Heibel-Ticker Free Börsenbrief
- Einfach einen Tick besser -
21. Jahrgang - Ausgabe 03 (16.01.2026)
Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:
| 1. | Info-Kicker: Weichenstellungen gleich zu Beginn des neuen Jahres |
| 2. | So tickt die Börse: Trump steigt Venezuela-Erfolg zu Kopf |
| - Wochenperformance der wichtigsten Indizes | |
| 3. | Sentiment: Anleger vergessen ihre Absicherungen |
| - Interpretation | |
| 4. | Ausblick: Renaissance von Old Tech: IBM, Intel & Cisco |
| 5. | Update beobachteter Werte |
| 10% Kreditzinslimit würde Capital One belasten | |
| CEO Mike Doustdar bei CNBC | |
| Gemini wird Siri antreiben | |
| Quatsch: Unternehmenssoftware könnte Opfer der KI-Revolution werden | |
| Lilly-Pille kommt später | |
| Hochstufung durch Jeffries treibt Aktie an | |
| Delta Airlines bestellt 60 Dreamliner | |
| Stopp Loss unterschritten, Position verkauft | |
| 6. | Leserfragen |
| 7. | Übersicht HT-Portfolio |
| 8. | Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise |
| 9. | Mitgliedschaft verwalten |
1. Info-Kicker: Weichenstellungen gleich zu Beginn des neuen Jahres
Liebe Börsenfreunde,
Jede Woche denke ich, nun habe ich aber alles zu Donald Trump gesagt, und möchte mich um Aktien kümmern. Dann schlägt Trump wieder zu. In der abgelaufenen Woche mehr denn je. Also habe ich in Kapitel 2 nochmals meine VWLer-Brille aufgesetzt und seine jüngsten Eingriffe auf ihre wirtschaftlichen Hintergründe durchleuchtet.
Das Anlegersentiment sendet Warnsignale: Die Stimmung ist zwar nicht überhitzt, aber Anleger werden leichtfertig. Was daraus für die kommenden Wochen zu befürchten ist, lesen Sie in Kapitel 3.
IBM, Intel und Cisco gelten als alte Technologiegiganten, die zwar über ein gutes Geschäft verfügen, aber nicht mehr wirklich drehe de la creme sind, nicht mehr an der Spitze der Entwicklungen stehen. Das könnte sich nun ändern, entnahm ich einem Bericht, der diese Woche über meinen Schreibtisch flatterte. In Kapitel 4 habe ich detailliert analysiert, was davon zu halten ist. Endlich mal wieder Aktienanalysen :-)
Acht Updates habe ich diese Woche aufgrund von aktuellen Entwicklungen für Sie verfasst: Boeing erhält Großauftrag für Dreamliner, Novo Nordisk hat bei der Abnehmpille die Nase vorn und Apple gewinnt die beste KI sind nur einige der aktuellen Themen, die darin verarbeitet werden. Wer konkrete Unternehmenseinschätzungen möchte, sollte die Updates in Kapitel 5 nicht verpassen.
Der japanische Mischkonzern Sumitomo interessiert eine Leserin, ich habe mir das Unternehmen in Kapitel 6 näher angeschaut. Außerdem werde ich nach meiner Meinung zu Vonovia befragt und betrachte Seagate als viertes Mitglied der Speicher-Oligarchie.
Wie immer gibt es eine tabellarische Übersicht über unser Heibel-Ticker Portfolio in Kapitel 7.
Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr Börsenschreibel
Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs
2. So tickt die Börse: Trump steigt Venezuela-Erfolg zu Kopf
Ich habe den Eindruck, der Erfolg des Venezuela-Coups ist Donald Trump zu Kopf gestiegen. Immer mehr Ziele verfolgt er inzwischen parallel und mit immer dreisteren Interventionen, über deren Legitimität wir diskutieren können, über die Legalität nicht.Da lässt er seinen Finanzminister Hypothekenkredite im Volumen von 200 Mrd. USD kaufen, um den Zins für private Hauskäufe zu drücken. Er interveniert im Kapitalmarkt, weil er den Gleichgewichtszins nicht akzeptieren möchte. Kurz zuvor hatte er verkündet, Immobilienkonzernen den Kauf von Privathäusern und -wohnungen zu verbieten. Das konnte ich noch als Korrektur über die Veränderung der Rahmenbedingungen akzeptieren. Doch Steuergelder zu verwenden, um ein bestimmtes Marktsegment direkt zu beeinflussen, ist in meinen Augen kontraproduktiv. Die Liquidität, die er dadurch in den Markt pumpt, wirkt mittelbar dann irgendwann auch wieder inflationär und erhöht den Marktzins.
Im nächsten Schritt kappt er den Kreditzins bei Kreditkarten auf 10%, durchschnittlich werden 19,86% erhoben. Ich berichtete bereits diese Woche im Rahmen eines Updates darüber. Das Ziel ist nachvollziehbar: Er möchte nicht so viele US-Amerikaner in die Schuldenfalle rutschen sehen. Der Aufschrei an den Märkten ist groß, denn wer soll in den USA konsumieren, wenn nicht mehr auf Kredit konsumiert werden kann? Einzelhandel und Banken fürchten starke Umsatzeinbußen.
