Heibel-Ticker Free Börsenbrief
- Einfach einen Tick besser -
21. Jahrgang - Ausgabe 35 (28.08.2026)
Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:
| 1. | Info-Kicker: Rückläufiger Ölpreis und gute Q-Zahlentreiben Aktienmärkte Richtung Allzeithochs |
| 2. | So tickt die Börse: Die KI-Revolution gewinnt weiter an Fahrt |
| - Wochenperformance der wichtigsten Indizes | |
| 3. | Sentiment: Der Sommerurlaub endet heute |
| - Interpretation | |
| 4. | Ausblick: Kevin Warsh bleibt ein unabhängiger Falke |
| 5. | Update beobachteter Werte |
| Rüstungsgeschäft treibt Gewinnmarge, Kurs +24% | |
| Wachstumsdynamik nimmt weiter zu | |
| Anthropic-Kooperation sorgt für Jubelstrum, +23% | |
| Ausgliederung "Transformation of Industry" wird kritisch gesehen | |
| Haptik sticht im digitalen Zeitalter | |
| Neuer IR-Leiter mit guten Einblicken | |
| 6. | Analyse |
| - : SFC Energy: Geldsegen aus Rüstungsauftrag | |
| - : Takkt: Turnaround in kleinen Schritten | |
| 7. | Übersicht HT-Portfolio |
| 8. | Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise |
| 9. | Mitgliedschaft verwalten |
1. Info-Kicker: Rückläufiger Ölpreis und gute Q-Zahlentreiben Aktienmärkte Richtung Allzeithochs
Liebe Börsenfreunde,
*** HEIBEL-TICKER WUNSCHANALYSE ***
Der Sommer neigt sich seinem Ende zu, wir starten wieder durch. Nächste Woche gibt es wieder eine Wunschanalyse.
Sie, liebe Heibel-Ticker Mitglieder, schlagen bis Montagabend Titel vor, die ich in die Auswahlliste übernehmen soll. Die 5 Titel, die am häufigsten vorgeschlagen wurden, schaffen es in die Abstimmung.
Am Dienstag schicke ich die Vorschlagsliste an alle Heibel-Ticker PLUS Mitglieder und Sie können bis Dienstagabend direkt in der E-Mail Ihren Wunschkandidaten anklicken. Die Aktie mit den meisten Stimmen wird dann von mir analysiert und im folgenden Heibel-Ticker vorgestellt.
Mein Ziel ist es, Ihren aktuellen Wunsch zeitnah zu erfüllen. Interaktiver geht es nicht, oder?
Über diesen Link können Sie ab sofort Ihre Vorschläge eingeben. Bitte jeder nur ein Kreuz.
*** ENDE HEIBEL-TICKER WUNSCHANALYSE ***
Der heutige Heibel-Ticker behandelt eine ganze Reihe von einzelnen Unternehmen. dennoch stelle ich in Kapitel 2 kurz die wichtigsten geopolitischen Entwicklungen dar. Ich gehe auf den Iran-Konflikt ein, die Quartalszahlen von Nvidia, Salesforce und Crowdstrike sowie auf die jüngste Zinsentwicklung.
Das Anlegersentiment heizt sich auf, die Polarisierung unter Anlegern nimmt zu. was dies für die Entwicklung der kommenden Wochen bedeutet, analysiere ich für Sie in Kapitel 3.
Heute im Tagesverlauf hielt der neue US-Fed-Chef Kevin Warsh seine rede in Jackson Hole. Ich habe sie mir angehört und für Sie in Kapitel 4 die wichtigsten Erkenntnisse ausgearbeitet. Zudem stelle ich dort eine Übersicht über die anstehenden Termine für Sie zusammen.
Diese Woche fand wieder der Hamburger Investorentag (HIT) statt. Ich konnte mit CFOs und IR-Leitern sprechen. Unter anderem konnte ich den IR-Leiter von Cewe sprechen, sowie den neuen CFO von PVA Tepla kennenlernen. Meine Erkenntnisse aus den beiden Gesprächen habe ich in den Updates zusammengefasst.
Außerdem veröffentlichten diese Woche Nvidia und Salesforce Q-Zahlen, die ich ebenfalls in Kapitel 5 als Updates verarbeitete. Schließlich gab es noch bei Deutz und bei Siemens Energy wichtige Entscheidungen, die ich Ihnen ebenfalls kommentiert habe.
