Heibel-Ticker 26/44 - US-Anleger ergreifen die Flucht ... nach Deutschland?

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Heibel-Ticker Free Börsenbrief

- Einfach einen Tick besser -

21. Jahrgang - Ausgabe 44 (30.10.2026)




Im heutigen Börsenbrief lesen Sie:

1.Info-Kicker: US-Anleger ergreifen die Flucht ... nach Deutschland?
2.So tickt die Börse: Crash und Hausse gleichzeitig heißt: Rotation
 - Wochenperformance der wichtigsten Indizes
3.Sentiment: Gute Laune bei leeren Kassen
 - Interpretation
4.Ausblick: Cashflow trennt die Spreu vom Weizen
5.Update beobachteter Werte
 Probleme mit Foundry-Geschäft
6.Übersicht HT-Portfolio
7.Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
8.Mitgliedschaft verwalten



1. Info-Kicker: US-Anleger ergreifen die Flucht ... nach Deutschland?



Liebe Börsenfreunde,

Ich kommentiere die Notenbankentscheidungen dieser Woche in den USA, in Europa und in Japan, doch die Schlagzeilen wurden von Quartalszahlen der Hyperscaler und anderer Tech-Unternehmen geschrieben. Dabei traten dramatische Diskrepanzen zutage, die zu zweistelligen Kursausschlägen in beide Richtungen führten. Was dahinter steckt, analysiere ich in Kapitel 2.

Unsere Sentiment-Umfrage verzeichnet eine relative Beruhigung unter den Anlegern in Deutschland. Was dies für die künftige Aktienmarktentwicklung bedeutet, zeige ich in Kapitel 3.

Die KI-Welt dreht sich immer schneller und ich komme kaum hinterher, die Bedeutung der einzelnen Entwicklungen auseinanderzudividieren. In Kapitel 4 zeige ich, warum Intel nach den Q-Zahlen zu Recht ausverkauft wurde, während Microsoft zu Recht anstieg. Ich zeige auch, warum Amazon zu Unrecht ausverkauft wurde und welche Titel die aktuelle Marktphase besser durchstehen als andere.

Alles läuft auf die Frage hinaus, wie denn nun letztlich die KI-Revolution unsere Wirtschaft verändern wird. Meine Überlegungen dazu konnte ich in Kapitel 4 nur ansatzweise formulieren. Wir werden uns am Dienstag um 12:30 Uhr in einem Live-Videocall eingehend damit auseinandersetzen. Den Link schicke ich allen Plus-Mitgliedern rechtzeitig vor Beginn zu.

Diese Woche habe ich urlaubsbedingt nur ein Update geschrieben, und das zu Intel. Die Aktie brach diese Woche nach einem enttäuschenden Ausblick um 24% ein. Mehr dazu lesen Sie in Kapitel 5.

Wie immer gibt es einen tabellarischen Überblick über unser Heibel-Ticker Portfolio in Kapitel 6. Wenn ich es überspitzt formulieren sollte: Diese Woche gehört zu den Wochen an der Börse, in denen viele Spekulanten verprellt werden. Junge Zocker, die ausschließlich in KI-Aktien, und dort mit gehebelten Optionen, unterwegs waren, wurden diese Woche aus dem Markt gespült. Diese schlechte Erfahrung wird dazu beitragen, dass sie nie wieder in Aktien anlegen werden. Schade. Dabei ist es so einfach, frühzeitig eine gesunde Diversifikation im Depot zu realisieren, auch mit wenig Geld, um solche Marktphasen mit einem blauen Auge zu überstehen. Unser Heibel-Ticker Portfolio, das seit Jahren stark auf Technologie und KI setzt, konnte diese brutale Woche mit einem nur kleinen Minus von -0,5% abschließen.

Wenn Sie wissen wollen, wie das geht, dann holen Sie sich mal ein Monatsabo und schnuppern Sie bei uns rein. Der Monat November wird turbulent, es wird sich sicherlich für Sie lohnen.

