Leserfragen (November 2023)


 Frage vom 29.11.2023

#DAX-Call behalten oder weiter laufen lassen?

Hallo Herr Heibel,

Wahrscheinlich könnte diese Frage auch andere HT-Leser interessieren.
Es geht um den DAX-Call, den wir mal im Portfolio hatten. So wie auch ich, haben vielleicht auch andere Leser die Reisleine nicht gezogen und den Schein behalten. Jetzt ist er gen Norden gewandert und liegt im Gewinn.
Wie lange sollte man ihn noch halten? Oder lieber jetzt den Gewinn einstreichen und nicht warten, ob durch unvorhergesehene Ereignisse der DAX nach Sueden geht.

Danke fuer eine kurze Einschaetzung.

Beste Gruesse

Joerg aus Thailand

 Antwort:

Mit dem aktuellen Ausbruch gen Norden hat sich meine Sentiment-Prognose, dass das „Überraschungspotential“ auf der Oberseite liegt, bewahrheitet. Der DAX-Call ist nun mit 25% im Plus. Ich würde nun einen engen Trailing Stop Loss anlegen, um dabei zu bleiben, solange die Rallye läuft. Doch im Falle eines Rücksetzers würde ich frühzeitig aussteigen. Daher ist vllt. Ein Abstand von 5% sinnvoll.

Oder anders formuliert: Den Großteil des Kursgewinns haben Sie erzielt. Wenn der DAX nun bis ins Jahresende weiter ansteigen sollte, wird der DAX-Call nicht mehr so stark mitlaufen wie bisher, da inzwischen die Restlaufzeit unter einem Jahr liegt und damit der Zeitwertverfall immer größer wird.


 Frage vom 29.11.2023

#Attraktive Anleihe mit 4% Rendite und 1 Jahr Restlaufzeit

Hallo Herr Heibel,

Eine Frage zum Thema Absicherung, wo Sie die Anleihe der Lufthansa weiterhin unter A empfehlen. Ich möchte nämlich Ende der Woche freiwerdendes Geld anlegen und auf der Südhalbkugel unserer Erde den Sommer genießen und nicht an die Börse denken.

Ich kann das Geld auf ein Tagesgeld Konto legen oder … und daran denke ich … zumindest in einem Teil in eine Unternehmensanleihe mit kurzer Restlaufzeit (2. Hälfte 2024) investieren. Vielleicht ist dies auch für andere Leser interessant, um bei den aktuell guten Zinsen Geld festzulegen.

Insofern meine Bitte, ob Sie alternative Unternehmensanleihen empfehlen können ?

Viele Grüße
Stephan aus Hamburg

 Antwort:

Wenn Sie Sicherheit wollen, also keine nachrangige Bescherung akzeptieren, und eine Mindestliquidität, um überhaupt an die Anleihe dran zu kommen, bleiben nicht viele Anleihen übrig. Mit einer Rendite von über 4% bleiben nur 10 Euro-Anleihen zur Auswahl. Mir gefällt die folgende am besten:

Heidelberg Materials Finance Luxembourg Anleihe
2,500% bis 09.10.2024
WKN A28VU6, ISIN XS2154336338
Rendite aktuell 4,017%

Vielleicht gefällt die Ihnen ja.


 Frage vom 24.11.2023

#Paychex als bessere Alternative zu Paypal

Hallo Herr Heibel,

was halten Sie von Paychex.
Haben Sie Erkenntnisse die gegen einen Kauf sprechen.
Ich würde da jetzt gerbe einsteigen weil ich auch die Charttechnik positiv sehe.
200-Tage-Linie dreht leicht ins Plus und wurde kräftig überschritten.
Fundamentale Kennziffern positiv
Umsatzwachstum und Gewinnwachstum um ca. 10% steigend.
Ebitmarge und EK-Rendite über 40%

Ich finde kein Haar in der Suppe.

Auf jeden Fall finde ich dieses Papier wesentlich attraktiver als z.B. Paypal

Wenn Sie Bedenken haben würde ich mich freuen wenn Sie mir die mitteilen.


Mit freundlichen Grüßen

Friedrich aus Essen

 Antwort:

Paychex qualifiziert sich tatsächlich als Dividendenaktie: 10 Dividendenerhöhungen in Folge, aktuell eine Dividendenrendite von 2,9% und eine Ausschüttungsquote von rund 80%.

