Leserfragen (September 2026)


 Frage vom 18.09.2026

#Honeywell Aerospace günstig wegen Lieferkettenproblemen

Lieber Herr Heibel,

ich fände mal eine Analyse von HONA durch dich sehr spannend.

Honeywell Aerospace ist nach den Quartalszahlen ein wenig unter die Räder gekommen, aber ich halte sie langfristig durchaus interessant.

Vielleicht haben sie ja mal Zeit/ Lust.
Herzlich, Kai aus Würzburg

 Antwort:

Honeywell Aerospace ist ein klassischer Post-Spin-off-Fall und damit für Geduldige tatsächlich interessant. Dem Spin-off am 29. Juni folgte am 5. August sofort ein Schock mit dem ersten Quartalsbericht als eigenständiges Unternehmen. Die Unternehmensprognose für 2026 wurde von 7-9% organischem Wachstum auf 4-5% gesenkt, die Aktie verlor über 20%. Als Grund wurden Lieferkettenengpässe bei mechanischen Komponenten genannt, die verhindern, dass die stark wachsende Aftermarket-Nachfrage bedient werden kann.

Nicht die Nachfrage ist das Problem, sondern die Fähigkeit zu liefern. Das ist der bessere der beiden möglichen Fehler. Das Management hat konkrete Maßnahmen angekündigt, wie bspw. Investitionen in Zulieferer-Werkzeuge, Dual-Sourcing (stets mindestens 2 Lieferanten für jede Zulieferer-Komponente) und rechnet mit einer Erholung der Gewinnmarge ab 2027. Bis 2030 soll der Gewinn verdoppelt werden. Die Verteidigungsausgaben in Europa und in den USA steigen strukturell und Honeywell Aerospace hat eine starke Marktstellung bei Bordelektronik (Avionik), Triebwerken und Hilfstriebwerken (APUs).

Auch ohne die negative Überraschung bei den ersten Quartalszahlen hätte ich eine zunächst schwache Kursentwicklung nach dem Spin-off erwartet. Die ersten 6-12 Monate sind häufig holprig, weil Anleger das neue Unternehmen erst kennenlernen müssen. Wie erstellt das Unternehmen seine Prognose, wie sehen die Lieferantenverträge ohne Konzernmutter aus, die Kapitalallokation wird häufig neu aufgesetzt. Zudem verkaufen viele Index-Fonds und institutionelle Anleger die beim Spin-off erhaltenen Aktien des kleineren Ablegers der Konzernmutter, da die neue Gesellschaft nicht in das Anlageprofil passt. Erst danach, vielleicht nach 6-12 Monaten, folgt eine Phase der Neubewertung.

Ich würde HONA aktuell noch nicht kaufen. Der Q3-Bericht Anfang November muss zunächst zeigen, ob die Lieferkettenmaßnahmen greifen und ob die Unternehmensprognose hält. Das EV/EBITDA steht bei 13, für das laufende Jahr wird nun ein Gewinnwachstum (EBITDA) von 16% erwartet, für 2027 dann 8%. Langfristig dürfte sich das Unternehmen zu einem verlässlichen Industrieunternehmen mit Schwerpunkt Luftfahrt und Rüstung entwickeln. Sofern das Lieferkettenproblem gelöst wird, könnte die gute Marktposition aufgrund der großen Nachfrage zusätzlich noch Preiserhöhungen ermöglichen, die dann zu positiven Überraschungen bei der Gewinnentwicklung und somit zu einem kräftig ansteigenden Kurs führen könnten. Doch das ist dann nur eine Spekulation, die ich nicht eingehen würde, bevor das Lieferkettenproblem gelöst ist.


 Frage vom 17.09.2026

#Stark schwankende Dividendenrendite bei Harbour Energy

Guten Abend, Herr Heibel,

in der letzten Ausgabe habe Sie bei den Leserfragen Habour Energy A3CRBA hervorgehoben, insbesondere die Div.-Rendite von 8,9 %.

In zwei anderen Finanz-Zeitungen ist nur von ca. 4,6 % die Rede.

Auf welcher Seite liegt der Flüchtigkeitsfehler ? Es wird ja zweimal jährlich Dividende ausgeschüttet...

Meiner Spürnase sagt die Aktie zu.

Viele Grüße

Franz aus Magdeburg

 Antwort:

Danke für den Hinweis, alle haben recht: Die Dividendenrendite für das abgelaufene Jahr 2025 betrug 8,9%, ausgezahlt in zwei Tranchen (am 21.5.25 und 24.9.25 jeweils 13,19 USD/Aktie).

Am 20.5.26 und 24.9.26 werden jeweils 8,905€ ausgeschüttet, was zu einer Dividendenrendite von aktuell 4,9% führt.

Für 2027 erwarten Analysten eine Dividende von zweimal 10 USD, also 5,5%.

Danke nochmals für den Hinweis. Die starken Schwankungen in der Rendite liegen zum einen an der dynamisch angepassten Dividendenhöhe sowie auch an der Kursentwicklung, die derzeit sehr volatil ist: Zum Jahresbeginn lag der Kurs bei 182 USD, im März wurde das Hoch bei 320 USD erreicht und aktuell steht die Aktie bei 274 USD. Die Dividendenrendite wird stets auf den aktuellen Kurs zum Zeitpunkt der Ausschüttung, die erwartete zum aktuellen Kurs, berechnet, daher diese großen Schwankungen.


