Leserfragen (Januar 2025)


 Frage vom 31.01.2025

#Norwegischer Ölkonzern Quinor durch Russland-Sanktionen belastet

Hallo Herr Heibel,

Was halten Sie eigentlich von Equinor? Niedriges KGV, gute Dividende, abber die Aktie läuft nicht.

Was ist da los ??

Viele Grüße,
Norbert aus Butzbach

 Antwort:

Equinor ist der größte Ölkonzern aus Norwegen, hieß früher mal Statoil. Wir hatten die Aktie früher mal im Portfolio, doch da bewegte sich zu wenig. Und auch heute ist das noch so: Der Umsatz ist seit mehreren Jahren rückläufig, der Gewinn ebenfalls. Die Dividenden waren nicht stabil. Das extrem niedrige Bewertungsniveau mit einem EV/EBITDA von aktuell nur 1,6 spiegelt dies wider.

Ein Teil der norwegischen Förderung fand in Russland statt. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine trennte man sich von diesen Geschäftsteilen: Bis Mai 2022 hatte das Unternehmen seine Anteile an vier russische Joint Ventures an Rosneft übertragen und sich von allen zukünftigen Verpflichtungen entbunden. Im September 2022 bestätigte Equinor den vollständigen Rückzug aus allen verbliebenen Projekten und damit den Abschluss seines Ausstiegs aus Russland.

Equinor investierte in den vergangenen Jahren Milliardenbeträge in erneuerbare Energien, deren Ertragskraft nicht mit der von Öl- und Gasquellen zu vergleichen sind. Zudem führt der Konzern in Norwegen 78% seiner Einnahmen als Steuern ab. Der rückläufige Öl- und Gaspreis seit Ende 2022 belastet den Konzern damit stark. Ich würde derzeit nicht in Equinor investieren, da ich zumindest beim Ölpreis erst einmal keine deutlich höheren Preise erwarte.


 Frage vom 31.01.2025

#General Electric heute als Verona, Health und Electric unterwegs

Hallo Herr Heibel,

Ich hoffe, Sie sind gut ins neue Jahr gestartet. Ich wünsche Ihnen und uns nur das Beste. Bei der Performance an den Märkten könnte das Jahr eigentlich auch schon zu Ende gehen. 😄

Ich hab einige Positionen, die ich nie verkauft habe trotz ihrer Empfehlung. Meist war das ein Fehler, bei GE hat sich das allerdings mehr als gelohnt. GE nach den Spin Offs ist super gut gelaufen, und auch die beiden abgetrennten Unternehmen sind durchaus solide aufgestellt. Sollten Sie einmal die Zeit finden, wäre ich Ihnen über eine Einschätzung bzgl. GE als auch die beiden anderen Unternehmen sehr dankbar. Insbesondere im Lichte eines möglichen positiven beziehungsweise negativen Einfluss der Trumpschen Politik.
Beste Grüße aus München.
Michael aus Vaterstetten

 Antwort:

Ich kann Ihnen aus der Hüfte heraus sagen, dass CEO Larry Culp den Industriegiganten in drei Bereiche aufgespaltet hat, die allein nun deutlich besser laufen als im Verbund.

GE Electric widmet sich der Flugzeugindustrie und stellt Turbinen her. Die Aktie legte im vergangenen Jahr um knapp 100% zu und notiert für 2026e auf einem EV/EBITDA von 21 bei einem erwarteten Gewinnwachstum von 19%. Also auch nach +100% ist die Aktie noch nicht teuer.

GE Vernova baut Stromkraftwerke aus Wind, Gas und auch aus Atomen. Die Aktie legte seit der Abspaltung von GE im März letzten Jahres um 200% zu und notiert auf einem EV/EBITDA für 2026e von 21. Nachdem dieser Bereich 2023 noch Verluste schrieb, kommt man für das Jahr 2024 in die schwarzen Zahlen und wird Analystenschätzungen zufolge im Jahr 2026 den Gewinn nochmals um 62% steigern. Besonders reizvoll für Spekulanten macht das Unternehmen die Forschung in kleinen, modularen Fusionsreaktoren, die in der fernen Zukunft einmal wirtschaftlich werden könnten. Aber teuer ist die Aktie auch ohne diese Phantasie und auch nach dem Kursanstieg im vergangenen Jahr bislang noch nicht.

GE Health wurde bereits 2023 ausgegliedert und konnte seither um 50% zulegen. Das EV/EBITDA liegt bei 13, der Gewinn wächst mit 9% p.a. Geräte der Medizintechnik ließen sich in den beiden vergangenen Jahren mit hohem Finanzierungszins schwer anschaffen, ich denke, das kann jetzt besser werden.

Manchmal kann eine Trennung auch eine Befreiung sein, wie wir an General Electric sehen: Über Jahre waren die Geschäftsbereiche in den Konzernstrukturen erstarrt, wenig handlungsfähig und konnten somit ihre Innovationskraft, die bei GE tief im Gen eines jeden Mitarbeiters steckt, nicht gewinnbringend umsetzen. Nun wurden Kräfte freigesetzt, die in meinen Augen noch weitere Erfolge nach sich ziehen können. Ich würde zumindest bei den ersten beiden noch eine Weile dabei bleiben.


 Frage vom 27.01.2025

#Bitcoin-Investment über Trade Republic

Guten Morgen Herr Heibel,
habe mich in der Vergangenheit mit dem Thema Bitcoin nicht beschäftigt. Das möchte ich nun ändern. Kann über meinen Broker, Trade Republic den von Ihnen empfohlene A27Z30 leider nicht erwerben. Sondern ,Bitcoin Cash BCH,BTC, Bitcoin Croup, Bitcoin Future und Bitforms .Der kauf wird über Bankhaus Scheich abgewickelt und dort auch geparkt, wenn ich das richtig verstanden habe. Bitte um Ihren Rat.
Viele Grüße
Friedhelm aus Driedorf

 Antwort:

Hier eine kurze Erläuterung:

- BTC (Bitcoin): Die ursprüngliche Kryptowährung und digitale Währung. Ihr Bitcoin wird in einem Software Wallet verwahrt, was in meinen Augen nur eine vorübergehende Lösung für langfristig orientierte Anleger sein kann.

- Bitforms: Ein Investmentprodukt (ETF oder ETN), das den Bitcoin-Preis nachbildet und als einfacher Zugang zu Bitcoin-Investments dient. Die Bitcoin-Preisentwicklung wird „nachgebildet“, es wird aber nicht der Bitcoin 1:1 gehalten. Das Produkt eignet sich also zum Spekulieren auf die Bitcoin-Preisentwicklung, nicht jedoch als langfristige Vermögensabsicherung.

- Bitcoin Cash (BCH): Eine Abspaltung von Bitcoin mit dem Ziel, schnellere Transaktionen und niedrigere Gebühren durch größere Blockgrößen zu ermöglichen.

