Leserfragen (November 2024)


 Frage vom 27.11.2024

#Abbau der Überbewertung bei MicroStrategy

wieso kapieren das 99% der Leute nicht, MSTR ist derzeit bei weitem kein gehebelter Bitcoin sondern das krasse Gegenteil!!!

Man schaut wieviel Bitcoin die besitzen (331.000) multipliziert mit dem Preis nahe 100.000 und kommt auf 33 MRD, nach der Anleihe etwas mehr aber dagegen stehen natürlich nun auch MRD Schulden. Der Börsenwert aber war am Donnerstag 110 MRD also mehr als das Dreifache des fairen Werts!! Das übrige Geschäft ist absolut vernachlässigbar. Deshalb ist der Preis auch nach der idiotischen Fahnenstange wie ein Stein gefallen und Citron Research hat ganz recht sich mit MSTR shorts gegen Bitcoin long zu hedgen. Denn steigt zb der Bitcoin um 10% auf 110 steigt der innere Wert von MSTR aufgrund des Gaga-Börsenwerts gerade mal um 3-4%. Jeder schaut sich das an und plappert nach was die "Analysten" labern aber das ist bei weitem keine gehelte Wette auf den Bitcoin sondern die verrückteste Überbewertung des Jahres. Natürlich ist es hochgradig erstaunlich dass er zu den Kursen seine Anleihe losbekommt zu 0% und einem conversion premium also einem Aufschlag von 55%. Man darf dann irgendwie hoffen dass der Kurs auf circa 775 steigt um dann in AKtien zu wandeln, kein normaler Mensch kauft so etwas. Deshalb ist unser stupid german money von der Allianz mit 25% nun beteiligt. Witzig.

Grüße
Dominik

 Antwort:

Ich habe geschrieben: „Als Spekulation auf einen steigenden Bitcoin ist die Aktie von Micro Strategy gut geeignet, denn sie entwickelt sich wie ein gehebelter Optionsschein zum Bitcoin-Preis.“

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Der Grafik ist zu entnehmen, dass sowohl unser Bitcoin-ETC als auch die Aktie von MicroStrategy vor zwei Jahren bei 20 USD standen. Inzwischen ist MicroStrategy bei 353 USD angelangt, eine Versiebzehnfachung. Bitcoin hat sich in dieser Zeit „nur“ vervierfacht. Beide Kurse laufen parallel, die Aktie von MicroStrategy schlägt jedoch sowohl nach oben als auch nach unten viel stärker aus. Daher sprach ich vom Verhalten „wie“ ein gehebelter Optionsschein. Natürlich weiß ich, dass die Aktie kein Optionsschein ist, daher spreche ich ja vom Verhalten.

Schauen wir uns mal das Geschäft von MicroStrategy an: MicroStrategy generiert Einnahmen durch den Verkauf von Business-Intelligence-Software und zugehörigen Dienstleistungen. In den letzten Jahren zeigte sich jedoch ein Rückgang in diesem Segment. Im Q2 2024 sank der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 7,4%.

Die Gewinnentwicklung unterliegt starken Schwankungen und immer wieder Jahren, in denen Verluste erwirtschaftet werden. Obwohl MicroStrategy früher mal als führender Anbieter von Business-Intelligence-Lösungen galt, hat die zunehmende Konkurrenz und der technologische Wandel den Marktanteil des Unternehmens beeinträchtigt.

In der Bilanz 2019 wurden Bar- und Bitcoin-Bestände letztmalig gesondert ausgewiesen. Der Enterprise Value des Softwaregeschäfts betrug damals 1 Mrd. USD bei 500 Mio. USD Jahresumsatz und einer Gewinnmarge (EBITDA) von 79%. Für 2025 gehen Analysten von einem Jahresumsatz von 480 Mio. USD und einer Gewinnmarge von 73% aus, beide Ziffern also leicht rückläufig. Legen wir mal großzügig weiterhin 1 Mrd. USD Enterprise Value für das rückläufige Softwaregeschäft von MicroStrategy an.

Aktuell wird MicroStrategy mit 85 Mrd. USD Enterprise Value bewertet. Wenn wir davon 1 Mrd. USD vom Softwaregeschäft abziehen, bleiben 84 Mrd. USD. In der Bilanz schlummern 386.700 Bitcoins, die bei einem Kurs von 95.000 USD insgesamt 36,7 Mrd. USD wert sind.

Zuletzt wurde eine Wandelanleihe mit einem Volumen von 3 Mrd. USD ausgegeben und Aktien im Wert von 2,46 Mrd. USD platziert. Die 5,46 Mrd. USD verwendet MicroStrategy, um Bitcoin zu kaufen.

Für Neuaktionäre ist das ein ziemlich schlechtes Geschäft. Sie erhalten Anteile an einem Unternehmen, das vermutlich nur 1 Mrd. USD + 36,7 Mrd. USD = 37,7 Mrd. USD wert ist. Inklusive der beiden Kapitalerhöhungen ist das Unternehmen dann 37,7 + 5,46 = 43,16 Mrd. USD wert. Sie müssen also damit rechnen, dass sich ihre Aktie halbiert.

Für die Altaktionäre ist das jedoch genial: Wer frühzeitig in MicroStrategy investierte, kann sich nun darüber freuen, dass Neuaktionäre bei Kapitalerhöhungen oder Wandelanleihen stets doppelt so viel zahlen müssen, wie das Unternehmen eigentlich wert ist. Damit können doppelt so viele Bitcoin gekauft werden. Solange also eine Nachfrage nach den Aktien besteht, wird kein Altaktionär seine Aktien verkaufen.

Damit hat MicroStrategy ein System aufgebaut, das sich selbst nährt. Mit jeder Kapitalmaßnahme steigt der innere Wert der Altaktien überproportional. Da die Bitcoiners ohnehin nicht zocken, sondern langfristig ihr Geld im Bitcoin, oder in diesem Fall in MicroStrategy, parken wollen, könnte diese Methode noch lange anhalten.

In den vergangenen Tagen ist nun die Aktie von MicroStrategy von ihrem Allzeithoch bei 543 USD (vergangene Woche Mittwoch) auf inzwischen 386 USD eingebrochen. Wenn Altaktionäre nun Kasse machen, könnte sich das System gegen MicroStrategy wenden: Der Ausverkauf könnte entsprechend heftig ausfallen. Oder, wie wir oben ausgerechnet haben, die Aktie könnte durchaus bis auf 240 USD fallen, um einen fairen Wert darzustellen.

