Heibel-Ticker 26/34 - Hohe Energiekosten treiben Inflation, Notenbank in der Defensive, US-Regierung springt ein

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Heibel-Ticker Free Börsenbrief

- Einfach einen Tick besser -

21. Jahrgang - Ausgabe 34 (21.08.2026)




Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:

1.Info-Kicker: Anleger realisieren einen längerfristig hohen Energiepreis
2.So tickt die Börse: Hohe Energiekosten treiben Inflation, Notenbank in der Defensive, US-Regierung springt ein
 - Wochenperformance der wichtigsten Indizes
3.Sentiment: Anleger stellen sich auf Konsolidierung zum Sommerende ein
 - Interpretation
4.Ausblick: Portfoliobesprechung
5.Update beobachteter Werte
 Ordentliches Quartal, CEO erkrankt
 Falsche Sortiment drückt Umsatz, hohe Transportkosten (Spritpreis) belastet Gewinnmarge, Aktie gibt ab
6.Leserfragen
7.Übersicht HT-Portfolio
8.Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
9.Mitgliedschaft verwalten



1. Info-Kicker: Anleger realisieren einen längerfristig hohen Energiepreis



Liebe Börsenfreunde,

Der Ölpreis steigt weiter an, doch nur langsam im Vergleich zum Gaspreis. Die US-Notenbank realisiert die unmittelbare Inflationsgefahr und erhält Hilfe durch die US-Regierung. Das sind die Entwicklungen dieser Woche in Kürze. Was dahinter steckt und wie sich die Entwicklungen auf die Finanzmärkte, bspw. einen um 23% angesprungenen Bitcoin-Preis, auswirken, erkläre ich in Kapitel 2.

Die Sentiment-Verfassung in den USA sowie bei uns würde ich als neutral bezeichnen: Anleger warten defensiv positioniert auf die nächsten Entwicklungen und sind sogar für eine Konsolidierung zum Sommerende vorbereitet. Mehr dazu in Kapitel 3.

Der heutige Ausblick (Kapitel 4) bringt unsere Heibel-Ticker Portfoliopositionen in einen Zusammenhang mit den in Kapitel 2 beschriebenen jüngsten Entwicklungen. Ich gehe dort zusätzlich auch auf die Finanzierungsdiskussion ein: SK Hynix und Samsung führen Kapital an Anleger zurück, Nvidia, Intel und OpenAI erhöhen ihre Investitionszusagen. Ich erkläre, wie das zusammenpasst und was dies für die einzelnen Aktienkurse bedeutet.

Diese Woche haben TJX und Home Depot Q-Zahlen vermeldet. In Kapitel 5 lesen Sie die Updates dieser Woche, in denen ich die Ergebnisse kommentierte.

Die Leserfragen in Kapitel 6 drehen sich diese Woche um die folgenden Themen: Ist es nach dem starken Zinsanstieg nun nicht ein guter Zeitpunkt, um Anleihen zu kaufen? Könnte die KI-Rallye von Chips auf Stromerzeuger überspringen? Ich schaue auf Constellation Energy und Vistra. Ist Applovin nach Beendigung der SEC-Untersuchung wieder eine Spekulation wert? Sind die KI-Investitionszusagen iHv3 Bio. USD ein Warnsignal? Meine Einschätzung zu den spekulativen Aktien Natera & Bitdeer sowie zu den Dividendenaktien Nissan Chemical, McDonald´s, Procter & Gamble und Koninklijke Ahold Delhaize.

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

heibel

take share, Ihr Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs




2. So tickt die Börse: Hohe Energiekosten treiben Inflation, Notenbank in der Defensive, US-Regierung springt ein



Von Sommerloch keine Spur: Die Durchfahrt der Straße von Hormus ändert sich täglich. Bezüglich der Zins- und Inflationsentwicklung gibt es gegenläufige Signale seitens der US-Notenbank und der US-Regierung. Diese Entwicklungen führen dazu, dass Anleger die Chip-Aktien meiden und stattdessen Dividendenaktien und Aktien aus bislang noch nicht so gut gelaufenen Branchen suchen. Auch Gold steigt wieder an, der Bitcoin wurde durch einen Short-Squeeze diese Woche um 22% nach oben katapultiert. Schauen wir uns das Ganze im Detail an.

