Heibel-Ticker Free Börsenbrief
- Einfach einen Tick besser -
21. Jahrgang - Ausgabe 30 (24.07.2026)
Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:
| 1. | Info-Kicker: KI-Crash bleibt auf KI-Sektor konzentriert |
| 2. | So tickt die Börse: KI-Euphorie wird durch China-Angst abgelöst |
| - Kernschmelze der KI-Infrastruktur | |
| - Tesla enttäuscht Anleger | |
| - Wochenperformance der wichtigsten Indizes | |
| 3. | Sentiment: Gold weiterhin im konstruktiven Stimmungstief |
| - Interpretation | |
| 4. | Ausblick: Warten auf das Crescendo |
| 5. | Update beobachteter Werte |
| Solide Q-Zahlen bestätigen positive Integrationseffekte | |
| Rekordquartal aus der Werkstatt, Rückenwind aus dem Rechenzentrum | |
| Rekordwachstum steht als Milliardenverlust in den Büchern | |
| 6. | Leserfragen |
| 7. | Übersicht HT-Portfolio |
| 8. | Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise |
| 9. | Mitgliedschaft verwalten |
1. Info-Kicker: KI-Crash bleibt auf KI-Sektor konzentriert
Liebe Börsenfreunde,
Tja, auch das muss ich erst noch lernen: Kurze Sommerausgaben zu schreiben. Irgendwie ist derzeit so viel los, dass sich die Seiten der heutigen Ausgabe schnell füllten. Ich war diese Woche auf einem Familientreffen, daher kommt die aktuelle Ausgabe erst am heutigen Sonntag.
In Kapitel 2 liste ich für Sie die größten KI-Verlierer der vergangenen Wochen auf. Kimi K3 sorgt für Turbulenzen in der amerikanischen KI-Blase. Mit Kurseinbußen von 30-50% binnen vier Wochen kann man schon von einem Crash sprechen, wenn auch nur gezielt in einem Segment. Nicht ohne Stolz kann ich für unser Heibel-Ticker Portfolio Entwarnung geben: Unsere Portfoliotitel sind, wie von mir gewünscht, Ausnahmen und wurden kaum in Mitleidenschaft gezogen.
Abschließend werfe ich noch einen kurzen Blick auf die Q-Zahlen von Tesla, die zu einem heftigen Ausverkauf der Aktie führten: Zu Recht? Mehr dazu in Kapitel 2.
Die aktuelle Sentiment-Verfassung unter den Anlegern ist schlecht, was wiederum eine Fortsetzung des Crashs unwahrscheinlich macht. Das Crescendo, auf das auch ich eigentlich noch warte, scheint durch die stark defensive Positionierung der Anleger dieses Mal abgesagt zu werden. Wie genau die Stimmung zu solchen Schlussfolgerungen führt, lesen Sie in Kapitel 3.
Im Ausblick in Kapitel 4 zeige ich, warum unsere vier KI-Aktien nicht vom KI-Ausverkauf betroffen sind. Außerdem gebe ich einen kurzen Ausblick auf die zu erwartenden Q-Zahlen der kommenden Woche.
Diese Woche legten unsere Portfolio-Unternehmen Intel, Snap-On und Capital One Financial Q-Zahlen vor. Meine Beurteilung dazu lesen Sie in Kapitel 5 in den Updates.
Das Kapitel 6 beinhaltet meine Antworten auf 5 Leserfragen: Skyworks übernimmt Qorvo, InnoTec TSS könnte ein Squeeze-Out bevorstehen, ASML weitet die Fertigungskapazitäten für KI-Chipmaschinen aus und eignet sich der Bitcoin als Gold-Ersatz? Außerdem diskutiere ich mal wieder, wohin das Geld verschwindet, wenn die Cashquote sinkt.
Natürlich gibt es wie jede Woche den tabellarischen Überblick über unser Heibel-Ticker Portfolio in Kapitel 7.
Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,
take share, Ihr Börsenschreibel
Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs
2. So tickt die Börse: KI-Euphorie wird durch China-Angst abgelöst
Das KI-Modell Kimi K3 vom chinesischen Unternehmen Moonshot wirbelte diese Woche die KI-Welt durcheinander. Erinnerungen an den DeepSeek-Moment von vor einem Jahr werden wach. Damals zeigte ein chinesisches Unternehmen, dass man auch ohne KI-GPUs von Nvidia leistungsstarke KI-Modelle trainieren kann. Im Anschluss wurden die Befürchtungen relativiert: Es gab Gerüchte, dass eben doch Nvidias KI-GPUs über Umwege (Singapur) nach China geliefert wurden und außerdem ist die Entwicklung eines KI-Modells wesentlich einfacher, wenn man das Ergebnis bereits kennt.Dieses Mal ist es in meinen Augen ganz ähnlich, wenngleich der zeitliche Vorsprung der USA von einem Jahr auf wenige Wochen geschrumpft ist. Die Leistungsdaten von Anthropics Fable 5 und OpenAIs ChatGPT 4.6 werden durch Kimi K3 noch nicht ganz erreicht, aber fast. Die US-Regierung erhebt bereits den Vorwurf des unerlaubten Kopierens der US-KI-Modelle durch chinesische Unternehmen. Da Fable 5 und Opus 4.6 in China verfügbar seien, könnten chinesische Unternehmen ihre KI-Modelle während der Entwicklung mit den Ergebnissen dieser US-Modelle abgleichen und gezielt optimieren. Es wird diskutiert, chinesischen Unternehmen den Zugang zu Fable 5 und Opus 4.6 zu sperren.