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs




2. So tickt die Börse: Crash und Hausse gleichzeitig heißt: Rotation



Die Woche könnte widersprüchlicher kaum sein: Wir erlebten einen Börsencrash bei Intel (-24%), Alphabet (-13%) und Marvell (-14%), aber auch eine Börsenhausse bei Ely Lilly (+11%), Tesla (+7%) und Gilead (+9%). In der DAX-Familie sprechen lediglich Hellofresh (-13%) und Heidelberger Druck (-12%) für einen Crash, während auf der Hausse-Seite Aktien wie Befesa (+16%), Bayer (+15%) und Aixtron (+14%) zu finden sind. Derweil erhöht sich der Inflationsdruck seit drei Monaten kontinuierlich von damals unter 80 USD/Fass Brent Öl auf inzwischen deutlich über 110 USD/Fass. Der hohe Ölpreis ist laut übereinstimmenden Erklärungen der drei großen Notenbanken (USA, EU & Japan) der Inflationstreiber, während ohne den Öl-Effekt die Inflation eher in der Region um knapp über 2% pendeln würde.

Wie reagieren die drei großen Notenbanken auf eine Inflation, die nicht zurückkommt? Am Mittwoch die amerikanische Federal Reserve, am Donnerstag die Europäische Zentralbank, am Freitag die Bank of Japan: Alle drei tagten innerhalb von drei Tagen, und alle drei ließen die Zinsen unverändert. Aber Vorsicht, denn Zinspause heißt nicht Entwarnung.

Die Fed beließ am Mittwochabend ihren Leitzins bei 3,75 bis 4%. Die Abstimmung fiel 10:2 aus: Die Gouverneurin Cook und die Cleveland-Präsidentin Hammack stimmten für eine sofortige Anhebung. Das ist ein Bruch mit der Einstimmigkeit, die wir noch im September verzeichneten. Die amerikanischen Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7%, stärker als erwartet, getrieben vom Benzinpreisanstieg um 9,1% im Vergleich zum Vormonat. Fed-Chef Kevin Warsh gab keinerlei Hinweise auf mögliche zu erwartende Zinsschritte bei der nächsten Sitzung im Dezember. Dennoch interpretierten Anleger, dass eine Anhebung im Dezember wahrscheinlicher geworden ist.

Die EZB folgte am Donnerstag einstimmig mit einer Pause beim Einlagezins von 2,5%. Die Inflation im Euroraum stieg im September auf 3,8 Prozent, die Energiekomponente hat einen Anteil von 18,9% daran. Präsidentin Christine Lagarde nannte die Richtung als ziemlich klar (Zinserhöhung im Dezember) und gab zugleich bekannt, ihr Amt am Samstag, dem 07.02.2027 niederzulegen, acht Monate vor Ablauf der Amtszeit. Der Schritt kommt nicht überraschend, sie wurde schon häufiger als Kandidatin für im nächsten Frühjahr anstehenden Wahlen in Frankreich ins Gespräch gebracht. Die Nachfolgersuche hat begonnen und es deutet sich ein Kopf an Kopf Rennen zwischen dem ehemaligen spanischen Notenbankchef Pablo Hernández de Cos und dem früheren niederländischen Zentralbankchef Klaas Knot an. Wir dürfen aus der Herkunft ableiten, dass Knot eher für eine restriktive Geldpolitik steht und Cos Euro-Schulden gegenüber offener ist. Deutschland kann seine beiden Kandidaten (Nagel & Schnabel) nicht ernsthaft einbringen, da wir schon die EU-Spitze mit von der Leyen besetzt haben.

Die Bank of Japan tagte am Donnerstag und Freitag und beließ den Leitzins bei 1,25%. Alle drei Notenbanken warten, aber die Tendenz weist jeweils auf einer folgende Straffung hin, nicht auf Lockerung.

Doch kommen wir zum Thema, das die Anleger diese Woche am meisten beschäftigte: Wie bereite ich mich auf einen Machtgewinn der US-Demokraten nach den Zwischenwahl in den USA vor? Antwort: KI-Werte verkaufen, defensive Werte kaufen, wie Pharmawerte oder einfach Staatsanleihen. Die Rendite der 10 Jahre laufenden US-Staatsanleihen ging diese Woche um 0,07%punkte zurück auf 4,93%.

