Leserfragen (Februar 2025)


 Frage vom 27.02.2025

#GE seit 2020 verfünffacht

Hallo Herr Heibel,

Ich habe gerade auf Ihrer Blog-Seite Heibel-Unplugged eine Leserfrage zu GE von September 2020 und Ihre Antwort gefunden.

Sie hatten Recht :)

https://www.heibel-unplugged.de/heibel-ticker-leserfrage-general-electric-hat-talsohle-durchschritten/

Warum investieren Sie bei sowas mit dem Heibel-Ticker nicht? Der Kurs ist seitdem von ca. 40 auf 200 Dollar gestiegen.

Sven aus Stuttgart

 Antwort:

Tja, damals passte General Electric nicht in unser Portfolio, andere Aktien gefielen mir noch besser. Das Bessere ist des Guten Tod ;-). Aus heutiger Sicht wäre ein Verfünffacher natürlich immer eine beliebte Position in jedem Portfolio. Aber nur weil eine Aktie gute Aussichten hat, passt sie nicht immer gleich auch in unser Portfolio.

Sie wissen ja, ich möchte niemals mehr als 20 Positionen im Portfolio haben, sonst drohen wir die Übersicht zu verlieren. Für jede neue Position muss also eine alte Position rausfliegen.

Es gibt genügend Börsendienste, die über Jahre jede Empfehlung mit ins Portfolio aufnehmen und nach einigen Jahren dann die besten Performer für ihre Werbung nutzen. Dabei wird dann jedoch nicht berücksichtigt, dass diese Positionen vielleicht nur eine von 100 sind und somit für die Gesamtentwicklung des Portfolios kaum ins Gewicht fallen.

Die Kunst ist es, stets die besten Aktien mit gleichzeitig einer gesunden Diversifizierung im Portfolio zu haben. Und immerhin haben wir 2020 auch Nvidia und Apple ins Heibel-Ticker Portfolio geholt, mit ServiceNow haben wir damals innerhalb des Jahres 57% Plus gemacht und etwa zeitgleich zur GE-Analyse haben wir Meta, damals noch Facebook, ins Depot geholt.

Eine Börsenregel besagt: "No should have, could have, would have’s“, keine hätte, könnte, würde’s, denn wenn wir mit dem heutigen Wissen zurückblicken und solche Fragen beantworten wollen, endet das zwangsläufig im Wahnsinn ;-).


 Frage vom 21.02.2025

#Quanta: Ein heimlicher Gewinner der Energiewende

Hallo Herr Heibel,
Vllt wäre das ja eine Alternative zu first solar?
Spannendes Unternehmen welches ich bisher (leider) auch noch nicht kannte.

Mit freundlichen Grüßen und Vorfreude auf die abendliche Lektüre ;)

Stefan aus Bad Saarow

 Antwort:

Quanta Services (PWR) ist ein führender EPC-Dienstleister (Engineering, Procurement & Construction) für die Infrastruktur von Strom- und Gasversorgern, erneuerbaren Energien, Kommunikationsnetzen sowie Pipelines und Energieanlagen. Während Rechenzentren und Künstliche Intelligenz die Stromnachfrage in ungeahnte Höhen treiben, sind die Netze vielerorts veraltet. Quanta sitzt an der Schnittstelle dieser Megatrends: Ob Strommasten oder unterirdisch verlegte Strom-Verteilernetze bis hin zu Breitbandnetzen werden Bau und Instandhaltung in den USA angeboten.

85% der Arbeiten werden selbst durchgeführt, im Gegensatz zum branchenüblichen Einsatz von Sub-Unternehmern, die häufig 50% oder mehr ausmachen. Das sichert Qualität und Kontrolle. Zudem hat Quanta mit über 50.000 Mitarbeitern eine Mannschaft, die flexibel auf Marktveränderungen reagieren kann. Über 250 Firmen wurden in den letzten Jahren übernommen und integriert, Quanta’s Kultur sorgt für eine nahtlose Integration der übernommenen Unternehmen und somit für nachhaltiges Wachstum.

