| Antwort: Ich habe geschrieben: „Als Spekulation auf einen steigenden Bitcoin ist die Aktie von Micro Strategy gut geeignet, denn sie entwickelt sich wie ein gehebelter Optionsschein zum Bitcoin-Preis.“
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Der Grafik ist zu entnehmen, dass sowohl unser Bitcoin-ETC als auch die Aktie von MicroStrategy vor zwei Jahren bei 20 USD standen. Inzwischen ist MicroStrategy bei 353 USD angelangt, eine Versiebzehnfachung. Bitcoin hat sich in dieser Zeit „nur“ vervierfacht. Beide Kurse laufen parallel, die Aktie von MicroStrategy schlägt jedoch sowohl nach oben als auch nach unten viel stärker aus. Daher sprach ich vom Verhalten „wie“ ein gehebelter Optionsschein. Natürlich weiß ich, dass die Aktie kein Optionsschein ist, daher spreche ich ja vom Verhalten.
Schauen wir uns mal das Geschäft von MicroStrategy an: MicroStrategy generiert Einnahmen durch den Verkauf von Business-Intelligence-Software und zugehörigen Dienstleistungen. In den letzten Jahren zeigte sich jedoch ein Rückgang in diesem Segment. Im Q2 2024 sank der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 7,4%.
Die Gewinnentwicklung unterliegt starken Schwankungen und immer wieder Jahren, in denen Verluste erwirtschaftet werden. Obwohl MicroStrategy früher mal als führender Anbieter von Business-Intelligence-Lösungen galt, hat die zunehmende Konkurrenz und der technologische Wandel den Marktanteil des Unternehmens beeinträchtigt.
In der Bilanz 2019 wurden Bar- und Bitcoin-Bestände letztmalig gesondert ausgewiesen. Der Enterprise Value des Softwaregeschäfts betrug damals 1 Mrd. USD bei 500 Mio. USD Jahresumsatz und einer Gewinnmarge (EBITDA) von 79%. Für 2025 gehen Analysten von einem Jahresumsatz von 480 Mio. USD und einer Gewinnmarge von 73% aus, beide Ziffern also leicht rückläufig. Legen wir mal großzügig weiterhin 1 Mrd. USD Enterprise Value für das rückläufige Softwaregeschäft von MicroStrategy an.
Aktuell wird MicroStrategy mit 85 Mrd. USD Enterprise Value bewertet. Wenn wir davon 1 Mrd. USD vom Softwaregeschäft abziehen, bleiben 84 Mrd. USD. In der Bilanz schlummern 386.700 Bitcoins, die bei einem Kurs von 95.000 USD insgesamt 36,7 Mrd. USD wert sind.
Zuletzt wurde eine Wandelanleihe mit einem Volumen von 3 Mrd. USD ausgegeben und Aktien im Wert von 2,46 Mrd. USD platziert. Die 5,46 Mrd. USD verwendet MicroStrategy, um Bitcoin zu kaufen.
Für Neuaktionäre ist das ein ziemlich schlechtes Geschäft. Sie erhalten Anteile an einem Unternehmen, das vermutlich nur 1 Mrd. USD + 36,7 Mrd. USD = 37,7 Mrd. USD wert ist. Inklusive der beiden Kapitalerhöhungen ist das Unternehmen dann 37,7 + 5,46 = 43,16 Mrd. USD wert. Sie müssen also damit rechnen, dass sich ihre Aktie halbiert.
Für die Altaktionäre ist das jedoch genial: Wer frühzeitig in MicroStrategy investierte, kann sich nun darüber freuen, dass Neuaktionäre bei Kapitalerhöhungen oder Wandelanleihen stets doppelt so viel zahlen müssen, wie das Unternehmen eigentlich wert ist. Damit können doppelt so viele Bitcoin gekauft werden. Solange also eine Nachfrage nach den Aktien besteht, wird kein Altaktionär seine Aktien verkaufen.