Na, jetzt fragen Sie sich, warum der Heibel nicht endlich vom KI-Crash spricht? Das ist doch schließlich das Thema der Woche gewesen, wenn Dutzende KI-Aktien mit zweistelligen Prozentsätzen ins Minus rutschen. Das stimmt, doch es würde die Wochenbetrachtung auf den Crash reduzieren, und ein Crash war es nur für diejenigen Anleger, die alles auf eine Karte setzen. In einem gut diversifizierten Portfolio gab es diese Woche eben auch Titel mit großen Kursgewinnen. So stieg der DAX mangels KI-Partizipation diese Woche um 2,5% an, während der Nasdaq um 2% einbrach. Der S&P 500 konnte das Minus mit -0,6% überschaubar halten, genau wie unser Portfolio mit -0,5%.

Die Woche startete vielversprechend. SK Hynix legte in Südkorea Q-Zahlen vor, die begeisterten: Der Umsatz vervierfachte sich, der Gewinn versechsfachte sich. DRAMs sind bis Ende 2029 ausverkauft, Knappheit werde bis 2030 bestehen bleiben. Das Unternehmen kündigte Investitionen in den Ausbau der Fertigungskapazität an (gut für Aixtron, LAM Research, ASML und PVA TePla. Auch die Aktie von Micron sprang an. Die Zahlen von Samsung konnten zur Wochenmitte diese Begeisterung allerdings nicht bestätigen.

Microsoft legte am Mittwochabend Zahlen vor, die in allen Bereichen den Konsens übertrafen: 19% Umsatzwachstum auf 92,3 Mrd. USD, der Gewinn je Aktie übertraf die Erwartung mit 4,92 USD um 5%, eine Beschleunigung des Cloud-Geschäfts Azure auf 48% Wachstum nach zuvor 43%. Nachbörslich stieg die Aktie um rund 7 Prozent, doch diese erfreuliche Reaktion auf die Q-Zahlen gab die Aktie am Donnerstag aufgrund der schwachen Börsenverfassung wieder ab.

Intel hingegen enttäuschte seine Anleger. Das Q3 übertraf zwar noch die Erwartungen: 21% Umsatzwachstum auf 16,5 Mrd. USD Umsatz, der Gewinn je Aktie lag um 30% über den Erwartungen. Doch der Ausblick auf das Q4 zerstörte das Bild: 15 bis 16 Mrd. USD Umsatz, nur noch 0,25 USD Gewinn je Aktie und eine Bruttomarge von 38% nach zuvor 44%. Microsofts Hinweis auf einen Rückgang der Windows-OEM-Einnahmen im mittleren Dreißiger-Prozentbereich bestätigt, was am PC-Markt befürchtet wurde: Die Erneuerungswelle nach dem Supportende von Windows 10 ist weitgehend gelaufen. Die Aktie von Intel verzeichnete diese Woche den größten Verlust ihrer Geschichte.

In Kapitel 4 habe ich ausgearbeitet, was genau bei Intel schief gelaufen ist und warum Microsoft diese Woche die besten Q-Zahlen veröffentlicht hat.

Den größten Flächenschaden richtete am Donnerstag Alphabet an: Der Mutterkonzern von Google verfehlte mit seinen Q-Zahlen die Erwartungen, die Aktie fiel um rund 12%. Das Unternehmen gehört zu den Hyperscalern, also zu den Unternehmen, die am meisten in den Ausbau der KI-Rechenzentren investieren. Doch noch immer bleibt die Umsatzentwicklung mit der hauseigenen KI namens Gemini hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig sinken die Umsätze mit dem traditionellen Suchmaschinengeschäft Google schneller als gedacht.

Der gesamte Softwaresektor folgte: ServiceNow verlor 27%, Reddit brach um 24% ein. Reddit ist die direkte Folge der Schwäche der Google Suchmaschine. Der "Traffic" besteht inzwischen zu einem großen Teil aus Traffic von KI-Agenten, die einfach nur Informationen zusammensuchen. KI-Agenten klicken weder auf Werbeanzeigen, noch lassen sie sich zu Reddit weiterleiten. Schon gar nicht benötigen KI-Agenten Lizenzen für irgendwas, das dann von ServiceNow verwaltet werden könnte.

