Leserfragen (März 2026)


 Frage vom 09.03.2026

#Portfolio krisensicher machen

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich weiß, das ist eine sehr generelle und vermutlich auch nicht intelligente Frage, bin gerade aber sehr verunsichert. Wäre es bitte möglich, dass Sie mir ganz kurz sagen, wie ich mich aktuell verhalten soll? Verkäufe oder Teilverkäufe bzw. nachkaufen?

Allianz +15
Apple +28
BMW +27
Heidelberg Materials +18
Münchner Rück +3
Novo Nordisk - 56
PayPal - 61
Rheinmetall - 9
Siemens +12

Haben Sie vielen herzlichen Dank und viele Grüße,
Hansjörg aus Berg

 Antwort:

Wenn Sie Ihr Portfolio steuerlich optimieren möchten, dann sind die Performancezahlen relevant. Ich kümmere mich grundsätzlich nicht um steuerliche Fragen, sondern betrachte die Zukunftserwartung für Aktien.

Grundsätzlich haben Sie ausgezeichnete Werte in Ihrem Portfolio, viele davon haben wir ja auch im Heibel-Ticker Portfolio. Paypal gefällt mir seit einiger Zeit nicht mehr, da der Wettbewerb in diesem Bereich zu groß ist.

Bislang habe ich nicht die Befürchtung, dass der Iran-Konflikt zu einem weltweiten Börsencrash führen könnte. Da habe ich eher die Finanzierungssituation im Bereich des Private Equity im Blick. Dort mehren sich die Berichte von Kunden, die ihr Kapital abziehen wollen, aber aufgrund der individuellen Bedingungen nicht schnell genug an ihr Geld kommen. Die Private Equity Firmen, die viele KI-Projekte finanziert haben, müssen teilweise Finanzierungen liquidieren, um ihre Kunden auszuzahlen. Das führt zu Wertverlusten, die einen Teufelskreis in Bewegung setzen könnten. Ich werde in den kommenden Ausgaben näher darauf eingehen.

Grundsätzlich ist es eine Frage der Nervenstärke, ob man solche Marktphasen, in denen Kurse korrigieren, aussitzen möchte, oder nicht. Man weiß selten, wann genau solche Korrekturen kommen. Vorsichtige Anleger haben sich schon vor zwei Jahren darauf vorbereitet, ihnen sind die Kursgewinne der vergangenen zwei Jahre entgangen.

Da man solche Korrekturen nicht genau terminieren kann, verkaufen wir zwischenzeitlich Positionen, um Teilgewinne zu sichern, und kaufen andere Positionen nach, um günstige Einstiegsmomente zu nutzen. Wenn Sie also derzeit Bauchschmerzen haben, dann verkaufen Sie doch ein bisschen, also genug, um die Bauchschmerzen zu lindern. Ich würde schauen, welche Positionen zuletzt am besten gelaufen sind … bspw. Rheinmetall.

Ich hoffe, diese Überlegungen helfen ein wenig.


 Frage vom 02.03.2026

#Steuerpflicht bei Silber-ETCs

Lieber Herr Heibel,

ich habe mal eine Frage an den Experten. Vielleicht können Sie mit ihrer Expertise etwas Licht ins Dunkle bringen. Ich habe mir vor längerem einen Silber ETC gekauft (WisdomTree Physical Silver WKN A0N6XJ). Wohl wissentlich und nach einiger Recherche, dass dieser nach spätestens einem Jahr steuerfrei ist, beziehungsweise innerhalb der Jahresfrist als priv. Veräußerungsgeschäft selbst zu versteuern ist.
Nun wurde mir aber von der Bank (Consors) die normale Abgeltungssteuer beim Verkauf abgezogen. Können Sie sagen, ob dieser ETC tatsächlich der Abgeltungssteuer unterliegt oder hat die Bank hier einen Fehler gemacht?
Habe nämlich auch schon gehört, dass die Banken teilweise etwas übereifrig die Abgeltungssteuer abführen.
Ich habe auch selbst noch mal recherchiert. Komischerweise kommt es nun hier zu unterschiedlichen Meinungen. Auch die KI sagt einmal so und einmal so. Es gibt scheinbar von dem Emittenten noch einen anderen ETC (A4AE1X) wo die Dinge klarer liegen (auch hinsichtlich physischer Auslieferung).

