Heibel-Ticker Free Börsenbrief
- Einfach einen Tick besser -
21. Jahrgang - Ausgabe 28 (10.07.2026)
Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:
1. Info-Kicker: Hugo Boss Übernahme, Deutz wird zum Rüstungskonzern und viele weitere Unternehmensmeldungen
Liebe Börsenfreunde,
Die Temperaturen steigen an, Zweifel an der KI-Revolution keimen auf und im Iran sprechen wieder die Waffen. Anleger müssen in dieser Situation einen kühlen Kopf bewahren. In Kapitel 2 zeige ich auf, was die aktuellen Entwicklungen für die einzelnen Branchen bedeuten.
Außerdem stelle ich Ihnen im zweiten Teil von Kapitel 2 den zweiten Schritt des europäischen Emissionshandels ETS2 vor. Mit Hilfe einer Petition soll die Verschiebung der Einführung dieses volkswirtschaftlich effizientesten Klimainstruments verhindert werden.
Den kühlen Kopf haben die Anleger, wie wir der Sentiment-Umfrage in Kapitel 3 entnehmen können. Das Hin dun Her führte dazu, dass sich unsere Umfrageteilnehmer aus dem Markt zurückziehen und erst einmal abwarten.
Im Ausblick gehe in Kapitel 4 ich auf die Gewinner und Verlierer unseres Portfolios ein. Akuten Handlungsbedarf sehe ich derzeit nicht. die Berichtssaison startet für unsere Portfoliotitel erst Ende Juli. Vorerst können wir uns also zurücklehnen.
Die heutigen Leserfragen behandeln einige Werte bzw. auch ehemalige Werte aus unserem Heibel_Ticker Portfolio: Die Aktie von Dell konnte sich seit meiner Empfehlung vervielfachen. Soll man dabei bleiben? Deutz investiert in einen Rüstungskonzern, der fast genauso groß ist wie das Unternehmen selbst. In einer ersten Reaktion steigt die Aktie. Ist das nachhaltig?
Aktionäre von Hugo Boss erhielten ein Übernahme-Angebot. Sollte man das Angebot wahrnehmen? was steckt dahinter?
Wohin geht's im Iran-Konflikt? Vorsicht: Diese Einschätzung habe ich bereits vor einer Woche geschrieben, da sind die jüngsten Militärschläge nicht berücksichtigt.
Ein weiteres Heibel-Ticker Mitglied fragt mich konkret nach der Möglichkeit, Gold zu kaufen. Münzen oder Barren? Online oder vor Ort? Ich habe das Wichtigste zusammen getragen.
Sie sehen, heute dreht sich Vieles um Leserfragen. Ich hoffe, es ist etwas für Sie Interessantes dabei.
Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,
take share, Ihr Börsenschreibel
Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs
2. So tickt die Börse: KI-Chips als Massenware belasten die Rallye
Die Einordnung der Kursreaktionen auf die jüngsten Geschehnisse ist nicht einfach: Der Aktienmarkt ist vielschichtig und, wie schon vor einer Woche aufgezeigt, die moderate Indexentwicklung spiegelt die teils heftigen Bewegungen einzelner Aktien nur unzureichend wider. Wir können nicht einmal mehr von KI-Aktien versus günstig bewerteten Industrieaktien sprechen, da die unterschiedlichen Kursbewegungen inzwischen vielfach weniger an der Branchenzugehörigkeit als vielmehr am individuellen Geschäftsmodell liegen. Schauen wir uns das Ganze also im Detail an.
Am Freitag vor einer Woche gab Anthropic bekannt, gemeinsam mit Broadcom einen eigenen KI-Chip für das Inferencing zu entwickeln. Mit Inferencing bezeichnen wir die Nutzung von fertigen KI-Modellen. Im Gegensatz dazu steht das Trainieren von KI-Modellen, womit die Entwicklung neuer KI-Modelle gemeint ist. Das Trainieren ist um ein Vielfaches aufwendiger und benötigt die besten KI-Chips. Das sind nach wie vor die KI-GPUs von Nvidia.Nachdem nun also Google und Amazon gemeinsam mit Broadcom eigene KI-Chips einsetzen und Meta ebenfalls auf diese Broadcom-Chips zugreift, kündigt also auch Anthropic an, zusätzlich zu den Nvidia-Chips eigene entwickeln zu wollen. Ich erinnere daran, dass Anthropic auch ankündigte, eigene IT-Sicherheitslösungen als Branchenlösung anzubieten. Unsere Aktie von Palo Alto brach daraufhin kräftig ein. Kurze Zeit später kontaktierte Anthropic Palo Alto, um deren IT-Sicherheitslösungen zu nutzen, damit die neuesten KI-Modelle "sicher" gemacht werden. Der Kurs von Palo Alto hat sich seither mehr als verdoppelt.
Inzwischen spricht man im Markt von Anthropic als "the most promotive Company", dem Unternehmen, das am stärksten die Werbetrommel betätigt... ohne dass tatsächlich brauchbare Produkte resultieren. So würde ich auch die Ankündigung eigener KI-Chips einordnen. Ungeachtet dessen betreibt Anthropic mit Claude derzeit die besten KI-Modelle, zuletzt fable 5 auf Basis von Mythos.