- Bitcoin Group: Ein börsennotiertes Unternehmen, das in Kryptowährungs-Dienstleistungen, wie Handel und Verwahrung, investiert ist.

Bitcoin Future: Ein Derivat, das es ermöglicht, auf den zukünftigen Kurs von Bitcoin zu spekulieren, ohne die Kryptowährung direkt zu besitzen.

Trade Republic ist für kleine Vermögen ausgelegt, daher gibt es die mit echten Bitcoins hinterlegten ETCs nicht.


 Frage vom 22.01.2025

#KI- & HPC-Rechenzentren von Applied Digital

Sehr geehrter Herr Heibel,

was halten Sie von der Aktie des Unternehmens Applied Digital Corporation (A3DHHB), um auf andere Art und Weise an der KI-Geschichte teilzunehmen? Als Spekulation?

Mit freundlichen Grüßen
Jens aus Bergisch Gladbach

 Antwort:

Applied Digital ist ein Unternehmen, das sich auf KI- und High Performance Computing (HPC) spezialisiert hat. Rechenzentren werden speziell für diese Anwendungen konzipiert und in der Nähe von regenerativen Stromerzeugern (Wind- und Solarparks) gebaut.

In den vergangenen 25 Jahren wurde niemals ein Gewinn erzielt. Das Unternehmen setzt 211 Mio. USD im Jahr um und wird mit 2,1 Mrd. USD bewertet, also dem zehnfachen Umsatz. Dabei schiebt das Unternehmen inzwischen 800 Mio. USD an Schulden vor sich her. Auch für die kommenden Jahre wird nicht damit gerechnet, mal grüne Vorzeichen zu erzeugen.

Vor einer Woche verkündete Macquarie, 5 Mrd. USD in die Rechenzentren von Applied Digital zu investieren. 900 Mio. USD sofort und im Gegenzug erhält Macquarie 15% Vorzugsaktien. Den Restbetrag „kann“ Macquarie für weitere HPC Rechenzentren von Applied Digital investieren. Das hört sich sehr attraktiv an, mir fehlen allerdings Details.

Es gibt genügend Aktien von Unternehmen, die heute schon profitabel HPC-Rechenzentren bauen, so zum Beispiel unsere Dell. In meinen Augen hat ein Investment in Applied Digital eher etwas mit Lotto als mit Spekulation zu tun: Kann gut gehen, aber die Wahrscheinlichkeit ist in meinen Augen unvorteilhaft, da ein Unternehmen, das 25 Jahre keinen Weg zur Profitabilität gefunden hat, mit Skepsis beäugt werden muss.


 Frage vom 22.01.2025

#British Petroleum BP günstig bewertet

Hallo Herr Heibel,

An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für Ihre fundierten Ausarbeitungen. Es macht weiterhin Spaß die Ausgaben zu lesen und auch die vielen Updates zwischendurch schätze ich sehr.

Da Öl nun endlich angesprungen ist, versuche ich den richtigen Zeitpunkt zu finden, um meine Investments in diesem Bereich zu reduzieren. Insbesondere bp plc ist in meinem Portfolio übergewichtet, da ich auf ein Schließen des Gaps zum Wettbewerb gehofft hatte. Noch sieht es nicht danach aus, auch wenn die Aktie seit Jahresbeginn deutlich zulegen konnte.

Ihre Meinung und der Ausblick zu bp würde mich sehr interessieren. Der Investorday im Februar gibt hoffentlich weiter Auftrieb, so dass ich mir die 6€ für einen Teilverkauf vorstellen könnte. Realistisch oder zum aktuellen Niveau schnell raus?

Besten Dank und viele Grüße
Christoph aus Bochum

 Antwort:

Interessante Aktie :-). BP ist mit einem EV/EBITDA von nur 3,5 günstig bewertet, im historischen Durchschnitt lag diese Kennziffer bei 4. Aktuell bietet die Aktie eine Dividendenrendite von 6%. Auch das ist überaus attraktiv. Warum ist die Aktie so günstig bewertet?

Der Konzern schwenkte nach der Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Gold von Mexiko (oder sollte ich schon vom Golf von Amerika sprechen?) im Jahr 2010 weg vom Öl und konzentrierte sich auf Solarenergie. Einige der lukrativsten Ölvorkommen wurden verkauft, der Umsatz hat sich seither nahezu halbiert. Doch so ganz weg vom Öl kommt dieser Traditionskonzern nicht, im Gegenteil: Die Zahlen zeigen, dass Gas und Solar im BP-Konzern lediglich 23% des Umsatzes ausmachen (2023), für das abgelaufene Jahr 2024 wird der Anteil auf nur noch 16% geschätzt. BP ist also nach wie vor ein Ölkonzern und somit wird er von der Öffentlichkeit als „böse“ wahrgenommen.

Mit Donald Trump als US-Präsident könnte sich das ändern, immerhin rief Trump bei seiner Vereidigungsrede „Drill, Baby drill!“. Das hat zur Folge, das bürokratische Hürden für Ölkonzerne beseitigt, sie also profitabler werden. Gleichzeitig wird die Ölförderung ausgeweitet, was wiederum auf den Ölpreis drückt. Wie sich das am Ende auf die Ertragslage der Konzerne auswirken wird, ist ungewiss.

Die hohe Dividendenrendite wird aus der Substanz ausgeschüttet, ist also nicht mit ausreichend Gewinn unterlegt. Zudem schwankt die Dividendenhöhe, war in den vergangenen 10 Jahren zweimal rückläufig. Ein solides Dividendenunternehmen sieht anders aus, unsere Dividendenkriterien erfüllt BP nicht.

Wir haben ja einen anderen Gas- und Ölproduzenten in unserem Heibel-Ticker Portfolio. Auch unsere Aktie ist deutlich angesprungen. Ich werde die Position mit einem Trailing Stop Loss von großzügigen 15% begleiten, also nicht nach einem starken Anstieg verkaufen, sondern schauen, wie lange der Aufwärtstrend anhält. Vielleicht passt das auch für Ihre BP-Position. Wir laufen dann allerdings Gefahr, 15% weniger für die Aktie zu erhalten, als wir im besten Fall bekommen hätten. Dafür haben wir die Chance, an einer Rallye ggfls. länger zu partizipieren.


 Frage vom 22.01.2025

#Portfolio-Tracking

Hallo Herr Heibel,

Ihr Leser Christoph aus Schwabach hat im aktuellen Heibel-Ticker eine Frage zum Portfolio-Tracking aufgeworfen.

Ich arbeite mit der Free-Version von Trade-Bench und habe mit der Website sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie müssen lediglich die Open-Trades eintragen, möglichst auch Stops eintragen und können eine Tadingstrategie damit verbinden und die geschlossenen Trades über flexibel einstellbare Zeiträume, Broker, Labels etc nach den üblichen Portfolio-Kennzahlen tracken. Die Kurse der eingegebenen Werte werden permanent automatisch aktualisiert.

