Heibel-Ticker Free Börsenbrief
- Einfach einen Tick besser -
21. Jahrgang - Ausgabe 38 (18.09.2026)
Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:
| 1. | Info-Kicker: Ausrichtung auf anstehende spannungsgeladene Wochen |
| 2. | So tickt die Börse: Gegenwind bei Zinsen, Öl und KI |
| - Wochenperformance der wichtigsten Indizes | |
| 3. | Sentiment: Überbordender Optimismus |
| - Interpretation | |
| 4. | Ausblick: Detaillierte Diskussion: Bedeutung von Zinserhöhungen, Ölpreisrallye und KI-Regulierung für unserer Portfoliopositionen |
| 5. | Update beobachteter Werte |
| Nachkaufen, Position voll machen | |
| Verkaufen, für Zinsanhebungen rüsten | |
| 6. | Leserfragen |
| 7. | Übersicht HT-Portfolio |
| 8. | Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise |
| 9. | Mitgliedschaft verwalten |
1. Info-Kicker: Ausrichtung auf anstehende spannungsgeladene Wochen
Liebe Börsenfreunde,
Unser Heibel-Ticker Portfolio konnte diese Woche um 1% zulegen, während der DAX und der S&P 500 1% abgaben. Dennoch verzeichnete ich diese Woche gleich 3 Abmeldungen, was deutlich über dem Durchschnitt von 0-1 pro Woche liegt. Habe ich Sie, liebe Heibel-Ticker Mitglieder, nicht ausreichend auf die Stressphasen im Markt vorbereitet?
Der Schwerpunkt dieser Ausgabe liegt daher heute auf Kapitel 4. Ich gehe unser Heibel-Ticker Portfolio Position für Position durch und beurteile die Auswirkungen steigender Zinsen, hoher Energiepreise und einer KI-Regulierung auf unsere Aktien, unter Berücksichtigung des jeweiligen Bewertungsniveaus. Welche Aktien würden unter bestimmten Entwicklungen stärker leiden, welche sind bereits günstig genug?
Es ist eine Übung, die uns in den kommenden Wochen helfen wird, falls es ruppig an den Märkten werden sollte. Genau jetzt entscheidet sich nämlich, wer langfristig erfolgreich anlegen kann und wer bei eventuellen Turbulenzen aus dem Markt gedrängt, vergrault wird.
Voraussetzung, um Kapitel 4 zu verstehen, ist Kapitel 2. Dort erläutere ich den Beginn eines neuen Zinsanhebungszyklus durch den neuen Fed-Chef Kevin Warsh, den voraussichtlich anhaltend hohen Ölpreis sowie die anstehende KI-Regulierung, wenngleich diese erst mit großer Verspätung kommen dürfte.
Die Sentimenterhebung ergibt diese Woche keine neuen Signale, bestätigt jedoch die Signale, die ich seit zwei Wochen bereits ausgegeben habe und die sich bislang als richtig erwiesen haben. Was wir daraus folgern, lesen Sie in Kapitel 3.
Diese Woche schrieb ich zwei Updates, die Sie in Kapitel 5 nachlesen können. Zum einen haben wir in den Ausverkauf hinein einen Titel aufgestockt. Zum anderen trennten wir uns von einem Titel, der in meinen Augen zu stark unter den steigenden Zinsen leidet.
In einer Reihe von Leserfragen behandle ich weitere Themen, die auch für Sie interessant sein können:
Zum einen wies mich ein Leser auf das Risiko der Mitarbeiterbeteiligung am Gewinn bei Micron hin, das analog zu Samsung und SK Hynix den Gewinn um 10% schmälern könnte. Ein weiterer Leser fragt mich nach dem richtigen Bewertungsansatz für PVA TePla, ich unterscheide zwischen KGV 72 versus EV/EBITDA 16. Palo Alto wird am Montag in den S&P 100 aufgenommen. Ein Leser möchte wissen, ob das ein Kurstreiber wird. Eine weitere Frage beschäftigt sich mit der stark schwankenden Dividendenrendite bei Harbour Energy. Schließlich werde ich zum frisch an die Börse gebrachten Unternehmen Honeywell Aerospace befragt, ob die aufgrund der Lieferkettenprobleme günstige Bewertung zum Kauf einlädt. Meine Antworten lesen Sie in Kapitel 6.
Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,
take share, Ihr Börsenschreibel
Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs
2. So tickt die Börse: Gegenwind bei Zinsen, Öl und KI
Was für eine Woche! An den Finanzmärkten gibt es derzeit nur drei Themen: Zinsen, Öl und KI.
Wir starteten in die Woche mit der Ungewissheit über die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed. Zwar wurde mit fast 90%iger Wahrscheinlichkeit die Zinsanhebung um 0,25%punkte erwartet, die schließlich am Mittwoch auch kam, doch bis zuletzt blieb ein Funke Ungewissheit, da der neue Notenbankchef Kevin Warsh als "von Trumps Gnaden" gilt und man ihm daher auch eine Überraschung zutraute.Die Überraschung kam jedoch auf der anderen Seite: Statt einer taubenhaften kam es zu einer falkenhaften Zinsanhebung um 0,25%. Statt einer Anhebung und anschließend abwartender Haltung der Fed signalisierte Warsh zur Überraschung vieler Marktbeobachter, dass die Inflation in den USA "zu hoch" sei, und das auch schon seit "zu langer Zeit". Oberstes Ziel sei, die Inflation zurück auf das Ziel von 2% zu drücken.
Die Tauben hatten auf eine Aussage gehofft, mit der die aktuell hohe Inflation als Folge der zur Zeit unnatürlich hohen Energiepreise bezeichnet würde, was sich von selbst auflösen würde, sobald die Energiepreise fallen. Daraus hätte man die Hoffnung auf eine baldige Lösung im Iran-Krieg abgeleitet, oder aber zumindest gefolgert, dass die Fed zwischenzeitlich hohe Inflationsraten tolerieren würde. Doch das Gegenteil ist nun der Fall: Warsh sagte der Inflation klar den Kampf an, ohne auf die besonders hohen Energiekosten explizit einzugehen.