Das Unternehmen notiert aktuell bei 17x 2026e EV/EBITDA, während vergleichbare EPCs nur mit dem 10-fachen bewertet sind. Die Phantasie beim Ausbau der KI-Infrastruktur hat also bereits zu einer ordentlich hohen Bewertung geführt. In den vergangenen drei Monaten ging die Aktie um 20% zurück.

Gestern veröffentlichte Quanta Q-Zahlen: Umsatzwachstum im zweistelligen Bereich, Rekord-EBITDA und volle Auftragsbücher von 34,5 Mrd. USD zeigen, dass das Unternehmen weiterhin auf Kurs ist. CEO Duke Austin betont, dass Quanta perfekt positioniert ist, um von der wachsenden Energienachfrage zu profitieren. Besonders die zunehmende Elektrifizierung und der Ausbau von KI-gestützten Rechenzentren treiben den Investitionsbedarf für Stromnetze und Infrastruktur. Die Nachfrage nach neuen Energiequellen und Netzmodernisierung sei so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr, und Quanta sei mittendrin. Die Erhöhung der Unternehmens-Prognosen für den Erneuerbaren-Bereich stützt sich auf gesicherte Aufträge bis weit ins Jahr 2027.

In der Telco äußerten Analysten Bedenken, ob der aktuelle Boom in erneuerbaren Energien und Netzausbau langfristig anhält. Austin konterte: „Die Nachfrage ist da, die Kapazitäten fehlen – das Problem ist nicht, was gebaut wird, sondern dass wir es schnell genug bauen.“

Bis einschließlich 2028 möchte das Unternehmen seinen Umsatz jährlich um 10-15% steigern, der Gewinn wächst proportional dazu mit. Das hohe Wachstum ist mit einem EV/EBITDA von 17 in meinen Augen fair bewertet. Die Dividendenrendite ist vernachlässigbar (0,1%). Wer ein langfristig solides Unternehmen sucht, bei dem er mitsegeln möchte, erhält hier derzeit eine günstige Einstiegsgelegenheit.


 Frage vom 21.02.2025

#Alternative zum Bitcoin ETC

Hallo Herr Heibel,

ich bin seit längerem im Bitcoin über A27Z30 investiert. Dank Ihrer Empfehlung. :-)

Ich weiß es sehr zu schätzen, dass hier die Gewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei sind. Jedoch werden immerhin 2% jährliche Gebühr fällig. (Was grundsätzlich okay ist)

A3GPMN erhebt lediglich eine Gebühr von 0,25%. Da der Bitcoin auch hier physisch hinterlegt wird, sollten Gewinne doch ebenfalls nach einem Jahr steuerfrei sein.

Wäre das dann nicht die bessere (preiswertere) Alternative oder hat sich ein Denkfehler bei mir eingeschlichen?

Viele Grüße Roy aus Lützen

 Antwort:

Der von Ihnen genannte ETF bildet den Compass Crypto Reference Index Bitcoin ab, ein Index, der den Bitcoin-Kurs in London täglich zu Börsenschluss widerspiegelt. Es sind keine Bitcoins hinterlegt, damit ist dieses Finanzprodukt auch nicht steuerfrei nach einem Jahr. Da keine Bitcoins hinterlegt werden, sondern nur die Preisentwicklung eines Indexes über Derivate abgebildet wird, ist der Betrieb des ETFs günstiger und somit können günstigere Gebühren angeboten werden. Zum Spekulieren ist das okay, wer jedoch Bitcoins langfristig als Absicherung haben möchte, ist hier falsch.

Es ist schon ärgerlich, denn der ETF nennt sich "CoinShares Physical Bitcoin", in meinen Augen ist das eine Irreführung.

RÜCKFRAGE

Hallo Herr Heibel,

Ihre Info ist insofern unglaublich, weil ich meine Infos aus einer Empfehlung eines Newsletters habe. Da wäre ich denen wohl auf den Leim gegangen.

Darf ich fragen, wo Sie recherchieren, um solche Infos prüfen?