Schon am Freitag gaben die Aktien von Nvidia, Amazon, Alphabet (Google), AMD, Intel und einigen weiteren Unternehmen, die Chips anbieten, kräftig nach. Am Mittwoch kündigte dann die chinesische DeepSeek ebenfalls an, eigene chinesische KI-Chips zu entwickeln, die das Inferencing unterstützen sollen. Die Befürchtung machte die Runde, Nvidia & Co. könnten von der erwarteten Nachfragewelle nach Inferencing-Chips ausgespart bleiben, oder zumindest nicht so stark profitieren, wie bislang gedacht. Selbst die Anbieter von Halbleiter-Herstellungsmaschinen brachen ein, weil man die in den Büchern stehende Auftragslage anzweifelte. Dabei spielt es im turbulenten Börsenalltag keine Rolle, dass es gerade für die Maschinenbauer egal ist, ob Intel oder DeepSeek die Maschinen kauft. Die Ankündigungen von DeepSeek und Anthropic zeigen doch nur, dass die Nachfrage noch immer deutlich größer ist als das Angebot, und dass händeringend nach Möglichkeiten gesucht wird, mehr Fertigungskapazitäten aufzubauen.
Infineon bricht diese Woche um 7% ein. Ich spare mir heute mal die Auflistung der anderen Wochenverlierer aus diesem Segment.
Am Mittwoch veröffentlichte die südkoreanische Samsung Quartalszahlen. Der Quartalsgewinn springt um 1.800% an und ist größer als der von Apple oder Nvidia. Doch wie heißt es so schön: Man sollte gehen, wenn's am schönsten ist. Anleger werteten diesen Gewinnsprung als Zenit der Entwicklung und glauben nicht an ein Anhalten des Wachstums bei Samsung auf diesem hohen Niveau. Die Aktie gab nach den Q-Zahlen 8% ab und zog SanDisk, Micron und SK Hynix mit in den Abgrund. Nun wurde der gesamte Halbleitermarkt ausverkauft, der entsprechende Index (SOXX) gab allein am Mittwoch 5% ab.
Das Resultat: Die Aktienkurse bröckeln, während die Gewinnaussichten weiter wachsen. Nvidia notiert inzwischen auf einem EV/EBITDA von nur noch 16, so günstig war die Aktie seit 7 Jahren nicht mehr zu haben! Eine erwartete Gewinnverdopplung im laufenden Jahr und ein erwartetes Umsatzwachstum von 82% wird mit einem lächerlichen EV/EBITDA von 16 bewertet. Doch Bewertungsniveaus spielen in diesen Tagen keine Rolle, es geht inzwischen nur noch um Liquidität. Wer hat noch Cash, um die günstigen Aktien einzusammeln (Hinweis: Im Heibel-Ticker Portfolio segeln wir derzeit mit einem vergleichsweise hohen Cash-Polster von 16% :-).
Über den Börsengang von SpaceX mit einem Volumen von 70 Mrd. USD hatte ich ausführlich berichtet. Über die Aktienplatzierung von Alphabet mit einem Volumen von 85 Mrd. USD ebenfalls und auch darüber, dass SpaceX in den kommenden Monaten alle zwei bis drei Wochen weitere Aktien mit einem Volumen in den Markt gibt, das dem Börsengang entspricht, hatte ich aufgezeigt. Wo kommt die Liquidität her, um all dieses Aktienangebot aufzusaugen? Wie sollen Anthropic und OpenAI ihre jeweiligen Börsengänge unters Volk bringen, wenn schon vorher alle Liquidität aufgesogen wird?
Schneller als Anthropic und OpenAI ist nun auch SK Hynix, der koreanische Anbieter der HBMs (High Bandwidth Memory, Speicherchips, die für KI-Rechenzentren benötigt werden) unterwegs, um frisches Kapital einzusammeln. SK Hynix notiert bislang im Kospi, an der südkoreanischen Börse. Doch nun möchte das Unternehmen auch in New York gelistet werden, um dort ebenfalls frisches Kapital einzusammeln. Zu diesem Zweck wurden gestern neue Aktien mit einem Volumen von 28 Mrd. USD an die US-Börse gebracht.
Auch andere Unternehmen zapfen den Geldmarkt an: Rivian, der Anbieter von Elektroautos, wollte gestern mit der Ausgabe neuer Aktien über 1,5 Mrd. USD einsammeln. Die Aktie brach daraufhin um 18% ein. Ein klares Zeichen dafür, dass Liquidität nicht für jede Unternehmensphantasie vorhanden ist.
Die KI-Revolution ist real. Nie zuvor in den vergangenen 130 Jahren wurde an den US-Aktienmärkten ein vergleichbar hohes Gewinnwachstum verzeichnet, ohne dass man aus einer Rezession kam. Das heißt übersetzt: In einer Rezession halten alle Marktteilnehmer ihren Spargroschen beisammen, die Konjunktur bricht ein und bei hohem Fixkostenanteil brechen die Gewinne überproportional ein, teilweise ins Minus, so dass sich Unternehmensschließungen in einer Rezession häufen. Im Anschluss, wenn die Konjunktur dann wieder anzieht, werden exorbitant hohe Gewinnsteigerungen verzeichnet, weil die Vergleichsbasis denkbar niedrig ist.
