Leserfragen (Mai 2023)


 Frage vom 30.05.2023

#Super Micro Computer & LVMH

Hallo Herr Heibel

Erstmal meinen Glückwunsch zum gestrigen Heibelticker
Ihre Ausführungen zum Thema Künstliche Intelligenz im Allgemeinen und
NVIDIA im Besonderen sind sehr sehr gut

Im Bayerischen Rundfunk wurde diese Woche berichtet, daß eine Jounalistin ChatGPT auf die
diesjährige Abiturprüfung in Deutsch angesetzt hat – das Ergebnis würde eine „2“ bekommen
Auch in Mathematik, Englisch und Ethik hätte ChatGPT das Bayerische Abitur bestanden

Da muß die Menschheit aufpassen, daß sie ihre Existenzberechtigung nicht nur dem Umstand verdankt,
daß wir wissen wo der Stromstecker ist und wie man den rauszieht ;-)

Schade nur daß NVIDIA es von der Beobachtungsliste nicht ins HeibelTickerdepot geschafft hat.

Falls es die Umstände zulassen, hätte ich gerne Ihre Meinung(en) zu SuperMicroComputer und LVMH gewußt

Bei SuperMicroCompute soll ordentlich KI-Phantasie drinstecken und LVMH läßt sich von den Krisen der Welt
nur kurz beeindrucken und hat den CEO zu einem der reichsten Männer der Welt gemacht. Hat aber wohl nur sehr wenig Streubesitz

Viele Grüße


Christoph aus Sommerhausen

 Antwort:

Vielen Dank :-).

Super Micro Computer aus San José, Kalifornien, bietet High Performance Server und Speicherlösungen für Rechenzentren auf offener Architektur an. Die GPU-Chips H100 von Nvidia machen derzeit den größten Teil der Serverkosten aus. Die anderen Teile werden mit geringen Margen zugeliefert.

Natürlich wird auch Super Micro Computer von dem Run auf KI-Rechenzentren profitieren. Doch das hat sich bereits im Aktienkurs gezeigt, die Aktie hat sich in den vergangenen zwölf Monaten versechsfacht! Das Geschäft mit hauchdünnen Margen ist zu einem ordentlichen Geschäft herangewachsen, das Kurs/Umsatz-Verhältnis steht bei 2, das KGV bei 12. Damit ist Super Micro Computer deutlich günstiger bewertet als Nvidia, Marvell oder AMD, hat aber auch keinen wirklichen Technologievorsprung vor dem Wettbewerb. Ich fürchte, hier ist der Großteil des Kurssprungs bereits erfolgt.

Der französische Luxusartikelhersteller LVMH hat sich in die Liga der Nestles und Berkshire Hathaways empor gespielt. Insbesondere in Schwellenländern und in China werden die Luxusmarken als Symbol des Reichtums zur Schau getragen. Meine Tochter (12) zog mich neulich in einen Verkaufstempel von LVMH, in dem viele der Luxusmarken untergebracht waren. Handtaschen für vierstellige Preise und Brillanten, größer als die Fingerkuppe, kann man wohl nur kaufen, wenn man zuvor mit Moët Chandon willig gemacht wurde.

Wir beide haben vor vielen Jahren mal ein paart Gläschen Wein zusammen getrunken. Da habe ich keinerlei dieser Artikel bei Ihnen gesehen. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass Sie in dieser Welt zu Hause sind. Ich auch nicht und ich versuche zu vermeiden, dass meine Tochter zu viel Zeit in solchen Läden verbringt ;-). Entsprechend fällt es mit nicht schwer zu sagen, diese Aktie ist nichts für mich.


 Frage vom 30.05.2023

#Abbvie & Pfizer als Dividendenaktien

Guten Tag Herr Heibel,

mich würde Ihre Einschätzung zu den Aktien Abbvie und Pfizer interessieren. Beide Werte erfüllen m. E. Ihre Kriterien für einen Dividendenwert, zudem habe ich zuletzt einen Artikel gelesen, aus dem hervorgeht, dass Pfizer demnächst mit einer Tablette auf den Markt gegen Fettleibigkeit dringen könnte. Aus einer Phase-2-Studie geht demnach hervor, dass Probanten, welche die Tablette von Pfizer über einen Testzeitraum von 16 Wochen einnahmen, im Durchschnitt 10 Pfund an Gewicht verloren. In der Phase-3-Studie des Ozempic Präparats von Novo Nordisk verloren die Teilnehmer in einem Testzeitraum von 30 Wochen durchschnittlich lediglich 9,9 Pfund.

Die Aktie von Pfizer hat seit Ende 2021 fast 40% an Wert verloren und steht derzeit bei einem Non-GAAP PE von 6,4 (EV / EBITDA: 5,68) und damit deutlich unter dem Sektor Median und dem eigenen 5-Jahres-Durchschnitt. Nach Einschätzung der Analysten sollen Umsatz und EPS in den nächsten Jahren jedoch nur geringfügig wachsen. Die Kennzahlen der finanziellen Stärke sowie die Kennzahlen zu Ertrag und Rentabilität sehen m.E. auch solide aus. Die Dividende ist in den letzten 10 Jahren immer erhöht worden, aktuell liegt die Dividendenrendite bei etwa 4% und die Ausschüttungsquote bei ca. 30%.

Sonnige Grüße vom Niederrhein

Felix aus Geldern

 Antwort:

Sie haben Recht, beide Aktien qualifizieren sich als Dividendenaktien.

Abbvie ist eher im Bereich der Magen- und Darmentzündungen unterwegs (Crohn-Desease), bei Psoriasis und Arthritis. In meinen Augen ist Abbvie gut aufgestellt, hat eine Reihe von BioTech-Übernahmen getätigt, von denen das eine oder andere Produkt in der Zukunft zu erwarten ist.

Pfizer war durch die Corona-Impfung (BioNTech-Partner) in den Himmel gejubelt worden und fiel im Anschluss auf eine vernünftige Bewertung zurück. Es bleibt eine gesunde Bilanz, eine attraktive Dividende (3,4%), aber die Meldung über eine Tablette gegen Fettleibigkeit halte ich für irreführend. Zum einen dauert es noch lange von Phase II bis zur Marktzulassung. Zum anderen wird es für zweite und dritte im Rennen um eine wichtige Behandlung (Fettleibigkeit) immer schwerer, ebenfalls eine Zulassung zu erhalten, weil sie gegenüber bestehenden Medikamenten keine Schwäche zeigen dürfen.

Zudem wirken die Abnahmeverträge für Impfstoffe derzeit eher wie eine Belastung, weil sich immer weniger Menschen impfen lassen und die Staaten aus den eingegangenen Abnahmeverträgen raus wollen.

Also Abbvie finde ich gut, mir gefällt unsere Pharma-Aktie gegen Fettleibigkeit aber noch besser. Pfizer würde ich noch nicht kaufen.


 Frage vom 30.05.2023

#Stellantis günstig bewertet mit 9% Dividendenrendite

Hallo Herr Heibel,

heute habe ich eine Frage zu einer konkreten Aktie: Stellantis

Ich habe heute einen interessanten Artikel über diesen Konzern gelesen. Mit 9% Dividendenrendite weckte diese Aktie mein Interesse. Außerdem wurde ein potentielles Kursziel von +50% gesehen.
Wie würden Sie diese Aktie einschätzen?

Vielen Dank vorab!

