Leserfragen (Dezember 2024)


 Frage vom 10.12.2024

#Schulden und die schwarze Null

Hallo Herr Heibel,

ich schätze Ihre Ausführungen und Einsichten zum Börsengeschehen seit vielen Jahren. Im aktuellen Ticker hat das Thema "Schulden" einen hohen Stellenwert - zu Recht. Ich fand allerdings Ihre Darstellung von Frankreich, die "ihre Schulden nicht im Griff haben" und daneben Deutschland als Musterschüler darstellen, schlicht falsch.
Ich möchte Ihnen gern meine Sicht der Dinge schildern, die sich eher an Ökonomen wie Heiner Flassbeck orientiert.

1) Die privaten Haushalte haben immer schon gespart, und das ist auch gut und richtig so
2) Früher haben sich die Unternehmen verschuldet, mittlerweile sparen auch diese.
3) In Deutschland möchte nun sogar der Staat sparen: Schuldenbremse, schwarze null

Es ist ja sehr löblich wenn alle sparen wollen. Das Ding ist nur: die Sparguthaben und Schulden auf der Welt saldieren sich zu null. Daraus folgt rein logisch: es können nicht alle sparen. Wenn jemand spart, muss sich jemand anders verschulden.
Oder anders gesagt: damit wir in Deutschland alle so schön sparen können, _brauchen_ wir das Ausland, welches sich verschuldet. Das kann aber schon per Definition nicht jedes Land so machen, der Saldo ist nunmal null.

Und warum kann Deutschland der Sparer sein kann und Frankreich der Schuldner? Das ist natürlich komplex, aber ein wichtiger Grund ist: wir haben uns beim Start der Währungsunion mal auf 2% Inflationsziel geeinigt. In Frankreich sind die Löhne im Schnitt 2% stärker gestiegen als der Produktivitätszuwachs, d.h. dort wurde die richtige Richtung eingeschlagen. Gleichzeitig haben wir in Deutschland die Reallöhne aber abgesenkt, bspw. durch die Agenda 2010, und haben dadurch unsere Wettbewerbsfähigkeit gesteigert.
Die gemeinsam gesetzten Regeln wurden also von beiden Seiten nicht eingehalten, und die Entwicklungen auf beiden Seiten hängen direkt miteinander zusammen. Gemeckert wird aber immer nur mit den Schuldnern, weil sie ihr Geld nicht zusammen halten können.

Damit will ich natürlich nicht sagen, dass es keine Reformen von verkrusteten und unwirtschaftlichen Zuständen geben soll. Ich finde es gut, dass hier Druck aufgebaut wird, um die Produktivität in der gesamten Eurozohne zu erhöhen. Leider treffen die Einsparungen dann aber meist die Schwachen, die keine Lobby haben. Und das führt dann wiederum zu gesellschaftlichen Verwerfungen und dem Erstarken von populistischen Parteien. Ich fände es in einem ersten Schritt schön, wenn die oben genannten Zusammenhänge wahrgenommen und verstanden werden, davon sind wir aber wohl leider weit entfernt.

Sie bekommen viele Nachrichten und dies ist ein komplexes Thema, daher bin ich Ihnen nicht böse wenn Sie nicht antworten. Falls doch, würde ich mich aber sehr über Ihre Einschätzung dazu freuen.

Liebe Grüße,
Michael aus Verl

 Antwort:

Vielen Dank für Ihr Lob und für die offene Auseinandersetzung mit einem Thema, dass durchaus kontrovers gesehen werden kann.

In Ihren Ausführungen fehlt mir der Hinweis auf die Unruhen, mit denen Frankreich seit vielen Jahren zu kämpfen hat. Ich persönlich habe den Eindruck, dass unser Modell, also weniger Lohnsteigerung (kleiner 2%) als Produktivitätswachstum von (größer 2%), zu mehr Wachstum führte, was wiederum der Politik ermöglichte, mehr soziale Transfers umzusetzen. Fand unser Wachstum auf dem Rücken der Franzosen statt?

Meiner Ansicht nach nicht. Ich unterscheide die Politik seit jeher in zwei Lager: Alle wollen sozial sein. Die einen wollen zuerst eine soziale Gerechtigkeit herstellen und bauen darauf, dass sodann das Wirtschaftssystem besser funktioniert (links). Die anderen wollen zuerst ein funktionierendes Wirtschaftssystem aufbauen und setzen darauf, dass dann ausreichend Geld für soziale Transfers übrig bleibt (rechts).