Wie Sie wissen, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, dorthin zu schauen, wo kein anderer hinschaut: Könnte es vielleicht sinnvoll sein, den Kreditzins auf 10% zu kappen?
Die Folge wird tatsächlich sein, dass weniger Konsumentenkredite ausgegeben werden. Kreditkartenemittenten werden nur denjenigen Kredit gewähren, bei denen das Risiko eines Zahlungsausfalls überschaubar ist. Letztlich sind das diejenigen, die keinen Kredit brauchen. Wer schlechte FICO-Zahlen hat (vergleichbar mit unserer Schufa), der wird künftig keinen Kredit erhalten, da die 10% Zins, die erhoben werden, das Risiko nicht decken.
Wenn wir aus Deutschland über den Teich blicken, schütteln wir ohnehin den Kopf darüber, dass in den USA so viel auf Kredit konsumiert wird. Und so viele Menschen in den USA sind hoffnungslos überschuldet, kämpfen sich von Monat zu Monat, um ihre Kreditkartenabrechnungen zahlen zu können ... bis es nicht mehr geht. Die Schuldenfalle ist umso gefährlicher, je höher der Kreditzins ist.
Ich selbst machte im Jahr 2000 damit Bekanntschaft. Nachdem ich zwei Jahre in den USA gelebt hatte, eine US-Drivers-License sowie eine Social Security Number hatte, konnte ich auch eine US-Kreditkarte beziehen. Man zahlt damit einen Monat alles, dann wird der kumulierte Betrag vom Konto abgebucht.
Als ich dann zur Jahrtausendwende zurück nach Deutschland ging, vergaß ich, mein US-Konto für die noch ausstehende Kreditkartenabbuchung laufen zu lassen. ...was soll ich sagen, ich war jung ... Es dauerte anderthalb Jahre, bis mich Morgan Stanley in Deutschland ausfindig machte und mir die aufgelaufene Post in einem Paket zustellte. Unzählige Mahnungen bis hin zur abschließenden handschriftlichen Karte "Wir können über alles reden". Ursprünglich waren 800 US$ offen, inzwischen waren mit Zinsen 2.000 US$ aufgelaufen. Die Karte (die ich schon lange nicht mehr hatte) sei gesperrt. Als "Kompromiss" schlug man mir vor, 400 US$ zu zahlen, damit keine Strafverfolgung ausgelöst würde.
Also rief ich an und wollte alles in Ordnung bringen: Entschuldigte mich, erklärte meinen Umzug und bot an, den vollständigen Betrag zu zahlen, sofern ich dann die Kreditkarte wieder bekäme. Die Antwort lautete, ich solle nur die 400 US$ zahlen, dann sei alles vergessen. Über die Vergabe einer Kreditkarte könne sie (meine Ansprechpartnerin) nicht entscheiden. Auf meine Rückfrage, wer das könne, verfiel sie im Telefonat in eine Endlosschleife (auch Menschen passiert sowas manchmal) und sie wiederholte immer wieder, dass sie nur möchte, dass ich die 400 US$ zahle.
Hmm, ich verrate Ihnen jetzt nicht, was ich getan habe ;-). Aber es zeigte mir, dass man in den USA mit solchen Vorfällen routiniert umgeht. So routiniert, dass es für mich schon fast wie ein Normalfall aussah, dass die Bank einen Teil ihrer Forderung abschreibt. Zwischenzeitlich meinte ich im Tonfall meiner Gesprächspartnerin zu hören: "Wie doof kann der sein, dass der alles zahlen will".
Also: Wenn in anderthalb Jahren auf 800 US$ eine Forderung von 2.000 US$ werden kann, dann ist da wirklich was faul im System. Soweit gebe ich Trump also Recht. Ein Ansatz, der schon verfolgt wird, ist die Deckelung der Mahngebühren, bei denen häufig ungeniert zugeschlagen wird. Damit würde man nicht in die freie Bildung eines Marktzinses eingreifen.
Wenn ein Markt tatsächlich nicht funktioniert und zu viele Schuldner in die Schuldenfalle treibt, dann sollte man jedoch an den Rahmenbedingungen arbeiten (Ludwig Erhard) und nicht dirigistisch intervenieren (Trump). Natürlich führt die Intervention schneller zum Ziel und immerhin ist das Kreditzinslimit auf ein Jahr befristet. Doch der freie Markt wird anschließend wieder in die falsche Richtung laufen, wenn die Rahmenbedingungen nicht korrigiert werden.
Das 10%-Limit muss noch vom Kongress verabschiedet werden und an der Börse ist man sich sicher, dass diese Regelung, die schon ab dem 20.1. gelten soll, nicht verabschiedet wird. Wir dürfen gespannt sein. So, wie ich Trump inzwischen kenne, wird er das eine Jahr mit Ausnahmegenehmigungen wegen nationalem Notstand oder ähnlichem durchdrücken und hoffentlich später eine etwas breitere und marktwirtschaftliche Lösung finden. Wir dürfen gespannt sein.