Passierten am vergangenen Wochenende noch 31 Tanker die Straße von Hormus, so waren es nach einem Angriff des Irans auf einen Tanker am Dienstag nur noch 6. Die US-Regierung erklärte, die Straße sei offen, aus dem Iran wurde gemeldet, dass inzwischen die meisten Schiffe mit ausgeschaltetem AIS fahren. Das AIS ist das Transpondersignal, mit dem sich jedes Schiff orten lässt. Somit lässt sich nicht genau sagen, wie viele Schiffe die Straße von Hormus passieren und sowohl der Iran, als auch die USA, füttern mit ihren Erzählungen natürlich die eigene präferierte Version.

Zum Wochenschluss beschlagnahmte der Iran einen libanesischen Tanker. Der Ölpreis stieg diese Woche um 7% auf inzwischen 93,55 USD/Fass Brent (Nordseeöl). Damit nähert sich der Ölpreis nun wieder der 100 USD/Marke, ist aber noch weit entfernt von den 120 USD/Fass, die wir im März sahen. Diese Woche habe ich in der Finanzpresse einen Wechsel der Sichtweise wahrgenommen. Wurde bislang stets über die Dauer der Blockade der Straße von Hormus diskutiert, so scheint sich diese Hoffnung nun zerschlagen zu haben. Es wird offen über die Alternativen gesprochen, die sich seit Kriegsbeginn im Iran gebildet haben: Venezuela, die Ausweitung der US-Förderung, nun wurde eine umstrittene Pipeline aus Kanada genehmigt (und die US-Zölle auf kanadische Produkte ausgesetzt), auch im Nahen Osten etablieren sich alternative Lieferwege, teils durch Pipelines, teils über das Verladen des Öls auf Tankschiffe, die vom Iran in Ruhe gelassen werden.

Die neue Frage ist also, auf welchem Niveau sich der Ölpreis unter Berücksichtigung dieser neuen Weltlage einpendeln wird. Dabei spielt natürlich auch derzeit eine Rolle, dass viele Raffinerien im Nahen Osten sowie in Russland beschädigt wurden und daher gar nicht so viel Öl verarbeitet werden kann, wie lokal teilweise geliefert wird.

Derweil sind die Gasspeicher in Deutschland (und in Europa) nicht so stark gefüllt, wie es der Jahreszeit entsprechen würde. Der Gaspreis notiert bei 66,5 USD/MWh und damit mehr als doppelt so hoch wie zum Jahresbeginn. Sowohl in Europa als auch in den USA steigt damit wieder der inflationäre Druck durch die hohen Energiepreise.

In der US-Notenbank ist man sich des Problems bewusst. Obwohl der neue Fed-Chef Kevin Warsh von Trumps Gnaden angetreten war, um die KI-Revolution mit günstigen Zinsen zu befeuern, muss er nun einen Rückzieher machen. Das Fed-Protokoll seiner ersten Sitzung zeigt, dass im Gremium mehr Stimmen als bislang gedacht tatsächlich über Zinsanhebungen nachdenken. Nicht nur die hohen Energiekosten, sondern auch die Zölle und die hohe Nachfrage aus dem KI-Sektor werden als Ursache für den inflationären Druck genannt.

Wir erinnern uns: Die hohen Energiekosten wurden bislang als "vorübergehend" eingestuft und erfahren in diesen Tagen eine Neubewertung in Richtung eines langfristig höheren Niveaus. Die Zölle sind ein "Einmaleffekt", der aber gerade jetzt durchschlägt. Und die KI-Revolution beschleunigt sich auch in ihrem vierten Jahr weiter, obwohl viele "intellektuelle Skeptiker" seit drei Jahren von einer Überhitzung sprechen.

In diese Situation hinein meldet sich das US-Finanzministerium mit der Ankündigung, vom 9. September bis zum 4. November, rein zufällig genau bis zu den Midterm-Wahlen, die Rückkäufe lang laufender Staatsanleihen von 2 auf 4 Mrd. USD je Transaktion zu verdoppeln. Ich habe diese Meldung inzwischen bestimmt in 20 verschiedenen Finanzpublikationen gelesen. Keine einzige Publikation macht sich Gedanken darüber, wo denn das Geld für die Rückkäufe herkommt. Die Antwort ist einfach: Es werden kurz laufende Anleihen ausgegeben. Denn deren Verzinsung ist niedriger und dadurch wird die Zinslast kurzfristig verkleinert. Schön, oder?