Für eine Einschätzung ihrerseits wäre ich sehr dankbar.

Viele Grüße,
Bernd aus Hof

 Antwort:

Bei Ihrem Papier ist eine physische Auslieferung des Silbers für Privatanleger nicht vorgesehen. Bei dem zweiten von Ihnen genannten Papier ist die Auslieferung unter bestimmten Umständen möglich. Grundsätzlich ist die Rechtssprechung für Gold-ETCs eindeutig, bei Silber-ETCs gibt es unterschiedliche Sichtweisen, die diskutiert werden.

Wenn Sie also auf eine gute Rechtsberatung zugreifen können, wäre es interessant, diesen Fall durchzuspielen. Ohne Hilfe entscheiden jedoch alle Beteiligten, insbesondere Ihr Broker und Ihr Finanzamt, im Zweifel zu Ihren Lasten. Ihren Broker können Sie mit einer entsprechenden Weisung zu anderem Handeln zwingen. Das Finanzamt wird sich jedoch meiner Einschätzung nach am Ende dafür entscheiden, den Gewinn zu versteuern, weil die Auslieferung für Privatanleger bei Ihrem Produkt nicht möglich ist.

Aber wie immer: Ich bin kein Steuerberater, gebe hier nur meine unmaßgebliche Meinung wieder, da ich mit diesem Thema schon seit Jahren zu tun habe.


 Frage vom 02.03.2026

#Kursrallye bei Samsung wegen Speicherknappheit

Sehr geehrter Herr Heibel
Ich bin schon länger Abonnent ihres Tickers, jetzt hätte ich mal eine Frage. Was hat es mit der Samsung Aktie die im Jahr ca. 250% und im letzten Monat um ca. 47% gestiegen ist auf sich? Ich hatte sie vor 6 Wochen mal gekauft und es gibt kein Halten mehr. Können Sie mir dazu etwas sagen und wie schätzen Sie die Aktie weiterhin ein.
Vielen lieben
Ulrich aus Bad Grund

 Antwort:

Samsung profitiert von der Knappheit bei Speichern, genau wie Micron, SanDisk, Western Digital, Seagate und SK Hynix. Für 2026 wird ein Umsatzsprung von +47% erwartet, der Gewinn soll sogar um 243% anspringen. Daher hat sich die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten bereits mehr als vervierfacht. Wichtig dabei ist es zu unterscheiden, dass der Umsatz- und Gewinnsprung nicht durch mehr Ware erzeugt wird, sondern durch stark steigende Preise und bessere Margen im Speicherchipgeschäft. Die Nachfrage nach Speicher (DRAM, NAND und vor allem High-Bandwidth-Memory für KI-Beschleuniger) wird von den großen KI-Rechenzentren nach oben gezogen, während das Angebot kurzfristig nicht beliebig ausgedehnt werden kann. Das stärkt die Preissetzungsmacht und ist in der Halbleiterwelt der Hebel, der Gewinne explodieren lässt.

Dass die Handy-Sparte 2026 eher Gegenwind bekommt (höhere Speicherpreise verteuern Geräte, der Markt könnte sogar schrumpfen), passt ins Bild. Samsung ist dann nicht wegen Smartphones so positiv, sondern trotz Smartphones, weil die KI-Rechenzentren für den Speicherbereich den Takt vorgeben.

Für 2026 gehen Analysten von einem Jahresumsatz von 345 Mrd. USD aus, das Unternehmen wird mit 821 Mrd. USD bewertet (EV). Bei einer Gewinnmarge (EBITDA) von stolzen 46%, was außergewöhnlich ist für einen Hardwareproduzenten, sieht die aktuelle Bewertung optisch günstig aus. Das EV/EBITDA steht bei nur 5,2. Historisch betrachtet kann Samsung aber meist nur eine Gewinnmarge von rund 25% verwirklichen. Dorthin dürfte die Gewinnmarge nach diesem Speicherzyklus auch wieder zurückfallen. Derzeit erwartet man, dass dieser Speicherzyklus noch 2027 anhält, danach jedoch abflaut. Danach dürfte dann nicht nur die Gewinnmarge, sondern auch der Umsatz wieder nachgeben.