Englisch dürfte keine wirkliche Barriere sein, da man eigentlich nur die englischen Finanzkennzahlen kennen oder schlimmsten Falls googeln muss. Ich habe hier sämtliche seit 2024 durchgeführte Trades nachträglich eingegeben. Das im Programm enthaltene Reporting der abgeschlossenen Trades hat mir die Augen bezüglich meiner gehandelten Aktien und Derivate geöffnet. Wie von Ihnen schon wiederholt kritisch angemerkt, dienen Derivate nur dem Emittenten. Ich werde mich diesbezüglich künftig zurückhalten.

Als Gegenleistung zur Free-Version müssen Sie nur einmal monatlich auf die Website von Interactive Brokers gehen und können diese sofort wieder schließen.

Im übrigen möchte ich mich bei Ihnen zu Ihren wirklich außergewöhnlich guten Hintergrundinformationen speziell zum Bitcoin und Nvidia bedanken.
Ich habe über beides schön viel gelesen, aber niemand hat es auch nur ansatzweise so gut erklärt wie Sie.

Dafür nochmals mein Dank, Hochachtung und Respekt.

Helmut aus Lippstadt

 Antwort:

Vielen Dank für den Hinweis & das Lob :-).


 Frage vom 16.01.2025

#Auswirkung Trumps auf Fresenius Medical Care

Sehen Sie auch Auswirkungen auf Fresenius medical care durch die neue Trump Regierung ??
VG
Norbert aus Butzbach

 Antwort:

Frühere Initiativen der Trump-Administration zielten darauf ab, Dialysebehandlungen verstärkt in häusliche Umgebungen zu verlagern und die Abrechnungssysteme zu reformieren. FMC hatte bereits begonnen, sich auf solche Veränderungen einzustellen und könnte von einer Fortsetzung dieser Politik profitieren. Bobby Kennedy hat sich bislang noch nicht konkret zur Dialyse geäußert. Ich würde also erwarten, dass FMC, die sich seit der ersten Amtszeit bereits konsequent auf die häusliche Versorgung eingestellt haben, von einer Fortsetzung dieses Weges profitieren wird. Die Aktie ist günstig, also eine entsprechendes Spekulation wert :-).


 Frage vom 16.01.2025

#Anlagehorizont für 77-Jährige

Ich lese gerne Ihren wöchentlichen kostenlosen Börsenbrief und bin am Überlegen ein Abo bei Ihnen abzuschließen. Sind in Ihren Empfehlungen auch Derivate enthalten.

Ich selbst bin 77 Jahre und schon lange an der Börse investiert. Ich habe im Depot etliche ETF und auch Bonuszertifikate, ein paar Derivate sind auch im Depot, aber mit weniger Erfolg.

Meine Gedanken sind, dass ich weniger Aufwand möchte, allerdings kann ich mit meinen 77 Jahren auch nicht mehr langfristig anlegen. Ihre Meinung dazu würde mich interessieren. Was halten Sie von Wikifolios?

Freundliche Grüße
Inge aus Nürnberg

 Antwort:

Nein, Derivate haben wir äußerst selten im Portfolio. Man müsste schnell reagieren können, und das lässt sich mit dem Heibel-Ticker selbst mit dem SMS-Dienst nicht brauchbar umsetzen. Derivate, mit Ausnahme von endlos laufenden Index-Zertifikaten, nutzen wir nicht. Ich meiner Zeit bei der Börse Zürich haben wir eine Analyse erstellt, aus der hervorging, dass Derivate in weit über 90% aller Fälle so gestrickt sind, dass der Emittent, nicht jedoch der Kunde davon profitiert. Wir setzen auf solide Unternehmen, die wir auch in schwachen Phasen ohne größere Sorgen im Portfolio behalten können.

Ich weiß nicht, wer den Quatsch verbreitet, dass Sie mit 77 nicht mehr langfristig investieren können. Sie müssen sicherstellen, dass Sie ausreichend Liquidität haben, um die nächsten zwei oder drei Jahre zu finanzieren. Ein Anteil sollte also im „Alter“ in Anlagen investiert sein, die wenig schwankungsintensiv sind. Anleihen oder Ähnliches. Doch darüber hinaus können Sie meiner Ansicht nach ruhig einen längeren Horizont ins Auge fassen und somit Aktien ins Depot legen. Vielleicht werden Sie ja 100 Jahre alt :-) und dann wollen Sie nicht zusehen, wie Ihr Geld aufgrund der Inflation an Kaufkraft verliert, sondern Sie wollen, dass Ihr Geld mit der Wirtschaftsentwicklung wächst. Dazu sind Aktien in meinen Augen eine gute Anlagemöglichkeit.

Wikifolios sind so etwas wie Fonds. Sie müssen sich nicht nur mit den Aktien beschäftigen, die darin enthalten sind, sondern auch mit dem Fondsmanager. Was treibt ihn an? Wie lange macht er das noch? An welchem Erfolg verdient er: Am gesteigerten Volumen seines Wikifolios oder aber an der Performance? Das ist viel Arbeit. Ich habe mich frühzeitig entschieden, diese Arbeit lieber in die Aktienanalyse zu stecken :-).


 Frage vom 16.01.2025

#Curevac springt w/Grippewelle an

Hallo Herr Heibel,

haben Sie sich in den letzten Tagen mal den Kursverlauf von Curevac angeschaut? Nach seiner explosiven Startphase ein Pennystock. In den letzten Tagen hat sich der Kurs aber faktisch verdoppelt.

Was steckt hinter der Dynamik? Ein „shoot em to the moon and further!“ (wie vor ein paar Jahren bei Gamestock? Oder steckt was Seriöses dahinter? Aus alten Zeiten hab ich noch ein paar Aktien.

Biontech hat sich in letzter Zeit bei etwas über 100 Euro festgesetzt, wenn man bei Aktien überhaupt von einer stabilen Situation reden kann. Ich bleib mal dabei.

Im übrigen hat sich mein Portfolio in letzter Zeit super entwickelt. Und dazu trägt Ihr Heibel Ticker einen nicht unwesentlichen Teil bei.

Ein herzliches Dankeschön für all die nützlichen Hinweise in Ihrem Ticker.

Mit freundlichen Grüßen und alles Gute in 2025!
Edgar aus Erbendorf

 Antwort:

Curevac ist meiner Einschätzung nach aufgrund einer Grippewelle angesprungen. Anfang des Jahres sprang die Zahl der gemeldeten Influenza-Fälle um 18,7%. Sämtliche Aktien der Impfstoffhersteller sprangen an, Curevac am stärksten. Seither wurde ein Teil des Gewinns wieder abgegeben.