Am Wochenende wurde Fed-Chef Jay Powell verklagt. Er habe Steuergelder veruntreut, indem er die Renovierung der Fed-Zentrale kostenmäßig aus dem Ruder habe laufen lassen, so der Vorwurf. Es handelt sich um eine Strafanzeige und es dürfte Ihnen nicht schwer fallen sich vorzustellen, dass auch der redlichste Beamte schlecht schläft, wenn er mit der Gefahr einer Gefängnisstrafe - berechtigt oder unberechtigt - konfrontiert wird.Die Renovierung zweier historischer Fed-Gebäude, die über einhundert Jahre alt sind, wurde ursprünglich mit 1,9 Mrd. USD an Kosten veranschlagt und kostet nun 600-700 Mio. USD mehr als geplant. Diese Strafanzeige ist in meinen Augen tatsächlich absurd. Wie oben angekündigt, suche ich immer nach rationalen Beweggründen für Trumps Handlungen. Und meistens kann ich irgendwo etwas finden. Doch hier fehlt mit jegliches Verständnis. Im Gegenteil, ich fürchte, er tut sich damit einen Bärendienst.
Zum einen sind es keine Steuergelder, die Powell veruntreuen soll, sondern die Renovierung wird aus dem Gewinn der Fed bezahlt und die Fed ist in den USA ein privates Institut, das sich in den Händen einiger Großbanken befindet. Zum anderen ist der Weg weit, dem fachlich nicht eingebundenen Powell eine Verantwortung für die ausufernden Kosten zu geben. Powell soll sich um die nationale Geldpolitik kümmern, und nicht um die Gebäuderenovierung.
Ich gehe davon aus, dass dieses Verfahren irgendwann im Nichts verläuft. Doch viel wichtiger als die fachliche Betrachtung ist das Signal, das Trump damit ausgesendet hat. Ein Fed-Chef, der nicht nach seiner Nase tanzt, wird nicht ruhig schlafen können. Und ich sage es gerne noch einmal: Jay Powell schläft in diesen Tagen nicht gut. Er wird sich auf Anhörungen gut vorbereiten müssen und darauf achten, dass er keine Fehler macht, mit denen er letztlich vielleicht doch hinter Gitter geschickt werden könnte. So absurd der Vorwurf auch sein mag, er wird dennoch Spuren hinterlassen.
Und diese Spuren werden für alle, die sich als Nachfolger Powell um dieses Amt bemühen, sichtbar sein. Die Unabhängigkeit der Notenbanken ist für unser westliches System ein Grundpfeiler, an dem die Politik nicht rütteln darf. Entsprechend bekam Powell in den vergangenen Tagen auch weltweit von unzähligen Notenbankchefs Rückendeckung. Doch kein anderer Amtsträger in den USA musste in den vergangenen Monaten so viel einstecken wie Powell. Donald Trump hat gleich eine ganze Liste von abwertenden Spitznamen für ihn, so zum Beispiel "Jerome too late Powell" (Jerome zu spät Powell), oder "knucklehead" (Holzkopf).
Wer sich also um das Amt des US-Notenbankchefs bemüht, muss entweder einstecken können, oder aber die Wünsche von Donald Trump umsetzen. Und wenn man bislang noch Jay Powell für seine Nehmerqualitäten bewunderte und sicherlich mancher Nachfolge-Kandidat darin eine Qualität sah, so wird nun durch die Strafanzeige statt einer Nehmerqualität ein Masochist gesucht, oder aber ein Arschkriecher.
Mit der Strafanzeige gegen Jay Powell hat Trump sein Ziel also bereits erreicht, unabhängig davon, wie der Prozess ausgeht. Der Nachfolger wird ein Arschkriecher sein, denn jeder qualifizierte Banker mit gesundem Menschenverstand wird dieses Amt nun ablehnen. Und damit ist die Unabhängigkeit der US-Notenbank de facto flöten gegangen.
Donald Trump arbeitet so am Traum eines jeden Politikers: Niedrige Zinsen bei hoher Inflation. Die niedrigen Zinsen durch einen ihm hörigen Notenbankchef erlauben es dem Politiker, seine Vorhaben günstig über Schulden zu finanzieren. Die hohe Inflation, die eine Folge der über Schulden finanzierten hohen Staatsausgaben ist, führt dazu, dass der zurückzuzahlende Betrag für die Schulden real (kaufkraftbereinigt) in der Zukunft wesentlich leichter zu stemmen sein wird.
Der US-Dollar wird also weiter schwach bleiben.
Diese Woche stieg der Ölpreis an, als Donald Trump Richtung Iran ankündigte, Hilfe sei unterwegs. Es kursierten sogar bereits Meldungen in der Finanzwelt, dass Fliegerstaffeln auf dem Weg zum Iran seien. Dann plötzlich wurde die Aktion abgeblasen, da der Iran Trump zugesichert habe, keine Hinrichtungen von Demonstranten vorzunehmen. Die US-Kampfjets kehrten in der Luft um, der Ölpreis entspannte sich wieder. Hmm, eine unübersichtliche Situation.Und dann ist da noch Grönland. Könnte es sein, dass Trump sich so langsam übernimmt? Der schnelle Rückgang des Ölpreises nach dem Abblasen der Iran-Aktion (Wochenänderung nur +0,5%), die nur moderate Reaktion auf das 10%-Limit bei Kreditzinsen (Capital One von -10% auf nur noch -6%), der ausbleibende Ausverkauf des US-Dollars (diese Woche Anstieg um 0,2%punkte ggü. Euro) obwohl die Unabhängigkeit der US-Fed zu Grabe getragen wurde, all das sind nur moderate Reaktionen auf die erratischen Aktionen Donald Trumps. Man glaubt ihm nicht, dass er seine Ankündigungen umsetzen wird, wie am Beispiel Iran ja bereits zu sehen war.