Im Jahr 2026 verzeichnen wir ein erwartetes Gewinnwachstum von 24% für die Unternehmen des S&P 500. 24% auf der Basis eines Rekordjahres 2025, das auf einer Vielzahl von Rekordjahren folgt. Die letzte Rezession in den USA war 2020, Corona. Der Umstand, dass sich nach fünf Jahren mit ordentlichem Konjunkturwachstum die Wachstumsgeschwindigkeit derart beschleunigt, ist einmalig in den vergangenen 130 Jahren.
In diese KI-Turbulenzen hinein haben die USA wieder begonnen, Angriffe gegen den Iran zu fliegen. Die Straße von Hormus ist wieder zu, der Ölpreis springt diese Woche um 6% an. Die Flucht aus der Halbleiterbranche führt zu einer verstärkten Nachfrage nach vermeintlich fundamental günstigen Aktien. Ich sage vermeintlich, weil ich nicht wie die meisten Anleger nur auf das KGV blicke, sondern das Bewertungsniveau ins Verhältnis zum Wachstum setze. Aus dieser Perspektive sind viele KI-Aktien in meinen Augen günstig, nicht nur Nvidia. Doch traditionell wird ein KGV über 20 als "teuer" betrachtet und Aktien mit einstelligen KGVs werden als günstig wahrgenommen, ungeachtet dessen, ob sie Wachstum verzeichnen oder nicht.So beispielsweise die Deutsche Telekom mit einem EV/EBITDA von nur 6 bei einer Gewinnentwicklung von erwarteten -4% im laufenden Jahr. Die Aktie legt diese Woche gegen den Trend um 3,4% zu. Oder die Hannover Rückversicherung mit einem EV/EBITDA von 10 bei 0% Gewinnwachstum. Wochenperformance: +3%. Beiersdorf wird mit einem EV/EBITDA von nur 8,7 bewertet, muss jedoch mit einem Gewinneinbruch um 11% rechnen. Auch diese Aktie konnte diese Woche gegen den Trend zulegen, +1,7%.
Heute lese ich, dass Donald Trump (wieder einmal) behauptet, der Iran habe angerufen und wolle einen "Deal". Die Aktienmärkte springen nun wieder an. Der DAX verkleinert sein zwischenzeitliches Wochenminus von -3,5% auf aktuell -2,5%. Der S&P 500 klettert auf neue Allzeithochs. schauen wir mal, wie sich die wichtigsten Indizes im Wochenvergleich entwickelten:
Wochenperformance der wichtigsten Indizes
| INDIZES | 10.7., 19:31 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ |
| DAX | 25.067 | -2,8% | 2,4% |
| S&P 500 | 7.566 | 1,1% | 10,5% |
| Nikkei | 68.558 | -1,7% | 36,2% |
| Shanghai A | 4.781 | -1,3% | 3,3% |
| US-Dollar/EUR | 1,14 | -0,1% | -2,7% |
| Euro/Yen | 184,55 | 0,0% | 0,5% |
| 10-Jahres-US-Anleihe | 4,56% | 0,08 | 0,39 |
| Umlaufrendite Dt | 3,03% | 0,11 | 0,25 |
| Feinunze Gold | $4.106 | -1,7% | -4,9% |
| Fass Brent Öl | $75,76 | 5,0% | 24,5% |
| Kupfer | $13.490 | 1,2% | 8,6% |
| Baltic Dry Shipping | $2.910 | 9,8% | 55,0% |
| Bitcoin | $63.904 | 2,9% | -27,2% |
Diese Woche erreichte mich ein Aufruf zum Unterschreiben einer Petition. Der Aufruf stammt aus einer Quelle, die "eigentlich" nur selten meine Meinung vertritt. Sie wissen ja, ich lese bewusst auch Medien mit konträren Einstellungen, um meine eigene Überzeugung immer wieder in Frage zu stellen.Nun bin ich sachorientiert und musste feststellen, dass diese Publikation ein Ziel verfolgt, mit dem ich zu 100% übereinstimme. Daher entschloss ich mich, Sie auf diese Petition aufmerksam zu machen.
Das Anliegen ist im Kern deutlich näher an meinen Grundwerten, als man beim Initiator "Germanwatch" zunächst vermuten könnte. Es ist marktwirtschaftlicher Klimaschutz über einen Preis statt über Detailverbote, kombiniert mit sozialem Ausgleich. Genau für diese Kombination mache ich mich seit 1990, seit ich im Studium mit CO₂-Zertifikaten konfrontiert wurde, stark: Emissionshandel als zentrales Instrument, Nutzung der CO₂-Einnahmen zur Entlastung von Bürgern und Wirtschaft.
Kurz gesagt: Schon heute führt der Emissionshandel dazu, dass beispielsweise die Menge des durch die europäische Flugindustrie ausgestoßenen CO₂ deutlich reduziert werden konnte. Die Politik entscheidet, wie viel CO₂ im folgenden Jahr ausgestoßen werden darf. Die Fluglinien investieren in CO₂-neutrale Flieger, um das Verkehrsaufkommen im Rahmen der zugelassenen CO₂-Menge zu gewährleisten. Dabei investiert immer genau derjenige, für den sich die zusätzliche CO₂-Einsparung zum jeweiligen Marktpreis der Flugtickets lohnt.