Das Unternehmen bietet die Personalbuchhaltung inkl. Gehaltszahlungen an. Ein Umsatz- und Gewinnwachstum von 7-9% wird mit einem EV/EBITDA von 23 bewertet. Das ist noch in Ordnung, aber nicht mehr günstig.

Mit Paypal lässt sich das Unternehmen jedoch nicht vergleichen. Paypal ist kein Dividendenunternehmen, sondern zuletzt vom Wachstumsunternehmen ins „keineAhnungwas“ abgestiegen ;-). Paypal muss Wachstum finden, schafft dies jedoch nicht, da der Wettbewerb zu hart geworden ist. Paychex qualifiziert sich nicht als Wachstumsunternehmen, da das Wachstum nicht an die erforderlichen 15% heranreicht.


 Frage vom 24.11.2023

#Abo Wind hat doppelt Gegenwind

Was halten Sie von der Abo Wind Aktie? Danke
Ulrich aus dem Harz

 Antwort:

Es fällt mir schwer, Fragen zu Aktien zu beantworten, wenn Sie mir nicht wenigsten einen kurzen Satz darüber zukommen lassen, warum Sie Interesse an der Aktie haben.

Abo Wind hat sich kürzlich in Abo Energy umbenannt. Das Unternehmen finanziert und betreibt Windparks. Das sind langfristige Projekte, die teils mit Eigenkapital, teils mit Krediten finanziert werden. In Zeiten steigender Zinsen und schwindender Spendierlaune der Regierung hat das Unternehmen zweifach Gegenwind. Hohe Zinsen verteuern nicht nur Kredite, sondern bieten potentiellen Investoren auch eine attraktive Alternative zur Beteiligung an Windparks. Es ist also schwere, neue Projekte aufzusetzen. Zudem ist die Windenergie in Deutschland nicht unbedingt solide aufgestellt, immer wieder kommt es zu erheblichen Verwerfungen, wie zuletzt bei Siemens Energy gesehen. Der Markt ist ohne die Politik derzeit nicht funktionstüchtig.

Daher gefällt mir die Aktie nicht.


 Frage vom 17.11.2023

#Portfolioaufbau für Neueinsteiger

Hallo Herr Heibel,

danke für Ihre Informationen in den Newslettern. Ich bin Newbie und schätze ihrer fast schon "vorlesungsgeeigneten" Ausführungen zu Aktien, Trends und Prognosen sehr.

Ich habe den kostenpflichtigen Newsletter abonniert und bekomme auch ad-hoc Nachrichten auf mein Handy.

Wenn Sie von Empfehlungen auf das bestehende Portfolio aussprechen, ich aber noch keine Aktien aus ihren Portfolio habe, wie kann ich den Einstieg in ihr Portfolio beschleunigen ?
Welche Aktien, z.B. für Dividenden, sind aktuell in Ihrem Fokus ?
Welches waren die letzten Kaufempfehlungen, sodass ich einsteigen kann ?
Unter Umständen haben sie auch einen ETF im Blick, mit dem man schnell einsteigen kann.

Danke für eine kurze Rückantwort,
Mit freundlichem Gruß,
Roland aus Regensburg

 Antwort:

Vielen Dank für das Lob :-).

Wir nehmen immer wieder Teilkäufe und Teilverkäufe vor. Meist richte ich mich mit dem Zeitpunkt der Transaktionen nach dem Sentiment. Wir hatten nun eine lange Zeit mit negativem Sentiment, in dem man gut Positionen aufbauen konnte. Nun befinden wir uns meiner Ansicht nach in einer Rallye, die immer wieder durch Verschnaufpausen unterbrochen wird. Käufe bieten sich dann während der Verschnaufpausen an. Diese erkennen wir mit unserer Sentimentanalyse.

Wenn Sie meinen Teilkauf- und Teilverkaufsempfehlungen folgen, dauert es vermutlich ewig, bis Sie Ihr Portfolio aufgebaut haben. Ich würde die von mir vorgeschlagenen Transaktionen daher dann stets ein wenig beherzter umsetzen, als wir dies in unserem bereits gut gefüllten Portfolio tun.

Ich hoffe, das hilft ein wenig.


