Leserfragen (Juni 2023)


 Frage vom 30.06.2023

#Cropenergies extrem günstig

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich habe mir die Zahlen von Cropenergies angeschaut und wundere mich warum der Kurs dieser Aktie dermaßen unter dem Schirm der Anleger liegt.

Bei einem KGV von < 5 und einer Dividendenrendite von ca. 6% ist mir das unverständlich.

Können Sie mir einen Grund nennen warum ich da nicht einsteigen sollte?
Zumal in den nächsten 14 Tagen die Dividende ausgeschüttet wird.

Wo liegt da der Hase im Pfeffer?

Mit freundlichen Grüßen

Friedrich aus Essen

 Antwort:

Das Geschäftsjahr 2022/23 (März22 bis Feb23) war ein Rekordjahr. Umsatz und Gewinn stiegen aufgrund der Energiekrise um 38% bzw. 73% resp. an. Cropenergies liefert Ethanol als 10%ige Beimischung für Benzin E10. Doch das Rekordjahr lässt sich nicht wiederholen, das Niveau kann nicht gehalten werden. Im laufenden Geschäftsjahr rechnen Analysten mit einem deutlichen Umsatz- und Gewinnrückgang.

Damit gehört Cropenergies zu den Unternehmen, die von geopolitischen Entwicklungen mal profitieren, mal darunter leiden. Was als nächstes kommt, ist ungewiss. Und Sie wissen ja: Anleger hassen Ungewissheit. Wie weit wird der Ölpreis fallen, wann kommt die Ukraine als Absatzmarkt wieder ins Spiel und wie entwickeln sich die Rohstoffpreise für Einsatzstoffe? Verlässlich kalkulieren kann derzeit niemand, daher halten sich Anleger lieber zurück.

Sie haben recht, die Bewertung ist extrem günstig: Das EV/EBITDA steht bei nur 2,3. Auch auf Sicht der künftig reduzierten Umsätze wird noch immer ein Wert von 3,5 erwartet. Die Dividende schwankt jedoch und auch das Wachstum - nicht vorhanden - überzeugt nicht. Wenn man Cropenergies also kaufen möchte, dann aufgrund der günstigen Bewertung. Und die ist erst dann wirklich günstig, wenn die Zinsanhebungen enden bzw. das Ende in Sicht kommt. Als Spekulation also durchaus interessant, ich würde die Aktie diesen Sommer im Auge behalten.


 Frage vom 30.06.2023

#Viatris als Alternative zu Medios

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich habe schon länger Viatris auf der Watchlist. Im Gegensatz zu Medios ist die Aktie nicht eingebrochen.

Was meinen Sie zu Viatris?

Gruß, Sigmar aus Friedrichsdorf OT

 Antwort:

Interessantes Unternehmen: Ein internationaler Apothekenzulieferer mit 10 Mrd. USD Marktkapitalisierung. Ziemlich groß! Aber vor acht Jahren betrug die Marktkapitalisierung noch 100 Mrd. USD. Die Aktie hat in acht Jahren 90% ihres Wertes verloren, die Aktie kennt nur den Weg Richtung Süden. Was ist da los?

Ein Grund ist die extrem hohe Verschuldung des Unternehmens mit mehr als einem Jahresumsatz. Bei den niedrigen Margen in dem Geschäft dürfte es lange dauern, bis dieser Schuldenberg abgetragen werden kann.

Ein anderer Grund könnte die noch immer hohe Bewertung sein: Das KUV beträgt 2. Bei Medios sind es sogar 7. Wettbewerber McKesson notiert auf einem KUV von 0,2. Vielleicht sind hohe Margen in diesem Geschäft nur vorübergehend in kleinen Nischen realisierbar, langfristig jedoch nicht.

Zu Viatris: Die Dividendenrendite von 5,4% ist attraktiv, zumal sie nur einen kleinen Teil des Gewinns ausmacht. Doch Vorsicht: Im laufenden Jahr wird mit einem Umsatzrückgang um 4% und einem Gewinneinbruch von 10% gerechnet. Die optisch niedrige Bewertung hat also Gründe.


 Frage vom 30.06.2023

#Bayer in Zeiten globalen Umbruchs

Hallo Herr Heibel,

heute habe ich zwei Fragen:

Wenn Sie sagen, dass Medios unser „bestes Pferd im Stall“ ist, wieso sieht niemand Anderes das ?
Was ist Ihre heutige Meinung von Bayer ?

Vielen Dank und mit freundlichem Gruss

Albert aus Erftstadt

 Antwort:

Zu Medios habe ich diese Woche eine ausführliche Analyse erstellt, siehe Medios Updates am 19.06.2023 "Gegenwind".

Zu Bayer: Der Konzern hat ein schweres Jahr zu bestehen. Umsatz und Gewinn gehen zurück, Rohstoffpreise und Energiekosten steigen, während die Verkaufspreise gegenüber den Kunden nur mit einer zeitlichen Verzögerung angepasst werden können. Der Konzern betreibt ein internationales Geschäft, doch in Deutschland wird das Decoupling von China thematisiert: Die Abhängigkeit von China soll reduziert werden. Das treibt bei der Beschaffung die Einkaufspreise weiter in die Höhe und beschneidet einen lukrativen Absatzmarkt.