Sowohl Curevac als auch BioNtech oder auch Moderna werden aufgrund ihrer Forschung von Aktionären gehalten: Man erhofft sich die Entdeckung von Impfstoffen, die das Krebsrisiko mindern. Meinen Informationen zufolge ist man noch weit von brauchbaren Ergebnissen entfernt. Dank der Corona-Pandemie haben diese Unternehmen dicke Cash-Polster und könnten im Falle eines Forschungserfolges den Zulassungsprozess ohne fremde Hilfe durchlaufen. Daher die exorbitant große Gewinnphantasie, sollte es einen Forschungserfolg geben. Doch solange dieser ausbleibt, ist das alles nichts weiter als Spekulation. Und da hilft eine Grippewelle, um die Spekulation mal wieder ein wenig zu beleben … mehr nicht.

Vielen Dank für Ihr Lob :-).


 Frage vom 16.01.2025

#LPKF Laser für Automatisierung der Fertigung

Hallo Herr Heibel,

der Jahresausklang mit Mütze und Wein ist mal wieder ein tolles Beispiel dafür, wie gut es Ihnen immer wieder gelingt, inhaltlich anspruchsvolle Themen mit Spaß und Humor zu begleiten!

Bitte weiter so !!!!

Auf der Suche nach deutschen Unternehmen, die sich in Wachstumsmärkten tummeln bin ich auf LPKF Laser Electronics gestoßen.
Aus meiner Sicht profitiert LPKF von Trends wie der zunehmenden Automatisierung in der Fertigung sowie von der zunehmenden Nachfrage nach Mikroelektronik und präziser Fertigungstechnik. Alleine der Konkurrenzdruck in der Automobilbranche könnte der Aktie Flügel verleihen, sofern das Unternehmen gut aufgestellt ist. Was meinen Sie?
Für Ihr Feedback bedanke ich mich schon jetzt.

Liebe Grüße aus Kölle, Dirk

 Antwort:

Herzlichen Dank für das Lob :-).

LPKF Laser ist ein Maschinenbauer. Wir haben bereits zwei Maschinenbauer im Portfolio: Nynomic & PVA Tepla. Eigentlich wollte ich mich von Maschinenbauern vollständig fern halten, weil deren Aktien über Jahre, und dann noch ein wenig länger, unbeliebt sind, bis sie dann - häufig völlig überraschend - um mehrere hundert Prozent ansteigen. Wann der Zeitpunkt des Anstiegs ist, lässt sich schwer timen.

Zu LPKF Laser konkret: der Umsatz schwankt seit Jahren zwischen 94 und 140 Mio. EUR. Der Gewinn ist unter Druck, für das vergangene Jahr wird ein Verlust erwartet. Das EV/EBITDA von 11 im Vergleich zum Durchschnitt von 17 ist natürlich günstig, doch dem schwachen Ergebnis geschuldet.

Die Idee, dass deren Laser gefragt sein könnten, ist sicherlich richtig. Doch wann genau werden neue Fabriken gebaut? Und vor allem: Wo? Es gibt auch Wettbewerber, die brauchbare Lasertechnik anbieten. Wie sieht da die Konkurrenz-Situation unter Berücksichtigung des Preises aus? Da ich diese Fragen nicht zufriedenstellend beantworten kann, halte ich mich lieber zurück.


 Frage vom 16.01.2025

#EUR/USD-Put, Palantir & United Health

Hallo Stephan,

ich hoffe, du hattest einen guten Start ins Neue Jahr, alles Gute !!

Für mich hat das neue Jahr bis jetzt einige Fragen aufgeworfen, meine Anlagenideen für 2025 sind gehörig ins Schwimmen geraten.
Kannst du mir für folgende Positionen eine kurze Einschätzung für das folgende Jahr geben:

- Eur/USD Put: bei dem Währungspärchen habe ich auf eine Parität zum USD gesetzt, aber ich höre vermehrt andere Stimmen, dass das nicht kommt.
- Palantir: klar der Überflieger, hoch bewertet, ich setze auf eine Fortsetzung der Kurssteigerung, auch hier lese ich vermehrt anderes ....
- United Health: bin ich mir jetzt auch unsicher geworden

Viele Grüße vom "Wiederkehrer" Matthias aus Stuttgart

 Antwort:

@EUR/USD-Put: Der Wechselkurs entwickelt sich entsprechend der Verschuldungsorgien im Verhältnis zur Konjunkturentwicklung. Wer macht im Verhältnis zum Konjunkturwachstum zu viel Schulden? Der Wechselkurs ist innerhalb der vergangenen drei Monate von 1,12 auf 1,02 USD/EUR gefallen. Wenn Sie auf die Parität gesetzt haben, dann sollten Sie vielleicht mit dem Erreichten zufrieden sein. Ob’s jetzt noch auf die Parität sinkt oder nicht, hängt von der Kommunikationsfähigkeit Donald Trumps ab: Schafft er es, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass seine angekündigten Ausgaben das Wachstum erzeugen, mit dem sich die Kredite rechtfertigen lassen?

@Novo Nordisk: Habe ich heute ein Update zu geschrieben, siehe unten.

@Palantir: Ist im Vorfeld der Trump-Wahl bereits aus Vorfreude stark angestiegen und konsolidiert nun. Trump will die Kosten der Behörden senken. Palantir ist dick im Geschäft mit Behörden, kassiert also viel von den Behörden, sorgt aber für Effizienzsteigerungen und somit Kosteneinsparungen. Wie sieht’s unterm Strich aus? Nun, ich denke, Palantir wird wesentlich besser abschneiden als die meisten anderen Unternehmen, die für die Behörden arbeiten. Doch ob das ausreicht, um für Wachstum zu sorgen, das ein EV/EBITDA von 111 rechtfertigt, ist fraglich. Im abgelaufenen Jahr sprang der Gewinn um 300% an, das sieht gut aus. Für das laufende Jahr wird jedoch nur noch 22% erwartet. Ich wäre daher vorsichtig.

@United Health: Das Unternehmen steht in der öffentlichen Kritik, für die Verhandlungsleistung zwischen Versicherten und der Pharma-Industrie zu viel Marge einzustecken. Ich habe im Update zu Novo Nordisk die verschiedenen Möglichkeiten der Trump-Administration beleuchtet. Was kommen wird, ist ungewiss. Häufig ist Gewissheit, auch wenn sich die Trump-Administration für den schlechtesten Weg entscheidet, für die Aktie besser als die derzeit herrschende Ungewissheit.


 Frage vom 16.01.2025

#Quantencomputer: Gefahr für Bitcoins

Lieber Herr Heibel,

Ihnen wünsche ich alles Gute, Erfolg, Zufriedenheit, schöne Erlebnisse und Gesundheit für 2025 und uns Lesern wünsche ich wieder viele spannende Artikel von Ihnen und natürlich auch erfolgreiche Investments.