Die CO₂-Lösung ist daher die günstigste und effizienteste Lösung, den CO₂-Ausstoß in gewünschtem Maße zu reduzieren.
Nun ist der Zungenschlag von Germanwatch stark gegen fossile Brennstoffe gerichtet, statt meiner Überzeugung folgend technikoffen zu agieren. Dennoch ist die Zertifikate-Lösung die eierlegende Wollmilchsau im Klimaschutz, so dass ich die Petition unterschrieben habe, um zumindest die Voraussetzung für einen erfolgreichen Klimaschutz zu schaffen.
Es wird gefordert, das neue Emissionshandelssystem ETS2 nicht zu verschieben oder zu verwässern, sondern wie geplant 2028 einzuführen. Sachlich geht es um ETS2, also einen separaten Emissionshandel für Gebäude, Straßenverkehr und kleinere Industrien außerhalb der bisherigen EU-Zertifikatelösung ETS. Verpflichtet sind nicht direkt Haushalte oder Autofahrer, sondern Brennstoffanbieter, die Zertifikate kaufen und abgeben müssen.
Die EU-Kommission sieht ETS2 als Anreiz für Gebäudesanierung und emissionsarme Mobilität mit dem Ziel, die erfassten Emissionen bis 2030 um 42% gegenüber 2005 zu senken.
Volkswirtschaftlich ist ETS2 sinnvoll. Im globalen Wettbewerb gibt es jedoch eine Bedingung, um die Wettbewerbsfähigkeit der teilnehmenden Länder (EU!) nicht zu riskieren: Die Einnahmen müssen zurückgegeben oder produktiv investiert werden. CO₂-Bepreisung ist ökonomisch sauber, weil sie einen externen Schaden mit einem Preis versieht und dann Haushalten und Unternehmen überlässt, wo sie am günstigsten Emissionen vermeiden.
So, genug geschrieben, hier der Link zur Petition:
Petition Emissionshandel ETS2
3. Sentiment: Heiße Temperaturen erfordern einen kühlen Kopf
Während der DAX diese Woche 2,8% abgibt, legt der S&P 500 um 0,9% zu. Unsere Autoindustrie wird von den angekündigten Werksschließungen bei VW belastet, unsere Industrie von dem steigenden Ölpreis durch die erneuten Angriffe der USA auf den Iran. In den USA profitieren die Ölkonzerne von den steigenden Ölpreisen und die KI-Revolution erfährt eine "Rotation": Die Chiphersteller erhalten Konkurrenz, die KI-Nutzer hingegen profitieren durch fallende Preise.Schauen wir mal, wie diese Entwicklungen von unseren Umfrageteilnehmern aufgenommen werden.
Das Anlegersentiment fällt in Deutschland auf nur noch 0,5. Noch vor einer Woche erfreuten sich die Anleger bester Laune, mit einem Wert von damals 3,8 war die Stimmung kurz vor der Euphorie (ab 4,0). Doch die jüngsten Entwicklungen bei VW und im Iran scheinen diese Jubellaune tatsächlich im Keim erstickt zu haben.
Das kommt überraschend für die Anleger. Die gemessene Selbstgefälligkeit deutet mit einem Wert von -1,3 auf eine Verunsicherung der Anleger.
Die Zukunftserwartung steigt nach dem deutlichen Kursrutsch im DAX immerhin leicht auf 0,9 an. Damit stellen die Bullen eine knappe Mehrheit.
Die Investitionsbereitschaft bleibt mit einem Wert von 1,7 ebenfalls deutlich im positiven Bereich: Anleger möchten in den kommenden zwei Wochen gerne Gelegenheiten nutzen, um zu investieren.
Das Euwax-Sentiment der Privatanleger pendelt um den Nullpunkt. Nachdem der unterwöchige starke Kursverfall zwischenzeitlich zum Aufbau von Long-Positionen genutzt wurde, führt die zum Ende der Woche stattfindende Stabilisierung, oder sollte ich sagen die leichte Erholung, sofort wieder zum Aufbau von Absicherungspositionen, mit denen sich Privatanleger vor dem nächsten Ausverkauf schützen wollen.
Das Put/Call-Verhältnis für den DAX fällt aktuell auf nur noch 1,16, was eine starke Nachfrage der institutionellen Anleger nach Long-Positionen bedeutet. Ebenso ist auch das Put/Call-Verhältnis an der US-Börse CBOE mit einem niedrigen Wert von 0,65 ein klares Signal dafür, dass man in den USA überwiegend auf steigende Kurse spekuliert.
Die Investitionsquote der US-Fondsmanager verbleibt mit 83% unverändert auf dem Niveau der Vorwoche und somit im mittleren Bereich dessen, was wir als normal betrachten.
Die Bulle/Bär-Differenz fällt auf -1%punkte und zeigt das Gleichgewicht der Bullen und Bären unter US-Privatanlegern.
Diese Neutralität zeigt sich mit einem Wert von 47% ebenfalls im technisch ermittelten Angst und Gier Indikator des S&P 500.
Interpretation
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4. Ausblick: Tankschiff auf Kurs
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5. Leserfragen
Kauf von physischen Goldmünzen und Goldbarren
Hallo Herr Heibel,
Wie stehen Sie aktuell zu einer weiteren Absicherung in Gold, nachdem der Preis deutlich zurück gekommen ist.