Doch damit einher geht die Verpflichtung, diese kurz laufenden Anleihen nach ihrer kurzen Laufzeit erneut zu refinanzieren. Die US-Regierung macht sich dadurch abhängig von den Zinsen am kurzen Ende. Solange die USA als solvent betrachtet werden, ist das kein Problem. Doch je mehr kurzfristig finanziert wird, desto abhängiger ist die US-Regierung von der Zinsentwicklung, und desto stärker steigt die Skepsis der Anleger bezüglich der Solvenz der USA. Mittelfristig wird also durch diese Aktion die Reputation der US-Staatsschulden untergraben.

Nun wissen Sie also, warum Gold und der Bitcoin als Alternative zum Fiat-Geld plötzlich ansprangen. KI-Aktien waren diese Woche unter Druck und die Aktion der US-Regierung half diesen Aktien nicht. Auch das ist nun nachvollziehbar: Je stärker ein Unternehmen wächst, desto höher ist das Bewertungsmultipel (Kurs/Gewinn-Verhältnis oder auch EV/EBITDA). Der Gewinn, der in der Zukunft erwirtschaftet wird, erhält heute ein Preisschild. In das Bewertungsmultipel wird das aktuelle Zinsniveau eingerechnet. Je höher die Zinsen für lang laufende Investitionsfinanzierungen, desto größer der Abschlag beim Bewertungsmultipel. Zudem gilt die Rendite lang laufender Anleihen als Alternative zu den riskanten Wachstumsaktien.

Je höher also die Zinsen "am langen Ende", desto größer der Risikoabschlag bei Wachstumsaktien und somit desto niedriger der Aktienkurs, der heute bezahlt wird. Vor dem Hintergrund der steigenden Zinsen seit Juni konnten wir sehen, wie eine KI-Aktie nach der anderen eine Neubewertung erfuhr, meist niedriger. Mit der Aktion der US-Regierung, die Zinsen am langen Ende durch die Erhöhung der Nachfrage nach diesen Papieren zu senken, müsste rechnerisch der Risikoabschlag für KI-Aktien sinken, die Aktienkurse müssten steigen. Doch das geschah nicht.

Es geschah nicht, weil Anleger den Trick der US-Regierung durchschauen. Nicht eine solide Wirtschaft ist der Grund für die abgesenkten Zinsen, sondern der kosmetische Eingriff der US-Regierung.

KI-Aktien brachen diese Woche ein, Gold, Bitcoin und unsere Dividendenaktien profitierten. Zudem zeigte ein Private Equity Fonds Interesse an Workday, einem Softwareunternehmen, das in den vergangenen Monaten als vermeintliches KI-Opfer ausverkauft wurde. Diese Meldung verhalf allen Softwareaktien zu einer kräftigen Gegenbewegung in dieser Woche. Schauen wir mal, wie sich diese Situation in den wichtigsten Indizes im Wochenvergleich widerspiegelt.

Wochenperformance der wichtigsten Indizes




INDIZES21.8., 13:27 UhrWoche ΔΣ '26 Δ
DAX26.048 -1,5%6,4%
S&P 5007.641 -2,1%11,6%
Nikkei66.016 -3,9%31,1%
Shanghai A 4.619 -1,0%-0,2%
US-Dollar/EUR1,171,1%-0,3%
Euro/Yen185,680,8%1,1%
10-Jahres-US-Anleihe4,69%0,030,52
Umlaufrendite Dt3,23%0,110,45
Feinunze Gold$4.597 4,7%6,4%
Fass Brent Öl$94,07 7,8%54,6%
Kupfer$14.037 -0,8%13,0%
Baltic Dry Shipping$2.791 -1,9%48,7%
Bitcoin$77.402 23,7%-11,8%








3. Sentiment: Anleger stellen sich auf Konsolidierung zum Sommerende ein



Umfrage Wachstumstitel wurden in der abgelaufenen Woche verkauft, defensive Absicherungskäufe wurden getätigt: Die Rendite lang laufender Anleihen war zur Mitte der Woche auf ein Rekordhoch seit 17 Jahren geklettert. Warum also nicht nach der KI-Rallye ein paar Gewinne sichern und das Geld mit über 3% in Deutschland oder über 5% in den USA festverzinslich anlegen?

