Heibel-Ticker Free Börsenbrief
- Einfach einen Tick besser -
21. Jahrgang - Ausgabe 33 (14.08.2026)
Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:
| 1. | Info-Kicker: Anleger konzentrieren sich auf die Bewertung von Einzeltiteln |
| 2. | So tickt die Börse: KI-Investitionen werthaltiger als gedacht, Ölpreis niedriger als gedacht |
| - Wochenperformance der wichtigsten Indizes | |
| 3. | Sentiment: Starke Selbstzufriedenheit der Anleger mischt sich mit Zukunftsskepsis |
| - Interpretation | |
| 4. | Ausblick: Anthropic geht an die Börse |
| 5. | Update beobachteter Werte |
| Übernahme belastet Gewinn von Q2, Unternehmensteilverkauf bringt dann in Q3 Sondererlös | |
| 6. | Leserfragen |
| 7. | Übersicht HT-Portfolio |
| 8. | Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise |
| 9. | Mitgliedschaft verwalten |
1. Info-Kicker: Anleger konzentrieren sich auf die Bewertung von Einzeltiteln
Liebe Börsenfreunde,
*** VIDEOCALL MIT JOACHIM GOLDBERG, SENTIMENT-PAPST ***
Es war für uns die einmalige Gelegenheit, unsere eigenen Erfahrungen aus unserer Sentiment-Umfrage animusX mit dem deutschen Sentiment-Papst abzugleichen: Joachim Goldberg brachte die Sentiment-Idee, die in den USA geboren wurde, 1997 nach Deutschland und schrieb Bücher über Behavioural Finance, den wissenschaftlichen Hintergrund für die Sentiment-Theorie.
Aus seinem Erfahrungsschatz erzählte er, wie sich die Stimmung unter Anlegern während des Platzens der Internet-Blase nach 2000 entwickelte und wies darauf hin, dass wöchentliche Veränderungen im Sentiment wichtiger sind als die absoluten Werte. Auch zum Corona-Crash gab er interessante Einblicke.
Sie können die Aufzeichnung des Interviews unter folgendem Link anschauen:
Nachlese 30 Jahre Sentiment mit Joachim Goldberg
https://youtube.com/live/95ojqCJHWvU
*** VIDEOCALL MIT JOACHIM GOLDBERG, SENTIMENT-PAPST ***
Diese Woche wurde die KI-Rallye weiter angeheizt. Außerdem notiert der Ölpreis erstaunlich niedrig, wenn wir uns die Situation im Nahen Osten anschauen. In Kapitel 2 erkläre ich, was der KI-Rallye neuen Auftrieb gab sowie auch den Grund für den niedrigen Ölpreis.
Unser Anlegersentiment ist den Umständen entsprechend neutral, die hohe Selbstzufriedenheit ist gepaart mit einer gesunden Zukunftsskepsis. Was dies für die Aktienmarktentwicklung der kommenden Wochen bedeutet, analysiere ich in Kapitel 3.
Anthropic geht an die Börse: Im Oktober soll das Unternehmen zu 2 Bio. USD an den Markt gebracht werden. In Kapitel 4 gebe ich eine erste Einschätzung zu den bislang bekannten Zahlen.
Der Zahlenreigen flaute diese Woche etwas ab: Nur ein Unternehmen aus unserem Portfolio veröffentlichte diese Woche Zahlen. Solide Zahlen, wie Sie in Kapitel 5 in den Updates lesen können.
Die heutige Leserfragen beschäftigen sich mit einer ganzen Reihe von Fragen zu Einzeltiteln: Wurde bei Puma der Ausstieg verpasst? Ist Heidelberger Druckmaschinen ein Turnaround-Kandidat? Wie ist das junge Börsenunternehmen Tonies mit seinen Kinderspielsachen zu bewerten? Daneben wurde ich auch zu allgemeinen Themen befragt. Wie sollte man als Neukunde in das Heibel-Ticker Portfolio einsteigen? Wie verkleinert man sein Portfolio, wenn man zu viele Positionen hat? Und was bedeutet eigentlich die Migration vieler Bitcoin-Miner in die KI-Welt für den Bitcoin? Meine Antworten dazu lesen Sie in Kapitel 6.
Natürlich gibt es wie immer in Kapitel 7 eine tabellarische Übersicht über unser Heibel-Ticker Portfolio.
Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr Börsenschreibel
Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs
2. So tickt die Börse: KI-Investitionen werthaltiger als gedacht, Ölpreis niedriger als gedacht
Zwei Schlüsselereignisse springen diese Woche ins Auge, die ich als Ursache für die Marktbewegungen in der abgelaufenen Woche verantwortlich mache: CoreWeaves Vermietung alter Rechner trieb die KI-Rallye neu an und in Mitleidenschaft gezogene Raffinerien verhindern eine Ölpreisrallye.
Diese Woche gab der CEO von CoreWeave, Michael Intrator, bekannt, dass sein Unternehmen alte Nvidia-GPUs der Generation A100, die bereits im Jahr 2020 vorgestellt wurden und mit deren Leistung 2022 der Durchbruch in der KI gelang (Ende 2022 wurde ChatGPT vorgestellt), bis einschließlich 2029 vermietet wurden. Der Mietpreis, der von CoreWeave aufgerufen wurde, ist so hoch als hätte man die Chips erst heute neu gekauft.Damit bestätigt Intrator die Behauptung, die vor wenigen Wochen von Microsoft aufgestellt wurde. Microsoft entschied sich nämlich vor zwei Wochen, KI-Rechenzentren nicht mehr über 15, sondern über 25 Jahre abzuschreiben, da deren Wert langsamer abnimmt als der Wert von herkömmlichen Rechenzentren.
Diese Erkenntnis ist sehr wichtig für die KI-Investitionen der Hyperscaler und auch für Nvidia und die gesamte KI-Infrastruktur. Denn getätigte Investitionen können länger genutzt werden, liefern also länger einen Ergebnisbeitrag, als bislang gedacht. Schauen wir also mal ein kleines bisschen in die Details, warum das so ist.