Denn die US-Unternehmen investieren Billionen, um die leistungsfähigsten KI-Modelle zu entwickeln. Wie beim Patentschutz sollte anschließend eine Weile die Möglichkeit für die erfolgreichen Entwickler bestehen, mit dem KI-Modell Geld zu verdienen. Wenn aber schon wenige Wochen später ein vergleichbar leistungsstarkes KI-Modell aus China verfügbar wird, das jedoch nur ein Zehntel des US-Modells kosten soll (Tokenpreis), dann entzieht man den KI-Modellentwicklern die Möglichkeit, ihre Investitionen zu refinanzieren.
Der Wettbewerbsdruck aus China wird unterstützt durch den Zugang zu günstigem Speicher. Das Jevons-Paradoxon wird in der Presse gerne zitiert: Durch eine steigende Nachfrage wird der Preis von knappen Ressourcen (bspw. Speichern) nicht etwa nach oben gezogen, sondern durch Innovationen letztlich gesenkt. Die exorbitant angestiegenen HBM-Speicherpreise (SK Hynix, Samsung, Micron und SanDisc) wären aus diesem Blickwinkel nur ein vorübergehender Geldsegen für die Anbieter dieser Speicher. China zeige bereits, dass die gleichen Leistungen auch mit günstigeren Speichern erzielbar seien, so die Befürchtung, die derzeit zu einem Ausverkauf dieser Aktien führt.
Man stützt sich auf den fallenden Tokenpreis und versucht mit Argumenten der nationalen Sicherheit gegenzusteuern. Die Argumentationen enthalten inzwischen so viele unterschiedliche, häufig gegenläufige Argumente, dass es schwer fällt, eine abschließende Bewertung vorzunehmen.
Kernschmelze der KI-Infrastruktur
Dow und S&P 500 stehen aktuell nur 2%-3% unter ihren Hochs, der Nasdaq Composite und der Nasdaq 100 rund 6%-7% unter ihren Junihochs. Unter der Oberfläche aber tobt ein Bärenmarkt, wie ich Ihnen in den vergangenen Wochen bereits mehrfach aufzeigte. Heute liefere ich Ihnen eine Liste der größten KI-Verlierer der vergangenen 4 Wochen.Micron, SanDisk und Western Digital gaben in den vergangenen vier Wochen zwischen 30% und 41% ab, nachdem sie zuvor senkrecht nach oben gelaufen waren. Der Philadelphia-Halbleiterindex (SOX) hat rund 20% verloren. Bei den Einzelwerten fielen AMD und Intel seit Ende Juni um 14% beziehungsweise 32%, Marvell um 41%, ARM Holding um 40% und Teradyne um 32%. Auch die Maschinenbauer hat es erwischt: ASML kam mit minus 30% noch am glimpflichsten davon, Applied Materials, KLA und Lam Research verloren zwischen 28% und 33%.
Als Anbieter von optischen Leitungen für Rechenzentren brach Corning um 44% ein, der Anbieter von speziellen Hochleistungsnetzwerken für KI-Rechenzentren, Astera Labs, brach um 38% ein, Coherent (optoelektronische Komponenten und Lasertechnologie für KI-Rechenzentren) und Lumentum (Netzwerkausrüster mit Laser-Netzwerkkomponenten) um 35% beziehungsweise 30%, Arista Networks um 41% und Cisco um 15%.
Bei den Server-Herstellern gab Hewlett Packard Enterprise 31% ab, Dell 19%, obwohl eines der besten Quartalsergebnisse veröffentlicht wurde. Der Rechenzentrumsboom hatte auch klassische Industriewerte beflügelt, und nun traf es sie hart: Vertiv (Strom und Kühlung) -25%, Modine (Thermomanagement) -30%, Caterpillar -19%, Bloom Energy (dezentrale Stromsysteme) -44%. Bei den Bau- und Ingenieurdienstleistern, die am Bau der KI-Rechenzentren prächtig verdient hatten, verlor Sterling Infrastructure 35%, Quanta Services 20%.
Die sogenannten Neoclouds, die ihre Rechenleistung an andere vermieten, traf es besonders hart. CoreWeave, einst der Liebling der Branche, steht 47% unter dem Maihoch, IREN 43%, Nebius 39%, Applied Digital, Hut 8 und TeraWulf zwischen 28% und 45% tiefer. Auch die frischen Börsengänge mit KI-Bezug wurden mitgerissen. Cerebras, Entwickler von besonders leistungsfähigen KI-Supercomputern, notiert 54% unter seinem Ersttageshoch. Die erst seit Kurzem in den USA gelistete SK Hynix liegt rund 22% unter ihren Hochs, Samsung 34% unter dem Junigipfel. Was am KI-Rechenzentrum hängt, wird ausverkauft. Und selbst Nvidia, mit nur 14 Prozent Abstand zum Mai-Allzeithoch, hält sich zwar besser als alle anderen, musste jedoch ebenfalls Federn lassen.
Bevor wir uns anschauen, welche dieser KI-Titel bereits ausreichend ausverkauft wurden, schauen wir auf die geopolitischen Rahmenbedingungen. Der wieder aufgeflammte Konflikt mit dem Iran treibt den Ölpreis von 67 USD/Fass Brent am 2. Juli in Richtung 100 USD/Fass und erschwert dadurch der Fed Zinssenkungen. Die zehnjährige US-Rendite, im Mai bei 4,7%, war bis Ende Juni auf 4,36% gefallen und steht nun wieder bei 4,7%. Hohe Zinsen schüren die Angst vor einer schwachen Wirtschaft und Anleger verkaufen zuerst, was kürzlich die höchsten Kursgewinne einbrachte.
