 | Lieber Herr Heibel,
die Themen Krypto-Währungen und Blockchain beobachte ich interessiert, jedoch halten mich die beiden folgenden Gedanken bislang davon ab, Ihnen zuzustimmen und den Bitcoin als mittel- und langfristige Anlagemöglichkeit zu betrachten:
1. Stromverbrauch
Ohne Ihnen jetzt konkrete Quellenangaben nennen zu können, habe ich in der öffentlichen Presse schon häufiger gelesen, dass aufgrund des Proof-of-Work Konzepts der gesamte Stromverbrauch des Bitcoin-Nerzwerks gigantisch groß ist (mittlerweile bereits in der Größenordnung des Stromverbrauchs eines ganzen Landes wie Großbritannien) und auch noch weiter ansteigt.
So wie ich es verstanden habe, entsteht der Stromverbrauch beim Mining, welches ja die Validierung, Prüfung und Codierung von Transaktionen darstellt und mit der Zuweisung neuer Bitcoins entlohnt wird
Leider habe ich nirgendwo Informationen dazu gefunden, wie dieser (jetzt schon extrem hohe) Stromverbrauch weiter absteigt, beispielsweise ob der Anstieg linear oder sogar exponentiell geschieht.
Liegt hierin nicht das Risiko, dass bei weiter ansteigendem Stromverbrauch irgendwann die Stromkosten des Mining höher sind als die Vergütung durch neue Bitcoins, und dann ist das Mining nicht mehr wirtschaftlich und wird eingestellt? Dies hätte zur Folge, dass keine Transaktionen mehr auf der Blockchain durchgeführt werden können und würde wohl das Ende des Bitcoins bedeuten.
(Ausweg: Wechsel zum Proof-of-Stake Konzept?)
2. Kriminelle Übernahme der Netzwerk-Mehrheit durch Quantencomputer?
Bei einer Übernahme der Netzwerk-Mehrheit liesse sich die Blockchain nach Belieben manipulieren und somit Bitcoin-Bestände plündern. Besteht möglicherweise die Gefahr, dass Quantencomputer in den Händen von Kriminellen mit ihrer Rechenleistung die klassischen „Grafikkarten-Mining-Farmen“ überstimmen können bei der Validierung von Transaktionen?
Aufgrund dieser beiden Befürchtungen kann ich den Bitcoin nicht als „digitales Gold“ ansehen, denn Gold ist unvergänglich und rostet nicht.
Mit freundlichen Grüßen
Christian aus Erftstadt |  |
| | Antwort: Zu 1.: In einem Land, in dem die Antwort auf die mögliche Klimakatastrophe „Sparen“ lautet, wundert es nicht, dass auch der Bitcoin durch diese Brille betrachtet wird.
Dabei ist das Bitcoin-Mining örtlich unabhängiger als viele andere Energienutzungen. Sie können Mining-Rechner in die Wüste neben Solaranlagen stellen, oder in die entlegensten Ölfödergebiete, wo das parallel frei werdende Gas einfach abgefackelt wird, statt es zu verstromen oder zu transportieren. Das Bitcoin-Mining ist nur auf zwei Dinge angewiesen: Strom und Internet. Beides ist weltweit überall verfügbar. Der Strom muss billig sein, weil, wie Sie richtig sagen, sehr viel davon beim Mining benötigt wird. Doch es hat sich gezeigt, dass die Miner ihre Rechner dort aufstellen, wo der Strom am günstigsten ist. Und am günstigsten ist er dort, wo zu viel davon vorhanden ist oder er gar nicht benötigt wird.
Wir schalten in Deutschland regelmäßig die Windräder ab, wenn zu viel Sonne und Wind vorhanden sind. Warum lässt man die nicht laufen und schürft mit der überschüssigen Energie Bitcoins? Das würde nicht nur die Langeweile vertreiben, sondern würde die Windanlagen umgehend wirtschaftlicher machen. So betrachtet würde das Bitcoin Mining die Energiewende hin zu regenerativen Energien sogar fördern!
Der Umstand, dass Sie keine Quellen und Zahlen finden, könnte darin begründet sein, dass es keine verlässlichen Zahlen gibt, die dieses Lieblingsthema deutscher Medien beweisen.
Zu 2.: Quantencomputer könnten das Netzwerk übernehmen? Nein, auch das ist eine Panikmache, die von uninformierten Journalisten verbreitet wird (und sich gut verkaufen lässt).
Das Schürfen nach neuen Bitcoins bzw. Blocken ist eine Sisyphusaufgabe. Einfache Rechenaufgaben müssen immer wieder mit veränderten Variablen durchgeführt werden, um irgendwann hoffentlich einen Treffer zu landen. Quantencomputer hingegen sind für das Lösen komplexer Aufgaben ausgelegt, sie können mit unendlich vielen Variablen hantieren, was für das Bitcoin-Mining gar nicht erforderlich ist. Und selbst wenn böse Menschen Quantencomputer auf das Bitcoin-Netzwerk ansetzen sollten, könnten die ehrlichen Bitcoiner gleichfalls Quantencomputer fürs Mining verwenden, denn auch das Mining ist heute schon in der Hand großer Konzerne, die sich so etwas leisten könnten.
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