Heibel-Ticker Free Börsenbrief
- Einfach einen Tick besser -
21. Jahrgang - Ausgabe 22 (29.05.2026)
Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:
| 1. | Info-Kicker: Wenn der Wind dreht ... |
| 2. | So tickt die Börse: Entspannung, sinkende Energiepreise, neue KI-Phantasie |
| - Snowflake ändert das KI-Narrativ | |
| - Starke Kursausschläge unter der Haube | |
| - Wochenperformance der wichtigsten Indizes | |
| 3. | Sentiment: Bitcoin und Öl mit signifikanten Signalen |
| - Interpretation | |
| 4. | Ausblick: Nachtrag zur Wunschanalyse |
| 5. | Wunschanalyse |
| - : Microsoft | |
| - KI-Gigant, der noch beweisen muss, dass KI auch Gewinn bringt | |
| - Beneidenswerte Ausgangsposition | |
| - Stolpersteine | |
| - Neue Lösungen nächste Woche auf der Microsoft Build | |
| - Harter Wettbewerb mit Google, Amazon und sogar OpenAI | |
| - Bewertung extrem günstig | |
| 6. | Leserfragen |
| 7. | Übersicht HT-Portfolio |
| 8. | Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise |
| 9. | Mitgliedschaft verwalten |
1. Info-Kicker: Wenn der Wind dreht ...
Liebe Börsenfreunde,
Schwerpunkt der heutigen Ausgabe ist die Wunschanalyse zu Microsoft im Kapitel 5. Als Apple-Jünger habe ich Microsoft stets wenig Beachtung geschenkt. Zu wenig? Nun, die Wunschanalyse zeigt die exorbitanten Chancen von Mister Softie, wie das Unternehmen auf dem Parkett gerne genannt wird, genauso deutlich auf, wie die Risiken, mit denen CEO Satya Nadella derzeit zu kämpfen hat. Ich finde die Aktie mega-spannend, zumal schon in den kommenden Tagen über die Zukunft des Konzerns entschieden werden kann!
Der Wochenrückblick zeigt die verschiedenen Entwicklungen an den Aktienmärkten auf: Hoffnung bzgl. Iran, Jubel bzgl. KI und Drama bzgl. Konjunktur. Die unterschiedlichen Entwicklungen versuche ich in Kapitel 2 in ein passendes Bild zu setzen.
Die Sentiment-Analyse gibt heute für den DAX keine besonders tolle Prognose aus, also halten wir es kurz. Dafür jedoch gibt es deutliche Signale am Goldmarkt, am Ölmarkt und auch für den Bitcoin. Lesen Sie meine Einschätzungen dazu in Kapitel 3.
Der heutige Ausblick beschäftigt sich mit unserem Portfolio und der Frage, ob oder wie der Kandidat der Wunschanalyse in unser Portfolio passen könnte. Verpassen Sie also nicht Kapitel 4.
Im Videocall vor 10 Tagen hatte ich mich überrascht von den guten Bilanzkennziffern des französischen Call-Center Betreibers Teleperformance gezeigt. Seither gab das Unternehmen eine große Unternehmensanleihe aus und die Aktie fiel noch weiter. Anlässlich einer Leserfrage habe ich mir die Aktie nun, wie im Videocall versprochen, näher angeschaut. Meine Einschätzung lesen Sie in Kapitel 6.
Wie immer gibt es eine tabellarische Übersicht über unser Heibel-Ticker Portfolio in Kapitel 7.
Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr Börsenschreibel
Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs
2. So tickt die Börse: Entspannung, sinkende Energiepreise, neue KI-Phantasie
Der Iran-Krieg ist noch nicht beendet, aber die Hoffnung auf einen baldigen Frieden wächst. Der Ukraine-Krieg ist noch nicht beendet, aber die Position der Ukraine wird stärker. Die Angst vor einem Energiepreisschock wird kleiner und die Hoffnung auf neue Gewinntreiber der KI-Revolution wächst. Konkret: Brent Öl ging diese Woche um 11% auf nur noch 92 USD/Fass zurück. Und mit Snowflake zeigte ein erstes Software-Unternehmen, wie die KI lukrativ genutzt werden kann. Die Aktie springt in zwei Tagen um 75% an.
Die Situation im Nahen Osten kennen Sie: Die Straße von Hormus ist blockiert. Seitens der US-Verhandler ist zu hören, dass sich der Iran bereit erklärt habe, den verminten Seeweg in den kommenden 30 Tagen zu räumen und freizugeben. Eine Bestätigung aus dem Iran steht noch aus. Über die Lösung in Sachen angereichertes Uran gibt es keine Information und auch Donald Trump bat um einige Tage Bedenkzeit, um den Vorschlag zu prüfen. Hmm, alles sehr ungewiss, wenn Sie mich fragen.
Ich schaue bei solchen Entwicklungen inzwischen gerne auf die Rendite der 30 Jahre laufenden US-Staatsanleihen: Ups, die war vor wenigen Tagen erstmals seit dem Inflationsschub vor zwei Jahren wieder über 5% geklettert. Die 5%-Hürde gilt als wichtig, da Investitionen für viele Unternehmen zu höheren Finanzierungskosten zu teuer werden. Und Donald Trump kann nichts weniger gebrauchen als eine zurückhaltende US-Wirtschaft.