In Kapitel 6 fasse ich meine Eindrücke aus meinen Gesprächen mit SFC Energy und Takkt zusammen. es ist immer wieder erfrischend, das Geschäftsmodell von unternehmen im direkten Gespräch mit dem Management zu durchleuchten.
Wie immer gibt es einen tabellarischen Überblick über unser Heibel-Ticker Portfolio in Kapitel 7.
Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr Börsenschreibel
Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs
2. So tickt die Börse: Die KI-Revolution gewinnt weiter an Fahrt
"Faktencheck" heißt es neudeutsch. Ziel ist es, die Pinocchios bloßzustellen. Dabei ist es doch ganz einfach: Politiker, die der Bevölkerung unverblümt die Wahrheit sagen, werden nicht wiedergewählt. Man könnte meinen, der Ausdruck "unverblümt" stammt von Norbert Blüm, der mit dem Wahlslogan "Denn eins ist sicher: Die Rente." im April 1986 den Grundstein für seine Wahlerfolge legte. 1987 zog er mit Helmut Kohl in den Bundestag ein, er verlor anschließend keine Wahl mehr, bis er 2002 nicht mehr antrat.
Sorry für den kleinen Exkurs, fiel mir nur gerade so ein :-)
Drei wichtige Themen gab es diese Woche: Geopolitik um den Iran (nur Lügen, die von der Bevölkerung gerne geglaubt werden), Quartalszahlen von KI-Unternehmen (Fakten, die man kaum glauben kann) und die Geldpolitik der Notenbanken (hier sind die intelligenten "Politiker" unterwegs, die sich künftig nicht mehr zu Aussagen drängen lassen wollen).
Der Iran vereinbarte mit dem Oman, der das andere Ufer der Straße von Hormus kontrolliert, Schiffskorridore, die von den beiden Vertragspartnern von Minen befreit und für die Schifffahrt unter Erhebung von Zöllen freigegeben werden sollen. Als Antwort postete Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social ein Bild, in dem die Straße von Hormus als US-amerikanisches Territorium bezeichnet wird. Beide Seiten beanspruchen für sich den Sieg in diesem Konflikt. Tatsächlich handelt es sich derzeit eher um eine Patt-Situation.
Die amerikanischen Zwischenwahlen (November) kommen näher, doch eine Lösung für den Iran-Krieg ist nicht in Sicht. Trump hat alle möglichen Partner inzwischen vergrault: Die angrenzenden Länder um den Iran kann er nicht vor Vergeltungsschlägen der Iraner schützen, da ihm die Patriot-Raketen ausgehen. China verhält sich demonstrativ neutral und richtet sich auf einen länger anhaltenden Konflikt ein, und Europa kann sich aus moralischen Gründen nicht auf die Seite der USA schlagen. Trump ist allein.
Diese Woche wurde ein neuer Ansatz versucht: Die USA würden den Iran mit wirtschaftlichen Sanktionen belegen, "den härtesten Sanktionen, die es jemals...", na, Sie wissen schon. Jeder, der mit dem Iran Geschäfte mache, werde sanktioniert. Finanzminister Scott Bessent kündigte an, noch im Wochenverlauf eine erste internationale Bank zu nennen, die sanktioniert würde. Bis zur Stunde blieb er den Namen der Bank schuldig. Es könnte sich also um eine unverblümte Drohung handeln?
Doch auch der Iran kommt nicht voran, denn trotz vermeintlicher Einigung mit dem Oman passierte kaum ein Schiff diese Woche die Straße von Hormus.
Der Ölpreis schwankt vor dieser unbefriedigenden Situation richtungslos zwischen 75 und 90 USD/Fass hin und her. Diese Woche ging's leicht abwärts (-5%), was sich umgehend in einen abgemilderten Inflationsdruck, sinkende Zinsen und steigende Aktienmärkte umwandelte.
Der leichte Ölpreisrückgang führte umgehend zu einem Kurssprung bei Lufthansa (+6%).
Der zweite Handlungsstrang dieser Woche waren Quartalszahlen einiger Tech-Konzerne: Nvidia, Salesforce und Crowdstrike gaben am Mittwochabend einen Einblick in die jüngsten KI-Entwicklungen der Branche. Nvidia erhöht die Wachstumsprognose von 44% auf 70%, Salesforce verkündet eine enge Kooperation mit Anthropic (Claude) und Crowdstrike bezeichnet die KI-Revolution nicht als Lösung der IT-Sicherheit, sondern als zunehmende Herausforderung, die das Geschäft weiter antreibt. Die Aktien der drei Unternehmen sprangen am Donnerstag allesamt zweistellig an.