Ich würde gerne ein paar Münzen kaufen. Wie gehe ich dazu am besten vor?
Was halten Sie z.b. von diesem Anbieter:
https://philoro.ch/shop/goldmuenzen
Ich wundere mich etwas, warum der Kauf- und Verkaufspreis teilweise so stark voneinander abweichen.
Vielen Dank im Voraus & LG!
Tobias aus Allensbach
ANTWORT
Philoro ist ein etablierter, seriöser Händler, aber das Bild ist nicht makellos. Gute Preise und netter Service werden durch teils lange Wartezeiten gestört. Wer viel Geld in Gold investiert, möchte nicht zu lange auf dessen Lieferung warten. Es gibt keine direkten Kaufgebühren und branchenüblich gute Spreads (Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis, genau damit machen Edelmetallhändler ihren Gewinn, insbesondere wenn es keine zusätzlichen Gebühren gibt), ist aber bei der Lagerung nicht günstig.
Beim deutschen Trusted-Shops-Profil mit fast 950 Bewertungen dominiert klar das Positive, etwa dass philoro einen am Wochenende fixierten Kaufpreis auch bei zwischenzeitlich gestiegenem Kurs bestätigte. Kaufen bei philoro funktioniert in der Regel reibungslos und zu wettbewerbsfähigen Preisen. Die kritischen Berichte häufen sich fast ausschließlich beim Ankauf (Verkauf durch den Kunden).
Der Spread ist ein wichtiges Thema. Je nach Summe würde ich bei kleinen Beträgen zu Münzen und ab 100 g zu Barren greifen. Die 5,8 g Feingold des Vreneli sind der Einstieg (710 CHF), am kleinsten ist der Spread bei Unzen - egal ob Krügerrand (Südafrika) oder andere Unzen. Für größere Beträge würde ich Barren nehmen: 100 g, 250 g, 500 g, etc. Am geläufigsten sind tatsächlich der 100-g-Barren und die Unzen-Münze. Ich habe die Preise mit anderen Goldhändlern verglichen, da scheint mir der von philoro aufgerufene Spread handelsüblich.
Physisches Gold holt man sich langfristig, es ist kaum dazu geeignet, als Zahlungsmittel zu dienen. Daher sind die kleinen Beträge mMn auch nicht wirtschaftlich. Ich würde also erst ab mindestens 700 CHF (Vreneli) Gold physisch kaufen. Für Beträge über 1 kg (über 100.000 CHF) sollten Sie Versicherung, Steuer und anderes gegebenenfalls in Verbindung mit Verwahrstellen sorgfältig analysieren.
Erfolgsaussichten im Iran-Konflikt
Hallo Herr Heibel,
so wie Sie im letzten HT einfach eine Äußerung über unsere Medien machen, ist das schlicht unqualifiziert, lieber Herr Heibel.
Denken Sie doch einmal darüber nach, was unsere "bekanntlich linksorientierten Medien" überhaupt sind. So eine pauschale Herabwürdigung ist deplatziert, weil es die "Medien" als solche nicht gibt. Wir haben einen bunten Strauß in den verschiedenen Kanälen. Ja, dabei gibt es auch rechtsextreme und wenig renommierte Medien, die können sie wohl kaum als Referenz heranziehen wollen, so hoffe ich wenigstens. Ich glaube nicht, dass sich bspw die FAZ von so einer Bewertung angesprochen fühlte. Überwiegend setzen insbesondere die gerade oft kritisierten, öffentlich-rechtlichen Medien auf eine gute und ausgewogene Recherche. Dabei kommt es halt nicht zu einer einfachen Übernahme von rechten Inhalten, und das ist auch gut so! Gerade im Gegenteil finden Sie bei den rechtsextremen Medien doch sehr oft haarsträubende und aus der Luft gegriffene Behauptungen, die keiner sachlichen Analyse standhalten. Aber die Sau ist billig durchs Dorf getrieben, und mehr sollte wahrscheinlich gar nicht erreicht werden. So gesehen sind dann die Medien der Mitte schon linksorientiert.
So eine billige, pauschale Aussage hat im HT doch nichts verloren! Das ist für mich eine Art Kulturkampf, und dafür habe ich den HT nicht abonniert. Bleiben Sie bei dem, was Sie gut können und wofür Sie regelmäßig gelobt werden.
Und noch ein Punkt, Zitat: "Wenn Sie nun denken, dass niedrige Zinsen ein Glücksfall für Trump wären, würde ich eher sagen: Das war der Plan. Ein hohes Zinsniveau bedrohte die Solvenz der USA und Trump musste einen Weg finden, das Zinsniveau zu senken. Größter Einflussfaktor für die Inflation ist der Ölpreis, denn Öl geht in alle Bereiche der Wirtschaft ein: Kunststoffe, Transport/Logistik, Spritkosten für die Fahrten zur Arbeit, Energieversorgung, ... Es war der eine Hebel mit der größten Wirkung. Durch die zeitlich begrenzten Verwerfungen (Venezuela, Iran) wurden langfristig neue Kapazitäten geschaffen, die nun den Ölpreis nachhaltig senken werden."