Die Reaktion mag im ersten Augenblick widersprüchlich aussehen, folgt jedoch einer stringenten Logik. Die Rendite für lang laufende US-Staatsanleihen sank. Eine Notenbank, die die Gefahr der Inflation ernst nimmt, wird diese eher erfolgreich zurückdrängen als eine Notenbank, die sie klein redet. Warsh nimmt die Inflation ernst und so ist der Rückgang der Renditen "am langen Ende" ein Zeichen des Vertrauens in seine Fähigkeit, erfolgreich zu sein.
Mindestens genauso gespannt wie auf die Zinsentscheidungen waren Anleger auf die Reaktion Donald Trumps auf die Zinsentscheidung. Diese ließ nicht lange auf sich warten, in einem Interview vor seinem Helikopter gab Trump unverblümt zu verstehen, dass er sich vor der Sitzung mit Warsh abgestimmt habe und dass Warsh keine andere Chance gegen die Mehrheit im Notenbankgremium gehabt hätte, als den Zins anzuheben. Witzig, oder?
Ich schließe daraus, dass Kevin Warsh tatsächlich ein gutes Verhältnis zu Trump hat und ihn vor seiner Entscheidung über das, was vermutlich kommen würde, informierte. Besser noch, er konnte Trump sogar dazu bringen, ihm weiterhin das Vertrauen auszusprechen, obwohl seine erste Amtshandlung eine Zinserhöhung ist, was den wiederholten Ansagen Trumps entgegen steht, der eigentlich ein Zinsniveau von unter 1% als fair sieht.
Alles in allem sind das viele gute Signale: Warsh nimmt die Inflation ernst und Trump steht trotzdem hinter ihm. Die Rendite der 10 Jahre laufenden US-Staatsanleihe war im Vorfeld der Sitzung erstmals seit 3 Jahren über die 5%-Marke gesprungen und führte zu einem breiten Ausverkauf an den Aktienmärkten, nach der Sitzung fiel sie wieder unter 5% zurück. Der US-Dollar sprang nach der Sitzung gegenüber dem Euro um 1% an.
Bis Ende des Jahres erwarten Volkswirte derzeit eine weitere Zinsanhebung, im Verlauf des Jahres 2027 dann weitere zwei. Wir sind also in einen Zinsanhebungszyklus eingebogen. Steigende Zinsen belasten die meisten Branchen am Aktienmarkt, wir dürfen uns auf Gegenwind einstellen. Oder, wie es in den USA heißt: "Never Fight the Fed" - stelle Dich niemals gegen die Fed.
Heute früh zog übrigens die Bank of Japan nach und hob den japanischen Leitzins um 0,25%punkte auf 1,25%, das höchste Zinsniveau Japans seit 31 Jahren! Die von mir befürchtete breite Auflösung von Carry-Trades blieb bislang glücklicherweise aus, der Yen schwächte sich sogar ab. Nach der überraschenden Carry-Trade-Auflösung im August 2024 scheinen sich Anleger nun vor solchen Zinsentscheidungen bereits ausreichend darauf vorzubereiten, bzw. sogar darauf zu spekulieren, so dass die Entscheidung selbst dann zum Auflösen der entsprechenden spekulativen Positionen führt.
Größter Preistreiber im Inflationskorb ist der Ölpreis, der durch die Kriege in der Ukraine und im Iran angetrieben wird.
Neben der Straße von Hormus ist die Schifffahrt nun auch in der Meerenge Bar al-Mandap unterbrochen. Zusätzlich wurde die East-West Pipeline der Saudis bombardiert, über die zwischenzeitlich 4-5 Mio. Fässer Öl täglich an der Straße von Hormus vorbei geliefert wurden. Der Ölpreis (Brent) stieg diese Woche auf 108 USD/Fass, das höchste Niveau seit dem ursprünglichen Anstieg zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs im Iran im Februar. Am Dienstag bestätigten Satellitenbilder die Schäden an mindestens zwei Pumpstationen. Nach ersten Aussagen, die Pipeline werde binnen weniger Tage wieder in Betrieb gehen, stellte man am Mittwoch fest, dass eine Reparatur eher 3-5 Wochen in Anspruch nehmen werde.Saudi-Arabien begann am Donnerstag, Rohöl mit Shuttle-Tankern durch die Meerenge von Hormus nach Oman zu verschiffen und dort auf Großtanker umzuladen. Es handelt sich um eine willkommene, improvisierte Zwischenlösung, die einen Teil der ausgefallenen Kapazität ersetzt. Zudem kündigte das Königreich an, zumindest die halbe Pipeline-Kapazität innerhalb weniger Tage wiederherzustellen. Der Ölpreis fiel am Donnerstag auf 105 USD und am Freitag weiter auf rund 103 USD.
Der Unmut Saudi-Arabiens gegenüber den USA wächst: Der vermeintlich große Beschützer hat entweder keine Lust, oder keine Möglichkeit, seinen Partner ausreichend zu beschützen. Meldungen über leere Munitionslager in den USA bzw. über ein sich schnell leerendes Waffenarsenal reißen nicht ab. Parallel dazu befindet sich die nationale Ölreserve auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten - übrigens ähnlich wie die nationale Gasreserve in Deutschland. Gleichzeitig hat China seine Zurückhaltung auf den internationalen Ölmärkten beendet und kauft Öl "zu jedem Preis", da die Preisspanne zum raffinierten Diesel bzw. Benzin derzeit extrem hoch ist und chinesische Öl-Raffinerien diesen Gewinn gerne verdienen.
All dies so kurz vor den US-Zwischenwahlen macht inzwischen Hoffnung auf einen deutlichen Umschwung der Politik in den USA, wenn die Demokraten beide Häuser gewinnen sollten. Trump-Anhänger hielten ihren Donald für den Friedensbringer, bis er den Iran angriff. Selbst dieser Angriff ist vielleicht noch diskussionswürdig, da der Iran seit Jahrzehnten als Unruhestifter auffällt. Doch Trump fehlen die Bündnispartner, die Freunde, mit denen er diese große Aufgabe gemeinsam erledigen könnte. Er hat sich selbst isoliert und nun droht seine Präsidentschaft am Iran-Krieg zu scheitern.
Eine Lösung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, Allianzen brechen auf. Sehr beunruhigend.