Zufällig bin ich auf folgenden Artikel über einen möglichen Einfluss von Quantencomputern auf Kryptowährungen allgemein und Bitcoin im speziellen gestoßen. Der Artikel beleuchtet die Thematik in meinen Augen (trotz der reisserischen Überschrift) sehr sachlich und auch konstruktiv.

https://1e9.community/t/machen-quantencomputer-bald-bitcoin-und-andere-kryptowaehrungen-kaputt/20819

Da ich von "1e9" zuvor noch nie gehört hatte, habe ich die KI-Suchmaschine Perplexity nach deren Seriosität gefragt mit positivem Ergebnis.

Freundliche Grüße aus dem Umland von Köln
Christian aus Köln

 Antwort:

Vielen Dank für die Wünsche, ebenso :-).

Der Zeithorizont ist wichtig. In dem Artikel wird bestätigt, dass Quantencomputer „noch auf Jahre“ nicht einsatzfähig sein werden. Dennoch wird anschließend darüber philosophiert, was möglich wäre, wenn Quantencomputer von Hackern eingesetzt würden. Jensen Huang, Gründer und CEO von Nvidia, äußerte sich in seiner Eröffnungsrede auf der CES zu diesem Thema. An den US-Aktienmärkten gingen die Kurse von allen Unternehmen, die irgendwas mit Quantencomputern zu tun haben, in den vergangenen Monaten durch die Decke. Nun äußerte Jensen Huang, dass es noch lange dauern werde, bis Quantencomputer einsatzfähig seien: In 30 Jahren sei man sicher so weit, doch in 20 Jahren sei man sicher noch nicht so weit. Er schätzt also, dass ungefähr erst im Jahr 2050 Quantencomputer einsatzfähig seien.

Bis dahin bleibt also noch viel Zeit für die Krypto-Branche, ihre Sicherheitstechnologien anzupassen. Es gibt verschiedene Ebenen, auf denen im Bitcoin-Umfeld Verschlüsselungen verwendet werden. Für uns Inhaber mit einem Cold Wallet gilt, dass unsere Adresse öffentlich ist. Doch wir können innerhalb des Cold Wallet den Bitcoin-Bestand an eine intern neu generierte Adresse übertragen. Diese ist dann nicht öffentlich und kann somit auch von niemandem geknackt werden.

Ungeachtet dessen ist mein Verständnis, dass die aktuelle SHA-256 Verschlüsselung bei einem Einsatz von Quantencomputern vergleichbar sicher ist, wie SHA-128 Verschlüsselung. Die Sicherheit, die bei 256 ohne Quantencomputern als absolut gilt, wird also nur geringfügig verringert, dürfte dann also immer noch nahe der 100% liegen.

… und wenn all das nicht reicht, kann das Netzwerk jederzeit die Verschlüsselung anpassen, also „quantensicher" machen. Wenn sich andere Kryptos jetzt schon diese Gedanken machen, halte ich das nach obigem Zeitrahmen für verfrüht. Kommt Zeit, kommt Rat.


 Frage vom 16.01.2025

#Bayer, Gewinnrealisierung & Portfoliotracking

Sehr geehrter Herr Heibel,
erst mal Ihnen ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr.

Ich bin ja noch nicht so lange dabei und habe so ca. 100 Fragen.
Ok Sie sind weder mein Finanzberater noch hätten Sie unendlich Zeit.

Aber evtl haben Sie für meine dringendsten 3 Fragen etwas Zeit übrig, damit ich mich nicht so verloren fühle (oder sagt man nun nur noch "lost"?):

1. Speziell eine Aktie: Bayer (BAY001) Habe diese vor rund 3 Jahren zu teuer eingekauft. mehrfach nachgekauft.
Aktuell steht sie bei 55,95% Minus. :( in den sauren Apfel beißen -> Verkauf oder halten und nachkaufen?

2. Generell: ab wann würden Sie raten zu verkaufen? so oft werden die 25% Gewinn genannt.
Also jede Aktie nur bis zu einem Gewinn x% halten dann verkaufen und sich was Neues suchen?
oder kann man dies nicht so pauschal sagen?

3. Fast mein gesamtes Invest liegt bei der ING. Übersicht in der APP, na ja :( Am PC gehts...
21 Einzelaktien, 1 Fond, 20 ETF´s
Habe mich an Excel Sheet ran gewagt, lief auch ganz gut bis irgendwann kaum mehr aktuelle Daten eingefügt wurden
und ich keine Wertstände zu meinen Aktien hatte. Daraufhin wieder alles gelöscht, da ich auch kein PC, Excel ect Genie bin.
Mit PortfolioPerformance komme ich nicht klar.
Gäbe es hier eine Empfehlung von Ihnen ?

Sollten die Fragen zu speziell oder umfänglich sein, kein Problem, Fragen kostet erst mal ja nix ;)

Auch wenn nicht Alles so funktioniert hat was Sie empfohlen hatten, finde ich Ihre Analysen sehr ansprechend und hilfreich.

Mit freundlichen Grüßen Christof aus Schwabach

 Antwort:

@Bayer: Die Übernahme von Monsanto hat den Chemiekonzern kaputt gemacht. Noch immer gibt es Gerichtsverfahren über hohe Schadensersatzforderungen. Und vor Gericht und auf hoher See liegt Dein Leben in Gottes Hand. Ich weiß nicht, ob man auf einen positiven Ausgang der Verfahren spekulieren sollte. Hoffen: ja, Spekulieren: zu ungewiss.

Also müsste die Aktie schon deutlich unterbewertet sein, um eine ordentliche Position im Portfolio einzunehmen. Das EV/EBITDA (das bessere KGV) liegt bei 5,7, im 10 Jahresdurchschnitt der Vergangenheit lag es bei 7. Wir könnten also meinen, die Aktie ist um 25% unterbewertet im Vergleich zu ihrer historischen Bewertung. Wird diese Unterbewertung durch einen Kursanstieg aufgehoben, oder aber durch einen rückläufigen Gewinn? Nun, Analysten erwarten für das laufende Jahr 2025 einen Gewinnrückgang von 4,5%. Auch die Umsatzentwicklung ist seit 2022 rückläufig.

Hat der Konzern denn Rückhalt in der Bevölkerung? Nun, es handelt sich um einen der größten Energieverbraucher unseres Landes und wir haben gelernt, dass das böse ist. Außerdem verhandelt man über den Vorwurf, dass der Dünger, der zudem noch belastend für die Biodiversität ist, krebserregend ist. Der in meinen Augen wichtige Betrag, den chemische Produkte für die Automobilindustrie, für die Textilindustrie, für die Medizin, ... liefern, wird derzeit von der Gesellschaft nicht ausreichend gewürdigt. Friedrich Merz kündigt bei jeder Gelegenheit an, die Industrie zu stärken.

Damit die Aktie von Bayer nennenswert ansteigt, müssen also zwei Dinge passieren: Die Reputation der chemischen Industrie muss verbessert werden und die Monsanto-Klagen müssen endgültig beendet werden. Zu beiden Themen traue ich mir ehrlich gesagt keine verlässliche Prognose zu.