Wenn das nun wirklich der Plan gewesen sein sollte, dann frage ich doch noch einmal nach, warum das so viele Menschenleben kosten musste, soviel Geld für die Angriffe auf den Iran ausgegeben und gleichzeitig so viele, teure Anstrengungen zur Verteidigung im Nahen Osten erforderlich waren? Dieses Ziel hätte man äußerst wahrscheinlich auch mit viel weniger Einsatz auf anderen Wegen erreichen können, mit weniger unkalkulierbaren Auswirkungen auf internationale Beziehungen. Das ist nicht der einzige Hebel, von dem Sie da schreiben. Abgesehen davon wurde unglaublich viel Vertrauen verspielt. An dieser Stelle widerspreche ich Ihren Äußerungen, auch wenn letztlich Ihre Einschätzung zur Rolle des Ölpreises noch stimmen dürfte (solange wir von den fosslien Energieträgern dort so abhängig sind). Was die langfristigen Auswirkungen des Krieges angeht, können wir das heute wohl kaum abschätzen. Wer hat denn bisher am meisten von dem Krieg profitiert? Offensichtlich das Regime im Iran!
Dann kommt noch hinzu, dass Regimewechsel mit auf der Tagesordnung stand. Doch als es notwendig war, die Menschen im Iran zu unterstützen, da passierte nichts außer einem Versprechen, Hilfe ist unterwegs. Die westlich gesinnten Iraner wurden alleine gelassen. Jetzt sitzt das Regime fester im Sattel als zuvor, erhandelt sich ua finanzielle Vorteile und hat künftig sehr wahrscheinlich die Hand auf der Straße von Hormuz. Das wird ein Unterpfand, mit dem das Regime Irans noch reichlich wuchern wird, und wir noch teuer dafür bezahlen werden. Von der Atombombe lässt das Regime in der Zukunft ebenfalls nicht, genauso wenig wie es seit Trumps Ausstieg aus dem Atomabkommen 2017 davon gelassen hat.
Wo ist hier ein planvolles Vorgehen erkennbar? Ich finde es nicht, beim besten Willen nicht. Ziel verfehlt würde ich da urteilen.
Diese Punkte zusammen genommen rechtfertigen auch den Krieg noch immer nicht. Wie gesagt, bleiben Sie bei dem, was Sie gut können und wofür Sie regelmäßig gelobt werden.
--
Mit freundlichen Grüßen
Helmut aus Nürnberg
ANTWORT
Vielen Dank für Ihre ausführliche Rückmeldung. Ich verstehe die Kritik, dass die Formulierung von den „bekanntlich linksorientierten Medien“ als zu pauschal wahrgenommen wird, sofern ich keine Begründung liefere. Doch der Heibel-Ticker ist ja bewusst kein nüchternes Faktenportal, sondern ich formuliere darin meine Meinung, die ich aufgrund der mir vorliegenden Fakten gebildet habe. Bei Rückfragen, wie der von Ihren, liefere ich die Begründung gerne hiermit nach.
So erfolgte seitens der TU Dortmund 2024 eine umfangreiche Befragung von 525 deutschen Journalisten. 41% davon fühlten sich den Grünen nahe, weitere 16% der SPD und nochmal 6% den Linken. Also insgesamt 63% eher links. Im Gegenzug dazu fühlen sich nur 8% der CDU nahe, 3% der FDP.
Noch extremer war 2020 das Ergebnis eine Umfrage unter 150 Volontären von ARD und ZDF: 57,1% Grüne, 23,4% Linke, 11,7% SPD, also zusammen gut 92% für grün-rot-rot. Es nahmen aber nur 86 der 150 Befragten teil, so dass die geringe Teilnehmerzahl Anlass zu Kritik bietet.
Ich finde trotzdem, da kann man schon von linksorientierten Medien sprechen, oder?
Ich habe den Krieg gegen den Iran nicht gerechtfertigt. Eine Erklärung eines möglichen Kalküls ist keine moralische Billigung. Meine These war: Ein niedrigerer Ölpreis kann für die US-Regierung ein wichtiger Hebel sein, um Inflationserwartungen und damit mittelbar auch das Zinsniveau zu beeinflussen. Das heißt aber nicht, dass militärische Eskalation der richtige Weg dorthin wäre - im Gegenteil. Aus Sicht der US-Regierung könnte die Senkung des Ölpreises ein strategisches Ziel gewesen sein. Ob dieses Ziel mit den gewählten Mitteln erreichbar war, ob die Nebenwirkungen beherrschbar sind und ob die Rechnung am Ende aufgeht, ist eine ganz andere Frage. Da bin ich klar der Meinung, dass die Trump-Administration damit viel Unheil angerichtet hat.
Zum Schluss ziehen Sie nun jedoch Schlussfolgerungen, die ich noch lange nicht als gegeben sehe: Wie kommen Sie darauf, dass der Regimewechsel auf der Tagesordnung stand? Wie kommen Sie darauf, dass das Regime vom Krieg profitierte und nun fester im Sattel sitzt als zuvor? Und wie kommen Sie zu der Schlussfolgerung, dass der Iran nicht von der Atombombe lassen wird und zusätzlich die Hand auf der Straße von Hormus hat?