Ich habe mir natürlich auch die Bilanz ein wenig näher angeschaut: 4,2 Mrd. USD an Schulden sind darin enthalten, davon werden 2,6 Mrd. USD im Jahr 2029 fällig. Bei einem Bitcoin-Vermögen von aktuell 36,7 Mrd. USD läuft das Unternehmen nicht Gefahr, Probleme bei einer Anschlussfinanzierung zu bekommen. Sprich: Das Unternehmen ist gar nicht so stark gehebelt, wie dies häufig dargestellt wird. Die Aktie verhält sich nur so. Aber auf dem Weg nach unten, wenn also durch einen Aktienkurseinbruch ein faires Bewerbungsniveau gesucht wird, dürfte die Aktie tatsächlich im Bereich der 240 USD Halt machen. Denn die Gefahr, dass die Finanzierungen der Bitcoins notleidend werden könnten, sehe ich nicht.

240 USD, solange der Bitcoin nicht weiter einbricht. Wenn der Bitcoin weiter gen Süden läuft, fällt natürlich auch die Aktie von MicroStrategy entsprechend tiefer.

Institutionelle Anleger suchen stets nach Anlagemöglichkeiten OHNE Risiko. Dazu geht man häufig „Pair-Trades“ ein, macht also zu einem Geschäft ein passendes Gegengeschäft. So kann man derzeit beispielsweise die Aktie von MicroStrategy Leerverkaufen und vom Leerverkaufserlös Bitcoin kaufen. Die Spekulation zielt darauf ab, dass sich die gehebelte Kursentwicklung nach oben nicht fortsetzt.

Wenn also der Bitcoin nun um 10% steigt, sollte die Aktie von MicroStrategy um weniger als 10% ansteigen, damit sich die Überbewertung, die wir oben errechnet haben, langsam verringert. Somit würde der Wertverlust in der Leerverkaufsposition von MicroStrategy geringer sein als der Wertzuwachs in der Bitcoin-Position.

Sollte der Bitcoin hingegen um 10% fallen, dann dürfte die Aktie von MicroStrategy stärker als um 10% fallen, damit sich auch in diesem Fall die oben errechnete Überbewertung verringert. Damit würde man an der Leerposition mehr verdienen, als man in der Bitcoin-Position verliert.

Mit dieser Strategie können Sie also ohne Kapitaleinsatz Geld verdienen, egal ob der Bitcoin steigt oder fällt, sofern sich die oben errechnete Überbewertung abbaut.

Jetzt fragen Sie mich vielleicht, wohin die Aktie als nächstes laufen wird? Nun, das hängt in dem Fall von MicroStrategy weniger von der Geschäftsentwicklung und auch weniger von der Bitcoin-Preisentwicklung ab als vielmehr vom Verhalten der institutionellen Anleger, die den Pair Trade eingegangen sind. Das ist schwer abschätzbar, da es über das Volumen keine verlässlichen Zahlen gibt.


 Frage vom 27.11.2024

#Gleichbehandllungsgrundsatz Analysten vs. Privatanleger

Guten Tag Herr Heibel,

gestatten Sie diese Frage zur Teilnahmeberechtigung an Conference Calls. So wie Sie, verfolge auch ich Conference Calls von Unternehmen, deren Aktionär ich bin. – In einem Fall will mir das nicht gelingen…

Dürfen deutsche Aktiengesellschaften Aktionären Zugang zu Conference Calls vorenthalten? Gibt es etwa Zugangsvoraussetzungen? Im Hinblick auf den gesetzlichen Gleichbehandlungsgrundsatz fände ich das nicht nachvollziehbar (§ 53 a AktG).

Danke für Antwort & Grüße

Björn aus München

 Antwort:

Guten Tag Herr Heinrich,

Nach § 53a AktG dürfen Aktionäre unter gleichen Voraussetzungen nicht ungleich behandelt werden. Dies betrifft insbesondere die Informationsbereitstellung, da gleiche Informationsgrundlagen Voraussetzung für eine faire Preisbildung am Markt sind.

Börsennotierte Unternehmen sind verpflichtet, kursrelevante Informationen allen Marktteilnehmern gleichzeitig und in gleicher Form zugänglich zu machen. Dies geschieht meist über Ad-hoc-Mitteilungen oder durch Veröffentlichung von Quartalsberichten. Der Analystencall findet in der Regel nach Veröffentlichung dieser Informationen statt und dient meist der vertiefenden Erläuterung, nicht der erstmaligen Bekanntgabe neuer Fakten.

Analystencalls werden häufig als eine zusätzliche Dienstleistung für institutionelle Investoren und Analysten angeboten, um komplexe Themen zu erläutern. Solange der Call keine neuen, kursrelevanten Informationen enthält, besteht in der Regel kein Verstoß gegen § 53a AktG.

Einige Unternehmen bieten mittlerweile Webcasts oder Transkripte der Calls an, um auch Privatanlegern Zugang zu den besprochenen Inhalten zu ermöglichen. Damit wird der Gleichbehandlungsgrundsatz gewahrt.

In der Praxis ist es so, dass Analysten und institutionelle Anleger eine andere Sprache sprechen als Privatanleger. Zum einen werden inzwischen auch in Deutschland die meisten Analystencalls auf Englisch abgehalten. Zum anderen wird dort mit Abkürzungen gesprochen, die man nur drauf hat, wenn man sich von morgens bis abends mit der Bilanzanalyse beschäftigt. Ich habe das studiert und arbeite seit 30 Jahren in diesem Bereich. Doch ich bereite die Infos für Privatanleger auf und versuche, mich von dem Fachchinesisch fern zu halten. Daher sind viele Aussagen in den Analystencalls für mich zu schnell, ich muss mir erst wieder die Bedeutung der einzelnen Abkürzungen herleiten, bis ich die Aussagen verstehe.

In Zeiten der KI ist es dennoch in meinen Augen eine Selbstverständlichkeit, ein Transkript der Analystencalls auch Privatanlegern zur Verfügung zu stellen. Sie können dann Ihre KI über das Skript jagen und Ihre KI anschließend fragen, was zum Thema Investitionen oder zum Thema asiatische Absatzmärkte etc. besprochen wurde. So mache ich das inzwischen häufig :-).

Wünschenswert wären ebenfalls Analystencalls in Form eines Webcasts, in dem Analysten sprechen dürfen, Privatanleger jedoch alles hören können.

Also: Pflicht? Nein. Wünschenswert? Nur zur Information der Privatanleger, nicht interaktiv.

Ich finde Ihre Frage dennoch sehr interessant, weil ich glaube, dass das Gesetz hier nicht präzise genug ist. Zwischen Veröffentlichung von Q-Zahlen und dem Analystencall empfehle ich stets, die Füße ruhig zu halten. Also bitte niemals auf Q-Zahlen reagieren, bevor Sie den Analystencall gehört haben. Dort werden die Zahlen eingeordnet und Sondereffekte, die aus den Zahlen allein nicht ersichtlich sind, werden ausführlich erläutert.