Die KI-Revolution zeigt damit erste Früchte bei Anwendungen (Softwareunternehmen wie Salesforce und Crowdstrike), was wiederum weitere Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur nach sich ziehen wird. In diesem Umfeld wird für den auszugliedernden Geschäftsbereich "Transformation of Industry" von Siemens Energy von einer Handvoll Finanzinvestoren 25% mehr Geld angeboten, als das Unternehmen erwartete. Die Stromversorgung der KI-Rechenzentren bleibt also auf absehbare Zeit ein zentrales Thema.
Vier Ereignisse, die zeigen, dass selbst hohe Erwartungen noch positiv übertroffen werden können: Nvidia hebt den Ausblick an, Crowdstrike übertrifft die Erwartungen, Salesforce ist nicht Wettbewerber von Anthropic, sondern Partner und Siemens Energy sitzt zur eigenen Überraschung auf einem Juwel, wie die hohen Gebote zeigen.
Die dritte Story dieser Woche wird erst heute Abend ihren Höhepunkt finden. Die Zinsentwicklung dieser Woche folgt dem Ölpreisrückgang, doch Anleger am Anleihemarkt blicken gespannt nach Jackson Hole. Dort treffen sich heute die Notenbanker dieser Welt und diskutieren über die künftige Geldpolitik. Der seit 4 Monaten neu im Amt befindliche US-Notenbankchef Kevin Warsh wird heute Abend seine Strategie darlegen. Jackson Hole ist bekannt dafür, dass Notenbankchefs dort wichtige Strategieänderungen kommunizieren. Im Umfeld der anderen Notenbanker können die Auswirkungen fachlich besprochen werden. Im Süden des Yellowstone Nationalparks werden die Geldpolitiker kaum von der Weltpolitik in ihren Überlegungen gestört.
Kevin Warsh gab schon mehrfach seine Strategie bekannt: Weniger Kommunikation. Warsh möchte die Handlungsfähigkeit der Notenbank erhöhen. Mit Vorfestlegungen haben sich seine Vorgänger zunehmend den Handlungsspielraum genommen, auf überraschende Entwicklungen reagieren zu können. Ich finde das in Ordnung.
Außerdem gilt er als jemand, der die deflationäre Kraft der KI-Entwicklungen gerne mit niedrigeren Zinsen beantworten möchte. Doch aktuell treiben die KI-Investitionen die Preise in die entgegengesetzte Richtung, hohe Speicherpreise (HBMs) führen zu Preisanhebungen bei iPhones, Tablets und PCs bis hin zu Servern und KI-Rechnern. Gleichzeitig pendelt der Ölpreis auf hohem Niveau. Von den zu seinem Amtsantritt im Frühjahr erwarteten Zinssenkungen ist inzwischen nichts mehr übrig geblieben, vielmehr fürchtet man inzwischen eine Zinsanhebung nach den Zwischenwahlen, um diesem akuten Inflationsdruck entgegenzuwirken.
Doch da kommt Finanzminister Bessent vor einer Woche um die Ecke und verkündet die Ausweitung des Anleihe-Rückkaufprogramms von 2 auf 4 Mrd. USD pro Auktion (ca. 2x pro Monat). Ich berichtete in der vorhergehenden Ausgabe darüber: Finanziert wird die Ausweitung des Rückkaufs lang laufender Anleihen durch die erhöhte Ausgabe kurz laufender Anleihen. Es handelt sich also um einen Taschenspielertrick, mit dem er in das Hoheitsrecht der Notenbank eingreift.
Denn die Notenbank richtet ihre Geldpolitik auch nach der Zinsentwicklung aus, die als Folge des Inflationsdrucks gewertet wird. Über den Zins für kurz laufende Kredite versucht man, die lang laufenden Kredite auf das gewünschte Niveau zu bewegen. Wenn nun der Finanzminister manipulativ in diesen Markt eingreift, würde ich das als Affront gegen Kevin Warsh werten. Und das direkt, bevor Warsh seine wichtige Strategierede hält. Huiuiui.
