Heibel-Ticker 26/42 - Sie haben gewählt: Wunschanalyse zum Luxuskonzern LVMH Louis Vuitton

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Heibel-Ticker Free Börsenbrief

- Einfach einen Tick besser -

21. Jahrgang - Ausgabe 42 (16.10.2026)




Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:

1.Info-Kicker: Sie haben gewählt: Wunschanalyse zum Luxuskonzern LVMH Louis Vuitton
2.So tickt die Börse: Kinderträume werden wahr, Danke Elon
 - Wochenperformance der wichtigsten Indizes
3.Sentiment: Der Trotz weicht, die Kasse ist leer
 - Interpretation
4.Ausblick: BofA Fundmanager Survey und die Bedeutung für unser Heibel-Ticker Portfolio
5.Update beobachteter Werte
 Nachkaufen, Crescendo im Gange
 Kaufen als Spekulation auf Elon Musk
6.Leserfragen
7.Wunschanalyse: LVMH Moët Hennessy
 - : Wenn der Wind sich dreht
 - Das Geschäft mit dem Luxus
 - Gesunde Bilanz ermöglicht ordentliche Dividende
 - Neubewertung im Gang
 - Stellschrauben des Erfolgs
 - LVMH im Heibel-Ticker Portfolio
 - Fazit: Billig ist nicht gleich günstig
8.Übersicht HT-Portfolio
9.Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
10.Mitgliedschaft verwalten



1. Info-Kicker: Sie haben gewählt: Wunschanalyse zum Luxuskonzern LVMH Louis Vuitton



Liebe Börsenfreunde,

Nachdem wir vor wenigen Tagen Karten für das Musical "Zurück in die Zukunft" hier in Hamburg gekauft haben, präsentierte Elon Musk gestern Abend seine Version des DeLorean, seinen Tesla Roadster. Ich traute meinen Augen kaum: Er kann fliegen! In Kapitel 2 zeige ich auf, was diese Innovation für Tesla bedeutet und welche Bedeutung Elon Musk für unsere Generation hat.

Natürlich gehe ich in Kapitel 2 auch auf die anderen Entwicklungen der abgelaufenen Woche ein: Ein chinesisches Unternehmen kündigte an, schon bald wettbewerbsfähige DRAM-Speicher für Server zu produzieren. Die gesamte KI-Branche wurde daraufhin ausverkauft, mit Tagesverlusten von bis zu -15% (CoreWeave). Ich analysiere, was wirklich dahintersteckt.

Die heutige Sentiment-Analyse zeigt eine konstruktive Entwicklung der Stimmung unserer Umfrageteilnehmer, nach der trotzigen Erstreaktion auf die Kursverluste der vergangenen Wochen. Meine Interpretation der aktuellen Stimmung lesen Sie in Kapitel 3.

Im heutigen Ausblick in Kapitel 4 gehe ich kurz auf die monatliche Umfrage der Bank of America unter den Fondsmanagern ein und leite ab, was daraus für unser Heibel-Ticker Portfolio resultiert. Außerdem weise ich auf die anstehenden Termine hin, die uns in den kommenden Wochen betreffen.

Zu Beginn des Kapitels 5 habe ich Ihnen wieder alle unternehmensrelevanten Ereignisse aufgelistet, die kein eigenes Update wert waren. Darüber hinaus gab es diese Woche zwei Updates mit einer Nachkauf-Empfehlung sowie einer Neuempfehlung.

LVMH gewann diese Woche die Wunschanalyse. Das einst wertvollste Unternehmen Europas leidet seit 2023 unter einem rückläufigen Aktienkurs. Ich habe analysiert, warum die Aktie so stark eingebrochen ist (-60%) und beurteile, ob oder wann ein Boden gefunden wird. Die Wunschanalyse lesen Sie in Kapitel 6.

Zwei Leserfragen beantworte ich in Kapitel 7: Zum einen wird mir die Nu Holding mit starkem Kreditgeschäft in Südamerika als Finanzspekulation ans Herz gelegt. Zum anderen werde ich nach dem Unterschied eines Cold Wallets und der Verwahrung im Software Wallet der Börse Stuttgart gefragt.

Wie immer gibt es eine tabellarische Übersicht über unser Heibel-Ticker Portfolio in Kapitel 8.

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

heibel

take share, Ihr Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs




2. So tickt die Börse: Kinderträume werden wahr, Danke Elon



TeslaRoadster Welcher Junge hat sich nie dem Tagtraum hingegeben, in einem fliegenden Auto zu sitzen? Ich denke, keiner. Elon Musk ließ diesen Traum nun Wirklichkeit werden: Gestern Abend stellte er den Tesla Roadster vor, das "flying car". Klar, über den Atlantik können Sie damit nicht fliegen, auch nicht von Berlin nach Hamburg ... aber darum geht's doch gar nicht.

Es geht darum, mit einem Auto unliebsame Hindernisse fliegend zu überwinden. Und auch wenn Sie jetzt zu Recht sagen, dass so etwas auf unseren Straßen wohl auf absehbare Zeit nicht zugelassen werden kann, so zucke ich auch da mit den Schultern: Egal, denn darum geht es nicht.

Elon Musk bedient das abenteuerlustige Kind in uns. Was wäre, wenn... Autos fliegen könnten? Seit heute können sie es.

"Das braucht kein Mensch" ist die Reaktion derer, die mir 1989 sagten, das Handy braucht kein Mensch. Oder 1981: Das Internet braucht kein Mensch. Oder 2007: Das iPhone braucht kein Mensch... es gibt so vieles, was der Mensch nicht braucht, aber dennoch haben will. Und fliegende Autos gehören mit Sicherheit zu dem, was der Mensch haben will.