Ich sehe den Iran und das iranische Regime als stark geschwächt, insbesondere weil die Nachbarländer sich inzwischen koordinieren. Atombombe und Straße von Hormus sind nach wie vor heikle Themen, deren Ausgang noch nicht geklärt ist. Je mehr Gegenwind die Trump-Administration erfährt, ob zu Recht oder zu Unrecht sei dahingestellt, desto schwerer wird es, den Iran zum Einlenken zu bewegen. Insofern ist es nicht nur voreilig, wenn die „linke Presse“ die Situation schwärzer darstellt als sie ist, sondern sogar kontraproduktiv.
Ich nehme Ihre Kritik gerne an und versuche hiermit, meine Position etwas zu verdeutlichen. Der Heibel-Ticker soll keine Bühne für Kulturkampf sein, sondern ein Ort, an dem politische und wirtschaftliche Entwicklungen nüchtern eingeordnet werden – mit Blick auf Kapitalmärkte, Risiken und Chancen. Zuspitzung gehört zu meinem Stil ;-) und entsprechende Begründungen liefere ich gerne bei Bedarf nach. Wenn ich jedoch jede meiner Schlussfolgerungen akribisch belegen muss, wird das Lesen zu anstrengend.
Daher vielen Dank für Ihren Widerspruch. Er war deutlich, und inhaltlich begründet. Solche Rückmeldungen helfen mir besser zu verstehen, wie meine Ausführungen aufgenommen werden.
Übernahmeangebot für Hugo Boss
Guten Tag Herr Heibel,
für diese Aktien liegt ein Abfindungsangebot von 38,00 Euro vor. Haben Sie Informationen bzw. eine Empfehlung hierzu?
Danke für Ihre Mühe und freundliche Grüße
Otto aus Visbek
ANTWORT
Bei Hugo Boss handelt es sich um ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot der britischen Frasers Group, die bereits gut 26% an Hugo Boss hält. Geboten werden die von Ihnen genannten 38,00 Euro. Das Angebot ist nicht mit Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss abgestimmt.
Ich halte das Angebot für nicht besonders attraktiv. Die Prämie lag zum Zeitpunkt der Ankündigung nur bei rund 4% auf den letzten Börsenkurs beziehungsweise auf den Drei-Monats-Durchschnittskurs. Für ein Übernahmeangebot ist das wenig. Zudem nutzt Frasers aus meiner Sicht eine schwache Phase der Hugo-Boss-Aktie, um den eigenen Einfluss auszubauen.
Institutionelle Anleger, die kurzfristig Liquidität benötigen und mit 38,00 Euro zufrieden sind, können das Angebot annehmen. Wir Privatanleger müssen jedoch nicht vorschnell verkaufen und können es jederzeit zum aktuellen Börsenkurs verkaufen, ohne den Kurs zu beeinflussen. Ich würde daher das Angebot eher als Untergrenze denn als besonders großzügige Abfindung betrachten.
Deutz übernimmt Rüstungskonzern FFG
Sehr geehrter Herr Heibel,
Deutz AG hat heute bekannt gemacht, daß für den stolzen Kaufpreis von 1,6 Mrd. € der Rüstungsspezialist FFG erworben wird (vorbehaltlich die Aufsichtsbehörde stimmt zu). 1 Mrd. soll über ein Bankenkonsortioum finanziert werden, der Rest über die Ausgabe neuer Aktien. Die Altfamilie behält 29,9 %. Außerordentliche HV soll am 24. August stattfinden.
Nach dem Rüstungsgipfel in Ankara wird anscheinend die Ausstattung von Armeen überdacht. Anscheinend weniger Kampfpanzer und dafür mehr Bewaffnung in Richtung Drohnen usw. Rheinmetall leidet aktuell im Kurs bereits nach diesen Einschätzungen.
Wie schätzen Sie diese Situation ein, da FFG anscheinend gerade im Panzerbau und deren Instandhaltung den Schwerpunkt hat? Der Kurs von Deutz hat zwar positiv reagiert, aber das muß ja nicht so bleiben.
Viele Grüße
Helmut aus Grettstadt
ANTWORT
Der FFG-Kauf ist für Deutz tatsächlich ein großer strategischer Sprung: 1,6 Mrd. Euro Kaufpreis bei rund 760 Mio. Euro FFG-Umsatz 2025, finanziert mit rund 1,0 Mrd. Euro Bankkredit und rund 0,6 Mrd. Euro neuen Aktien. Dabei ist Deutz heute gerade einmal 1,8 Mrd. EUR wert (Enterprise Value). Die Verkäuferfamilien sollen dadurch bis zu 29,9% an Deutz halten und langfristige Ankeraktionäre werden. Das ist ambitioniert, aber nicht abwegig, denn FFG bringt laut Deutz mehr als 1,9 Mrd. Euro Auftragsbestand, über 90% NATO-Kunden einschließlich Ukraine sowie rund 90% Geschäft mit Wartung, Reparatur, Instandsetzung und Modernisierung (kurz: MRO).
