 | Hallo Herr Heibel,
so wie Sie im letzten HT einfach eine Äußerung über unsere Medien machen, ist das schlicht unqualifiziert, lieber Herr Heibel.
Denken Sie doch einmal darüber nach, was unsere "bekanntlich linksorientierten Medien" überhaupt sind. So eine pauschale Herabwürdigung ist deplatziert, weil es die "Medien" als solche nicht gibt. Wir haben einen bunten Strauß in den verschiedenen Kanälen. Ja, dabei gibt es auch rechtsextreme und wenig renommierte Medien, die können sie wohl kaum als Referenz heranziehen wollen, so hoffe ich wenigstens. Ich glaube nicht, dass sich bspw die FAZ von so einer Bewertung angesprochen fühlte. Überwiegend setzen insbesondere die gerade oft kritisierten, öffentlich-rechtlichen Medien auf eine gute und ausgewogene Recherche. Dabei kommt es halt nicht zu einer einfachen Übernahme von rechten Inhalten, und das ist auch gut so! Gerade im Gegenteil finden Sie bei den rechtsextremen Medien doch sehr oft haarsträubende und aus der Luft gegriffene Behauptungen, die keiner sachlichen Analyse standhalten. Aber die Sau ist billig durchs Dorf getrieben, und mehr sollte wahrscheinlich gar nicht erreicht werden. So gesehen sind dann die Medien der Mitte schon linksorientiert.
So eine billige, pauschale Aussage hat im HT doch nichts verloren! Das ist für mich eine Art Kulturkampf, und dafür habe ich den HT nicht abonniert. Bleiben Sie bei dem, was Sie gut können und wofür Sie regelmäßig gelobt werden.
Und noch ein Punkt, Zitat: "Wenn Sie nun denken, dass niedrige Zinsen ein Glücksfall für Trump wären, würde ich eher sagen: Das war der Plan. Ein hohes Zinsniveau bedrohte die Solvenz der USA und Trump musste einen Weg finden, das Zinsniveau zu senken. Größter Einflussfaktor für die Inflation ist der Ölpreis, denn Öl geht in alle Bereiche der Wirtschaft ein: Kunststoffe, Transport/Logistik, Spritkosten für die Fahrten zur Arbeit, Energieversorgung, ... Es war der eine Hebel mit der größten Wirkung. Durch die zeitlich begrenzten Verwerfungen (Venezuela, Iran) wurden langfristig neue Kapazitäten geschaffen, die nun den Ölpreis nachhaltig senken werden."
Wenn das nun wirklich der Plan gewesen sein sollte, dann frage ich doch noch einmal nach, warum das so viele Menschenleben kosten musste, soviel Geld für die Angriffe auf den Iran ausgegeben und gleichzeitig so viele, teure Anstrengungen zur Verteidigung im Nahen Osten erforderlich waren? Dieses Ziel hätte man äußerst wahrscheinlich auch mit viel weniger Einsatz auf anderen Wegen erreichen können, mit weniger unkalkulierbaren Auswirkungen auf internationale Beziehungen. Das ist nicht der einzige Hebel, von dem Sie da schreiben. Abgesehen davon wurde unglaublich viel Vertrauen verspielt. An dieser Stelle widerspreche ich Ihren Äußerungen, auch wenn letztlich Ihre Einschätzung zur Rolle des Ölpreises noch stimmen dürfte (solange wir von den fosslien Energieträgern dort so abhängig sind). Was die langfristigen Auswirkungen des Krieges angeht, können wir das heute wohl kaum abschätzen. Wer hat denn bisher am meisten von dem Krieg profitiert? Offensichtlich das Regime im Iran!
Dann kommt noch hinzu, dass Regimewechsel mit auf der Tagesordnung stand. Doch als es notwendig war, die Menschen im Iran zu unterstützen, da passierte nichts außer einem Versprechen, Hilfe ist unterwegs. Die westlich gesinnten Iraner wurden alleine gelassen. Jetzt sitzt das Regime fester im Sattel als zuvor, erhandelt sich ua finanzielle Vorteile und hat künftig sehr wahrscheinlich die Hand auf der Straße von Hormuz. Das wird ein Unterpfand, mit dem das Regime Irans noch reichlich wuchern wird, und wir noch teuer dafür bezahlen werden. Von der Atombombe lässt das Regime in der Zukunft ebenfalls nicht, genauso wenig wie es seit Trumps Ausstieg aus dem Atomabkommen 2017 davon gelassen hat.
Wo ist hier ein planvolles Vorgehen erkennbar? Ich finde es nicht, beim besten Willen nicht. Ziel verfehlt würde ich da urteilen.
Diese Punkte zusammen genommen rechtfertigen auch den Krieg noch immer nicht. Wie gesagt, bleiben Sie bei dem, was Sie gut können und wofür Sie regelmäßig gelobt werden.