Beste Grüße von Sven aus Chemnitz

 Antwort:

Sie haben Recht, Stellantis sieht derzeit sehr günstig bewertet aus. In der Bilanz häufen sich die Barreserven (Nettoliquidität 25 Mrd. EUR), während die Marktkapitalisierung (45 Mrd. EUR) nur ein Viertel des Umsatzes (180 Mrd. EUR) ausmacht. Da sieht die Dividendenrendite von 9,6%, die aus dem Cashflow bezahlt werden kann, attraktiv aus.

Das sind zumindest Zahlen, die meine Neugier wecken :-).

Die niederländische Stellantis wurde aus der Fusion von Fiat Chrysler mit Peugeot geformt, der Konzern beheimatet noch die Marken Opel, Citroën, Maserati, Jeep und Alfa Romeo. Im laufenden Jahr erwarten Analysten gestiegene Kosten und somit einen Gewinnrückgang. Der Umsatz bleibt aber im Wachstumstrend.

Wenn ich mir die Automarken anschaue, die unter dem Dach von Stellantis vereint wurden, so drängt sich mir das Gefühl auf, dass wir hier eine Ansammlung gescheiterter Automarken sehen: Maserati ist bekannt für seine Fehleranfälligkeit, Chrysler war von einer Insolvenz in die nächste geschlittert, Opel wurde von General Motors in Europa angeboten wie sauer Bier, … das steckt vermutlich hinter der niedrigen Bewertung. Alle Marken haben aber ihre Märkte und Kunden und wenn es dem Unternehmen gelingt, die Fehleranfälligkeit zu reduzieren, dürfte sich die Bewertung als viel zu niedrig herausstellen.

Ich muss tiefer in das Unternehmen eintauchen, um mir eine Meinung zu bilden. Aber auf den ersten Blick sieht es wirklich interessant aus.


 Frage vom 30.05.2023

#Marvell als Alternative zu Nvidia

Hallo Hr. Heibel,

Habe den jüngsten Kursverlauf von Nvidia und auch Ihren Artikel zu Nvidia aufmerksam verfolgt.

Habe auch gesehen, dass Marvell Tech. einen ähnlichen Verlauf hingelegt hat.

Wie ist Ihre Meinung zu dieser Aktie?

Beste Grüße aus Österreich, Bert aus Linz

 Antwort:

Nvidias GPU-Chip H100 ist Teil der "Hopper"-Architektur und der leistungsstärkste auf KI ausgerichtete GPU-Chip, den Nvidia je hergestellt hat. Er übertrifft seinen bisherigen High-End-Chip, den A100. Der H100 enthält eine spezielle "Transformer Engine", um maschinelles Lernen zu beschleunigen. Er unterstützt außerdem Nvidia NVLink, das GPUs miteinander verbindet, um die Leistung zu vervielfachen.

Marvells ASIC (Application Specified Integrated Circuit) ist ein kundenspezifisches ASIC-Angebot, das sich auf die komplexen, hochgeschwindigkeits- und hochleistungsfähigen Anforderungen von 5G-Carriern, Cloud-Rechenzentren und Automobilanwendungen spezialisiert hat. Marvells kundenspezifisches ASIC-Angebot unterscheidet sich für KI- und maschinelle Lernanwendungen durch führende Dichte und Leistung von SRAMs, die leistungsstärksten SerDes (Datenübertragung) und ein großes Spektrum an Breitband-Speicherschnittstellen.

Nvidia nutzt eigene ASICs, auch AMD hat meinen Informationen zufolge eine eigene Lösung (Xilinx). Damit bedient Marvell mit seinen KI-ASICs eher spezialisierte Anwendungen von Automobilunternehmen und Rechenzentrumsbetreibern.

Marvell hat Ende letzter Woche Q-Zahlen und eine Prognose veröffentlicht, die ähnlich bullisch sind wie bei Nvidia. Im laufenden Jahr wird sich der Umsatz mit KI-ASICs vervierfachen, was zu einer Umsatzverdopplung beim Konzernumsatz führen soll. Damit wurden die bisherigen Prognosen drastisch erhöht, die Aktie ist um 32% angesprungen.

In meinen Augen vollzieht Marvell damit eine ähnliche Entwicklung wie Nvidia. Es werden unterschiedliche Märkte bedient und Nvidia als Platzhirsch wird sicherlich die High-End Lösungen abgrasen, doch die Nachfrage nach KI-Lösungen unterhalb dieser Ebene dürfte genauso stark wachsen. Also ja, ich könnte mir gut vorstellen, dass Marvell eine ähnliche Entwicklung erleben wird.


 Frage vom 23.05.2023

#Bitcoin & Ethereum liquidieren?

Hallo Herr Heibel
Ich bin mich wieder nicht sicher, ob ich die vor einiger Zeit gekauften Bitcoins und Etherum, jetzt verkaufen soll, bevor es noch schlimmer wird?????
Vielen Dank fur ihre Meinung.
Liebe Grusse
Rita aus Spanien

 Antwort:

Der Bitcoin ist eine Absicherung gegen Währungsturbulenzen. Außerdem ist er eine Wette auf eine Revolution in unserer Gesellschaftsordnung: Basisdemokratie statt repräsentativer Demokratie. Ich bin mir nicht sicher, ob sich das durchsetzen wird. Doch als Alternative wird der Bitcoin in meinen Augen auf lange Zeit eine Existenzberechtigung haben.

Darauf spekulieren würde ich nicht. Aber als Möglichkeit in Betracht ziehen sollte man es schon. Und entsprechend dieser Einschätzung sollte eine Bitcoin-Position einen kleinen Anteil in Ihrem Portfolio darstellen - ich hatte weniger als 6% vorgesehen. Einen so kleinen Anteil können Sie behalten, auch wenn sich der Kurs wieder halbieren sollte. Wenn Sie stärker in den Bitcoin investieren, beginnen Sie zu traden, wollen Kursschwankungen zu Ihrem Vorteil nutzen. Das ist nicht das Ziel, könnte lediglich eine Begleiterscheinung bei extremen Ausschlägen sein. In diesem Fall würde ich die Positionsgröße ein wenig anpassen: Nachkaufen zu Kursen unter 20.000 USD, etwas verkaufen bei Kursen über 40.000 USD.

Ethereum ist ein Unternehmen, dass sinnvolle Blockchain-Anwendungen anbietet. Sicherlich ebenfalls revolutionär und fortschrittlich, aber abgesehen von der Technologie nicht zu vergleichen mit dem Bitcoin. Für meinen Geschmack ist die Blockchain-Branche noch zu jung für ein Investment.

RÜCKMELDUNG

Lieber Herr Heibel,
Vielen Dank für Ihre ausführliche Information , die mir sehr geholfen hat Bin so froh.
Liebe Gruesse, wieder aus Spanien.


 Frage vom 23.05.2023

#Bitcoin als Absicherung gegen US-Schuldenkrise

Lieber Herr Heibel,

fahren die USA direkt in eine weltweite Finanzkrise?

Sie schrieben es bereits. Das Austaktieren des Erweiterns der Schuldenaufnahme bis zum faktischen Ausfall und freeze aller Ausgaben, einschließlich der Gehälter, ausgenommen zwingend erforderlicher Ausgaben, könnte die USA (und den Rest der Welt, ausgenommen BRIC, zumindest wohl China und Indien) diesmal mehr als nur eine heftige Korrektur kosten.