Wir dürfen also gespannt sein, wie Warsh seine Geldpolitik volkswirtschaftlich begründen wird.
Schauen wir mal auf die Änderung der wichtigsten Indizes im Wochenvergleich:
Wochenperformance der wichtigsten Indizes
| INDIZES | 28.8., 20:40 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ |
| DAX | 26.570 | 2,0% | 8,5% |
| S&P 500 | 7.708 | 0,9% | 12,6% |
| Nikkei | 66.406 | 0,6% | 31,9% |
| Shanghai A | 4.609 | -0,2% | -0,4% |
| US-Dollar/EUR | 1,16 | -1,1% | -1,4% |
| Euro/Yen | 185,47 | -0,1% | 1,0% |
| 10-Jahres-US-Anleihe | 4,73% | 0,04 | 0,56 |
| Umlaufrendite Dt | 3,23% | 0,00 | 0,45 |
| Feinunze Gold | $4.454 | -3,1% | 3,1% |
| Fass Brent Öl | $89,37 | -5,0% | 46,9% |
| Kupfer | $14.283 | 1,8% | 15,0% |
| Baltic Dry Shipping | $3.107 | 11,3% | 65,5% |
| Bitcoin | $77.482 | 0,1% | -11,7% |
3. Sentiment: Der Sommerurlaub endet heute
Die Patt-Situation im Iran scheint bereits für einen rückläufigen Ölpreis auszureichen. Begleitet von überraschend guten Quartalszahlen, nicht nur aus dem Tech-Sektor, klettern die Aktienmärkte diese Woche ihren Allzeithochs entgegen.So konnte der DAX diese Woche um 1,7% zulegen, der S&P 500 um 0,8%. Die Gewinner im DAX lassen sich keiner einzelnen Branche zuordnen: Deutsche Bank +8%, Heidelberg Materials und BMW +7%, Zalando +6%. Da ist für jeden etwas dabei.
Entsprechend positiv wird die Entwicklung von unseren Umfrageteilnehmern aufgenommen. Unser Anlegersentiment klettert diese Woche auf einen Wert von 2,7, nachdem wir vor einer Woche eine neutrale 0 gemessen hatten. Auch die Selbstzufriedenheit kehrt langsam zurück, der Wert klettert von -1,3 auf +1,0.
Parallel zu steigenden Kursen klettert auch die Zukunftserwartung an. Nach +1,7 vor einer Woche messen wir nun einen Optimistenwert von 2,8. Erst ab Werten über 4,0 sprechen wir von Extremwerten.
Die Investitionsbereitschaft notiert mit 1,2 auf moderat positivem Niveau.
Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt am Ende einer wechselhaften Woche einen Wert von -60. Nur einmal war der Pessimismus in den vergangenen drei Monaten noch größer. Offensichtlich trauen diese Anleger der Rekordjagd im DAX nicht, es werden verstärkt Absicherungen gegen fallende Kurse gekauft.
So auch die Profis, die sich über die Eurex absichern. Das Put/Call Verhältnis für den DAX klettert auf 2,48 und zeigt eine sehr hohe Nachfrage nach Put-Absicherungen.
In den USA notiert das Put/Call-Verhältnis mit einem Wert von 0,71 im neutralen Bereich. Es hat den Anschein, dass deutsche Anleger dem Gipfelsturm des DAX nicht trauen.
Die Bulle/Bär-Differenz liegt bei -11%punkten. 33% Bullen stehen 44% Bären gegenüber. Auffällig ist das kleine Lager der Neutralen mit 22,6%. Man spricht in einem solchen Fall von einer starken Polarisierung. Eine Richtungsentscheidung am Aktienmarkt könnte in einer solchen Situation zu heftigen Bewegungen bei den falsch positionierten Anlegern führen und dadurch verstärkt werden.
Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 54% eine neutrale Verfassung der US-Börse.
Interpretation
Die ausführliche Interpretation der aktuellen Anlegerstimmung – basierend auf den hochwertigen Sentimentdaten unserer animusX Umfrage – bleibt den zahlenden Mitgliedern des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die hohe Qualität unserer Analysen solide finanzieren möchten. Mit den Einnahmen entwickeln wir die Sentimentanalyse kontinuierlich weiter – für noch fundiertere Einschätzungen, die helfen, Anlageentscheidungen zu optimieren und die Portfolio-Performance weiter zu verbessern.