Also: Auf keinen Fall nachkaufen, man wirft schlecht investiertem Geld kein gutes Geld hinterher. Halten oder Verkaufen: Das müssen Sie entscheiden.

@2.: Nein, da gibt es keine pauschalen Marken. Wenn Sie 100% im Plus sind, dann können Sie die halbe Position verkaufen, damit Sie Ihren Einsatz raus haben, und den Rest laufen lassen. Aber mit pauschalen Marken arbeite ich selten, das tun nur Trader. Wir wollen aber investieren und sollten daher überzeugt von einer Aktie sein, die dann höchsten günstiger oder teurer wird. Es gibt ein „zu teuer“, bei dem wir dann verkaufen. Solche absoluten Marken werden von Trappern verwendet, die sich nicht um den Inhalt kümmern. Ich verwende solche absoluten Marken manchmal bei unseren Spekulationen, weil ich dort kurzfristig auf ein Ereignis spekuliere und wenn die Aktie in die falsche Richtung losläuft, dann muss ich wohl meinen Irrtum eingestehen.

@3.: Nein, da habe ich leider keine Empfehlung: Ich arbeite mit Excel und lasse die Kurse automatisch über eine Bloomberg-Schnittstelle aktualisieren - die ist aber kostenpflichtig. Kunden haben mir ab und zu schon ihre Excel-Tabellen zugeschickt, in denen vieles berücksichtigt wird. Doch bei Excel ist und bleibt viel Handarbeit erforderlich.

Vielen Dank für Ihr Lob :-).


 Frage vom 10.01.2025

#Bitcoin-Zertifikate. im Vergleich

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich habe Anteile des Bitcoin Zertifkats Coinshare Physical Bitcoin mit der WKN A3GPMN gekauft. Sie favorisieren das Zertifikat A27Z30.
Sollte ich meine Anteile verkaufen und in das von Ihnen empfohlene Zertifikat umschichten?

Danke für Ihre Einschätzung.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter aus Bobingen

 Antwort:

Ja, denn das Produkt von Coinbase basiert auf „Schuldverschreibungen, die durch den Compass Crypto Reference Index Bitcoin gesichert“ sind. Schuldverschreibungen sind Zahlungsversprechen des Emittenten, also von Coinbase, an Sie. Wenn Coinbase pleite gehen sollte, fällt Ihr Investment in die Insolvenzmasse und ist im Zweifel futsch. Außerdem sind Gewinne steuerpflichtig. Bei dem von mir empfohlenen Papier wird der Bitcoin direkt hinterlegt und daher sind Gewinne nach einem Jahr steuerfrei.


 Frage vom 10.01.2025

#Vermögensverwalter versus Eigenregie

Hallo, Herr Heibel,

da ich nach mehrjähriger Abwesenheit wieder Ihr wissbegieriger Schüler bin, habe ich eine Bitte:

Vieles von dem, was ich in Ihrem Newsletter finde, sind für mich böhmische Dörfer. Ich bräuchte eine Lektüre, um mir das Basiswissen zu verschaffen, merhr als nur "Bahnhof" zu verstehen.

Haben Sie einen Tipp für mich?

Da ich als rüstiger Rentner mit fast siebenstelligen Ersparnissen zu tun habe, würde mich auch interessieren, ob Sie es für sinnvoll halten, einen Vermögensverwalter zu beauftragen. Ich stehe dieser Lösung zwar zweifelnd gegenüber, weil mir gesagt wurde, damit Beauftrage würden neben der Depotgebühr mit Provisionen doppelt kassieren und echte Sorgfalt nicht gesichert sei.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Gibt es nicht auch Vermögensverwaltungen, die nur am Erfolg ihrer Arbeit profitieren?

Über einen Tipp auch dazu würde ich mich sehr freuen.

Guten Rutsch für das Neuer Jahr mit Pax Trumpana wünscht
Joachim aus Berlin

 Antwort:

@Basiswissen: Ich habe leider kein Buch, das ich empfehlen könnte. Ich werde aber in den kommenden Monaten immer wieder auf Grundlagen eingehen und bin dankbar für konkrete Fragen :-).

@Vermögensverwalter: Sie haben die Antwort ja schon selbst gegeben: Viele Vermögensverwalter nehmen Geld, damit Sie sich als Anleger im Falle von fallenden Kursen nicht selber Vorwürfe machen müssen. An den fallenden Kursen ändern aber auch die meisten Vermögensverwalter nichts. Alle Vermögensverwalter, die ich kenne, nehmen eine Basisgebühr, die unabhängig ist vom Erfolg oder Misserfolg.

Sie können sich einen MSCI_World ETF kaufen, oder aber auch S&P 500- oder gar Nasdaq-ETF, und damit an der weltweiten Konjunkturentwicklung partizipieren. Viel besser sind Vermögensverwalter selten.

Im Heibel-Ticker versuchen wir, die Entwicklungen der Finanzmärkte besser zu verstehen. Ohne ein gewisses Interesse an den Finanzmärkten und an Unternehmen wird die eigene Aktienauswahl sehr schwer. Ob man damit dann besser fährt, ist auch nicht garantiert. Hier im Heibel-Ticker ist uns das zumindest in den vergangenen Jahren gelungen, und zwar insbesondere dadurch, dass wir in schwachen Märkten Verluste vermeiden konnten, was sich über die Zeit in eine bessere Performance verwandelt: Wir segeln aktuell mit 10,44% jährlichem Gewinn, während der DAX bei 7,54% liegt.

Aber wie gesagt: Dazu müssen Sie Spaß an der Sache haben :-). Ansonsten fahren Sie mit zwei oder drei ETFs gut genug.


 Frage vom 10.01.2025

#Besteuerung von Bitcoin-Gewinnen / -Verlusten

Guten Morgen Herr Heibel

Nach einem Jahr sind Bitcoin-Gewinne steuerfrei. Wenn ich das so lese legt sich ja fast ein Verkaufen nach einem Jahr nahe, Gewinne steuerfrei sichern. Und wenn der Bitcoin dann abtaucht innerhalb eines Jahres verkaufen wenn er relevant gefallen ist. Und einen Tag danach wieder kaufen und die Verluste steuerlich in der Einkommensteuer Rechnung realisieren und "Gutschrift," erhalten. Wenn er weiter steigt hat man keinen Nachteil außer man steigt vor dem nächsten vollen Jahr aus.

Ist das auch ihre Sicht wie Bitcoin steuerlich genutzt werden könnte?

Danke und Gruß
Peter aus Welzheim

 Antwort:

Ja, das ist in meinen Augen ein gangbarer Weg :-).


 Frage vom 10.01.2025

#Übernahmeangebot für Zuora

Guten Tag Herr Heibel

Ich habe seit 2019 Zuora Aktien im Portfolio und habe diese Position immer wieder durch Nachkäufe ausgebaut und den Einkaufspreis reduzieren können.