Da diese „Einordnung“, wie sie im Analystencall erfolgt, inzwischen stark kursbestimmend ist, sind Privatanleger meiner Ansicht nach tatsächlich schlechter gestellt, wenn sie dem Analystencall nicht einmal in Form eines Webcasts live folgen dürfen.

Ich werde mich mal umhören, ob ich jemanden finde, der sich dieses Themas annehmen möchte.

RÜCKMELDUNG

Guten Tag Herr Heibel,

haben Sie besten Dank für Ihre schnelle und umfangreiche Antwort!

Zu zwei Aspekten möchte ich kurz erwidern:

Informationsumfang – Ich habe verstanden, in Ihrer Antwort wird eingeschränkt: „Solange der Call keine neuen, kursrelevanten Informationen enthält…“ Genau das trifft aber regelmäßig gar nicht zu: Tatsächlich fallen immer wieder, insbesondere in den Q&A-Abschnitten, durchaus relevante Informationensbrösel vom Veranstaltungstisch. – Und darum geht's!

Kompetenz – Kompetenz sollte beim Recht auch informationelle Gleichversorgung (Zuhören) keine Rolle spielen dürfen; sehr wohl aber beim Recht auf aktive Teilnahme (Fragen stellen) coram publico. Gerade so verstehe ich Ihre Position aber auch. – Aber wer würde über Kompetenz nach welchen Kriterien richten? Muss ungeprüft unterstellt werden, dass sog. Analysten oder sog. institutionelle Investoren kompetenter sind als jeder selbstentscheidende Privatinvestor? (Zu meiner Person: Bankkaufmann, Dipl.-Kaufmann, viele Jahre Private Equity…)

Ich trage mich mit der Idee, die Frage der BAFin vorzulegen. – Was meinen Sie?

Nochmals besten Dank und freundliche Grüße,

Björn


 Frage vom 22.11.2024

#Bitcoin kaufen über die Börse Stuttgart

Hallo Herr Heibel,

noch etwas zu ihrem heutigen Eintrag bezüglich Bitcoin. Ich habe mit der App von Relai begonnen, das geht ziemlich einfach. Ich möchte direkt in den Bitcoin investieren und keine Zertifikate und so weiter kaufen. Das geht auch nicht so einfach bei vielen Brokern, bei Consors zum Beispiel ist das nicht möglich.

Zumindest bisher. Da man bei Relai aber immer Geld hin überweisen muss und dann sofort gekauft wird, hat man nicht so viel Einfluss auf den Kaufkurs, wenn er zu diesem Zeitpunkt hoch schießt, wird trotzdem gekauft, da man kein Limit eingeben kann. Ich bin dann zunächst zu Kraken gewechselt allerdings habe ich hier schlechte Erfahrungen gemacht. Man hat mein Konto aus irgendwelchen Gründen gesperrt und ich habe Mühe und Not gehabt alles wieder zurück zu bekommen. War ziemlich stressig.

Ich bin nun bei BSDEX, ein Ableger der baden-württembergischen, Wertpapierbörse. Vor allem Konto in Deutschland und auch von der BaFin abgesegnet.Hier gibt es eine App und man kann auch direkt über das Internet Kaufaufträge platzieren. Das funktioniert sehr gut und ich bin sehr zufrieden. Zudem sind die Gebühren hier sehr niedrig. Vielleicht wäre das auch eine Empfehlung wert. Ich verschiebe dann immer auch einen gewissen Betrag auf meine Bitbox das funktioniert auch gut.

Vielleicht ist das eine Anregung wert.

Viele Grüße, Bernd aus Hof

 Antwort:

Vielen Dank für den Hinweis. Das ist schon mal ein ganz guter Ansatz:

Mit den 2% Gebühren anstelle von 1,5% bei Relai könnte ich leben. Aber ich müsste ja das Geld dann zuvor dort auf mein Konto übertragen haben, wo es unverzinst herumläge, bis ich es in Bitcoin tausche. Da lasse ich mein Geld lieber auf meinem Girokonto liegen und nehme einen Tag Latenz in Kauf.

Wie gesagt: Ich möchte nicht im Bitcoin spekulieren, sondern betrachte gelegentliche Käufe als Absicherung für turbulente Zeiten, da ist es nebensächlich, ob ich zu ein paar Prozent günstiger oder teurer einsteige.


 Frage vom 22.11.2024

#Siemens & Vonovia

Hallo Herr Heibel,

Eine kurze Rückmeldung zum Thema Südzucker-Anleihe:
Über die ING-Diba kann diese gekauft werden.

Über das Thema KI bin ich auch auf Siemens aufmerksam geworden. Können Sie evtl. eine kurze Einschätzung dazu geben, ob diese Aktie derzeit ein Kauf ist?

Wie sehen Sie, vor dem Hintergrund von sinkenden Zinsen, derzeit ein Investment in den Immobilienmarkt allgemein und konkret zu Vonovia?

Herzlichen Dank schon im Voraus für Ihre Einschätzungen.

Freundliche Grüße
Winfried aus Kirchheim / Teck

 Antwort:

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.

Siemens ist ein diversifizierter Konzern, dessen Erfolg nicht an nur einem Thema festgemacht werden kann. Die KI hat sicherlich das Zeug, Siemens über Jahre zu Wachstum zu verhelfen und Siemens ist mit seinem engen Netzwerk in die Industrie ein Unternehmen, das die KI für seine Kunden nutzbar machen wird.

Der Umsatz von Siemens gab im abgelaufenen Geschäftsjahr (endete September) 2,4% nach, dennoch konnte der Gewinn um 24% gesteigert werden. Für die kommenden Jahre erwarten Analysten ein Umsatzwachstum von 5-6% und ein äquivalentes Gewinnwachstum. Das EV/EBITDA auf Basis der Schätzungen für 2026 steht bei 11 und entspricht damit dem langjährigen Durchschnitt von Siemens. Die Dividendenrendite von 3% sieht in meinen Augen ebenfalls fair aus.

Ich würde also sagen, Siemens ist gut aufgestellt und dafür auch fair bewertet. Der Return on Equity (also Dividende plus Kursgewinn) beträgt 10-11% und dürfte in dieser Region auch in der Zukunft liegen.

Vonovia: Ich kann mich für Immobilienaktien nicht begeistern. Zwar gehen die kurzfristigen Zinsen zurück, aber der langfristige Marktzins steigt schon wieder an. Der Immobilienmarkt ist mit so vielen Regulierungen belastet, dass ich mich vor dieser Branche scheue. Außerdem werden Immobilienaktien nach anderen Maßstäben bewertet als herkömmliche Unternehmen mit operativem Geschäft. Damit habe ich mich bislang nur sporadisch mal beschäftigt und fand es stets recht langweilig :-(.

Für jemanden, der keine eigene Immobilien besitzt, ist Vonovia sicherlich eine gute Methode, um am Wohl und Wehe des Immobilienmarktes zu partizipieren.