Zu den Konjunktursorgen gesellen sich die Sorgen darüber, ob sich der teure Ausbau der KI-Infrastruktur jemals amortisieren kann. Selbst der Cash-Riese Alphabet musste jüngst rund 85 Mrd. USD frisches Kapital aufnehmen (45 Mrd. USD kurz vor dem SpaceX-Börsengang, weitere 40 Mrd. USD laufen gerade). Es ist das erste Mal in der Geschichte von Alphabet, dass der freie Cashflow nicht für Investitionsvorhaben ausreicht.
Oracle ist 51% unter sein Junihoch gefallen, und die Kosten für Kreditausfallversicherungen für Oracle-Schulden haben sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verfünffacht. OpenAI erwägt einem Bericht zufolge, seinen Börsengang auf 2027 zu verschieben. Das Unternehmen hat in den vergangenen Wochen mit 122 Mrd. USD die größte private Finanzierungsrunde aller Zeiten eingesammelt. Der Anthropic-IPO, einst für Juli erwartet, dürfte meiner Einschätzung nach nicht vor einer Beruhigung in der KI-Welt erfolgen ... was nicht nur den Juli, sondern auch noch den August ausschließt.
Im toten Winkel unserer Finanzwelt liefen SK Hynix und Samsung sowie der gesamte südkoreanische Aktienmarkt. Die beiden koreanischen Unternehmen zogen den koreanischen Aktienindex Kospiso so stark nach oben, dass Südkoreas Regulierer die Zulassung neuer gehebelter Einzelaktien-ETFs aussetzten. Solche Hebelprodukte und die thematischen Sektor-ETFs verstärken die Bewegungen in beide Richtungen, erschweren nun also die Bodenbildung.
In Kapitel 4 erarbeite ich die Bedingungen für eine erfolgreiche Bodenbildung in diesem heißen KI-Sommer.
Tesla enttäuscht Anleger
Schauen wir abschließend noch auf die Q-Zahlen von Tesla, die diese Woche veröffentlicht wurden. Der Umsatz stieg um 26%, doch der Gewinn brach ein. Die Gewinnmarge fiel von 4,1% auf 1,4%. Damit dürfen sich alle Tesla-Skeptiker bestätigt fühlen: Auch Elon Musk kann Autos nicht dauerhaft so günstig produzieren, um damit alle Autobauer der Welt auszustechen. Doch das Witzige daran: Das interessiert die Tesla-Befürworter gar nicht. Ihnen geht es ohnehin längst um das autonome Fahren und um Optimus, den humanoiden Roboter aus dem Hause Tesla.
Aber auch diese beiden Bereiche geben keinen Anlass zur Freude. Das autonome Fahren kam nicht nur viel später als versprochen, nun breitet es sich auch viel langsamer aus als erwartet. Berichten zufolge müssen die abgegrenzten Gebiete, in denen Teslas autonom fahrende CyberCabs operieren dürfen, zuvor extra genau vermessen werden. Vom Fahren auf der freien Straße ist Tesla also noch immer weit entfernt.
Und auch Optimus kommt nicht so schnell wie erhofft - oh Überraschung. Die avisierten Produktionszahlen wurden nach unten korrigiert.
Gleichzeitig investiert Tesla gigantische Summen in die Entwicklung neuer KI-Modelle, baut immer neue KI-Rechenzentren und vermietet inzwischen bereits KI-Rechenzentren der zweiten Generation an Hyperscaler. Insbesondere in diesen Wochen, in denen durch Kimi K3 (siehe oben) die Werthaltigkeit der KI-Modelle infrage gestellt wurde, fällt es Elon Musk schwer, die Begeisterung für seine Zukunftsvisionen aufrechtzuerhalten.
Ich darf daran erinnern, dass ich noch für dieses Jahr eine Fusion oder Übernahme von Tesla durch SpaceX erwarte, da sich diese beiden Unternehmen perfekt ergänzen. Die KI-Modelle werden von X.ai unter dem Dach von Tesla entwickelt, SpaceX möchte jedoch schon bald die leistungsfähigsten KI-Rechenzentren im Weltall stationieren. Außerdem benötigen die autonom fahrenden CyberCabs eine leistungsfähige Mobilfunkverbindung. Was eignet sich da besser als Starlink, das unter dem Dach von SpaceX angeboten wird?