 Frage vom 17.11.2023

#ARM Holding IPO

Guten Morgen Herr Heibel,

... Zudem würde mich Ihre Einschätzung zum ARM IPO interessieren.

Vielen Dank und viele Grüße vom Niederrhein
Felix aus Geldern

 Antwort:

ARM Holding finde ich überaus interessant, es ist der KI-Partner von Nvidia. Nach dem zu teuren IPO ist die Aktie unter 50 EUR in meinen Augen interessant. Ich warte bei solchen Titeln aber generell mindestens 6 Monate ab, weil in diesem Zeitraum kein aussagekräftiger Kurs ermittelt wird, der Kurs wird von den IPO-Organisatoren gemacht.


 Frage vom 16.11.2023

#30% Jahresperformance unserer Südzucker-Anleihe

LESERFEEDBACK ZUM UPDATE ZUR SÜDZUCKER ANLEIHE; DIE IM LAUFENDEN JAHR SCHON 30% PERFORMANCE ERZIELT HAT

vielen Dank für die freudige Mitteilung. Ich bin auch froh, Ihre damalige Empfehlung angenommen zu haben.
Aber ist diese Rechnung nicht sehr theoretisch? Wann haben wir denn den Wert ins Portfolio geholt?
Zusätzlich ergibt sich doch das Ergebnis nur, wenn wir jetzt verkaufen. Und auch dann sollte man es doch zum Kauf in Beziehung setzen.
Die Jahressicht passt für mich als Kleinanleger nur bedingt. Sie zeigt, richtige/falsche Entscheidungen getroffen zu haben, aber abgerechnet doch über den gesamten Laufzeitraum.

beste Grüße
Michael aus Görlitz

 Antwort:

Naja, zum Jahreswechsel ziehe ich stets Bilanz und beginne das neue Jahr von vorn. Daher halte ich die Betrachtung seit Jahresbeginn für in Ordnung.

Wir haben die Anleihe seit 2010 im Portfolio, damals zu 94% erstmals gekauft. Zwischenzeitlich haben wir aber zu Kursen unter 80% nachgekauft. Wenn ich aus der ganzen Historie mit FIFO oder ähnlichem stets den durchschnittlichen Kaufpreis anpasse, verzerrt das die jährliche Betrachtung.

Die Denke entstammt vielleicht auch dem Ansatz, dass wir ein diversifiziertes Portfolio haben. Ich versuche nicht, mit jedem Titel den Vogel abzuschießen, sondern ich versuche das Portfolio so zu strukturieren, dass wir gegen möglichst viele Gefahren abgesichert sind und dennoch eine ordentliche Performance erzielen. Über Erfolg und Misserfolg entscheidet also am Ende des Jahres stets die Performance des Portfolios. Die Performance einzelner Titel, ob nun auf Jahressicht oder seit erstem Kauf, spielt eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Und so ist es halt einfach schön zu wissen, dass einer der defensiven Titel im Portfolio, eine verzinste Anleihe, zu den Top-Performern gehört. Mehr wollte ich gar nicht ausdrücken :-).


 Frage vom 09.11.2023

#iShares auf Unternehmensanleihen mit großem Verlust

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich bin seit Jahren eine Ihrer Abonnentinnen Ihres informativen Heibel-Tickers. Ich habe folgende Fragen:

Ich habe - um nicht ausschließlich Aktien und ETFs im Depot zu haben, vor ein paar Jahren den IShares Core € Corp.Bond (A0RGEP) gekauft. Momentan liegt er mit 13 % im Minus. Sie haben erklärt, dass es letztes Jahr einen AnleihenCrash gab.

Meine Frage: Habe ich jemals wieder eine Chance, dass sich dieser ETF erholt? Bevor ich da mein Geld liegen lasse, bin ich jetzt soweit, den ETF aus meinem Depot zu werfen.

Bitte melden Sie sich bei mir, ich komme da einfach nicht mehr weiter.

Vielen Dank und viele Grüße
Ruth aus Regensburg

 Antwort:

Tatsächlich ist der Anleihemarkt in den vergangenen Monaten gecrasht, es ist der logische Gegenpart zu den steigenden Zinsen. Derzeit sehen wir eine (vorübergehende?) Gegenbewegung, da der Ausverkauf inzwischen zu schnell und zu stark vonstatten ging.