 Frage vom 20.11.2024

#BioNTech versus BB Biotech und Moderna

Moin Herr Heibel,

Sie äußern sich in der aktuellen Ausgabe zu BB Biotech und auch zum Thema KI in der Biotech Branche umfangreich.

Hinweis: BioNTech besitzt seit 07.2023 ein KI Unternehmen ( InstaDeep ) mit Schwerpunkt Biotechnologie. Die Pipeline ist sehr groß und die letzten Ergebnisse auch. Wäre BioNTech - ein echtes Unternehmen - nicht eventuell sinnvoller als BB Biotech ?

Bei ihrer Betrachtung fehlt mir die Berücksichtigung der enorm großen Pipeline und das BioNTech ein KI Unternehmen zu diesem Thema besitzt. Zudem ist BioNTech, anders als z.B. Moderna, sehr defensiv unterwegs und ist in vielen unterschiedlichen Bereichen (neben mRNA) unterwegs. Dies relativiert das Risiko.

Meiner Meinung nach hat Ihr Ansatz einen Fehlern und das Risiko ist bei BB Biotech viel höher . BB Biotech hat viele Biotech Unternehmen mit unterschiedlichen Risiken im Portfolio und auf diese keinen Einfluss. Dies zeigt auch der Kurs.

BioNTech ist Inhaber geführt. Hier können schnell Korrekturen vorgenommen und schnell entschieden werden.

Hinweis zu Moderna: Moderna ist größtenteils im Besitz von Fonds, die schnell Geld sehen wollen, ähnlich wie BB Biotech. Das erhöht das Risiko und die Fehlerquote.

Dies ist bei BioNTech nicht der Fall. Der Streubesitz liegt nur bei ca. 20% und der Inhaber besitzt noch knapp 18,5%, der Rest ca. 50,5 % liegt bei den Sprüngmann Brüdern. Hier kann in Ruhe geforscht werden und es besteht deutlich weniger Druck.

Nochmals vielen DANK

VG, Frank aus Ratzbek

 Antwort:

Im Biotech-Bereich ist das Risiko von Fehlschlägen extrem hoch. Branchenexperten bemühen sich, das Risiko abzuschätzen, doch liegen damit regelmäßig falsch. Ich bin nicht einmal ein Biotech-Experte, wie soll ich da besser sein als die anderen? Für uns der in meinen Augen einzige Weg, um von Biotech-Entdeckungen zu profitieren, ist der Erwerb eines Biotech-Korbes - und genau das haben wir bei BB Biotech. Natürlich ist der Gewinn, wenn Sie auf das richtige Pferd gesetzt haben, größer als bei dem Korb von BB Biotech, wenn dort eines erfolgreich ist. Doch bei Einzeltiteln ist auch das Risiko viel höher.

BioNTech hat noch immer 16 Mrd. Nettocash in der Bilanz liegen, Gewinne aus der Corona-Zeit. Jedes Jahr verbrennt BioNTech davon 1,3 Mrd. EUR. Wenn ein neues Medikament gefunden wird, benötigt das Unternehmen deutlich mehr Geld, um es zuzulassen, zu produzieren und in den Markt zu geben. Im Erfolgsfall winken hier tatsächlich exorbitante Gewinne, da die Bewertung von BioNTech optisch günstig aussieht. Doch bis zur Zulassung besteht weiterhin das Risiko des Scheiterns.

Rechnen wir die Barreserven heraus, dann werden 2,6 Mrd. Jahresumsatz mit 6 Mrd. EUR Enterprise Value bewertet. Das sieht nun gar nicht mehr so günstig aus. Da ist schon viel Phantasie im Aktienkurs. Anleger erwarten früher oder später einen Forschungserfolg.

Doch ein Forschungserfolg ist heute, meinen Informationen zufolge, noch nicht in so greifbarer Nähe, dass diese Bewertung als günstig betrachtet werden kann. Cash kann man mit 1:1 bewerten. Und das Impfstoffgeschäft wird derzeit mit 3:1 EV/Bruttogewinn bewertet. Mir ist hier das Risiko nach wie vor zu groß. Das Risiko, dass die Entwicklung eines neuen Blockbuster zu lange dauert oder das Risiko, dass ein anderer (Moderna?) schneller ist.

Das mit dem "Fehler in meinem Ansatz" kann man auch anders beleuchten: Ich weiß, dass ich bei der Beurteilung von Chancen einzelner Biotech-Unternehmen nicht gut genug informiert bin und Fehler machen werde. Warum sollte ich mich gerade für BioNTech entscheiden, wo es doch noch viele andere aussichtsreiche Kandidaten gibt? Diese Entscheidung gebe ich in diesem Bereich gerne an das Management von BB Biotech ab. Dort befinden sich 30 Biotech-Aktien im Portfolio. Da darf das Management auch mal eine Fehlentscheidung treffen, die wirkt sich dann aber nicht gleich so heftig auf mein Vermögen aus. Und davon abgesehen traue ich dem Management von BB Biotech zu, weniger Fehlentscheidungen zu treffen, als ich das tun würde.

Zum Management von BB Biotech: Bei Dr. Koller fühlte ich mich gut aufgehoben, bis sich der Markt gegen ihn wendete. Sein Nachfolger Dr. Koch macht einen guten Eindruck, doch, wie immer bei einem Managementwechsel, muss er sich erst noch unser Vertrauen erarbeiten.

Das schnelle Geld? Bei BB Biotech ist die Unternehmenskultur und der Großteil der Anleger, so wie ich das einschätze, geduldig. Bei Moderna mögen Sie Recht haben. Aber Moderna ist inzwischen nur noch eine kleine Position bei BB Biotech.


 Frage vom 20.11.2024

#Micro Strategy: Wie ein gehebelter Optionsschein auf den Bitcoin

Lieber Stephan Heibel,

als Alternative zu A27Z30 fällt mir erneut MSTR ein.

Ich hatte es bereits erwähnt, da MSTR nun im Wesentlichen eine Bitcoin haltende Gesellschaft, also ähnlich einer Bitcoin Bank aufgestellt ist.

Das, mich vor Jahren zum Ausstieg bei MSTR bewogen habend, hat mich nun (mittlerweile marktgängies Asset Bitcoin) neben seit bald einer Dekade unmittelbarem Investment in Bitcoin, vor kurzem wieder einsteigen lassen.

Seit meinem Wiedereinstieg vor 2⅐ Monaten freue ich mich bereits über 172 Prozent Buchgewinn, einfacher jederzeit handelbar als Bitcoin selbst.

Mit steigenden Bitcoin Kursen steigt immer auch der Kurs von MSTR, bei einfacher Handelbarkeit.