Also: Der nüchterne Blick auf die Zahlen von Tesla wird keinen Anleger begeistern: einstelliges Umsatzwachstum und, wenn's gut geht, 22% Gewinnwachstum im laufenden Jahr werden mit einem EV/EBITDA von 87 bewertet. Abenteuerlich hoch. Doch weder in Tesla noch in SpaceX investiert man, weil man eine günstige Aktie haben möchte. Vielmehr möchte man an der Zukunftsvision des größten Erfinders unserer Zeit partizipieren ... und da kann es schon mal für ein paar Jahre eine Durststrecke geben. Trader versuchen, diese Durststrecke auszusparen. Musk-Jünger sitzen sie einfach aus. Wir haben Tesla deutlich höher aus dem Heibel-Ticker Depot geworfen ;-)
Wochenperformance der wichtigsten Indizes
| INDIZES | 26.7., 20:53 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ |
| DAX | 25.099 | 1,1% | 2,5% |
| S&P 500 | 7.412 | -0,9% | 8,3% |
| Nikkei | 64.611 | 0,7% | 28,4% |
| Shanghai A | 4.649 | 2,7% | 0,4% |
| US-Dollar/EUR | 1,14 | -0,6% | -3,2% |
| Euro/Yen | 186,27 | 0,2% | 1,5% |
| 10-Jahres-US-Anleihe | 4,68% | 0,14 | 0,51 |
| Umlaufrendite Dt | 3,16% | 0,06 | 0,38 |
| Feinunze Gold | $4.053 | 0,9% | -6,2% |
| Fass Brent Öl | $96,78 | 11,7% | 59,0% |
| Kupfer | $13.645 | 0,3% | 9,8% |
| Baltic Dry Shipping | $2.743 | -3,4% | 46,1% |
| Bitcoin | $64.481 | 1,8% | -26,5% |
3. Sentiment: Gold weiterhin im konstruktiven Stimmungstief
Unter starken Schwankungen konnte der DAX im Wochenverlauf schließlich um 1,3% zulegen. Der S&P 500 hingegen gab 1% ab. Die KI-Rallye, die in den vergangenen Monaten auch den S&P 500 mit nach oben zog, drückte den Index nun nach unten. In den vergangenen Wochen erlitten eine Reihe von KI-Zulieferern Kursverluste von 30% bis 50%. Dieser Ausverkauf erreichte den DAX nicht, da im DAX kaum KI-Werte enthalten sind.Doch die KI-Story dominiert die Schlagzeilen auf dem Börsenparkett, und so dominiert die Wahrnehmung die Korrektur im KI-Bereich, während die Erfolge von Versorgern, Pharmakonzernen und Finanztiteln kaum Berücksichtigung finden.
Unser Anlegersentiment war vor einer Woche aufgrund des damaligen Ausverkaufs auf -3,5 gefallen. Diese Woche erholt es sich nur moderat auf -2,8. Auch die Verunsicherung, die vor einer Woche noch bei -4,9 stand, nimmt nur leicht auf -3,4 ab.
Immerhin bleibt die Zuversicht mit einem Wert von 1,3 konstant auf dem moderat optimistischen Niveau der Vorwoche. Die Investitionsbereitschaft nimmt diese Woche von 0,7 auf 1,2 zu.
Das Euwax-Sentiment der Privatanleger notiert aktuell bei -50% und signalisiert damit eine stark defensive Positionierung. Put-Absicherungen sind gefragt, um sich gegen den nächsten Ausverkauf, vielleicht gegen das finale Crescendo der aktuellen KI-Korrektur, abzusichern.
Auch institutionelle Anleger greifen zu Put-Absicherungen. Das Put/Call-Verhältnis für den DAX steigt diese Woche auf 2,8 und notiert damit bereits im Extrembereich. Auch das Put/Call-Verhältnis für Equities an der CBOE in den USA zeigt mit 0,9 einen extrem hohen Wert an. Hüben wie drüben werden Put-Absicherungen gekauft, als braue sich da ein Unwetter zusammen.
Die Investitionsquote der US-Fondsmanager fällt auf 84%. Damit sind die US-Fondsmanager zwar noch nicht defensiv positioniert, bewegen sich aber am unteren Ende der üblichen Investitionsquote (80-100%).
Die Bulle/Bär-Differenz der US-Privatanleger bricht auf -13%punkte ein: 29,6% Bullen stehen nur 42,3% Bären gegenüber. Auch hier erwartet man offensichtlich einen heftigen Ausverkauf, oder eben das besagte Crescendo.
Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 39% nur moderate Angst an.
Interpretation
Die ausführliche Interpretation der aktuellen Anlegerstimmung – basierend auf den hochwertigen Sentimentdaten unserer animusX Umfrage – bleibt den zahlenden Mitgliedern des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die hohe Qualität unserer Analysen solide finanzieren möchten. Mit den Einnahmen entwickeln wir die Sentimentanalyse kontinuierlich weiter – für noch fundiertere Einschätzungen, die helfen, Anlageentscheidungen zu optimieren und die Portfolio-Performance weiter zu verbessern.
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4. Ausblick: Warten auf das Crescendo
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5. Update beobachteter Werte
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6. Leserfragen
Skyworks Solutions übernimmt Qorvo
Hallo Herr Heibel,
seit längerer Zeit halte ich Skyworks Solution im Depot. Kommt die Aktie
irgendwann noch in Fahrt. Eigentlich bin ich immer noch von der Firma überzeugt.
Oder sollte gibt es bessere Alternativen?
VG Thomas aus Schwäbisch Hall
ANTWORT
Geduld ist bei Skyworks bislang schlecht bezahlt worden, die Aktie sinkt auf immer neue Tiefstände, während der Halbleitersektor von Rekord zu Rekord eilte. Rund zwei Drittel des Umsatzes hängen an einem einzigen Kunden, nämlich Apple. Und Apple arbeitet seit Jahren konsequent daran, seine Zulieferer austauschbar zu machen. Beim iPhone 17 wurde eine Schlüsselkomponente doppelt beschafft, Skyworks verlor dadurch rund ein Fünftel bis ein Viertel seines Warenwerts je Gerät. Das Mobilfunkgeschäft, noch immer deutlich mehr als die Hälfte des Umsatzes, schrumpft entsprechend. Ihre Überzeugung vom Unternehmen ehrt Sie, aber das alte Skyworks, das Sie einst gekauft haben, hat sich stark verändert.