Eine luftgekühlte A100-GPU von Nvidia, erste Generation, zieht 6,5 kW Strom und passt bequem in ältere Rechenzentrumshallen, die auf rund 20 kW pro Einheit (Rack) ausgelegt sind. Nvidias aktuelle GB200-GPU und GB300-NVL72-Racks ziehen 140 kW und verlangen Direct-to-Chip-Flüssigkühlung, also etwa das Sechsfache dessen, was jene alten Anlagen liefern und abführen können. Das knappe, langlebige Gut ist also die bestromte und gekühlte Hülle, nicht der Chip. Alte GPUs halten ihren Preis, solange die Elektrizität der Flaschenhals ist. Inferenz, Feintuning, Embeddings und Batch-Jobs benötigen keine Hochleistungs-GPUs, sondern können problemlos auf den alten Chips laufen.
Vor diesem Hintergrund wurde die Kapitalerhöhung von Intel (Zweitplatzierung von Aktien zu 95$) mit einem Volumen von zunächst 15, am Ende dann 20 Mrd. USD von Anlegern gierig aufgeschnappt. Es handelt sich um die größte Kapitalerhöhung Intels seit 1971, also seit über 50 Jahren. Als Begründung gab CEO Lip-Bu Tan die "beispiellose KI-Nachfrage" an, für die Intel auf amerikanischem Kontinent neue Fertigungskapazitäten baut.
Die taiwanesische TSMC zog umgehend nach und hob die angekündigten Investitionen auf 60-64 Mrd. USD an. Auch hier lesen wir klar das Signal, dass KI-Investitionen auf eine langfristige Nachfrage stoßen werden.
CoreWeave legte auch Q-Zahlen vor: Der Umsatz verdoppelte sich, die Gewinnmarge kletterte weiter an. Skeptiker warnen seit Jahren vor zu hohen Investitionen in dieser Branche, doch eins ums andere werden jegliche Erwartungen übertroffen, die Investitionsgeschwindigkeit nimmt weiter zu. Die Aktie von CoreWeave kletterte in einer Reaktion auf diese Meldungen um 20% an.
Auch Nebius, Wettbewerber von CoreWeave, legte ähnlich gute Zahlen vor und auch die Aktie von Nerius kletterte deutlich nach oben (+17%). Lumentum liefert optische Komponenten für Nvidias KI-Systeme. das Unternehmen meldete ebenfalls eine Umsatzverdopplung bei einer Gewinnmarge von 50%. SuperMicro vermeldete eine Gewinnmarge von 17,5% und hob die Jahresprognose an. All diese Aktien sprangen nach den Zahlen kräftig an. Es zeigt sich, dass diejenigen Unternehmen, die einen Flaschenhals beim KI-Ausbau bedienen, ihre Preissetzungsmacht nutzen können und dadurch überraschend gute Zahlen lieferten.
Auf der anderen Seite stehen Cisco und Cerebras, ebenfalls zwei Anbieter von KI-Komponenten. Doch Ciscos Netzwerkkomponenten sind zwar gefragt, aber nicht konkurrenzlos. Trotz 18% Umsatzplus bleibt die Gewinnentwicklung hinter den Erwartungen zurück. Auch der Ausblick enttäuschte, die Aktie brach um 4% ein. Cerebras, Anbieter von optimierten KI-GPUs, konnte den Umsatz vervierfachen. Dennoch brach die Aktie um 16% ein, da sich das Unternehmen im Preiswettbewerb gegen Nvidia, Alphabet, Amazon und Broadcom sieht.
Also ja, die KI-Rallye ist noch lange nicht zu Ende. Aber inzwischen selektieren Anleger genauer, welche Aktien sie ins Depot holen, und welche Unternehmen vielleicht einem steigenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt sind. CoreWeave lieferte zumindest für die Nutzungsdauer der KI-Infrastruktur nochmals wertvolle Argumente, so dass diese Woche zusätzlich noch jede Menge anderer KI-Aktien anstiegen und den Nasdaq auf ein neues Allzeithoch führten.
Gestern erreichte mich eine Erklärung dafür, warum der Ölpreis trotz des verheerenden Kriegsverlaufs im Iran nicht schon längst höher steht. Die kurze Antwort: Weil mehr Öl gefördert wird als verarbeitet werden kann.Weltweit stehen rund 103,8 Mio. Fässer Raffineriekapazität pro Tag einer Förderung von gut 100 Mio. Fässern gegenüber. China 18,8 Mio. Fässer/Tag, USA 18,2 Mio., Russland 6,7 Mio., Indien 4,9 Mio. und Südkorea mit 3,6 Mio. Fässer/Tag. Nur gut ein Zehntel wird je in Europa und im Nahen Osten verarbeitet. Das Kapazitätswachstum der letzten zwei Jahrzehnte fand fast ausschließlich in China, Indien und dem Nahen Osten statt, während Europa und Japan abbauen.
Schauen wir mal auf die Weltregionen, in denen derzeit Krieg herrscht: Der Nahe Osten kommt auf rund 11 Mio. Fässer/Tag, also etwa 11% der Weltkapazität. Größter Raffineur der Region ist Saudi-Arabien (3,2%), gefolgt von Iran (2,4%) und Irak. Russland hält mit 6,7 Mio. Barrel/Tag etwa 6,5% der Weltkapazität.
In Russland hat die ukrainische Drohnenkampagne der vergangenen Monate massiv gewirkt. Alle 11 größten russischen Raffinerien wurden inzwischen getroffen. Der ukrainische Generalstab beziffert die lahmgelegte Kapazität auf knapp 43%, die konservativere IEA spricht von "mehr als 20%", wir können also davon ausgehen, dass in Russland zwischen 1,4 und 2,9 Mio. Barrel/Tag weniger Öl raffiniert werden kann - sagen wir etwa ein Drittel der ursprünglichen Kapazitäten sind betroffen, Benzinrationierungen im eigenen Land sind derzeit bereits die Folge.
Der Irankrieg weitet sich auf die Golfregion aus. Irans eigene Raffineriekapazität wurde um rund 70% reduziert, also etwa 1,8 Mio. Fässer/Tag. Durch iranische Vergeltungsschläge waren zwischenzeitlich laut IEA mehr als 3 Mio. Fässer/Tag Golf-Raffineriekapazität außer Betrieb. Ein Großteil der Golf-Kapazität lief nach dem (vermeintlichen) Friedensschluss im Juni wieder an, Irans Schäden sind struktureller.
Unterm Strich haben beide Kriege in der Spitze also grob 5-7% der weltweiten Raffineriekapazität aus dem Markt genommen. Das erklärt, warum Diesel- und Benzinmargen deutlich stärker reagieren als der Rohölpreis selbst.