Am vergangenen Wochenende forderten die Chefs von Anthropic, OpenAI und Tesla in einem koordinierten Vorstoß unabhängige Prüfer, gemeinsame Sicherheitsstandards und eine internationale Zusammenarbeit zur Verlangsamung der KI-Entwicklung. Die Aktienbörse reagierte unverzüglich mit starken Verlusten bei Chipaktien (Nvidia gab 3,4% ab, Intel und Micron verloren jeweils über 4%). IT-Sicherheitsunternehmen wie unsere Palo Alto (+15%) dagegen stiegen, weil diese Warnung die Sicherheitsrisiken der KI-Entwicklung offenlegte.Der Aufruf ist klug: Unabhängige Prüfer sind erforderlich, um die gerade in der Entstehung begriffene neue Industrie sinnvoll zu regulieren. Wir haben unzählige Male erlebt, dass "Selbstregulierung", wie von vielen Industrien in der Vergangenheit immer wieder eingefordert, nicht funktioniert. Die Politik ist gefragt.
Doch was genau mit "Regulierung der KI-Modelle" gemeint ist, im Gegensatz zu Entwicklungs- und Nutzungsverboten, wird am Aktienmarkt offensichtlich sehr unterschiedlich aufgefasst. Amodei (Anthropic), Altman (OpenAI) und Musk (SpaceX) fordern klare Rahmenbedingungen für neue KI-Modelle, bevor diese der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Alex Karp, CEO von Palantir, fordert über die klaren Regeln hinaus eine Verstaatlichung der KI-Unternehmen, da die Risiken der Technologie nicht zu beziffern seien.
Zum Beginn der Woche wurde der KI-Sektor vollständig ausverkauft, weil man das geforderte Moratorium mit einem Stopp der Entwicklung gleichsetzte. Doch das ist Unsinn. Im Gegenteil, die Entwicklung wird ungeachtet der Diskussion um eine sinnvolle Regulierung unvermindert weiterlaufen. KI-Modelle stehen im internationalen Wettbewerb, nicht zuletzt gegen die chinesischen KI-Modelle, die inzwischen nur noch einen Rückstand von wenigen Monaten bis hin zu wenigen Wochen haben.
Wobei es natürlich einfacher ist, anhand der vorhandenen neuesten KI-Modelle aus den USA vergleichbare KI-Modelle zu entwickeln, denn man kann die Antworten der führenden US-Modelle als Lehrmeister für die chinesischen Modelle nutzen, was die erforderliche Rechenleistung um ein Vielfaches vermindert. Zur Veranschaulichung: Führende KI-Modelle müssen entwickelt werden, um "besser" zu werden, ohne im Vorfeld genau zu wissen, wie das "besser" letztlich aussehen wird. Es muss also in alle Richtungen geforscht, überprüft, verglichen, etc. werden. Die Chinesen können das führende KI-Modell dann als Referenz verwenden und ihre eigenen Modelle dann gezielt dahingehend optimieren, dass die Ergebnisse den Ergebnissen der führenden KI-Modelle möglichst nahekommen.
Nächste Woche wird das seit langem geplante Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping stattfinden. Zwischen Exportbeschränkungen für KI-GPUs und Kooperation bei der Regulierung von KI-Modellen werden alle Themen auf der Tagesordnung stehen und ich bin sehr gespannt, ob die beiden zueinander finden, oder ob sich die Unstimmigkeiten verhärten. Doch ersten Aussagen zufolge hält Donald Trump die Regulierungsforderung für lächerlich, für einen "Hoax".
Wenn Sie mit der KI arbeiten, so wie ich, dann werden Sie in den vergangenen Wochen festgestellt haben, dass die Modelle inzwischen für unsere Bedürfnisse schon ziemlich ausgefeilt sind. Fable 5.1 ist schnell und zuverlässig. Ein "noch" besseres Modell würde mir vermutlich "noch" besser helfen, aber, um ehrlich zu sein, Fable 5.1 reicht für mich, um meine Marktbeobachtung und Analysen mit den aktuellen Markt- und Bilanzdaten auf den Stand der Wissenschaft zu bringen. Wahnsinn!
Und genau das ist mein Punkt: Die Nutzung der aktuell verfügbaren KI-Modelle wird von keinem der Mahner kritisiert. Die Mahnung bezieht sich auf künftige, neu entwickelte KI-Modelle. Und das habe ich oben klar gemacht: Ein "noch" besseres KI-Modell wäre zwar willkommen, aber aktuell nicht wirklich notwendig. Wichtiger ist die sinnvolle Nutzung der KI-Modelle: das Einrichten von Agenten, die mir Arbeit abnehmen. Das Überprüfen der Arbeit dieser Agenten, ob die Resultate im Einklang mit meinen Anforderungen und Erwartungen sind. Das weiß auch die intelligenteste KI nicht, hier ist ein Punkt erreicht, an dem wir KI-Nutzer erst einmal genug Arbeit vor uns haben.
Die Nutzung der KI-Modelle bezeichnen wir als "Inferencing". Ein immer größerer Anteil der KI-Infrastruktur wird für das Inferencing optimiert. Hier kommen die speziellen Entwicklungen von Marvell, Broadcom und Cerebras ins Spiel, die teilweise bei bestimmten Aufgaben kosteneffizienter sind als die für alle Zwecke einsetzbaren Nvidia-GPUs.
Und die Nvidia-GPUs werden weiter stark nachgefragt, weil Physical-AI, also die KI für Roboter noch lange nicht brauchbar ist. Auch hier sehe ich kein Ende der explosiv ansteigenden Nachfrage nach KI-Chips.
Genau wie bei der Nachfrage nach den HBMs, den KI-Speichern von Micron, SK Hynix und Samsung. Und genauso wie bei der Nachfrage nach Strom, also Gasturbinen von GE Vernova und Siemens Energy.
Was die Diskussion um die Sicherheit bei der Nutzung der KI-Modelle diese Woche jedoch auch gezeigt hat, ist die Relevanz von Sicherheitslösungen (Palo Alto, CrowdStrike, Okta, ...) beim Betrieb der KI, sowie auch der anderen Software-Unternehmen, deren Software von KI-Agenten gerne genutzt wird, statt sie selber neu zu entwickeln.