Abschreiben würde ich die Aktie dennoch nicht, denn die Geschichte hat sich gedreht. Erstens wächst das Geschäft jenseits des Smartphones zweistellig (WLAN-Chips der neuesten Generation, Rechenzentren, Autoelektronik) und steuert inzwischen gut 40% zum Umsatz bei. Zweitens, und das ist der eigentliche Kurstreiber: Skyworks übernimmt den Erzrivalen Qorvo. Die Aktionäre beider Unternehmen haben dem Zusammenschluss bereits zugestimmt, und Ende Juni hat das Management den erwarteten Vollzug auf Ende 2026 vorgezogen. Die angepeilten Kostensynergien entsprechen gut 6% des gemeinsamen Umsatzes und schlagen im margenstarken Chipgeschäft überproportional auf den Gewinn durch. Zudem verringert Qorvos Android-, Rüstungs- und Infrastrukturgeschäft die Apple-Abhängigkeit. Die Aktie hat sich vom Märztief um rund 30% erholt.
Teuer ist sie trotzdem nicht: Das EV/EBITDA liegt bei nur 7, die Dividendenrendite bei rund 4,7%. Sie werden also fürs Warten bezahlt. Bleibt das Risiko: Die US-Kartellbehörde hat eine vertiefte Prüfung der Fusion eingeleitet. Platzt der Zusammenschluss, fällt die Aktie auf die schrumpfende Apple-Story zurück.
Wenn ich die Aktie noch hätte, würde ich sie bis zum Vollzug der Fusion und durch die ersten gemeinsamen Quartale halten, denn die Dividende versüßt die Wartezeit. Sollte die Kartellbehörde den Deal untersagen, würde ich die Position ggf. auflösen.
Squeeze Out bei Innotec TSS
Moin Herr Heibel,
aus gegebenem Anlass muss ich Sie noch einmal um Ihren Rat bitten.
Die obige Gesellschaft hatten wir aufgrund Ihrer Empfehlung von längerer Zeit im HT. Aufgrund der mangelhaften Infos der Gesellschaft zum Geschäftsverlauf bzw. Prognosen wurde die Aktie verkauft.
Weil aber gute Dividende gezahlt wurde und der Kurs so schlecht war habe ich die Aktie noch behalten.
Nun kommt da ein sehr mäßiges Übernahmeangebot, das Schriftstück habe ich der Mail beigefügt.
Ich bitte nun deshalb um Ihren Rat, weil der Anteil Aktien im freien Handel nur noch 15 % ausmacht.
Haben Sie etwas darüber erfahren, ob evtl. ein Delisting der Gesellschaft beabsichtigt ist?
Gern höre ich von Ihnen.
Mit freundlichen Grüßen
Peter aus Münster
ANTWORT
Was Ihnen vorliegt, ist kein Übernahmeangebot im eigentlichen Sinne, sondern ein Pflichtangebot. Die beiden Gesellschaften GLI und Grondbach haben Ende Juni eine dauerhafte und verbindliche Stimmrechtsvereinbarung geschlossen und durch die wechselseitige Zurechnung der Stimmrechte die Kontrollschwelle des Übernahmegesetzes überschritten. Damit waren sie gesetzlich verpflichtet, allen übrigen Aktionären ein Angebot zu unterbreiten – und zwar zum gesetzlichen Mindestpreis, also den gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Die 7,57 Euro sind demnach keine Bewertung des Unternehmens, sondern das Ergebnis einer Rechenvorschrift.
Dass das Angebot mäßig ausfällt, ist gewollt: Die Bieter erfüllen eine Pflicht, sie werben nicht um Ihre Aktien. Entsprechend gibt es keinen Grund, es anzunehmen, die Aktie notiert an der Börse ohnehin auf Angebotsniveau, Sie können also jederzeit zum selben Preis verkaufen, mit oder ohne Angebot. Pikant ist die Konstellation obendrein: Geschäftsführer der bietenden GLI ist Dr. Gerson Link, der zugleich Vorstand der InnoTec ist. Hier sammeln die Insider ein, und Insider kaufen erfahrungsgemäß nicht zu teuer.
Nun zu Ihrer eigentlichen Frage: Ein Delisting haben die Bieter öffentlich nicht angekündigt. Erklärtes Ziel ihrer Vereinbarung ist vielmehr, per Hauptversammlungsbeschluss eine Ausschüttung von mindestens 30% des Konzernjahresüberschusses durchzusetzen – die Dividende, deretwegen Sie die Aktie behalten haben, wollen die Großaktionäre also ausdrücklich festschreiben.
Bei nur noch 15% Streubesitz erfüllt eine Börsennotierung jedoch keine Funktion mehr, sie kostet das Unternehmen nur noch Geld und Berichtspflichten und Sie als Aktionär haben kaum eine Möglichkeit der Einflussnahme mehr. Dass früher oder später der Rückzug folgt, würde mich nicht überraschen. Entscheidend für Sie ist, dass Sie dabei nicht schutzlos wären: Ein Delisting aus dem regulierten Markt setzt ein weiteres Erwerbsangebot voraus, für das der Gesetzgeber mindestens den Sechsmonats-Durchschnittskurs verlangt. Und sollten die Bieter über das laufende Angebot die Schwellen von 90% oder 95% erreichen, stünde ein Squeeze-out im Raum, bei dem die Barabfindung anhand einer vollständigen Unternehmensbewertung ermittelt wird und gerichtlich überprüfbar ist. Bei substanzstarken Nebenwerten wie diesem liegt der so ermittelte Wert meist über dem Börsenkurs. Wer die Endphase solcher Konzentrationsprozesse geduldig aussitzt, wird historisch eher belohnt als bestraft. Doch Sie brauchen viel Geduld dafür.
