Leserfragen (November 2025)


 Frage vom 30.11.2025

#MSCI könnte Strategy aus dem Index werfen

Hallo Stephan,

wie immer Dank für die tolle Arbeit.

Könntest Du bitte noch mal auf Strategy eingehen und wie deren mögliche Herausnahme aus den MSCI-Indizes sich auf deren Liquidität und Verschuldung sowie auf den Bitcoin auswirken könnte. Auf Seeking Alpha ist dazu eine Diskussion unter den Analysten entbrannt. Hier der Link zur Meldung im offenen Bereich: https://seekingalpha.com/news/4524738-strategy-outflows-msci-indices-exclusion-jpmorgan

Danke + VG
Daniela aus Bautzen

 Antwort:

Eine Index-Aufnahme, genau wie ein Index-Rauswurf, wird von Anlegern häufig bereits im Vorfeld gespielt. Am Tag der Bekanntgabe folgt ein meist psychologisch bedingter Kurssprung, ansonsten sind die Liquiditätseffekte, die Sie ansprechen, häufig bereits im Vorfeld ausreichend umgesetzt worden.

Für Strategy im speziellen bedeutet dies, dass der Kurs durch eine solche Entscheidung natürlich im Vorfeld schon unter Druck geraten kann. Vielleicht haben wir genau das in den vergangenen Wochen gesehen. Traditionell handelte Strategy stets mit einem Aufschlag zum Wert der gehaltenen Bitcoins, diese Aufschlag ist nun futsch. Aber der dominierende Kurstreiber ist die Bitcoin-Preisentwicklung. Eine Index-Entscheidung spielt da höchstens kurzfristig eine Rolle, die von Trauern ausgenutzt werden kann. Für langfristig orientierte Anleger sollte da jedoch keine Rolle spielen.

Konkret: Strategy sollte kaum unter den Wert der gehaltenen Bitcoins sinken. Ein INdex-rauswurf könnte kurzfristig dazu führen, dass Strategy deutlich unter dem Wert der gehaltenen Bitcoins gehandelt wird, dürfte aber schnell wieder ausgeglichen werden. Wichtiger ist die Zukunftserwartung für den Bitcoin: Sollten Anleger fürchten, dass der Bitcoin nun in einige Jahres des Krypto-Winters eingebogen ist, dann könnte sich eine „Unterbewertung“ gegenüber den gehaltenen Bitcoins auch länger halten. Genauso dürfte es wieder zu einer Überbewertung kommen, sobald Anleger wieder zuversichtlich auf die Bitcoin-Zukunft schauen.

Was ich persönlich erwarte? Nun, ich bin ein unverbesserlicher Optimist, wenn es um den Bitcoin geht, und habe einen langen Zeithorizont. Doch ich bin nicht in der Lage, meinen Optimismus mit fundamentalen Daten zu begründen, insbesondere wenn es um die Zeitachse geht. Daher beschränke ich mich darauf, den Bitcoin als langfristige Alternative zum Gold zu präsentieren.


 Frage vom 26.11.2025

#Northrop Grumman und Paypal

Hallo Hr. Heibel,
Zwei kurze Fragen:
Ich kenne Ihre Zurückhaltung hinsichtlich Rüstungsaktien aber ist Northrop Grumman Corp. nach den letzten Rückgang wieder interessant?
Was ist ihre Einschätzung zu Pay Pal?
Danke für Ihre Mühe.
Beste Grüße
Bert aus Linz, Österreich

 Antwort:

Northrop Grumman gehört meinem (bundeswehruntauglichen) Verständnis zufolge zum Anbieter von altem Militärmaterial. Das Umsatzwachstum von 4-5% p.a. ist mau vor dem Hintergrund der globalen Aufrüstung, immerhin wächst der Gewinn mit 7-8% überproportional. Die Bewertung ist mit einem EV/EBITDA von 16 für das schwache Wachstum in meinen Augen fair, eher schon fast zu hoch. Also begeistern tun mich diese Kennzahlen nicht.