Der Tesla Roadster wird ein Verkaufsschlager, da bin ich mir sicher. Natürlich werden die Dinger nicht über unsere Straßen fliegen. Aber sie werden die dafür erforderlichen Düsen montiert haben, genau wie schon die ersten Tesla Modell S seit 2012 die Ausrüstung für das autonome Fahren haben. Autonom fahren können die bis heute nicht.

Mit einem Satz tötet Elon Musk Ferrari: "Es ist natürlich nicht sicher, aber auf der Spaßskala von 1 bis 10 bei 11". Wer möchte jetzt noch an der Ampel im Ferrari neben einem Tesla Roadster stehen, der von 0 auf 100 km/h in weniger als einer Sekunde beschleunigen "kann" und theoretisch fliegen "kann"?

Bei der Beschleunigung setze ich das "kann" in Anführungszeichen, weil ich mir nicht sicher bin, ob es Menschen gibt, die das wollen. Als ich mal den Tesla Modell E mit Ludicrous-Modus fuhr, der von 0 auf 100 in 2,5 Sekunden beschleunigt, habe ich es nicht geschafft, das Pedal voll durchzutreten ... mir wurde durch die Beschleunigung so mulmig, dass ich davor zurückschreckte. Aber darum geht es ja auch nicht, wie Sie inzwischen verstanden haben werden ;-)

Elon Musk lässt Träume wahr werden, während wir uns nur um die Optimierung der vorhandenen Technologien kümmern. Es ist die ewige Frage, ob der technologische Fortschritt zu besseren Lebensbedingungen führt, oder ob wir das alles gar nicht brauchen. Ich habe diese Frage für mich schon als Kind beantwortet: Neue Technologien sind geil, wenn sie ein Bedürfnis erfüllen.

Mit Starlink schießt Elon Musk mehr Satelliten in die Umlaufbahn als alle anderen Raumfahrtprojekte zusammen. Braucht kein Mensch, war die Kritik. Doch wenn er die Satelliten ausschaltet, beschwert sich Selenskyj sofort bei Donald Trump. Die Nasa hat ihr Raumfahrtprogramm mit eigenen Raketen oder dem Space Shuttle eingestellt, weil sie es nicht geschafft hat, Sicherheitsstandards zu vertretbaren Kosten einzuhalten. Elon Musk hat nun die wiederverwendbare Rakete funktionstüchtig gemacht. Bei jedem Rückschlag im Projekt wurde er verspottet. Heute wird er kritisiert, weil er die Nutzlast zum großen Teil für seine eigenen Satelliten nutzen möchte und nicht anderen Interessenten (die ihn zuvor verspotteten) zur Verfügung stellt.

Die Kritik an den KI-Rechenzentren wird immer lauter: Sie nehmen in der Nachbarschaft nicht nur den Strom weg, sondern verbrauchen auch eine Menge Wasser für die Kühlung der Prozessoren. Die Gemeinden fürchten Wasserknappheit im Umfeld von KI-Rechenzentren und immer mehr Gemeinden verbieten den Bau von KI-Rechenzentren in ihrer Gemeinde.

Dennoch ist unbestritten, dass wir auf Sicht von mehreren Jahren zu wenig Rechenleistung zur Verfügung haben werden. Im ewigen Eis beschleunigen sie das Abschmelzen der Polkappen, schwimmend auf dem Meer heizen sie unsere Ozeane auf und in der Wüste kann die Kühlung nicht gewährleistet werden. Elon Musk hat auch hier eine Lösung: Wir bauen die KI-Rechenzentren einfach im All. Dort ist es ohnehin sehr kühl, die Solarenergie ist bei der richtigen Umlaufbahn 24/7 verfügbar und das Brummen ist im Vakuum ohnehin nicht zu hören.

Sie wissen, dass ich solche Leistungen durchaus zu schätzen in der Lage bin, selbst wenn der Erfinder auch schon mal in seinem Leben Fehler gemacht hat. So, genug der Lobeshymne auf Elon Musk.

Semi Schauen wir uns nun die zweite Geschichte dieser Woche an: Der Ausverkauf der Chip-Aktien. Schon den ganzen Sommer hindurch laufen die ehemaligen Lieblinge der Börsianer, die Chip-Aktien, nicht mehr. Für viele völlig überraschend (außer natürlich für Heibel-Ticker Mitglieder) wurden zeitgleich die zuvor ausverkauften Software-Anbieter nach oben gejubelt: SalesForce, ServiceNow, SAP, Palantir, Microsoft, Palo Alto und CrowdStrike. All jene, denen Anthropic im Siegestaumel des KI-Erfolgs kurzerhand die Existenzberechtigung absprach, da man Software mit KI einfach nachbauen könne.

Nichts war weiter von der Realität entfernt als diese Meinung, und Anthropic war das erste Unternehmen, das sich an die Anbieter von IT-Sicherheit wie Palo Alto, CrowdStrike und auch Okta, wandte, um gegen übergriffige KI-Agenten vorgehen zu können. Während also Softwareaktien seit diesem Sommer eine Renaissance erleben, werden nun Chip-Hersteller und alles, was daran hängt, ausverkauft.

Am schlimmsten trifft es derzeit CoreWeave, den Anbieter von KI-Rechenzentren auf Basis der Nvidia-Architektur. Mit einem Unternehmenswert von aktuell 80 Mrd. $ und zuletzt 7,5 Mrd. $ Jahresumsatz müssen bereits Schulden in Höhe von 51 Mrd. $ bedient werden. Das ist ein heißer Ritt, eine Wette auf die Zukunft! Bislang gab die Marktentwicklung dem Gründer und CEO Michael Intrator recht, denn die KI-GPUs von Nvidia behalten wesentlich länger ihren Wert als kalkuliert.