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Mit freundlichen Grüßen
Helmut aus Nürnberg |  |
| | Antwort: Vielen Dank für Ihre ausführliche Rückmeldung. Ich verstehe die Kritik, dass die Formulierung von den „bekanntlich linksorientierten Medien“ als zu pauschal wahrgenommen wird, sofern ich keine Begründung liefere. Doch der Heibel-Ticker ist ja bewusst kein nüchternes Faktenportal, sondern ich formuliere darin meine Meinung, die ich aufgrund der mir vorliegenden Fakten gebildet habe. Bei Rückfragen, wie der von Ihren, liefere ich die Begründung gerne hiermit nach.
[So erfolgte seitens der TU Dortmund 2024 eine umfangreiche Befragung von 525 deutschen Journalisten](https://www.journalismusstudie.fb15.tu-dortmund.de/wp-content/uploads/2024/09/2024-Journalismusbefragung_Journalismus-und-Demokratie.pdf). 41% davon fühlten sich den Grünen nahe, weitere 16% der SPD und nochmal 6% den Linken. Also insgesamt 63% eher links. Im Gegenzug dazu fühlen sich nur 8% der CDU nahe, 3% der FDP.
[Noch extremer war 2020 das Ergebnis eine Umfrage unter 150 Volontären von ARD und ZDF](https://meedia.de/news/beitrag/14365-ard-volontaere-wuerden-mit-absoluter-mehrheit-die-gruenen-waehlen.html): 57,1% Grüne, 23,4% Linke, 11,7% SPD, also zusammen gut 92% für grün-rot-rot. Es nahmen aber nur 86 der 150 Befragten teil, so dass die geringe Teilnehmerzahl Anlass zu Kritik bietet.
Ich finde trotzdem, da kann man schon von linksorientierten Medien sprechen, oder?
Ich habe den Krieg gegen den Iran nicht gerechtfertigt. Eine Erklärung eines möglichen Kalküls ist keine moralische Billigung. Meine These war: Ein niedrigerer Ölpreis kann für die US-Regierung ein wichtiger Hebel sein, um Inflationserwartungen und damit mittelbar auch das Zinsniveau zu beeinflussen. Das heißt aber nicht, dass militärische Eskalation der richtige Weg dorthin wäre - im Gegenteil. Aus Sicht der US-Regierung könnte die Senkung des Ölpreises ein strategisches Ziel gewesen sein. Ob dieses Ziel mit den gewählten Mitteln erreichbar war, ob die Nebenwirkungen beherrschbar sind und ob die Rechnung am Ende aufgeht, ist eine ganz andere Frage. Da bin ich klar der Meinung, dass die Trump-Administration damit viel Unheil angerichtet hat.
Zum Schluss ziehen Sie nun jedoch Schlussfolgerungen, die ich noch lange nicht als gegeben sehe: Wie kommen Sie darauf, dass der Regimewechsel auf der Tagesordnung stand? Wie kommen Sie darauf, dass das Regime vom Krieg profitierte und nun fester im Sattel sitzt als zuvor? Und wie kommen Sie zu der Schlussfolgerung, dass der Iran nicht von der Atombombe lassen wird und zusätzlich die Hand auf der Straße von Hormus hat?
Ich sehe den Iran und das iranische Regime als stark geschwächt, insbesondere weil die Nachbarländer sich inzwischen koordinieren. Atombombe und Straße von Hormus sind nach wie vor heikle Themen, deren Ausgang noch nicht geklärt ist. Je mehr Gegenwind die Trump-Administration erfährt, ob zu Recht oder zu Unrecht sei dahingestellt, desto schwerer wird es, den Iran zum Einlenken zu bewegen. Insofern ist es nicht nur voreilig, wenn die „linke Presse“ die Situation schwärzer darstellt als sie ist, sondern sogar kontraproduktiv.
Ich nehme Ihre Kritik gerne an und versuche hiermit, meine Position etwas zu verdeutlichen. Der Heibel-Ticker soll keine Bühne für Kulturkampf sein, sondern ein Ort, an dem politische und wirtschaftliche Entwicklungen nüchtern eingeordnet werden – mit Blick auf Kapitalmärkte, Risiken und Chancen. Zuspitzung gehört zu meinem Stil ;-) und entsprechende Begründungen liefere ich gerne bei Bedarf nach. Wenn ich jedoch jede meiner Schlussfolgerungen akribisch belegen muss, wird das Lesen zu anstrengend.
Daher vielen Dank für Ihren Widerspruch. Er war deutlich, und inhaltlich begründet. Solche Rückmeldungen helfen mir besser zu verstehen, wie meine Ausführungen aufgenommen werden.
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