Die Aktienverkäufe jagen denjenigen, die weiterhin in Aktien investiert sind, natürlich einen Schrecken ein. So bricht unser Anlegersentiment diese Woche von 3,5 auf -0,7 ein. Auf die Partylaune der vergangenen Wochen folgt nun die Ernüchterung. Die Party ist vorbei.

Viel zu früh, würden die Partyhengste sagen, denn Verunsicherung macht sich unter den Anlegern breit. Eigentlich, so hatte man noch zu Beginn der Woche gehofft, könnte die Aktienrallye noch ein wenig weiterlaufen. Am liebsten hätte man sie aus dem Sommer ohne Unterbrechung in die saisonal starke Herbstphase, die ab Oktober/November zu erwarten ist, getragen. Doch das scheint nach einem Dax-Verlust von -1,6% in der abgelaufenen Woche erst einmal vereitelt worden zu sein.

Also zurück zur Normalität? Saisonal betrachtet sind August, September und Oktober nicht die stärksten Monate, erst Mitte Oktober startet die Börse saisonal betrachtet wieder durch. Bis dahin könnte es ungemütlich werden. Doch Anleger sind bereit, durch diese Marktphase hindurchzublicken, denn der Zukunftsoptimismus, der auf die Erwartung für den DAX in 3 Monaten abzielt, zeigt mit einem Wert von 1,3 einen moderaten Optimismus.

Und sollte es zwischenzeitlich zu dem einen oder anderen Ausverkauf kommen, so sind Anleger bereit, sich bietende Schnäppchen aufzusammeln. Das zumindest lese ich aus der Investitionsbereitschaft mit einem Wert von +1,8 (Vorwoche 1,0) ab.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger war im Wochenverlauf überwiegend im positiven Bereich, es wurden also Long-Spekulationen auf steigende Kurse gekauft. Damit setzten diese Anleger bereits gegen den Trend und dürften nun unter Wasser stehen.

Ganz anders agierten institutionelle Anleger, die sich über die Eurex absichern. Das Put/Call-Verhältnis für den DAX stieg im Wochenverlauf stark an und fällt erst nun zum Wochenende wieder in einen normalen Bereich zurück. Die Profis haben diese Woche also verstärkt Put-Absicherungen gegen fallende Kurse gekauft.

In den USA ist das Bild ganz ähnlich. Das Put/Call-Verhältnis für Equities an der CBOE notierte im Wochenverlauf ebenfalls erhöht und kommt erst heute auf ein normales Niveau zurück.

Die Bulle/Bär-Differenz der US-Privatanleger fällt auf -4%punkte. 40% Bären stehen 36% Bullen gegenüber. Insbesondere das Bärenlager konnte gegenüber der Vorwoche zulasten der Neutralen zulegen. Dennoch würde ich die Stimmungslage der US-Privatanleger als neutral, vielleicht moderat pessimistisch interpretieren.

Das zeigt auch der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 mit einem Wert von 52%: Die Marktverfassung ist neutral.

Interpretation



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4. Ausblick: Portfoliobesprechung



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5. Update beobachteter Werte



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6. Leserfragen





Dividendenaktien: Nissan Chemical, McDonalds, Procter & Gamble, Koninklijke Ahold Delhaize


Guten Tag Herr Heibel,

ganz herzlichen Dank für die ausführliche Rückmeldung zur Nissan Chemical. Die ist mir leider ziemlich davongelaufen, wo sehen Sie hier die relevanten Einstiegsniveaus?

Mich würde noch Ihre Einschätzung zu den defensiven Werten McDonald‘s, Procter & Gamble sowie Ahold Delhaze auf den aktuellen Niveaus interessieren. Diese dürften ja vom Prinzip her auch in ihr Beuteschema passen.

Beste Grüße vom Niederrhein
Felix aus Geldern

ANTWORT
@Nissan Chemical: Die Aktie steht aktuell ein wenig höher als Anfang Juni, als Sie mich erstmalig darauf ansprachen. Bitte geben Sie mir noch ein paar Wochen Zeit für die Suche nach alternativen Dividendenaktien, ich habe mir vorgenommen, spätestens im Laufe des Septembers neue Positionen aufzubauen.