Paypal ist ein fantastisches Unternehmen, dass sich erstaunlich lange gegen übermächtige Wettbewerber wie Visa, Apple, etc. halten kann. Ich denke, präziser kann man die Kritik nicht formulieren ;-). Eine Zeit, in der das Unternehmen den Gewinn überproportional steigern kann, ist nicht in Sicht, da der Wettbewerb immer wieder neue Herausforderungen schafft, die nur mit hohen Investitionen gemeistert werden können. So ist Paypal zu recht so günstig (EV/EBITDA 8) bewertet.


 Frage vom 26.11.2025

#Rheinmetall günstig bewertet aber dennoch vor Rückschlagsgefahr

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich halte eine größere Position Rheinmetall Aktien. Diese sind in den letzten Tagen um 9 % eingebrochen. Liegt es an der Entspannung der aktuellen Konflikte und einem möglichen Frieden zwischen Russland und Ukraine? Haben Sie eine Einschätzung zu dieser Aktie? Soll ich lieber jetzt mit etwas Verlust verkaufen, so dass ich sie später nicht mit einem größeren Verlust verkaufen muss? Oder sehen Sie die Zukunft der Rheinmetall Aktie positiv?

Herzlichen Dank und viele liebe Grüße,
Hansjörg aus Berg

 Antwort:

Rheinmetall wächst in den kommenden Jahren mit +30% p.a. im Umsatz und überproportionalen 50% im Gewinn. Das EV/EBITDA liegt aktuell bei 28, die Aktie ist also noch immer günstig bewertet. Alle Kennzahlen, die mir vorliegen, deuten auf eine anhaltende Wachstumsdynamik hin: Das Umsatzwachstum beschleunigt sich sogar. Die Rule of 40 wird mit Werten von 50 locker erfüllt. In meinen Augen könnte die Aktie noch um 60% zulegen, ohne teuer zu werden.

Natürlich unterliegt auch diese Aktie dem Risiko der Tagesmeldungen. Sollte tatsächlich ein Friedensschluss in der Ukraine erfolgen (ich tue mich schwer, dieses Ereignis mit dem Begriff „Risiko“ zu titulieren), würden Anleger das Interesse an Rheinmetall verlieren. Es müsste sich in der Folgezeit erst zeigen, ob sich die angekündigte Aufrüstung auch nach einem Friedensschluss umsetzen lässt.

So betrachtet würde ich sagen, kurzfristig ist die Rückschlagsgefahr bei Rheinmetall durchaus gegeben. Langfristig, auf Sicht von 2-3 Jahren, dürften die bestehenden Aufträge jedoch dafür sorgen, dass die Aktie noch ein wenig höher klettern wird.


 Frage vom 26.11.2025

#Insider verspielen Vertrauen bei Droneshield

Sehr geehrter Herr Heibel!
Ich hatte lange Zeit immer mal wieder Probe ABOs.Habe hier und dort mal geschaut. Letztendlich haben Sie mich mit Ihrer Guten Arbeit überzeugt und habe mich für ein Dauerhaftes ABO entschieden.

Ich würde gerne Ihre Meinung von Drohneshield und den Vorgängen der
letzten Wochen in diesem Unternehmen hören.

Danke! Reiner aus Peine

 Antwort:

Vielen Dank für Ihr Lob :-).

DroneShield gehört in die Kategorie der Hype-Aktien, die „völlig losgelöst“ von jeglichen Bewertungsansätzen gen Himmel stürmten. Aktuell folgt die Bruchlandung, wobei die geschäftliche Entwicklung unabhängig vom Aktienkurs kontinuierlich weiter Wachstum ausweist.

Das Unternehmen ist die Speerspitze in einem neuen Verteidigungssegment: Schutz vor zivilen und militärischen Kleindrohnen. DroneShield liefert ein vertikal integriertes Paket aus Sensorik, Funkerkennung, KI-Auswertung und Störsendern, vom tragbaren Drohnengewehr bis zu stationären Systemen für Militärbasen, Häfen, Flughäfen und kritische Infrastruktur. Die Nachfrage wurde auch bei uns in Deutschland zuletzt heiß diskutiert, als vermeintlich russische Drohnen unsere Infrastruktur ausspionierten. Überall zeigt sich die Verwundbarkeit durch billige Drohnen und der Nachholbedarf bei der Abwehr.