Eigentlich sind die USA pleite. https://finanzmarktwelt.de/wann-brechen-die-staatsschulden-den-usa-das-genick-175031/ und eine Wiederkehr des Clintonschen Kraftaktes, https://dr-peterreins.de/2011/07/die-geschichte-der-us-staatsverschuldung-der-letzten-30-jahre/ ist kaum zu erwarten, eher die Wiederholung der Zwangsabgaben und Notopfer - https://www.gold.de/goldverbot/

Ich habe ein Teil "Sicherheit" in Gold, Silber (industriell verwertbar) und Rohstoffen (nur Aktien, keine Anleihen), anderes in Food, Pharma und erneuerbaren Energien (Nachhaltigkeit gefällt mir, schon prospektiv, besonders).

Darüber hinaus halte ich immer noch eine kleine, indes seit langem hoch profitable, Position Bitcoin und - tradend - CFD auf Etherum und Solana.

Ich überlege angesichts der Problemignoranz der Republikaner in den USA gerade die Ausweitung der Investments in Kryptocurrency.
Vorteil - Unabhängigkeit vom Dollar
Nachteil - immer noch hohe Volatilitäten

Wie halten Sie es?

Ich weiß indes nicht, ob das ein Thema für alle Leser wäre.
Self-fulfilling des Wechsels von den Schwachen in die starken Hände, ob Panikerzeugung mag ich so gar nicht.

Freundlich grüßt
Peter aus Düsseldorf

 Antwort:

Ihre Portfolioaufteilung ist sicherlich konsequent zu Ihrer Erwartung der Währungsturbulenzen. Ich erwarte diese Währungsturbulenzen seit nunmehr 30 Jahren eigentlich täglich ;-), soll heißen: Es sah schon vor 30 Jahren aussichtslos aus, doch immer wieder finden sich neue Winkelzüge, mit denen die jeweiligen Währungen auf dem Rücken des Vertrauens der Bevölkerung weitere Schuldenausweitungen verkraftet haben. Daher habe ich mir abgewöhnt, auf das unmittelbare Ende dieser Spirale zu setzen, sondern habe lediglich eine Basisabsicherung im Portfolio. Diese Absicherung kostet Performance und in der Zeit, in der bspw. der Euro mit seinem faulen Regelwerk eigentlich kollabieren müsste, ist der DAX von 3.000 auf 16.000 gestiegen.

In diesem Sinne halte ich eine Basisposition im Bitcoin ebenfalls für sinnvoll. Der Bitcoin ist volatil genug, ich brauche daher eine Spekulation in anderen Kryptos wie Ethereum oder Solana nicht. Außerdem ist der Bitcoin in meinen Augen die Basis für alle anderen Kryptowährungen, ist daher also besser geeignet als Absicherung gegen Währungsturbulenzen.


 Frage vom 23.05.2023

#Motorola als langfristiger Highflyer

Lieber Stephan,

Was hältst Du eigentlich von Motorola?

Ich habe sie in meinem Depot mit +30% seit März 2022 und dachte mir spontan, vielleicht ist das was als (langweiliger) längerfristiger Highflyer?

Der Kurs über 10 Jahre ist zumindest schön grün :)

Und es gibt wohl eine immer mal wieder steigende Dividende

Viele Grüße, Sven aus Stuttgart

 Antwort:

Motorola ist ein sehr solide geführtes Unternehmen mit Kunden aus dem öffentlichen Dienst und aus dem Unternehmenssektor. Mit dem Motorola, das Handys an Endkunden verkaufte, hat das heutige Motorola nur noch wenig zu tun.

In den vergangenen 10 Jahren wurde die Dividende jedes Jahr angehoben. Die durchschnittliche Auszahlungsquote zum Gewinn beträgt 32%, das sieht also vernünftig aus. Allerdings beträgt die Dividendenrendite nur 1,1%, daher qualifiziert sich Motorola nicht als Dividendenaktie.

Der Umsatz wächst mit 6-8%, der Gewinn überproportional mit 8-11%. Die Ausweitung der Marge (EBITDA) von 27,5% auf 29,3% in der jüngeren Vergangenheit ist sicherlich auch auf die neue China-Politik der USA zurückzuführen, denn die heimische Motorola wird den chinesischen Wettbewerbern vorgezogen.

Die Investitionen (CAPEX 3%) sind im Rahmen, die Verschuldung (Net Debt / EBITDA 2,0) ist gering. Somit ist die Bewertung bei einem EV/EBITDA von 19 in meinen Augen angemessen. Sieht nach einem langfristig soliden Investment aus. Für den Heibel-Ticker habe ich bessere Kandidaten :-).


 Frage vom 12.05.2023

#Elliott steigt bei Goodyear Tire ein

Moin Herr Heibel,

Mitte Februar 2022 war ich Ihrem Vorbild gefolgt und hatte in Goodyear-Tire-Aktien (WKN 851204) zu einem Einstandskurs von € 14,51 investiert. Dieses Investment erwies sich dann ja als katastrophal, und Ende 2022 stand der Kurs bei € 9,40. Sie hatten ja zwischenzeitlich zum Verkauf der Position geraten, aber ich habe seinerzeit den Absprung vor noch weiter fallendem Kurs verpaßt und bin zähneknirschend investiert geblieben.

Gestern nun meine freudige Überraschung, daß der Kurs auf über 12,- € hochgeschossen ist und heute mittag bei € 12,90 liegt. Seit Jahresbeginn ist er somit schlagartig um über 37% gestiegen, und mein Verlust gegenüber dem Einstandskurs beträgt nur noch 11,1%. Dieser Kurssprung geschah ja aufgrund des plötzlich bekanntgewordenen Investments von Fa. Elliott Investment Management in Höhe von über 10% und der nun abzusehenden Einflußnahme seitens Elliott auf die Goodyear-Tire-Geschäftspraktiken.

Mir stellt sich nun die Frage, ob ich die aktuelle erfreuliche Verlustminimierung mitnehmen und die Position verkaufen soll, oder ob ich nun investiert bleiben und ggf. weitere Kurssteigerungen abwarten soll. Ich kann überhaupt nicht abschätzen, ob nun dank Elliott plötzlich noch mehr Kurspotential entstanden ist. Vielleicht haben Sie ja eine Idee?

Danke und Gruß

Heinrich aus Harpstedt

 Antwort:

Elliott hat am 11. Mai einen Brief und eine Präsentation an den Vorstand von Goodyear geschickt, in dem es seine Beteiligung von etwa 10% an dem Reifenhersteller offenlegte und einen Plan zur Wertsteigerung vorstellte.

Der Plan von Elliott umfasst drei Hauptpunkte:

Erneuerung der Führung und Aufsicht: Elliott schlägt vor, fünf neue unabhängige Direktoren in den Vorstand zu berufen, um die Governance zu verbessern, einen Kulturwandel herbeizuführen und das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen.

Monetarisierung des versteckten Werts der Einzelhandelsplattform von Goodyear: Elliott schlägt vor, Möglichkeiten zu prüfen, das Netzwerk der firmeneigenen Geschäfte von Goodyear zu verkaufen oder auszugliedern, das Elliott fast für den Marktwert von Goodyear hält, angesichts der hohen Bewertungen von Auto-Aftermarket-Service-Unternehmen.

Durchführung einer operativen Überprüfung: Elliott schlägt vor, einen Ausschuss für operative Überprüfung zu bilden, um einen Plan für operative Verbesserungen und Margensteigerung zu entwickeln.

Elliott glaubt, dass diese Maßnahmen den Aktienkurs von Goodyear auf 21 USD steigern könnten, was einem Anstieg von 179% gegenüber dem aktuellen Niveau entspricht.