@McDonald's: Die Aktie steht bei rund 272-275 USD, satte 22% unter dem 52-Wochen-Hoch von 341,75 USD und nahe am 52-Wochen-Tief. Ein EV/EBITDA von 14 ist für McDonald's historisch niedrig, die Dividendenrendite von 2,6% mit 50 Jahren ununterbrochenem Dividendenwachstum passt wunderbar in unsere Dividendenkriterien, von denen alle fünf erfüllt werden. Q2 2026 hat die Gewinn-Erwartung leicht übertroffen, der Umsatz war leicht unter den Erwartungen. Konjunkturdruck sorgt gerade bei Geringverdienern für Konsumzurückhaltung, aber genau in solchen Phasen sammelt McDonald's mit McValue-Angeboten Marktanteile ein. Die Analysten-Kursziele liegen im Schnitt 20% über dem aktuellen Kursniveau.

@Procter & Gamble: Solide, aber nicht besonders attraktiv. 136 Jahre ununterbrochene Dividende, 70 Jahre in Folge erhöht - das ist Weltrekord und macht P&G zu einer der defensivsten Aktien überhaupt. Q3 FY26 zeigte ein Umsatzwachstum von 3%, was für ein Konsumgüterunternehmen dieser Größe ordentlich ist. Das EV/EBITDA von 16 bei nur 3-5% Gewinnwachstum ist nicht besonders günstig, die Dividendenrendite von 2,7% ist historisch unterdurchschnittlich. Für eine reine Dividendenposition mit maximaler Stabilität passt P&G, aber wer Rendite sucht, findet an anderer Stelle mehr.

@Koninklijke Ahold Delhaize: Der interessanteste Wert Ihrer drei defensiven Kandidaten ist dieser Supermarktbetreiber. Die Aktie steht nahe dem 52-Wochen-Tief. Das EV/EBITDA von 6 ist deutlich günstiger als das von McDonald's oder P&G. Die Dividendenrendite ist mit 3,6% attraktiver, 20 Jahre ununterbrochene Dividendenzahlung, 10 Jahre kontinuierliche Erhöhungen. Q2 2026 lag im Rahmen der Erwartungen: Umsatz +1,9%, Gewinn leicht unter der Erwartung. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten von 40 EUR entspricht rund 15% Aufwärtspotenzial. Der Wert passt gut in ein defensives Dividendendepot.


Druckenmiller kauft Natera & Bitdeer


Guten Morgen Herr Heibel,

Ich habe in den 13F Berichten gelesen dass Druckenmiller massiv umschichtet , kauf z.b. Bitdeer. Könnte man davon ausgehen dass hier umfangreiches Insiderwissen vorhanden ist, ebenso wie bei Natera. Ich habe Natera im Depot, läuft super.

Danke

Freundliche Grüße

Dieter aus Hüven

ANTWORT
Druckenmillers 13F ist ein Signal unter vielen, aber kein Freibrief zum Nachkauf und schon gar nicht ein Beleg für Insiderwissen. Die 13F-Berichte werden mit bis zu 45 Tagen Verzögerung veröffentlicht, das heißt Druckenmiller kann bereits wieder ausgestiegen sein, wenn Sie die Meldung lesen. Zudem sind sein Portfolio-Volumen und seine Halteperspektiven ganz andere als die eines Privatanlegers: Er kann eine Position von 100 Mio. USD über Wochen aufbauen und ebenso lang wieder abgeben, ohne dass es jemand merkt.

Natera ist ein Unternehmen der Gesundheitsbranche. Mit Signatera wird ein Produkt angeboten, das in der Onkologie-Diagnostik zum Standard werden könnte. Das ist keine Insider-Information, sondern eine begründete Wette auf strukturelles Wachstum, das jeder Beobachter erkennen kann. Da Sie die Aktie bereits im Depot haben, würde ich aktuell nicht zukaufen, bevor die Aktie sich nach dem +107%-Anstieg der letzten 12 Monate konsolidiert hat. Ein Rücksetzer in den Bereich 240-260 USD wäre die Gelegenheit zum Aufstocken. Aktuell würde ich sogar überlegen, einen Teil der Position zu verkaufen und die Kursgewinne teilweise zu sichern - vor allem, wenn die Positionsgröße durch den Kursanstieg mittlerweile überproportional geworden sein sollte.