Sind die Verhandlungserfolge also erfunden? Wir werden es wohl nie erfahren. Aber wenn die hohen Zinsen nicht wären, dürften die US-Amerikaner recht zufrieden mit dem Iran-Krieg sein: Es sterben keine Soldaten und das US-Öl und -Gas kann teuer in die ganze Welt verkauft werden. Immer wieder kommen Kassandras aus der Versenkung und warnen vor einem unmittelbar bevorstehenden, sprunghaften Anstieg der Energiepreise, weil die Lager "auf dem niedrigsten Stand seit"... seien. Ich fürchte, man gewöhnt sich so langsam an diesen Zustand.
Diese Woche legten einige Einzelhändler Zahlen vor, die überwiegend bestätigten, dass der US-Konsument robust aber nicht expansiv unterwegs ist. Robust, weil der Umsatz bei günstigen Anbietern über den Erwartungen lag. Nicht expansiv, weil die Anbieter teurer Markenartikel große Probleme haben. Ich wies bereits vor einer Woche auf diese Entwicklung hin, da unser Einzelhändler aus dem Heibel-Ticker Portfolio sehr gute Zahlen vorlegte.
Snowflake ändert das KI-Narrativ
Während in vielen Branchen punktuell Erfolge erzielt wurden, weitete sich die KI-Rallye aus. Snowflake ist ein Anbieter von Daten-Auswertungen. Wenn ich also in der Wunschanalyse zu Microsoft auf den alten Spruch "shit in - shit out" hingewiesen habe, so kümmert sich Snowflake darum, dass es keinen "shit in" gibt, dass also Unternehmensdaten sorgfältig aufbereitet werden.
Die Q-Zahlen von Snowflake zeigten nun den goldenen Gral der Software-Unternehmen: Kunden investieren wieder verstärkt in die Qualität ihrer Unternehmensdaten, das Datengeschäft von Snowflake zeigte einen nicht erwarteten Umsatzanstieg. Gleichzeitig springt bei Snowflake die Nutzung von KI-Auswertungen für die Datenbasis an. Insgesamt wächst der Umsatz mit 33%. Die Unternehmensprognose für das laufende Jahr wurde angehoben und gleichzeitig wurde auch die erwartete Gewinnmarge von 12,5% auf 13,5% angehoben: Schnelleres Wachstum, das nicht teuer erkauft werden muss, sondern parallel zu einem Anstieg der Gewinnmarge führt.
Damit wurden Anleger auf dem falschen Fuß erwischt: Ähnlich der Microsoft-Aktie (siehe Wunschanalyse) wurde Snowflake in den vergangenen 6 Monaten ausverkauft. Nun wurde der Kursrückgang an einem Tag fast vollständig ausgeglichen. Ich denke, das liegt auch daran, dass die Aktionäre langsam in der Lage sind, die KI-Geschäftsmodelle zu verstehen. Vor einem Jahr konnte noch kaum jemand etwas mit der Abrechnung nach Token anfangen, inzwischen gehört das zum normalen Besteck.
Zudem bietet Snowflake zwei KIs an, deren unterschiedliche Ausrichtung die meisten Anwender inzwischen verstehen: ChatGPT und Codex oder aber Claude Opus und Claude Code. Bei Snowflake heißt das nun "Snowflake Intelligence" und "Cortex Code". Das Management kann mit Snowflake Intelligence schnell verlässliche Aussagen aus der Datenbank herausziehen. Die IT-Abteilungen können mit Cortex Code komplexere Auswertungen und wiederkehrende Aufgaben erstellen.
Und nun bietet Snowflake einen Doppelwums: Durch die stärkere Nutzung der KI wächst nicht nur der Verbrauch der abzurechnenden Tokens, sondern zusätzlich auch die Nutzung der auf der Snowflake-Plattform zur Verfügung gestellten Unternehmensdaten, die ebenfalls nach Nutzung abgerechnet werden.
Dabei ist Snowflake betont modelloffen. Es kann jede KI genutzt werden, CEO Sridhar Ramaswamy stellte jedoch in den Vordergrund, dass die KI-Modelle von OpenAI und Anthropic führend seien. Snowflake konnte sich also die Entwicklung teurer KI-Modelle sparen und nutzt nur das, was zurzeit führend ist ... und stellt deren Nutzung ihren Kunden in Rechnung.
Das Geschäftsmodell ist so erfolgreich, dass Snowflake einen Mietvertrag mit der Amazon Cloud AWS abschloss, über 6 Mrd. USD auf fünf Jahre verteilt. Anleger jubeln also eine Aktie um 75% nach oben, die gerade 6 Mrd. USD für KI-Rechenkapazität ausgegeben hat, weil dieses Unternehmen glaubhaft zeigen konnte, dass zusätzliche Rechenleistung lukrativ genutzt wird. Ein Schwungrad, das sich automatisch selbst beschleunigt.
Muss ich nach dieser Story noch erwähnen, dass auch Salesforce (+6%), Adobe (+8%), Palo Alto (+6%), Microsoft und sogar SAP (+3%) Aufwind bekamen? Snowflake hat gezeigt, welche Gewinndynamik, welches Schwungrad für Software-as-a-Service Unternehmen in Gang setzen können, wenn sie das richtige KI-Produkt haben.
Die KI-Rallye sprang also von Nvidia über die Hyperscaler zu den Chipherstellern. Folgt nun die nächste Welle, die durch Softwareunternehmen angeführt wird? Wir werden Mitte nächster Woche mehr wissen, wie ich in der Microsoft Wunschanalyse zeige.