Die Kalkulation von Intrator beruht zu einem großen Teil auf der Nutzungsdauer der KI-GPUs. Der teure Bau der Rechenzentren wird mit festen Kundenaufträgen für die Nutzung finanziert. Rechnerisch sind die Chips nach 5 Jahren abbezahlt, der Vertag läuft aus und das Rechenzentrum ist wertlos. Intrator rechnet jedoch damit, dass auch ältere Chips noch vermietet werden können, und die derzeit abgeschlossenen Verträge geben ihm recht. Zuletzt hat er die Rechenleistung von 9 Jahre alten KI-GPUs zu einem Preis vermietet, der dem damaligen Neupreis der GPUs entspricht.

So erklärt sich der Höhenflug der CoreWeave-Aktie. Doch an der Börse herrscht das Kurzzeitgedächtnis vor. Anfang der Woche veröffentlichte der chinesische Chip-Hersteller CXMT eine Meldung, der zufolge er noch in diesem Jahr mit der Massenfertigung von DDR5-RDIMM mit 4F²-Zelle für Server starten wird. Damit stößt CXMT in einen Bereich vor, der von SK Hynix, Samsung und Micron derzeit nur stiefmütterlich bedient wird: der normale Server-Speicher (Server-DRAM).

Da die drei HBM-Speicheranbieter alle Fertigungskapazitäten auf die Herstellung der HBM-Speicher für KI-Rechenzentren konzentrieren, können die wenigen "normalen" Speicher, die auf den alten Maschinen gefertigt werden, zu Mondpreisen verkauft werden. Wenn nun CXMT diesen Engpass beseitigen kann, dann werden die Mondpreise in diesem Geschäftsbereich fallen.

In Sachen HBM-Speichern liegt CXMT nach wie vor zwei Generationen hinter Micron und SK Hynix. Mangels ASML-Maschinen (Exportverbot nach China) wird CXMT hier auch nicht in absehbarer Zeit aufschließen können.

Allerdings zeigt diese Entwicklung, dass die Mondpreise, mit denen derzeit die gesamte Hardware-Branche zu kämpfen hat, nicht ewig Bestand haben werden. So zeichnen Skeptiker ein desaströses Bild für Micron und CoreWeave: Der Widerstand gegen KI-Rechenzentren wächst, neue Standorte mit ausreichend Strom und Wasser sind immer schwerer zu finden. Was, wenn das Wachstum nicht mangels HBM-Chips, sondern mangels Standorten ins Stocken gerät? Da mag die Nachfrage noch so groß sein, doch wenn es keinen Platz mehr für Wachstum gibt, kann man nicht mehr wachsen. Und wenn ein solches Szenario eintreten sollte, dann sind so ziemlich alle KI-Hardwareaktien kolossal überteuert.

CXMT wäre dann der lachende Dritte, der sich auf den verbliebenen Markt konzentriert, während die Hochleistung-Anbieter auf der Stelle treten.

Meine Meinung? Nun, ich würde dieser Argumentation zwei Fehler unterstellen. Zum einen fand das Wachstum bislang fast ausschließlich in den USA statt. Wenn sich dort Widerstand regt, gibt es weltweit genügend andere Staaten, die gerne KI-Rechenzentren bauen. Und zum anderen kennt keiner der heutigen Chip-Analysten die alte Mainframe-Welt. Ich würde den Ausbau der KI-Infrastruktur heute eher mit den Mainframes der 1970er und 1980er vergleichen, die nicht selten jahrzehntelang ihren Dienst schoben.

Das ist nicht zu vergleichen mit dem Personal Computer, dem PC, und später den immer kleineren Endgeräten über Tablet und Smartphone bis hin zu Watch und AirPods. Meine Laptops um die Jahrtausendwende hielten niemals länger als ein Jahr, dann war zu wenig Arbeitsspeicher, eine zu kleine Grafikkarte, ein zu lauter Lüfter, die falschen Anschlüsse, eine zu langsame Netzwerkkarte, ... irgendein Flaschenhals Grund genug, mir ein neues Laptop zu holen. Erst 2012 kaufte ich ein MacBook, das ich sogar heute noch nutzen kann (für OpenClaw). Mein Laptop ersetze ich inzwischen nur noch alle 5-6 Jahre, und ich bin mir nicht sicher, ob Laptops nicht schon wieder ausgedient haben zugunsten von Mac-Server (Mini oder so) und iPhone Duo ;-)

Damit möchte ich sagen, dass wir meiner Einschätzung nach für die kommenden Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, eine Infrastruktur aufbauen, die noch viele Jahre von kleinen Endgeräten genutzt werden wird. Die KI-Chips auf 5 Jahre abzuschreiben, ist überaus konservativ, denn sie dürften meiner Einschätzung nach deutlich über 10 Jahre nutzbar bleiben.

Erst wenn ausreichend Rechenleistung in Rechenzentren zur Verfügung steht, wird die Miniaturisierung zu dieser Rechenleistung in Konkurrenz treten. Bis dahin wird genutzt, was man kriegt.

Wenn mir also jemand sagen kann, wann oder wo CoreWeave seinen Boden finden wird, dann steige ich dort gerne ein, da ich von deren Geschäftsmodell langfristig überzeugt bin. Doch bei der hohen Verschuldung dieses Unternehmens könnte zwischenzeitlich auch passieren, dass selbst die Kreditgeber ihr Vertrauen in das Unternehmen verlieren und den Geldhahn zudrehen. Und dann ist auch für das beste Geschäftsmodell Schluss. Wir haben das 2007/2008 bei Thornburg Mortgage erlebt, dem solidesten Immobilienfinanzierer, der in die Insolvenz getrieben wurde.