Also: Wir stellen uns auf weitere Zinsanhebungen durch die Fed, und übrigens auch durch die EZB, ein. Das wird zu heftigen Reaktionen bei einer ganzen Reihe von Aktien führen, die ich in Kapitel 4 näher analysiere. Außerdem stellen wir uns aktuell auf einen höheren Ölpreis für einen längeren Zeitraum ein, wenn ich mir die Situation im Nahen Osten vor Augen führe. Auch das wird seine Auswirkungen auf den Aktienmarkt haben. Und schließlich weigert sich Donald Trump, vor den Zwischenwahlen im November das Thema KI-Regulierung anzufassen. Das heißt, wir werden auf Sicht mehrerer Wochen auf die Selbstverpflichtungsfähigkeiten der KI-Modellentwickler angewiesen sein. Hmm, es lohnt sich, ein wenig besorgt zu sein.
Schauen wir mal, wie sich die wichtigsten Indizes im Wochenvergleich entwickelten:
Wochenperformance der wichtigsten Indizes
| INDIZES | 18.9., 20:32 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ |
| DAX | 25.304 | -1,0% | 3,3% |
| S&P 500 | 7.623 | -0,6% | 11,4% |
| Nikkei | 65.019 | 1,6% | 29,2% |
| Shanghai A | 4.507 | -0,1% | -2,6% |
| US-Dollar/EUR | 1,15 | -1,1% | -2,4% |
| Euro/Yen | 179,86 | 0,9% | -2,0% |
| 10-Jahres-US-Anleihe | 5,00% | 0,04 | 0,83 |
| Umlaufrendite Dt | 3,49% | 0,02 | 0,71 |
| Feinunze Gold | $4.355 | 0,1% | 0,8% |
| Fass Brent Öl | $104,56 | 0,0% | 71,8% |
| Kupfer | $14.492 | 1,8% | 16,7% |
| Baltic Dry Shipping | $3.336 | -5,3% | 77,7% |
| Bitcoin | $80.724 | 4,6% | -8,0% |
3. Sentiment: Überbordender Optimismus
Angst und Panik haben wir vor einer Woche gemessen und ich sprach eine deutliche Warnung aus, wie ich es selten tue. Der DAX gibt diese Woche 1% ab, denn zwischen Zinssorgen, Ölpreisanstieg und KI-Verunsicherung blieb nicht viel Platz für Optimismus. Heidelberg Materials ist der Wochenverlierer im DAX (-6,5%), gefolgt von der Dt. Telekom und Hochtief (je -6%). Autos (VW, Mercedes, BMW) und Banken (Dt. Bank, Commerzbank) stehen allesamt ebenfalls am Ende der Wochenperformance. Wir sehen daran, dass die Zinssorgen und somit die Angst vor einer Konjunkturschwäche dominieren.Doch nach zwei Wochen mit jeweils -2% im DAX scheint ein Wochenminus von "nur" -1% die Anleger nicht mehr zu schocken. Unser Anlegersentiment ist vom Extremwert von -5,0 vor einer Woche (=Angst und Panik) auf nunmehr nur noch -1,7 angestiegen. Die extrem starke Verunsicherung von vor einer Woche (-5,2) erholte sich auf einen Wert von nur noch -2,8. Die Zinsentwicklung, der steigende Ölpreis und auch die Diskussion um die geforderte KI-Regulierung scheinen Anleger in ihrer Erwartung nicht mehr zu Ü
überraschen.
Im Gegenteil, Anleger werden mit fallendem Aktienmarktniveau immer optimistischer, als hätte sich an den Rahmenbedingungen nichts geändert. Die Zukunftserwartung klettert von 2,2 in der Vorwoche auf den Extremwert von 4,1. So bullisch waren unsere Umfrageteilnehmer zuletzt ... ich suche noch ... ja, genau vor zwei Jahren, am 16.9.2024.
Die Investitionsbereitschaft ist mit einem Wert von 1,8 nur moderat positiv, offensichtlich sind viele Anleger bereits investiert.
Das Euwax-Sentiment der Privatanleger war diese Woche überwiegend negativ und kletterte erst mit dem heutigen Freitag ins Plus. Das heißt, im Wochenverlauf kauften Anleger Absicherungen gegen fallende Kurse, um diese dann zum Ende der Woche hin wieder aufzulösen. Mit einem Wert von +16 ist dieser Wert jedoch nur moderat positiv.
Das Put/Call-Verhältnis für den DAX an der Eurex, über die sich institutionelle Anleger absichern, fällt nach einem Ausflug in vergleichsweise hohe Werte zum Ende der Woche auf den niedrigen Wert von 1,31. Das heißt, auch die institutionellen Anleger kauften zum Beginn der Woche verstärkt Absicherungspositionen (Puts), um dann am heutigen Freitag plötzlich auf die Long-Seite (Calls) zu wechseln.
An der CBOE zeigt sich ein ähnliches Verhaltensmuster, wenn auch bei Weitem nicht vergleichbar extrem: Das Put/Call-Verhältnis an der CBOE kletterte zum Wochenbeginn auf extrem hohe Werte, fiel dann aber am heutigen Freitag nur auf ein durchschnittliches Niveau zurück. In den USA bleibt man also vorsichtiger als bei uns.
Die Bulle/Bär-Differenz der US-Privatanleger bricht auf -23%punkte ein: 29% Bullen stehen 53% Bären gegenüber. Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass dieser Indikator bereits am Mittwoch dieser Woche erhoben wurde, also vor der Notenbanksitzung, als der Stresslevel am größten war.
Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 fällt auf 29% und signalisiert Angst unter Anlegern.
Interpretation
Die ausführliche Interpretation der aktuellen Anlegerstimmung – basierend auf den hochwertigen Sentimentdaten unserer animusX Umfrage – bleibt den zahlenden Mitgliedern des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die hohe Qualität unserer Analysen solide finanzieren möchten. Mit den Einnahmen entwickeln wir die Sentimentanalyse kontinuierlich weiter – für noch fundiertere Einschätzungen, die helfen, Anlageentscheidungen zu optimieren und die Portfolio-Performance weiter zu verbessern.