Der Ölpreis stieg also durch den Iran-Krieg zwischenzeitlich von 60 auf 120 USD/Fass, notiert heute aber bei nur 80-85 USD/Fass. Der Grund: Nicht die Straße von Hormus ist der Flaschenhals, sondern die Raffinierkapazitäten. Gas kann im Gegensatz dazu direkt und ohne Raffinerien verwertet werden. Der Gaspreis in den USA, die ihr eigenes Gas haben, notierte vor dem Irankrieg bei 30 USD. In Europa kletterte der Gaspreis von 27 auf aktuell 60 USD.
Wenn Sie sich jetzt noch wundern, warum Donald Trump nur halbherzig gegen die russische Schattenflotte vorgeht, dann sollten Sie die obigen Absätze bitte ein zweites Mal lesen. Raffinerien sind der Engpass und wenn die Ukraine russische Raffinerien angreift, klettert der Preis für verarbeitete (raffinierte) Ölprodukte wie Diesel und Benzin. Wenngleich also viele beim Betrachten der Ölpreisentwicklung Entwarnung für die Inflationsentwicklung geben, so sehen diese Marktbeobachter offensichtlich nicht den inflationären Effekt, der sich tatsächlich durch den Benzin- und Dieselpreis ergibt.
Oder andersherum ausgedrückt: Plötzlich hat die Ukraine ein Druckmittel gegen Donald Trump, denn der möchte gar nicht, dass die russischen Raffinerien ausgeschaltet werden. Um die Ukraine davon abzubringen, wird Trump die Ukraine vielleicht doch wieder stärker unterstützen müssen.
Im Iran-Krieg wurden bereits 200 Patriot Abfangraketen eingesetzt (2025 waren es insgesamt 150). Etwa die Hälfte der Patriot-Bestände ist aufgebraucht, bei anderen Raketensystemen rund ein Drittel. Damit kann Donald Trump nicht mehr aus dem Vollen schöpfen. Gleichzeitig stehen die USA vor einem längerfristigen Wiederaufbau ihrer Arsenale, der langfristige Nachfrage für die Rüstungsindustrie bedeutet. Wenn wir unsere vor einer Woche vorgestellte Alzchem vor diesem Blickwinkel betrachten, dürfen wir im Geschäftsbereich Schießpulver mit einer positiven Überraschung rechnen.
Schauen wir uns mal an, wie sich die wichtigsten Indizes im Wochenvergleich entwickelten:
Wochenperformance der wichtigsten Indizes
| INDIZES | 14.8., 16:15 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ |
| DAX | 26.456 | 0,5% | 8,0% |
| S&P 500 | 7.807 | 0,8% | 14,0% |
| Nikkei | 68.714 | 4,7% | 36,5% |
| Shanghai A | 4.666 | -0,6% | 0,8% |
| US-Dollar/EUR | 1,16 | 0,2% | -1,4% |
| Euro/Yen | 184,12 | 1,1% | 0,3% |
| 10-Jahres-US-Anleihe | 4,66% | 0,00 | 0,49 |
| Umlaufrendite Dt | 3,12% | 0,01 | 0,34 |
| Feinunze Gold | $4.390 | 1,2% | 1,6% |
| Fass Brent Öl | $87,30 | 4,4% | 43,5% |
| Kupfer | $14.149 | 0,3% | 13,9% |
| Baltic Dry Shipping | $2.844 | -7,0% | 51,5% |
| Bitcoin | $62.573 | -3,4% | -28,7% |
3. Sentiment: Starke Selbstzufriedenheit der Anleger mischt sich mit Zukunftsskepsis
Die KI-Rallye zieht diese Woche Siemens Energy (+5%) und SAP (+3%) mit, das Auffüllen der Raketenbestände führt bei Rheinmetall (+5%) und MTU (+3%) zu Kurssprüngen. Unterm Strich legt der DAX diese Woche um weitere 0,7% zu und notiert zur Stunde (Freitagnachmittag) nur wenige Punkte von einem neuen Allzeithoch entfernt.Die Geschwindigkeit der Börsenrallye lässt nach drei fulminanten Wochen nun ein wenig nach, der DAX klettert diese Woche nur noch um weitere 0,7% nach oben.
So kühlt sich die Partylaune, die wir noch vor einer Woche bei unseren Umfrageteilnehmern feststellten, ein wenig ab. Unser Anlegersentiment geht diese Woche von 4,2 auf 3,3 zurück. Die Selbstzufriedenheit hingegen nimmt von 1,8 auf 2,1 leicht zu. Gerade die Selbstzufriedenheit (complacency) sollte uns nachdenklich stimmen, denn im Siegesrausch, wenngleich er berechtigt sein mag, nimmt man viele Kritikpunkte nicht mehr wahr.
Die Zukunftserwartung bricht auf -0,3 ein, die Skeptiker dominieren also schon wieder das Börsenparkett. Die Party ist vorbei, nun sollte man sich auf eine Konsolidierung vorbereiten, wenn man den Bären glaubt.
Dennoch bleibt die Investitionsbereitschaft mit einem Wert von 1,1 im neutralen Bereich.
Das Euwax-Sentiment der Privatanleger klettert diese Woche auf einen Wert von 41, und damit auf das höchste Niveau seit Anfang Mai. In den vergangenen Tagen wurde offensichtlich stark auf weiter steigende Kurse spekuliert, Absicherungen gibt es kaum mehr.
Das Put/Call-Verhältnis für den DAX steht mit 1,77 im neutralen Bereich. Institutionelle Anleger in Deutschland warten nach dem Rekordlauf also erst einmal ab.
An der CBOE messen wir ein Put/Call-Verhältnis von 0,61, was für dortige Verhältnisse vielleicht ein wenig bullisch ist. Während die Profis hierzulande also abwarten, spekulieren die Privatanleger sowohl bei uns als auch in den USA auf steigende Kurse.
Die Bulle/Bär-Differenz zeigt diese Woche -3%punkte an, 35% Bullen stehen 38% Bären gegenüber. Das würde ich als vergleichsweise ausgeglichen bezeichnen.
Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 67% moderate Gier an, mahnt also ebenfalls zur Vorsicht.