Das heißt aber nicht, dass die Anbieter von Rechenzentren nicht mehr gefragt sind. Dell springt nach einer fulminanten Rallye im Vorfeld der Q-Zahlen heute nochmals um 30% an. Erwartungen um 33% übertroffen, Jahresprognose kräftig angehoben. Schade, dass wir diese Aktie mit moderatem Gewinn zu früh verkauften. Aber so ist das in einem diversifizierten Portfolio: Wir müssen uns auf einige wenige Positionen beschränken und können daher nicht alles haben. Insgesamt läuft unser Portfolio auch ohne Dell überaus erfreulich.
Trotzdem sehen wir nur moderate Entwicklungen der Indizes: DAX +0,9%, S&P 500 +1,3% im Wochenvergleich. Den Kursgewinnern stehen eben auch viele Verlierer gegenüber: Diejenigen, die unter den hohen Energiepreisen leiden, die Finanzbranche leidet derzeit ebenfalls und Luxus findet keine Abnehmer mehr. In Japan sitzen viele Zulieferer der KI-Revolution, außerdem normalisiert sich dort derzeit das 35 Jahre niedrige Zinsniveau auf ein verträgliches Niveau. Der Nikkei konnte so um 4,7% anspringen und führt die Liste der Landesindizes mit 31,8% seit Jahresbeginn an.
All das im Vorfeld eines eventuellen Friedens im Iran. Was wird passieren, wenn die Tinte unter einem Friedensvertrag trocken ist? Schießen die Aktienmärkte dann erst richtig in die Höhe? Oder folgt der überfällige Ausverkauf der hochgelaufenen Buchgewinne in den Anlegerdepots? Ich schaue mir das in Kapitel 4 näher an.
Starke Kursausschläge unter der Haube
Sie glauben gar nicht, wie schwer es mir derzeit fällt, Ihnen hier ein passendes Bild vom Wochengeschehen zu vermitteln: Die Ereignisse prasseln nur so auf mich ein und ich habe kaum die Zeit, das Ganze für Sie aufzuarbeiten. Ich könnte gut und gerne eine Nacherzählung der Ereignisse in 10-facher Länge dieses Kapitels ausarbeiten - das ginge im Zweifel sogar schneller als das Ausarbeiten dieser Zusammenfassung. Aber ich denke, die Einzelmeldungen werden Sie sicherlich über Ihre Informationskanäle gesehen haben. Hier füge ich die Dinge nur anhand einzelner Beispiele zu einem passenden Bild zusammen.
Schauen wir nun auf die Wochenentwicklung der wichtigsten Indizes:
Wochenperformance der wichtigsten Indizes
| INDIZES | 29.5., 22:45 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ |
| DAX | 25.105 | 0,9% | 2,5% |
| S&P 500 | 7.580 | 1,3% | 10,7% |
| Nikkei | 66.330 | 4,7% | 31,8% |
| Shanghai A | 4.892 | 1,0% | 5,7% |
| US-Dollar/EUR | 1,17 | 0,5% | -0,7% |
| Euro/Yen | 185,73 | 0,5% | 1,2% |
| 10-Jahres-US-Anleihe | 4,44% | -0,12 | 0,27 |
| Umlaufrendite Dt | 2,93% | -0,10 | 0,15 |
| Feinunze Gold | $4.543 | 0,8% | 5,2% |
| Fass Brent Öl | $92,05 | -11,4% | 51,3% |
| Kupfer | $13.702 | 1,4% | 10,3% |
| Baltic Dry Shipping | $3.226 | 8,8% | 71,9% |
| Bitcoin | $73.625 | -2,9% | -16,1% |
3. Sentiment: Bitcoin und Öl mit signifikanten Signalen
In Europa stellt die KI-Branche bislang noch kein besonderes Gewicht dar, es gibt vereinzelt einige Unternehmen, die davon profitieren. So sprang Infineon diese Woche um 11% an, weil das Unternehmen gemeinsam mit Nvidia eine effizientere Lösung für die Kühlung von Rechenzentren "vom Stromnetz bis zum Prozessorkern" entwickeln möchte.Doch daneben stellt insbesondere inzwischen die Rüstungsindustrie in Deutschland eine Branche dar, die den Börsenindex maßgeblich bewegen kann: Rheinmetall stieg diese Woche um 5% an.
Auf der anderen Seite kommen die Wochenverlierer aus der Versicherungsbranche (Münchener Rück, Hannover Rück je -4%) und aus der Pharmabranche (Beiersdorf, Bayer, Fresenius je -5%). so bleibt die Wochenentwicklung des DAX mit +0,9% moderat, es kann nicht von einem breiten Aufwärtstrend gesprochen werden.
Dennoch sorgt die Hoffnung auf ein Ende des Iran-Krieges für Hoffnung und unser Anlegersentiment steigt diese Woche auf einen Wert von 2,2. Ich würde das als moderat gut gelaunt bezeichnen. Die Selbstzufriedenheit klettert zum ersten Mal seit Anfang März wieder in den positiven Bereich mit einem Wert von +0,7. Die Verunsicherung, die seit Ausbruch des Iran-Kriegs herrscht, verflüchtigt sich zugunsten der Hoffnung auf Frieden.
Die Zukunftserwartung zeigt mit einem Wert von -0,5 den größten Pessimismus seit Januar an. Dahinter könnte sich die alte Börsenweisheit "Kaufen, wenn die Kanonen donnern" verstecken, denn die Börsenindizes notieren auf oder nahe bei Allzeithochs und Anleger fürchten nun im Falle eines Friedensschlusses im Iran Gewinnmitnahmen, die zu einer Korrektur der erzielten Buchgewinne führen könnte. Oder steckt da etwa die Skepsis dahinter, dass die Hoffnung, die diese Woche für rückläufige Energiepreise und steigende Aktienkurse sorgte, schon bald wieder enttäuscht wird, wie man es inzwischen von Donald Trump gewöhnt ist?