Micron selbst dürfte diese Verkaufswelle unbeschadet überstehen. Meiner Einschätzung nach befinden wir uns schon deutlich in der Übertreibungsphase dieses Chip-Ausverkaufs. SK Hynix ist der größte Anbieter von HBM-Speicher und das südkoreanische Unternehmen wird derzeit jeden Tag ausverkauft. In Südkorea ist die Aktienanlage Volkssport, etwa 70-80% des täglichen Handelsvolumens wird in Südkorea durch Privatanleger umgesetzt. Bei uns liegt der Anteil unter 10%. Und viele Südkoreaner haben auf Kredit spekuliert. Deren Spekulationen werden nun zwangsweise aufgelöst, Margin-Calls, die den Abwärtsdruck weiter verstärken. Es geht inzwischen bei SK Hynix also nicht mehr um eine faire Bewertung, sondern um das Auswaschen der exzessiven Spekulation.

Diese Woche hatte viele Anzeichen eines Crescendo, also von Angst und Panik, wie sie erst am Ende eines solchen Prozesses zu sehen ist. Ich bin gespannt, wie es nächste Woche weitergehen wird.

Bundesobl Tina (there is no alternative) ist tot. Seit Jahrzehnten klagen wir über ein zu niedriges Zinsniveau an den Märkten. Aktien sind "alternativlos", hieß es, da mit Anleiherenditen von unter 2% keine ernstzunehmende Alternative zu Aktien bestand.

Inzwischen rentiert die 10 Jahre laufende US-Staatsanleihe bei 5,2%, in Deutschland liegen wir bei 3,4%. Die Dividendenrendite des S&P 500 liegt aktuell bei 1,07%. Die Gewinnrendite des S&P 500 (Kehrwert des KGVs) liegt bei 6,4%. Für das Risiko der Aktienanlage erhalten Sie in den USA derzeit also nur einen Risikoaufschlag von 1,2%punkte. Wenn Sie sich die Risiken unserer Zeit anschauen, ist das ziemlich wenig. Viele Anleger wenden sich in diesen Tagen dem Anleihemarkt zu.

So konnten die Anleihepreise diese Woche steigen, obwohl die Nachrichten alles andere als gut waren für die Anleihemärkte: Die Inflation stieg stärker an als erwartet. Der Ölpreis verharrt auf hohem Niveau und wird die Inflation weiterhin hoch halten. Dennoch gab die Rendite diese Woche 0,15%punkte ab. Risk-Off.

Kein Wunder. Diese Woche sah ich eine interessante Gegenüberstellung der Investitionszyklen der vergangenen technologischen Revolutionen, stets im Verhältnis zum damaligen Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Um 1840 wurde 0,66% des BIP in den Bau von Kanälen gesteckt, um Pazifik und Atlantik zu verbinden und andere Schifffahrtswege zu etablieren. In den USA sucht die Eisenbahn-Revolution ihresgleichen, 1870 bis 1890 wurden 2,24% des BIP in den Ausbau der Infrastruktur gesteckt.

Die Elektrifizierung 1905 bis 1925 war mit 0,5% vergleichsweise günstig. Teurer war schon der Autobahnbau, der in den USA erst Ende der 1950er Jahre begann und 15 Jahre dauerte: 1,13% des BIP. Der Telekom-Hype und die Internetblase saugten 1,1% des BIP auf.

Und nun schätzen Sie mal, wo wir 2025 bis 2032 mit der KI-Revolution stehen: 3,63% werden geschätzt. Also um 50% mehr als für die Eisenbahnen. Sind die Effizienzgewinne so viel größer? Oder findet die KI-Revolution so viel schneller statt und wir profitieren im Anschluss viel länger davon? Oder befinden wir uns vielleicht tatsächlich bereits in einer Übertreibung?

Nun, diese Zahlen machen einen zumindest nachdenklich. Schauen wir mal, wie sich die wichtigsten Indizes im Wochenvergleich entwickelten:

Wochenperformance der wichtigsten Indizes




INDIZES16.10., 21:10 UhrWoche ΔΣ '26 Δ
DAX25.623 2,1%4,6%
S&P 5007.641 -2,2%11,6%
Nikkei65.324 -5,4%29,8%
Shanghai A 4.171 -3,4%-9,9%
US-Dollar/EUR1,120,3%-4,3%
Euro/Yen177,530,2%-3,3%
10-Jahres-US-Anleihe5,08%-0,170,92
Umlaufrendite Dt3,40%-0,040,62
Feinunze Gold$4.161 -0,8%-3,7%
Fass Brent Öl$109,58 4,7%80,1%
Kupfer$14.347 0,3%15,5%
Baltic Dry Shipping$2.545 -14,4%35,6%
Bitcoin$81.064 -1,8%-7,7%



Zum Ende der Woche klettert der Ölpreis wieder in Richtung 110 USD/Fass Brent. Der Nikkei bricht diese Woche dank der hohen Technologieabhängigkeit Japans um 5,4% ein, auch der S&P 500 gibt 1,8% ab, da die Hyperscaler und Magnificent 7 diese Woche weiter unter Druck waren. Der DAX, der so ziemlich frei von modernen Technologien vor sich hin segelt, konnte diese Woche um 2,1% zulegen.

Rheinmetall legte um 16% zu, Scout24 um 11% und Symrise um 8%. Da waren eine Menge Einzelentwicklungen ausschlaggebend für eine kleine Aufholjagd, nachdem der DAX in diesem Jahr bislang noch kaum ansteigen konnte. An der guten Performance konnten auch Infineon (-11%) und Siemens (-7%) nicht viel ändern.

Schauen wir mal, wie sich diese Entwicklung auf die Stimmung der Anleger niederschlägt.