Interpretation
Die ausführliche Interpretation der aktuellen Anlegerstimmung – basierend auf den hochwertigen Sentimentdaten unserer animusX Umfrage – bleibt den zahlenden Mitgliedern des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die hohe Qualität unserer Analysen solide finanzieren möchten. Mit den Einnahmen entwickeln wir die Sentimentanalyse kontinuierlich weiter – für noch fundiertere Einschätzungen, die helfen, Anlageentscheidungen zu optimieren und die Portfolio-Performance weiter zu verbessern.
So erhalten Sie die Sentiment-Ergebnisse weiterhin kostenlos
Unser Give & Take-Prinzip: Wenn Sie an der wöchentlichen und nur 2 Minuten dauernden animusX-Umfrage (Do-Sa) teilnehmen, erhalten Sie die Sentiment-Ergebnisse inklusive der Interpretation weiterhin kostenfrei. Die animusX Sentiment-Ergebnisse werden zusätzlich noch mit umfangreichen Charts an alle Teilnehmer verschickt, damit Sie auch eigene Schlussfolgerungen daraus ableiten können.
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4. Ausblick: Anthropic geht an die Börse
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5. Update beobachteter Werte
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6. Leserfragen
Ausstieg verpasst bei Puma und Aerovironment
Hallo Herr Heibel,
2 kurze Fragen:
Puma: ich bin damals nicht raus und nach einiger Zeit fing die Aktie an zu steigen. Ist das der turn around oder soll ich besser jetzt verkaufen?
AEROVIRONMENT : vor längerer Zeit haben Sie das Gechäftsmodell des Unternehmens besprochen – Dronen-Abwehr. Irgendwann hob die Aktie ab, legte aber alsbald eine Bauchlandung hin. Was ist passiert? Überholtes technisches Konzept oder zu viele Mitbewerber? Soll ich aus dem Wert raus?
Mit freundlichen Grüßen
Edgar aus Neunkirchen a. Sand
ANTWORT
@Puma: Die Aktie hat einen erfolgreichen Turnaround bereits vorweg genommen und konnte sich vom Tief bei 15 Euro auf inzwischen 26 Euro erholen. Operativ ist davon jedoch noch nichts zu sehen: Puma freut sich über einen nicht mehr so starken Umsatzrückgang. Analysten senken weiterhin regelmäßig ihre Gewinnerwartung. Das EV/EBITDA von 21 ist angesichts der schwachen Bilanz (Gewinnmarge netto -8%) für meinen Geschmack noch immer zu hoch. Freuen Sie sich über den Kursanstieg der vergangenen Monate und suchen Sie sich eine bessere Aktie :-)
@Aerovironment: Da sind wohl die Erwartungen zu stark angestiegen. Von den jüngsten 8 Quartalsergebnisse konnte die Hälfte die Erwartungen der Analysten nicht erfüllen. Die Gewinnerwartung wird seitens der Analysten immer wieder gesenkt. Das spricht dafür, dass das Unternehmen zu hohe Erwartungen in die ferne Zukunft geschürt hat.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr wies Aerovironment einen Verlust aus. Der Verlust ist die Folge der großen Übernahme (BlueHalo, 4 Mrd. USD Deal) - Firmenwerte werden abgeschrieben, wenn sich Erwartungen nachträglich nicht erfüllen, und die Übernahme-Amortisation wird die Zahlen noch Jahre belasten. Unser Verkauf im Dezember 2024 mit 8% Verlust genau wegen unserer Zweifel an der BlueHalo-Integration hat sich damit im Rückblick als richtig erwiesen. Zusätzlich belasteten dann noch Bilanzierungsprobleme den Kurs, da Anleger stets sehr verschnupft auf solche Probleme reagieren. Diese sind inzwischen jedoch ausgestanden und stellten sich als einmaliger Fehler heraus.
30% Umsatzwachstum wird mit einem EV/EBITDA von 29 bewertet. Das halte ich inzwischen für fair. Dennoch hängt das Unternehmen an der Verteidigungsindustrie und derzeit werden alle Unternehmen dieser Branche im Wert nach unten korrigiert. Ich traue mir keine Aussage darüber zu, wo der Kurs seinen Boden finden könnte. Daher würde ich mich nach anderen Aktien umschauen.
Vorgehensweise bei Verkleinerung des Portfolios
Guten Morgen Herr Heibel,
Ich habe in meinem Portfolio 33 Aktien und 5 Themen ETF s,. Durchschnittlich jede Position mit 500 Euro. Ich würde jetzt, nachdem ich Ihre letzte mail gelesen habe, auf ca. 20 Positionen reduzierten, vorher alle bei investing .com einem Qualitätscheck unterziehen und dann spätestens beim Break Even verkaufen.
Gute Idee ?
Ich weiß nicht ob Sie auch mal über das Portfolio drüber schauen würden, ich erwarte auch nicht eine detaillierte Auskunft, vielleicht aber einen Hinweis was ich unbedingt verkaufen sollt, ich weiß, alles ohne Gewähr, niemand hat die Glaskugel.
Danke
Freundliche Grüße
Dieter aus Hüven
ANTWORT
33 Einzelaktien plus 5 ETFs sind zu viele Positionen, um sie ernsthaft zu beobachten. Meine Faustregel lautet 8-15 Einzelaktien für ein privates Portfolio, mehr kann niemand seriös verfolgen. Ich gehe im Heibel-Ticker in Richtung 20, weil ich mich rund um die Uhr mit dem Thema beschäftige.
Break-Even-Regel: „Spätestens beim Break Even verkaufen" ist einer der teuersten psychologischen Fehler, die Anleger machen. Sie behalten damit die Verlierer besonders lange (weil Sie auf Break Even warten) und verkaufen die Gewinner tendenziell nicht. Das ist genau das Gegenteil dessen, was Sie tun sollten. Ich gebe daher unsere Kaufkurse bewusst nicht in der Übersichtstabelle an, denn sie sind nichts weiter als störende psychologische Hürden.
Der Kaufkurs ist eine versunkene Größe, die die Zukunft der Aktie nicht beeinflusst. Die einzige Frage lautet: Würde ich die Aktie heute neu kaufen? Wenn nein, verkaufen - egal, ob mit Gewinn oder Verlust. Bei Ihren Positionen à 500 EUR sind die absoluten Beträge zudem so klein, dass Sie sich nicht wegen jedes Prozentpunkts verrückt machen sollten.