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Unser Give & Take-Prinzip: Wenn Sie an der wöchentlichen und nur 2 Minuten dauernden animusX-Umfrage (Do-Sa) teilnehmen, erhalten Sie die Sentiment-Ergebnisse inklusive der Interpretation weiterhin kostenfrei. Die animusX Sentiment-Ergebnisse werden zusätzlich noch mit umfangreichen Charts an alle Teilnehmer verschickt, damit Sie auch eigene Schlussfolgerungen daraus ableiten können.
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4. Ausblick: Kevin Warsh bleibt ein unabhängiger Falke
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5. Update beobachteter Werte
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6. Analyse
: SFC Energy: Geldsegen aus Rüstungsauftrag
Fr, 28. August um 16:42 Uhr
Am Mittwoch konnte ich auf dem Hamburger Investorentag (HIT) mit Dr. Peter Podesser, CEO von SFC Energy, sprechen. Der Aktienkurs verdoppelte sich seit vergangenem November, nachdem im Frühjahr ein Großauftrag über 42,7 Mio. EUR vermeldet wurde. Bei einem Jahresumsatz von zuletzt 143 Mio. EUR ist das ein einmaliger Geldsegen.
Bestellt wurden Brennstoffzellsysteme für die Ukraine, Auftraggeber und Rechnungsempfänger ist die deutsche Bundesregierung. Wie tragbare Batterien werden die Systeme vom Militär insbesondere für das Betreiben von Funksystemen sowie von Drohnen verwendet.
Methanol wird an der Anode chemisch mit Wasser aufgespalten. Die dabei ausgelösten Elektronen können als Strom genutzt werden, die verbliebenen Protonen reagieren über die Kathode mit Luftsauerstoff zu Wasser und CO2. Im Unterschied zu Dieselmotoren bleibt die Wärmesignatur dieser Geräte bei knapp über 60°C und kann mit ein wenig Dämmmaterial leicht auf Körpertemperatur gesenkt werden. Das heißt, anders als Dieselstromgeneratoren können die Brennstoffzellen nicht über Wärmesignaturen geortet werden.
Drohnensysteme bestehen aus Drohnen, Computern, mit denen sie gesteuert werden, und Funksystemen, mit denen die Verbindung zwischen Drohne und Computer hergestellt wird. Mit einer Powerbank kommt man da nicht weit, die Methanol-betriebene Brennstoffzelle ist wesentlich effizienter und kann durch Methanol leicht wieder aufgeladen werden.
Ich musste in meinem Kopf etwas gerade ziehen: Eine Brennstoffzelle muss nicht mit Wasserstoff, sondern kann auch mit Methanol betrieben werden. Wenn das Methanol aus Biomasse hergestellt wird, spricht man bei dieser Technologie ebenfalls von Clean Tech. Außerdem fallen bei diesem chemischen Prozess keine Rußpartikel, Stickoxide oder Schwefel an.
Brennstoffzellen, die mit Wasserstoff betrieben werden, machen beim Konzernumsatz von SFC nur noch einen Anteil von unter 10% aus, da grüner Wasserstoff noch immer kaum produziert wird.
Im vergangenen Jahr musste das Unternehmen zweimal seinen Ausblick reduzieren, da Vorprodukte nicht verfügbar waren. Podesser gab unumwunden zu, dass er damals von den Problemen der Zulieferer überrascht wurde. Die Aktie war im vergangenen Jahr von zwischenzeitlich 25 auf 11 Euro eingebrochen. Aktuell notiert sie wieder bei 21 Euro.
Für die Zukunft ist Podesser optimistisch. Seine Brennstoffzellen seien nunmehr für die Drohnentechnologie erprobt. Durch eine Kooperation mit General Dynamics wird seine Brennstoffzelle nun für alle 32 Nato-Mitgliedstaaten beschaffungsfähig, auch wenn passende Produkte erst noch gemeinsam mit General Dynamics entwickelt werden müssen. Vor 2029 erwartet er aus diesem Bereich keinen Umsatz.