Wie geht's also weiter? Wird Trump einsehen, dass er es beim einen oder anderen Thema zu weit getrieben hat? Oder wird er seine Ziele um so vehementer umzusetzen versuchen? Es bleibt spannend.
Schauen wir uns mal die Wochenentwicklung der wichtigsten Indizes an:
Wochenperformance der wichtigsten Indizes
| INDIZES | 17.1., 13:10 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ |
| DAX | 25.297 | 0,1% | 3,3% |
| S&P 500 | 6.940 | -0,5% | 1,4% |
| Nikkei | 53.936 | 3,8% | 7,1% |
| Shanghai A | 4.732 | -0,6% | 2,2% |
| Euro/US-Dollar | 1,16 | -0,3% | -1,3% |
| Euro/Yen | 183,42 | -0,2% | -0,1% |
| 10-Jahres-US-Anleihe | 4,22% | 0,05 | 0,06 |
| Umlaufrendite Dt | 2,73% | -0,03 | -0,05 |
| Feinunze Gold | $4.596 | 2,2% | 6,4% |
| Fass Brent Öl | $64,13 | 0,9% | 5,4% |
| Kupfer | $12.803 | 0,6% | 3,1% |
| Baltic Dry Shipping | $1.567 | -8,8% | -16,5% |
| Bitcoin | $95.165 | 4,8% | 8,4% |
3. Sentiment: Anleger vergessen ihre Absicherungen
Die Rallye endete am Dienstag. Wie so häufig wurden die ersten 10 Tage des neuen Jahres genutzt, um Portfolioanpassungen vorzunehmen: Die zu groß gewordenen Positionen in erfolgreichen Aktien des Vorjahres wurden verkleinert, fundamental günstige Aktien wurden gekauft. Dadurch stiegen die Aktienmärkte "in der Breite" an. Das heißt, die Rallye war von vielen Aktien getragen, nicht nur von einigen wenigen, wie meist im vergangenen Jahr.Dieser Prozess ist nun beendet und Anleger schauen nach den nächsten Treibern für weitere Kursanstiege. Derartige gab es diese Woche nicht viele, im Gegenteil: Die Spannungen im Iran und die Möglichkeit eines Einschreitens der USA befeuerten den Ölpreis. Ein hoher Ölpreis drückt auf die Konjunktur und entsprechend legten die Aktienmärkte Mitte dieser Woche eine Pause ein.
Der Stimmung der Anleger tat das wenig Abbruch. Sie erinnern sich, vor einer Woche konnten wir Euphorie unter den Anlegern feststellen, sahen aber aufgrund der anderen Sentiment-Indikatoren keine große Gefahr für einen starken Ausverkauf. Und bislang ist es genau so gekommen. Entsprechend kann sich die Stimmung unter den Anlegern mit einem Wert von 3,2 auf hohem Niveau halten. Die Euphorie ist zwar verschwunden, aber gute Laune gibt es dennoch.
Auch die Selbstzufriedenheit bleibt mit einem Wert von 3,4 auf einem hohem Niveau. Wie erwartet (oder erhofft?) war die Verschnaufpause überschaubar.
Die Zukunftserwartung sinkt auf einen negativen Wert von -1,5. Dunkle Wolken ziehen in den Köpfen der Anleger auf. Skepsis über eine baldige Fortsetzung der Rallye kommt auf. Man freut sich also über die Rallye der vergangenen Wochen, hält diese jedoch nun für beendet.
Und so ist auch die Investitionsbereitschaft mit einem Wert von nur 0,2 sehr gering.
Das Euwax-Sentiment der Privatanleger springt diese Woche plötzlich von -45 auf +27. Long-Spekulationen sind gesucht, Anleger kaufen gehebelte Produkte, um an steigenden Kursen zu partizipieren. Hmm, das widerspricht der oben festgestellten Anlegerstimmung.
Das Put/Call-Verhältnis für den DAX an der Eurex zeigt mit einem Wert von 1,06 einen sehr niedrigen Wert an. Auch die Profis kaufen offensichtlich derzeit Call-Optionen, um von steigenden Notierungen zu profitieren.
An der CBOE liegt das Put/Call-Verhältnis für Equities mit einem Wert von 0,71 im durchschnittlichen Bereich.
Die Investitionsquote der US-Fondsanleger bleibt diese Woche mit 96% auf hohem Niveau.
Die Bulle/Bär-Differenz der US-Privatanleger liegt bei 22%punkten. Mit 49,5% messen wir den höchsten Bullenanteil der vergangenen 52 Wochen. Ein Warnsignal!
Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 62% moderate Gier an. Der Short Range Oscillator springt über 4 und signalisiert damit ebenfalls eine überkaufte Marktverfassung. Vorsicht ist geboten.
Interpretation
Die ausführliche Interpretation der aktuellen Anlegerstimmung – basierend auf den hochwertigen Sentimentdaten unserer animusX Umfrage – bleibt den zahlenden Mitgliedern des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die hohe Qualität unserer Analysen solide finanzieren möchten. Mit den Einnahmen entwickeln wir die Sentimentanalyse kontinuierlich weiter – für noch fundiertere Einschätzungen, die helfen, Anlageentscheidungen zu optimieren und die Portfolio-Performance weiter zu verbessern.