Gerade deshalb würde ich FFG nicht nur als klassischen „Panzerbauer“ sehen. Der Schwerpunkt liegt stark auf der Nutzungsverlängerung, Umrüstung und Einsatzbereitschaft vorhandener Landfahrzeuge. Wenn Armeen künftig stärker auf Drohnen, Elektronik und beweglichere Systeme setzen, verschwindet der Bedarf an geschützten Fahrzeugen nicht. Im Gegenteil: Bestehende Flotten müssen modernisiert, repariert, mit neuen Modulen ausgerüstet und länger genutzt werden. FFG passt damit eher in den Trend „mehr einsatzfähige Systeme, schneller verfügbar“ als in die enge Wette auf neue schwere Kampfpanzer.
Das Risiko liegt weniger im Absatzmarkt, sondern eher in der Finanzierung und im Preis. Deutz nimmt viel Fremdkapital auf und verwässert durch die Ausgabe neuer Aktien die Aktionäre deutlich. Außerdem muss die außerordentliche Hauptversammlung am 24. August zustimmen, das Closing wird erst Ende 2026 oder im ersten Quartal 2027 erwartet. Positiv ist, dass die Verkäufer einen großen Teil des Kaufpreises in Deutz-Aktien nehmen. Das spricht dafür, dass sie an die gemeinsame Plattform glauben.
Strategisch eröffnet die Übernahme Deutz einen Zugang zum wachstumsstarken Verteidigungsmarkt. Kurzfristig ist die Aktie nach der positiven Reaktion aber kein Selbstläufer, denn Bewertung, Verschuldung und Integration müssen erst verdient werden. Für Anleger ist das nun keine reine Motorenaktie mehr, sondern eine deutlich offensivere Verteidigungs-Industrieplattform mit entsprechend größerer Chance, aber auch größerem Risiko.
Die Bewertung von Deutz bleibt extrem günstig: Ein EV/EBITDA von nur 9 ist für das im laufenden Jahr erwartete Gewinnwachstum von 74% viel zu günstig. Auch in den kommenden Jahren wurde bislang ein zweistelliges Gewinnwachstum erwartet. Nun wird die Integration dieser großen Übernahme zunächst Kosten verursachen und die reichhaltigen Gewinne, die uns Aktionären versprochen werden, weiter in die Zukunft verschieben. Daher wird der Aktienkurs eher auf die Entwicklung der Geduld der Anleger reagieren, als auf die aktuelle Bewertungssituation.
Dell +250% seit Jahresbeginn: Halten?
Hallo Herr Heibel,
vielen Dank für Ihre gute Arbeit und den immer hochinteressanten und lesenswerten Heibel-Ticker.
Sie hatten in den letzten Jahren Dell empfohlen (als spekulative Position), und nach einem übertriebenen Kurseinbruch während Amtsübernahme von Trump sogar zum Nachkauf geraten.
Ich habe beides gemacht, bin dann aber Ihrer Verkaufsempfehlung nicht nachgekommen, da ich die KI Story für Dell erst am Anfang sah.
Der Aktienkurs hat sich mittlerweile in abenteuerliche Höhen geschraubt.
Was würden Sie aktuell empfehlen? Halten oder aussteigen? Ich bin unentschieden und mich würde Ihre Meinung interessieren.
Vielen Dank für eine kurze Einschätzung und freundliche Grüße aus München,
Josef aus Gröbenzell (München)
ANTWORT
Vielen Dank für Ihre freundlichen Worte. Bei Dell haben Sie mit Ihrem Festhalten an der KI-Story bislang eindeutig recht behalten. Die Entwicklung ist inzwischen allerdings in eine neue Phase eingetreten: Aus der spekulativen Sondersituation ist ein sehr stark gelaufener KI-Infrastrukturwert geworden. Im laufenden Jahr erwarten Analysten für Dell ein Umsatzwachstum von 52% und einen Gewinnsprung von 62%. Das EV/EBITDA von 16 spiegelt diese Entwicklung noch immer nicht wider.
Gleichzeitig ist die Aktie inzwischen heiß gelaufen. Für Dell nimmt das aktuelle Bewertungsniveau bereits sehr viel KI-Erfolg vorweg. Denn das sprunghafte Wachstum im laufenden Jahr wird sich Analystenerwartungen zufolge in den kommenden Jahren nicht fortsetzen, da fällt Umsatz- und Gewinnwachstumserwartung in den niedrigen zweistelligen Bereich zurück (9-17%). Außerdem sorgen KI-Server zwar aktuell für Umsatzwachstum, sind aber nicht automatisch hochmargig. Bei steigenden Komponentenpreisen, Engpässen und Preisdruck könnte der Umsatz schneller wachsen als der Gewinn.
Ich würde daher die vorsichtige Erntephase einläuten: Wenn Sie sehr hoch im Gewinn liegen, würde ich einen Teilgewinn mitnehmen, um zumindest die ursprüngliche Investition aus der Position herauszuholen. Den Rest können Sie dann langfristig weiterlaufen lassen, Sie würden bei zwischenzeitlichen Bewertungskorrekturen keine schlaflosen Nächte haben. So bleiben Sie an der KI-Story beteiligt, reduzieren aber Ihr Risiko, bei einer normalen Korrektur des stark gestiegenen Kurses zu viel Buchgewinn wieder abzugeben. Wir waren komplett ausgestiegen, weil wir an der KI-Revolution noch mit anderen Positionen partizipieren und wir das Gesamtgewicht in ein vernünftiges Verhältnis setzen wollten.
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Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen
DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag
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