Kurzfristiger Treiber könnten jedoch die Bestandskunden sein, die für die Bedienung des Großauftrags derzeit hinten angestellt wurden. Sowohl eine Kaufzurückhaltung im vergangenen Jahr, als auch die Lieferengpässe hätten dafür gesorgt, dass der Bestand an Brennstoffzellen bei bestehenden Kunden ohnehin bereits gering sei, viele Geräte seien alt. Podesser habe in seiner Zeit als CEO Zyklen wahrgenommen, die etwa drei Jahre in Anspruch nehmen ... und diese drei Jahre seien nun um. Er rechnet spätestens in Q4 mit anziehenden Bestellungen der Bestandskunden, die ihre Lager auffüllen und Altbestände ersetzen könnten.
Also: Im laufenden Jahr wird von Analysten inzwischen ein Umsatzsprung (+23%) und eine Gewinnverdopplung eingepreist. Danach jedoch, so die Erwartungshaltung, fallen Umsatz- und Gewinnwachstum wieder auf 10% zurück. Das EV/EBITDA von aktuell 20 erscheint mir vor diesem Hintergrund angemessen.
Doch jetzt wird's spannend: Handelte es sich bei dem Großauftrag um einen Einmalauftrag, einen einmaligen Geldsegen? Oder handelt es sich um den Auftakt für weitere Bestellungen durch vielleicht die Bundeswehr selbst oder später auch andere Nato-Partner? Wer darauf spekulieren möchte, kann die Aktie in meinen Augen noch immer zu einem günstigen Preis erhalten. Die Lieferprobleme seien dadurch behoben, dass SFC für jegliche Komponenten inzwischen mehrere Lieferanten hat. Das Tief des vergangenen Jahres sollte Geschichte sein.
Doch gleichzeitig bleiben auch viele Rahmenbedingungen angespannt: Es handelt sich bei den Brennstoffzellen um Investitionsgüter, die man im Umfeld von Konjunktursorgen bei gleichzeitig steigendem Zinsniveau vielleicht nicht sofort kauft. Man wartet lieber noch ein wenig, wenn's die alten Geräte noch tun.
Somit hilft der Rüstungsauftrag dem Unternehmen, das Tal zu durchschreiten. Wirklich Spaß machen wird diese Aktie meiner Einschätzung nach aber erst dann, wenn die Zinsen sinken und die Konjunktur anzieht. Bis dahin wären weitere Rüstungsaufträge willkommen und würden stets für einen erneuten Kurssprung sorgen, doch verlässlich sind solche Aufträge nicht.
Für Anfang Oktober kündigte Podesser einen Capital Markets Day in London an, wo er die Unternehmensprognose konkretisieren werde.
: Takkt: Turnaround in kleinen Schritten
Fr, 28. August um 17:43 Uhr
Ich war in Kapitel 2 bereits auf Timo Krutoff, CFO von Takkt, eingegangen. Er kommt von Deutz und arbeitete dort daran, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen. Wer Deutz kennt, so wie ich, und wer aus Köln kommt, so wie ich, der weiß, was er geleistet hat.
Nun ist er als Turnaround-Spezialist bei Takkt an Bord gegangen. Bereits ein Jahr länger ist CEO Andreas Weishaar als CEO von Takkt unterwegs. Jüngst wurde noch ein Experte für das digitale Marketing (SEO) geholt: Helmar Hipp verantwortete zuvor das Marketing bei Cyberport.
Die Aufbruchstimmung dieses Gremiums wurde durch Krutoff sehr gut transportiert. In meinem Gespräch mit ihm am gestrigen Donnerstag auf dem HIT war geradezu Begeisterung für seine Aufgabe in seiner Stimme zu erkennen.
Die Aktie ist am Boden, strategische Fehlentscheidungen haben das Unternehmen Marktanteile gekostet. So war Takkt in vielen nationalen Märkten mit unterschiedlichen Markennamen unterwegs. In Frankreich beispielsweise unter dem Namen Frankel. Im Rahmen der Zentralisierung des Geschäfts wurde der Name kurzerhand durch den in Deutschland bekannten Namen Kaiserkraft ausgetauscht, ohne diese Namensänderung durch passende Kampagnen zu kommunizieren.
Nun also die Rolle rückwärts sowie gleichzeitig eine Stärkung des Online-Marketings durch Helmar Hipp. Dabei nimmt sich CFO Krutoff insbesondere Prozesse und Strukturen vor, die er verschlanken möchte. Das sei sein Steckenpferd, sagte er mir, und da sehe er bei Takkt sehr viele Möglichkeiten für Effizienzsteigerungen.