Einen schönen Sonntag

Peter aus Düsseldorf

 Antwort:

Micro Strategy und den Gründer und CEO Michael Saylor beobachte ich bewundernd seit 20 Jahren, lange bevor es den Bitcoin überhaupt gab. Als Spekulation auf einen steigenden Bitcoin ist die Aktie von Micro Strategy gut geeignet, denn sie entwickelt sich wie ein gehobelter Optionsschein zum Bitcoin-Preis. Doch Michael Saylor ist so aggressiv beim Kauf von Bitcoins, dass ein sinkender Bitcoin-Preis schnell existenzgefährdend werden kann. Die Bitcoin-Käufe finanziert er mal für die Ausgabe von Unternehmensanleihen, mal durch die Aufnahme von Krediten.

Wer also Lust hat auf eine gehebelte Spekulation auf den Bitcoin, der kann Micro Strategy als Spekulation ins Portfolio aufnehmen.

Ich habe mich jedoch für den Bitcoin als „Absicherung“ entschieden: Selbst wenn der Bitcoin sich im Preis halbiert, oder sogar mal 90% des Wertes verliert, so bleiben meine Bitcoins meine Bitcoins. Es ist wie beim Gold: Ein Barren Gold bleibt ein Barren Gold, egal ob er 1.000 oder 10.000 Euro wert ist.

Hätten wir mit Micro Strategy auf einen schnellen Anstieg im Bitcoin-Preis spekulieren sollen? Natürlich, aus heutiger Sicht hätten wir das tun sollen. Ich war mir ziemlich sicher, daher habe ich Ihnen mehrfach den Kauf von Bitcoins ans Herz gelegt. Doch über das Timing bin ich mir stets unsicher, und da ist dann der echte Bitcoin etwas weniger gefährlich als Micro Strategy.


 Frage vom 16.11.2024

#Vorsicht vor alternativen Bitcoin-ETFs

Moin, Herr Heibel,
als langjähriger Abonnent Ihres Tickers habe ich viele wichtige Erkenntnisse über das Funktionieren der Börse erhalten und kann so mein Depot ganz gut managen. Herzlichen Dank für Ihr aus unermüdliches Bemühen, das Optimum für Ihre Anhänger zu erreichen. Für Ihre Bitcoin Fans empfehle ich Ihnen den ETF Wisdom Tree Physical Bitcoin(A3GKGK), der nur TER 0,35% kostet und nicht wie der von Ihnen empfohlene ETC Group Physical Bitcoin, der TER2% kostet. Was halten Sie davon?
Liebe Grüße aus Hennef
Sigurd

 Antwort:

Auch das von Ihnen vorgeschlagene Papier ist nur eine Inhaberschuldverschreibung:

WisdomTree Physical Bitcoin (WKN A3GKGK): Dieses Zertifikat ist eine unbesicherte Inhaberschuldverschreibung. Im Insolvenzfall des Emittenten haben Anleger keinen direkten Anspruch auf die hinterlegten Bitcoins, da diese nicht separat vom Vermögen des Emittenten gehalten werden. Anleger wären somit Gläubiger in der Insolvenzmasse und müssten ihre Ansprüche im Insolvenzverfahren geltend machen.

ETC Group Physical Bitcoin (WKN A27Z30): Dieses Zertifikat ist eine besicherte Inhaberschuldverschreibung. Die hinterlegten Bitcoins werden in einem separaten Treuhandkonto gehalten, das unabhängig vom Vermögen des Emittenten ist. Im Insolvenzfall des Emittenten haben Anleger daher einen direkten Anspruch auf die hinterlegten Bitcoins, da diese nicht Teil der Insolvenzmasse sind.

Die höheren Kosten haben also ihre Berechtigung.

RÜCKANTWORT:
Danke für Ihre schnelle Antwort. Ja Sie haben Recht, aber ich dachte, dass wisdom tree eine sehr gute Bilanz hat und bei vollständig physisch hinterlegten ETPs wacht aber ein unabhängiger Treuhänder über das Geld und erhält im Ernstfall Zugang zu den Mitteln. Eine gewisse Sicherheit liegt also vor.
LG, Sigurd


 Frage vom 14.11.2024

#Erratische Schwankungen an den Aktienmärkten zu erwarten

Hallo Herr Heibel,

seit über 10 Jahren sind Ihre die gezielten Blicke hinter die Vorhänge der Märkte und Ihre messerscharfen Analysen eine wichtige Grundlage für mein Verständnis der Aktienwelt! Vielen Dank hierfür!!

Sie haben letzte Woche geschrieben, dass die Stimmung der Anleger in Deutschland wohl auch deshalb so gut ist, weil sie an der Kursrally der USA teilgenommen haben bzw. auch aktuell diese Woche daran teilnehmen. Auch ich bin seit vielen Jahren stark im Nasdaq investiert, was mir mit Ausnahme von 2022 sehr hohe Renditen eingebracht hat. In einem Gastbeitrag im Spiegel zeichnete der amerikanische Ökonom Barry Eichengreen diese Woche jedoch ein wenig zuversichtliches Bild der zukünftigen Entwicklung der US-Märkte. Er vermutet, dass die Märkte aktuell eine Art Zuckerrausch erleben, denn „die Märkte erhoffen sich Steuersenkungen, höhere Gewinne, eine Belebung der Nachfrage. Sie erwarten, dass die US-Unternehmen davon profitieren werden, wenn ausländische Konkurrenten mit höheren Zöllen konfrontiert werden.“ Aber neben einem fatalen Missverständnis über die langfristige Wirkung von Zöllen warnt Eichengreen insbesondere vor einer zukünftigen Unsicherheit durch die zukünftige US-Politik: „Trump ist mit seiner erratischen Politik eine Unsicherheitsmaschine. Die Unsicherheit wird also zurückkehren. An diesem Punkt werden die Märkte negativ reagieren.“

Was meine Sie, wie stark ist der Zuckerrausch? Gleichzeitig läuft aber auch die KI-Revolution!! Wie wirkt sich Ihrer Meinung nach diese Mischung aus: Wird die KI-Revolution die Tech-Aktien weiter antreiben, auch wenn der Zuckerrausch nachlässt? Oder sind die Märke so stark auf Droge, ab nächstem Jahr das böse Erwachen kommt, wenn Unsicherheit um sich greift?

Grüße aus Ludwigshafen
Frank aus Ludwigshafen

 Antwort:

Vielen Dank für das Lob und für Ihre hervorragende Situationsbeschreibung. Sie haben die richtigen Fragen aufgeworfen und wir werden die Entwicklung beobachten müssen.

Donald Trump ist unkonventionell. Er entscheidet zuerst und geht anschließend in Verhandlung. Er droht mit allem, was er hat und erzeugt damit eine Atmosphäre der Verunsicherung. Es wird mit Sicherheit in den kommenden vier Jahren immer wieder panische Ausverkäufe geben, die dann jedoch meiner Einschätzung nach Kaufgelegenheiten darstellen könnten, da es am Ende selten so schlimm kommt, wie von ihm zu Beginn als „Entscheidung“ behauptet.