Elliott Management gilt als der aktivistische Investor, der die besten Köpfe des Landes für sich begeistert. Das Unternehmen ist beliebt bei Hochschulabgängern, weil man verschlafenen Unternehmen zu mehr Effizienz verhelfen kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass Goodyear gerade erst seinen Kursanstieg beginnt und in den kommenden Monaten noch deutlich höher steigt.

Das Kursziel von 21 USD, das Elliott ausgibt, halte ich für zu optimistisch - zumindest auf Sicht von 12-18 Monaten. Das gibt die Branche nicht her, immerhin sind Autoreifen ein Verbrauchsgegenstand mit niedrigen Margen und geringem Wachstum. Aber mit etwas mehr Agilität und strikterem Kostenmanagement kann die Aktie durchaus weiter nach oben getrieben werden.

Gleichzeitig wird es Unruhe im Konzern geben, wenn diskutierte Effizienzsteigerungen mit Jobstreichungen in Verbindung gebracht werden und deren Umsetzung in Frage gestellt wird. Mit einer Beteiligung von gerade einmal 10% ist Elliot zwar ernstzunehmen, kann aber nicht nach Belieben regieren. So werden vorgeschlagene Maßnahmen gegebenenfalls nicht umsetzbar sein, was die Aktie wiederum belasten dürfte.

Ich denke, die Aktie wird in den kommenden Monaten volatiler sein als in der Vergangenheit. Auf Sicht von 12-18 Monaten jedoch halte ich ein Kursziel von 18 USD (aktuell 16,50 EUR) für möglich. Sie müssen beurteilen, ob Ihre Nerven für einen solchen wilden Ritt zu gebrauchen sind, oder nicht.


 Frage vom 10.05.2023

#Enphase nach -50% in 18 Monaten ein Kauf?

Hallo Herr Heibel,

wäre es jetzt nicht langsam Zeit für Enphase? Die Überbewertung wurde durch fallende Kurse und steigende Umsätze und Gewinne abgebaut. Ein Ende des starken Wachstums ist nicht in Sicht. Die Deutsche Bank urteilte gestern zurecht:

Enphase: „Kaufgelegenheit für ein attraktives Bewertungsniveau"
Die Deutsche Bank sieht durch die Schwäche der Aktie des US Wechselrichterhersteller Enphase eine gute „Kaufgelegenheit auf einem attraktiven Bewertungsniveau".
Enphase ist nach Einschätzung der Deutschen Bank zumindest eine kurzfristige Anlageidee, die aus der Schwäche der Aktie folgt, die seit Jahresbeginn ein „wesentlicher Underperformer" mit einem Rückgang von 24% gegenüber einem Gewinn von über 20 % im Vergleich zur direkten Peer Group ist.
Die Deutsche Bank glaubt, dass die Schwäche der Enphase Aktie auf vorsichtige Aussagen des Managements Anfang Januar in Bezug auf die Nachfrage im kleinen, privaten US Solaraufdachanlagenmarkt und den neuen Regelungen auf dem kalifornischen Markt zurückzuführen sind, die sich seitdem offenbar stark erholt haben. Die Anleger scheinen dann Konkurrenten mit weniger direktem US-/Kalifornien-Engagement zu bevorzugen, so die Deutsche Bank.
Nun hat sich laut der Deutschen Bank eine gute Gelegenheit für ein attraktives Bewertungsniveau bei Enphase eröffnet. Zudem bietet Enphase erstklassige Produkte im Vergleich zu Wettbewerbern und die bevorstehende Steigerung seiner Produktionskapazität um 75% in den USA wird dazu beitragen, das Margenwachstum zu unterstützen.
Die Deutsche Bank geht davon aus, dass Enphase in Q1 einen starken Gewinn pro Aktie vorlegen wird, der 17% über dem Konsens liegt und eine besser als erwartete Guidance für Q2 präsentieren wird.

Mit dem rechtzeitigen Kauf bei SMA hat es ja leider nicht geklappt. Wollen Sie diese Straßenbahn wieder verpassen?

Schönes Wochenende!
Stefan aus Potsdam

 Antwort:

Bitte entschuldigen Sie die späte Antwort, es war viel los an den Märkten.

Enphase ist seit Ihrem Schreiben Mitte April um 30% eingebrochen. Grund dafür ist der Ausblick, den das Unternehmen Ende April bei der Veröffentlichung der Q1-Zahlen für das laufende Q2 gab. In Kalifornien wurde die Einspeisevergütung für Solarstrom von privaten Solardächern in das öffentliche Energienetz überarbeitet. Seit Jahrzehnten wurden Marktpreise vergütet, doch das sei nach Meinung der aktuellen Regierung Kaliforniens eine Bevorzugung der „Reichen“, die sich Solardächer leisten könnten. Somit wird die Einspeisevergütung künftig deutlich niedriger ausfallen.

Das Hauptprodukt von Enphase ist derzeit ein Microinverter namens IQ8, der Solarstrom in nutzbaren Wechselstrom konvertiert. 65% des Umsatzes macht der Konzern mit diesem Wechselrichter. Nun wird ein Nachfrageeinbruch in Kalifornien befürchtet.

Beschwichtigungen, das wegbrechende Kalifornien-Geschäft könne durch Wachstum in Europa ausgeglichen werden, sind nicht glaubwürdig: 85% des Umsatzes werden in den USA erwirtschaftet, hauptsächlich Kalifornien. Da wird es schwer, in Europa eine nennenswerte Größe zu erreichen, um den dortigen Verlust auszugleichen.

Schauen wir uns mal Enphase im Vergleich zu SMA Solar an:

2022 hat Enphase mit 2,3 Mrd. USD doppelt so viel umgesetzt wie SMA Solar. Die Bruttomarge ist mit 42% doppelt so groß wie von SMA Solar (21%). Das wirkt sich auf die operative Marge aus, die bei Enphase bei 19% liegt, bei SMA Solar nur bei 1,7%.

Doch das ist Augenwischerei, denn in diese Zahlen fließen aktienbasierte Zahlungen an Mitarbeiter (SBCs) nicht ein. Und die betrugen bei Enphase im Jahr 2022 schlappe 9,3% des Umsatzes. Bei SMA Solar gibt es das nicht.

Überhaupt sind die SBCs bei Enphase in den vergangenen Jahren kontinuierlich von 3,2% im Jahr 2019 angestiegen. Es handelt sich also nicht um einen Einmaleffekt, sondern das Ganze hat System und wird auch in der Zukunft einen großen Teil des Gewinns direkt an die Mitarbeiter umleiten.

So erklärt sich auch bei Enphase die witzige Bewertung: Auf Basis der Vergangenheitszahlen, in denen die SBCs eingerechnet sind, steht das EV/EBITDA (das bessere KGV) bei 120 für die Jahre 2019 bis 2022. Aber 2023 soll die Bewertungskennziffer plötzlich auf 21 fallen, was dem Wachstum zu entsprechen scheint. Doch darin sind die SBCs nicht eingerechnet.

Ich möchte an dieser Stelle auf meine Ausführungen zu Palo Alto und AirBnB verweisen, für die ich in der vergangenen Woche ausführlich auf die SBCs und deren Wirkung eingegangen bin. An Enphase können wir sehen, was mit der Aktie passiert, wenn das exorbitante Wachstum plötzlich erlahmt und Wachstumsanleger durch fundamental orientierte Anleger abgelöst werden. Ende 2021 stand Enphase noch bei 320 USD, heute notiert die Aktie bei 158 USD.