Investing.com-Qualitätscheck: Die dortigen Kennzahlen sind ein sinnvoller erster Filter, aber sie ersetzen keine Beurteilung des Geschäftsmodells. Eine Aktie mit „schlechten" Kennzahlen kann inmitten einer erfolgreichen Restrukturierung stecken, eine mit „guten" Kennzahlen kann strukturell auf verlorenem Posten stehen (wie viele Zykliker auf dem Zyklushöhepunkt). Nehmen Sie die Kennzahlen also als Diskussionsgrundlage, nicht als Verdikt.
Portfoliocheck: Nein, tut mir leid, das kann ich derzeit leider nicht anbieten. Ich arbeite daran, so etwas in der Zukunft mit Hilfe der KI automatisiert anzubieten, aber das wird noch eine Weile dauern. Wenn ich mich durch 33 Positionen kämpfen muss, dann müsste ich je Position viel mehr berechnen, als Sie an Vorteil daraus ziehen könnten. Daher ist mein Heibel-Ticker als „Massenware“ für alle angelegt. Ich bemühe mich, Themen tiefgehend auszuarbeiten, die dann möglichst viele interessieren. Ich hoffe, Sie haben dafür Verständnis.
Heidelberger Druckmaschinen kämpft gegen den Untergang
Hallo Herr Heibel,
schon seit Jahren lese ich Ihren Ticker mit großem Erkenntnisgewinn, zeitweise als nicht zahlendes Mitglied, seit etlichen Monaten jedoch,
wie auch schon in früherer Zeit, wieder als Abonnent. Bei meiner wiederkehrenden Suche nach Turnaround-Kandidaten bin ich auf Heidelberger Druck
gestoßen: vor 30 Jahren noch ein scheinbar unangreifbarer Blue Chip, und dann hat keiner mehr hochwertige Druckmaschinen haben wollen, infolge
Digitalisierung bzw. grundlegender Veränderung der Art und Weise unserer Kommunikation. Beispielsweise hat das Unternehmen versucht, mit der
Produktion von Wallboxen für Elektroautos wieder in die Gänge zu kommen. Jetzt gibt es Kooperationen zum Aufbau des Defense-Geschäfts mit Drohnen-
Abwehrsystemen, und jüngst hat man Teile der insolventen Manroland Sheetfed Gruppe erworben. Daneben wurde mit der PHENOGY AG, Luzern, eine
umfassende Industriepartnerschaft zur Übernahme der Fertigung kompletter Energiespeichersysteme begründet.
Aus meiner Sicht ist das industrielle und technologische KnowHow im Konzern nach wie vor stark, so dass früher oder später ein echter Turnaround
kommen müsste. Wäre das auch für Sie eine Anlageidee mit langfristiger Perspektive?
Beste Grüße, Werner aus Lautertal
ANTWORT
Ihre Analyse ist zutreffend, mein Fazit fällt trotzdem skeptisch aus. Heidelberger Druck ist ein Lehrbuchbeispiel für eine Value-Falle: Das Kerngeschäft schrumpft strukturell (Auftragseingang zuletzt -8% auf 2,25 Mrd. EUR), die Dividende wurde gestrichen, für 2026/27 wird erneut ein Nettoverlust erwartet, 450-550 Stellen fallen weg und die Fertigung des Flaggschiffs Speedmaster CX 104 wandert komplett nach China. Der Aktienkurs bei 1,40 EUR spiegelt genau das wider: 32% Verlust seit Jahresbeginn, 44% unter dem 52-Wochen-Hoch, Marktkapitalisierung nur noch 435 Mio. EUR.
Die neuen Standbeine sind interessant, aber weit von Ertragswirkung entfernt. Beim Drohnenabwehr-Joint-Venture ONBERG hält Heidelberg nur 49%, Partner ist Ondas Autonomous Systems. Erste Umsatzbeiträge werden für Frühjahr 2027 erwartet, ob und wann daraus ein margenträchtiges Geschäft wird, kann heute niemand seriös prognostizieren. Die Manroland-Übernahme bringt zwar 3.000 zusätzliche Kunden ins margenstarke Service- und Ersatzteilgeschäft - das ist der überzeugendste Teil der Strategie, denn Ersatzteile benötigt der Kunde auch bei schrumpfendem Neugeschäft. Aber die Manroland-Insolvenz zeigt gleichzeitig, wie stark rückläufig die Gesamtbranche ist. Die PHENOGY-Kooperation für Energiespeicher ist bislang zu vage, um eingepreist zu werden.
Immerhin haben Banken den Konsortialkredit über 436 Mio. EUR vorzeitig bis 2030 verlängert - ein echtes Vertrauenssignal, denn ohne dieses wäre die Aktie längst ein Sanierungsfall. Mag sein, dass eine der Initiativen Früchte trägt. Doch wenn Sie das industrielle Knowhow als Vorteil anführen, führe ich es als Belastung an, das beim konsequenten Verfolgen neuer Ideen meist bremst.
Oder, um es ganz einfach zu machen: Kein CEO möchte seinen Aktienkurs unter 5 Euro sehen, denn man wird dann von Anlegern als Penny-Stock wahrgenommen. Eine Aktie, die dennoch so tief notiert, hat meist einen guten Grund dafür.
Neueinstieg ins Heibel-Ticker Portfolio
Hallo Hr.Heibel, ich lese Ihre Beiträge schon seid vielen Jahren.
Sollte ich mich entscheiden Ihre Investitionen ineinander Portfolio zu nehmen, wie sollte
ich beginnen.
Die Einstiegswerte sind ja heute andere, als Sie begonnen haben.
Vielen Dank!
Michael aus Wien
ANTWORT
eine sehr gute grundsätzliche Frage, die ich häufig bekomme. Die Kurzantwort: Nicht alles auf einmal, sondern gestaffelt und mit klarer Cluster-Logik. Da Sie „schon seit vielen Jahren“ Mitglied sind gehe ich davon aus, dass Sie mittleren Alters mit einem gewissen Grundvermögen sind. (Für Sie würde ich daher wie folgt vorgehen, junge Studenten hingegen kaufen einfach den unter „Absicherung“ vorgeschlagenen ETF für 5-10T€ und spekulieren mit dem Rest :-):
Sie finden bei jeder Position im Portfolio-Update meine aktuelle Einstufung. „A" bedeutet Kaufen und ist die Grundlage für Neueinsteiger. „B" bedeutet Halten - solche Positionen sollten Sie beobachten, aber nur bei einem deutlichen Rücksetzer nachkaufen, weil der Kurs bereits nahe meiner Zielzone ist. „C" bedeutet, dass ich in eine Kursstärke hinein verkaufen möchte - solche Positionen sollten Sie überhaupt nicht neu aufnehmen. Wer heute einsteigen will, konzentriert sich also auf die A-Positionen und ergänzt später mit B-Positionen, wenn diese eine Kaufgelegenheit bieten.