Läuft der Markt unterm Strich nach oben, weil die KI-Revolution zu Effizienzsprüngen führt? Ja, das könnte ich mir gut vorstellen. Doch nach den Kursgewinnen der vergangenen zwei Jahren im KI-Bereich kann auch dort jederzeit eine heftige Korrektur erfolgen - unabhängig davon, ob die Werte günstig oder teuer sind.

Also: Die Schwankungen werden heftiger. Ich denke aber, dass die Aktienmärkte in vier Jahren deutlich höher stehen als heute.


 Frage vom 14.11.2024

#Alternatives Bitcoin-Zertifikat

Guten Morgen Herr Heibel,
ich trage mich mit dem Gedanken auch in BITCOIN zu investieren.
Das Zertifikat A3GZ2Z erscheint mir seriös bei geringeren Kosten als A27Z30.
Liege ich falsch?

Liebe Grüße aus dem Rheinland
Wolfgang aus Windeck ( (frischer Opa)

 Antwort:

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Enkel. Bei mir dauert es hoffentlich noch eine Weile, ich bin noch nicht bereit dafür ;-).

Das von Ihnen vorgeschlagene Papier 21Shares Bitcoin Core ETP bildet den Kursverlauf des Bitcoins ab und hält dazu Bitcoins oder "oder andere darauf lautende Vermögenswerte.“ Die Auslieferung der Bitcoins direkt an Sie ist nicht vorgesehen. Damit halten Sie ein Zertifikat, über deren steuerliche Behandlung ich nicht genau bescheid weiß. Soweit ich weiß, muss die Lieferung des Bitcoins möglich sein, um das Papier nach einem Jahr steuerfrei veräußern zu können.

Ich bleibe also bei dem von mir empfohlenen Papier BTCetc - ETC Group Physical Bitcoin, das zudem nicht in der Schweiz, sondern in Deutschland angemeldet ist. Meine ausführliche Analyse zur Auswahl von Bitcoin-ETFs finden Sie [hier](https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/1851#ch06).


 Frage vom 08.11.2024

#SMA Solar -90% in 2 Jahren

Hallo Herr Heibel,

Vielen Dank für Ihre gute aufbereiteten Einschätzungen.

Ich habe gerade festgestellt wie stark die Aktien der Erneuerbaren Energien Branche in den letzten Wochen und Monaten abgestuft wurden.
Insbesondere die PV Branche (z.b. SMA) sind in ihrem Wert stark gesunken.

Mich würde ihre Einschätzung dazu sehr interessieren. Sind erneuerbare Energien wirklich so stark rückläufig? Liegt es an den Energiepreisen oder sind es einfach nur die Margen?

Vielen Dank und Grüße vom Bodensee!

Tobias aus Allensbach

 Antwort:

Ich halte nicht viel von SMA Solar oder auch Solaredge. Als Anbieter von Wechselrichtern befinden sie sich im Wettbewerb mit Huawei und anderen chinesischen Anbietern, die eine vergleichsweise einfache Technologie günstiger herstellen können.

Unter einem US-Präsidenten Donald Trump wird die Energieproduktion nicht mehr so stark gefördert werden wie zuvor. Dennoch wird Trump meiner Einschätzung nach nichts dagegen unternehmen, sondern lediglich darauf achten, dass die Fertigung im Inland erfolgt. Wir haben ja schon eine entsprechende Solaraktie, die ausschließlich innerhalb der USA produziert, im Heibel-Ticker Portfolio. Die ist wesentlich besser für die nun kommende Zeit positioniert. Das zeigte sich bereits diese Woche, denn sie hat als einzige Solaraktie ihr Kursniveau halten können, während alle anderen nach Trumps Wahlsieg ausverkauft wurden.

Also: Woran liegt es, dass die Solaraktien so schwach laufen? Nun, auch die Solaraktien konnten sich über eine sprunghaft angestiegene Nachfrage in der Coronazeit freuen, Autarkie wurde groß geschrieben. Es folgt nun die Ernüchterung, während sich gleichzeitig die Konkurrenz aus China weiterentwickelt hat. Solarenergie wird ein wesentlicher Bestandteil unseres Energiemixers sein, doch die Konkurrenz aus China drückt auf den Preis und somit auf die Marge.


 Frage vom 08.11.2024

#Zementindustrie erhält günstige Energieträger

Servus Herr Heibel,

Gratulation zur Analyse [zu Holcim]. Ich darf ihnen als Unternehmer aus der Recyclingwelt berichten, dass alle Zementwerke ihre Margen sogar noch steigern werden! Am Markt ist schon sehr lange (inklusive Osteuropa) zu beobachten, dass der Preis für Zement und Beton nicht wirklich sinkt.

ABER, die Produktionskosten haben sich für die Zementindustrie deutlich reduziert!

Warum? Weil [Betreiber von Recyclinganlagen wie] ich und meine Kollegen als Lieferanten von Ersatzbrennstoff für die Zementwerke regelrecht erpresst werden. Es wurden viel zu viele Recyclingkapazitäten aufgebaut. Wir müssen für aufbereiteten, qualitätsgesicherten Ersatzbrennstoff (=Energieträger) aktuell € 40,--/t [an Abnehmer wie die Zementindustrie] bezahlen. Vor 3-4 Jahren habe ich noch € 20,--/t vergütet bekommen.

Zusätzlich sind die Energiekosten für Gas/Öl/Koks/Strom wieder sehr weit herunter gekommen. Dadurch konnten m.E die Ertragszahlen signifikant gesteigert werden. Und das bei fallenden Umsätzen – Frage an Sie – sieht man das in den Bilanzkennzahlen schon?

Die Zementproduktion ist deutlich zurück gegangen, das wird auch noch 2025 so sein. Laut Jahresgespräch mit Zementwerk von letzter Woche.

Österreich: ca. 500 kg Zement pro Person oder Haushalt p.a. - hab ich mir nicht gemerkt ;--((
Deutschland: knapp über 250 kg Zement pro Person oder Haushalt p.a. Da ist noch viel Potential in DE wenn die Weichen in DE neu gestellt werden (soll ja nicht mehr lange dauern).

Und der Wiederaufbau Ukraine wird auch irgendwann ein Thema. Es gibt bereits erste Ersatzbrennstoffexporte in die Ukraine (aus Polen). Recherchieren Sie bitte wer für den Wiederaufbau in der Ukraine am besten positioniert ist?

Ich sage es meinen Kollegen ständig – bevor sie weiter auch nur einen Euro in die eigene Anlage investieren, sollen sie besser Aktien der Zementhersteller kaufen. Aus Sicht eines Geschäftspartners sind die großen Player keine Partner – es wird auch zu Übernahmen der EBS-Aufbereiter kommen.