Also komme ich leider erneut zu dem Ergebnis: Die Solarbranche unterliegt für meinen Geschmack zu stark politischen Entscheidungen, die kaum vorhersehbar sind. Zudem ist Enphase ein Unternehmen, das gut zu seinen Mitarbeitern ist, nicht aber zu seinen Aktionären.

RÜCKFRAGE
Vielen Dank für die ausführliche Antwort, Herr Heibel. Ja der Q2-Ausblick hat der Aktie ganz schön zugesetzt. Im Call klang das Management dennoch sehr optimistisch, dass die neue Politik in California (sog. NEM 3.0 also net metering) mittel- bis langfristig eher positiv zu beurteilen ist, da die Kombination mit einem Speicher jetzt deutlich mehr Sinn macht. Der Schritt war auch mehr als nötig, denn stellen Sie sich mal vor in Deutschland würde es wie beim net metering 2.0 einfach möglich sein, den eingespeisten Strom später einfach wieder zu verbrauchen, also wie wenn der Stromzähler einfach rückwärts zählt und eine eingespeiste kWh demnach 30-40 €-cent/kWh Wert wäre. Dieses unnatürliche und auf Dauer nicht tragbare System wurde jetzt korrigiert. Dadurch kam es zu Vorzieheffekten die Q4 ´22 natürlich gut aussehen lassen haben und das nächste oder die nächsten beiden Quartale in CA schwächer ausfallen lassen werden. Danach sollte es aber sogar zu Umsatzsteigerungen führen (da Batterien mit dazu verkauft werden). Das Wachstum wird in Europa weiter zunehmen und auch in anderen Regionen ROW (Australien, Brasilien,…), so dass es insgesamt nur eine kosmetische Wachstumsdelle aufgrund der regulatorischen Randbedingen ist aber auf Dauer das Wachstum definitv (stark) weitergehen wird.
Die SBC muss ich mir noch genauer angucken. War mir nicht bewusst und hatte ich aufmerksam bei airbnb und palo Alto letzte Woche verfolgt und deswegen doch keine airbnb Aktien gekauft. Allerdings schreibt ENPH dass diese nicht CF-wirksam sind. Werden also neue Aktien ausgegeben und die Altaktionäre damit verwässert?

SMA bringt btw morgen Zahlen raus. Durch das neue Strategie-Papier des BMWK könnte da die nächsten Jahre auch ordentlich Dampf reinkommen…

Ich bin in einem Monat in München auf der Intersolar. Da werd ich mir ENPH, SEDG und SMA weiter ansehen. Vllt lohnt der Besuch der Messe ja? Ich könnte Ihnen ein kostenloses Ticket besorgen 😊

Mit freundlichen Grüßen, Stefan aus Potsdam

RÜCKANTWORT
Vielen Dank für Ihre Ausführungen und für das Angebot. Nein, so kurzfristig schaffe ich es nicht nach München. Davon abgesehen wäre ein solcher Besuch eher Kür als Pflicht, da auf diesen Messen sensationelle Zukunftstechnologien vorgestellt werden, deren Auswirkung auf die finanzielle Entwicklung noch kaum abschätzbar ist. Ich halte mich zunächst mal an die Zahlen von Unternehmen, deren Produkte mich auf den ersten Blick begeistern. Einen genaueren Blick auf die Produkte werfe ich dann ggfls. zu einem späteren Zeitpunkt, aber wie gesagt, bei Enphase sind die SBCs ein K.O.-Kriterium.

Ja, es werden neue Aktien ausgegeben, die dann die Aktienbasis verwässern. Die Alternative, der Rückkauf von Aktien, wäre cashflowwirksam.


 Frage vom 08.05.2023

#Teva Pharma

Guten Tag Herr Heibel,
Was ist eigentlich bei Teva Pharma los ?
Warum sind die so billig und kommen nicht vom Fleck ?
Freundliche Grüße aus Butzbach
Norbert aus Butzbach

 Antwort:

Teva hat rückläufige Umsätze zu beklagen, zahlt keine Dividende und stach in der Vergangenheit meiner Beobachtung zufolge lediglich durch vollmundige Ankündigungen hervor, die sich selten bewahrheiteten. Innovationen aus dem Hause Teva gibt es kaum, durch die Übernahme der Ratiopharm ist Teva nun stark im Geschäft der Generika (Nachahmermedikamente ohne Patentschutz). Dort muss man Masse produzieren und kann nur geringe Margen durchsetzen. Für mich ist die Aktie nicht attraktiv, insbesondere weil das Management in der Vergangenheit eigene Prognosen häufig nicht eingehalten hat.

Zudem war Teva zu einer Schadensersatzzahlung von 4 Mrd. USD gezwungen worden, um die Folgen der Opiumkrise in den USA zu bekämpfen. Entsprechende Schmerzmittel von Teva wurden exzessiv von Ureinwohner-Stämmen eingenommen.


 Frage vom 08.05.2023

#Hyundai als Marktirrtum

Hallo Stephan,

mich würde Deine Einschätzung zur Hyundai Aktie interessieren.
Aus meiner Sicht würde sie gut in die Rubrik Marktirrtum passen.

Viele Grüße
Marco aus Roth

 Antwort:

Hyundai qualifiziert sich nicht als Dividendenaktie, denn 2020 wurde die Dividende gesenkt. Außerdem lag die Dividendenrendite in den vergangenen zwei Jahren unter 2%, was für eine Dividendenaktie zu wenig ist.

Grundsätzlich ist das Unternehmen fair bewertet: Das EV/EBITDA beträgt 8, der Umsatz soll im laufenden Jahr um 8% anwachsen, allerdings im Jahr 2024 nur noch um 2,4%. Teuer ist die Aktie nicht, aber auch nicht billig. Ich sehe daher keinen „Marktirrtum“ in der Bewertung.

RÜCKFRAGE

Hallo Stephan,

danke für Deine Einschätzung.
Da bin ich wohl von falschen Daten aus der Consors App ausgegangen:

Zahlen für 2022
Gewinn pro Aktie: 19,965
KGV: 1,377
Dividendenrendite in %: 18,312%
Dividende in EUR: 4,901
Marktkapitalisierung: 29.377,50 Mio. EUR

Man findet diese Kennzahlen jedoch auch auf anderen Portalen

Viele Grüße, Marco

RÜCKANTWORT
Ja, das ist mir schon häufiger aufgefallen: Die absoluten Zahlen stimmen, aber die Bewertungskennziffern wurden bei Consors falsch berechnet. Die Dividendenrendite für 2022 beträgt nicht 18,3%, sondern 3,5%. Es wurde 7.000 Koreanische WON/Aktie ausgeschüttet bei einem Aktienkurs von 202.500 WON.

Und auch das KGV wird von Consors mit 1,37 falsch angegeben: Das KGV 2022 errechnet sich aus 202.500 WON Aktienkurs geteilt durch 28.489 WON Gewinn je Aktie = 7,1.

Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es vermutlich nicht wahr. Der Fehler wird von einigen deutschen Finanzinformationsseiten begangen: Bilanzzahlen werden von Datenlieferanten importiert. Kennziffern werden mit der gleichen Formel berechnet wie bei deutschen Unternehmen. Dabei geraten häufig die Währungen durcheinander und führen zu unsinnigen Ergebnissen.


 Frage vom 08.05.2023

#Daikin Wärmepumpen aus Japan

Sehr geehrter Herr Heibel,

falls es Ihre Zeit zulässt, sich damit zu beschäftigen, würde mich Ihre Meinung zu folgender Aktie interessieren:

Daikin – ISIN JP3481800005.