Bayer ist in meinen Augen inzwischen günstig: EV/EBITDA von 7 bei 4% Dividendenrendite ist günstig. Der freie Cashflow wächst mit 5-7%. Allerdings befinden sich so viele Dinge derzeit im Umbruch, dass Anleger offensichtlich lieber auf Gewissheit warten, bevor sie bei der Aktie zugreifen. Dieser Prozess kann noch eine Weile anhalten.


 Frage vom 23.06.2023

#Profiteure der Stromknappheit

Hallo,

In Deutschland werden bis 2028/30 ca. 1/3 des Stromes fehlen. Es wird dabei auch um konventionell erzeugten Strom aus fossilen oder Atomstrom (mind französischen)
handeln.
Welche Firmen profitieren davon?
RWE?
Siemens?
Ich habe keine Angst, große Namen zu kaufen. Sie werden sich das Geschäft nicht entgehen lassen.
Mfg
Thorsten aus Leipzig

 Antwort:

Der Strommarkt ist stark reglementiert und unterliegt immer wieder den - willkürlich erscheinenden - politischen Entscheidungen. Ich bin da eher auf der Suche nach kleinen Anbietern, die eine lukrative Nische besetzen. So bspw. SFC Energy oder SMA Solar.


 Frage vom 23.06.2023

#Auswirkung des hohen Zinsniveau auf langfristige Finanzierungen

Hallo Herr Heibel,

Wie immer eine interessante Darstellung des Geschehens.

Vielleicht haben sie auch die Möglichkeit auf die Auswirkungen der Zinserhöhungen auf die Zahlungs- und Investitionsfähigeit der Unternehmen einzugehen. Im Einzelhandel-Bereich haben wir davon schon einiges gesehen. Bei Unternehmen mit einer guten (d.h. langfristigen) Finanzierungsstruktur kann es durchaus einige Zeit dauern, bis sich die Wirkungen der Zinserhöhungen zeigen.

Ob das schon eingepreist ist im Markt und bei den Banken??

Besten Dank!

Mit freundlichen Grüßen
Heinz aus Tschechien

 Antwort:

Das wurde m.E. im Jahr 2022 eingepreist, seither wird auf das Ende der Zinserhöhungen spekuliert und damit einhergehend auf ein langfristig stabiles Zinsniveau. Das scheint sich im Bereich von 2-3% abzuzeichnen, wenngleich dessen Erreichen immer wieder ein wenig weiter in die Zukunft verschoben wird. Doch ob das nun ein oder zwei Jahre später erfolgt, spielt für die langfristigen Betrachtungen keine so große Rolle.

Je beherzter EZB & Fed vorgehen, desto kleiner wird die Angst vor langfristig hohen Zinsen und somit vor langfristig hohen Investitionskosten. Da Christine Lagarde spät, aber immerhin erkannt hat, dass die mittelfristige Inflationsbekämpfung wichtiger ist als kurzfristige Konjunkturdellen, bin ich inzwischen ganz guter Dinge :-).


 Frage vom 16.06.2023

#Französischer Energieversorger Engie S.A.

Sehr geehrter Herr Heibel,

Als neuer alter Heibel Ticker Abonnent habe ich mit viel Interesse den aktuellen Heibel Ticker gelesen. In den Jahren hat sich wirklich viel getan. Glückwunsch.

Als Einstieg habe ich eine Bitte um Stellungnahme zu einem Dividendentitel, der Engie SA. Mir imponiert die stolze Dividendenrendite von fast 10%, die breite Aufstellung in Sachen Energie, Infrastruktur etc., sowie über die Jahre geringe Volatilität.

Ist das nicht bei den seit langem seitwärts laufenden Märkten ein Blick wert?

Mit freundlichen Grüßen

Klaus aus Berlin

 Antwort:

Vielen Dank für die Glückwünsche :-)

Engie ist ein französischer Strom- und Gasversorger mit einem Standbein in der Wasserversorgung sowie in der Abfallwirtschaft. Für das Jahr 2022 wurde eine Dividende von 1,40 EUR je Aktie ausgeschüttet, das entspricht tatsächlich einer Rendite von 10%. Schon für 2023 wird nur noch eine Dividende von 1,16 EUR erwartet, also noch immer stolze 8%. Doch damit wurde bereits eine Bedingung für langfristig solide Dividendenaktien gebrochen: Die Dividende darf nicht rückläufig sein. In den vergangenen 10 Jahren gab es sogar drei Dividendenrückgänge.

Ein zweites Makel in meinen Augen ist die hohe Staatsbeteiligung von 23,6% am Unternehmen. Ich mag es nicht, wenn die Politik zu stark mitredet. Das ist in Frankreich traditionell mehr der Fall als bei uns. Und wenn nun der Staat sogar größter Einzelaktionär ist, dann läuft das Unternehmen Gefahr, für politische Ziele mißbraucht zu werden. Dies zeigt sich beispielsweise in der hohen Ausschüttungsquote von durchschnittlich 94% in den Jahren 2011 bis 2016. Gleichzeitig ist die CAPEX, also der jährliche Investitionsbedarf, mit 10% ziemlich hoch.

Das Bewertungsniveau ist mit einem EV/EBITDA 23e von 4,7 günstig. Allerdings gehen im laufenden Jahr Umsatz und Gewinn aufgrund der gefallenen Energiepreise deutlich zurück.

Bei der unsteten Dividendenentwicklung der vergangenen Jahre kommen bei mir Zweifel auf, ob wir hier einen günstigen Dividendenbringer haben, oder aber ein Dividendenversprechen, das sich nur schwer einhalten lässt.