Vielen Dank und Grüße

Roy

RÜCKANTWORT

Zu jedem Finanzprodukt muss ein Basisinformationsblatt (BIB) hinterlegt werden. Bei der Comdirect ist das bereits auf der Übersichtsseite direkt verlinkt. Wenn Sie also bei[Comdirect die WKN A3GPMN eingeben](https://www.comdirect.de/inf/zertifikate/detail/uebersicht/indexzertifikat.html?SEARCH_REDIRECT=true&REDIRECT_TYPE=WKN&REFERER=search.general&ID_NOTATION=341641270&SEARCH_VALUE=A3GPMN), sehen Sie rechts unten unter „Prospekte“ den Link zum [Basisinformationsblatt](https://kid.ttmzero.com/coinshares/GB00BLD4ZL17_latest_de_DE.pdf).

Dann muss man lesen. Bei „Art“ wird erklärt, dass der Compass Crypto Reference Index Bitcoin zugrunde liegt. Wenn Sie dann nach diesem Index googeln, kommen Sie auf die Seite von [Compass Financial Technologies](https://www.compassft.com/indice/ccribtc/)

Am Ende der Seite wird der Index kurz beschrieben :-).


 Frage vom 15.02.2025

#Ripple (XRP)

Sehr geehrter Herr Heibel,

als erstes besten Dank für Ihre stets glasklaren und unterhaltsamen Analysen !
Haben Sie eine Einschätzung zu den derzeit kontrovers besprochenen Ripple Papieren, die
entweder in Kürze bei Null oder im Steigflug zu mehreren tausend Prozent Gewinn gesehen werden ? Vielen
Dank für Ihren Kommentar und beste Grüsse, Kai aus Garching

 Antwort:

Ripple (XRP) ist ein digitales Zahlungsprotokoll und eine Kryptowährung, die entwickelt wurde, um schnelle, kostengünstige und effiziente grenzüberschreitende Transaktionen zu ermöglichen. Das zugrundeliegende Unternehmen Ripple Labs verfolgt das Ziel, traditionelle Zahlungssysteme wie SWIFT zu ersetzen oder zu ergänzen, indem es Banken, Finanzdienstleister und Unternehmen eine effizientere Alternative bietet. Im Gegensatz zu Bitcoin wird XRP von einer zentralen Firma (Ripple Labs) verwaltet.

Somit ist Ripple ein Projekt oder Unternehmen, das sich die Ablösung des internationalen Swift-Zahlugnssystems zur Aufgabe gemacht hat. Interessanter Ansatz, aber das hat nichts mit Bitcoin oder dezentraler Eigentümerstruktur zu tun. Es ist ein Unternehmen, ein Start-Up, über dessen Erfolg oder Misserfolg wir in einigen Jahren berichten können. Zum jetzigen Zeitpunkt ist mir dieses Start-Up zu riskant.


 Frage vom 13.02.2025

#Disruptive Aktien

Guten Tag, Herr Heibel,

als erneuter "Neukunde" möchte ich Sie bitten, mir Ihre Kriterien für die Einordnung von Aktien in das Fach "Disruptiv" mitzuteilen.

Es war wieder lehrreich und inspirierend Ihren Heibel Ticker Plus #5 zu lesen, vielen Dank dafür.

Mit freundlichen Grüßen,
Gerhard aus Kornwestheim

 Antwort:

Im Bereich „Disruptiv“ nehmen wir Aktien auf, deren Geschäft unabhängig von Konjunkturschwankungen stark wächst, weil sie entweder ein völlig neues Geschäft begründen, oder aber mit ihrem Produkt bisherige Produkte überflüssig machen - den Markt also verändern.


 Frage vom 13.02.2025

#Goldpreisentwicklung

Hallo Herr Heibel,

da ich leider nicht die politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenhänge so gut wie Sie analysieren und erklären kann, habe ich Ihnen diesen nachfolgenden Link gesendet und hatte gehofft, dass Sie Licht in das Dunkel bringen können.