Die zweite wichtige Regel ist die Cluster-Struktur. Das Portfolio ist in vier Bereiche gegliedert, die zusammen etwa 90-95% des Kapitals binden, während 5-10% als Cash-Reserve für Sonderopportunitäten liegen bleiben. Die Absicherungs-Positionen (Ziel ~20% des Portfolios) - hier bin ich mit Gold, defensiven Werten und ähnlichem für Krisenszenarien positioniert. Diese Positionen sollten Sie zuerst aufbauen, weil sie am wenigsten zyklisch sind. Anschließend folgt der Dividenden-Bereich (Ziel ~30%) mit soliden Dividendenunternehmen. Als drittes der Disruptiv-Bereich (Ziel ~30%) mit Wachstumswerten wie Nvidia. Zuletzt die Spekulations-Positionen (Ziel ~20%), die die höchste Volatilität haben. Dort sollten Sie auf neue Ideen warten, die regelmäßig von mir vorgeschlagen werden.
Praktisch würde ich das über drei bis sechs Monate strecken. Beginnen Sie mit den A-eingestuften Positionen aus dem Absicherungs- und Dividenden-Cluster in voller Zielgröße, weil diese meist wenig schwanken. Bei den Disruptiven würde ich pro Position mit einer halben Zielposition starten und die andere Hälfte bei einem Rücksetzer nachlegen. Bei den Spekulationen ähnlich, aber in kleineren Tranchen. Wenn der Gesamtmarkt gerade heiß gelaufen ist, warten Sie eher auf eine 5-10%-Korrektur, bevor Sie die Wachstums- und Spekulations-Positionen aufbauen.
Zu Ihrem Hinweis, dass „die Einstiegswerte heute andere sind": Das ist völlig richtig, aber weniger schlimm, als es scheint. Meine Kauf- und Verkaufsempfehlungen im Update beziehen sich immer auf den aktuellen Kurs, nicht auf meinen historischen Einstand. Wenn ich eine Position auf „A" lasse, halte ich sie auch zum heutigen Kurs für kaufenswert, sonst würde sie auf „B" oder „C" stehen. Der Zug ist also selten abgefahren - er hat nur eine neue Anfahrtsgeschwindigkeit. Wer sich davon irre machen lässt, kauft nie ein: „Die Aktie ist mir schon zu hoch gelaufen" ist eine der teuersten Ausreden an der Börse.
Wenn Sie mit einer konkreten Positionsliste starten wollen, empfehle ich Ihnen, sich das aktuelle Portfolio-Update in der letzten Wochenausgabe herauszuziehen und mit den A-Positionen aus Absicherung und Dividende zu beginnen.
Migration Bitcoin -> KI, GLP-1 Risiko -> Eli Lilly shorten
Lieber Herr Heibel,
eine Frage, eine Anmerkung:
Im Handelsblatt vom 10.08 steht ein Artikel über die Motivation der BTC-Miner, ihre Rechenkapazitäten eher der KI als dem Mining zu Verfügung zu stellen bzw zu verkaufen. Die Frage nach der Stabilität des BTC Systems wird nur erwähnt, treibt mich aber in der Tat etwas um. Ist das für Sie ein relevantes Problem. Das stromintensive Mining vs. stromintensive KI Nutzung.
Ich hatte Ihnen vor langer Zeit mal eine (sehr skeptische) Stellungnahme zu den GLP1-Analoga geschrieben und dummerweise den Anstieg von Lilly und NovoNordisk weitgehend verpasst, dafür aber den Abstieg teilweise mit einer zu späten Investition mitgenommen. Nun passiert das, was ich vor ca zwei Jahren befürchtet habe: die ersten Toten kommen ans Licht, vorwiegend Mounjaro Nutzer, aber auch Wegovy/Ozempic sind betroffen. Der große gesundheitliche Nutzen, wenn man als Landsäugetier nicht das Volumen eines Meeressäugers hat ist unbestritten. Der Weg dahin mit Bauchspeicheldrüsen-manipulierenden Medikamenten möglicherweise doch kritisch zu sehen. Ich habe mich heute von NovoNordisk verabschiedet. Lilly shorten als Spekulation?
Last not least: vielen Dank für Ihre wöchentliche Stellungnahme zu Börsen/Weltpolitik usw. Ich freue mich jedes Mal aufs neue.
VG aus dem Tirol-Urlaub
Markus aus Hürth
ANTWORT
Vielen Dank für das nette Lob :-)
@Bitcoin und Miner-Migration zu KI: Gute Beobachtung, aber die Stabilität des Bitcoin-Systems ist nicht gefährdet. Die Hashrate (Messgröße für die weltweite Rechenleistung, die nach Bitcoin-Blocks sucht) ist von ihrem Ende-2025-Höchststand von 1,2 Zettahash/s inzwischen um 10% zurückgegangen. Entsprechend wurde die Mining-Difficulty (Schwierigkeit für die Suche neuer Blöcke) gesenkt, sie ist im Jahresvergleich sogar negativ - erst zum zweiten Mal in der Bitcoin-Geschichte.
Trotz der rückläufigen Difficulty kostet die Suche nach einem neuen Block durchschnittlich mehr, als man dafür als Belohnung bekommt. Viele Miner verkaufen also ihre Bitcoins, um die Kosten zumindest teilweise zu decken. Miner haben allein im Q1 2026 mehr Bitcoins (32.000 BTC) als in ganz 2025 verkauft.
KI-Rechenleistung pro Megawatt generiert derzeit etwa 20x mehr Umsatz als das Schürfen von Bitcoins. So lese ich derzeit fast täglich von Bitcoin-Minern (Cipher Mining, Hut 8, Core Scientific), die ihre Rechenleistung KI-Projekten zur Verfügung stellen. Es ist also eine ökonomische Entscheidung und in meinen Augen keine Entscheidung, die den Bitcoin grundsätzlich infrage stellt. Und für ökonomische Entwicklungen gibt es flexible Anpassungsmechanismen in der Bitcoin-Welt, wie bspw. die regelmäßige Anpassung der Difficulty.