Die Investitionsbereitschaft klettert auf einen Wert von 1,5 und bleibt damit weiterhin konstruktiv positiv.
Das Euwax-Sentiment der Privatanleger springt im Wochenverlauf von -47 auf +38. Die Absicherungspositionen der Vorwoche, die infolge der damals noch düsteren Aussichten für die Weltwirtschaft aufgrund der Aussichtslosigkeit im Iran-Krieg eingegangen worden waren, wurden diese Woche schleunigst aufgelöst und zum Teil in Long-Spekulationen gedreht. So viel hängt vom Ölpreis ab: Hohe Energiepreise befeuern die Inflation und hindern die Notenbanken, das Zinsniveau zu senken. Bei hohen Zinsen bleiben Investitionen aus und die Weltwirtschaft knickt ein. Mit -11% im Ölpreis wurde dieses Schreckensszenario umgekehrt, niedrige Zinsen lassen Anleger zuversichtlich in die Zukunft blicken.
Eine ähnliche Entwicklung ist auch an der Eurex zu sehen. Das Put/Call-Verhältnis für den DAX sinkt mit einem Wert von 1,05 an den unteren Rand der Spanne der vergangenen Monate. Auch an der CBOE sinkt das Put/Call-Verhältnis für Equities mit 0,53 auf ein selten niedriges Niveau. Niedrige PCRs signalisieren eine starke Nachfrage nach Call-Optionen, mit denen auf steigende Kurse spekuliert wird.
Die Investitionsquote der US-Fondsmanager klettert diese Woche mit 98% an den oberen Rand der diesbezüglichen Spanne. Also sind auch die Fondsmanager optimistisch.
Die Bulle/Bär-Differenz der US-Privatanleger bleibt mit -6%punkten allerdings pessimistisch: 42% Bären stehen nur 36% Bullen gegenüber. Die Euphorie dieser Woche kam erst Donnerstag und Freitag auf, also zum Ende der Woche. Dieser Indikator wird jedoch bereits am Mittwoch veröffentlicht, enthält also die jüngsten bullischen Entwicklungen noch nicht.
Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 61% weiterhin nur moderate Gier an.
Interpretation
Die ausführliche Interpretation der aktuellen Anlegerstimmung – basierend auf den hochwertigen Sentimentdaten unserer animusX Umfrage – bleibt den zahlenden Mitgliedern des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die hohe Qualität unserer Analysen solide finanzieren möchten. Mit den Einnahmen entwickeln wir die Sentimentanalyse kontinuierlich weiter – für noch fundiertere Einschätzungen, die helfen, Anlageentscheidungen zu optimieren und die Portfolio-Performance weiter zu verbessern.
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4. Ausblick: Nachtrag zur Wunschanalyse
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5. Wunschanalyse
: Microsoft
Fr, 29. Mai um 17:30 Uhr
KI-Gigant, der noch beweisen muss, dass KI auch Gewinn bringt
Ich bekenne mich schuldig: Als Apple-Jünger, der schon im Studium mit dem Newton arbeitete (Apples früherer Personal Digital Assistant, Anfang der 1990er), habe ich niemals den Weg zur Microsoft-Aktie gefunden. Vielen Dank daher an alle, die mit ihrer Stimme bei der Wunschanalyse für den überwältigenden Vorsprung der Microsoft-Aktie sorgten. Und, so viel nehme ich vorweg, Microsoft ist derzeit eine überaus spannende Aktie. Mit dem richtigen KI-Angebot kann die Aktie jederzeit einen Freudensprung wie Dell oder Snowflake vollziehen, bislang bleibt das Unternehmen das "richtige" KI-Angebot jedoch leider schuldig. Oder, um es in einem Bildchen auszudrücken:

Abbildung 1: Entwicklung der Gewinnschätzung von Microsoft besser als Kursverlauf
Gemeinsam mit der gesamten Softwarebranche erklomm Microsoft im Oktober vergangenen Jahres ein Allzeithoch. Anschließend wurden ALLE SaaS-Aktien (Software-as-a-Service) ausverkauft (gelbe Aktienkurslinie). Vom Allzeithoch bei 540 USD ging's binnen 6 Monaten um 35% auf 356 USD runter. Dabei hoben Analysten ihre Gewinnerwartung parallel zum Kursverfall kontinuierlich an (blaue Linie: Entwicklung der Gewinnerwartung für das Geschäftsjahr 2026, rote Linie: 2027). Es bestand die Angst, Microsoft könne zum KI-Verlierer werden und mit letzten Kräften die alten Errungenschaften melken. Und diese Befürchtung ist bis heute nicht vom Tisch. Die zwischenzeitliche Kurserholung ist lediglich ein Zeichen dafür, dass die Bewertung zwischenzeitlich zu niedrig war. Über den Erfolg oder Misserfolg der Microsoft-KI sagt das noch nichts aus.
Schauen wir uns also mal detailliert an, was Microsoft falsch gemacht hat und was genau dem Unternehmen helfen würde.