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4. Ausblick: Renaissance von Old Tech: IBM, Intel & Cisco
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6. Leserfragen
Sumitomo Corp.: Interessantes Industriekonglomerat aus Japan
Hallo Herr Heibel,
ich lese jetzt seit einiger Zeit Ihren Ticker und fühle mich häufig mit meiner optimistischen Einstellung von Ihnen bestätigt. Das tut gut in Zeiten, in denen sehr viele Schwarzmaler in den Medien die Oberhand halten.
Ihre stets informativen Ausführungen und das Vermitteln von umfangreiche Hintergrundwissen gefallen mir bei Ihnen sehr gut. Also bitte weiter so.
Nun aber zu meiner Frage. Ich würde gern mein etwas USA-lastigen Portfolio etwas umschichten. Mein Blick viel auf diverse stabile Aktien aus Japan. Ich habe bereits Mitsubishi Electric (WKN 856532) und Marubeni (WKN 860414). Nun habe ich Sumitomo (WKN 860364) ins Auge gefasst.
Können Sie diese Aktie für eine langfristige Anlage empfehlen?
Vielen Dank im Voraus für Ihre Mühe. Gruß
Beate aus Edewecht
PS: Es würde mich interessieren wie viel (wenig) Prozent Ihrer Abonnenten weiblich sind, da sehr selten Nachfragen von Frauen im Ticker erscheinen, oder sind die Frauen nicht so beratungswillig? 😉
ANTWORT
Vor einigen Jahren habe ich das mal unter den zahlenden Mitgliedern ausgewertet. Da waren es gerade einmal 7% Frauen :-(. Und dieser Anteil deckt sich mit Erfahrungswerten von anderen Betreibern von Börsendiensten. Irgendwie ist die Darbietung der Finanzwelt und auch des Heibel-Tickers offensichtlich leider nicht geeignet, viele Frauen zu begeistern. Dabei bemühe ich mich, alle anzusprechen.
Sumitomo Corp. ist eine japanische Handels- und Beteiligungsgruppe. Sie organisiert weltweite Wertschöpfungsketten, finanziert und entwickelt Projekte, hält Beteiligungen, betreibt Handel/Distribution und übernimmt oft auch den operativen Betrieb von Rohstoffen bis Konsum. Der Gewinn kommt damit aus sehr unterschiedlichen Quellen: aus laufendem Geschäft (Handel, Dienstleistungen, Betrieb), aus Beteiligungserträgen und manchmal auch aus Projektverkäufen. Man könnte sagen, Sumitomo kann alles, was die Industrie braucht.
Im Geschäftsjahr 2025 (endete bereits im März 2025) erzielte das Unternehmen durch Beteiligungsverkäufe einen Rekordgewinn (+30%). Dies setzt sich auch im bisherigen Geschäftsjahr fort und das Unternehmen gibt sich selbstbewusst, das neue Gewinnniveau auch in den kommenden Jahren zu halten. Halten heißt aber auch: Vorerst kein weiteres Wachstum.
Die Corona-Pandemie sorgte leider für ein Jahr mit rückläufiger Dividende. Doch davon abgesehen erfüllt Sumitomo alle unsere 5 Kriterien eines Dividendenunternehmens. Die Dividendenrendite liegt bei 2,6%. Das EV/EBITDA von 15 ist für eine solide Dividendenaktie in meinen Augen angemessen. Dennoch würde ich das Unternehmen nicht ins Heibel-Ticker Portfolio holen, da mir das Geschäftsmodell zu „flexibel“ ist. Flexibilität ist im Zweifel vorteilhaft, doch wenn ich einen erfolgreichen Geschäftsverlauf suche, finde ich bei Sumitomo so viele Einzelteile mit teils gegenläufigen Entwicklungen, dass sich mir kein Gesamtbild erschließt. Oder anders ausgedrückt: Mag sein, dass diese große Flexibilität das eine oder andere Jahr dafür sorgt, dass zwischenzeitliche Schwächen in einzelnen Geschäftsbereichen durch stark laufende andere Geschäftsbereiche ausgeglichen werden. Doch eigentlich möchte ich, dass Schwachstellen „repariert“ werden.
Vielen Dank für Ihr Lob. Für jemanden mit einem ausgeprägten Sendungsbewusstsein wie mich ist Lob ein wesentlicher Bestandteil meiner Entlohnung :-).
Bewertung von Vonovia, Steuerliche Behandlung von Bitcoin-Verlusten
Hallo Herr Heibel,
ich wünsche Ihnen noch ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2026!
Ich habe 2 Anliegen.
Das eine betrifft eine Investmentidee. Ich habe mir letztes Jahr voller Überzeugung Vonovia ins Depot geholt. Trotz guter Quartalsergebnisse und Bewertung wurde die Aktie nun bis auf unter 24€ gedrückt. Das lag wahrscheinlich an den Zinserhöhungsfantasien in Europa. Mit der kommenden Neubesetzung des FED- Chefs und den aktuellen Inflationsdaten in Europa sind Zinssenkungen jenseits des Atlantiks und stabile Zinsen in Europa sehr wahrscheinlich. In meinen Augen ist bei Vonovia alles eingepreist und die Rahmenbedingungen könnten Grundlage für Kurse jenseits der 30€ sein.