Für die Netzwerksicherheit ist das also kein systemisches Problem. Weniger Hashrate (weltweite Bitcoin-Mining-Rechenleistung) bedeutet leichteres Mining und damit häufigerer Erfolg für die Übriggebliebenen, das Gleichgewicht stellt sich neu ein.
Für die Bitcoin-Preisdynamik ist der Wechsel der Miner zu KI-Rechenzentren kurzfristig belastend, weil die Miner als Verkäufer auftreten, um die KI-Umstellung zu finanzieren. Solange der Bitcoin-Preis nicht deutlich über 80.000 USD zurückkehrt, wird der Verkaufsdruck aus dieser Ecke anhalten. Ich bleibe bei meiner Erwartung, dass ab Oktober neue Kauflaune aus anderen Bereichen für den Bitcoin diese Belastung aufheben wird.
@Novo Nordisk und Lilly: Der Novo-Verkauf ist nachvollziehbar, das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren zu viele Fehler gemacht und strapaziert unsere Geduld. Aber Lilly zu shorten wäre in meinen Augen zu viel Pessimismus für diese Story.
Die 162 in der FDA gelisteten Todesfälle über einen Zeitraum von 6 Jahren sind bei rund 20 Millionen Anwendern statistisch niedrig, und eine Kausalität ist bislang noch nicht belegt, sondern lediglich eine zeitliche Koinzidenz. Von den über 3.800 anhängigen Klagen im GLP-1-Bereich geht es überwiegend um Gastroparese und Bowel Obstruction (Verstopfung), nicht um Todesfälle. Das ist zweifellos ernst und wird zu strengeren Warnhinweisen führen, aber Big Pharma hat historisch mit solchen Klagen wenig existenzielle Probleme.
Lilly ist bei den GLP-1-Wirkstoffen der Gewinner der letzten zwei Jahre, gerade weil das Management strukturell besser aufgestellt ist als Novo. Zepbound zeigt stärkere Gewichtsreduktion als Wegovy, die Pipeline mit Retatrutide und der Abnehmpille Orforglipron ist der Konkurrenz voraus. Wenn Sie den Sektor shorten wollen, dann lieber den schwächsten Anbieter.
Die Bewertung sowohl von Lilly als auch von Novo, ist günstig: Lilly notiert auf einem EV/EBITDA von 28 bei erwarteten 45% Gewinnwachstum im laufenden Jahr und weiteren 28% für 2027. Auch das Umsatzwachstum von erwarteten 31% bzw. 16% untermauert die günstige Bewertung, denn ich bin bei Marktführern mit ordentlichem Wachstum bereit, bis zum Zweifachen des Gewinnwachstums beim EV/EBITDAzu bezahlen. Novo notiert bei einem EV/EBITDA von nur noch 12, verzeichnet jedoch aktuell kein nennenswertes Wachstum. Auch das ist in meinen Augen ein faires Bewertungsniveau.
Wenn Sie an der Skepsis gegenüber GLP-1 wirklich verdienen wollen, wäre der schlauere Weg ein Kauf von klassischen Adipositas-Chirurgie-Anbietern (bspw. Intuitive Surgical, Magenverkleinerungen) oder Fitnesswerten (Adidas), die im Falle einer echten GLP-1-Rückschlagsdiskussion Nutznießer wären.
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Urlaub.
Tonies' ambitionierte Pläne und Bewertung
Hallo Herr Heibel,
wir beide hatten uns zur Aktie 'Tonies' bereits einmal ausgetauscht ... ich habe mit großem Interesse deren Unternehmens-Präsentation zum Capital Market Day aus dem Juni 2026 durchgeschaut ...
... meine KI hat das für Sie wie folgt zusammengefasst:
Tonies Capital Markets Day 2026 – die 6 wichtigsten Punkte
Sehr ambitioniertes Wachstumsziel bis 2030
tonies will den Umsatz von zuletzt rund 630 Mio. € auf mehr als 1,4 Mrd. € bis 2030 steigern – also mehr als verdoppeln.
Gleichzeitig soll die bereinigte EBITDA-Marge auf 16–18 % steigen. Das wäre eine erhebliche Verbesserung gegenüber den aktuell rund 9 %.
Der wichtigste Wachstumstreiber ist Internationalisierung
Besonders interessant: In DACH erreicht tonies nach eigener Darstellung bereits rund 58 % der Zielhaushalte, in den USA dagegen erst etwa 12 %.
Die USA sind deshalb der mit Abstand wichtigste kurzfristige Wachstumsmarkt.
2027 sollen mindestens zwei weitere Länder/ Märkte hinzukommen; bis 2030 will tonies in allen wichtigen Weltregionen vertreten sein.
Insgesamt sieht tonies weltweit mehr als 570 Mio. adressierbare Haushalte.
Aus dem Produkt soll ein Ökosystem werden
Das ist für mich eine der interessanteren Aussagen des CMD: tonies möchte sich nicht mehr nur als Hersteller der Toniebox verstehen, sondern als globale Audio-Plattform für Kinder.
Die Logik:
Toniebox → installierte Nutzerbasis → Tonies/Inhalte → wiederkehrende Umsätze → neue Geräte → noch größere Nutzerbasis.
Der entscheidende Punkt für Anleger ist dabei, dass die Figuren bzw. Inhalte eine höhere Marge haben als die Hardware. Mit wachsender installierter Basis soll sich deshalb der Umsatzmix zugunsten des profitableren „Attach Revenue“ verschieben.
Toniebox 2 und neue Geräte sollen die Plattform erweitern
tonies will künftig ein Multi-Device-Ökosystem aufbauen. Das Unternehmen erwartet also nicht nur Wachstum durch mehr Boxen und mehr Figuren, sondern auch durch weitere Gerätegenerationen und neue Produktkategorien.
Das ist strategisch wichtig: tonies versucht, aus einem erfolgreichen Einzelprodukt eine Marke bzw. Plattform zu machen.
AI wird als Wachstumshilfe eingesetzt
Bemerkenswert ist, wie stark tonies AI in die zukünftige Skalierung einbezieht:
schnellere Lokalisierung von Inhalten
kürzere Entwicklungszyklen
mehr Content ohne proportional steigende Kosten
Das passt zur Internationalisierungsstrategie: Wenn Inhalte für viele Länder schneller und günstiger angepasst werden können, verbessert das theoretisch die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells.