So erhalten Sie die Sentiment-Ergebnisse weiterhin kostenlos
Unser Give & Take-Prinzip: Wenn Sie an der wöchentlichen und nur 2 Minuten dauernden animusX-Umfrage (Do-Sa) teilnehmen, erhalten Sie die Sentiment-Ergebnisse inklusive der Interpretation weiterhin kostenfrei. Die animusX Sentiment-Ergebnisse werden zusätzlich noch mit umfangreichen Charts an alle Teilnehmer verschickt, damit Sie auch eigene Schlussfolgerungen daraus ableiten können.
Zur Anmeldung gelangen Sie hier:
https://www.animusx.de. Dort können Sie auch ein Probeexemplar einsehen.
So erhalten Sie die Sentiment-Interpretation weiterhin in der Heibel-Ticker Ausgabe
Alternativ können Sie zum kostenpflichtigen Heibel-Ticker PLUS wechseln: Damit erhalten Sie nicht nur die prägnante Sentiment-Interpretation in der wöchentlichen Heibel-Ticker-PLUS-Ausgabe, sondern zusätzlich den wöchentlichen exklusiven Börsenausblick. Dazu mehr Details im Kapitel 4.
4. Ausblick: Detaillierte Diskussion: Bedeutung von Zinserhöhungen, Ölpreisrallye und KI-Regulierung für unserer Portfoliopositionen
Der Börsen-Ausblick mit Markt- und Aktienanalysen, konkreten Investmentideen, Empfehlungen sowie detaillierten Kauf- und Verkaufsaktionen bleibt den zahlenden Mitgliedern des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die hohe Qualität unserer Veröffentlichung solide finanzieren möchten.
Gerne möchten wir Ihnen zeigen, wie wir Analystenresearch, volkswirtschaftliche Zusammenhänge und Börsenmechanismen gewinnbringend nutzen. Ab 12,50 Euro im Monat können Sie sich unverbindlich davon überzeugen. Zur Bestellseite mit weiteren Informationen gelangen Sie über folgenden Link: https://www.heibel-ticker.de/member/new
Zusätzlich zu den kostenfreien, meist vergangenheitsbezogenen Inhalten der Free-Version (Marktrückblick, Sentimentanalyse & Leserfragen) erhalten Sie als Heibel-Ticker PLUS Mitglied:
+ Umfangreiche Markt- und Aktienanalysen und daraus abgeleitete konkrete Investmentideen
+ Updates zu Portfoliotiteln in Wochenausgabe
+ tabellarischer Übersicht des Heibel-Ticker Portfolios
+ Video-Konferenzen mit Stephan Heibel und Gästen
+ Interner Mitglieder-Bereich mit Updates in Echtzeit
+ Zugang zu PLUS Ausgaben im Archiv
+ 8% Treuerabatt nach 1. Jahr für PLUS und EXPRESS
Optional erhalten Sie unterwöchig mit der Express-Option Empfehlungen direkt per SMS & E-Mail, sobald ich diese verfasst habe. (Express)
Den Reaktionen unserer Mitglieder entnehme ich, dass der Heibel-Ticker PLUS die Bedürfnisse von Privatanlegern gezielt und verständlich sowie fundiert und erfolgreich befriedigt. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Investmentideen zur selbstständigen Portfolio-Optimierung. Schauen Sie sich dazu gerne Erfahrungen und Referenzen unserer Mitglieder an.
Ich trenne die Hintergründe der Aktienmärkte von dem täglichen Medienrummel so messerscharf wie kaum ein anderer. Meine Leser schätzen meine neutrale, vereinfachende und unterhaltsame Art. Davon können Sie sich in diesem Heibel Ticker Free überzeugen.
Wenn Sie meine Schlussfolgerungen und Investmentideen erfahren möchten, dann testen Sie bitte den Heibel-Ticker PLUS unverbindlich ab 12,50 Euro im Monat.
Zur Bestellseite mit weiteren Informationen gelangen Sie über folgenden Link:
https://www.heibel-ticker.de/member/new
5. Update beobachteter Werte
Die Heibel-Ticker PLUS Updates inkl. aktuellen Einschätzungen, konkreten Empfehlungen zu Einstiegspunkten sowie -kursen und Verkaufsempfehlungen zur Gewinnrealisierung bleiben den zahlenden Mitgliedern des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die hohe Qualität unserer Veröffentlichung solide finanzieren möchten.
Gerne möchten wir Ihnen zeigen, wie wir Analystenresearch, volkswirtschaftliche Zusammenhänge und Börsenmechanismen gewinnbringend nutzen. Ab 12,50 Euro im Monat können Sie sich unverbindlich davon überzeugen. Zur Bestellseite mit weiteren Informationen gelangen Sie über folgenden Link:
https://www.heibel-ticker.de/member/new
6. Leserfragen
Micron-Risiko: Mitarbeiter fordern Gewinnbeteiligung von 800.000$/Jahr/Mitarbeiter
Sehr geehrter Herr Heibel,
Sie empfehlen Micron Technology zum Kauf. Haben Sie keine Bedenken hinsichtlich der gewerkschaftlichen Arbeitskampfmaßnahmen in Taiwan? Nach dem Vorbild von Samsung und SK Hynix droht die Gewerkschaft damit, die Arbeit unbefristet niederzulegen, falls nicht 15% des Ertrags als Bonus an die Mitarbeiter ausgeschüttet werden. Ein Angebot von Micron, bis zu 68 Monatsgehälter als Bonus zu zahlen – also mehr als fünf Jahresgehälter –, wurde von der Gewerkschaft als abgewiesen.
Die Gewerkschaften vertreten in Taiwan knapp 10.000 von rund 15.000 Mitarbeitern an den betroffenen Standorten, mehr als 80 % der befragten Mitglieder unterstützten Streikmaßnahmen, und trotz Microns inzwischen angekündigter Vergütung von bis zu 68 Monatsgehältern besteht noch keine Einigung.