Wie ist Ihre Meinung zur Vonovia?
Der 2. Punkt betrifft mal wieder das Bitcoin- Zertifikat A27Z30. Ich habe mit den letzten Zukäufen ein aktuelles Minus zu Buche stehen gehabt. Aus dem Grund habe ich die betreffenden Anteile Ende Dezember veräußert, um die Verluste geltend zu machen und habe die Anteile neu gekauft. Nur wurden die Verluste nicht in den Verlusttopf übertragen. Die Verluste können nur mit der Steuererklärung geltend gemacht werden. Vielleicht ist das auch für andere Heibel- Ticker- Leser von Interesse. Wir haben den ETC bisher immer nur auf steuerfreie Gewinne betrachtet. Konkret schrieb mir mein Broker hierzu:
"Das Produkt wird von der Abrechnungsstelle nicht als abgeltungssteuerrelevant sondern nach § 23 persönliches Veräußerungsgeschäft bewertet. Es erfolgte daher keine Befüllung in den
VVT Allgemein.
....
Wird die ISIN als privates Veräußerungsgeschäft gem. §23 bewertet, sind bei einer Haltedauer Länger als ein Jahr Kryptos/Krypto ETP steuerfrei. Bei einer kürzeren Haltezeit gibt es einen Steuerfreibetrag von 1.000 EUR, alles darüber ist über die Einkommensteuer mit Deinem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Bei Kryptogewinnen nach §23 erhältst Du somit zunächst den Gesamtbetrag, musst Du die Besteuerung dann selbständig über Deine Einkommenssteuer veranlassen.
Bei Gewinnen §23 EstG erhältst Du zunächst den Gesamtbetrag, musst die Besteuerung dann selbständig über Deine Einkommenssteuer veranlassen. Es erfolgt keine automatische Versteuerung. Bitte kläre in diesem Falle mit einem Steuerberater, ob die über den Verkauf von 1.064 € realisierten Verluste §23 über Deine Einkommenssteuererklärung angegeben und ggf. mit Gewinnen verrechnet werden können."
Ich möchte die Gelegeheit nutzen, mich bei Ihnen für die immer wieder unterhaltsame Lektüre und den tollen Investment- Tipps incl. der dazu gehörenden Recherche zu bedanken. Man spürt es beim Lesen, wie sehr Sie Ihren Job lieben und mit Begeisterung ausführen. Es "menschelt" neben all den Informationen über Wirtschaft und Politik.
Sie schaffen den Spagat, Ihre eigene Meinung bei sensiblen Themen gewählt offen zu äußern und nicht allen Mainstream- Unsinn nachzuplappern. Das wird nicht jedem Heibel- Ticker- Leser so gefallen. Aber ich denke die Mehrheit sieht das wie ich. Danke sehr und bitte weiter so!
Beeindruckend finde ich, wie Sie den Heibel- Ticker Jahr für Jahr weiterententwickeln, immer wieder neue Ideen einbringen. Das ist für mich beruflich und privat sehr inspirierend. Ich selbst arbeite noch ohne KI. Für dieses Jahr habe ich das fest auf dem Schirm.
Viel Erfolg und viele Grüße, Roy aus Lützen
ANTWORT
Ich interessiere mich nicht besonders für Immobilienaktien, daher ist meine Meinung zu Vonovia vielleicht oberflächlich. Grundsätzlich ist eine Immobilienaktie in meinen Augen eine Alternative zum Eigenheim und daher sollte man sich insbesondere den Wert der Immobilien im Portfolio des Unternehmens anschauen. Dazu fehlt mir jedoch das Fachwissen, daher halte ich mich mit einer Meinung meist zurück.
Aus Aktiensicht: Der Unternehmenswert (EV) liegt bei 67 Mrd. EUR, jährlich werden 6,7 Mrd. EUR umgesetzt, Tendenz fallend. Daraus wird ein operativer Gewinn von 2,4 Mrd. EUR erwirtschaftet. 3,5% Gewinn auf mein eingelegtes Kapital ist nicht unbedingt viel, finde ich. Da suche ich mir lieber eine Anleihe.
Die Dividendenrendite beträgt jedoch 5,2%. Das Unternehmen schüttet mehr an seine Aktionäre aus, als es Gewinn erwirtschaftet. Genau hier setzt die Kritik von Donald Trump an, der eine Bevorzugung der Aktionäre auf dem Rücken der Mieter nicht sehen möchte, denn die ausgeschüttete Dividende sollte seiner Ansicht nach besser in die Instandhaltung / Modernisierung der Immobilien gesteckt werden. Privateigentümer haben ein großes Interesse, den Wert der Immobilie zu erhalten. Konzerne hingegen werden mitunter von CEOs geführt, die kurzfristig erfolgreiche Zahlen präsentieren wollen und dabei hoffen, wenn wir beim Beispiel Vonovia bleiben, dass der Wertverfall der Immobilien, der durch die ausbleibenden Modernisierungen zu erwarten ist, von der allgemeinen Preissteigerung am Immobilienmarkt kaschiert wird.
