturkatastrophen), politischen Risiken (instabile Regierung), können durch Streiks lahmgelegt und können durch inkompetentes Management in den Ruin getrieben werden.

Das sind für mich keine attraktiven Investments sondern höchstens kurzfristige Spekulationen. Derzeit haben wir genügend spekulative Positionen im Portfolio und der „Lithium-Hype“ verfolgt mich schon seit fünf Jahren … kann also nicht so neu sein.

Pfizer als Dividendenaktie


Hallo Herr Heibel,

vielen Dank für Ihre wöchentlichen Updates, die immer wieder gute Ideengeber sind!

Ich habe mir gerade Pfizer als Dividendenaktie ins Portfolio geholt (6-7%) - gibt es einen guten Grund, warum Sie diese Aktie nicht als Dividenden-Kandidat betrachten?

Mit freundlichen Grüßen,
Jens aus Heidelberg

ANTWORT
Ja, Pfizer erfüllt alle 5 Dividendenkriterien. Die Dividendenrendite von 6,7% ist überaus attraktiv.

Ich habe unser Dividendenportfolio auf 5 Positionen beschränkt und für die USA Snap-On gewählt. Es gibt eine ganze Reihe von US-Aktien, die alle 5 Dividendenkriterien erfüllen. Ich versuche, eine breite Streuung von Branchen und Regionen im Heibel-Ticker Portfolio umzusetzen. Da gibt es sicherlich viele Aktien, die gut sind, aber dann aus Diversifizierungsgründen nicht den Weg ins Portfolio finden. Grundsätzlich gefällt mir Pfizer :-).



7. Übersicht HT-Portfolio




Spekulation (≈20%) =20,4%WKN6.2., 21:17 UhrWoche ΔΣ '26 ΔAnteil 8x2,5%!
PVA Tepla74610020,62 €-22%-10%1,6%A
DELL TechnologiesA2N6WP101,70 €6%-5%2,6%C
Home Depot866953326,50 €3%11%2,0%A
SalesforceA0B87V160,42 €-10%-29%1,0%C
Capital One Fincl893413188,89 €2%-9%2,7%A
TJX854854131,55 €4%1%2,7%B
Boeing850471205,91 €5%11%2,9%A
Nike86699354,01 €4%-3%2,5%A
Deutz63050010,98 €0%0%2,4%A






Disruptiv (≈30%) =31,8%WKN6.2., 21:17 UhrWoche ΔΣ '26 ΔAnteil 5x6%!
MediosA1MMCC16,20 €2%12%4,3%C
Nvidia918422156,52 €-3%-2%7,6%A
Palo Alto NetworksA1JZ0Q134,36 €-10%-14%5,6%B
Novo NordiskA3EU6F39,57 €-20%-9%4,3%B
Apple865985235,74 €8%2%7,2%A
TeslaA1CX3T349,98 €-3%-9%2,8%B







Dividende (≈30%) = 21,3%WKN6.2., 21:17 UhrWoche ΔΣ '26 ΔAnteil 5x6%!
CEWE540390101,60 €1%-2%5,9%B
Allianz840400387,20 €4%-1%5,5%B
Snap-On853887313,00 €1%7%3,2%A
Holcim86989883,70 €-4%0%3,8%C
Yamaha8553146,43 €5%8%2,9%A







Absicherung (≈20%) =16,1%WKN6.2., 21:17 UhrWoche ΔΣ '26 ΔAnteil 3x6,6%!
Goldbarren /Uz9655154.190,28 €2%14%8,5%C
BitcoinA27Z3059.695,91 €-15%-20%4,2%B
Xtrackers Nasdaq 100A2QJU348,96 €-2%-2%3,4%A



Woche ΔΣ '26 ΔCashquote



-2%-1%10,4%

Heibel-TickerGewichtung# Positionenangestrebte Positionsgröße
PortfolioZielSollIstSollIst
SpekulationEreignis20%20,4%892,5%
DisruptivEnkelkinder30%31,8%566,0%
DividendeUrlaub30%21,3%556,0%
AbsicherungZins & Gold20%16,1%336,7%
Summe
100%90%2123100%


Anmerkungen:
- Die Überschrift über jedem Portfoliobereich in der jeweiligen ersten Spalte (bspw. Absicherung (≈20%) =21,8%) bedeutet: Der beabsichtigte Anteil dieses Portfoliobereichs am Gesamtportfolio beträgt ungefähr 20%. Aktuell beträgt der Anteil 21,8%.
- Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend.
- Unter „Woche” steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche.
- Unter „Σ 'XX Δ” steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn bzw. seit Aufnahme ins Portfolio.
- Unter „Anteil” finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am Gesamtdepot.

Unter ! steht zur Information meine Grundtendenz:

ATop-Aktie mit günstigem Kurs, 
BKursrücksetzer zum Kaufen nutzen 
CKurssprünge zum Verkaufen nutzen, 
Dbei Gelegenheit Verkaufen, 
ESofort Verkaufen 


Die „Gelegenheit” zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.

Ich habe diese Spalte „!” insbesondere für neue Mitglieder vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.

Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:
- Dividenden- + Wachstumspositionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,
- Zyklische Positionen in zwei Schritten aufbauen: 50%-50%,
- Spekulative Positionen ganz oder gar nicht: 100%.

Die letzte Spalte wird für eine Einschätzung der Auswirkung aktueller Entwicklungen auf die jeweilige Portfolioposition genutzt. „%“ stuft den Einfluss der Inflation auf das jeweilige Geschäftsmodell ein.

Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll, allenfalls Stopp Loss Marken für unseren Spekulationen werde ich bisweilen im Text bekanntgeben.

Eine erfolgreiche Börsenwoche,
take share

Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

https://www.heibel-ticker.de




8. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise



Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.

Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar.

Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren.

Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen

DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5436
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag



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