 Frage vom 17.09.2026

#Palo Alto: Index-Aufnahme als Kurstreiber

Hallo Herr Heibel !

Ich freue mich immer auf die neue Ausgabe des Tickers, nur weiter so 😀

Da Palo Alto jetzt in den S&P aufgenommen wird, würde mich interesieren in welchem Zeitraum die Anpassungen gemacht werden....
Beginnt das schon vor Aufnahme in den Index oder aber erst ab dem Stichtag ?
Wie lange kann dad dauern ?
Ist das einheitlich geregelt odet macht das jeder nach seinen eigenen Regeln ?

Vielen Dank
Jürgen aus Sardinien

 Antwort:

Palo Alto Networks ist bereits seit Juni 2023 im S&P 500. Was jetzt am 21. September 2026 ansteht, ist die Aufnahme in den engeren S&P 100, gemeinsam mit Dell, Arista und SanDisk. Aus dem S&P 100 fliegen Nike, Honeywell Aerospace, Simon Property Group und Colgate-Palmolive.

Zum Ablauf der Anpassungen: S&P Dow Jones kündigt die Änderungen typischerweise 5-10 Handelstage vor dem Effektivdatum an. Diese Ankündigung erfolgte hier Anfang September. Das eigentliche Rebalancing der passiven Index-Fonds findet dann konzentriert am Handelsschluss des letzten Handelstages vor dem Effektivdatum statt, also am Freitag, 18. September. Passive Fonds müssen ihre Positionen möglichst exakt an den Index anpassen, um ihren Tracking Error minimal zu halten. Die Schlussauktion des Vortags ist der einzige Zeitpunkt, an dem sie garantiert zum offiziellen S&P-Rebalancing-Kurs kaufen können.

Die Effektivdatum-Regel ist einheitlich für alle passiven Fonds vorgegeben; sie müssen zum offiziellen Rebalancing-Zeitpunkt die Position halten. Wie sie die Position dorthin aufbauen, ist allerdings jedem Fondsmanager selbst überlassen. Manche kaufen alles am Effektiv-Tag, andere staffeln die Käufe über mehrere Tage vorher, um den Kurs nicht selbst nach oben zu treiben. Genau darauf spekulieren aktive Trader und Hedgefonds: Sie kaufen die Aktie direkt nach der Ankündigung und verkaufen später an die passiven Fonds - das ist der berühmte „Index Inclusion Effect", der historisch zwischen Ankündigung und Effektivdatum für einen leichten Kursanstieg sorgt (ca. 3%). Nach dem Effektivdatum folgt häufig ein leichtes Reversal von 1-2%, langfristig bleibt aber ein Aufwärtsdruck durch die höhere Sichtbarkeit und die dauerhafte Nachfrage neuer passiver Fondsmittel.

Die S&P 100 Aufnahme hat eine deutlich kleinere Nachfragewirkung als die S&P 500 Aufnahme. Der S&P 500 wird von direkt oder indirekt rund 7-9 Bio. USD getrackt, der S&P 100 nur von einem Bruchteil davon. Der zusätzliche Kaufdruck wird also spürbar geringer sein als beim S&P 500 Aufstieg 2023, wo Palo Alto damals am Ankündigungstag +5,6% zulegte. Eine viel stärkere Kursrelevanz haben andere Entwicklungen, wie in diesen Tagen beispielsweise die gestiegene Bedeutung von Sicherheitslösungen für die IT-Landschaft im Rahmen der KI-Bedrohungen. Palo Alto stieg allein diese Woche um 15% an - unabhängig von der Index-Entscheidung.

Also: Wir kümmern uns selten um Index-Zugehörigkeiten als Kurstreiber, da diese Effekte nichts mit dem zugrunde liegenden Geschäft zu tun haben und daher in meinen Augen eher die Bestätigung einer Geschäftsentwicklung und nicht deren Ursache. Wenn überhaupt, dann könnte der Kurs am Montag etwas unter Druck geraten, weil die oben erwähnten Spekulanten aus der Aktie gehen.


 Frage vom 17.09.2026

#PVA TePla KGV 72 versus EV/EBITDA 16

Lieber Herr Heibel halten Sie heute PV Tepla bei einem Kurs von ca. 28,00
Euro trotz eine KGV von 72 für kaufenswert?
Für eine kurze zeitnahe Rückmeldung freue ich mich.
Mit besten Grüßen
Henning aus Wendelsheim

 Antwort:

Hier können Sie wunderbar sehen, warum ich die Bewertungskennziffer EV/EBITDA (kurz: EVA) dem KGV vorziehe: EVA zeigt die Profitabilität des Geschäftsmodells, während das KGV Investitionen, Schulden und andere Faktoren einbezieht. Wenn Sie also wissen wollen, wie teuer die Aktie heute ist, dann ist das KGV hilfreich. Doch mich interessiert, wie teuer die Aktie künftig sein wird. Und dazu rechne ich Investitionen als Einmaleffekt heraus und schaue auch nur auf den Unternehmenswert, wenn es keine Kredite gäbe.

Der konservative Anleger mag sich auf eine dritte Kennzahl konzentrieren: den freien Cashflow. Diese Kennzahl berücksichtigen wir bei Dividendentiteln besonders stark, da eine attraktive Dividende direkt am freien Cashflow hängt. Für Wachstumsunternehmen wie PVA TePla ist das jedoch irrelevant. Hier interessiert mich nur, ob das Geschäftsmodell in der Zukunft trägt. So steht das KGV bei 72, während das EV/EBITDA nur bei 16 steht.