Fortinet, ein weiterer Anbieter von IT-Sicherheit, brach nach Zahlen um 20% ein. Die Q-Zahlen waren schwach, der Ausblick noch schwächer. Auch CrowdStrike und Palo Alto Networks wurden in Mitleidenschaft gezogen, doch Anleger sollten hier aufpassen, nicht den vorschnellen Reaktionen der Spekulanten zu folgen. Der Misserfolg von Fortinet ist dem Erfolg von Palo Alto und CrowdStrike geschuldet. Während Fortinet noch immer kleine Kästchen verkauft, auf denen die proprietäre Netzwerksicherheit abgewickelt wird, bietet CrowdStrike eine IT-Sicherheit über die Cloud an. Palo Alto wechselte vor drei Jahren auf das Cloud-Modell. In Zeiten, wo Sicherheitslücken von IT-Agenten in Sekundenschnelle ausgenutzt werden können, sind Hardware-Lösungen nicht mehr zeitgemäß.

Blicken wir nochmals zurück auf die abgelaufene Woche: Am vergangenen Wochenende dominierten Finanzierungsfragen die Schlagzeilen. Meta verkündete, 95 Mrd. USD über die Ausgabe neuer Aktien zu finanzieren, wobei 35 Mrd. sofort ausgegeben wurden und 60 Mrd. USD in den nächsten Monaten sukzessive in den Markt gegeben werden sollen. Ich halte diese Vorgehensweise für schädlich für den Aktienkurs, es ist das Gegenstück zum Aktienrückkauf. Während ein Aktienrückkaufprogramm gerade in einen fallenden Markt hinein hochgefahren werden kann und somit stabilisierend wirkt, dürfte die Neuausgabe von Aktien über den freien Markt jeden Kursanstieg im Keim ersticken.

SpaceX gab eine Anleihe mit einem Volumen von 40 Mrd. USD aus und ist damit laut Elon Musk vorerst ausreichend liquide. In einem Tweet traf Elon Musk einen wunden Punkt der KI-Branche: Anbieter von KI-Rechenzentren wie CoreWeave, Nebius oder Iren, die in den vergangenen Wochen immer wieder unter Druck waren, dürften es laut Musk schwer haben. Die KI-Investitionssummen seien inzwischen so groß, dass die Gelder bevorzugt an Unternehmen mit ordentlichem Cashflow gegeben würden und nicht and die "Neoclouds", deren hohe Investitionen bislang noch kaum Umsätze erzielen. Von den 200 Neoclouds würden die wenigsten überleben, so Musk.

Meine Überlegungen dazu lesen Sie ebenfalls in Kapitel 4.

Ach ja, und dann war da noch die Veröffentlichung der IPO-Unterlagen von Anthropic. Die altruistischen Entwickler von Claude streben eine Marktbewertung von 2 Billionen USD an. Ich betone "altruistisch", da das Unternehmen alles richtig machen möchte. Nicht umsonst haben sich die führenden Entwickler von ChatGPT aus Protest gegen ihren Chef Sam Altman, dem CEO von OpenAI, aus dem Unternehmen herausgelöst und mit Anthropic eine eigene KI-entwickelt, die eben moralisch überlegen sein soll. Dieser Anspruch wurde auch beim Börsengang verfolgt und so wurde eine Reihe von Mechanismen eingeführt, die verhindern sollen, dass ein Unternehmenschef von Anthropic zu viel Macht ausüben kann. Die Macht über Anthropic wird künftig ein Gremium haben, das nicht aus der Geschäftsführung besteht.

Wir dürfen gespannt sein, wie lange dieses Modell erfolgreich ist. Oder, um meine eigene voreilige Meinung einfließen zu lassen, ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich mit Altruismus an der Börse behaupten kann. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Bestes Gegenbeispiel ist unsere Siemens, die immer wieder erfolgreich neue Branchenführer entwickelt, obwohl es schon lange keine dominierende Gründerpersönlichkeit im Konzern mehr gibt. Vielleicht kann mir das jemand von Ihnen erklären, wie Siemens das schafft.

Doch Anthropics KI-Modell Claude wird nicht nur von ChatGPT (OpenAI), Gemini (Alphabet), Grok (SpaceX) und Muse (Meta) herausgefordert, sondern auch von chinesischen Open Source Modellen wie Qwen und Kimi. Diese Woche wurde ein Kimi-Modell veröffentlicht, das in seiner Leistung dem vor 5 Wochen veröffentlichten Claude-Modell entspricht, allerdings wesentlich effizienter arbeitet (weniger Tokenverbrauch).