Beneidenswerte Ausgangsposition
Microsoft ist eine der seltenen Aktien, mit denen Anleger sowohl Ruhe, als auch Phantasie ins Depot holen können. Ruhe, weil das klassische Geschäft mit Windows (Win11), Office (Office365), Teams, LinkedIn und Azure Cloud eine gewaltige Marktmacht besitzt. 2024 und 2025 verfügte Microsoft über einen freien Cashflow von jeweils über 70 Mrd. USD. Phantasie, weil Microsoft früh auf künstliche Intelligenz gesetzt hat und mit OpenAI den Marktführer als intimen Partner gewann. Mit Hilfe von OpenAI wurden die beiden etablierten Produkte Azure Cloud und Copilot auf KI getrimmt. Microsoft war damit stark genug, um die KI-Revolution zu prägen. Gelungen ist dies bislang jedoch noch nicht. Copilot ist eine Enttäuschung, ich berichtete vor einigen Wochen über meine eigenen Erfahrungen. Wenn ich im Microsoft-Produkt Excel einen KI-Agenten zu Hilfe nehme, dann wähle ich Claude, weil Claude meiner Erfahrung nach viel besser funktioniert als der hauseigene Copilot.
In den vergangenen vier Quartalen stieg der Umsatz um 18% auf 82,9 Mrd. USD im ersten Quartal des laufenden Kalenderjahres (Q3 für Microsoft). Die Gewinnmarge (EBITDA) liegt bei 68%, was einem leichten Rückgang entspricht. Das ist aber noch immer ein Traumwert für fast jedes Unternehmen, doch für Microsoft-Aktionäre ist dieser kleine Rückgang bereits ein Warnsignal. Denn dadurch wird die Befürchtung genährt, dass die neuen Rechenzentren, Grafikprozessoren, Speicher- und Netzwerkkapazitäten, mit denen Microsoft die Azure Cloud ausbaut, auf die Marge drücken.
Das Unternehmen muss nun beweisen, dass KI nicht nur zu mehr Nutzung der Microsoft-Produktpalette, sondern auch zu mehr Gewinn je Umsatz führt. Hier gibt es einen Unterschied zur alten Office-Welt. Ein zusätzliches Office-Abo kostete Microsoft früher fast nichts. Eine zusätzliche KI-Abfrage kostet Rechenleistung, Strom, Chips und Infrastruktur, um die dafür erforderlichen Token zu generieren.
Azure ist derzeit der wichtigste Wachstumsmotor. Das Segment Intelligent Cloud, ein Teilbereich von Azure, wuchs zuletzt um 29% auf 34,7 Mrd. USD Umsatz. Azure gesamt legte sogar um 39% zu, stärker als erwartet. Microsofts KI-Geschäft wuchs um 123% auf eine annualisierte Umsatzrate von 37 Mrd. USD.
Stolpersteine
Damit kommen wir zum ersten Problem: Microsoft ist heute nicht mehr nur ein Softwarekonzern, sondern zunehmend auch ein Infrastrukturkonzern. Für das Geschäftsjahr 2026 werden Investitionen von rund 145 Mrd. USD erwartet, ein Plus von 64% gegenüber dem Vorjahr. Rund zwei Drittel der Investitionen fließen in Grafikprozessoren und andere Hochleistungsprozessoren mit überschaubarer Lebenserwartung. Das ist ein radikaler Bruch mit dem alten, fast schwerelosen Softwaremodell. Einmal geschriebene Software wird mitunter Jahrzehnte genutzt.
Das zweite Problem ist Copilot. Strategisch ist Microsoft 365 Copilot genau das richtige Produkt: Eine KI direkt in Word, Excel, Outlook, Teams und PowerPoint. Wenn Microsoft hier wirklich den täglichen Arbeitsprozess verändert, könnte der Konzern die Milliarden Stunden, die Unternehmen ohnehin in Microsoft-Programmen verbringen, über die Token-Abrechnung zu Geld machen. Doch die Begeisterung der Kunden lässt auf sich warten, siehe meine eigene Erfahrung oben. Darüber hinaus haben wir in etablierten Strukturen das Problem, dass Mitarbeitern mit dem Freischalten des Copilot quasi eine Budgetverantwortung gegeben wird. Damit fühlen sich viele Vorgesetzte nicht wohl, weil sie den Nutzen der KI mangels eigener Erfahrung noch nicht messen können.
Zudem ist der Nutzen oft stark davon abhängig, wie gut die internen Daten gepflegt sind, wie klar Zugriffsrechte im Unternehmen (Kunde von Microsoft) strukturiert sind und ob die Mitarbeiter überhaupt wissen, wie sie mit einem KI-Assistenten produktiv arbeiten sollen. KI ersetzt nicht automatisch schlechtes Datenmanagement, oder, wie wir es früher immer nannten: Shit in - shit out.
Copilot erreicht inzwischen 20 Mio. bezahlte Nutzer, ein Plus von 230% zum Vorjahr. Für das laufende Quartal werden mehr als 25 Mio. Kunden erwartet. Gemessen an der riesigen Microsoft-365-Basis sowie im Vergleich zu den Wachstumszahlen von OpenAI (ChatGPT), von Anthropic (Claude) und von OpenClaw ist dieses Wachstum aber lächerlich klein. Dort spricht man von einer Vervielfachung, nicht selten Verzehnfachung.