Natürlich ist es riskant, sich auf künftige Entwicklungen zu konzentrieren. Wir haben bereits das Tal der Tränen mit PVA TePla durchschritten, da die Prognosen stets zu optimistisch waren. Doch seit Jahresbeginn hat sich dies geändert, inzwischen werden die Prognosen zunehmend verlässlich, so dass die Aktie bereits um 50% angestiegen ist … auch wenn sie zwischenzeitlich schon mal eine Verdopplung zeigte.


 Frage vom 17.09.2026

#Micron-Risiko: Mitarbeiter fordern Gewinnbeteiligung von 800.000$/Jahr/Mitarbeiter

Sehr geehrter Herr Heibel,

Sie empfehlen Micron Technology zum Kauf. Haben Sie keine Bedenken hinsichtlich der gewerkschaftlichen Arbeitskampfmaßnahmen in Taiwan? Nach dem Vorbild von Samsung und SK Hynix droht die Gewerkschaft damit, die Arbeit unbefristet niederzulegen, falls nicht 15% des Ertrags als Bonus an die Mitarbeiter ausgeschüttet werden. Ein Angebot von Micron, bis zu 68 Monatsgehälter als Bonus zu zahlen – also mehr als fünf Jahresgehälter –, wurde von der Gewerkschaft als abgewiesen.

Die Gewerkschaften vertreten in Taiwan knapp 10.000 von rund 15.000 Mitarbeitern an den betroffenen Standorten, mehr als 80 % der befragten Mitglieder unterstützten Streikmaßnahmen, und trotz Microns inzwischen angekündigter Vergütung von bis zu 68 Monatsgehältern besteht noch keine Einigung.

Für einen Investor sehe ich dies aus drei Gründen problematisch. Erstens hat Micron kurzfristig kaum Ausweichmöglichkeiten: Eine moderne DRAM-Fab lässt sich nicht einfach durch ein anderes Werk ersetzen. Zweitens zeigt Samsung, dass erfolgreiche Arbeitskämpfe branchenweit neue Referenzwerte schaffen können. Drittens kann daraus ein dauerhafter Anspruch auf einen erheblichen Anteil des zyklischen Übergewinns entstehen. Dann liegt ein Teil des operativen Leverage nicht mehr bei den Aktionären. Sollte die Forderung tatsächlich auf 15 % des konsolidierten operativen Micron-Gewinns hinauslaufen, wäre die theoretische Belastung enorm. Bei 15.000 Taiwan-Mitarbeitern entspräche es rechnerisch fast 1 Mio. USD je Beschäftigten.

Diese asymmetrische Risikoverteilung gefällt mir überhaupt nicht. In einem schlechten Speicherjahr trägt der Aktionär praktisch das gesamte zyklische Risiko: Gewinne kollabieren, Fabs schreiben weiter ab, der Aktienkurs fällt. Im außergewöhnlich guten Jahr tritt dagegen eine organisierte Belegschaft auf und verlangt einen erheblichen Anteil des Übergewinns. Damit entsteht für den Aktionär eine ungünstige Struktur: Downside bleibt beim Kapitalgeber, Upside wird zunehmend geteilt.

Das ist genau das Gegenteil dessen, was ich bei einem kapitalintensiven zyklischen Unternehmen sehen möchte. Die Aktionäre finanzieren Milliarden für Fabs, übernehmen Technologie-, China-, Taiwan-, Nachfrage- und Abschreibungsrisiken – und der außergewöhnliche Gewinn wird nachträglich neu verteilt.

Trotz der marktwirtschaftlich guten Aussichten halte ich dieses Risiko für ein Damoklesschwert über allen 3 Speicherproduzenten.

Mit freundlichen Grüßen

Ralf aus Boppard

 Antwort:

Taiwan ist tatsächlich das operative Rückgrat von Micron, denn dort werden 50-60% aller Chips produziert, bei HBM-Chips ist es sogar der Löwenanteil. 19 Mrd. USD an langfristigen Vermögenswerten (Anlagen und Ausrüstung) sitzen ebenfalls in Taiwan, mehr als in jedem anderen Land. Ein Streik zum jetzigen Zeitpunkt würde nicht nur die aktuellen Auslieferungen treffen, sondern die gesamte HBM-Roadmap 2026/27 gefährden.

Samsung hat im Mai einen 18-Tage-Streik von 48.000 Mitarbeitern nur mit einer Sondervergütung von 10,5% der Chip-Gewinnmarge abgewendet. SK Hynix hat vor einem Jahr sogar 10% des jährlichen Gewinns (Operating Profit) für die nächsten 10 Jahre zugesagt. Die Micron-Gewerkschaft rechnet vor, dass das aktuelle Micron-Angebot nur 4,4% des operativen Gewinns entspricht. Im Raum steht aktuell eine 15%-Forderung als Anfangsgebot einer Verhandlung. Rechnen wir mal damit, dass eine Einigung zwischen 8% und 12% liegen könnte.