Die Kehrseite dürfen Sie dabei nicht unterschätzen: Nach einem Delisting hielten Sie eine nicht mehr handelbare Aktie ohne Kurse und mit noch dünnerer Informationslage als bisher – und die war ja bereits der Grund, warum wir die Position seinerzeit aufgelöst haben. Sie müssten notfalls Jahre warten können, ohne an Ihr Geld zu kommen.
Das Pflichtangebot selbst würde ich verstreichen lassen, es bietet nichts, was die Börse nicht auch bietet. Die eigentliche Entscheidung lautet: Beunruhigt Sie die Aussicht, irgendwann eine unnotierte Aktie im Depot zu haben, dann würde ich über die Börse verkaufen, solange es noch laufend Kurse gibt. Bringen Sie dagegen die Geduld auf, spricht einiges dafür, dass die Familien für die letzten Prozente später mehr zahlen müssen als die heutigen 7,57 Euro – und die festgeschriebene Ausschüttungsquote versüßt die Wartezeit.
Cashquote: Wo bleibt das Geld?
Lieber Herr Heibel,
Sie sagen in Ihrem Kommentar vom 17.07.26 bezüglich US-Fondsmanagern als Warnung für fallende Kurse, dass:
"... die Cash-Quote nur noch bei mageren 3,6% liegt."
... wobei ich bei meinem Thema "verwirrende irreführende Aussagen" bin:
Wenn die Cash-Quote bei US-Fondsmanagern so niedrig liegt, dann muss Cash irgendwo anders in gleichem Umfang zugenommen haben.
Das könnte darauf schließen lassen, dass entsprechend dort hohe Liquidität bereit steht, Aktien zu kaufen und Kurse steigen zu lassen.
Da die Cash-Menge in erster Näherung für die Gesamtheit aller weltweiten Marktteilnehmer konstant ist (abgesehen von Money -Printing, usw.),
sind niedrige Cash-Bestände einzelner Marktteilnehmer irrelevant, da Cash im Gesamtmarkt konstant ist.
Ich weiß, dass die Verhältnisse komplexer sind, aber mich stören nach wie vor diese irreführenden und wörtlich genommen unsinnigen Finanzfloskeln und -Logiken.
Hinter diesen Floskeln verbergen sich komplexere Finanz-psychologische Prozesse, die aber leider verschwiegen werden.
Mit besten Grüßen
Volker
ANTWORT
Kann es sein, dass Sie die Begriffe „Quote“ und „Betrag“ durcheinander bringen?
Die Cash-Quote der Fondsmanager misst gar nicht die Geldmenge, sondern die Positionierung und Risikobereitschaft jener Gruppe, die an der Börse die Preise setzt. Die Cashquote wird auch in der monatlichen Umfrage der Bank of America unter gut 200 institutionellen Anlegern erhoben, deren Kassenbestand im Juli von 4,1% auf 3,6% des verwalteten Vermögens gefallen ist – unter die Schwelle von 4%, ab der das hauseigene Regelwerk ein Verkaufssignal gibt. Wohlgemerkt: Die Quote ist ein Verhältnis, kein Betrag. Sie kann sogar fallen, ohne dass eine einzige Aktie gekauft wird – allein dadurch, dass die Aktienbestände im Kurs steigen und niemand rebalanciert. Beides sagt dasselbe aus: Der Optimismus dieser Gruppe ist vollständig in Positionen umgesetzt, mehr geht kaum.
Und damit sind wir beim Kern Ihrer Frage. Kurse entstehen nicht in der Summe, sondern am Rand: beim jeweils nächsten Geschäft. Nicht die Menge des vorhandenen Geldes bestimmt den Preis, sondern die Dringlichkeit des nächsten Käufers im Verhältnis zum nächsten Verkäufer. Ist die wichtigste Käufergruppe bereits voll investiert, fehlt bei der nächsten Enttäuschung der Nachkäufer – nicht weil das Geld aus der Welt verschwunden wäre, sondern weil der Wille fehlt.
Ihr Umkehrschluss, das Geld liege nun eben woanders und stehe dort für Käufe bereit, scheitert an einer simplen Beobachtung: Wer das Geld jetzt hält, hat durch sein Handeln soeben bewiesen, dass er zu diesen Kursen lieber Cash hält als Aktien. Das viele Geld in den Geldmarktfonds wartet nicht auf Aktien, es verdient dort Zinsen, und seine Besitzer sind damit offenkundig zufrieden – sonst hätten sie längst gekauft. Und selbst wenn sie eines Tages kaufen, fließt auch dann kein Geld "in den Markt": Der Verkäufer trägt es im selben Moment wieder hinaus. Was sich ändert, ist allein der Preis, zu dem die Papiere den Besitzer wechseln. Ein einziger drängender Käufer, der den Briefkurs um 1% nach oben hebt, wertet die gesamte Marktkapitalisierung auf, ohne dass ein zusätzlicher Euro gebunden würde. Die Marktkapitalisierung ist eben keine Geldmenge, sondern ein Preisschild. Genau deshalb bewegen kurzfristig Stimmung und Positionierung die Kurse, nicht die Liquidität. Der Vollständigkeit halber: Konstant ist übrigens auch die Aktienseite nicht – Rückkäufe vernichten Angebot, IPO-Wellen schaffen neues und verteilen denselben Geldbestand auf mehr Papier.