3. Sentiment: Der Trotz weicht, die Kasse ist leer



Umfrage Zur Stunde (Freitagmittag) notiert der DAX auf Wochensicht 2,0% im Plus, während der S&P 500 bis zum Donnerstagsschluss 0,9% und der Nasdaq 100 sogar 3,1% verloren haben. Der deutsche Markt hat sich in dieser Woche von der Wall Street abgekoppelt, und mehr als die Hälfte des Wochengewinns fiel erst nach Mittwoch an.

Dabei war die Nachrichtenlage alles andere als freundlich. Die US-Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7% und damit stärker als erwartet, getrieben vom Benzinpreis. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung der US-Notenbank Ende Oktober sprang daraufhin von gut 20% auf 34 bis 47%. Chipaktien wurden die ganze Woche über verkauft. Am Donnerstag fiel die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 5,09%, und das Geld floss in Gesundheits- und Konsumwerte statt in Technologie. Nun bin ich neugierig, ob unsere Umfrageteilnehmer dem Braten trauen.

An dieser Stelle ein Hinweis: Bislang habe ich die Umfragewerte immer aus zwei verschiedenen Erhebungswegen zusammen getragen. Dabei habe der Einfachheit halber eine Zwischenauswertung mit anderen Kennzahlen verwendet, deren Aussage jedoch stets identisch mit der komplexer aufbereiteten animusX-Version ist. Ab sofort stelle ich auf die komplexere animusX-Variante um. Das heißt, die Hürden für extreme Sentiment-Ergebnisse liegen nicht mehr bei +4 oder -4, sondern sind variabel auf einer anderen Skala. Ich werde die Hürden stets mit angeben, doch lassen Sie sich durch die neuen absoluten Zahlen bitte nicht verwirren.

Unser Anlegersentiment springt von -36,6 in der Vorwoche auf -15,0. Das ist noch immer etwas unter dem Üblichen, doch von Angst und Panik (ab -46) sind wir wieder ein gutes Stück entfernt. Die Stimmung folgt dem Kurs, wie so oft.

Die Selbstzufriedenheit erholt sich nur zögerlich auf 1,48 (Vorwoche 1,41) und signalisiert weiterhin starke Verunsicherung. Vier von fünf Werten liegen zwischen 1,42 und 1,91, wir bewegen uns also nahe am unteren Zehntel. Offensichtlich haben längst nicht alle Anleger an der Erholung im DAX partizipiert, viele werden wohl in den Technologieaktien investiert sein, die diese Woche unter Druck waren.

Nach +18,9 vor einer Woche sinkt die Zukunftserwartung auf +13,6. Die Bullen dominieren zwar weiterhin, doch der Optimismus geht nun schon die zweite Woche in Folge zurück. Steigende Kurse und schwindende Zuversicht, das ist der normale Umkehrreflex und keine Trotzreaktion mehr.

Die Absicht klettert auf 56,9 (Vorwoche 54,7). Bei Werten über 50 überwiegt die Kaufabsicht. Extremwerte werden hier erst ab Werten über 63 erreicht.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger entwickelte sich diese Woche eher zurückhaltend, zum Ende der Woche hin wurden Absicherungsprodukte gegen fallende Kurse verstärkt gekauft.

Das Put/Call-Verhältnis für den DAX an der Eurex, wo sich institutionelle Anleger absichern, notiert bei 1,8 und somit im oberen Bereich dessen, was als neutral gelten darf. Also auch die Profis neigen leicht zu Put-Absicherungen. An der CBOE notiert das Put/Call-Verhältnis für Equities mit 0,73 im neutralen Bereich.

Die Bulle/Bär-Differenz der US-Privatanleger rutscht auf -3%punkte (Vorwoche +1%punkt). 39% Bullen stehen 42% Bären gegenüber, die US-Privatanleger bleiben damit neutral gestimmt. Zur Erinnerung: Diese Umfrage endet mittwochs und kennt die Erholung vom Donnerstag daher noch nicht.

Oha: Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von nur 20% extreme Angst an. Hier ist klar abzulesen, dass der S&P 500 nun bereits seit Längerem stark unter Verkaufsdruck steht.

Interpretation



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6. Leserfragen





Cold Wallet versus Börse Stuttgart


Hallo Herr Heibel,

vielen Dank für Ihren neuerlichen Input zum Bitcoin Cold Wallet. Ich habe schon mal drüber nachgedacht, mein Wallet auf die BitBox zu transferieren. Derzeit habe ich mein Wallet bei der Börse Stuttgart (BSDEX). Ich plane kein Trading, sondern nur Halten als Ergänzung zu meiner Vermögensabsicherung durch Gold.
Haben Sie Erfahrungen mit BSDEX? Ein für mich nicht abschätzbares Risiko ist vielleicht das Knacken von solchen Wallets durch KI in näherer oder auch weiterer Zukunft. Das könnte mit einem Cold Wallet wohl nicht passieren. Was meinen Sie?

Mit besten Grüßen
Detlef aus Wuppertal

ANTWORT
Die Börse Stuttgart Digital Exchange ist eine etablierte deutsche Kryptobörse und unterliegt unseren deutschen regulatorischen Rahmenbedingungen. Das ist schon mal viel wert :-)

KI kann meiner Einschätzung nach die Wallet nicht so einfach knacken, wenn die Wallet ordentlich betrieben wird. Ich gehe bei der Börse Stuttgart davon aus, dass dies dort der Fall ist. Anders sieht es in der Zukunft aus, wenn Quantencomputer auf den Markt kommen. Bis dahin muss die Verschlüsselung des Bitcoin-Netzwerks angepasst werden, Vorschläge dafür werden schon seit einiger Zeit intensiv besprochen.

Es gibt zwei unterschiedliche Gefahren: Zum einen könnte KI in ein Netzwerk einer Börse wie der in Stuttgart einbrechen und dort eine Schwachstelle finden, über die das Passwort auslesebar ist. Bspw. wenn Mitarbeiter das Passwort per Chat teilen oder andere Fehler machen. Etwaige Fehler durch Menschen könnte eine KI also finden und nutzen.