Die Firma soll Führer im europäischen Markt für Wärmepumpen sein und bereits einen Fuß im indischen Markt (hier Klimaanlagen) haben.

Vorab vielen Dank für Ihre Mühen.

Bis morgen Nachmittag im Seminar.
LG
Irmtrud aus Waldfeucht

 Antwort:

Daikin erlebt im laufenden Jahr 2023 einen Umsatz- und Gewinnsprung von über 20%. In den vergangenen Jahren lagen die Wachstumsraten meist im hohen einstelligen Bereich. Mag also sein, dass an Ihrer Idee was dran ist.

Als Dividendenaktie qualifiziert sich Diakon knapp nicht, weil die Dividendenrendite kleiner als 1% ist, ich erwarte von einem Dividendentitel mindestens 2,5%. Aber immerhin wird die Dividende kontinuierlich gezahlt, häufig angehoben und steht in einem gesunden Verhältnis zum Gewinn. Auch als Wachstumsaktie qualifiziert sich Diakon nicht, da wir zwar 2023 einen Umsatzsprung sehen, doch direkt danach kehrt das Geschäft wieder in die alten Wachstumsraten zurück.

Die Gewinnmarge (EBITDA) liegt bei 14%, der EV/EBITDA wird für 2023 auf 14 erwartet. Ich halte das für eine faire Bewertung für das Geschäft. Das Geschäft läuft gut wie nie zuvor und der Gewinn des Unternehmens ist auf historisch hohem Niveau.

In Europa bietet Diakon Luft-Wasser-Wärmepumpen an. Sicherlich wird die Situation in Deutschland zu dem guten Geschäftsergebnis beitragen. Entsprechend kann Daikin eine Spekulation auf ein anhaltend gutes Geschäft hierzulande sein. Doch bei einem global aufgestellten Konzern dürften solche lokalen Besonderheiten nicht für ein Kursfeuerwerk sorgen, sondern maximal für ein paar Prozentpünktchen, sofern das Geschäft nicht irgendwo anders schlechter läuft als erwartet.

RÜCKANTWORT
Hallo Herr Heibel,

Ich danke Ihnen für Ihre ausführliche Antwort und die damit verbundene Analyse.

Zu beachten ist auch: dringt ein (auch vermeintlicher) "Hype" bis zu den Kleinanlegern vor, ist er fast schon wieder vorbei ... (:

Liebe Grüße aus dem tiefen Westen


 Frage vom 08.05.2023

#3D-Druck

Hallo Herr Heibel,
habe eben eine Sendung aus Amerika gesehen. Ein Wohnmobilbesitzer mit teurer Ausstattung
hatte Probleme mit seinem Getränkehalter. Keine konnte ihm helfen! Daraufhin hat er selbst
einen Halter entwickelt und mit einem 3 Drrucker hergestellt! Heute Verkauf er jeden Halter
für 10 US Dollar und macht einen Riesengewinn. Ich meine, 3 D Drucker haben eine Zukunft.
Finde aber keine Aktie; können Sie mir helfen?

MG Peter aus Grevenbroich

 Antwort:

3D-Drucker haben Einzug in die Industrie gefunden und viele Ingenieure und solche mit entsprechenden Fähigkeiten verwenden sie für die ausgefallensten Dinge. Tolle Sache, aber noch weit entfernt vom Massenmarkt, mit dem Unternehmen große Gewinne einfahren könnten.

Hewlett Packard (HP Inc.) ist in dem Bereich unterwegs und wohl am ehesten ein Unternehmen, das den Massenmarkt im Blick hat.


 Frage vom 08.05.2023

#A.P. Moller-Maersk

Werter Herr Heibel

Als Abonnent der ersten Stunden mein Kompliment für Ihre stets unaufgeregten und gut fundierten Einschätzungen. Nun bin ich seit ein paar Monaten (leicht) fokussiert auf die Aktien von A P Müller Maersk (DP4B) und hatte eigentlich diesen Frühling den Entschluss gefasst, unter 2000€ zuzugreifen. Dieser Move fiel aber so drastisch aus mit dem Dividendenabgang, dass ich leer schlucken musste. Ich hatte noch nie eine so hohe Dividende von 578€ bei einem Kurs von ca. 2000€ gesehen und konnte mir daraus keinen Reim machen. Wenn man die Zahlen heute anschaut, so liegt die (erwartete) Dividendenrendite immer noch enorm hoch, das PE von etwas über 1 ist auch schon ausserordentlich wenn nicht drastisch. Ich hätte gerne von Ihnen eine entsprechende Einschätzung ob da ein versteckter Schatz schlummert, auch wenn die Aussichten etwas trüber sind als auch schon?

Herzlichen Dank und freundliche Grüsse vom Genfersee, Ulrich

 Antwort:

Maersk ist traditionell ein aktiver Teilnehmer am M&A Markt, kauft und verkauft also regelmäßig Unternehmensteile. Es fällt mir daher schwer, das fortlaufende Geschäft zu beurteilen. Ich habe mir die jüngsten Veröffentlichungen angeschaut, darin wird stets von dem negativen Effekt des Lagerabbaus gesprochen: Nach Corona haben Einzelhändler Ware auf Vorrat gekauft, um den erwarteten Nachfrageboom zu befriedigen. Zum einen kam die Ware aufgrund der damals noch eckig laufenden globalen Lieferketten (eckig oder unrund? ;-) häufig verspätet an, so dass Saisonware nicht mehr verkauft wurde. Zum anderen blieb der Nachfrageboom aufgrund der aufkommenden Rezessionssorgen hinter den Erwartungen.

So werden nun die vollen Lager abgekauft und der internationale Transport ist nicht ausgelastet. Bis zur Mitte des Jahres werde dieser Prozess andauern, so Maersk.

Die Transportpreise sind stark rückläufig. Wir kennen den Baltic Dry Verschiffungsindex, der Ende 2021 vorübergehend auf 4.500 USD gesprungen war, heute notiert der Vergleichspreis für den Transport von Schüttgut wieder auf dem historisch normalen Niveau von 1.500 USD. Noch extremer ist die Entwicklung bei den Transportpreisen für Container. Der globale Container Index war bis Ende 2021 von 1.400 USD auf 11.000 USD geschossen, aktuell notiert er wieder bei 1.500 USD.

So spricht Maersk von einem Preisrückgang allein im Q1 zu Q4 des Vorjahres von 37%. Gleichzeitig ist das transportierte Volumen um 9,4% zurückgegangen.

Analysten erwarten für das laufende Jahr einen Umsatzrückgang von 33%. Für 2024 wird ein weiterer Rückgang von 6% befürchtet. Erst danach rechnen Analysten wieder mit einem mittleren einstelligen Wachstum. Beim Gewinn (EBITDA) wird der Rückschlag mit -73% noch heftiger ausfallen, für 2024 rechnet man mit weiteren -22% und erst danach mit einem kleinen zweistelligen Wachstum. Doch gleichzeitig stehen hohe Investitionen an, so dass auch dieses Gewinnwachstum mit einem Wermutstropfen versehen ist.

Wenn wir uns die längerfristige Entwicklung von Maersk anschauen, dann fallen die Coronajahre 2020 und 2021 als Ausnahmejahre auf, danach entwickelt sich alles zurück auf das Vor-Corona Niveau. Die beiden Ausnahmejahre führten zu Ausnahme-Dividenden (20%) und großen Aktienrückkaufprogrammen (weitere 25% der Marktkapitalisierung).