Ihre asymmetrische Risikoverteilung trifft den strukturellen Kern. In Zyklustiefs schreiben die Speicherhersteller regelmäßig Milliardenverluste und die Aktionäre tragen die volle Abschreibung. Im Zyklushoch, wenn 80% Operating Margins zu 28 Mrd. USD Nettogewinn pro Quartal führen, erhält die Belegschaft einen Anteil, der in schlechten Jahren nicht symmetrisch reduziert wird. Bei den 8% bis 12% wäre die Rechnung tatsächlich extrem: 10% von rund 30 Mrd. USD Quartalsgewinn wären 3 Mrd. USD pro Quartal an die Belegschaft, das entspräche knapp 0,8 Mio. USD je Taiwan-Mitarbeiter im Jahr. Für die Belegschaft ein Traumgehalt, für den Aktionär eine erhebliche strukturelle Belastung.

Ihre Schlussfolgerung, dass dies ein Damoklesschwert über allen drei Speicherproduzenten ist, teile ich nur bedingt. Bei SK Hynix und Samsung ist der Schock bereits durchgestanden und im Kurs eingepreist. Die Aktien laufen trotzdem stark, weil der absolute Gewinn selbst nach der Gewinnbeteiligung enorm ist. Bei Micron ist der Schock meiner Einschätzung nach größtenteils eingepreist. Die Verhandlungen laufen aktuell (18./21. September), Q4-Zahlen kommen am 30. September, und der potenzielle Streikbeschluss steht unmittelbar bevor. Der Bewertungsabschlag der Micron-Aktie gegenüber SK Hynix reflektiert nach meiner Wahrnehmung den Großteil dieser Arbeitskampfrisiken.

Vielen Dank für Ihren Hinweis, dieser Arbeitskampf hat bei näherem Hinschauen tatsächlich eine deutlich größere Bedeutung, als von mir zuvor angenommen. Gleichzeitig dient dieser Arbeitskampf nun als Erklärung für die schwache Kursperformance in den vergangenen Wochen. Häufig ist es so, dass eine Lösung, egal ob bei 8% oder 12%, gerade in einer Situation wie bei Micron, wo die beiden maßgeblichen Wettbewerber bereits entsprechende Entscheidungen umsetzen, als Gewissheit begrüßt wird und die Aktie anschließend zu einer Erholung ansetzt.

Andersherum gerechnet: Sollte der Gewinn durch die Mitarbeiterbeteiligung um 10% gekürzt werden, dann würde sich das EV/EBITDA von aktuell 5,0 auf 5,5 erhöhen. Das ändert kaum etwas an der exorbitant günstigen Bewertung.


 Frage vom 11.09.2026

#Spekulieren auf fallende Kurse bei Nordex und Vestas

Sehr geehrter Herr Heibel,

nach Gesprächen mit Kollegen aus der Windbranche sind unproportional hohe Preise von Windenergieanlagen, besonders in Deutschland für niedrige rentabilität der Projekte verantwortlich.

Dies zwingt die Projektierer teilweise keine Projekte mehr Umzusetzen, während die Hersteller gut an den noch bestehenden Aufträgen verdienen.

Manche erwarten nun einen Rückgang in den Anlagenpreisen, besonders im deutschen Markt.

Ist das womöglich eine Grundlage für eine shortposition in Vestas Wind Systems und oder Nordex SE?

--
mit freundlichen Grüßen
Hartmuth aus Meinersen

 Antwort:

Nein, diese Schlussfolgerung würde ich aus Ihrer richtigen Beobachtung nicht ziehen. Das Bild in Ihrer Windbranche-Runde spiegelt die Perspektive der Projektentwickler wider, und aus deren Sicht ist es zutreffend: Die Margen im Projektgeschäft sind unter Druck. Aber die Ursache liegt nicht bei den Turbinenpreisen, sondern beim Angebot von Projekten. Die letzte deutsche Onshore-Auktion im Juli hat niedrige Preise (51 EUR/MWh bis 44 EUR/MWh) ergeben. Diese Preise sind Ergebnis eines starken Anstiegs des Projekt-Angebots. Deutschland hat 2025 rund 21 GW an Onshore-Wind-Projekten genehmigt, 2026 wird dieser Wert nochmals übertroffen. Nach Jahren der zögerlichen Genehmigung ist nun das Gegenteil eingetreten: Zu viele Projekte drängen in zu wenige Auktionsslots und drücken die Preise.

Für die vier verbliebenen Turbinenhersteller (Vestas, Nordex, GE Vernova, Siemens Energy) ist das die beste Marktphase seit Jahren. Die Marge von Nordex ist von 1% im Jahr 2023 auf 4,1% im Jahr 2024 gestiegen, das mittelfristige Ziel liegt bei 8%. Der Turnaround, den ich beim Hamburger Investorentag im April 2024 vom Nordex-CFO Ilya Hartmann geschildert bekam, ist gerade voll im Gang. Nordex-CEO Blanco hat kürzlich sogar die Ambition ausgesprochen, wieder auf einen US-Marktanteil von 15-18% zurückzukommen.

Sie sagen: Hohe Turbinenpreise → keine Projekte → Preisrückgang bei Turbinen. Tatsächlich läuft es aber genau andersherum: Erst kamen die Genehmigungen, dann stieg die Nachfrage nach Turbinen, dann konnten die vier Oligopolisten ihre Preise anheben und ihre Margen normalisieren. Wenn Projektierer heute klagen, dass Projekte nicht wirtschaftlich sind, dann liegt das an den niedrigen Auktions-Erlösen und den weiter hohen Zinsen für die Projektfinanzierung, nicht am Turbinenpreis.

Der Rückenwind für Vestas und Nordex ist real, das operative Momentum trägt weiter.