DroneShield wächst entsprechend explosionsartig um aktuell 210%, der Gewinn springt auf niedriger Basis kräftig an. Das Unternehmen ist kaum verschuldet und der freie Cashflow ermöglicht Investitionen in Forschung, Entwicklung, Lageraufbau und Internationalisierung.

Der Aktienkurs von DroneShield kletterte im laufenden Jahr von einem Tief bei 0,60 Australischen Dollar (AUD) im Januar auf zwischenzeitlich 6,70 AUD im Oktober, eine Verelffachung! Seither brach der Kurs ein, aktuell steht die Aktie nur noch bei 2,17 AUD. Das EV/EBITDA steht trotz des Crashs noch bei stolzen 36, was vor dem Hintergrund des explosiven Wachstums aber vertretbar erscheint. Der Markt preist also nicht das heutige Geschäft, sondern jahrelanges hohes Wachstum und steigende Margen ein. Das Geschäftsmodell ist attraktiv, weil DroneShield in einem strukturell wachsenden Markt mit hohen Eintrittsbarrieren unterwegs ist: Militär- und Sicherheitskunden, lange Zulassungszyklen, sensible Technologie und hohe Integrationskosten führen zu einer gewissen Preissetzungsmacht und machen das Produkt schwer ersetzbar. Haupttreiber für die nächsten Monate sind die Geopolitik mit weiter steigenden Verteidigungsbudgets in NATO-Europa, USA und Asien und die Fähigkeit, den derzeit rund 1,2 Mrd. AUD schweren aktiven Projektpipeline in verlässlichere Umsätze zu verwandeln.

Und dann ist da noch der Vertrauensverlust: Die Reparatur des Vertrauens nach massiven Insiderverkäufen und einer missverständlichen Auftragsmeldung. Die folgende Geschichte sorgte für eine Verstimmung unter Anlegern:

Das Unternehmen hatte im Oktober eine US-Regierungsbestellung im Volumen von rund 7,6 Mio. USD zunächst als neuen Auftrag kommuniziert, die Meldung am selben Tag aber wieder zurückgezogen und später klargestellt, dass es sich nur um die regulatorisch notwendige Neuaufsetzung bereits bestehender Verträge handelte. Faktisch also kein zusätzliches Neugeschäft, obwohl der Markt das zunächst so verstanden hatte und die Aktie entsprechend in die Höhe schoss. An diesem Tag wurde das bisherige Allzeithoch erreicht.

In genau diesem kurzen Zeitfenster, in dem der Kurs von der vermeintlich positiven Nachricht profitierte, verkauften CEO und mehrere Direktoren in Summe Aktien im Gegenwert von deutlich über 60 Mio. AUD, teils nachdem sie sich den Verkauf zuvor genehmigen ließen. Gegenüber der Börse wurde zunächst der Eindruck erweckt, man habe erst im Nachhinein von den Transaktionen erfahren, doch die zeitnahen Genehmigungen stellen diese Aussage in Frage. Das Vertrauen der Anleger wurde durch diese Aktion verständlicherweise zerstört.

Ich schaue mir stets das Management von Unternehmen genau an, bevor ich Aktien empfehle. Solche Machenschaften sind für mich ein K.O. Kriterium. Ich möchte ein Management sehen, das für seine Aktionäre arbeitet, nicht dagegen. Gleichwohl bleibt der Markt für Drohnenabwehr strukturell bullisch, aber die Stimmung bei DroneShield ist nach Rallye und Vertrauenskrise fragil.


 Frage vom 26.11.2025

#Wachstumsunternehmen Toast für Restaurant-Software

Sehr geehrter Herr Heibel,

mein US-amerikanischer Neffe hat mich auf ein interessante kleineres Unternehmen aufmerksam gemacht und mir einen Kauf empfohlen.
Nach Finance Yahoo ist Toast Inc. (US8887871080) ein Software Unternehmen, das in Restaurants die Geschäftsabläufe effizienter macht. Es soll ein erfolgreiches Geschäftsmodell haben und dementsprechend in der nicht so einfachen Restaurants-Industrie gut aufgestellt sein. Eine kleinere Investition würde ich eingehen, was für eine Meinung haben Sie hierzu?