Seit Mitte Oktober hängt die Aktie im Bereich 9,90-10,00 USD fest, da es wohl ein Übernahmeangebot für 10 USD gibt. Mein durchschnittlicher Kaufpreis liegt jedoch ca 5% höher. Ich wollte die Aktie noch etwas weiter laufen lassen und möchte eigentlich nicht für 10 USD verkaufen.

Nun zu meiner Frage: Was passiert, wenn ich die Aktie nicht verkaufe und abwarte weil mir die 10 USD zu niedrig sind und was ist in ihren Augen ein fairer Preis für diese Aktie?

Vielen Dank und Gruss aus Zürich,
Thomas

 Antwort:

Die Private Equity Firma Silver Lake und staatliche Fond GIC aus Singapur werden Zuora für 10 USD übernehmen und von der Börse nehmen. Der Prozess einer vollständigen Übernahme verläuft nach konkreten Regeln: Zunächst müssen die übernehmenden Unternehmen einen Mindestanteil zu dem von ihnen vorgeschlagenen Übernahmepreis erhalten. Kein Aktionär ist verpflichtet, das Angebot anzunehmen. Doch Management und Board haben sich bereits für diese Übernahme ausgesprochen. Gründer und CEO Tien Tzuo wird auch nach der Übernahme CEO bleiben.

Damit ist es unwahrscheinlich, dass der Deal noch platzt. Ob der Preis noch angehoben werden muss, um die erforderlichen Anteile zu erhalten, kann ich nicht abschätzen. Zuora schreibt noch immer Verluste und das Wachstum sinkt kontinuierlich weiter ab. Für 2025 wird ein Umsatzwachstum von nur noch 6% erwartet. Irgendwas passt da also nicht: Mit Verlusten finanziert man höchstens ein überproportionales Wachstum, um sich Marktanteile zu sichern. Das kann ich bei Zuora aber nicht erkennen.

Die Aktie wird sich daher meiner Einschätzung nach in den kommenden Monaten nur noch marginal bewegen. Ich bin kein Jurist und spekuliere nicht auf den letzten Cent in einer Übernahme. Es gibt anderswo bessere Anlagemöglichkeiten :-).


 Frage vom 10.01.2025

#Ripple, Ethereum und DiFi

Hallo Stephan,

zunächst einmal vielen Dank für Deine erfolgreiche Arbeit in diesem Jahr. Auf die angekündigte Weihnachtsfeier freue ich mich wieder mal.

Zum Thema Bitcoin hier mal meine Aktien die ich selber im Depot habe, als Anregung bzw. wäre ich an Deiner Meinung dazu interessiert.

21Shares Ripple XRP (CH045466404)

CoinShares XBT Bitcoin Tracker Euro (SE0007525332)

ETC Group Physical Ethereum (DE000A3GMKD7)

Ripple habe ich ganz frisch reingenommen, nachdem die Rechtslage nun ja
geklärt wurde. Bin noch am überlegen wegen dieser Aktie.......Ist natürlich auch sehr
spekulativ.

DEFI Techno Rg (CA2449161025)

Der Depotanteil dieser Anlageklasse beträgt ca. 8,5 %. Bin mal gespannt wie Du das beurteilst.

Danke schonmal und schöne Feiertage und ein erfolgreiches, gesundes neues Jahr.

Gruß aus Hannover,
Dirk

 Antwort:

Ich habe mich auf den Bitcoin beschränkt und lasse alle anderen 10.000 Krypto-Projekte außer Acht. Sicherlich wird es einige darunter geben, die ein erfolgreiches Geschäftsmodell etablieren können. Doch es gibt keine zweite Krypto-"Währung“ neben dem Bitcoin und die 10.000 anderen Krypto-Projekte sind für mich noch zu jung, um als Investment für Privatanleger geeignet zu sein. Ich vergleiche das mit den unzähligen Internetbuden, die zur Jahrtausendwende unterwegs waren. Die meisten sind verschwunden, einige sind heute zu Weltkonzernen aufgestiegen.

Das Bitcoin-Zertifikat, das Sie ausgesucht haben, ist nicht mit echten Bitcoins unterlegt, sondern bildet nur dessen Preisentwicklung ab. Zum Spekulieren ist das okay, für die langfristige Anlage jedoch nicht: Weder sind Gewinne steuerfrei, noch haben Sie im Insolvenzfall die Möglichkeit, an Ihre Bitcoins zu kommen.

Ripple und Ethereum sind zwei der aussichtsreicheren Krypto-Projekte. Auch hier gilt: spekulieren mit einem kleinen Teil Ihres Vermögens, Sie nennen 8,5%, ist in meinen Augen okay, wenn Sie am Ball bleiben. Auch Ihre zuletzt genannte Aktie, DeFi aus Kanada, fällt in diese Kategorie. Das Unternehmen möchte es Anlegern ermöglichen, in digitale Werte zu investieren, ohne ein Bankkonto oder einen Broker zu haben.

DeFi (Dezentrales Finanzsystem) möchte die Banken, also die Intermediäre bei jedem Kredit und jeder Geldanlage, durch Algorithmen ersetzen. Der Begriff DeFi ist in der Kryptowelt gängig und steht für die Überzeugung, dass Banken nichts weiter als Knotenpunkte sind, deren Arbeit sich auch durch intelligente Algorithmen erledigen lässt. Tolle Sache, ich hatte bereits 1988 nach wenigen Wochen als Banklehrling die Erkenntnis, dass Banken eigentlich nichts weiter als einen Knotenpunkt darstellen. Doch das war meine persönliche Erkenntnis, denn für viele Menschen stellt die Beratung durch die Banker, früher wurden sie nicht umsonst Bank-"Beamte“ genannt, doch dieses Ansehen haben sie verspielt, eine wichtige Schleife zum Nachdenken bei der Kreditaufnahme oder Geldanlage dar.

In DeFi, das kanadische Unternehmen, oder die oben genannten Projekte (Ripple & Ethereum) zu investieren, ist zum heutigen Zeitpunkt eine interessante Spekulation, aber das Risiko des Scheiterns dieser konkreten Projekte ist sehr groß: DeFi wird kommen, doch ob die drei genannten Projekte in fünf Jahren noch dabei sein werden, ist trotzdem ungewiss.


 Frage vom 10.01.2025

#BitBox02 versus Trezor

Sehr geehrter Herr Heibel,

prima dass ich ab jetzt den Heibel-Ticker komplett lesen kann, nicht nur die Free-Version.