 Frage vom 11.09.2026

#Profitieren vom Gaspreisanstieg: Equinor, OMV, Vår Energi, Harbour Energy

Hallo Herr Heibel,

heute hat es in Hamburg den ganzen Tag über 'Bindfäden geregnet' und ich habe tatsächlich unsere Heizung wieder eingeschaltet ... dazu beschäftigt mich eine aktuelle Überlegung:

Die europäischen Gasspeicher sind für die Jahreszeit ungewöhnlich leer, weil sich das Einspeichern bei den seit Monaten hohen Gaspreisen kaum gerechnet hat – gleichzeitig beginnt nun die Heizsaison, sodass Europa möglicherweise ausgerechnet bei hohen Preisen nachkaufen muss. Könnte daraus ein interessanter Investment-Case für europäische Gasproduzenten entstehen, deren Förderkosten deutlich unter dem aktuellen TTF-Preis liegen, etwa Equinor, OMV, Vår Energi oder Harbour Energy? Mich würde insbesondere interessieren, bei welchem dieser Unternehmen ein weiterer Anstieg des europäischen Gaspreises noch nicht im Aktienkurs eingepreist ist und wo Sie aktuell den größten Hebel auf Free Cashflow und Aktienkurs sehen.

Was meinen Sie?

Viele Grüße
Stephan aus Hamburg

 Antwort:

Die europäischen Speicherstände liegen tatsächlich deutlich unter dem saisonalen Durchschnitt, der TTF-Gaspreis notiert bei rund 66 USD/MWh und damit mehr als doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn. Sollte der Winter kalt ausfallen oder die Straße von Hormus weiter blockiert bleiben, kann die Gaspreisrallye noch deutlich zulegen. Damit stellt sich Ihre Frage, wo der größte Hebel liegt.

@Equinor: [Im Juli 2025 zeigte ich auf, dass Equinor schrumpft und immer mehr investieren muss](https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2317?refID=1&referrerUrl=%2Fheibel_tickers%3Futf8%3D%25E2%259C%2593%26month%3D%26year%3D%26keyword%3DEquinor). Inzwischen hat Equinor die Strategie neu justiert: Wachstum bei internationalen Ölfeldern, prognostizierte 20 Mrd. USD Free Cashflow zwischen 2026 und 2030. Die Story ist besser als vor zwei Jahren, aber Equinor bleibt ein größerer, integrierter Konzern mit weltweiter Diversifikation. Der Hebel auf den europäischen Gaspreis ist bei einem Konzern dieser Größe strukturell gering.

@OMV: Der integrierte österreichische Konzern hat neben dem E&P-Geschäft ein bedeutendes Chemie- und Raffinerie-Segment. Bei steigendem Gaspreis verdient OMV mehr, aber das Chemie-Geschäft leidet gleichzeitig unter höheren Rohstoffkosten und schwacher Nachfrage aus der europäischen Industrie. Der Hebel auf den europäischen Gaspreis wird dadurch verwässert.

@Vår Energi: Die norwegische Eni-Tochter (Eni hält 63,5%) ist ein Pure-Player im norwegischen Kontinentalschelf mit hoher Sensitivität gegenüber dem europäischen Gaspreis. Das Unternehmen bedient den norwegischen Markt. Die Aktie hat den Gaspreisanstieg bereits mit einem Kursplus von 50% eingepreist, bietet aber weiter Hebel. Das EV/EBITDA steht bei nur 1,8, da der Gewinn in den vergangenen Monaten sprunghaft anstieg. Die Dividendenrendite von 9% macht ebenfalls Spaß. Allerdings handelt es sich um einen „Sondereffekt“. Bereits für 2027 werden wieder rückläufige Umsätze und Gewinne befürchtet, was die niedrige Bewertung erklärt.

@Harbour Energy: Die H1-2026-Zahlen waren spektakulär. Rekordproduktion, Free-Cashflow-Prognose für das Gesamtjahr verdreifacht, Umsatz +20%. Die Konzernstrategie fokussiert bewusst auf fünf Kernregionen mit niedrigen Förderkosten: Norwegen, UK, Argentinien, USA und Mexiko. Die Betriebskosten liegen bei nur 13,3 USD je Barrel Öläquivalent, was historisch niedrig ist. Durch Übernahmen im US-Golf und in Großbritannien ist Harbour deutlich größer und diversifizierter geworden. Die Aktionäre sollen 2026 durch Aktienrückkäufe 250 Mio. USD erhalten zuzüglich 8,9% Dividendenrendite.

Die aktuelle Unternehmensprognose basiert auf Annahmen, die den kompletten Gaspreisspurt der letzten Wochen noch nicht widerspiegeln. Sollte der Winter kalt werden und der Gaspreis nicht abschmelzen, wird Harbour die Guidance anheben müssen. Bei einem Free-Cashflow-Yield von aktuell rund 30% auf die Marktkapitalisierung und weiter steigenden Gaspreisen ist der Multiplikatoreffekt größer als bei Equinor oder OMV. Denn für jeden Euro Marktkapitalisierung wirft das Unternehmen aktuell 30 Cent an freiem Cashflow ab.