Falls Sie Ihr Passwort irgendwo auf einem Rechner speichern oder verschicken, dann könnte so etwas auch bei Ihnen passieren.

Dagegen hilft, wenn man sich strikt an die Vorgehensweise hält, die durch die BitBox02 empfohlen wird. Ich hatte ja auf ein entsprechendes Video verwiesen.

Zum anderen könnten also Quantencomputer in der Zukunft die heutige Verschlüsselung knacken. Dagegen würde auch Ihr Cold Wallet nicht schützen. In der Geschichte des Bitcoins wurde die Verschlüsselung schon mindestens einmal an die sich weiterentwickelnde Technologie angepasst. Alle Verschlüsselungen müssen dann an den höheren Standard angepasst werden. Das wird dann eine größere Aktion sein, die uns gegen diese Gefahr ausreichend schützen wird. Das wird nicht häufig passieren, sondern nur aufgrund solcher bahnbrechenden Neuerungen.

Ich gehe davon aus, dass irgendwann in den kommenden 3-5 Jahren eine solche neue Verschlüsselung umgesetzt wird. Danach dürften wir dann erst mal für viele Jahre wieder Ruhe haben.

Was ist nun also besser: Software Wallet wie das von der Börse Stuttgart oder ein eigenes Cold Wallet? Nun, beim Cold Wallet haben Sie wirklich alles in der eigenen Hand. Und wenn sich die bösen Buben ein Wallet suchen, das sie knacken wollen, dann sind natürlich diejenigen Wallets attraktivere Ziele, die mehr Bitcoins verwalten. Für Ihr privates Wallet wird sich also vermutlich erst einmal niemand interessieren :-)


Nu Holdings als Finanzspekulation


Hallo Herr Heibel,
was halten Sie von der NU Aktie (WKN A3C82G) für den Chancenteil im Depot?
Bei steigenden Zinsen sind Bankaktien gefragt. Hinzu kommt der Südamerikanische Markt der sehr interessant ist und es ist mal keine Tech-Aktie.

Freundlichen Gruß
Stephan aus Düsseldorf

ANTWORT
Schöne Idee, aber Ihr Zinsargument greift hier nicht. Für Nu ist nicht der US-Zins entscheidend, sondern der brasilianische Leitzins Selic. Nu ist auch keine klassische Bank, sondern ein digitaler Konsumentenkreditgeber, und hohe Zinsen belasten vor allem seine Kunden: 6,9% der Kredite sind mehr als 90 Tage überfällig, Tendenz leicht steigend. Dazu kommt das Währungsrisiko des brasilianischen Reals sowie der Firmensitz auf den Cayman Islands - die haben den Ruf einer Steueroase.

Operativ ist das Unternehmen dagegen hervorragend aufgestellt. Im Q2 stieg der Umsatz um 50%, der Gewinn lag erstmals über 1 Mrd. USD, und die risikobereinigte Zinsmarge erreichte einen Rekord von 12,4%. Mexiko hat die Banklizenz erteilt, dort sind es bereits 16 Mio. Kunden. Auf den laufenden Gewinn hochgerechnet liegt das KGV bei rund 14.

Als Spekulation okay, aber achten Sie bitte auf die Kreditausfallquote in jedem Quartalsbericht. Steigt sie über 7,5%, würde ich aussteigen.




7. Wunschanalyse: LVMH Moët Hennessy




: Wenn der Wind sich dreht



Fr, 16. Oktober um 17:10 Uhr
Bernard Arnault, Jahrgang 1949, darf den Luxuskonzern bis zum Jahr 2035 leiten. Bis dahin sollten sich seine vier Kinder über die Nachfolge geeinigt haben, alle vier sind im Konzern tätig.

Ob Kleidung (Louis Vuitton, Christian Dior) oder Schmuck (Tiffany, Bulgari, TAG Heuer), Kosmetik (Christian Dior, Guerlain) oder Spirituosen (Moët & Chandon, Dom Perignon, Veuve Clicquot, Hennessy) bis hin zum Einzelhandel (Sephora), LVMH bietet alles, was die High Society braucht, um ihren Reichtum zur Schau zu stellen. Mit einem Unternehmenswert von zwischenzeitlich 400 Mrd. EUR war das Unternehmen noch vor zwei Jahren das wertvollste Unternehmen Europas. Bernard Arnault zählte zu den reichsten Menschen Europas.

Die Aktie stand vor zwei Jahren bei 904€. Heute beträgt der Kurs nur noch 396€. Was ist passiert?

Nun, kurz gesagt: China ist passiert. Der wichtigste Absatzmarkt bricht Quartal für Quartal ein und in diesen Tagen wird in Brüssel diskutiert, ob wir nicht einen „Kill-Switch” für China-Importe einführen, um unsere Märkte zu schützen. Das würde im Umkehrschluss natürlich schlecht auf die Exportmöglichkeiten von LVMH nach China zurückfallen.

Anfang 2020 bezeichnete ich Kurse um 380€ für LVMH als Kaufkurse. Und tatsächlich stieg die Aktie zunächst stark an. Doch seit Ende 2021 und Kursen um 750€ warnte ich regelmäßig vor der, gemessen am schwachen Wachstum, hohen Bewertung der Aktie. Mein großer Kritikpunkt aus dem Jahr 2024 stellt sich als wahr heraus: LVMH kennt nur Preiserhöhungen.