Das dritte Problem ist die OpenAI-Kooperation. Sie war Microsofts größter strategischer Coup zu Beginn der KI-Revolution. Ohne OpenAI hätte Microsoft die KI-Welle vermutlich nicht so früh und so glaubwürdig besetzen können. Azure wurde durch OpenAI zum bevorzugten Ort für Unternehmens-KI. Gleichzeitig ist die Partnerschaft mit OpenAI CEO Sam Altman kompliziert: OpenAI ist Kunde, Partner, Innovationsmotor und potenzieller Unruheherd zugleich. Microsoft hält rund 27% an OpenAI, verfügt über exklusive IP- und API-Rechte für Azure bis 2030, ist aber nicht in der Lage, den Rechenleistungshunger von OpenAI alleine zu befriedigen. So gewinnt OpenAI immer neue Partner und schafft es Berichten zufolge, die eigentlich exklusiven Rechte von Microsoft aufzuweichen.
Microsoft wollte mit OpenAI nicht nur an ChatGPT verdienen, sondern die eigene KI-Revolution stärken. Bislang ist das noch nicht ausreichend gelungen. Gleichzeitig möchte Microsoft nicht dauerhaft nur der teure Rechenzentrumsvermieter für OpenAI sein, sondern eigene KI-Produkte mit hoher Marge verkaufen.
Das vierte Problem ist der eigene KI-Chip. Google hat seine TPUs, Amazon hat Trainium und Inferentia. Microsoft arbeitet zwar mit eigenen Chips wie Maia, konnte damit bislang jedoch noch nicht an die Leistungsdaten der Konkurrenz anknüpfen und ist daher noch immer stark von Nvidia abhängig. Das ist in einer Boomphase kein Beinbruch, solange Nvidia liefert und die Nachfrage hoch bleibt. Strategisch aber ist es ein Nachteil. Eigene Chips bedeuten nicht nur geringere Kosten, sondern auch mehr Kontrolle über Lieferketten, Modellarchitektur und Margen. Google kann bei Gemini und Google Cloud stärker auf eine vertikal integrierte KI-Infrastruktur verweisen. Amazon versucht mit eigenen Chips AWS-Kunden eine günstigere Alternative zu Nvidia anzubieten. Microsoft hat hier noch Nachholbedarf.
So wächst die Google Cloud schneller, zuletzt mit sehr hoher Dynamik, und profitiert von der eigenen TPU-Infrastruktur. Microsoft dagegen hat den Vorteil der engen B2B-Kundenbeziehungen, der Office-Verankerung in der Geschäftswelt und der OpenAI-Partnerschaft. Die Frage ist also nicht, wer die bessere KI hat, sondern wer daraus das bessere Geschäftsmodell baut. Google ist technologisch vertikal integriert. Microsoft ist kommerziell tiefer im Büroalltag verankert.
Neue Lösungen nächste Woche auf der Microsoft Build
Ich würde daher Microsoft nicht zu früh abschreiben. Der Konzern hat drei Hebel, die kaum ein anderer Anbieter besitzt. Erstens muss Microsoft die KI nicht an neue Kunden verkaufen, sondern kann sie in bestehende Arbeitsabläufe einbauen. Zweitens die Entwicklerbasis: GitHub Copilot ist in der Softwareentwicklung bereits viel näher am echten Produktivitätsgewinn als die Office Copiloten. Drittens Azure: Wenn KI-Anwendungen entstehen, laufen viele davon auf Microsofts Cloud, da viele KI-Angebote von Dritten (B2B) ohnehin in Azure aufgesetzt wurden.
Anfang nächster Woche, am 2. und 3. Juni, findet die Microsoft Build statt. Microsoft selbst kündigt die jährliche Veranstaltung dieses Mal als Entwicklerkonferenz rund um KI-gestützte Werkzeuge und Plattformen an. Microsoft wird Gerüchten zufolge eigene KI-Modelle vorstellen, darunter ein auf Programmierung spezialisiertes Modell zur Stärkung von GitHub Copilot sowie Modelle für Transkription, Schlussfolgern, Sprache und Bildanalyse.
Kürzlich stellte Google neue Funktionen bei Gemini vor und konnte damit eine neue Begeisterung für die Google-KI erzeugen. Wir dürfen gespannt sein, ob dies nächste Woche auch Microsoft gelingen wird. Das Unternehmen würde dann nämlich unabhängiger von OpenAI wirken. Eigene Modelle für bestimmte Aufgaben könnten zeigen, dass Microsoft nicht nur der Vertriebskanal für OpenAI ist, sondern selbst KI-Technologie kontrolliert. Außerdem könnte GitHub Copilot wieder stärker in den Vordergrund rücken. Während Microsoft 365 Copilot im Büroalltag noch um den klaren Nutzennachweis ringt, ist Programmieren ein Bereich, in dem KI-Assistenten bereits handfesten Mehrwert liefern.
Je mehr ich mich mit dieser Wunschanalyse beschäftigt, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, dass GitHub der Schlüssel für Microsoft ist. ChatGPT war nett, aber Codex und Claude Code sind Quantensprünge für die Produktivität von Programmierern. Informatiker haben auch die Bitcoin-Revolution losgetreten und es braucht noch immer Zeit, bis sie in der breiten Bevölkerung ankommt. KI wird ebenfalls von Informatikern eingesetzt. Natürlich ist es nett, dass ChatGPT die kniffeligsten Fragen beantworten kann, doch Codex und Claude Code können eigenständig komplexe Aufgaben lösen, Apps erstellen und launchen. Ich persönlich kämpfe mit der Nutzung der KI-Recherche für diese Wunschanalyse. Nachdem ich unendlich viel gelesen habe, was die KI für mich recherchiert hat, musste ich einen roten Faden für die Wunschanalyse selber erstellen, anhand dessen die KI diese Analyse zusammenstellte. Doch kein einziger von der KI vorgeschlagener Satz dieser Analyse bleibt von mir unbearbeitet, weil - wie mein Marketing-Experte nicht müde wird mir zu sagen - bei den KI-generierten Texten schläft man irgendwann ein.