Taugt die Quote als Warnsignal? Empirisch durchaus, wenn auch bescheiden: Werte von 3,6% oder darunter gab es seit 2002 erst 16 Mal, im Schnitt folgten zwei schwache Wochen und ein leicht negativer Monat, während Anleihen besser liefen. Kein Crash-Prophet also, sondern eine Warnlampe.
Ihr letzter Punkt schließlich rennt bei mir offene Türen ein: Ja, dahinter stecken finanzpsychologische Prozesse und die verschweige ich keineswegs, sie sind das Fundament meiner wöchentlichen Sentimentanalyse. Extreme Positionierung ist ein Kontraindikator: Wenn alle gekauft haben, die kaufen wollten, kann die Überraschung nur noch von der Verkäuferseite kommen. Die "magere Cash-Quote" ist meine Kurzformel für genau diesen Zusammenhang. Dass die Kurzformel wörtlich genommen hinkt, ist berechtigt angemerkt. Am Signal ändert es nichts.
ASML weitet Fertigungskapazität in Eindhoven aus
Hallo Herr Heibel,
bin gerade in den Niederlanden unterwegs. U.a. Vesthoven/Eindhoven und komme auf dem Weg zu unserem Campingplatz
immer wieder an dem gigantischen ASML Werk vorbei. Unglaublich wie das Werk expandiert. Es werden für Kapazitätserweiterung
und Ausbildung neue Gebäude geschaffen.
Schade, dass wir den größten Lithographie System Anbieter für die Chipfertigung seinerzeit nicht auf dem Schirm hatten. Wäre sicherlich der
bessere Trade gewesen als PVA zu 27€ seinerzeit.
Wahrscheinlich ist die Aktie, auch nach den jüngsten beeindruckenden Zahlen, schon zu weit gelaufen und wird wohl erst nach einem Rücksetzer interessant. Vielleicht können Sie ja Mal auf ASML eingehen.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd aus Mainz
ANTWORT
Da campieren Sie an der richtigen Stelle. Was Sie in Veldhoven vom Straßenrand aus beobachten, ist keine gewöhnliche Werkserweiterung, sondern der sichtbare Teil eines beispiellosen Kapazitätsausbaus: ASML will die Fertigungskapazität für seine EUV-Systeme bis 2027 um rund 30% erhöhen, für 2028 wird eine weitere Steigerung in ähnlicher Größenordnung geprüft, und auch die Kapazität der älteren DUV-Systeme soll um rund 30% wachsen. Die Neubauten, an denen Sie täglich vorbeifahren, sind die Baustelle für genau diese Pläne.
Der Anlass für den Ausbau steht in den jüngsten Zahlen: Im zweiten Quartal beschleunigte sich das Umsatzwachstum auf 21% bei einer Gewinnmarge von 54%, für das laufende Quartal stellt das Management einen Umsatz in Aussicht, der die bisherigen Analystenschätzungen um mehr als 10% übertrifft; zudem wurde die Jahresprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr kräftig angehoben, bei gleichzeitig steigender Margenerwartung. Der KI-Investitionszyklus ist bei den Ausrüstern angekommen: Wer im Kapazitätsrennen nicht zu spät kommen will, bestellt beim einzigen Unternehmen der Welt, das die EUV-Lithographie beherrscht. Über die Qualität müssen wir also nicht diskutieren, denn ein Monopol auf die Schlüsseltechnologie des Jahrzehnts findet man kein zweites Mal.
Das EV/EBITDA steht bei 35, ASML wächst mit 20% im Umsatz, 24% im Gewinn. Das ist also nicht zu teuer, aber schon ambitioniert. Wetten auf Halbleiteraktien gelten laut der jüngsten Fondsmanagerumfrage der Bank of America den dritten Monat in Folge als der am stärksten überlaufene Trade der Welt. Dazu kommt eine alte Branchenweisheit: Die Ausrüster sind das zyklischste Glied der Halbleiterkette. Dieselbe Kapazitätsschlacht, die ASML heute die Bücher füllt, kann in zwei, drei Jahren für Überkapazitäten sorgen – und wenn die Chiphersteller dann ihre Investitionen kappen, trifft es die Maschinenbauer zuerst und am härtesten. Bäume wachsen auch in Veldhoven nicht in den Himmel.
Aktuell gibt es Verwirrung in der Halbleiterbranche: Kimi K3 stellt infrage, ob die Rechenleistung überhaupt so groß sein muss, um gute KI-Modelle zu entwickeln. IPOs und Aktienplatzierungen saugen derzeit Liquidität aus dem Markt, sodass die Kurstreiber derzeit nicht wirklich stark sind. Im Gegenteil, verunsicherte Anleger nehmen derzeit gerne Gewinne mit. Außerdem sorgt der Iran-Krieg für weitere geopolitische Verunsicherung. Ich würde daher mit einem Einstieg noch ein wenig warten, bis sich diese vielen Punkte wieder verflüchtigen. Mag sein, dass dies erst im Herbst geschieht.
Und trösten Sie sich mit Blick auf PVA TePla: Bei Kursen um 37 Euro liegen Sie mit Ihrem Einstand von 27 Euro gut ein Drittel vorne. Im gleichen Zeitraum wäre ASML gar nicht so viel besser gelaufen, denn auch ASML musste zwischenzeitlich Federn lassen. Dass auch PVA Tepla gerade knapp 20% von seinem Juni-Hoch abgegeben hat, passt im Übrigen ins Bild eines heißgelaufenen Sektors, der Luft ablässt.