Vielleicht erinnern Sie sich. Nach den Jahren mit der hohen Inflation hob der Einzelhandel sämtliche Preise kräftig an. Als die Inflation dann jedoch zurückkam, gab es nur wenige Einzelhändler, die Einsparungen an die Kunden weitergaben und die Preise senkten. Doch der Konsument ist nicht dumm, viele Einzelhändler mussten den Ausverkauf ihrer Aktien mitansehen. So auch LVMH.

Mag sein, dass den Superreichen die Preise weitgehend egal sind. Doch LVMH hatte sich in China längst eine Klientel erarbeitet, die sehr genau kalkuliert, wie viel sie für ihr Reichen-Image ausgibt. Und wenn chinesische Marken ein ähnliches Image für den Bruchteil des Preises transportieren, dann wechseln sie.

Allein in diesem Jahr brach die Aktie um 40% ein. Nachdem das China-Geschäft seit Jahren schwächelt, kam dieses Jahr durch den Iran-Krieg noch ein rückläufiges Geschäft im Nahen Osten hinzu. Die Ölscheichs haben derzeit andere Sorgen, als ihren Reichtum zur Schau zu stellen. Auch Hermès verzeichnete dieses Jahr einen erodierenden Aktienkurs.

Das Geschäft mit dem Luxus



LVMH weist fünf Geschäftsbereiche aus, doch mit 47% Umsatz- und 74% Gewinnanteil ist das Kleidungsgeschäft der wichtigste Bereich. Wachstum finden wir bei Tiffany, Bulgari und Sephora, doch deren Anteil am Gewinn ist noch gering.

29% des Umsatzes wird in Asien (ohne Japan) erwirtschaftet, 25% in den USA sowie auch in Europa und 8% in Japan.

Am Montag dieser Woche legte LVMH Q-Zahlen vor: Während der Umsatz in Europa, den USA und in Japan um knapp 5% anstieg, fiel er in Asien um 5%. Für China wurde explizit ein Rückgang im „mittleren zweistelligen” Prozentbereich genannt. Chinesen würden den Konzern boykottieren, nachdem ein Patentstreit gegen eine chinesische Teekette gewonnen wurde. Chinesen verletzen also nicht nur Patente, sondern sie sind auch noch beleidigt, wenn sie überführt werden.

Oder, um es etwas moderater zu formulieren: Chinesen haben ein anderes Verständnis von Patenten und deren Bedeutung. Das dürfte uns nicht neu sein.

Logistikstörungen in China bei Louis Vuitton kosteten das Unternehmen einen Prozentpunkt Wachstum, genau wie der Krieg im Nahen Osten sowie nachteilige Wechselkurse. Insgesamt wächst der Umsatz somit um 2%.

Die Gewinnmarge fiel von 34,7% auf nur noch 34,1%. Entsprechend diesen Entwicklungen gehen die Gewinnerwartungen von Analysten kontinuierlich zurück. Wurde vor 18 Monaten für das laufende Jahr noch ein Gewinn von 33€/Aktie erwartet, so sind es inzwischen nur noch 22,30€/Aktie.

Gesunde Bilanz ermöglicht ordentliche Dividende



Mit einem Unternehmenswert von derzeit 222 Mrd. € ist die Verschuldung in Höhe von 36 Mrd. € gering. Mit 11 Mrd € freiem Cashflow lässt sich das locker stemmen. Aus dem freien Cashflow schüttet LVMH eine ordentliche Dividende von 13€ an seine Aktionäre aus, 3,4% Dividendenrendite.

Doch die Dividendenrendite ist so attraktiv, weil der Kurs so stark gefallen ist. Seit drei Jahren gibt es keine Erhöhung mehr. Immerhin erwarten Analysten für 2027 eine leichte Anhebung, die Ausschüttungsquote von 59% würde dies zulassen. Zudem betreibt das Unternehmen ein kleines Aktienrückkaufprogramm, mit dem im ersten Halbjahr 2026 1% der ausstehenden Aktien zurückgekauft wurden.

Doch als Dividendenaktie qualifiziert sich LVMH dennoch nicht, nur vier meiner fünf Kriterien sind erfüllt: Rendite über 3%, mindestens 3 Dividendenanhebungen in den vergangenen 10 Jahren (es waren 7), vernünftige Auszahlungsquote sowie erwartetes Ertragswachstum über 5% (es sind 24,5%). Doch 2019 wurde die Dividende reduziert, damit gibt es keine 10 Jahre ohne Dividendensenkung.

Die Familie Arnault besitzt 50,2% der ausstehenden Aktien und 66,4% der Stimmrechte. Man könnte LVMH also fast noch als Familienunternehmen bezeichnen.

Neubewertung im Gang



Weder die Umsatz- noch die Gewinnentwicklung rechtfertigen rechnerisch einen Kurseinbruch um nahezu 60%. Vielmehr findet eine Neubewertung des Geschäfts statt. Nach mehreren Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten im Umsatz und teilweise sogar einer Gewinnverdopplung im Jahr 2021 pendelt sich das Geschäft nun auf dem hohen Niveau ein. Der Umsatz geht leicht zurück (-7% gegenüber 2023), der Gewinn liegt um 25% unter dem des Rekordjahres 2023.

Trotzdem wird ein Jahresumsatz von 80 Mrd. € mit dem 2,6-fachen Unternehmenswert bewertet. Das EV/EBITDA steht bei 9, obwohl der Durchschnitt der vergangenen 5 Jahre bei 13 liegt. Das KGV steht bei 18. Zum Vergleich: Prada steht bei einem KGV von 7, Moncler bei 9 und Hermès bei 16.

Für 2027 wird ein Gewinnwachstum (EBITDA) von 7% erwartet. Auch der Umsatz soll dann wieder mit 5% wachsen. Die Hoffnung ist also, dass sich 2026 ein Boden im Geschäft bildet. Sollte dies gelingen, so würde ich die aktuelle Bewertung als fair bis günstig bezeichnen.