Es bleibt die Gretchenfrage: Trotz quasi unbegrenzter finanzieller Möglichkeiten seitens Microsoft sind dessen Server noch immer nur zweite Wahl hinter den Open Source Linux-Servern. Doch auf der anderen Seite bleiben Excel und Word von Microsoft die erste Wahl bei Unternehmen, wenn es um Kollaboration geht. Wird sich Anthropic also nur gegen die anderen US-Modellentwickler wie OpenAI, Alphabet, SpaceX und Meta behaupten müssen, oder kommt die wahre Bedrohung vielleicht aus dem Bereich der open source Modelle?

Linde übertrifft Umsatz- und Gewinnerwartungen, Aktie hält sich gegen den Börsentrend stabil. Eli Lilly klettert nach Q-Zahlen um 4% nach oben, Umsatz und Gewinn liegen über den Erwartungen, Ausblick angehoben. Novo Nordisk schaut dem Wettbewerber neidisch nach, sieht wohl nur noch die Rücklichter am Horizont. Amazon bricht nach Zahlen um 7% ein, für mich zu Unrecht. CEO Andy Jassy stellt ein AWS-Cloudwachstum von 40% p.a. für 2027 und 2028 in Aussicht. Außerdem gebe es heute noch kein einziges Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 1 Bio. USD, doch Amazon sei auf dem Weg, gleich zwei davon zu haben: Einzelhandel und AWS-Cloud.

Und dann ist da noch die Meldung, Marvell könne Lumentum übernehmen. Marvell ist heute der führende Anbieter von DSP-Chips, die eine optische Datenübertragung zwischen Servern im Rechenzentrum ermöglichen. Lumentum und Coherent sind die beiden führenden Anbieter entsprechender Komponenten wie Lasern und weiteren optischen Komponenten. Die Kupferkabel in Rechenzentren brauchen mehr Strom und produzieren Wärme, die gekühlt werden muss. Der Wechsel zu optischen Netzwerken ist absehbar der nächste Schritt. Marvell möchte sich durch die Übernahme von Lumentum, wenn es denn gelingen sollte, ins Zentrum dieser Entwicklung setzen. Doch der Übernahmepreis ist teuer, man diskutiert derzeit einen Aufpreis von 46% auf den letzten Lumentum-Kurs, der schon eine exorbitant hohe Bewertung darstellte. Eine teure Übernahme würde in meinen Augen nicht umgehend den nächsten Börsenstar erzeugen, sondern höchstens vielleicht nach ein oder zwei Jahren der Integration.

Und dann ist da noch der Einbruch Nordkoreas in die weltgrößte Kryptobörse Binance. 3 Mrd. USD wurden entwendet und durch Binance bereits ersetzt. Weitere 5,3 Mrd. USD sind gefährdet und wurden von allen namhaften Partnern geblockt, so dass sie derzeit nicht bewegt werden können - auch wenn Nordkorea die Schlüssel dazu hat.

Was steckt dahinter? Nun, das Laptop eines Mitarbeiters von Binance wurde "kompromittiert", also ausspioniert. Darüber erhielten die Hacker Zugriff auf die Software-Wallet, die Binance für Kunden betreibt. Wichtig ist zunächst die Feststellung, dass nicht der Bitcoin geknackt wurde. Geknackt wurden sozusagen die Konten, in denen Binance-Kunden ihre Kryptowährungen aufbewahren, darunter nur zu einem kleinen Anteil (ca. 25%) Bitcoins, daneben aber auch andere Krypto-Werte wie Stablecoins.

Wie genau das Laptop des Mitarbeiters von Binance gehackt wurde, ist noch nicht bekannt. Bitcoin-Puristen wie Ihr Autor werden in ihrer Sichtweise bestätigt: Nur eigene Cold-Wallets sind wirklich sicher. Und auch bei den Cold-Wallets gibt es derzeit immer wieder Problemmeldungen, so werden beispielsweise gefälschte Wallets unter dem Namen eines großen Herstellers verkauft. Bei der von mir empfohlenen BitBox02 gibt es bislang keine Problemmeldungen. Vielleicht zahlt sich nun der hohe Preis dieser Cold Wallet aus, da sie auf einem separaten Sicherheits-Chip neben der BitBox-Software aufbaut. Hoffen wir, dass dies weiterhin ein Sicherheitslevel ist, mit dem wir uns sicher fühlen können.