Beim Bitcoin-Miner Bitdeer wäre ich deutlich vorsichtiger. Das Unternehmen verbrennt jährlich 2,1 Mrd. USD Cash bei einer Marktkapitalisierung von nur 2,48 Mrd. USD und hat 1 Mrd. USD Nettoschulden. Q2-Zahlen haben enttäuscht und die Aktie brach um -16% ein. Druckenmiller könnte sich sogar einen Totalverlust dieser Position leisten und wettet vermutlich darauf, dass Bitdeer den Schwenk zur KI-Colocation schafft, bevor das Geld ausgeht. Mehrere Bitcoin-Miner haben in den vergangenen Wochen KI-Rechenleistung angeboten und teils erfolgreich vermietet. Für einen Privatanleger ist das eine völlig andere Risikodimension. Wenn Sie unbedingt am Miner-KI-Trend teilhaben wollen, sind Hut 8 (26,6 Mrd. USD AI-Auftragsbestand) oder Core Scientific (24 Mrd. USD) die deutlich konservativere Wahl - beide haben ähnliche Chancen bei erheblich besserer Finanzlage.

Grundsätzlich zur 13F-Logik: Prominenten Investoren zu folgen funktioniert in der Regel für Privatanleger nicht. Druckenmillers Portfolio ist kein Musterportfolio zum Kopieren, sondern ein Ideengeber für weitere eigene Recherche. Als Ideengeber ist es sicherlich interessant, den Aktionen der prominenten Investoren zu folgen.


Spekulation in Applovin nach Beendigung der SEC-Untersuchung


Hallo Herr Heibel,

ich habe AppLovin zuletzt Mitte Juni verkauft. Das war kurz nach dem Höchststand.
Was glauben Sie, ist die Aktie mittlerweile soweit gefallen, dass sich ein neuer Einstieg lohnt?
Sie liegt heute tiefer, als bei meinem ersten Einstieg 11/25. (da nur einen Monat gehalten)

beste Grüße aus Görlitz
Micha

ANTWORT
Herzlichen Glückwunsch, da haben Sie durch Ihren Verkauf einen 35% Kurssturz umgangen. Im Heibel-Ticker waren wir bereits im Februar ausgestiegen, als die US-Börsenaufsicht SEC die Untersuchung der Bilanzierungspraktiken beim Produkt AXON ankündigte. Seither kam die Aktie nicht mehr vom Fleck. Anfang August wurde die Untersuchung nun eingestellt, die Vorwürfe sind vom Tisch. Aber fast zeitgleich veröffentlichte Applovin am 5. August Q-Zahlen, die leicht hinter den Erwartungen der Analysten blieben. Die Aktie gab also nochmals kräftig ab und notiert nun auf einem EV/EBITDA von nur noch 15 bei einem erwarteten Gewinnwachstum von 58% im laufenden Jahr. Das ist günstig.

Tendenziell gingen die Erwartungen an die Gewinnentwicklung bei Applovin in den vergangenen Monaten hoch, wenngleich seit Anfang August wieder etwas von dem Erwartungsanstieg abgegeben wurde. Soll heißen: Das Geschäft läuft eigentlich gut, allerdings hatten sich die Erwartungen noch schneller entwickelt.

Kritisch zu sehen ist natürlich der Wettbewerb: Meta und Google sind zwei schlagkräftige Gegner, die ihre Marktanteile kaum kampflos abgeben werden. Auf der anderen Seite hat sich Applovin im Spielebereich inzwischen eine ziemlich gute Marktposition aufgebaut und grenzt sich so vom Wettbewerb ab.

Somit ist Applovin in meinen Augen nun wieder eine Spekulation wert, so wie auch Salesforce, ServiceNow, Adobe, SAP und die Reihe weiterer Software-Unternehmen eine Spekulation wert sind. Wir haben bereits eine entsprechende Spekulation in unserem Portfolio und für zwei solche Spekulationen ist mir die Situation zu ungewiss.