War’s das also mit steigenden Zinsen und somit fallenden Anleihemärkten? Ich habe „vorübergehend“ in Klammern geschrieben, weil ich mir noch nicht sicher bin, dass wir die Inflation ein für allemal besiegt haben.

Um ehrlich zu sein, ich würde mir derzeit keine Meinung zu dieser Frage erlauben. Wir haben im Heibel-Ticker daher Anleihen genommen, die eine überschaubare Laufzeit haben: ein bis zwei Jahre. Oder aber Anleihen mit variablem, marktabhängigem Zins. Damit kann man solche Kursschwankungen, wie Sie Ihr Fonds erlitten hat, vermeiden.

Also: Ich halte nichts von lang laufenden Anleihefonds, sondern würde es mir zutrauen, jeweils eine Bundesanleihe mit einer mir passenden Restlaufzeit zu finden.


 Frage vom 09.11.2023

#Exxon übernimmt Pioneer Natural Resources

Hallo Herr Heibel,

Am 10. Oktober hat Exxon bekannt gegeben Pioneer zu $253 pro Aktie zu übernehmen. Ich habe Pioneer aufgrund meiner bullischen Haltung zu Öl im Portfolio behalten. Was bedeutet der Verkauf denn nun für Aktionäre und wie sollte man jetzt handeln, um maximal zu profitieren? Kann ich davon ausgehen, dass die Aktie weiter auf $253 steigt oder bekomme ich ein Angebot über meinen Broker? Vielleicht interessiert die Frage ja noch weitere Leser…

An dieser Stelle nochmals vielen Dank für Ihre regelmäßigen Einschätzungen in dieser turbulenten Zeit. Insbesondere die Nachrichten der letzten Tage und Ihre direkte Kommunikation zu den Geschehnissen im nahen Osten mit Auswirkungen auf den Finanzmarkt waren sehr hilfreich. Weiter so!

Viele Grüße aus Bochum
Christoph

 Antwort:

Mit Bekanntgabe des Übernahmeangebots zu 253 USD war die Aktie um 10% auf 237 USD gestiegen, lief zwischenzeitlich sogar mal auf die 253 USD und hat sich seither aber wieder auf die 237 USD zurückbewegt.

Warum wird die Aktie nicht zum Übernahmepreis gehandelt? Weil es doch einige Zweifel daran gibt, ob die Übernahme genehmigt wird. Präsident Joe Biden hat seine Behörden so aufgestellt, dass seit seiner Amtsübernahme kaum eine Übernahme genehmigt wurde.

Wenn Sie mich nun fragen, wie ich die Wahrscheinlichkeit einschätze, ob die Übernahme durchgeht oder nicht, dann zücke ich meine Standardantwort: Den Gewinn haben Sie mit der Bekanntgabe der Übernahme gemacht: +10%. Alles, was danach kommt, ist ein juristisches Spiel, an dem ich mich nie beteilige. Meine Jura-Scheine aus dem Grundstudium reichen nicht aus, um mir eine qualifizierte Meinung zu diesem Prozess zu bilden.

Also: Nehmen Sie den Gewinn mit und stecken Sie das Geld in unsere verbliebene Gas- und Ölaktie Coterra, denn die ist derzeit günstiger bewertet.


 Frage vom 09.11.2023

#Xetra-Gold als Schließfachalternative

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich bin schon seit Jahren ein Fan Ihres Börsenbriefes, seit 2 Jahren auch
mit meinem Unternehmen. Ich wollte jetzt mal Gold ins Depot kaufen und
fragen, ob Sie ein Gold ETF oder ähnliches empfehlen würden. In Ihrem Depot
ist das Gold physikalisch, korrekt?
Vielen Dank im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen / kind regards
Stephan aus Grevenbroich

 Antwort:

Herzlichen Dank für Ihre Treue :-). Ich empfehle seit Jahren das folgende Papier:

- Deut. Börse Commodities GmbH Xetra-Gold IHS 2007
(WKN A0S9GB, langfr.)
Abbildung der Goldpreisentwicklung
kein Gold schleppen, allerdings mit Emittentenrisiko!
Auslieferung gegen Abwicklungsgebühr von 140 Euro möglich.
-> Nach 12 Monaten Haltedauer fällt keine Abgeltungssteuer an (https://www.xetra-gold.com/xetragold/dispatch/de/binary/gdb_content_pool/imported_files/public_files/10_downloads/31_trading_member/80_Xetra_Gold/Abgeltungssteuer_Fact_Sheet2015_09_16_4.final.pdf)