Menschen werden produktiv, wenn sie in einem funktionierenden Anreizsystem arbeiten. Die Politik muss in meinen Augen ausreichend soziale Transfers umsetzen, ohne das Anreizsystem kaputt zu machen. Dies führte unter anderem in der Nachkriegszeit zum Wirtschaftswunder in Deutschland. Seither wird jedoch zuerst verteilt, auch von der vermeintlich „rechten“ CDU. Das funktioniert auf dem Rücken unseres zuvor geschaffenen Kapitalstocks nicht ewig und wir kommen an die Grenzen.

Mit einem funktionierenden Anreizsystem wird von kreativen Menschen Wohlstand geschaffen. Diese Erfahrung sollten wir aus diversen gescheiterten sozialistischen Systemen inzwischen gemacht haben. In Deutschland haben wir eine soziale Marktwirtschaft. Die „Marktwirtschaft“ ist groß geschrieben, sozial ist ein zusätzliches Attribut. Meinem Eindruck nach hat sich diese Priorität seit 20 Jahren umgekehrt ..., in Frankreich schon viel länger.

Die Sichtweise, dass des einen Guthaben des anderen Schulden sind, halte ich für Demagogie. Es ist ein eingeschränktes volkswirtschaftliches Modell, mit dem Wechselwirkungen dargestellt werden. Ein Modell ist eine vereinfachende Darstellung der Realität. In der Realität gibt es noch viel mehr Komponenten, wie beispielsweise der Anreiz, mit dem Menschen arbeiten. Ein starker Anreiz führt zu Innovation und Innovation führt zu Wohlstand. Die Geldmenge mag sich in diesem System auf Null summieren, aber durch Anreiz erzielte Innovationen erhöhen den Wohlstand ungeachtet der Nullsumme.

Ja, das Thema ist komplex und ich merke schon, dass natürlich auch bei meiner Sichtweise genügend Angriffsflächen vorhanden sind. Ich habe zwar Volkswirtschaft studiert, sehe mich aber eher als jemanden, der sein Wissen aus der persönlichen Beobachtung, also Erfahrung, speist. Ich sehe, wie die Menschen, mit denen ich über produktive Tätigkeiten sprechen kann, immer seltener werden. Die meisten wissen genau, was rechtlich zulässig und erforderlich ist, wie man Auflagen erfüllt und was man besser unterlassen sollte.

In diesem Umfeld also zu glauben, ein Lösen der Schuldenbremse würde die Produktivität und den Wohlstand fördern, halte ich für abenteuerlich. Mehr Geld in einem System, das zunehmend darauf ausgerichtet ist, Auflagen zu erfüllen, wird endlich die Auflagen erfüllen, ohne einen wirklichen Mehrwert zu schaffen. Nicht umsonst haben Wolfspeed und Intel Ihre Investitionen abgeblasen, obwohl sie mit Milliardensummen gefördert werden sollten. Geld ist nicht das Problem. Ob Schulden oder Guthaben, ohne ein funktionierendes Anreizsystem passiert gar nichts.

... klingt ziemlich resolut, meine Antwort - ich hoffe, nicht zu harsch: Ich bin Ihnen sehr dankbar für die offene Diskussion, auch wenn ich manchmal meine Punkte recht resolut vertrete. Ich hoffe, Sie kommen damit zurecht :-).


 Frage vom 09.12.2024

#Haftbefehl gegen CEO von Barrick Gold

Guten Tag Herr Heibel,
ich halte aktuell noch ca. 4% meins Depots in GOLD ( Barrick Gold), aktuell noch knapp im Plus.
Nun scheinen dort die Probleme im Loulo-Gounkoto-Vorkommen mit der Malischen Regierung zu eskalieren (hochrangige GOLD-MA verhaftet, Haftbefehl gegen CEO).
Da dieses Vorkommen meinen Recherchen nach ca. 11% bei GOLD ausmacht, ist das ja nicht zu vernachlässigen.
Wie schätzen sie hier die Entwicklung ein, kann das zu einem grösseren Problem werden und ein Verkauf wäre angeraten (Risiko-Management)?
Danke und beste Grüsse
Michael aus Basel

 Antwort:

Ja, tatsächlich wurden 4 Mitarbeiter vorübergehend inhaftiert, inzwischen aber wieder frei gelassen und gegen den CEO Mark Bristow wurde am 5.12. ein Haftbefehl wegen Geldwäsche und dem Verstoß gegen die Finanzregulierung vorgeworfen. Die Loulo-Gounkoto-Goldmine erwirtschaftet je nach Zeitraum 11-17% der Goldproduktion des Konzerns. Für Mali stellt die Mine eine bedeutende Einnahmequelle dar.