Das heißt, danach springt die Bewertung (EV/EBITDA) wieder auf 7-8. Historisch betrachtet notiert dieses Bewertungsverhältnis jedoch meist unter 4. Es ist also aktuell schon zu hoch und dürfte nach dem Ende des Speicherzyklus wieder dorthin fallen. Die Aktie ist also überaus riskant.

Die wichtige Frage ist nun: Wollen Sie den Speicherzyklus noch ein wenig mitspielen? Wollen Sie die Aktie kaufen, um den Hype für sich zu nutzen, so lange es noch geht? Wie lange könnte der Hype noch anhalten? Wenn die Speicherknappheit bis Ende 2027 andauert und an den Aktienmärkten die Zukunft im Sinne von durchschnittlich 9-12 Monaten gehandelt wird, dann könnte das laufende Jahr 2026 noch gut laufen für die Aktie von Samsung. Und wer weiß, vielleicht hält die Speicherknappheit auch noch länger an, als derzeit erwartet? Doch das ist dann Spekulation und für mich ist das ferne Land zu weit Weg, als dass ich mich auf eine solche Spekulation einlassen würde.


 Frage vom 01.03.2026

#Erneuter Kurseinbruch bei Gerresheimer

Hallo Herr Heibel.

Sie hatten verschiedentlich Gerresheimer thematisiert.

Die angekündigte vertiefte BAFin Prüfung und der darob nochmals beschleunigt rasante Niedergang des Aktienkurses lassen mich nach Ihrer Einschätzung fragen.

Verkauf vor der Insolvenz?

Freundlich grüßt

Peter aus Düsseldorf

 Antwort:

Ich hatte im Oktober ausführlich über Gerresheimer berichtet, siehe https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2349?refID=1&referrerUrl=%2Fheibel_tickers%3Futf8%3D%25E2%259C%2593%26month%3D%26year%3D%26keyword%3DGerresheimer

Damals untersuchte ich die langfristige Profitabilität des Geschäfts und setzte sie in Bezug zur BaFin-Untersuchung: Wer in die Aktie investieren möchte, muss dies auf Sicht von 2-3 Jahren tun und zwischenzeitliche Rückschläge aushalten können, war mein Fazit.

Nun hat die BaFin weitere Bilanzierungsfragen aufgeworfen und umgehend wurde die Aktie nochmals ausverkauft. Die Aktie notiert nun auf einem EV/EBITDA von nur noch 7, aber aufgrund der offenen Fragen bezüglich der Bilanzierungspraktiken ist natürlich diese Kennziffer mit einem Fragezeichen zu versehen. Wir können uns aber die Verschuldung anschauen: In den kommenden Jahren werden einige Schuldverschreibungen zur Refinanzierung fällig. Durch die Übernahme der Bormioli Pharma im vergangenen Jahr wurde die Verschuldung von 1 Mrd. auf 2,2 Mrd. EUR angehoben. Bei 2,7 Mrd. EUR Jahresumsatz ist das inzwischen recht viel.

Droht also eine Insolvenz? Ich würde das nicht erwarten, da das Geschäft nach wie vor läuft und die Gewinnmarge eigentlich ausreicht, um Refinanzierungen zu stemmen. Doch die Untersuchungen der BaFin sollten nun möglichst schnell abgeschlossen werden, denn sonst wird es schwer für Geresheimer, fällige Schuldverschreibungen zu refinanzieren, da die Bilanzen noch nicht verlässlich sind. Im laufenden Jahr werden 150 Mio. EUR zur Refinanzierung fällig, nächstes Jahr dann 200 Mio. EUR.

Ich habe aber keine Ahnung, was die BaFin noch bei ihren Untersuchungen entdeckt und kann daher eine Insolvenz nicht ausschließen. Sie müssen bitte selber entscheiden, wieviel Risiko Sie zu tragen bereit sind.