Der eigentliche Investment-Case lautet: Wachstum + Margenhebel
Genau hier wird die Präsentation für mich als Aktionär interessant. tonies behauptet nicht nur:
„Wir wachsen stark.“
Sondern eigentlich:
„Wir können gleichzeitig wachsen und deutlich profitabler werden.“
Das Unternehmen erwartet, dass mit zunehmender Größe die Kosten für Beschaffung, Logistik und Verwaltung relativ zum Umsatz sinken. Zusammen mit dem höheren Anteil margenstarker Inhalte soll daraus der Sprung auf 16–18 % EBITDA-Marge entstehen.
Dazu muss man sich natürlich fragen:
1. Wie realistisch sind die 1,4 Mrd. € Umsatz?
2. Wie realistisch sind 16–18 % EBITDA-Marge?
3. Was bedeutet das für den heutigen fairen Aktienwert bzw. das Kursziel?
Ich finde den generellen Case (Produkt, Strategie und Vertriebsarbeit) wirklich gut und bin gespannt auf die neuen Zahlen am 20. August.
Was meinen Sie ?
Viele Grüße
Stephan aus Hamburg (nein, nicht ihr Autor selbst ;-)
ANTWORT
Danke für die schöne strukturierte Aufbereitung - Ihre KI hat die zentralen Punkte des CMD sehr gut herausgeschält. Ich beantworte Ihre drei Fragen der Reihe nach.
Zu 1.: 1,4 Mrd. EUR Umsatz bis 2030: Das ist machbar, wenn auch ambitioniert. Von 630 Mio. EUR in 2025 auf 1,4 Mrd. EUR entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von rund 17%. Aktuell wächst Tonies mit über 20%, für 2026 hat das Management mehr als 760 Mio. EUR (+20%) angekündigt. Der entscheidende Hebel sind die USA mit einer Haushaltsdurchdringung von aktuell erst 12% - im DACH-Raum sind es bereits 58%. Nordamerika legte 2025 um 40% zu, und die Toniebox 2 ist dort ein Verkaufsschlager. Wenn die US-Expansion in den kommenden Jahren nicht ins Stocken gerät und ab 2027 tatsächlich zwei weitere Länder hinzukommen, ist der Umsatzpfad realistisch. Das Risiko liegt weniger im Produkt als in der Frage, ob Tonies bei Konjunkturschwäche bestehen kann. Kinderprodukte sind zwar relativ konjunkturunempfindlich, aber ein 80-EUR-Spielzeug bleibt Luxus, den man sich im Zweifel auch sparen kann.
Zu 2.: 16-18% Gewinnmarge (EBITDA): Hier bin ich skeptischer. Mattel und Hasbro erreichen in guten Jahren 15-17% Gewinnmarge. Das sind aber etablierte Konzerne mit treuen Kunden aus jahrzehntelanger Gewöhnung. Tonies müsste in fünf Jahren einen Weg zurücklegen, für den die Klassiker Jahrzehnte gebraucht haben. Dafür spricht hingegen ein wachsender Anteil des margenstärkeren Content-Umsatzes (Figuren statt Boxen), Skaleneffekte in Logistik und Beschaffung, KI-getriebene Anpassung der Inhalte an lokale Gegebenheiten. Allerdings bleibt Hardware Hardware, und je stärker Tonies in neue Länder expandiert, desto höher werden zwischenzeitlich die Markterschließungskosten. Im Studium habe ich gelernt, dass jedes Geschäft, das mit mehr als 15% Gewinnmarge operiert, Neider erzeugt, die für Wettbewerbsdruck, und damit sinkende Margen sorgen. Ich würde daher nur mit 12-14% Gewinnmarge rechnen.
Zu 3.: Fairer Aktienwert: Bei 1,3 Mrd. EUR Umsatz in 2030 (leicht unter Ziel) und 14% EBITDA-Marge ergeben sich 182 Mio. EUR Gewinn (EBITDA). Bei einem EV/EBITDA von 15, wie es in dieser Branche üblich ist, komme ich auf einen Enterprise Value von rund 2,7 Mrd. EUR in 2030. Diskontiert mit 10% p.a. auf heute sind das rund 1,7 Mrd. EUR. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei 1,6 Mrd. EUR - also praktisch fair bewertet.
Im optimistischen Fall (1,4 Mrd. EUR Umsatz und 16% EBITDA-Marge) ergibt sich ein diskontierter fairer Wert von rund 2,1 Mrd. EUR, das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 30% gegenüber dem heutigen Kurs.
Der Investment-Case ist gut, das Ökosystem-Argument ist stark und die USA-Chance ist real. Meine früheren Bedenken zu Jan Middelhof sind seit seinem Ausscheiden Ende 2023 obsolet, das Management wirkt heute ausgereift. Wer bereits investiert ist, kann auf die Q2-Zahlen am 20. August warten. Dort wird sich zeigen, ob das Unternehmen für die 2026er-Guidance (>760 Mio. EUR, 9-11% EBITDA-Marge) im ersten Halbjahr auf Kurs ist.
Grundsätzlich gibt es noch weitere Trigger, die zu einer deutlich höheren Bewertung der Aktie führen könnten. So hinkt der Vergleich mit Hasbro und Mattel, denn Tonies selbst vergleicht sich lieber mit Netflix und Spotify. Die Spielzeuge sind die Geräte, um in das Abo-System von Tonies einzutreten. Danach können Inhalte bezogen werden, Hörspiele und ähnliches, deren Herstellung eben nur einmal Geld kostet, und deren Gewinnmarge steigt, je mehr davon verkauft werden.
2025 machte die Toniebox 26% des Umsatzes aus, die Tonie Figuren 71% und digitale Inhalte lediglich 3%. Da ist der Vergleich mit Netflix und Spotify gewagt, denn bei den beiden gibt es kaum ein Hardware-Geschäft und dennoch ist die Bewertung (EV/EBITDA) nicht höher als bei Tonies.
Hmm, alles in allem bleibt Tonies also für mich eine interessante Aktie, aber für unser Heibel-Ticker Portfolio fehlt mir noch immer die Phantasie.
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Quellen:
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Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen
DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag
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