Ungeachtet dessen erfüllt Vonovia nur drei unserer fünf Kriterien für Dividendenaktien. Die Dividende wurde 2023 gesenkt und die Auszahlungsquote (siehe oben) ist negativ, es wird also über mehrere Jahre hinweg mehr ausgeschüttet als Gewinn erwirtschaftet wird. Für ein Wachstumsunternehmen gibt es zu wenig Wachstum und als unterbewertet würde ich Vonovia bei solchen Zahlen mit einem EV/EBITDA von 24 nicht bezeichnen.
Ach, Sie merken es, ich lasse kein gutes Haar an Vonovia. Dabei schreibe ich doch viel lieber über aussichtsreiche Unternehmen und Aktien :-).
Danke für den Hinweis der steuerlichen Behandlung von Verlusten beim Bitcoin-ETP. Ich habe mich tatsächlich bislang sehr wenig um steuerliche Belange gekümmert. Ist es nicht egal, ob der Verlusttopf von der Bank gefüllt wird oder ob die Abrechnung später mit der Steuererklärung erfolgt, einmal abgesehen vom Zeitverlust?
Vielen Dank für Ihr Lob. Für jemanden mit einem ausgeprägten Sendungsbewusstsein wie mich ist Lob ein wesentlicher Bestandteil meiner Entlohnung :-).
RÜCKMELDUNG
Hallo Herr Heibel,
vielen Dank für Ihre schnelle Antwort und Analyse.
Da war ich mir nun zu 1.000% sicher, dass Sie ein Loblied auf Vonovia singen. Mmh, das war wirklich nicht das, was ich hören/ lesen wollte. ;-) :-) Sie belechten das Unternehmen aus einem anderen Blickwinkel. Genau das macht Ihre Analysen immer wieder so spannend. Da werde ich etwas vorsichter bei Vonovia zu Werke gehen.
Und genau so sehe ich im Allgemeinen Ihre Lektüre. Wenn ich Ihren Gedanken und Schlussfolgerungen folgen und zustimmen kann(wie leider in diesem Fall auch), investiere ich gern in die gleichen Titel oder eben auch nicht. Mal verkaufe ich eher, mal später. Bei bestimmten Titeln wäre es besser gewesen, Ihren Rat nicht zu folgen(bspw. Novo), bei anderen haben Sie mich ermutigt, bei der Stange zu bleiben bzw. nachzukaufen(bspw. Nvidia).
In jedem Fall ist es immer wieder eine Freude Ihre Gedanken mit den meinigen abzugleichen und daraufhin Investmententscheidungen zu treffen.
Ihre Eigen- Kritik zu Fehlkäufen kann ich nachvollziehen. Ich frage mich selbst immer mal im Nachhinein "wie konntest Du?". Wenn man sich dann aber die Kauf- Argumente vor Augen führt, die es zu der Zeit gab, dann muss man die Entscheidung zu mindestens relativieren. Man kann nicht alle verborgenen Details kennen und demzufolge auch nicht immer "richtige" Entscheidungen treffen. Es ehrt Sie sehr, dass Sie die Mißerfolge nicht nur erwähnen, sondern auch die getroffene Entscheidung des Kaufs hinterfragen und sich selbst an den Pranger stellen. Das ist ein Punkt, der Ihren Börsenbrief von anderen unterscheidet.
Ich habe da eine Idee, wie man die Leser noch mehr ins Boot holen könnte. Grundsätzlich treffen Sie ja die Kauf- Entscheidung. Häufig stellen Sie im Vorfeld eines Kaufs mehrere Aktien vor und entscheiden sich dann für eine. Was wäre, wenn Sie die Leser mitentscheiden lassen würden? Wenn Sie beispielsweise 2 gleich gute Dividenden- Titel zur Auswahl haben und stellen. Es könnte eine Verlinkung im Ticker geben, wo man abstimmen kann. Im Idealfall mit einem Bemerkungsfeld, wo Motive/ Gründe eingetragen werden können. Es gibt sicherlich einige unter Ihren Lesern mit sehr viel Börsenerfahrung(vielleicht auch zum Thema Charttechnik), die mit Ihrer Rückmeldung interessante Aspekte aufzeigen können. Da im Heibel- Ticker die Titel in der Regel für ein längerfristiges Invest ausgesucht werden, wäre die Zeit kein Hinderungsgrund. Betreff Verkauf könnte man dann natürlich auch interaktieren. Meines Erachtens gibt es sowas auch noch nicht.
Na ja, ist nur so eine Idee. Auch hier Halbwissen(wie bei Vonovia), wahrscheinlich wird das schon technisch nicht umzusetzen gehen. :-)
Sie erwähnten vor geraumer Zeit, die Chart- Technik bei Käufen und Verkäufen einzubeziehen. Ich bin da sehr gespannt drauf. Ich selbst schaue da schon immer etwas mit drauf. Wäre dann nochmal interessant, auch hier einen Abgleich zu haben.
Bei den anfallenden Verlusten haben Sie natürlich recht. Es ist egal, ob es gleich verrechnet wird oder später. Man muss es aber wissen, um es geltend machen zu können. Ich kann mir gut vorstellen, dass der ein oder andere Aktionär seine Abrechnungen nicht gründlich prüft, weil sie immer stimmen. Dann geht das unter, weil der Broker nicht darauf hinweist. In der besagten Abrechnung von mir war das auch. Erst auf Nachfrage kam Licht ins dunkel.