Mali befindet sich seit Jahren in einer schweren politischen und sicherheitspolitischen Krise. Nach Militärputschen 2020 und 2021 steht das Land unter militärischer Übergangsregierung. Angekündigte Wahlen für Anfang des Jahres wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Gleichzeitig kämpft es gegen islamistische Aufstände, die durch den Rückzug internationaler Truppen wie der UN-Mission MINUSMA (Frankreich) verschärft wurden.

Russland hat seinen Einfluss in Mali stark ausgebaut. Über die Wagner-Gruppe unterstützt es Mali militärisch und wirtschaftlich. Der Westen bezeichnet die russische Wagner-Truppe als Söldnerarmee, Mali selbst bezeichnet die Truppe als Militär-Ausbilder. Russische Söldner kämpfen gegen Aufständische, während Russland Waffen liefert und im Rohstoffsektor aktiv ist. Diese Zusammenarbeit stärkt Malis Militärregierung, wird jedoch von Menschenrechtsverletzungen und geopolitischen Spannungen überschattet.

Jetzt wollen Sie von mir wissen, was ich tun würde? Nun, ich meide solche Krisenherde mit meinem Kapital. Bis vor wenigen Jahren galten die Minen, die Barrick Gold betrieb, als „sicher“. In den vergangenen Jahren hingegen nahmen die Spannungen in dem einst von Frankreich kontrollierten Staat zu. Heute könnte sich das Blatt erneut gewendet haben, nachdem der Einfluss Russlands in Syrien einen Dämpfer erhalten hat. Von Syrien aus wurde Berichten zufolge die Unterstützung für Mali gesteuert. Mag also sein, dass die Aktie von Barrick Gold, die die jüngste Goldpreishausse nicht mitgemacht hat, dies nun nachholt? Ich weiß es nicht.

In meinen Augen ist Barrick Gold derzeit extrem günstig bewertet und selbst eine „teure“ Einigung mit der Militärregierung würde der Aktie meiner Einschätzung nach gut tun. Aber das ist eine Spekulation. Mit 4% Portfolioanteil wäre das für meinen Geschmack schon eine recht große Spekulation.

Soweit meine Gedanken zu Ihrer Frage, ohne dass ich Ihnen einen Königsweg aufzeigen kann. Für die Zukunft: Lieber in [Wheaton Precious Metals investieren](https://www.heibel-ticker.de/updates/wheaton-precious-metals), denn deren Management ist nicht operativ mit dem Betrieb von Minen und dem Besänftigen von fremden Regierungen beschäftigt :-).


 Frage vom 09.12.2024

#Aktienrückkauf bei Teamviewer

ich habe mir gerade Ihre alte Liebe Teamviewer angeschaut. Wenn ich das richtig verstehe, kaufen die ununterbrochen eigene Aktien zurück. Aber mit Hilfe von Krediten. Das verstehe ich nicht. Machen die eine Art Geschäft wie die Short-Seller? Kaufen in der Hoffnung, daß sie bald mehr wert sind? Die müssen doch auch Sicherheiten dafür hinterlegen. Mir fehlt voll das Verständnis. Wenn die Überschuß haben, dann soll das in Ordnung sein. Sollte man nicht zuallererst versuchen, seine Schulden loszuwerden? Oder ist die Steuerpolitik derart ausgerichtet, daß es Sinn macht, Schulden zu haben?

Außerdem habe ich nichts gefunden, was mit den gekauften Aktien passiert. Ob sie eingezogen oder als Währung gebunkert werden. Das wäre relevant und auch einfach zu verstehen.

Ich fürchte, das Thema greift zu sehr in die Feinheiten der volkswirtschaftlichen Lehren ein, die man in einem Studium über eine längere Zeit lernt.

Freundliche Grüße,
Siegfried aus Erfurt

 Antwort:

9.12.24:
Teamviewer kauft aktiv Aktien zurück. Ende 2023 wurde ein Volumen von 10 Mio. Aktien im Wert von 150 Mio. Euro beschlossen, im August wurde das Rückkaufprogramm auf 14 Mio. Aktien erhöht. Bis Mitte Dezember, also diese Woche, soll das Programm erfüllt sein.