Grüße aus Mattighofen
Christian

P.S.: Mattighofen = KTM = Pierer Mobility – haben Sie den Kurseinbruch gesehen? Wir hören da aktuell nix Gutes zu „Ready to Race“!

 Antwort:

Herzlichen Dank für Ihre Einblicke.

Ja, der Umsatz von Holcim ging 2023 um 7,5% zurück, der Rückgang betraf alle einzelnen Quartale. Für das laufende Jahr wird eine Stabilisierung auf dem nunmehr niedrigeren Niveau erwartet und erst 2025 soll der Umsatz wieder leicht (+4%) ansteigen.

Trotz des Umsatzrückgangs im Jahr 2023 konnte der Gewinn je Aktie um 131% anspringen. Für das gesamte Jahr 2024 wird ein weiterer Anstieg um 6% erwartet und für 2025 nochmals 9%. Es bleibt also bei einem überproportional ansteigenden Gewinn.

@Pierer Mobility: Der Inhaber von KTM Motorrädern und Felt Rennrädern verzeichnet bereits seit 2022 einen kontinuierlichen Kursrückgang um insgesamt 85%. Inzwischen werden 2,3 Mrd. EUR Umsatz mit einer Marktkapitalisierung von nur noch 420 Mio. EUR bewertet. Das liegt wohl auch an den hohen Schulden, die mit 1,6 Mrd. EUR viel zu hoch sind. Immerhin läuft der Großteil der Finanzierungen bis 2028.

Die Pandemie trat einen Sturm auf Zweiräder, also sowohl Fahrräder als auch Motorräder, los. Die Aktien sprangen an, das Geschäft wurde auf ewiges Wachstum ausgerichtet. Doch es war nur ein Strohfeuer und so befindet sich Pierer Mobility nun in der schmerzhaften Landungsphase. Zurück auf den Boden der Tatsachen. Auch der Umsatz ist übrigens rückläufig.

Doch inzwischen ist die Aktie weniger wert als noch vor Corona und der Umsatz, wenngleich rückläufig, ist noch immer um 25% höher als vor Corona. Ich kann Ihnen nicht sagen, wo die Aktie einen Boden finden könnte. Aber ich habe den Eindruck, dass zunächst noch weitere Restrukturierungsentscheidungen erforderlich sind, bevor der Abwärtstrend endet.


 Frage vom 08.11.2024

#Vermögenssicherung: Franken in Schweiz und Liechtenstein

Hallo Herr Heibel,

in ihrem Ticker 24/43 verfolgte ich mit besonderem Interesse die Leserfrage zur Vermögenssicherung,insbesondere die Eröffnung eines Kontos auf der Basis von Schweizer Franken in der Schweiz oder Lichtenstein.Vielleicht können sie mir einige Hinweise über die Vor.-und Nachteile eines solchen Kontos,die
Sicherheiten,die
Kriterien bei der Auswahl einer Bank bzw. eine Empfehlung für eine Bank geben.

Viele Grüße aus dem Vogtland

Knut aus dem Vogtland

 Antwort:

Aus Sicht der Vermögenssicherung gibt es zwei mögliche Gründe für ein Konto in der Schweiz oder in Liechtenstein. Zum einen, weil Sie einen Teil Ihres Vermögens gerne in Schweizer Franken stecken wollen, zum anderen weil Sie der heimischen Justiz entkommen möchten.

Den ersten Grund können Sie auch mit Ihrer Bank realisieren, indem Sie ein Währungskonto einrichten - oder aber bspw. eine Schweizer Aktie wie in unserem Dividendenbereich und Depot nehmen.

Wenn Sie der heimischen Justiz entkommen möchten, sollten Sie sich nicht nur Gedanken über ein Konto, sondern auch über einen Ort machen, den sie in der Schweiz aufsuchen können, wenn sich die Situation in unserem Land aus Ihrer Sicht zuspitzt. Sprich: Da sind wir schon bei einer ziemlich heftigen Schwarzmalerei.

Vielleicht betrachten Sie ja Turbulenzen in der Heimat als vorübergehend und wollen Ihr Vermögen in der Schweiz einfach nur zwischenlagern, bis es vorbei ist. Das sehe ich kritisch: Sie müssen Ihre Auslandskonten hierzulande angeben, geheim ist das Geld in der Schweiz also ohnehin nicht. Und wenn es hierzulande wirklich hoch her geht, dann wird man auch auf solche Auslandskonten zugreifen wollen. Vielleicht ist da die Hürde noch etwas höher als bei inländischen Konten, aber unmöglich ist das nicht.

Hmm, soweit meine Gedanken zu ihrer Frage. Einen goldenen Weg kann ich Ihnen nicht nennen. Ich persönlich bin in Deutschland verwurzelt und möchte so lange wie möglich Teil der Gesellschaft sein. Und dazu gehört das Befolgen unserer Gesetze, auch wenn manche davon unsinnig erscheinen :-).


 Frage vom 08.11.2024

#Flatex DeGiro aus moralischen Gründen meiden

Sehr geehrter Herr Heibel,

seit ein paar Monaten bin ich (wieder) Abonnent Ihres Börsenbriefs. in Ihrem letzten Börsenbrief haben Sie geschrieben, daß sich Flatex in eine Richtung entwickelt, die Ihnen nicht gefällt. Da sich in meinem Depot auch eine größere Menge Flatex-Aktien befindet, möchte ich gerne wissen, was Sie an Flatex stört und wie Sie die weitere Kursentwicklung einschätzen. Würden Sie die Aktien verkaufen?

Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen aus Bremen

 Antwort:

Wie Sie wissen, schütze ich unsere Heibel-Ticker Mitglieder vor unüberlegten Währungen in der ausufernden Kryptowelt, empfehle aber gleichzeitig den in meinen Augen fundamental einmaligen Bitcoin. Ich empfehle den Mitgliedern Unternehmensbeteiligungen, genannt „Aktien“, von Unternehmen, die ich für langfristig gut aufgestellt halte. Es gibt bei mir keine Penny-Stocks und auch keine Derivate mit undurchsichtigen Konditionen. In meiner Zeit bei der Schweizer Börse SWX konnte ich sehen, dass der Großteil der Anleger mit Hebelprodukten Geld verliert, die Emittenten gewinnen. Solche Produkte finden im Heibel-Ticker keine Erwähnung.

Bei Flatex gab es Turbulenzen im Management, der Großaktionär Bernd Förtsch ersetzte die Führung, die sich auf den günstigen Handel von Aktien konzentriert hatten, mit einer Führungsriege, die den Handel in unzähligen Kryptowährungen vorantreiben und das Angebot an Hebelprodukten ausbauen möchte. Das ist die Richtung, die ich nicht gut finde.