Investition in Bitcoin zur Absicherung als Alternative zu Gold
Lieber Herr Heibel,
für welchen der beiden ETPs für eine Bitcoininvestition würden Sie sich momentan entscheiden?
Den in unserem Portfolio befindliche Bitwise Physical Bitcoin ETP A27Z30 mit 0,2 % Managmentgebühr p.a. oder den Coin Shares Bitcoin ETP A3GPMN mit der günstigeren Managmentgebühr von 0,15 % p.a.?
Sehen Sie weitere Unterschiede zwischen den beiden Exchange Traded Notes? Sehen Sie zusätzlich ein Problem in dem Emittentenrisiko (Insolvenz) und der fehlenden Einlagesicherung?
Andere Formen mit einer eigen Wallet sind zu kompliziert und haben mehr Risiken oder …
Ich freue mich über Ihre geschätzte Beurteilung und bedanke mich.
Herzliche Grüße
Henning aus Wendelsheim
ANTWORT
Bevor wir vergleichen, muss ich Ihre Ausgangszahl korrigieren: Der Bitwise Physical Bitcoin ETP (WKN: A27Z30) kostet nicht 0,2%, sondern 2,00% pro Jahr – gegenüber 0,15% beim CoinShares Physical Bitcoin reden wir also nicht über einen Viertelprozentpunkt Unterschied, sondern über fast zwei Prozentpunkte, Jahr für Jahr. Auf fünf Jahre gerechnet frisst das Bitwise-Produkt rund ein Zehntel Ihrer Position auf, das CoinShares-Papier weniger als ein Prozent. Die Erklärung ist historisch: Das Bitwise-Produkt (früher ETC Group) kam 2020 als eines der ersten physischen Bitcoin-Papiere Europas auf den Markt und konnte damals 2% verlangen, weil es kaum Konkurrenz gab. Seither tobt ein Gebührenkrieg: CoinShares hat seine Gebühr schrittweise von 0,98% über 0,25% auf nunmehr 0,15% gesenkt, und selbst Bitwise bietet inzwischen ein eigenes Billigprodukt an, den Bitwise Core Bitcoin ETP (A4AER6) für 0,05% – während das alte Produkt unter fast gleichem Namen weiter 2% kostet und von der Trägheit der Altanleger lebt. Achten Sie also penibel auf die WKN.
Jenseits der Kosten sind die Unterschiede gering. Beide Papiere sind zu 100% physisch mit Bitcoin hinterlegt, die Coins lagern im Cold Storage bei professionellen Verwahrern, und jeder Anteil verbrieft einen Anspruch auf eine definierte Menge Bitcoin. Bitwise emittiert aus Deutschland heraus, CoinShares aus Jersey; das CoinShares-Papier ist mit gut einer Milliarde Euro Volumen das größere, beide sind an deutschen Börsen liquide handelbar. Der Auslieferungsanspruch ist der Grund, weshalb solche Papiere steuerlich üblicherweise wie ein Direktinvestment in Bitcoin behandelt werden – Gewinne nach zwölf Monaten Haltefrist steuerfrei, statt der Abgeltungsteuer zu unterliegen. Allerdings möchte Lars Klingbeil die Haltefrist für den Bitcoin abschaffen. Ich bin mir nicht sicher, ob das gelingen wird.
Zum Emittentenrisiko: Ja, rechtlich halten Sie eine Inhaberschuldverschreibung, kein Sondervermögen. Die fehlende Einlagensicherung ist allerdings der falsche Maßstab – die sichert Bankguthaben ab, nicht Wertpapiere; auch Ihre Aktien und ETFs unterliegen keiner Einlagensicherung. Die richtige Frage lautet: Was passiert bei einer Pleite des Emittenten? Und da greift die Konstruktion dieser Papiere: Die hinterlegten Bitcoin sind über einen unabhängigen Treuhänder zugunsten der Anleger besichert und gehören nicht zur Insolvenzmasse des Emittenten – im Ernstfall werden sie verwertet oder ausgeliefert. Was bleibt, sind operative Restrisiken: ein Verwahrer könnte gehackt werden (Cold Storage minimiert das), und eine Abwicklung im Insolvenzfall kostet Zeit und Nerven. Diese Restrisiken sind der Preis dafür, dass Sie sich den Umgang mit eigener Wallet und privaten Schlüsseln ersparen. Wer sich die Selbstverwahrung nicht zutraut, tauscht mit dem ETP das Risiko des verlorenen Schlüssels gegen ein kleines, strukturell abgefedertes Emittentenrisiko.
Für Neuanlagen würde ich heute zum CoinShares-Papier oder zum Bitwise Core für 0,05% greifen, wenn Ihr Broker ihn führt. Für eine bestehende Position im alten Bitwise-Produkt gilt: Liegt Ihr Einstand mehr als zwölf Monate zurück, würde ich den Wechsel in das günstigere Papier vollziehen, denn die 2% Jahresgebühr sind auf Dauer nicht zu rechtfertigen; innerhalb der Jahresfrist würde ich mit dem Tausch ggf. bis zu deren Ablauf warten, um die Steuerfreiheit nicht zu verspielen.
7. Übersicht HT-Portfolio
Der Börsen-Ausblick mit Markt- und Aktienanalysen, konkreten Empfehlungen sowie detaillierten Kauf- und Verkaufsaktionen bleibt den zahlenden Mitgliedern des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die hohe Qualität unserer Veröffentlichung solide finanzieren möchten.
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8. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)
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Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.
Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen
DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag
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