| Antwort: Na, da haben Sie mich ja auf eine interessante Situation gestoßen: Dienstag veröffentlichte TUI Q-Zahlen, die hinter den Erwartungen blieben. Die Erholung geht Anlegern nicht schnell genug und die Aktie ist um 10% eingebrochen. Auf der Hauptversammlung wurde kritisiert, dass TUI noch keine Dividende auszahlt. Seit 2023 sind alle Staatshilfen (Corona) getilgt.
Doch die Eigenkapitalquote liegt bei nur 15% und TUI möchte nicht nur keine Dividende auszahlen, sondern nun auch noch eine weitere Kapitalerhöhung vorbereiten. Auf der HV wurde das genehmigte Kapital um weitere 20 Mio. EUR erhöht, so dass nun eine Kapitalerhöhung möglich ist. CEO Sebastian Ebel sowie CFO Mathias Kiep versicherten zwar, dass derzeit kein konkreter Plan für eine Kapitalerhöhung vorliege, man wolle nur die Flexibilität bewahren. Doch Anleger sehen in der Möglichkeit zur Kapitalerhöhung einen zu großen Anreiz für das Management, dies auch zu tun.
Das Geschäft entwickelt sich gut. Dank eigener Hotels und Kreuzfahrtschiffe steigt die Rendite überproportional. Das EV/EBITDA 2025e liegt bei nur noch 4: Das Unternehmen erwirtschaftet in vier Jahren so viel Gewinn, wie Sie heute für die Aktie zahlen. Das ist extrem günstig.
Doch die Flugzeugflotte macht Probleme. Zunächst die Boeing-Probleme mit der 737 MAX, die zu einer inzwischen veralteten Fliegerflotte führten. Und auch bei den Hotels und Kreuzfahrtschiffen sind hohe Instandhaltungsinvestitionen erforderlich, um die Angebote für Reisende attraktiv zu halten. Das Geschäft ist daher kapitalintensiv, die Planung ist sehr langfristig. Auf der anderen Seite entscheiden Reisende immer kurzfristiger über ihre nächsten Reiseziele, so dass hier eine Schere auseinander geht.
Kurz gesagt: Ich finde die Aktie extrem spannend. Der Kursrückschlag dieser Tage könnte eine erste Einstiegsgelegenheit darstellen. Mit einer nennenswerten Spekulation würde ich jedoch auf die eventuelle Bekanntgabe einer Kapitalerhöhung warten, denn dadurch werden die ausstehenden Aktien verwässert und deren Kurs belastet. Danach, mit einer höheren Eigenkapitalquote, könnte die Aktie deutliches Aufholpotential haben.
Ich sehe in den Shortpositionen jetzt keine besonders große Gefahr/ Chance: Es gibt aktiv agierende Hedgefonds, die immer einen bestimmten Anteil in Aktien short sind, die bestimmte Charakteristika (bspw. hohe Verschuldung) aufweisen. Das ist dann eher eine Bilanzanalyse als eine Wette.
Für mich ist das aktuell noch zu wenig transparent: Wie sieht denn die tatsächliche Kapitalstrategie des Unternehmens aus? Der aktuell hohe Gewinn wird zum Großteil zum Bedienen der Schulden und für Instandhaltungsinvestitionen verwendet. Tilgung ist da eher nebensächlich. Die vergangenen zwei Jahren hat sich das Geschäft stabilisiert und das Unternehmen könnte sich zu dieser frage inzwischen ruhig äußern. Das würde ich abwarten.
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