3 Bio. USD KI-Investsitionen sind Versprochen


Hallo Herr Heibel,
mich haben als Laie die billionenschweren finanziellen Dimensionen (bilanziell erfasste Investitionen und außerbilanzielle Verpflichtungen)im KI-Sektor aufgerüttelt. Ebenso die gigantische Dimension der Rechenzentren wie z.B. des Meta-Rechenzentrums Hyperion, das 1.700 Fussballfelder umfassen soll. Diese gigantischen Rechenzentren werden auf einem aktuell sehr hohem Preisniveau errichtet.
Was passiert, wenn die chinesische Konkurrenz billigere KI-Modelle und Hardware (Chips) entwickelt und die Token-Preise fallen? Dann lassen sich die in den Wirtschaftlichkeitsrechnungen der westlichen Investoren prognostizierten Erlösströme vermutlich nicht mehr in voller Gänze materialisieren. Die Hyperscaler wie z.B. Amazon werden dies auf Grund ihrer traditionellen Geschäftsmodelle vermutlich kompensieren und verkraften? Was passiert mit den anderen im KI-Bereich engagierten Unternehmen wie z.B. Oracle? Sind diese Unternehmen in einem solchen Fall überlebensfähig? Könnte es im Hinblick auf die neuen "kreativen" Finanzierungstrukturen (Kreislauf- bzw. Zirkelgeschäfte etc.) zu einem starken Börsencrash oder sogar zu einer mit der Immobilienkrise vergleichbaren Finanzkrise kommen?
Viele Grüße
Helmut aus Lippstadt

ANTWORT
„Irgendwann“ ja. Doch in meinen Augen sind wir noch immer weit davon entfernt. Ja, China wird im Wettbewerb aufholen bzw. gleichziehen, manche behaupten, das sei bereits geschehen. Die KI-Modelle werden immer besser, doch wir Menschen lernen nur sehr langsam, damit umzugehen - auch bei den besten Modellen dürfte es noch ein wenig dauern, bis wir wissen, wie wir sie effizient einsetzen.

Meine Erwartung: Die KI-Modelle werden irgendwann gut genug für alle sein, darüber kann man sich kaum noch unterscheiden. Der Preis für die Rechenleistung bzw. umgerechnet auf die Qualität der Antwort wird das entscheidende Kriterium werden, und derzeit steckt die Nachfrage noch in den Kinderschuhen. Ich halte es für richtig, auf Teufel komm raus in KI-Rechenzentren zu investieren, da das Inferencing, also das Beantworten von Fragen und die Übernahme komplexer Aufgaben durch KI-Agenten, viel mehr Rechenleistung in Anspruch nehmen wird als die Entwickelung der neuesten und besten KI-Modelle. Deswegen investieren alle so viel in Rechenleistung und ich erwarte, dass Oracle und Dell demnächst gute Zahlen veröffentlichen werden.

Das absolute Volumen schreckt mich noch nicht. Dessen ungeachtet erfolgt auch die KI-Revolution in Wellen und es wird sicherlich die eine oder andere Konsolidierung geben, vielleicht irgendwann auch mal einen Crash wie nach der Internetblase. Doch von einem KI-Crash sind wir noch weit entfernt, Konsolidierungen können jederzeit kommen.


Strom statt Chips: Konstellation Energy und Vistra


Hallo Herr Heibel,
Kann es sein das eine Sektorrotation weg von Halbleiter hin zu Stromaktien die günstiger bewertet sattfindet, denke an constellation energie , Vistra corp ?

Freundliche Grüße

Dieter aus Hüven

ANTWORT
Ja, daher haben wir ja auch eine entsprechende Energie-Aktie in unser disruptives Portfolio aufgenommen. Das Kapital strömt stets dorthin, wo der aktuelle Flaschenhals ist. Derzeit gibt es in meinen Augen zwei davon: Strom und HBM-Speicher, ich würde diese spezielle Branche der Halbleiter deswegen nicht gegen Strom eintauschen, sondern beides parallel verfolgen.

Constellation ist mit einem EV/EBITDA von 14 günstig bewertet, im laufenden Jahr wird ein Gewinnwachstum von 50% erwartet. Doch der Anbieter von Kernkraftwerken kann die Fertigung nicht einfach hochfahren, sondern muss langsam die Kapazitäten ausweiten, was zunächst wieder Investitionen mit sich bringt. Daher wird der Gewinn im nächsten Jahr weitgehend von Investitionen aufgezehrt. Das erwartete Umsatzwachstum ist jedoch mit 3-5% p.a. für die kommenden drei Jahre nicht gerade besonders hoch. Also: Als Spekulation ja, aber Kernkraft hat so seine eigenen Probleme.

Vistra hingegen ist mit einem EV/EBITDA von 10 echt günstig, der Gewinn soll im laufenden Jahr ebenfalls um 50% anspringen. Der Umsatz wächst im laufenden Jahr mit über 30%. Doch die Gewinnerwartungen für Vistra wurden in den vergangenen Monaten kontinuierlich nach unten gesenkt. Das Unternehmen verspricht offensichtlich gerne mehr als es liefern kann. Die Bewertung ist günstig genug für eine Spekulation, aber vom Hocker haut mich die Aktie nicht.