Seit vielen Jahren steigt der Goldpreis unaufhörlich und viele fragen sich, wie lange das noch so weiter gehen kann? Bisher dachte ich immer, dass der Goldpreis dann stetig steigt, wenn es Kriege gibt, die Inflation stetig steigt, die BRICS-Staaten ihre Währungen absichern wollen, um sich vom Dollar zu lösen
oder wenn das Leben vieler Menschen immer teurer wird und sie den Glauben in die Wirtschaftskraft ihrer Landes verloren haben…

Jetzt kommt aber scheinbar ein neuer Aspekt hinzu, weil die Dollar-Stärke den Euro aktuell runterdrückt, sehen wir aktuell in Euro ein neues Rekordhoch im Goldpreis? Glaubt man diesen aktuellen Meldungen, dann sollte der Goldpreis durch die Trump-Zölle in Kombination mit dem steigenden Kurs USD/EUR kurzfristig fallen und bei Verschärfung der Trump-Zoll-Maßnahmen danach wieder anziehen.

Sehen Sie das auch so oder gibt es noch andere Indikatoren, die den Goldpreis ansteigen lassen könnten?

Schönen Abend und freundliche Grüße
Sören aus Radebeul

 Antwort:

Die Korrelation zwischen Goldpreisentwicklung und Zinsniveau beträgt +0,2: Wenn der Bund-Future steigt, die Zinsen also sinken, steigt der Goldpreis. Steigende Zinsen hingegen führen zu einem fallenden Goldpreis. Das ist einleuchtend, weil Gold keinen Zins abwirft und Anleger den sicheren Zins einer möglichen Preissteigerung im Goldpreis vorziehen.

Die kurzfristigen Treiber des Goldpreises sind tatsächlich sehr vielfältig, Sie haben einige davon aufgezählt :-). Bei Kriegsausbruch ist teilweise zu beobachten, dass der Goldpreis zunächst fällt, später dann aber überproportional steigt. Ähnlich versetzt ist die Reaktion auf andere Entwicklungen, so dass die Korrelation kurzfristig immer fraglich ist.

Daher spekulieren wir auch nur selten auf die nächste Preisbewegung im Goldmarkt, sondern haben Goldbarren als langfristige Vermögenssicherung im Portfolio. Denn langfristig entwertet die Inflation unser Geld, egal ob Euro oder US-Dollar, und der Goldpreis ist ein sicherer Wertaufbewahrungshafen gegen die Inflation.

Das kurzfristige Spekulieren darauf, dass die eine oder andere Entwicklung kurzfristig übertrieben ist oder nachgeholt werden muss, ist mir bei der Schnelligkeit der derzeitigen Entscheidungen zu unsicher. Grundsätzlich kann ich mir gut vorstellen, dass der Goldpreis demnächst erst einmal eine Pause einlegen wird. Wir haben daher aktuell „nur“ 10% des Portfolios in Gold. Sollte der Goldpreis noch weiter ansteigen, würde ich noch ein wenig verkaufen.


 Frage vom 13.02.2025

#First Solar unbeliebt wegen Trumps Energiewende

Guten Tag Herr Heibel,

ich denke das ist eine gute Idee, sich First Solar genauer anzuschauen! Die Firma scheint eine besondere Fotovoltaiktechnik entwickelt zu haben, die in der Herstellung besonders preiswert und in der Lichtausbeute besonders gut ist.

Im Hinblick auf IBM, die Aktie ist in letzter Zeit stark gestiegen und scheint vom KI Boom zu profitieren. Offenbar hat Big Blue eine eigene KI entwickelt, die bei Kunden gut ankommt - was halten Sie davon?

Viele Grüße vom Harz,

Hanns-André aus Seesen

 Antwort:

Die Aktie von First Solar hat sich seit Mai letzten Jahres halbiert. Angst vor der Streichung der Fördermittel für die Solarbranche lassen Anleger die Aktie verkaufen. Dabei ist sie inzwischen bei einem Bewertungsniveau angekommen, das in keinem Verhältnis zu Umsatz und Gewinn steht: Ein EV/EBITDA 2025e von nur noch 5,5 bei 32% erwartetem Umsatzplus und 56% erwartetem Gewinnwachstum.