Ich habe vor vielen Jahren mit demjenigen telefoniert, der Xetra-Gold für die Deutsche Börse konzipiert hat. An so ziemlich allen anderen Finanzprodukten, die den Goldpreis abbildeten, hatte ich damals ein Haar in der Suppe gefunden. Voraussetzung ist in meinen Augen, dass das Gold, das man über Xetra-Gold erwirbt, auch physisch existiert und jederzeit ausgeliefert werden kann. Das ist bei Xetra-Gold der Fall. Zudem müssen die Gebühren überschaubar sein. Auch das ist bei Xetra-Gold der Fall - meines Wissens ist es nach wie vor die günstigste unter den qualitativ hochwertigen Alternativen. Mein Gesprächspartner ließ irgendwann, als ich ungläubig fragte, womit die Deutsche Börse denn Geld verdiene, die Hüllen fallen und gab zu "weiß ich auch nicht, ich habe mich die ganze Zeit gewundert, dass man mich das so sauber konzipieren ließ".

Einziger Wermutstropfen: vor einigen Jahren hat die Deutsche Börse eine Verwahrungsgebühr (0,3% zzgl. MWSt.) eingeführt, bei 10.000 EUR also 30 Euro im Jahr. Preislich je nach Ihrem Anlagevolumen also etwas günstiger oder vergleichbar mit einem Schließfach.


 Frage vom 09.11.2023

#Normalisierung der Zinskurve

Lieber Herr Heibel:
Unterliegen Sie nicht einem Denkfehler?
Sie schrieben:
"Wenn nun vorwiegend diese (kurzen) Laufzeiten bedient werden,
wird der Preis für diese Laufzeiten fallen, was zu ansteigenden Renditen
und somit zu einer weiteren Normalisierung der Zinskurve führt."
2-Monats Bills rentieren mit aktuell mit 5,43%
2-Jährige mit 4,84%
10-Jährige mit 4,56%
Ein Anstieg der kurzfristigen Zinsen führt zu einer Verstärkung der Inversion und nicht zu einer Normalisierung
der Zinskurve.
VG, Nikolai aus Essen

 Antwort:

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:

579-Yieldcurve-20231109

Der Zins ganz links, also beim Übernachtgeld, wird von den Notenbanken gesetzt. Die Rendite am langen Ende, also rechts, bildet sich über den Markt. Nun möchte man möglichst eine Zinskurve haben, die links beispielsweise bei 2-4% steht und dann nach rechts ansteigt, aber sich langsam abflacht.

In Zeiten wie heute, wo der Zins am kurzen Ende extrem hoch ist, bedeutet ein vergleichsweise niedrigerer Zins am langen Ende (30 Jahre), dass Anleger den Notenbanken zutrauen, die Inflation in den Griff zu bekommen. Soweit so gut.

Wenn aber die die Laufzeiten von Monaten bis wenigen Jahren ein extrem niedriges Renditeniveau haben, wie in der orangenen Linie von vor 6 Monaten zu sehen, dann spiegelt dies die Angst der Anleger wider, dass auf dem Weg der Inflationsbekämpfung irgendwann extreme Zinssenkungen erforderlich werden könnten. Das wäre genau dann der Fall, wenn die Konjunktur in eine Rezession läuft. Der Leitzins wäre dann zu hoch oder zu lange hoch gewesen, was die Wirtschaft in eine Rezession stürzen und die Notenbank zu Gegenmaßnahmen zwingen würde.

Unter einem Anstieg am kurzen Ende meine ich daher nicht den Leitzins, der für Übernachtausleihungen gilt, sondern Laufzeiten von Monaten bis zu wenigen Jahren. Also der Bauch der orangenen Linie.

Wir wollen also, dass der Bauch ein wenig kleiner wird. Dabei wird bereits antizipiert, dass die Notenbank irgendwann den Leitzins senken wird und den Start der Kurve nach unten drückt.

Ich glaube, die Verwirrung stammt daher, dass man von den Zinsen am kurzen Ende spricht und damit Laufzeiten von Monaten bis wenigen Jahren meint, nicht jedoch den Leitzins, der als Übernachtzins sehr extrem kurz ist :-).