Wenn ich mir nun also beispielsweise anschaue, wie Maersk auf Basis der Analystenschätzungen für 2025 bewertet wäre, dann sieht das Ganze ziemlich unspektakulär aus: EV/EBITDA steht bei 6,5, als Dividendenrendite wird 4,5% erwartet. Sicherlich langfristig auf dem aktuellen Niveau eine interessante Dividendenaktie, die allerdings stark mit den Konjunkturschwankungen schwankt, daher nur über einen langen Zeithorizont wirklich Spaß machen könnte.


 Frage vom 08.05.2023

#Crown Castle und Vantage Towers für Mobilfunkmasten

Hallo Stephan,

ich hoffe dir geht es gut!

Über einen Kumpel bin ich auf folgende Aktie aufmerksam geworden:

Crown Castle
ISIN US22822V1017

Aktuell >5% Dividende und seit 8 Jahren immer eine Erhöhung der Dividende (1/4 jährliche Ausschüttung).
Ein absoluter Dividenden-Challenger.

Seit längerem sinkt der Kurs aber stetig.
Wie passt das zusammen?

Gruß und ein schönes Wochenende!
Thomas aus Damme

 Antwort:

Das Unternehmen schüttet regelmäßig mehr aus, als Gewinn erwirtschaftet wird. Der Gewinn wird stark beeinträchtigt durch die hohe Schuldenlast, mit der die Aufstellung von Mobilfunktürme finanziert wurden: Bei 7 Mrd. USD Jahresumsatz schiebt das Unternehmen eine Netto-Schuldenlast von 22 Mrd. USD vor sich her. Das Unternehmen ist vergleichbar mit Vantage Towers, die Tochter von Vodafone. Die Bilanz sieht ähnlich aus, wenngleich auch um den Faktor sieben kleiner.

Außerdem würde ich dieses Geschäftsmodell in den Bereich Immobilien ansiedeln, und aus diesem Bereich möchte ich keine Aktien ins Portfolio haben, weil die meisten Kleinanleger mit einer selbstgenutzten Immobilien bereits ausreichend im Immobiliensektor engagiert sind.

RÜCKFRAGE
Hallo Herr Heibel,

vielen herzlichen Dank für die Info!

Schade, dass die Sache den Haken mit der US Finanzaufsicht hat, das hat ja jetzt nochmal einen ganz anderen Geschmack als vor vier Jahren.

Man kann Ihre Weitsicht diesbezüglich gar nicht genug loben!

Also das ist ja dann wohl eher nichts.

Eine Frage ist mir noch geblieben zum Thema cold wallets:

In Europa stand, oder steht ein Verbot des Unhosted Wallet, im Raum. Wissen Sie auf welchem Stand das ist?

Bedeutet das, dass man eventuell selbstverwaltete wallets irgendwann nicht mehr aus-cashen kann?

Liebe Grüsse, Bernd

RÜCKANTWORT
Es gibt eine europäische Richtlinie zum Umgang mit Kryptowährungen. Darin werden lediglich Anbieter von entsprechenden Diensten für Kryptotransfers und deren Aufbewahrung zur Transparenz verpflichtet. Das Cold Wallet bei Ihnen zu Hause ist weder verboten noch reguliert.


 Frage vom 08.05.2023

#Pax Gold: Transportabler Token mit echtem Gold hinterlegt

Hallo Herr Heibel,

ich habe einen weiteren Token, der mit Gold hinterlegt ist gefunden.
Vielleicht haben Sie Zeit und Lust sich damit zu befassen. Ich würde mich jedenfalls um eine Eischätzung freuen.
Ich denke neben ein paar Unzen physischem Gold ist die Idee eines Tokens wahrscheinlich besser als die eines Zertifikats, weil es nicht direkt im Bankensystem steckt.
Soweit ich das jedenfalls verstehen kann.
Ob es auf lange Sicht bestehen kann und nicht wieder eingestampft wird, ist natürlich eine andere Frage, aber die Konstruktion schaut erstmal recht solide aus.
Pax Gold - The Safest Way to Own Gold
https://paxos.com/paxgold/

Liebe Grüsse, Bernd aus Neuhausen

 Antwort:

Das Produkt habe ich vor vier Jahren ausführlich vorgestellt, siehe Kapitel 05 hier:

https://www.heibel-ticker.de/downloads/htp191006.pdf


 Frage vom 08.05.2023

#Bank Run verhindern

Hallo Herr Heibel,

vielen Dank für Ihren informativen Newsletter, den ich schon immer mit Spannung erwarte.

Sie schreiben, dass die Banken mehr oder weniger zum Abschluss freigegeben sind. Daraufhin habe ich die KI befragt, was eine Bank machen kann, wenn sie von einem hedgefond angegriffen wird. Sie hat die üblichen Tipps gegeben, aktienrückkaufprogramm, Besitz verkaufen etc. Das finde ich vollkommenen Blödsinn!
Ich würde umgehend (oder sogar prophylaktisch) einen Brief an alle Kunden und an alle Aktionäre schreiben, mit der Info über diesen feindlichen Angriff, die hintergründe und Beweggründe darlegen, so wie Sie es in ihrem Newsletter getan haben. Ich würde die Geschäftszahlen offenlegen, so dass die Kunden sich selbst ein Bild über soliden Zahlen machen können und dann um Zusammenhalt und Solidarität bitten. Das Geld bei der Bank zu behalten und gegebenenfalls auch noch Aktien zuzukaufen. Gab es da nicht mal einen Präzedenzfal, wo es geklappt hat, sich gegen so einen Angriff zu wehren? Was würden sie davon halten?
Ich bin gespannt auf ihre Antwort :-)

Mit herzlichen Grüßen,

Silke aus Hamburg

 Antwort:

Sie werden lachen. Genau das hat die Deutsche Bank Ende März getan, als internationale Hedgefonds Gerüchte über Zahlungsprobleme streuten. Die Deutsche Bank veröffentlichte detaillierte Informationen über die finanzielle Situation und über die Sicherheit der Einlagen: https://investor-relations.db.com/files/documents/creditor-information/FY-2022-Client-Creditor-Presentation-March-2023.pdf?language_id=1 Seite 13.

Mit der Veröffentlichung dieser Informationen stabilisierte sich die Aktie ab dem 27.3..

Warum machen das nicht alle Banken? Weil nicht alle Banken eine so solide Bilanz haben.


 Frage vom 04.05.2023

#Ölpreiseinbruch & BioNTech

Hallo Herr Heibel,

bitte nehmen Sie in der kommenden Ticker-Ausgabe Stellung zum Ölpreis, und ob wir bei Devon/Coterra jetzt den Kopf aus der Schlinge ziehen müssen oder abwarten können: fällt Öl weiter, und damit Devon/Coterra?

Hat Biontech bei 100€ Boden gefunden, kann man jetzt zugreifen?

Liebe Grüße, Jochen aus Burscheid

 Antwort:

Ich halte den Ölpreiseinbruch für übertrieben. Hier gibt es gerade ein Kräftemessen zwischen der OPEC und den USA. Joe Biden hatte im vergangenen Jahr die strategischen US-Ölreserven angezapft, um den Preisdruck vom Markt zu nehmen. Er sagte dem Ölpartner Saudi Arabien zu, die Reserven mit deren Öl wieder aufzustocken, sobald der Ölpreis unter 70 USD/Fass WTI fällt.