Für einen Investor sehe ich dies aus drei Gründen problematisch. Erstens hat Micron kurzfristig kaum Ausweichmöglichkeiten: Eine moderne DRAM-Fab lässt sich nicht einfach durch ein anderes Werk ersetzen. Zweitens zeigt Samsung, dass erfolgreiche Arbeitskämpfe branchenweit neue Referenzwerte schaffen können. Drittens kann daraus ein dauerhafter Anspruch auf einen erheblichen Anteil des zyklischen Übergewinns entstehen. Dann liegt ein Teil des operativen Leverage nicht mehr bei den Aktionären. Sollte die Forderung tatsächlich auf 15 % des konsolidierten operativen Micron-Gewinns hinauslaufen, wäre die theoretische Belastung enorm. Bei 15.000 Taiwan-Mitarbeitern entspräche es rechnerisch fast 1 Mio. USD je Beschäftigten.
Diese asymmetrische Risikoverteilung gefällt mir überhaupt nicht. In einem schlechten Speicherjahr trägt der Aktionär praktisch das gesamte zyklische Risiko: Gewinne kollabieren, Fabs schreiben weiter ab, der Aktienkurs fällt. Im außergewöhnlich guten Jahr tritt dagegen eine organisierte Belegschaft auf und verlangt einen erheblichen Anteil des Übergewinns. Damit entsteht für den Aktionär eine ungünstige Struktur: Downside bleibt beim Kapitalgeber, Upside wird zunehmend geteilt.
Das ist genau das Gegenteil dessen, was ich bei einem kapitalintensiven zyklischen Unternehmen sehen möchte. Die Aktionäre finanzieren Milliarden für Fabs, übernehmen Technologie-, China-, Taiwan-, Nachfrage- und Abschreibungsrisiken – und der außergewöhnliche Gewinn wird nachträglich neu verteilt.
Trotz der marktwirtschaftlich guten Aussichten halte ich dieses Risiko für ein Damoklesschwert über allen 3 Speicherproduzenten.
Mit freundlichen Grüßen
Ralf aus Boppard
ANTWORT
Taiwan ist tatsächlich das operative Rückgrat von Micron, denn dort werden 50-60% aller Chips produziert, bei HBM-Chips ist es sogar der Löwenanteil. 19 Mrd. USD an langfristigen Vermögenswerten (Anlagen und Ausrüstung) sitzen ebenfalls in Taiwan, mehr als in jedem anderen Land. Ein Streik zum jetzigen Zeitpunkt würde nicht nur die aktuellen Auslieferungen treffen, sondern die gesamte HBM-Roadmap 2026/27 gefährden.
Samsung hat im Mai einen 18-Tage-Streik von 48.000 Mitarbeitern nur mit einer Sondervergütung von 10,5% der Chip-Gewinnmarge abgewendet. SK Hynix hat vor einem Jahr sogar 10% des jährlichen Gewinns (Operating Profit) für die nächsten 10 Jahre zugesagt. Die Micron-Gewerkschaft rechnet vor, dass das aktuelle Micron-Angebot nur 4,4% des operativen Gewinns entspricht. Im Raum steht aktuell eine 15%-Forderung als Anfangsgebot einer Verhandlung. Rechnen wir mal damit, dass eine Einigung zwischen 8% und 12% liegen könnte.
Ihre asymmetrische Risikoverteilung trifft den strukturellen Kern. In Zyklustiefs schreiben die Speicherhersteller regelmäßig Milliardenverluste und die Aktionäre tragen die volle Abschreibung. Im Zyklushoch, wenn 80% Operating Margins zu 28 Mrd. USD Nettogewinn pro Quartal führen, erhält die Belegschaft einen Anteil, der in schlechten Jahren nicht symmetrisch reduziert wird. Bei den 8% bis 12% wäre die Rechnung tatsächlich extrem: 10% von rund 30 Mrd. USD Quartalsgewinn wären 3 Mrd. USD pro Quartal an die Belegschaft, das entspräche knapp 0,8 Mio. USD je Taiwan-Mitarbeiter im Jahr. Für die Belegschaft ein Traumgehalt, für den Aktionär eine erhebliche strukturelle Belastung.
Ihre Schlussfolgerung, dass dies ein Damoklesschwert über allen drei Speicherproduzenten ist, teile ich nur bedingt. Bei SK Hynix und Samsung ist der Schock bereits durchgestanden und im Kurs eingepreist. Die Aktien laufen trotzdem stark, weil der absolute Gewinn selbst nach der Gewinnbeteiligung enorm ist. Bei Micron ist der Schock meiner Einschätzung nach größtenteils eingepreist. Die Verhandlungen laufen aktuell (18./21. September), Q4-Zahlen kommen am 30. September, und der potenzielle Streikbeschluss steht unmittelbar bevor. Der Bewertungsabschlag der Micron-Aktie gegenüber SK Hynix reflektiert nach meiner Wahrnehmung den Großteil dieser Arbeitskampfrisiken.
Vielen Dank für Ihren Hinweis, dieser Arbeitskampf hat bei näherem Hinschauen tatsächlich eine deutlich größere Bedeutung, als von mir zuvor angenommen. Gleichzeitig dient dieser Arbeitskampf nun als Erklärung für die schwache Kursperformance in den vergangenen Wochen. Häufig ist es so, dass eine Lösung, egal ob bei 8% oder 12%, gerade in einer Situation wie bei Micron, wo die beiden maßgeblichen Wettbewerber bereits entsprechende Entscheidungen umsetzen, als Gewissheit begrüßt wird und die Aktie anschließend zu einer Erholung ansetzt.
Andersherum gerechnet: Sollte der Gewinn durch die Mitarbeiterbeteiligung um 10% gekürzt werden, dann würde sich das EV/EBITDA von aktuell 5,0 auf 5,5 erhöhen. Das ändert kaum etwas an der exorbitant günstigen Bewertung.
PVA TePla KGV 72 versus EV/EBITDA 16
Lieber Herr Heibel halten Sie heute PV Tepla bei einem Kurs von ca. 28,00
Euro trotz eine KGV von 72 für kaufenswert?
Für eine kurze zeitnahe Rückmeldung freue ich mich.
Mit besten Grüßen
Henning aus Wendelsheim
ANTWORT
Hier können Sie wunderbar sehen, warum ich die Bewertungskennziffer EV/EBITDA (kurz: EVA) dem KGV vorziehe: EVA zeigt die Profitabilität des Geschäftsmodells, während das KGV Investitionen, Schulden und andere Faktoren einbezieht. Wenn Sie also wissen wollen, wie teuer die Aktie heute ist, dann ist das KGV hilfreich. Doch mich interessiert, wie teuer die Aktie künftig sein wird. Und dazu rechne ich Investitionen als Einmaleffekt heraus und schaue auch nur auf den Unternehmenswert, wenn es keine Kredite gäbe.