Harbour Energy ist stark gehebelt: Bei einer Marktkapitalisierung von 6 Mrd. USD bestehen 7,6 Mrd. USD Schulden. Da reicht ein bereits kleiner absoluter Gewinnsprung, um eine große relative Kurswirkung zu erzielen. Ein zusätzlicher Gewinn von 1 Mrd. USD bedeutet +17% auf die Marktkapitalisierung. Dieselbe Milliarde bedeutet bei Equinor nur 1,3%. Bei OMV frisst das Chemie-Geschäft einen Teil des Aufwärts-Hebels weg.


 Frage vom 11.09.2026

#Bitcoin kaufen über Relai & Bitcoin.de

Hallo Herr Heibel,

vielen Dank für Ihr kontinuierliches Engagement im Rahmen des Heibel-Tickers. Ich freue mich jede Woche auf Ihre Einordnung der aktuellen Geschehnisse. Sie bereichert meine Börsenaktivitäten sehr.

Ich plane bei Gelegenheit ein paar BTC-Anteile zu kaufen. Sie hatte vor einiger Zeit Handelsplattformen vorgestellt bzw. empfohlen. Nur um sicherzugehen, dass ich die richtige erwische: Dieses war glaube ich eine Ihrer Empfehlungen, oder? https://relai.app/de/

Zum anderen würde mich Ihre Meinung zu dieser Börse interessieren: https://www.bitcoin.de/de
Diese Börse ist seit >10 Jahren am Markt. Eine vertrauenswürdige Quelle hat dort zu dieser Zeit schon gehandelt. Vorteil: Gebühren von nur 0,5% je Transaktion (je für Käufer und Verkäufer). Leider ist der Handel gerade ausgesetzt, wegen Anpassung der Plattform an eine Regulierung. Auf Grund der langen Historie erscheint mir die Plattform als vertrauenswürdig. Haben Sie eine Meinung zu diesem Anbieter?

Besten Dank und viele Grüße aus Karlsruhe,
Elmar

 Antwort:

Besten Dank für das Lob :-)

@Relai: Ja, richtig erinnert - Relai habe ich seit Januar 2024 mehrfach als „Brücke in die Bitcoin-Welt" empfohlen. Die App ist unkompliziert, Bitcoin-only fokussiert und ermöglicht die Eigenverwaltung, sofern gewünscht. Kaufgebühren liegen bei 1,5%, beim Verkauf um 1%. Relai bietet die Überweisung auf ein Konto in Luxemburg, auf das per SEPA-Echtzeitüberweisung eingezahlt werden kann. Für die einfache Anlage in Bitcoin bleibt Relai meine Empfehlung. Wenn Sie mir was Gutes tun wollen, nutzen Sie meinen Empfehlungslink: REL247362. Ich glaube, dann bekomme ich eine kleine Aufmerksamkeit :-)

@Bitcoin.de: Diese Plattform habe ich im Heibel-Ticker bisher nicht explizit besprochen, aber sie ist absolut seriös. Betrieben von der Bitcoin Deutschland AG (Tochter der börsennotierten Bitcoin Group SE), seit 2011 am Markt, BaFin-reguliert und mit der Solaris Bank als Treuhandpartner. Bitcoin.de ist ein Peer-to-Peer-Marktplatz, auf dem Käufer und Verkäufer über den Marktplatz direkt Bitcoins tauschen. Die Gebühr liegt bei 0,5% je Seite, effektiv also 1% bei einer kompletten Transaktion - günstiger als Relai. Vorteil: Deutsche Regulierung, deutsche Sprache und Support, deutsches Steuerreporting einfach. Nachteil: Eher „Börsenlogik" mit Orderbüchern statt einer schlanken Kauf-App, und die Bitcoins liegen zunächst auf der Plattform. Für die Eigenverwaltung müssen Sie aktiv auf Ihre eigene Wallet auszahlen lassen.

Die aktuelle Handelsaussetzung wegen MiCA-Anpassung ist eher ein Zeichen von Seriosität als ein Warnsignal. MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation) ist die neue EU-Krypto-Verordnung, die seit Ende 2024 schrittweise umgesetzt wird. Alle EU-Kryptoplattformen müssen sich anpassen.


 Frage vom 11.09.2026

#Micron versus SK Hynix, Quanta Services & Comfort Systems

Guten Morgen Herr Heibel,

Zunächst erst einmal vielen Dank für die prompten Antworten. Ich finde es spannend, ich beschäftige mich schon sehr lange mit Aktien und immer wieder falle ich noch meiner Angst zum Opfer zu spät zu kaufen oder zu verkaufen.

Sie hatten im letzten newsletter die Überlegung hinsichtlich Micron. Ich würde eher zu Sk Hynix tendieren ? Vielleicht wäre aber auch Quanta Systems oder auch Comfort Systems eine Idee.

Freundliche grüße

Dieter aus Hüven

 Antwort:

Ihre Angst, zu spät zu kommen, ist die häufigste unter Anlegern. Genau dafür habe ich die gestaffelte Vorgehensweise eingeführt: Lieber in kleinen Tranchen eine Position aufbauen, als sich vor einer Vollposition zu drücken oder umgekehrt hektisch am Höhepunkt einzusteigen.