Diese Zusage hat er nun wider Erwarten nicht eingelöst. Die Saudis sind angefressen und reduzieren nun ihrerseits mit Hilfe der OPEC+ die tägliche Ölfördermenge, um den Ölpreis hoch zu halten. "Don’t overintellectualize“ - mach’s nicht komplizierter, als es schon ist. Aber genau das tun Analysten, die nun sagen, die OPEC+ reduziert die tägliche Ölfördermenge aus Angst vor der Konjunkturschwäche und einer damit einhergehenden Nachfrageschwäche nach Öl. Sowas kann schnell zur selbst erfüllenden Prophezeiung werden.

In dieses Kräftemessen kommen nun die Konjunktursorgen dazu, nachdem US-Notenbankchef Jay Powell weitere Zinsanhebungen nicht ausgeschlossen hat, und schon rauscht der Ölpreis nach unten.

Ich gehe davon aus, dass wir in den kommenden vier Wochen in Sachen Konjunkturentwicklung eine Richtungsentscheidung bekommen werden, die sich dann auch am Aktienmarkt zeigen wird. Derzeit vermute ich, dass diese Richtungsentscheidung gen Norden ausfallen wird - wissen tue ich das aber noch nicht. Für die kommenden Wochen haben wir in unserem Portfolio Cash generiert. Insbesondere Aktien, die nicht so konjunktursensibel sind, wurden verkauft, damit wir anschließend von dem Lauf gen Norden profitieren können. Sollte sich meine Erwartung jedoch als falsch herausstellen, werden wir auch einige konjunktursensiblen Aktien wie Coterra und Devon Energy verkaufen.

BioNTech wird inzwischen fast zum Barbestand bewertet. Doch das Unternehmen betreibt eine aufwendige (=teure) Forschung. Ich gehe davon aus, dass in Zukunft bestimmte Krebserkrankungen frühzeitig mit entsprechenden Impfungen bekämpft werden können. Moderna und BioNTech werden in diesen Entwicklungen führend sein.

Doch ob die beiden Unternehmen in zwei, fünf oder erst in 10 Jahren Geld damit verdienen können, das weiß ich nicht. Insofern ist es ungewiss, ob die hohen Cashreserven reichen, um über die Ziellinie zu gelangen. Außerdem haben viele Anleger die Geduld nicht, um dabei zu bleiben. Somit ist es schwer zu bestimmen, auf welchem Kursniveau die Aktie ihren Boden finden wird. Ich warte lieber, bis sich ein Boden gebildet hat, verzichte auf die ersten Prozente des anschließenden Kursanstiegs und schaue erst später wieder genauer hin.


 Frage vom 04.05.2023

#Bundesschatzanweisung aus Sachsen mit 5,221%

Lieber Herr Heibel,
Ihren Tips zur Anlage in Südzucker Anleihe und der Restlaufzeit der Bundesobligation bin ich gerne gefolgt, um Anzahl und Risiken in Tagesgeld/Cashdisposition bei kommerziellen Banken bei evtl. weiteren Bankenunruhen zu entfliehen.
Beim Stöbern im Anleihefinder der Comdirect und der damit guten Vergleichsmöglichkeit stoße ich immer wieder auf Landesobligationen/Schatzanweisungen, die durch den gesetzlich geregelten Ersatz des Bundes bei einem potentiellen Ausfall deutlich höhere Renditen bei vergleichbarem Risiko = “0” haben.
Ganz besonders fällt dabei die Schatzanweisung Sachsen DE0001789329 auf, die nicht nur eine hohe Vola hat, sondern heute eine Rendite von 5,221% bis zur Fälligkeit 15.01.2021 ausweist !!
Übersehe ich hier was oder können Sie mir den Rendite-Abstand zur Bundesobligation oder anderen Landesobligationen erläutern ?

Vielen Dank vorab !

Mobil gesendet

Mit freundlichen Grüssen

Tim aus Düsseldorf

 Antwort:

Jain :-)

Ja, das Risiko ist gering, da im Falle eines Zahlungsausfalls eines Bundeslandes die Bundesregierung einspringen würde. Aber die angegebene Rendite ist irreführend.

Bei dem von Ihnen genannten Papier werden Geld- und Briefkurs von 97,81% zu 99,26% angegeben, eine Spanne von 1,4%. Es findet relativ wenig Handel in diesem Papier statt, das heutige Tagesvolumen beträgt 5 Mio. Euro, doch zu Kursen von 98,85, also nicht zum Geldkurs, sondern näher am Briefkurs. So wird eine Rendite bis zum Laufzeitende von 3,3% angegeben, was schon wieder anders aussieht als der von Ihnen angegebene Wert.

Zudem ist die Schatzanweisung zwar in einer Stückelung von 1.000€ handelbar, es gibt aber einen Mindestanlagebetrag von 10.000€. Erst darüber können Sie in Tausenderschritten vorgehen. Für unser 100.000 Euro umfassendes Heibel-Ticker Portfolio haben wir derzeit lediglich 2.700€ in einer Bundesanleihe angelegt, wollen bei Gelegenheit auf 5.400€ erhöhen. Wir kommen also weder mit der Stückelung noch mit dem Handelsvolumen über die Ziellinie :-(.

Ich finde es aber super, wie Sie sich auf die Suche gemacht haben. Immer wieder gibt es einzelne Gelegenheiten am Markt, die für Ihre individuellen Bedürfnisse passen können. Mein Anliegen mit dem Heibel-Ticker ist es, Ihnen den Blick für solche Gelegenheiten zu öffnen. Und wenn Sie etwas finden, das von Laufzeit, Volumen, etc. besser zu Ihnen passt, dann herzlichen Glückwunsch :-).


 Frage vom 04.05.2023

#Meta Platforms (Facebook) attraktiv, aber nicht mehr lange

Hallo Herr Heibel,

Ich halte seit Mitte Dezember eine Position Meta Aktien.
Die hatten wir ja glaube ich auch schonmal im Heibel Ticker. Haben Sie die noch auf dem Schirm und falls ja könnten Sie mir bitte eine kurze Einschätzung geben ob ich die Position halten oder verkaufen soll?

Vielen Dank,

Mit freundlichen Grüßen

Andreas aus Losheim

 Antwort:

Mark Zuckerberg hat sich frühzeitig auf Effizienzsteigerung (Personalentlassungen) konzentriert. Damit steigert sein Unternehmen derzeit den Gewinn überproportional, denn die Kosten gehen zurück, während der Absatzmarkt Schwäche zeigt. Mit Instagram und Reels hat das Unternehmen zwei Produkte am Start, die noch große Wachstumsraten ausweisen. Man mag von Zuckerberg halten was man will, aber er weiß, wie man Daten lukrativ vermarktet. Von den BigTechs ist in meinem Augen Meta derzeit am besten aufgestellt, um durch die Konjunkturschwäche zu segeln.

So rechnen Analysten mit einem Umsatzwachstum von 8% für 2023 und einem Gewinnwachstum von 25%. Kosten bei Personal werden eingespart, Investitionen hingegen werden fortgeführt: die CAPEX springt von 20% im Jahr 2022 auf 25% im laufenden Jahr.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: die Mitarbeiter, die er behält, werden fürstlich entlohnt. Die Aktienvergütungen für Mitarbeiter springen im Jahr 2023 von ohnehin schon hohen 8% auf 10%. Bis zu 5% halte ich für angemessen - wohlgemerkt 5% vom Umsatz. Facebook braucht Talente, doch die hohen Kosten für diese sorgen dafür, dass Wachstum insbesondere bei den Mitarbeitern ankommt, nur unterproportional bei Aktionären.

Also: Ich würde noch ein wenig mitsegeln, aber bspw. mit einem trailing Stop dafür sorgen, dass Sie den Absprung nicht verpassen.