Anleihekäufe US versus US-Indices und Bitcoin


Moin aus Flensburg,

wie passt das aktuelle Thema "Anleihekäufe US-Finanzministerium" und die aktuellen Reaktionen am Markt zusammen? Warum reagieren die Kryptowerte so deutlich positiv, die Aktienmärkte aber nicht. An der Börse werden doch in erster Instanz "News" gehandelt und hier geht es meiner Meinung nach erstklassig um Wirtschaftsnews?

Meine erste Vermutung ist, dass Investoren, welche schon länger an der Seitenlinie zum Einstieg in den Kryptomakt stehen, die Kertwende in den nächsten Bullenmarkt sehen. Die US-Börse bewegt sich dem entgegen bereits auf Rekordniveau.



Wäre super wenn Sie ein kurzes Statement für mich hier oder im nächsten Börsenbrief dazu haben.



Beste Grüße aus Flensburg, Peter

ANTWORT
US-Finanzminister Bessents Ankündigung vom Mittwoch dieser Woche, die Käufe von Anleihen mit langen Laufzeiten (10-30 Jahre) von 2 auf 4 Mrd. USD zu verdoppeln soll die "Yield Curve“ dahingehend modifizieren, dass lang laufende Anleihen eine niedrigere Verzinsung erhalten, die Yield Curve also flacher wird. Die Regierung will vor den November-Zwischenwahlen die Kapitalkosten senken, indem sie das dafür erforderliche Kapital über die Ausgabe kurz laufender Anleihen, die niedriger verzinst werden, holt. Bei US-Schulden von rund 40 Bio. USD und einer 30-jährigen Rendite kurz zuvor auf 19-Jahres-Hoch von 5,34% ist das Bedienen der Zinsen inzwischen um ein Vielfaches gegenüber der Last von vor fünf Jahren angesprungen. Genau das ist historisch das Umfeld, in dem harte Anlagen wie Gold und Bitcoin glänzen.

Der überproportionale Bitcoin-Sprung hat drei konkrete Gründe. 1.: Short Squeeze. Innerhalb weniger Stunden wurden 1,4 Mrd. USD an Short-Positionen liquidiert. 2.: Bitcoin hatte seit Juni gegen die 70.000-USD-Marke angerannt, viel Kapital wartete an der Seitenlinie auf einen Auslöser. Aktien stehen dagegen bereits auf ihren Allzeithochs. 3.: Krypto lebt von der Anti-Fiat-Erzählung - jedes Anzeichen von finanzieller Repression, wie beispielsweise das kurzfristig hilfreiche Umschichten auf niedriger verzinste Kurzläufer, treibt die Story.

Die Rückkauf-Ausweitung der lang laufenden Anleihen läuft nur bis 4. November 2026. Wird sie nach den Zwischenwahlen nicht verlängert, könnte die Reaktion sich schnell umkehren. Anleger reagieren meiner Einschätzung nach mehr auf die Erwartung weiterer Maßnahmen durch die US-Regierung als auf die tatsächliche Größenordnung. 4 Mrd. USD sind gemessen an den 40 Bio. USD Gesamtschulden ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ich denke, dieser Short-Squeeze im Bitcoin dürfte zunächst konsolidiert werden, bevor die Bitcoin-Rallye dann im Herbst an Fahrt gewinnt. Nach dem Sprung über 65.000€ würde mich eine Konsolidierung in Richtung 57.000€ nicht überraschen. Der KI-Halbleiter-Trade macht eine Pause, die Energie-Infrastruktur-Story bleibt attraktiv, defensive Dividendenwerte profitieren von fallenden Langzins-Renditen. In unserem Heibel-Ticker-Portfolio ist die Ausrichtung genau darauf abgestellt.




7. Übersicht HT-Portfolio



Der Börsen-Ausblick mit Markt- und Aktienanalysen, konkreten Empfehlungen sowie detaillierten Kauf- und Verkaufsaktionen bleibt den zahlenden Mitgliedern des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die hohe Qualität unserer Veröffentlichung solide finanzieren möchten.

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8. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise



Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.

Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar.

Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren.

Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen

DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag



9. Mitgliedschaft verwalten



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