Der konservative Anleger mag sich auf eine dritte Kennzahl konzentrieren: den freien Cashflow. Diese Kennzahl berücksichtigen wir bei Dividendentiteln besonders stark, da eine attraktive Dividende direkt am freien Cashflow hängt. Für Wachstumsunternehmen wie PVA TePla ist das jedoch irrelevant. Hier interessiert mich nur, ob das Geschäftsmodell in der Zukunft trägt. So steht das KGV bei 72, während das EV/EBITDA nur bei 16 steht.
Natürlich ist es riskant, sich auf künftige Entwicklungen zu konzentrieren. Wir haben bereits das Tal der Tränen mit PVA TePla durchschritten, da die Prognosen stets zu optimistisch waren. Doch seit Jahresbeginn hat sich dies geändert, inzwischen werden die Prognosen zunehmend verlässlich, so dass die Aktie bereits um 50% angestiegen ist … auch wenn sie zwischenzeitlich schon mal eine Verdopplung zeigte.
Palo Alto: Index-Aufnahme als Kurstreiber
Hallo Herr Heibel !
Ich freue mich immer auf die neue Ausgabe des Tickers, nur weiter so 😀
Da Palo Alto jetzt in den S&P aufgenommen wird, würde mich interesieren in welchem Zeitraum die Anpassungen gemacht werden....
Beginnt das schon vor Aufnahme in den Index oder aber erst ab dem Stichtag ?
Wie lange kann dad dauern ?
Ist das einheitlich geregelt odet macht das jeder nach seinen eigenen Regeln ?
Vielen Dank
Jürgen aus Sardinien
ANTWORT
Palo Alto Networks ist bereits seit Juni 2023 im S&P 500. Was jetzt am 21. September 2026 ansteht, ist die Aufnahme in den engeren S&P 100, gemeinsam mit Dell, Arista und SanDisk. Aus dem S&P 100 fliegen Nike, Honeywell Aerospace, Simon Property Group und Colgate-Palmolive.
Zum Ablauf der Anpassungen: S&P Dow Jones kündigt die Änderungen typischerweise 5-10 Handelstage vor dem Effektivdatum an. Diese Ankündigung erfolgte hier Anfang September. Das eigentliche Rebalancing der passiven Index-Fonds findet dann konzentriert am Handelsschluss des letzten Handelstages vor dem Effektivdatum statt, also am Freitag, 18. September. Passive Fonds müssen ihre Positionen möglichst exakt an den Index anpassen, um ihren Tracking Error minimal zu halten. Die Schlussauktion des Vortags ist der einzige Zeitpunkt, an dem sie garantiert zum offiziellen S&P-Rebalancing-Kurs kaufen können.
Die Effektivdatum-Regel ist einheitlich für alle passiven Fonds vorgegeben; sie müssen zum offiziellen Rebalancing-Zeitpunkt die Position halten. Wie sie die Position dorthin aufbauen, ist allerdings jedem Fondsmanager selbst überlassen. Manche kaufen alles am Effektiv-Tag, andere staffeln die Käufe über mehrere Tage vorher, um den Kurs nicht selbst nach oben zu treiben. Genau darauf spekulieren aktive Trader und Hedgefonds: Sie kaufen die Aktie direkt nach der Ankündigung und verkaufen später an die passiven Fonds - das ist der berühmte „Index Inclusion Effect", der historisch zwischen Ankündigung und Effektivdatum für einen leichten Kursanstieg sorgt (ca. 3%). Nach dem Effektivdatum folgt häufig ein leichtes Reversal von 1-2%, langfristig bleibt aber ein Aufwärtsdruck durch die höhere Sichtbarkeit und die dauerhafte Nachfrage neuer passiver Fondsmittel.
Die S&P 100 Aufnahme hat eine deutlich kleinere Nachfragewirkung als die S&P 500 Aufnahme. Der S&P 500 wird von direkt oder indirekt rund 7-9 Bio. USD getrackt, der S&P 100 nur von einem Bruchteil davon. Der zusätzliche Kaufdruck wird also spürbar geringer sein als beim S&P 500 Aufstieg 2023, wo Palo Alto damals am Ankündigungstag +5,6% zulegte. Eine viel stärkere Kursrelevanz haben andere Entwicklungen, wie in diesen Tagen beispielsweise die gestiegene Bedeutung von Sicherheitslösungen für die IT-Landschaft im Rahmen der KI-Bedrohungen. Palo Alto stieg allein diese Woche um 15% an - unabhängig von der Index-Entscheidung.
Also: Wir kümmern uns selten um Index-Zugehörigkeiten als Kurstreiber, da diese Effekte nichts mit dem zugrunde liegenden Geschäft zu tun haben und daher in meinen Augen eher die Bestätigung einer Geschäftsentwicklung und nicht deren Ursache. Wenn überhaupt, dann könnte der Kurs am Montag etwas unter Druck geraten, weil die oben erwähnten Spekulanten aus der Aktie gehen.
Stark schwankende Dividendenrendite bei Harbour Energy
Guten Abend, Herr Heibel,
in der letzten Ausgabe habe Sie bei den Leserfragen Habour Energy A3CRBA hervorgehoben, insbesondere die Div.-Rendite von 8,9 %.
In zwei anderen Finanz-Zeitungen ist nur von ca. 4,6 % die Rede.
Auf welcher Seite liegt der Flüchtigkeitsfehler ? Es wird ja zweimal jährlich Dividende ausgeschüttet...
Meiner Spürnase sagt die Aktie zu.
Viele Grüße
Franz aus Magdeburg
ANTWORT
Danke für den Hinweis, alle haben recht: Die Dividendenrendite für das abgelaufene Jahr 2025 betrug 8,9%, ausgezahlt in zwei Tranchen (am 21.5.25 und 24.9.25 jeweils 13,19 USD/Aktie).
Am 20.5.26 und 24.9.26 werden jeweils 8,905€ ausgeschüttet, was zu einer Dividendenrendite von aktuell 4,9% führt.