Für mich kann die KI also bestenfalls ein Gerüst erstellen, mehr noch nicht. Für Programmierer hingegen ist die KI viel hilfreicher, weil dort konkrete Lösungen gefragt sind. GitHub ist ein kostenloser Dienst von Microsoft, auf dem quasi alle Entwickler der Welt, zumindest kenne ich keinen, der anderswo arbeitet, ihre Software-Entwicklungen lagern. Neuentwicklungen und Fehlerkorrekturen werden über GitHub verwaltet und erst nach Abnahme mit Hilfe der GitHub-Logik ins Live-System übertragen.
Copilot könnte auch in die Windows-11-Taskleiste integrieren werden. Microsoft kann die KI damit nicht nur als Zusatzprodukt verkaufen, sondern als neue Bedienoberfläche des PCs etablieren. Die Nutzung wäre ein Traum für jeden Privatanwender, der sich in den verschachtelten Einstellungsmenüs wie im Irrgarten fühlt. Copilot wäre hier der eigene PC-Administrator und könnte als erste Anlaufstation dann auch weitere Aufgaben übernehmen.
Microsoft-Agenten könnten also E-Mails sortieren, Präsentationen vorbereiten, Excel-Analysen anstoßen, Code schreiben, Kundendaten auswerten und Geschäftsprozesse automatisieren. Das wäre die logische Fortsetzung von Office 365.
Harter Wettbewerb mit Google, Amazon und sogar OpenAI
Alles steht und fällt mit der Qualität der Copilot-KI. Sollte Microsoft nächste Woche tatsächlich einen neuen Copilot für GitHub vorstellen, werden wir schon wenige Stunden nach Einführung von Entwicklern hören, wie dessen Qualität einzuschätzen ist. Gelingt ein Qualitätssprung, dann stehen Microsoft die Türen für neues KI-Wachstum offen.
Wenn OpenAI strategisch eigene Wege geht, verliert Microsoft einen Teil seines Glanzes. Wenn Nvidia-Kapazitäten knapp und teuer bleiben, drücken die Kosten auf die Marge. Wenn Google oder Amazon mit eigenen Chips günstigere KI-Infrastruktur anbieten, muss Microsoft entweder nachziehen oder Preiszugeständnisse machen. Und wenn Unternehmen erkennen, dass KI zunächst hohe Beratungs-, Daten- und Sicherheitskosten verursacht, könnte die Einführung langsamer verlaufen als die Börse derzeit hofft.
Bewertung extrem günstig
Bewertungstechnisch ist Microsoft deshalb weder klassische Softwareaktie noch reine KI-Aktie. Mit einem EV/EBIDTA von 15 bei 17% Umsatzwachstum und 18% Gewinnwachstum (EBITDA) ist die Aktie in meinen Augen günstig bewertet. Umsatz- und Gewinnwachstum beschleunigen sich in den kommenden Jahren. Die Rule-of-40 wird von Microsoft mit Werten um die 77-83 übererfüllt. Der Markt bewertet Microsoft derzeit offenbar als Hybrid: mit einem Software-Fundament, das gemolken wird und einer KI-Prämie obendrauf.
KI ist jedoch kapitalintensiv, margenärmer und operativ komplizierter als klassische Software. 2023 investierte Microsoft noch 28 Mrd. USD, bis zum im Juni ablaufenden aktuellen Geschäftsjahr schossen die Investitionen auf 117 Mrd. USD, eine Vervierfachung in nur drei Jahren. Und im kommenden Geschäftsjahr 2027 springen die Investitionen aktuellen Prognosen zufolge auf 176 Mrd. USD. Im Gegenzug schmilzt der freie Cashflow dahin.
Eine solche Investitionsflut wird von Anlegern stets skeptisch beäugt: Was, wenn anschließend die Nachfrage ausbleibt? Werden die KI-Rechenzentren zu Milliarden-Gräbern? Ich kann diese Skepsis nicht nachvollziehen. Elon Musk zeigte kürzlich, was mit brach liegenden Rechenkapazitäten gemacht werden kann: Anthropic mietete Colossos 1 von X.ai (SpaceX) vollständig an, um den Engpass in der Rechenkapazität zu überkommen. X.ai hingegen arbeitet schon längst auf Colossos 2. Ich würde also behaupten, dass Microsoft selbst dann mit Gewinn aus den Investitionen kommen wird, wenn die eigene KI floppt, weil dann eben die besseren KI-Anbieter die Rechenleistung mieten.
Das Risiko: Nun, es wird auch KI-Verlierer geben. In den vergangenen Monaten galten Softwareunternehmen als KI-Verlierer. Inzwischen unterscheidet man bei Software-Unternehmen zwischen denen, die KI für sich nutzen können, und denen, die durch KI ersetzt werden. Letztere werden auch ein KGV von 14 nicht mehr halten können, die Neubewertung hin zu günstigeren Bewertungsmultipels würde sich dann fortsetzen.
Puh, da haben wir mit der Microsoft Wunschanalyse ja nicht nur eine spannende Aktie erwischt, sondern den absolut spannenden Zeitpunkt: Nächste Woche könnte sich die Zukunft von Microsoft entscheiden. Besonders mutige könnten darauf spekulieren, dass die neue KI begeistert und der Aktie zu einer Neubewertung auf höhere Bewertungsmultipels verhilft. Konservative Anleger können das Risiko der Enttäuschung gegen das Risiko des Erfolgs abgleichen und auf die erste, vermutlich heftige Kursreaktion verzichten. Im Erfolgsfall wird sich auch anschließend noch gut mit Microsoft Geld verdienen lassen. Im Falle des Misserfolgs haben sie sich heftige Verluste erspart.