Der Eine oder Andere wird schmunzeln, dass ich gerade an dieser Stelle meine Moral über Profitchancen stelle. Ich habe nicht gedient, kann mich also nicht als Militärexperte bezeichnen. Ich bin kein Ingenieur, kann also auch nicht vorschreiben, welche Energietechnologie die beste ist. Aber ich beschäftige mich mein Leben lang schon mit dem Banken- und Brokersektor. Und dort, bilde ich mir ein, kann ich einschätzen, wer im Interesse der Kunden agiert, und wer nicht.

Die Aktie ist in meinen Augen fair bewertet: das KGV 2025e von 7 ist für das erwartete Gewinnwachstum von 7% angemessen.


 Frage vom 08.11.2024

#ASML in langgezogener Talsohle

Sehr geehrter Herr Heibel,

vielen Dank für Ihre Information zu Nvidia. Leider habe ich eine Position von ASLM weil ich die Aktie als Weltmarktführer und alleiniger Hersteller dieser Maschinen als sicher angesehen habe. Wer kann denn überhaupt die Maschinen zur Herstellung der neuen Chip Generation bauen, wenn nicht ASML? Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir einen Hersteller nennen könnte der dazu in der Lage ist.

Was würden Sie mir raten: verkaufen oder aussitzen. Für eine kurze Mitteilung wäre ich Ihnen sehr dankbar. Würden Sie mir raten die Position ASML vorsichtshalber mit Verlust ca. 20% zu verkaufen?? Oder lieber halten und an den weiteren Erfolg zu glauben. Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Peter aus Hamburg

 Antwort:

Je kürzer die Antwort, die ich gebe, desto aufwendiger die Recherche. Um Ihnen einen kurzen, verlässlichen Rat über Verkaufen oder Aussitzen zu geben, müsste ich die ganze Welt verstehen ;-).

Die Maschinen von ASML sind entscheidend für die Herstellung von KI-GPUs. ASML ist der führende Anbieter von Lithographie-Systemen, insbesondere von extrem ultravioletten (EUV) Lithographie-Maschinen, die für die Produktion der feinen Strukturen auf Siliziumwafern für Hochleistungschips, wie sie in KI-GPUs verwendet werden, notwendig sind. Eine enge Zusammenarbeit zwischen ASML und NVIDIA unterstreicht die Bedeutung dieser Technologie. NVIDIA und ASML haben mit TSMC und Synopsys eine Kooperation, um die KI-GPU-Chipfertigung voranzutreiben. Dabei wird die NVIDIA cuLitho Softwarebibliothek für die rechnergestützte Lithographie in die Systeme von ASML integriert, um die Effizienz und Präzision bei der Herstellung von KI-GPUs zu steigern.

Die Fertigung von KI-GPUs wurde jedoch schon 2023 hochgefahren, der Umsatz von ASML sprang 2023 um 30% an. Im laufenden Jahr 2024 bleibt der Umsatz jedoch nahezu unverändert auf diesem Niveau bestehen, Wachstum wird erst wieder für 2025 erwartet (dann +15%). Tatsächlich stabilisierte sich der Umsatz im abgelaufenen Q3, nachdem im ersten Halbjahr 2024 jeweils ein Minus erwirtschaftet wurde. Schon für das laufende Q4 wird ein Umsatzanstieg um 24% erwartet.

Es hat also tatsächlich den Anschein, als hätte ASML die Talsohle bereits durchschritten. Ich traue diesen Zahlen jedoch nicht, denn der Auftragseingang gibt noch keine positiven Signale aus: In den fünf Quartalen vor 2023 lag der Auftragseingang je Quartal stets über 6 Mrd. USD. In den vergangenen 8 Quartalen wurde die 6 Mrd. USD-Marke nie erreicht. Da Aufträge stets ein vorlaufender Faktor für die Umsatzentwicklung bei Maschinenbauern sind, sehe ich noch nicht wirklich den positiven Turnaround, der der Aktie Beine machen könnte.

Somit bleibe ich bei meiner Einschätzung: Die Aktie muss man nicht haben. Künftig rechne ich jedoch aufgrund der guten Marktposition von ASML wieder mit einem deutlichen Aufschwung, doch das könnte noch einige Quartale auf sich warten lassen. Wenn Sie also gute Nerven haben, könnte es sich lohnen, die Sache auszusitzen. Sollten Sie lieber für ein Ende mit Schmerzen zu haben sein, um das Geld anderswo einzusetzen, dann ist auch das eine mögliche Option.

Wir sitzen mit PVA Tepla in einer ähnlichen Situation und ich habe mich fürs Aussitzen entschieden.


 Frage vom 01.11.2024

#US-Wahlkampf und dessen Folgen

Sehr geehrter Herr Heibel,

Die US Wahl steht vor der Tür, in vielen Zeitungen lese ich die Angst vor einem Wahlsieg Trumps und dann Zollausweitungen / Handelsbeschränkungen.

Elon Musk finanziert / unterstützt zu einem großen Teil den Wahlkampf. Er betriebt Fabriken und Unternehmungen in der Ganzen Welt, in China, in Europa, was er gar nicht brauchen kann sind Handelsbeschränkungen.

Kann es einen Deal zwischen Trump und Musk geben? zunächst viel aktive Rhetorik in alle Richtungen, nach einem möglichen Wahlsieg dann doch nicht alles so schlimm? Musk wir kaum persönlichen Einsatz und eigenes Geld investieren, wenn er im Anschluß unter Handelsbeschränkungen leidet.

Vlt wird alles doch nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird..
Ich bin gespannt.

Schöne Grüße
Henry aus Wittenburg, MV

 Antwort:

Ich habe in der heutigen Ausgabe, insbesondere in Kapitel 4 bereits einige Aspekte der US-Wahlen angesprochen. Der Fokus auf die heimische Produktion besteht nun ja schon seit vielen Jahren, Donald Trump hat diesen Fokus vor acht Jahren eingeführt und Joe Biden hat die Gangart eher noch verschärft. Entsprechend mache ich mir tatsächlich wenig Sorgen darüber, dass es an dieser Stelle noch deutliche Überraschungen gibt, sofern Trump gewinnen sollte.

Vielmehr sieht sich Trump als „Dealmaker“, der - wenn nötig - auch mit dem Feind ins Bett hüpft. Um den Krieg in der Ukraine zu beenden, könnte er auf China zugehen und Zugeständnisse machen, sofern China seine Haltung gegenüber Russland überdenkt.

Kann es einen Deal zwischen Musk & Trump geben? Das wäre keine Überraschung und muss nicht unbedingt den Zielen von Trump widersprechen.

Also ja, nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Das gilt bei diesem Wahlkampf mehr denn je. Wir dürfen lediglich gespannt sein, wie lange die unterlegene Partei für Unruhe sorgen wird.