Dabei gebe es nicht die eine Sache, mit der man Großes bewirke, sondern es seien eben unendlich viele kleine Dinge, die optimiert werden müssten. Es gibt drei Zentrallager, von denen aus versendet wird. Zwei davon in den USA. Bislang beziehe man einige Produkte aus China und habe ähnliche Lieferzeiten wie wenn man das eigene Lager in den USA nutze.
Das Sortiment, 400.000 Artikel, müsse so breit bleiben, da es das Ziel sei, ein One-Stop-Shop für die Kunden zu sein. Große Unternehmen vereinbaren üblicherweise einen Preisnachlass mit Takkt und lassen ihre Mitarbeiter dann direkt bestellen, ohne die Preise neu zu verhandeln. Dabei müsse man deutlicher differenzieren, welche Produkte im Wettbewerb stünden und daher mit geringer oder keiner Marge angeboten werden müssten, und mit welchen Produkten man sich vom Wettbewerb abhebt, wo die Marge größer sein kann.
Nitty gritty sagen die Amerikaner, bei uns sagt man: Es geht ans Eingemachte. Aber wir haben ja gehört, dass genau dies das Steckenpferd von Krutoff ist. Ich wünsche ihm viel Erfolg.
Außerhalb seines Einflussbereiches ist allerdings auch bei Takkt die Konjunktur. Zinsen seien egal, das durchschnittliche Ticket beträgt 550 EUR und werde nicht finanziert, daher störten ihn die steigenden Zinsen nicht. Krutoff verriet mir, dass er die Zyklen im Markt beobachte sowie den PMI, den Einkaufsmanagerindex. Der PMI zeigt sich seit 6 Jahren mau, doch in Sachen Zyklus könnte es bald wieder besser werden, so Krutoff.
Dabei schlagen Konjunkturzyklen bei Takkt besonders heftig zu. Ein neuer Bürostuhl, neue Regale oder auch ein neuer Monitor wird dann beschafft, wenn das Geld dazu vorhanden ist. Wenn's eng wird, ist genau das der Bereich in dem als Allererstes gespart wird. An Betriebsstoffen und für die Produktion notwendigen Materialien wird nicht gespart, denn man macht sich ja sein eigenes Geschäft nicht kaputt. Aber ein neuer Bürostuhl lässt sich wunderbar in die Zukunft verschieben.
Für das laufende Jahr rechnen Analysten mit einem Verlust von 0,35 EUR je Aktie bei hauchdünn positivem EBITDA. Das EV/EBITDA ist daher in diesem Übergangsjahr wenig aussagekräftig. Bei einer Marge (EBITDA) von 5%, wie von Analysten für 2027 erwartet, komme ich auf ein EV/EBITDA von 9.
In der Vergangenheit wurde aber auch schon eine Marge von 13% erzielt. Wenn Krutoff seine Sache also gut macht, ist da noch Luft nach oben. Außerdem wird derzeit kein Wachstum eingepreist, der Umsatz stagniert. Ich denke, wenn der PMI anzieht, wird sich auch dies für Takkt ändern.
Wer also in Takkt spekulieren möchte, braucht vermutlich ein wenig Geduld. Die Mannschaft, die nun am Ruder ist, versteht was von ihrem Geschäft. Das haben sie an verschiedenen Stellen bereits bewiesen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Aktie in zwei bis drei Jahren deutlich höher steht; selbst eine Vervielfachung ist möglich, sofern die Gewinnmarge entsprechend anzieht. Doch der Turnaround kommt nicht über Nacht, sondern wird Zeit benötigen.
7. Übersicht HT-Portfolio
Der Börsen-Ausblick mit Markt- und Aktienanalysen, konkreten Empfehlungen sowie detaillierten Kauf- und Verkaufsaktionen bleibt den zahlenden Mitgliedern des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die hohe Qualität unserer Veröffentlichung solide finanzieren möchten.
Gerne möchten wir Ihnen zeigen, wie wir Analystenresearch, volkswirtschaftliche Zusammenhänge und Börsenmechanismen gewinnbringend nutzen. Ab 12,50 Euro im Monat können Sie sich unverbindlich davon überzeugen. Zur Bestellseite mit weiteren Informationen gelangen Sie über folgenden Link:
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8. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)
Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.
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Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren.
Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.
Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen
DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag
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Stephan Heibel
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