Habe noch ein paar Fragen zum Kauf von Bitcoins und mehr. Zuerst einmal, ist es sinnvoll vorher Euros in Schweizer Franken zu tauschen, bevor man einen Kauf tätigt?
Ich habe gehört dass man Bitcoins üblicherweise in USTD handelt weil es angeblich ein Nachteil ist das in Euros zu tun. Ist das richtig, oder eine Falschinformation?
Bevor ich Ihre Email bekam hatte ich
mir schon ein Hardware Wallet von der Firma Trezor gekauft. Ihre Empfehlung hieß anders (leider weiß ich den Namen nicht mehr, da ich die entsprechende Email von Ihnen nicht mehr finde). Meinen Sie, diese Wallet von Trezor ist sicher genug oder sollte ich sie besser zurückgeben? Es handelt sich dabei um ein Basismodell, aber ich werde auch nicht mehr als ein paar tausend Euro in Kryptos investieren.
Kann man bei Relai auch andere Kryptowährungen wie Solana und Ethereum kaufen, oder ausschließlich Bitcoin?

Mit freundlichen Grüßen
Monika aus Teklenburg

 Antwort:

Der Tausch von Euro in Schweizer Franken vor dem Kauf des Bitcoins ist eine zusätzliche Ebene der Spekulation und in meinen Augen nicht nötig. Wenn Sie Bitcoins kaufen, wird eine Gebühr von 1,5% - 2% fällig, unabhängig davon, ob Sie von Euro, US-Dollar oder Schweizer Franken ausgehen. Der Umtausch in eine andere Währung zieht ebenfalls Umtauschgebühren mit sich, das wäre in meinen Augen dann doppelt gemoppelt.

Tresor ist ebenfalls ein hervorragendes Cold Wallet. Tresor setzt vollständig auf Open Source, [veröffentlicht also den vollständigen Quellcode des USB-Sticks auf GitHub](https://github.com/trezor). BitBox02 setzt ebenfalls auf Open Source, fügt jedoch einige Sicherheitsfunktionen hinzu, die nicht öffentlich sind. Die [Details finden Sie hier](https://bitbox.swiss/).

Die Relai App hat sich ausschließlich auf den Bitcoin-Handel spezialisiert. Es ist ein kostengünstiger Weg in die Bitcoin-Welt und nicht für das Trading geeignet, wie er mit vielen anderen Kryptos stattfindet.


 Frage vom 10.01.2025

#Bitcoin: Kaufmöglichkeiten und Portfoliogewichtung

Sehr geehrter Herr Heibel,

können Sie mir bitte Ihre Ausgaben mitteilen, wo Sie Infos zum Kauf von Bitcoins beschrieben haben.
Über die Suche im Archiv habe ich nichts gefunden.

Hätten Sie bitte auch noch eine Empfehlung, bei welchem Kurs Sie Kaufen würden?

Und hätten Sie abschließend bitte noch eine Antwort auf die folgenden Fragen:
Wieviel % Ihres z.B. 100.000 EUR-Depots (incl. Goldanteil) sollte in Bitcoin investiert werden?
und wie man kauft bzw. verkauft diese Bitcoin?

Sollte ich dazu z.B. die Relai-App in der Schweiz kaufen – ist das mein Broker?

Zieht die Relai-App das Geld von meiner deutschen Hausbank (Sparkasse) ein?

Und sollte ich mich für den Kauf der BitBox 02 mit einem 24 Wort starken Schlüssel entscheiden?
Ist es korrekt, dass dieser 24 Wort-Schlüssel in der BitBox 02 gespeichert wird?
Und sollte ich noch einen Ausdruck des Schlüssels in das Schließfach der Bank legen?

Sorry für die vielen Fragen.

Gern können Sie mein Abo noch einmal verlängern.

Herzliche Grüße aus Radebeul bei Dresden

Sören

 Antwort:

Im [Heibel-Ticker #17/2021 vom 30.4. habe ich in Kapitel 06](https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/1863) gezeigt, wie Sie das Hardware-Wallet BitBox02 einrichten. Und im [Heibel-Ticker #3/2024](https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2163?#5) habe ich Relai als „Brücke“ in die Bitcoin-Welt vorgeschlagen.

Über einen Kauf müssen Sie leider individuell entscheiden. Wir sind inzwischen bereits ausreichend im Bitcoin investiert (7,2% Portfolioanteil).

Sollte der Bitcoin in den kommenden Wochen noch in Richtung 120.000$ steigen, würde ich vielleicht einen kleinen Teil verkaufen. Sollte der Bitcoin nochmals in Richtung 80.000$ abrutschen, würde ich einen größeren Kauf tätigen :-).

Die jeweilige Gewichtung können Sie der Tabelle des Heibel-Ticker Portfolios entnehmen: Im Bereich der Absicherung sind je Position rund 6,6% Portfolioanteil vorgesehen. Aktuell macht die Goldposition bei uns 5,8% aus, der Bitcoin 7,2% und die verbleibenden 6,6% verteilen sich auf die beiden Unternehmensanleihen.

Ich nutze derzeit zwei unterschiedliche Wege: Zum einen den Weg über die Pocket App, zum anderen den Weg über die Relai App. Jeweils müssen Sie Geld auf ein Konto im Ausland überweisen, für Relais in die Schweiz, für Pocket nach Großbritannien. Pocket hat seit dem Jahreswechsel Probleme mit dem Weg über Großbritannien, Gelder werden nicht angenommen. Nähere Informationen gibt mir auch dessen Hotline derzeit leider nicht. Bleibt aktuell also der Weg über Relai.

Die Relais App müssen Sie nicht „kaufen“, sondern einfach auf Ihrem Smartphone installieren und mit Passworten sichern. Sie überweisen das Geld, einen Einzug gibt es meines Wissens nicht. Das hat zur Folge, dass Sie den Zeitpunkt des Umtauschs in Bitcoin nicht so gut timen können, es wird der Zeitpunkt des Zahlungseingangs auf dem Schweizer Konto genommen. Kunden haben mich darüber informiert, dass Echtzeitüberweisungen binnen weniger Stunden in der Schweiz ankommen.

Ja, Sie sollten Ihre BitBox02 mit 24 Schlüsseln sichern. Und nein, die 24 Seed-Worte (auch Seed-Phrase genannt) sind nicht auf der BitBox02 gespeichert. Die Seed-Phrase wird während der Einrichtung der Hardware-Wallet generiert und dient als Backup für den Zugriff auf Ihre Kryptowährungen. Diese Wörter werden Ihnen nur einmal angezeigt und sollten sicher aufbewahrt werden, beispielsweise auf Papier oder einer speziell dafür vorgesehenen Metallplatte. Die BitBox02 speichert lediglich den abgeleiteten Master-Privat-Schlüssel, der aus den Seed-Worten generiert wird, in ihrer sicheren Umgebung (Secure Element). Dieser Schlüssel verlässt niemals die Hardware-Wallet.

Die 24 Schlüssel müssen Sie sehr gut aufbewahren, ein Bankschließfach ist eine gute Idee. Achten Sie darauf, dass Sie beständiges Papier nehmen und einen Stift, dessen Schrift nicht so schnell verbleicht.