Sie haben sicherlich auch von dem PHP-Vorfall gehört. KI-Agenten haben eine Sicherheitslücke bei PHP entdeckt. Die Lücke wurde letzte Woche publiziert und zeitgleich mit einem Sicherheitsupdate versehen, so dass man die Sicherheitslücke schnell schließen konnte. Nun gibt es zwei Sichtweisen dazu: Die einen sagen, die KI-Agenten können alles knacken und es ist nur eine Frage der Zeit, bis Schlimmeres passiert. Die anderen sagen, es ist doch super, dass wir derzeit KI-Agenten haben, die uns auch die noch so schwer zu entdeckenden Sicherheitslücken aufzeigen, bevor sie von bösen Buben genutzt werden können.

Ich kontaktierte natürlich meinen IT-Entwickler, um ihn nach der Relevanz dieser Lücke für unsere Heibel-Ticker Software zu befragen. Mir wurde von unserem Server-Dienstleister ein entsprechender Link zum Update zur Verfügung gestellt. Mein IT-Entwickler antwortete gelassen, er habe das gleich nach Bekanntwerden der Lücke bereits getan. Unabhängig davon sei unsere PHP-Installation nur eine kleine Nebensache, die mit unserem Heibel-Ticker Administrationssystem nichts zu tun hat. Na, das beruhigt :-)

Und überhaupt, wenn wir schon mal dabei sind: Nun wurde bekannt, dass das Astra-Modell von OpenAI eine neue Kommunikationsweise entwickeln konnte, um aus einer Sandbox auszubrechen. Es wurden zwei Agenten aufgesetzt, beide in einer Sandbox betrieben, so dass sie nicht miteinander kommunizieren können ... so war zumindest die Überzeugung der Entwickler. Nun erhielten die beiden Agenten die Aufgabe, einen Weg zu finden, wie sie miteinander doch kommunizieren können. Und tatsächlich stellten die beiden nach einigem Suchen fest, dass ihre Sandboxen auf der gleichen CPU installiert waren. Sie konnten sich zwar keine Nachrichten schicken, doch sie konnten die CPU unterschiedlich stark auslasten, indem sie unterschiedlich intensive Aufgaben an die CPU gaben. Der jeweils andere Agent konnte nun sehen, wie stark die CPU durch den einen Agenten ausgelastet war, und aus dieser Auslastung entwickelten so etwas wie ein Morse-Alphabet und konnten sich schließlich austauschen. Irre, oder?

Auch hier die Frage: Beängstigend oder interessant? Die ethische Antwort lautet: Beängstigend. Die realistische Antwort lautet: Interessant. Ethisch betrachtet müssen wir Herr der Möglichkeiten unserer KI bleiben, und diese Herausforderung wird immer größer. Realistisch betrachtet werden wir auf absehbare Zeit herausragende Innovationen sehen, wovon sicherlich einige auch schlecht sein werden. Stoppen kann man diese Entwicklung nicht. Ich plädiere stets dafür, an vorderster Front mitzuentwickeln, damit man möglichst viele der schlechten Resultate frühzeitig erkennt und abwenden kann.

Eine Diskussion über die Ethik der KI ist zwar sinnvoll, darf uns jedoch nicht bremsen. Je besser wir die KI verstehen, desto effektiver können wir ihre schlechten Resultate unterbinden. Mehr dazu ebenfalls in Kapitel 4.

Schauen wir uns nun einmal die Wochenentwicklung der wichtigsten Indizes an:

Wochenperformance der wichtigsten Indizes




INDIZES31.10., 22:58 UhrWoche ΔΣ '26 Δ
DAX25.818 2,5%5,4%
S&P 5007.580 -0,6%10,7%
Nikkei63.290 1,0%25,7%
Shanghai A 3.986 -2,9%-13,9%
US-Dollar/EUR1,12-0,3%-5,0%
Euro/Yen175,780,1%-4,3%
10-Jahres-US-Anleihe4,93%-0,070,76
Umlaufrendite Dt3,33%0,020,55
Feinunze Gold$3.875 -3,1%-10,3%
Fass Brent Öl$113,43 -3,3%86,4%
Kupfer$14.155 0,5%13,9%
Baltic Dry Shipping$2.714 0,8%44,6%
Bitcoin$77.423 -4,7%-11,8%