Doch ob das gelingen wird, ist alles andere als gewiss. Zum einen muss sich dafür das China-Geschäft stabilisieren, zum anderen muss auch das Geschäft im Nahen Osten wieder anziehen. Allein mit USA, Europa und Japan wird LVMH nicht an die guten alten Zeiten anschließen können.

Dazu müssten die Chinesen ihren Boykott von Louis Vuitton beenden und der Krieg im Iran müsste enden. Ich weiß nicht, wie wahrscheinlich der erste Punkt ist, aber sollte der zweite Punkt tatsächlich eintreten, gibt es andere Aktien, mit denen wie stärker von einer solchen Entwicklung profitieren würden.

Denn selbst im optimalen Fall errechnet mir mein DCF-Modell ein maximales Kursziel bei 500€, also knapp 25% über dem heutigen Kursniveau. Ein rückläufiger Ölpreis, der nach einem Ende des Iran-Kriegs zu erwarten wäre, würde jedoch viel größere Chancen bei Logistikunternehmen eröffnen.

Sollten die Probleme jedoch für längere Zeit bestehen bleiben, die Prognose für 2027 sich also als zu positiv herausstellen, so kann die Aktie auch noch ein gutes Stück weiter fallen. Mein DCF-Modell hält in diesem Fall auch Kurse unter 300 € für möglich.

So betrachtet ist das Chance/Risiko-Verhältnis in meinen Augen noch immer nicht attraktiv genug.

Stellschrauben des Erfolgs



Was müsste LVMH ändern, damit auch ohne geopolitischen Rückenwind wieder steigende Gewinne erzielt werden können?

Nun, als erstes müssten die Kosten angeschaut werden. Mit jedem Euro Umsatzrückgang gehen 82 Cent Gewinn verloren. Daraus lässt sich ablesen, dass die Fixkosten extrem hoch sind. Doch gerade an den Kosten möchte die Finanzchefin Cecile Cabanis (Vorsicht, nicht das b und n vertauschen) keinen Spielraum. Kunden, die Luxus wünschen, möchten den besten Service und die besten Materialien.

Mit einer Handvoll Kreativdirektoren platziert der Konzern neue Produkte für Dior, Celine und Fendi. Erste Entwicklungen zeigen, dass die neuen Produkte leicht besser laufen als die älteren Produkte, doch das reicht nicht für neues Wachstum, sondern derzeit gerade einmal für stabile Umsätze in rückläufigen Märkten.

Mit Personaleinsparungen versucht man nun dennoch, die Kostenquote zu verbessern. So wurden bei Moët Hennessy Anfang 2025 insgesamt 1.200 Stellen gestrichen, die Belegschaft sank trotzdem kaum. Auch im asiatischen Netz, insbesondere in China, werden Filialen geschlossen, dennoch bleibt die Belegschaft nahezu stabil.

Man scheint dort so zu denken, wie ein Unternehmer, der mir einmal sagte: „Herr Heibel, auf der Kostenseite kann ich diesen Wettbewerb nicht gewinnen”. So sagte Cecile Cabanis Anfang Oktober: „cutting costs will not bring additional sales” (Kosteneinsparungen werden keinen zusätzlichen Umsatz erzeugen).

Im Zuge dieser Diskussion gab es auch ein klares Bekenntnis zur Preisgestaltung: Preissenkungen wird es bei LVMH nicht geben. Über moderate Preisanhebungen wurde sogar auf dem derzeit hohen Preisniveau noch 2-3% Wachstum erzeugt.

Die Richtung ist also klar vorgegeben: Neue Produkte müssen attraktiv genug sein, um die Nachfrage trotz steigender Preise weiter anzukurbeln. Das war das Erfolgsrezept der Vergangenheit. Das machte LVMH in konjunkturschwachen Phasen anfällig, dafür profitierte das Unternehmen umso mehr in guten Konjunkturphasen. Und die Bilanz des Konzerns ermöglicht es dem Unternehmen, diesen Wachstumspfad unter starken Schwankungen auch in der Zukunft fortzusetzen.

LVMH im Heibel-Ticker Portfolio



Für unser Heibel-Ticker Portfolio ist LVMH gar nicht geeignet. Wir haben bereits zwei Aktien von Einzelhändlern: Eine Dividendenaktie mit besserer Dividendenkontinuität sowie eine Spekulation, die mit günstigen Preisen den Zeitgeist besser trifft als LVMH. Auch eine Spekulation auf einen rückläufigen Ölpreis haben wir. Diese Spekulation korreliert stark mit LVMH, würde aber im positiven Fall deutlich stärker ansteigen.

Insgesamt hätte LVMH einen negativen Einfluss auf die Volatilität unseres Portfolios bei nur moderater Gewinnerwartung.

Fazit: Billig ist nicht gleich günstig



Auch nach einem Kurseinbruch von 60% ist die Aktie von LVMH noch nicht günstig bewertet. Zu viele Entwicklungen laufen gegen das Unternehmen.

Günstig wird die Aktie von LVMH jedoch nicht durch Managemententscheidungen, sondern durch Rückenwind. Wie oben gezeigt, ist es beeindruckend, wie solide das Unternehmen durch schwere Zeiten segelt. Wer gute Nerven hat und sehr langfristig anlegt, der kann sich diese Aktie durchaus ins Depot legen.

Ich persönlich würde jedoch nicht zugreifen, bevor die Aktie nicht noch deutlich günstiger bewertet ist, oder aber bevor sich der Wind sichtbar dreht. Dann wird aus billig günstig. Aber grundsätzlich bevorzuge ich Unternehmen, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen und nicht darauf warten, dass sich der Wind dreht.



8. Übersicht HT-Portfolio



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9. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise



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Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen

DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag



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