Und klar, Sie sind kein Steuerberater. ;-)
Viele Grüße
Roy
RÜCKANTWORT
Ganz herzlichen Dank für diese ausführliche und nette Rückmeldung.
Ihren Vorschlag finde ich super, ich werde mich diese Tage mit meinem Marketing und der IT zusammensetzen und überlegen, wie wir das umsetzen können. Mein Ziel ist es stets, im Heibel-Ticker auf die Bedürfnisse der Mitglieder einzugehen, ohne das eingebrachte Wissen der Mitglieder ungefiltert weiterzugeben. Das ist aufwendig, da ich mir zu allen Themen ein eigenes Bild machen muss. Häufig genug haben mich Mitglieder jedoch schon auf Details aufmerksam gemacht, die ich nicht kannte, und häufig genug folgen neue Aktienempfehlungen im Heibel-Ticker den Ideen der Mitglieder.
Seagate als Mitglied der Speicher-Oligarchen
Guten Tag Herr Heibel,
Sie haben in dieser Info die Speicher-Oligarchen erwähnt. Danke für Ihren Hinweis.
Wie würden Sie in diesem Zusammenhang die aktuelle Bewertung von Seagate Technology Holdings sehen?
Beste Grüße, Peter aus München
ANTWORT
Ja, Seagate gehört auch zu den Speicher-Oligarchen :-). Das hatte ich bei meinem Update zu Nvidia vergessen, in die Liste von Western Digital, Micron und SanDisk aufzunehmen.
Seagate bietet keinen besonders schnellen Speicher an, wie für die KI eigentlich erforderlich, und durch die anderen Anbieter realisiert, sondern liefert die großen Speicherplatten, die Daten aufnehmen, die aktuell nicht benötigt werden: Massenspeicher in Rechenzentren. Und hier hat Seagate einen Temperaturvorteil gegenüber den anderen Anbietern: Eine eigens entwickelte Technologie, die spezielle Schreib/Leseköpfe erfordert, kann die erforderliche Hitze fürs Beschreiben von Festplatten viel gezielter, und damit effizienter, erzeugen. Die Technologie heißt HAMR (Heat-Assisted Magnetic Recording). Nicht nur Geschwindigkeit ist derzeit ein Thema bei KI-Rechenzentren, sondern auch Temperatur. Die Kühlung frisst viel Strom und Festplatten von Seagate benötigen aufgrund der effizienteren Hitzeverwendung weniger Kühlung und damit weniger Strom.
Der Umsatz von Seagate soll im Geschäftsjahr 2026 (endet im Sommer) auf 11 Mrd. USD steigen, +21%. Danach nochmals um 15%. Für den Gewinn wird ein überproportionales Wachstum aufgrund der Knappheit erwartet, die Speicherpreise gehen derzeit durch die Decke. Somit wird ein Gewinnwachstum je Aktie von 61% für das laufende Geschäftsjahr und 32% für das nächste erwartet. Doch die fulminante Entwicklung fand schon in der Vergangenheit statt: Im Geschäftsjahr 2025 war der Gewinn um 900% angesprungen, also von 0,72 USD/Aktie auf 7,18 USD/Aktie. Dies war der Grund für die Aktienrallye von 64 USD im April letzten Jahres (Liberation Day) auf ein Hoch bei 332 USD zum Jahresbeginn, eine Verfünffachung.
Das EV/EBITDA steht trotz dieser Rallye nur bei 20 und gibt der Aktie damit weiterhin Luft nach oben, wenn man davon ausgeht, dass diese Entwicklung nachhaltig ist. Sprich: Wenn Seagate ein Geschäftsmodell haben sollte, das auf viele Jahre ein Gewinnwachstum von über 30% in Aussicht stellen würde, dann könnte die Aktie sich vom aktuellen Niveau aus nochmals verdoppeln. Doch ob tatsächlich der Gewinn nachhaltig so stark ansteigen kann, ist fraglich. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass Speicheranbieter stärker als viele andere Branchen dem Boom und Bust unterliegen: In Boom-Phasen werden die Speicher plötzlich in großen Mengen nachgefragt und zu jedem Preis gekauft. In der Vergangenheit weiteten die Anbieter dann ihre Fertigungskapazitäten aus, jeder wollte die zusätzliche Nachfrage voll bedienen. Das führte dann regelmäßig zu einem Überangebot, dass die Preise in den Keller stürzen ließ und einige Wettbewerber in die Insolvenz trieb.
Dies sehen wir in diesem Zyklus nicht, daher ist der Preisanstieg aktuell um so stärker und die Kursgewinne um so größer. Doch Speicher sind keine Raketentechnologie, sondern können auch von neuen Anbietern angeboten werden. In China gibt es bereits eine Reihe von Unternehmen, deren Angebote qualitativ langsam aufschließen.
Ich weiß nicht, wann diese Rallye endet. Dazu fehlt mir der Einblick in diese Branche. Doch wenn (zeitlich, nicht fakultativ,) es konkurrierende Angebote gibt, werden die Preise erneut einbrechen, und die Aktien mit ihnen. Wenn Sie also eines dieser Speicherunternehmen ins Depot holen, dann bitte mit einem Trailing Stopp Loss, den Sie regelmäßig nachziehen.
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Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen
DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag
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