@Micron vs. SK Hynix: Beide profitieren vom HBM-Speicher-Oligopol, das ich [in der letzten Ausgabe im Rahmen der Wunschanalyse](https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2441?refID=1&referrerUrl=%2Fheibel_tickers#ch7) ausführlich beschrieben habe. SK Hynix ist der HBM-Marktführer und surft die Welle am direktesten, Micron ist die Nummer 2, deutlich billiger bewertet, dafür in den USA verwurzelt. SK Hynix ist an der Börse von Südkorea gelistet. Ich kenne mich in Südkorea nicht aus, sondern habe nur rudimentär oberflächliche Kenntnisse darüber, dass SKHynix gemeinsam mit Samsung die südkoreanische Wirtschaft maßgeblich bestimmt. Keine Ahnung, was das für Folgen für die Unternehmens- und Steuerpolitik hat. Ihre Neigung zu SK Hynix ist nachvollziehbar: Die HBM-Fokussierung ist bei SK Hynix am reinsten, plus das positive Signal des angekündigten milliardenschweren Aktienrückkaufs zeigt Kapitaldisziplin und Gewinnbeteiligung. Ich würde dennoch für ein deutsches Depot Micron vorziehen, da mir die US-Börse und die US-Politik vertrauter sind.

@Quanta Services hatte ich [im Februar 2025 als Antwort auf eine Leserfrage](https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2276?refID=1&referrerUrl=%2Fheibel_tickers%3Futf8%3D%25E2%259C%2593%26month%3D%26year%3D%26keyword%3DQuanta) bereits ausführlich analysiert und damals als „günstige Einstiegsgelegenheit" bezeichnet. EV/EBITDA war 17, Umsatzwachstum 10-15% p.a. bis 2028 projiziert, Auftragsbestand 34,5 Mrd. USD. Seitdem konnte sich die Aktie mehr als verdoppeln. Quanta ist der Netzinfrastruktur-Spieler - Stromleitungen, Verteilungsnetze, Ausbau der Übertragungskapazität, alles, was zwischen Kraftwerk und Rechenzentrum liegt. Der Wert ist strukturell einer der stärksten Profiteure der KI-Rechenzentrums-Welle, gerade weil die Netzengpässe der eigentliche Flaschenhals werden. Aktuell mit EV/EBITDA von 23 bei 55% Gewinnwachstum, nächstes Jahr nochmal 16%. Das ist auch nach der Kursverdopplung noch immer günstig.

@Comfort Systems ist die spektakulärere Story, aber auch die gefährlichere. Die Aktie ist auf drei Jahre um 1.240% gestiegen, allein 2026 bisher um 116%. Q1 2026 lieferte Umsatzwachstum von 56,8%, Gewinn +121%. Der Auftragsbestand verdoppelte sich von 6,89 Mrd. USD auf 14,06 Mrd. USD zum Ende Q2. Comfort Systems bringt die HVAC-Systeme (Heating, Ventilation, Airconditioning, Cooling - Heizung, Ventilation, Klimaanlage, Kühlung) direkt in die Rechenzentren und kümmert sich so um die ungewollt hohe Wärmeentwicklung der Nvidia-GPUs. Das EV/EBITDA steht bei 22 bei 45% Gewinnwachstum, nächstes Jahr 22%. Auch das ist in meinen Augen noch immer günstig.

Das Bessere ist des Guten Tod: Sie haben hier vier ausgezeichnete Aktien benannt. Im Heibel-Ticker habe ich uns die Auflage gegeben, nicht mehr als 20 Aktien zu haben - und da sind wir derzeit. Wenn wir neue Positionen aufnehmen wollen, müssen wir etwas anderes rauswerfen. Und einfach alles, was nett klingt, aufzunehmen führt in die Beliebigkeit. Also: Wir haben eine ziemlich gute Auswahl an KI-Aktien im Portfolio. Sie können sich Ihrem individuellen Geschmack folgend eine dieser Aktien aussuchen :-)


 Frage vom 02.09.2026

#Dividendenrendite gepaart mit Wachstum bei Allianz

Hallo Herr Heibel,

Besten Dank für Ihre pragmatischen und unaufgeregten Analysen.

Zwei kurze Fragen zum Portfolio – ist die Mindestanforderung von 2,5 % Dividende angesichts der Inflation und zusätzlich der von jedem abzuführenden Kapitalertragsteuer nicht deutlich zu niedrig angesetzt? Ich finde Dividenden-Aktien eigentlich erst ab 5 % Ausschüttung attraktiv, sonst bleibt am Ende ja nichts übrig.

Die zweite Frage gilt dann auch gleich dem Dividendentitel Allianz. Im Portfolio haben Sie diesen Titel mit „C“ gekennzeichnet, also verkaufen bei einem Kurssprung. Der Kurssprung ist seit der letzten Hauptversammlung vollzogen, aber aus Ihren Updates lese ich keine Verkaufsabsicht. Ich halte die Aktie auch langfristig für haltenswert. Sehen Sie das nicht mehr so?

Es grüßt herzlich Hendrik Meyer aus Magdeburg

 Antwort:

Vielen Dank für das Lob :-)

Dividendenaktien müssen meinen Kriterien zufolge auch ein Mindestwachstum haben. Mir ist das Wachstum wichtiger als eine hohe Dividendenrendite, denn durch das Wachstum werden weiterhin kontinuierliche Dividendenanhebungen möglich und dadurch wird die Dividendenrendite auf den ursprünglich gezahlten Preis ansteigen. Die Allianz haben wir bspw. 2022 zu 194,50 EUR gekauft. Setzen wir die im Mai gezahlte Dividende in Relation zum ursprünglich gezahlten Aktienpreis, ergibt sich eine Dividendenrendite von 17,1/194,5 = 8,8%.