Damit wurden etwa 8% der ausstehenden Aktien zurückgekauft. Der Großteil soll eingezogen werden, ein kleiner Teil könnte für M&A-Aktivitäten (Merger and Acquisition, also Übernahmen) verwendet werden. Analysten erwarten für das kommende Jahr ein neues Rückkaufprogramm.

Der freie Cashflow 2024 beträgt etwa 200 Mio. EUR - nach Aktienrückkauf und nach Reduzierung der ausstehenden Kredite. Das Unternehmen erwirtschaftet also ausreichend Barmittel, um Aktien zurückzukaufen, ohne neue Kredite aufzunehmen. Tatsächlich sind die ausstehenden Kredite im Jahr 2024 von 537 Mio. auf 470 Mio. EUR (per Ende Sept.) gesunken.

In der modernen Kapitalmarkttheorie kann man je nach Geschäftsmodell eine optimale Schuldenquote errechnen, das habe ich vor 30 Jahren im Studium gelernt ;-). Damit soll der mögliche Gewinn für die Anteilseigner optimiert werden. Es ist gar nicht beabsichtigt, Schulden restlos zu tilgen. Dennoch ist der Schuldenstand von 470 Mio. EUR bei einem Jahresumsatz von 665 Mio. EUR recht hoch. Dank der hohen Gewinnmarge (EBITDA-Marge 42%) ist die Finanzierung aber kein Problem. Sämtliche Schulden könnten mit zwei Jahresgewinnen (EBITDA) vollständig zurückgezahlt werden. Der Großteil der Schulden, nämlich 300 Mio. EUR, läuft noch bis 2031.

Teamviewer zählt hauptsächlich kleine und mittelständische Unternehmen zu seinen Kunden. Dort läuft es zur Zeit etwas träge, Kunden halten sich mit Bestellungen zurück oder gehen nur noch Verpflichtungen für kürzere Laufzeiten ein. Das zeigt sich in der schwachen Entwicklung des Auftragsbuches von Teamviewer. Daher wird das Unternehmen so günstig bewertet: EV/EBITDA 9 bei 30% Gewinnwachstum.

Teamviewer ist in meinen Augen ein weiteres Unternehmen, das derzeit extrem günstig bewertet ist, für einen Kursanstieg jedoch eine Besserung der Konjunktur und insbesondere der Stimmung unter seinen Kunden benötigt. Je nachdem, welche Erwartung Sie für die kommende Bundestagswahl haben, könnte das eine interessante Spekulation werden.

10.12.24:
Heute wurde bekannt gegeben, dass TeamViewer für 720 Mio. USD, finanziert durch Eigenmittel und überwiegend alte Kreditlinien, also Schulden, das britisch-amerikanische Softwareunternehmen 1E übernehmen möchte. Die Übernahme soll Anfang 2025 abgeschlossen werden. Ziel ist die Stärkung der Marktpräsenz in Nordamerika und die Erweiterung des Produktportfolios um Lösungen zur IT-Prozessüberwachung und -Optimierung.

Die Kombination der 1E-IT-Plattform mit TeamViewers Fernwartungslösungen schafft eine umfassende IT-Komplettlösung. Bis 2027 erwartet TeamViewer Umsatzsynergien von 25 Millionen Euro und eine Rückkehr zu zweistelligen Wachstumsraten. Geringe Überschneidung der Kunden ermöglicht zusätzliche Verkaufschancen.

Die Börse reagierte negativ, die Aktie verlor zweistellig, da Aktionäre weitere Aktienrückkäufe in den nächsten zwei Jahren als unwahrscheinlich betrachten. Zudem belastet die Finanzierung über Fremdkapital kurzfristig die Bilanz. Analysten bewerten die Übernahme als strategisch sinnvoll, da sie das Umsatzwachstum und die Marktposition von TeamViewer mittelfristig stärken dürfte. Die kurzfristige negative Reaktion des Marktes könnte sich laut Experten rasch normalisieren.

Die oben angesprochenen Aktienrückkäufe sind damit abgeschlossen, für die kommenden zwei Jahre dürften keine weiteren Rückkaufprogramme gestartet werden. Der nunmehr hohe Schuldenstand und die Ungewissheit, die mit einer so großen Übernahme einher gehen, schrecken Anleger ab. Bis auf Weiteres ist die zuvor positive Entwicklung, die ich in der Bilanz von TeamViewer erkannte, durch die große Ungewissheit auf Eis gelegt.