Für 2027 erwarten Analysten eine Dividende von zweimal 10 USD, also 5,5%.
Danke nochmals für den Hinweis. Die starken Schwankungen in der Rendite liegen zum einen an der dynamisch angepassten Dividendenhöhe sowie auch an der Kursentwicklung, die derzeit sehr volatil ist: Zum Jahresbeginn lag der Kurs bei 182 USD, im März wurde das Hoch bei 320 USD erreicht und aktuell steht die Aktie bei 274 USD. Die Dividendenrendite wird stets auf den aktuellen Kurs zum Zeitpunkt der Ausschüttung, die erwartete zum aktuellen Kurs, berechnet, daher diese großen Schwankungen.
Honeywell Aerospace günstig wegen Lieferkettenproblemen
Lieber Herr Heibel,
ich fände mal eine Analyse von HONA durch dich sehr spannend.
Honeywell Aerospace ist nach den Quartalszahlen ein wenig unter die Räder gekommen, aber ich halte sie langfristig durchaus interessant.
Vielleicht haben sie ja mal Zeit/ Lust.
Herzlich, Kai aus Würzburg
ANTWORT
Honeywell Aerospace ist ein klassischer Post-Spin-off-Fall und damit für Geduldige tatsächlich interessant. Dem Spin-off am 29. Juni folgte am 5. August sofort ein Schock mit dem ersten Quartalsbericht als eigenständiges Unternehmen. Die Unternehmensprognose für 2026 wurde von 7-9% organischem Wachstum auf 4-5% gesenkt, die Aktie verlor über 20%. Als Grund wurden Lieferkettenengpässe bei mechanischen Komponenten genannt, die verhindern, dass die stark wachsende Aftermarket-Nachfrage bedient werden kann.
Nicht die Nachfrage ist das Problem, sondern die Fähigkeit zu liefern. Das ist der bessere der beiden möglichen Fehler. Das Management hat konkrete Maßnahmen angekündigt, wie bspw. Investitionen in Zulieferer-Werkzeuge, Dual-Sourcing (stets mindestens 2 Lieferanten für jede Zulieferer-Komponente) und rechnet mit einer Erholung der Gewinnmarge ab 2027. Bis 2030 soll der Gewinn verdoppelt werden. Die Verteidigungsausgaben in Europa und in den USA steigen strukturell und Honeywell Aerospace hat eine starke Marktstellung bei Bordelektronik (Avionik), Triebwerken und Hilfstriebwerken (APUs).
Auch ohne die negative Überraschung bei den ersten Quartalszahlen hätte ich eine zunächst schwache Kursentwicklung nach dem Spin-off erwartet. Die ersten 6-12 Monate sind häufig holprig, weil Anleger das neue Unternehmen erst kennenlernen müssen. Wie erstellt das Unternehmen seine Prognose, wie sehen die Lieferantenverträge ohne Konzernmutter aus, die Kapitalallokation wird häufig neu aufgesetzt. Zudem verkaufen viele Index-Fonds und institutionelle Anleger die beim Spin-off erhaltenen Aktien des kleineren Ablegers der Konzernmutter, da die neue Gesellschaft nicht in das Anlageprofil passt. Erst danach, vielleicht nach 6-12 Monaten, folgt eine Phase der Neubewertung.
Ich würde HONA aktuell noch nicht kaufen. Der Q3-Bericht Anfang November muss zunächst zeigen, ob die Lieferkettenmaßnahmen greifen und ob die Unternehmensprognose hält. Das EV/EBITDA steht bei 13, für das laufende Jahr wird nun ein Gewinnwachstum (EBITDA) von 16% erwartet, für 2027 dann 8%. Langfristig dürfte sich das Unternehmen zu einem verlässlichen Industrieunternehmen mit Schwerpunkt Luftfahrt und Rüstung entwickeln. Sofern das Lieferkettenproblem gelöst wird, könnte die gute Marktposition aufgrund der großen Nachfrage zusätzlich noch Preiserhöhungen ermöglichen, die dann zu positiven Überraschungen bei der Gewinnentwicklung und somit zu einem kräftig ansteigenden Kurs führen könnten. Doch das ist dann nur eine Spekulation, die ich nicht eingehen würde, bevor das Lieferkettenproblem gelöst ist.
7. Übersicht HT-Portfolio
Der Börsen-Ausblick mit Markt- und Aktienanalysen, konkreten Empfehlungen sowie detaillierten Kauf- und Verkaufsaktionen bleibt den zahlenden Mitgliedern des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die hohe Qualität unserer Veröffentlichung solide finanzieren möchten.
Gerne möchten wir Ihnen zeigen, wie wir Analystenresearch, volkswirtschaftliche Zusammenhänge und Börsenmechanismen gewinnbringend nutzen. Ab 12,50 Euro im Monat können Sie sich unverbindlich davon überzeugen. Zur Bestellseite mit weiteren Informationen gelangen Sie über folgenden Link:
https://www.heibel-ticker.de/member/new
8. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)
Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.
Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar.
Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren.
Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.
Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen
DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag
9. Mitgliedschaft verwalten
Über den Heibel-Ticker
Stephan Heibel
Die Heibel-Ticker PLUS Mitgliedschaft
Erfahrungen & Referenzen
Heibel-Ticker Portfolio Performance
Compliance Regeln
Alle Heibel-Ticker PLUS Updates
Blog mit aktuellen Beiträgen
Fragen und Antworten
Kontakt
Datenschutzerklärung
Impressum
Wenn Sie sich von diesem Dienst abmelden möchten, dann folgen Sie bitte diesem Link: Jetzt Abmelden
Sie können sich über diese Seite gerne jederzeit wieder anmelden.
Sollte sich Ihre E-Mail Adresse geändert haben, so stornieren Sie bitte zunächst die alte Adresse und melden sich anschließend mit der neuen E-Mail Adresse wieder an.
Gerne können Sie den Heibel-Ticker Ihren Freunden empfehlen. Sie können den Heibel Ticker Free beliebig weiterleiten. Wenn Sie Inhalte davon auf anderen Internetseiten verwenden möchten, bitten wir um eine korrekte Quellenangabe sowie um eine kurze Information darüber.