Mit aktuell 4,1% Dividendenrendite auf den heutigen Kurs ist die Allianz nach wie vor attraktiv und ich habe nicht vor, sie auf dem aktuellen Kursniveau zu verkaufen. Das C sagt lediglich aus, dass es im Falle eines starken Kursanstiegs, und +4,5% seit Ende August sind noch nicht stark, eher einen Verkauf geben wird als einen Nachkauf im Falle eines starken Kursverlusts. Mit einem EV/EBITDA von 14 ist die Aktie zwar nicht mehr billig, aber auch noch nicht zu teuer … sondern fair bewertet :-)


 Frage vom 01.09.2026

#Noch kein Turnaround bei General Mills

Sehr geehrter Herr Heibel,

General Mills besticht durch einen längeren Aufwärtstrend. Ist denn ein Investment jetzt noch sinnvoll?

Mit freundlichen Grüßen
Peter aus Bobingen

 Antwort:

Ein „längerer" Aufwärtstrend bei General Mills liegt nur dann vor, wenn man sich die Entwicklung seit Juni anschaut. In den drei vorhergehenden Jahren ging’s von 91$ auf 32$ nur bergab. Aktuell notiert die Aktie wieder bei 41$.

General Mills haben wir im Heibel-Ticker mehrfach besprochen, zuletzt im Oktober 2022 als Alternative zu Procter & Gamble im Rahmen einer Leserfrage. Damals lautete mein Fazit „das Bessere ist des Guten Tod" - P&G bot mit 7,7% erwartetem Gewinnwachstum ein deutlich besseres Profil als General Mills mit 4,4%. Diese Einschätzung ist heute noch aktueller: Während P&G weiterhin moderat wächst, ist General Mills operativ ins Schrumpfen gerutscht. Q3 des Geschäftsjahres 2026 zeigte organische Umsätze -3% und einen bereinigten Gewinn je Aktie -37% zum Vorjahr.

Was auf den ersten Blick verlockend wirkt, ist die Bewertung. Das EV/EBITDA von nur 11 ist eines der niedrigsten im S&P 500 im Konsumgüterbereich. Dividendenrendite bei 6,1%, deutlich über dem historischen Durchschnitt von 3-4%. 19 Jahre in Folge steigende Dividende, die durch den starken Free Cashflow gedeckt ist.

Warum ist die Aktie trotzdem so gefallen? Verbraucher wechseln zunehmend zu Handelsmarken der Supermärkte, weil Markenprodukte wie Cheerios oder Häagen-Dazs zu teuer geworden sind. Außerdem hinterlassen die GLP-1-Abnehmmedikamente (Wegovy, Zepbound) ihre Spuren bei den verarbeiteten Lebensmitteln und Süßwaren, gerade in den zentralen General-Mills-Kategorien. Zudem wurde mit einer teuren Übernahme (Blue-Buffalo für Tierfutter) die Schuldenquote deutlich erhöht.

Es ist in meinen Augen noch zu früh für eine Turnaround-Spekulation bei General Mills. Die Probleme sind strukturell, und Lösungen kann ich noch nicht sehen. Der vermeintliche Turnaround in der Aktie könnte sich als zwischenzeitliche Erholung im noch längerfristigen Abwärtstrend herausstellen.


 Frage vom 01.09.2026

#BHP Group nach Kursrallye

Hallo Herr Heibel,
als treuer Leser ihres sehr interessanten und aufschlussreichen Heibel Tickers möchte ich mich mit einer Frage an sie wenden.
Set einiger Zeit habe ich Aktien von BHP (Bergbauunternehmen) die inzwischen stark gestiegen sind. Was meinen sie, weiter behalten oder zum Teil verkaufen? Die Dividenden ist eigentlich auch gut.

Grüße aus Dinslaken, Andreas

 Antwort:

BHP habe ich seit der Heibel-Ticker Erstausgabe 2006 immer wieder besprochen, zuletzt ausführlich in einer [Wunschanalyse Dezember 2016](https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/1317). Die Aktie war jahrelang unser Rohstoffkern.

Die vor Kurzem veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 (Stichtag 30. Juni) waren stark. Umsatz +15% auf 58,8 Mrd. USD, Gewinn (EBITDA) +27% auf 32,9 Mrd. USD. Die Dividende steigt auf 1,72 USD je Aktie mit rund 4-5% Rendite auf den aktuellen Kurs.

Kupfer hat erstmals in der Konzerngeschichte das Eisenerz als wichtigsten Ertragsbringer abgelöst, es steuert 54% des Gewinns bei, getrieben durch einen Kupferpreisanstieg von 35% im Jahresverlauf. Das ist exakt die Kupferdefizit-Story, die ich Ihnen bereits vor einigen Monaten zu Freeport-McMoRan geschildert hatte: In den kommenden zehn Jahren wird nur die Hälfte des benötigten Kupfers gefördert, KI-Rechenzentren und die Elektrifizierung treiben die Nachfrage strukturell.

Ich würde dennoch Gewinne mitnehmen und einen Teil der Position verkaufen. Rohstoffaktien folgen dem Rohstoffpreis und der Kupferpreisanstieg von +35% in einem Jahr ist zyklisch, nicht dauerhaft. BHP hat für das Geschäftsjahr 2027 einen Rückgang der Kupferproduktion angekündigt, weil der Erzgehalt bei der Escondida-Mine in Chile sinkt. Das ist ein kurzfristiger operativer Gegenwind.