Leserfragen (September 2026)


 Frage vom 02.09.2026

#Dividendenrendite gepaart mit Wachstum bei Allianz

Hallo Herr Heibel,

Besten Dank für Ihre pragmatischen und unaufgeregten Analysen.

Zwei kurze Fragen zum Portfolio – ist die Mindestanforderung von 2,5 % Dividende angesichts der Inflation und zusätzlich der von jedem abzuführenden Kapitalertragsteuer nicht deutlich zu niedrig angesetzt? Ich finde Dividenden-Aktien eigentlich erst ab 5 % Ausschüttung attraktiv, sonst bleibt am Ende ja nichts übrig.

Die zweite Frage gilt dann auch gleich dem Dividendentitel Allianz. Im Portfolio haben Sie diesen Titel mit „C“ gekennzeichnet, also verkaufen bei einem Kurssprung. Der Kurssprung ist seit der letzten Hauptversammlung vollzogen, aber aus Ihren Updates lese ich keine Verkaufsabsicht. Ich halte die Aktie auch langfristig für haltenswert. Sehen Sie das nicht mehr so?

Es grüßt herzlich Hendrik Meyer aus Magdeburg

 Antwort:

Vielen Dank für das Lob :-)

Dividendenaktien müssen meinen Kriterien zufolge auch ein Mindestwachstum haben. Mir ist das Wachstum wichtiger als eine hohe Dividendenrendite, denn durch das Wachstum werden weiterhin kontinuierliche Dividendenanhebungen möglich und dadurch wird die Dividendenrendite auf den ursprünglich gezahlten Preis ansteigen. Die Allianz haben wir bspw. 2022 zu 194,50 EUR gekauft. Setzen wir die im Mai gezahlte Dividende in Relation zum ursprünglich gezahlten Aktienpreis, ergibt sich eine Dividendenrendite von 17,1/194,5 = 8,8%.

Mit aktuell 4,1% Dividendenrendite auf den heutigen Kurs ist die Allianz nach wie vor attraktiv und ich habe nicht vor, sie auf dem aktuellen Kursniveau zu verkaufen. Das C sagt lediglich aus, dass es im Falle eines starken Kursanstiegs, und +4,5% seit Ende August sind noch nicht stark, eher einen Verkauf geben wird als einen Nachkauf im Falle eines starken Kursverlusts. Mit einem EV/EBITDA von 14 ist die Aktie zwar nicht mehr billig, aber auch noch nicht zu teuer … sondern fair bewertet :-)


 Frage vom 01.09.2026

#Noch kein Turnaround bei General Mills

Sehr geehrter Herr Heibel,

General Mills besticht durch einen längeren Aufwärtstrend. Ist denn ein Investment jetzt noch sinnvoll?

Mit freundlichen Grüßen
Peter aus Bobingen

 Antwort:

Ein „längerer" Aufwärtstrend bei General Mills liegt nur dann vor, wenn man sich die Entwicklung seit Juni anschaut. In den drei vorhergehenden Jahren ging’s von 91$ auf 32$ nur bergab. Aktuell notiert die Aktie wieder bei 41$.

General Mills haben wir im Heibel-Ticker mehrfach besprochen, zuletzt im Oktober 2022 als Alternative zu Procter & Gamble im Rahmen einer Leserfrage. Damals lautete mein Fazit „das Bessere ist des Guten Tod" - P&G bot mit 7,7% erwartetem Gewinnwachstum ein deutlich besseres Profil als General Mills mit 4,4%. Diese Einschätzung ist heute noch aktueller: Während P&G weiterhin moderat wächst, ist General Mills operativ ins Schrumpfen gerutscht. Q3 des Geschäftsjahres 2026 zeigte organische Umsätze -3% und einen bereinigten Gewinn je Aktie -37% zum Vorjahr.

Was auf den ersten Blick verlockend wirkt, ist die Bewertung. Das EV/EBITDA von nur 11 ist eines der niedrigsten im S&P 500 im Konsumgüterbereich. Dividendenrendite bei 6,1%, deutlich über dem historischen Durchschnitt von 3-4%. 19 Jahre in Folge steigende Dividende, die durch den starken Free Cashflow gedeckt ist.

Warum ist die Aktie trotzdem so gefallen? Verbraucher wechseln zunehmend zu Handelsmarken der Supermärkte, weil Markenprodukte wie Cheerios oder Häagen-Dazs zu teuer geworden sind. Außerdem hinterlassen die GLP-1-Abnehmmedikamente (Wegovy, Zepbound) ihre Spuren bei den verarbeiteten Lebensmitteln und Süßwaren, gerade in den zentralen General-Mills-Kategorien. Zudem wurde mit einer teuren Übernahme (Blue-Buffalo für Tierfutter) die Schuldenquote deutlich erhöht.

Es ist in meinen Augen noch zu früh für eine Turnaround-Spekulation bei General Mills. Die Probleme sind strukturell, und Lösungen kann ich noch nicht sehen. Der vermeintliche Turnaround in der Aktie könnte sich als zwischenzeitliche Erholung im noch längerfristigen Abwärtstrend herausstellen.


 Frage vom 01.09.2026

#BHP Group nach Kursrallye

Hallo Herr Heibel,
als treuer Leser ihres sehr interessanten und aufschlussreichen Heibel Tickers möchte ich mich mit einer Frage an sie wenden.
Set einiger Zeit habe ich Aktien von BHP (Bergbauunternehmen) die inzwischen stark gestiegen sind. Was meinen sie, weiter behalten oder zum Teil verkaufen? Die Dividenden ist eigentlich auch gut.

Grüße aus Dinslaken, Andreas

 Antwort:

BHP habe ich seit der Heibel-Ticker Erstausgabe 2006 immer wieder besprochen, zuletzt ausführlich in einer [Wunschanalyse Dezember 2016](https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/1317). Die Aktie war jahrelang unser Rohstoffkern.

Die vor Kurzem veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 (Stichtag 30. Juni) waren stark. Umsatz +15% auf 58,8 Mrd. USD, Gewinn (EBITDA) +27% auf 32,9 Mrd. USD. Die Dividende steigt auf 1,72 USD je Aktie mit rund 4-5% Rendite auf den aktuellen Kurs.

Kupfer hat erstmals in der Konzerngeschichte das Eisenerz als wichtigsten Ertragsbringer abgelöst, es steuert 54% des Gewinns bei, getrieben durch einen Kupferpreisanstieg von 35% im Jahresverlauf. Das ist exakt die Kupferdefizit-Story, die ich Ihnen bereits vor einigen Monaten zu Freeport-McMoRan geschildert hatte: In den kommenden zehn Jahren wird nur die Hälfte des benötigten Kupfers gefördert, KI-Rechenzentren und die Elektrifizierung treiben die Nachfrage strukturell.

Ich würde dennoch Gewinne mitnehmen und einen Teil der Position verkaufen. Rohstoffaktien folgen dem Rohstoffpreis und der Kupferpreisanstieg von +35% in einem Jahr ist zyklisch, nicht dauerhaft. BHP hat für das Geschäftsjahr 2027 einen Rückgang der Kupferproduktion angekündigt, weil der Erzgehalt bei der Escondida-Mine in Chile sinkt. Das ist ein kurzfristiger operativer Gegenwind.