3. Sentiment: Gute Laune bei leeren Kassen



Umfrage Die Rotation dieser Woche führte zu heftigen Ausverkäufen bei Technologieaktien, insbesondere in der KI-Branche. Das Kapital floss in defensive Bereiche und in Aktien, die einen hohen Cashflow haben und fundamental günstig bewertet sind. Unterm Strich sackte der S&P 500 dadurch um 0,5% ab, der DAX hingegen, dem die KI-Werte fehlen, profitierte von den Zuflüssen und stieg um 2,5% an. Von Montag bis Donnerstag schloss der DAX jeden Tag höher. Nun bin ich neugierig, wie unsere Umfrageteilnehmer diese Woche verarbeitet haben.

Unser Anlegersentiment springt von -13,9 in der Vorwoche auf +21,7, den höchsten Wert seit Ende August. Das ist etwas über dem Üblichen: gute Laune, aber kein Überschwang. Offensichtlich folgt die Stimmung den Kursen, wie sie das meistens tut.

Die Selbstzufriedenheit erholt sich von 1,3 auf 1,6 und lässt damit die maximale Verunsicherung der Vorwoche hinter sich. Etwas Verunsicherung bleibt, der Wert liegt noch unter dem Üblichen. Doch die Welt ergibt für die Anleger wieder mehr Sinn.

Die Zukunftserwartung fällt dagegen von +20,1 vor einer Woche auf +11,8, den niedrigsten Wert seit Mitte August. Die Bullen dominieren weiterhin, aber nicht mehr im Extrembereich. Steigende Kurse, sinkende Zuversicht: Das ist der übliche Umkehrreflex. Ein Teil der Erholung, die man vor einer Woche erwartet hatte, ist eingetreten und damit verbraucht.

Die Absicht klettert von 52,9 auf 55,5. Die Käufer überwiegen wieder etwas deutlicher, von Kaufrausch kann aber keine Rede sein.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt die Woche hindurch eine starke Nachfrage nach Absicherungsprodukten, endet dann jedoch deutlich im optimistischen Bereich. In die steigenden Kurse an der deutschen Börse hinein wurden also Absicherungsprodukte gekauft. Zum Ende der Woche sind Privatanleger letztlich ausreichend abgesichert und spekulieren auf einen bullischen Start in die nächste Woche.

Das Put/Call-Verhältnis für den DAX an der Eurex, wo sich institutionelle Anleger absichern, notiert bei 1,42 und damit wieder im neutralen Bereich. Vor einer Woche wurde ein extrem hohes Put/Call-Verhältnis gemessen, deutsche Anleger fürchteten das Abrutschen des DAX unter die 25.000 Punkte-Marke. Doch das Gegenteil passierte und entsprechend wurden die Put-Absicherungen im Verlauf dieser Woche aufgelöst, so dass zwischenzeitlich ein extrem niedriges Put/Call-Verhältnis zu verzeichnen war. Erst am Freitag normalisierten sich die Transaktionen wieder.

An der CBOE sieht es diesmal anders aus: Während man zu Beginn der Woche neutral positioniert war, so stiegen mit zunehmendem Ausverkauf im Tech-Sektor die Put-Käufe für Equities an der CBOE und zum Wochenschluss notiert das Verhältnis bei 0,83 und somit auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Put-Absicherungen wurden also erst parallel zum Ausverkauf nachgefragt.

Die Bulle/Bär-Differenz der US-Privatanleger steigt auf -3,6%punkte (Vorwoche -8,9%punkte). 37,8% Bullen stehen 41,4% Bären gegenüber, 20,7% sind unentschieden. Das ist neutral, die Polarisierung der Vorwoche hat etwas nachgelassen. Ausgewertet wurde bis Mittwoch, also vor dem Zinsentscheid am Abend und vor dem Ausverkauf der Softwarewerte.

Der technische Angst-und-Gier-Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 26% Angst, fast schon extreme Angst (ab 25%) an. US-Anleger sind also bereits stark angespannt.

Interpretation



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4. Ausblick: Cashflow trennt die Spreu vom Weizen



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Quellen:
Kurse: Bloomberg. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist. Sentimentdaten: eigene Umfrageergebnis über unseren Dienst animusX.de.
Bilanzdaten: Bloomberg, Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen

DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag



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