Zur Dimension: TeamViewer ist 1,9 Mrd. EUR wert und setzt 660 Mio. EUR im Jahr um. Für 1E wird fast ein Drittel der eigenen Marktkapitalisierung bezahlt, dabei setzt das Unternehmen weniger als ein Sechstel von dem um, was TeamViewer umsetzt. Und die EBITDA-Gewinnmarge bei TeamViewer liegt mit 43% über der von 1E mit gerade einmal 26%. Ich würde sagen, da hat CEO Oliver Steil wieder einmal einen stolzen Aufpreis auf den Tisch gelegt. Schade.


 Frage vom 06.12.2024

#Alternativen für die Bank of America

Hallo Herr Heibel,

nach längerer Zeit mal wieder eine Frage von mir. Ich habe immer noch eine kleine Position in Bank of America, die ausgesprochen gut gelaufen ist. Kürzlich hab ich gelesen, dass Warren Buffet seine Anteile an BoA massiv reduziert hat, wie immer aber keine seriöse Begründung dazu gefunden. Zusätzlich hatte ich selber schon an eine Umschichtung in US Banken, die einen größeren Teil ihres Ertrags im Investmentbanking erwirtschaften, gedacht. Wenn ich mich recht erinnere, hatten Sie vor nicht allzu langer Zeit einige Europäische Banken auf dem Schirm, mittlerweile aber wieder davon Abstand genommen. Wie sehen Sie denn die Situation um BoA und die amerikanischen Banken generell?

Zum Schluss noch ein großes Lob. Ich hab mich auch dieses Jahr wieder sehr gut informiert gefühlt! Weiter so.

Herzliche Grüße

Michael aus Vaterstetten

 Antwort:

Vielen Dank für das Lob :-).

Die Bank of America notiert auf einem KGV 2025e von 13 und bietet aktuell eine Dividendenrendite von 2,2%. Die Kursphantasie bei Bankaktien wurde durch den Wahlsieg Donald Trumps ausgelöst, denn von ihm erwartet man eine deutliche Deregulierung. Auflagen, die nach der großen Finanzkrise 2006-2009 eingeführt wurden, dürften von ihm teilweise zurückgenommen werden, wie er es schon ansatzweise in seiner ersten Präsidentschaft tat. Banken werden dann mehr ihre Kreditausleihungen stärker hebeln können, zudem werden hohe Kosten für die Einhaltung regulatorische Erfordernisse wegfallen. Diese beiden Faktoren werden die Gewinne, aber natürlich auch das Risiko, steigern.

Wir haben mit der Allianz einen Versicherungstitel aus der Finanzindustrie im Heibel-Ticker Portfolio. Ja, ich überlege, die Banco Santander ins Portfolio zu holen. Wenn die USA deregulieren, wird Europa nicht lange untätig bleiben können. Gleichzeitig steigen die Schulden vieler Staaten ungebremst weiter, derzeit stehen insbesondere die USA und Frankreich im Fokus. Ich habe mir noch keine abschließende Meinung gebildet, ob ich in diesem Umfeld wirklich eine Bank im Portfolio haben möchte, oder ob mir die Versicherung nicht ausreicht.

Zu Ihren Fragen: Warren Buffet reduziert auch Apple. In meinen Augen kann es zwei Gründe dafür geben: Entweder er bereitet sein Berkshire Hathaway für seinen Nachfolger vor. Er würde Platz schaffen für neue Investmententscheidungen, die ein möglicher Nachfolger dann in den kommenden Jahren für die Umsetzung eigener Ideen nutzen könnte. Oder aber Buffet sieht derzeit tatsächlich ein hohes Bewertungsniveau an den Börsen, das er für Gewinnrealisierungen nutzt. Es wäre nicht das erst Mal, dass er dann, wenn die Märkte kollabieren, mit hohen Cashreserven Schnäppchen einsammelt. Beides sind Entscheidungen, die nicht mit einem Zeithorizont von wenigen Montane getroffen wurden, sondern eher auf Sicht von 1-3 Jahren.

Morgan Stanley hängt stärker am Investmentbanking als die Bank of America, wir hatten Morgan Stanley eine Weile im Portfolio. Deren Geschäft wächst stärker, doch auch die Bewertung ist mit einem KGV 25e von 16 bereits höher. Ich sehe jetzt keine dringende Notwendigkeit umzusatteln.