Damit hat MicroStrategy ein System aufgebaut, das sich selbst nährt. Mit jeder Kapitalmaßnahme steigt der innere Wert der Altaktien überproportional. Da die Bitcoiners ohnehin nicht zocken, sondern langfristig ihr Geld im Bitcoin, oder in diesem Fall in MicroStrategy, parken wollen, könnte diese Methode noch lange anhalten.
In den vergangenen Tagen ist nun die Aktie von MicroStrategy von ihrem Allzeithoch bei 543 USD (vergangene Woche Mittwoch) auf inzwischen 386 USD eingebrochen. Wenn Altaktionäre nun Kasse machen, könnte sich das System gegen MicroStrategy wenden: Der Ausverkauf könnte entsprechend heftig ausfallen. Oder, wie wir oben ausgerechnet haben, die Aktie könnte durchaus bis auf 240 USD fallen, um einen fairen Wert darzustellen.
Ich habe mir natürlich auch die Bilanz ein wenig näher angeschaut: 4,2 Mrd. USD an Schulden sind darin enthalten, davon werden 2,6 Mrd. USD im Jahr 2029 fällig. Bei einem Bitcoin-Vermögen von aktuell 36,7 Mrd. USD läuft das Unternehmen nicht Gefahr, Probleme bei einer Anschlussfinanzierung zu bekommen. Sprich: Das Unternehmen ist gar nicht so stark gehebelt, wie dies häufig dargestellt wird. Die Aktie verhält sich nur so. Aber auf dem Weg nach unten, wenn also durch einen Aktienkurseinbruch ein faires Bewerbungsniveau gesucht wird, dürfte die Aktie tatsächlich im Bereich der 240 USD Halt machen. Denn die Gefahr, dass die Finanzierungen der Bitcoins notleidend werden könnten, sehe ich nicht.
240 USD, solange der Bitcoin nicht weiter einbricht. Wenn der Bitcoin weiter gen Süden läuft, fällt natürlich auch die Aktie von MicroStrategy entsprechend tiefer.
Institutionelle Anleger suchen stets nach Anlagemöglichkeiten OHNE Risiko. Dazu geht man häufig „Pair-Trades“ ein, macht also zu einem Geschäft ein passendes Gegengeschäft. So kann man derzeit beispielsweise die Aktie von MicroStrategy Leerverkaufen und vom Leerverkaufserlös Bitcoin kaufen. Die Spekulation zielt darauf ab, dass sich die gehebelte Kursentwicklung nach oben nicht fortsetzt.
Wenn also der Bitcoin nun um 10% steigt, sollte die Aktie von MicroStrategy um weniger als 10% ansteigen, damit sich die Überbewertung, die wir oben errechnet haben, langsam verringert. Somit würde der Wertverlust in der Leerverkaufsposition von MicroStrategy geringer sein als der Wertzuwachs in der Bitcoin-Position.
Sollte der Bitcoin hingegen um 10% fallen, dann dürfte die Aktie von MicroStrategy stärker als um 10% fallen, damit sich auch in diesem Fall die oben errechnete Überbewertung verringert. Damit würde man an der Leerposition mehr verdienen, als man in der Bitcoin-Position verliert.
Mit dieser Strategie können Sie also ohne Kapitaleinsatz Geld verdienen, egal ob der Bitcoin steigt oder fällt, sofern sich die oben errechnete Überbewertung abbaut.
Jetzt fragen Sie mich vielleicht, wohin die Aktie als nächstes laufen wird? Nun, das hängt in dem Fall von MicroStrategy weniger von der Geschäftsentwicklung und auch weniger von der Bitcoin-Preisentwicklung ab als vielmehr vom Verhalten der institutionellen Anleger, die den Pair Trade eingegangen sind. Das ist schwer abschätzbar, da es über das Volumen keine verlässlichen Zahlen gibt. |