First Solar ist das Unternehmen mit deutschen Wurzeln, das in den USA die Solarenergie wirtschaftlich machte. Natürlich wird dies nun nicht nur im Falle von wegfallenden Fördermitteln schwerer, sondern auch dann, wenn die durch Trump losgetretene Förderung fossiler Brennstoffe die Energiekosten insgesamt günstiger machen wird. Doch ich denke, diese Sichtweise ist zu einseitig.

Wir sehen heute schon, dass der LNG-Preis (Flüssiggas) in den USA kontinuierlich ansteigt, weil Trump die Export-Terminals genehmigt. Wenn also auch mehr Gas gefördert wird, so wird davon auch mehr nach Europa exportiert. In den USA bleibt der Markt angespannt und der Preis hoch. Der Energiehunger, KI sei Dank, ist so groß, dass ich mir eigentlich einen stark fallenden Energiepreis nicht wirklich vorstellen kann.

Dennoch fällt die Aktie immer weiter ab. Es wäre ein Greifen ins fallende Messer. Wer einen langfristigen Anlagehorizont hat, der kann schon mal eine erste Position eingehen. Ich würde abwarten, bis sich eine Bodenbildung abzeichnet.

IBM arbeitet gefühlt schon ewig an der KI und bot bereits frühzeitig erste Modelle für die breite Öffentlichkeit an. Mag sein, dass das KI-Geschäft IBM neues Leben - und Wachstum - einhaucht. Die Aktie hat dies nun aber bereits berücksichtigt, das EV/EBITDA für 2026e steht bei 16, der Gewinn soll um 5% anwachsen.

IBM hat aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit im Markt viele treue Kunden, deren Datenbasis auf die Segnungen der KI wartet. Zu teuer ist die Aktie zumindest nicht. Und wenn das Wachstum inkl. Gewinnwachstum anzieht, dann könnte die Aktie weiter ansteigen. Also durchaus interessant, aber nicht interessant genug für mich :-).


 Frage vom 13.02.2025

#TUI extrem günstig aber hoch verschuldet

Hallo Herr Heibel,
ich folge bisher dem Ansatz, dass ich nur Aktien von Unternehmen kaufe, deren Geschäftsstelle ich verstehe und deren Produkt ich ggf. selbst kaufen würde, das hat mich (leider) von den High-Techs ferngehalten - sei's drum.

Ich habe stattdessen auf den Hoffnungswert TUI AG gesetzt (mein Kauf lag bei 5 Eur). Die Aktie ist von einem Tief bei 4 Eur auf jetzt über 8 Eur aus eines planmäßigen Schuldenabbaus und besserer Margen aufgrund eines besseren Eigengeschäfts mit Hotels und Kreuzfahrten gestiegen.

Mich beunruhigt allerdings, dass der Anteil der Leerverkäufe von Anfang an um die 11% beträgt. Wo liegt der immer noch hohe Anreiz für die Leer-Verkäufe. Müssen die "Shorties" nicht wieder Kurse um 4-5 Eur erreichen, um keinen Verlust zu machen. Auf der anderen Seite müsste der Kurs 'explodieren', wenn die Shorties aufgeben und 11%, der Aktien zurückkaufen müssen. Wie ist Ihre Einschätzung dazu?

Danke und Grüsse
Nikolaus aus Hamburg

 Antwort:

Na, da haben Sie mich ja auf eine interessante Situation gestoßen: Dienstag veröffentlichte TUI Q-Zahlen, die hinter den Erwartungen blieben. Die Erholung geht Anlegern nicht schnell genug und die Aktie ist um 10% eingebrochen. Auf der Hauptversammlung wurde kritisiert, dass TUI noch keine Dividende auszahlt. Seit 2023 sind alle Staatshilfen (Corona) getilgt.

Doch die Eigenkapitalquote liegt bei nur 15% und TUI möchte nicht nur keine Dividende auszahlen, sondern nun auch noch eine weitere Kapitalerhöhung vorbereiten. Auf der HV wurde das genehmigte Kapital um weitere 20 Mio. EUR erhöht, so dass nun eine Kapitalerhöhung möglich ist. CEO Sebastian Ebel sowie CFO Mathias Kiep versicherten zwar, dass derzeit kein konkreter Plan für eine Kapitalerhöhung vorliege, man wolle nur die Flexibilität bewahren. Doch Anleger sehen in der Möglichkeit zur Kapitalerhöhung einen zu großen Anreiz für das Management, dies auch zu tun.