6. Leserfragen
Teleperformance -20% in 10 Tagen: Chance oder Red Flag
Lieber Herr Heibel,
bei Ihrer letzten Video-Sitzung hatten Sie sich auf die Frage eines Teilnehmers zu der Aktie:
TELEPERFORMANCE (889287) als „ Divedenden-Star“
(sehr) positiv geäußert. Alle von Ihnen mit Ihrem neuen System überprüften Werte/Daten sprachen für einen Kauf.
Ich habe diesen Kauf getätigt und nunmehr „rauscht“ die Aktie gegen Süden.
Könnten Sie vielleicht bitte nochmals diese Aktie in Ihrer Datenbank eingeben um zu überprüfen, ob Ihre kürzlich gegebene Einschätzung noch zutreffend ist oder gibt es einen Grund, weshalb die Aktie so verlustig ist.
Soll ich dabei bleiben oder diese Aktie doch mit dem derzeit angefallen vermisst lieber verkaufen?
Ganz liebe Grüße und herzlichen Dank für Ihre Einschätzung.
Karl Krämer aus dem AHRTAL
ANTWORT
Teleperformance kündigte am 19. Mai an, zwei Unternehmensanleihen im Volumen von insgesamt 1,2 Mrd. EUR auszugeben, um auslaufende Unternehmensanleihen zu refinanzieren. Der am Markt erzielte Zins ist höher als von Anlegern erwartet, das wirkte sich negativ auf die Aktie aus. Der hohe Zins nährt die Befürchtungen der Anleger, dass die zukünftige Zinslast einen Großteil des Unternehmensgewinns aufzehren wird, bevor er bei den Anlegern ankommen kann.
Die Angst ist gerechtfertigt: 10 Mrd. Euro Jahresumsatz werden mit einer Marktkapitalisierung von nur 3,5 Mrd. EUR bewertet. Für den Unternehmenswert müssen wir die hohen Schulden hinzu rechnen: 5 Mrd. EUR. Davon wurden nun, wie oben gesagt, 1,2 Mrd. EUR refinanziert, und zwar teurer, als dies zuvor der Fall war. Die Gewinnmarge (Netto) liegt bei 7-8% und dürfte durch den hohen Zins nochmals unter Druck kommen.
Teleperformance erfüllt nach wie vor alle meine Dividendenkriterien, die Dividendenrendite liegt bei 7,1%. Es ist nun die Frage, ob die Dividendenrendite „zu hoch“ ist, ob das Unternehmen also die Dividende senken muss, um die Zinslast tragen zu können. Diese Gefahr ist durchaus gegeben, schauen wir uns daher das Geschäftsmodell näher an:
Teleperformance betreibt Call-Center. Dort hält KI Einzug, menschliche Arbeitsstunden werden durch KI entwertet. Das Geschäftsmodell von Teleperformance wird also tatsächlich durch die KI-Revolution angegriffen. Wir befinden uns in einer spannenden Phase dieser Revolution: Unternehmen stellen sich entweder auf die KI-Zukunft ein und finden neue Geschäftsmodelle dafür, oder sie gehen unter. Teleperformance verfügt über viele Informationen über das Geschäft seiner Kunden, allein durch den direkten Kontakt zu den Kunden über deie Call-Center. Diese Informationen werden die KI der Zukunft trainieren. Wenn Teleperformance es schafft, dieses Training für die Kunden zu übernehmen, kann es seine Zukunft sichern. Wenn das Unternehmen jedoch zu lange damit wartet, dann werden andere diese Aufgabe übernehmen.
Tatsächlich habe ich nicht genug Einblick in Teleperformance, um diese Frage fundiert zu beantworten: Ich habe vor wenigen Tagen erstmals von dem Unternehmen gehört. Als „sichere“ Dividendenaktie würde ich Teleperformance daher nicht einschätzen. Allerdings würde ich das Unternehmen noch nicht abschreiben, derzeit gibt es viele Anbieter von Dienstleistungen, die vor dem Hintergrund der KI-Revolution ausverkauft werden. Doch viele von ihnen werden es schaffen, den Sprung in die KI-Welt erfolgreich zu unternehmen. Tendenziell würde ich erwarten, dass in den kommenden Monaten eine Gegenbewegung erfolgt, wenn weitere Software-Unternehmen nach Snowflake in dieser Woche Erfolgsmeldungen veröffentlichen. Oder anderes ausgedrückt: Ich denke, der Pessimismus bezüglich Teleperformance ist bereits ziemlich eingepreist. Hoffnung würde reichen, um die Aktie nach oben zu treiben. Dann spätestens sollten Sie entscheiden, ob Sie die Aktie langfristig als Dividendenaktie behalten möchten.
RÜCKMELDUNG
Lieber Herr Heibel,
Ganz herzlichen Dank für Ihre ausführliche Analyse und insbesondere für Ihren Rat bezüglich eines weiteren Vorgehens mit dieser Aktie.
Weiterhin Ihnen und Ihrer Familie alles erdenklich Gute und und mit Dankbarkeit für die exzellente Kundenbetreuung, verbleibe ich,
mit herzlichen Grüßen aus dem Ahrtal, Karl
7. Übersicht HT-Portfolio
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8. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
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Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.
Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen
DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag
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