Das Geschäft entwickelt sich gut. Dank eigener Hotels und Kreuzfahrtschiffe steigt die Rendite überproportional. Das EV/EBITDA 2025e liegt bei nur noch 4: Das Unternehmen erwirtschaftet in vier Jahren so viel Gewinn, wie Sie heute für die Aktie zahlen. Das ist extrem günstig.

Doch die Flugzeugflotte macht Probleme. Zunächst die Boeing-Probleme mit der 737 MAX, die zu einer inzwischen veralteten Fliegerflotte führten. Und auch bei den Hotels und Kreuzfahrtschiffen sind hohe Instandhaltungsinvestitionen erforderlich, um die Angebote für Reisende attraktiv zu halten. Das Geschäft ist daher kapitalintensiv, die Planung ist sehr langfristig. Auf der anderen Seite entscheiden Reisende immer kurzfristiger über ihre nächsten Reiseziele, so dass hier eine Schere auseinander geht.

Kurz gesagt: Ich finde die Aktie extrem spannend. Der Kursrückschlag dieser Tage könnte eine erste Einstiegsgelegenheit darstellen. Mit einer nennenswerten Spekulation würde ich jedoch auf die eventuelle Bekanntgabe einer Kapitalerhöhung warten, denn dadurch werden die ausstehenden Aktien verwässert und deren Kurs belastet. Danach, mit einer höheren Eigenkapitalquote, könnte die Aktie deutliches Aufholpotential haben.

Ich sehe in den Shortpositionen jetzt keine besonders große Gefahr/ Chance: Es gibt aktiv agierende Hedgefonds, die immer einen bestimmten Anteil in Aktien short sind, die bestimmte Charakteristika (bspw. hohe Verschuldung) aufweisen. Das ist dann eher eine Bilanzanalyse als eine Wette.

Für mich ist das aktuell noch zu wenig transparent: Wie sieht denn die tatsächliche Kapitalstrategie des Unternehmens aus? Der aktuell hohe Gewinn wird zum Großteil zum Bedienen der Schulden und für Instandhaltungsinvestitionen verwendet. Tilgung ist da eher nebensächlich. Die vergangenen zwei Jahren hat sich das Geschäft stabilisiert und das Unternehmen könnte sich zu dieser frage inzwischen ruhig äußern. Das würde ich abwarten.


 Frage vom 13.02.2025

#BP nach Einstieg von Elliot Management

Hallo Herr Heibel,

habe mir gestern BP angeschaut, weil Elliot dort eingestiegen ist.

Gruß, Siegfried aus Erfurt

 Antwort:

BP ist günstig bewertet, verzeichnet aber eine rückläufige Umsatzentwicklung. Der Ölkonzern bietet 5,6% Dividendenrendite und hob in den vergangenen 10 Jahren 7x die Dividende an, doch leider erfolgten auch zwei Dividendenkürzung, so dass sich die Aktie nicht als Dividendentitel qualifiziert.

Mit einem EV/EBITDA von 4 ist die Bewertung zwar günstig, entspricht aber dem Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre. Für die kommenden zwei Jahre ist bei gleichbleibendem Umsatz ein Gewinnsprung in Aussicht gestellt worden, so dass diese Bewertungskennziffer auf 3,6 fallen könnte. Damit gibt es ein wenig Kurspotential und eine attraktive Dividende.

Seit dem Einstieg von Elliot ist die Aktie bereits kräftig angesprungen. Die Effizienzsteigerungen, die Anleger sich nun von dem Engagement Elliott versprechen, werden bei einem Koloss wie BP jedoch eine Weile benötigen. Somit ist in meinen Augen dieser Aspekt derzeit erstmal ausreichend eingepreist.

Wirklich begeistern tut mich das nicht.