Mit freundlichen Grüßen

Peter aus Bobingen

 Antwort:

Toast bietet eine allumfassende Softwareunterstützung für Restaurants: Kasse, Bestellungen, Lieferdienste, Personalplanung, Marketing – alles läuft über eine einheitliche, cloudbasierte Plattform, über die gleichzeitig der Großteil der Kartenzahlungen abgewickelt wird. Das Geschäftsmodell ist damit ein klassisches Vertical SaaS + Zahlungsabwicklung. Relativ planbare Software-Abos plus ein prozentualer Anteil an jedem Bezahlvorgang. 6 Mrd. USD Umsatz, davon der Löwenanteil aus Zahlungsabwicklung, treffen inzwischen auf einen Gewinn (EBITDA) von 600 Mio. USD und klar positiven freien Cashflows (570 Mio. USD). Die Nachfrage muss dabei nicht künstlich erzeugt werden, denn Restaurants kämpfen seit Jahren mit zersplitterten Insellösungen, Personalknappheit, steigenden Löhnen und dem Spagat zwischen Vor-Ort-Gästen und Online-Bestellungen. Toast löst ein sehr reales Problem und kann sein Produkt tief in die Restaurantprozesse hinein optimieren, was höhere Umsätze je Standort im hohen vierstelligen bis niedrigen fünfstelligen Bereich rechtfertigt und ein Außendienstmodell ermöglicht, das für viele kleinere Softwarefirmen zu teuer wäre.

An der Börse wird Toast inzwischen wie ein qualitativ hochwertiger Wachstumswert gehandelt: Bei einem Unternehmenswert von rund 18 Mrd. USD zahlt man aktuell 29x EV/EBITDA. Für die nächsten Monate wird entscheidend sein, ob Toast sein derzeitiges Wachstumstempo von gut 25–30% im Umsatz und steigende EBITDA-Margen verteidigen kann, während viele Restaurants mit höheren Löhnen und nachlassender Konsumdynamik kämpfen.

Der Konkurrenzdruck von Square, Lightspeed, Shift4 und traditionellen Systemen bleibt hoch, wenngleich deren Angebote nur selten die vertikale Tiefe im Geschäftsprozess haben wie Toast. Angesichts eines EV/EBITDA deutlich über Branchenschnitt, praktisch keiner Verschuldung und einer mittlerweile sehr soliden Cash-Generierung scheint Toast damit in einer Phase zu sein, in der operativ vieles richtig läuft, der Bewertungshebel aber in beide Richtungen groß ist: Hält das Wachstum bei weiter steigenden Margen, kann die Aktie auch von hier aus noch laufen. Jede Enttäuschung hingegen würde die Aktie stark belasten, auch wenn Belastungen dafür verantwortlich sind, die nicht von Toast zu verantworten sind.

Also: Spannendes Unternehmen mit guter Position im Wettbewerb, allerdings ist der Wettbewerb in dieser Branche bekanntermaßen sehr hart.


 Frage vom 26.11.2025

#KI deckt windige Bilanzierungspraktiken bei Nvidia auf

Sehr geehrter Herr Heibel,

als langjähriger Leser (ich begann damals mit dem "iWatch") weiß ich die Qualität und Seriosität Ihres Börsenbriefes sehr zu schätzen. Vielen Dank für
Ihre unermüdliche und fundierte Arbeit! Ihr Börsenbrief ist jeden Abo-Cent wert.
Heute schreibe ich Ihnen, weil ich Sie auf einen Blogartikel hinweisen möchte, der das Kreislauf-Finanzierungssystem der KI-Branche thematisiert. Darin
wird gemutmaßt, dass der KI-Boom auf Phantomumsätzen beruht und Nvidia fragwürdigen Bilanzierungspraktiken nachgeht.
Da über diese Problematik in den gängigen Börsenmedien bisher nicht berichtet wurde, würde mich Ihre Meinung hierzu interessieren.

[KI deckt windige Bilanzierungspraktiken bei Nvidia auf](https://substack.com/inbox/post/179453867)

Mit besten Grüßen!

Marc aus Essen

 Antwort:

Na dann vielen herzlichen Dank für Ihre langjährige Treue :-).

Der Artikel beschreibt, wie Algorithmen am 20. November 2025 innerhalb von nur 18 Stunden nach den glänzenden Quartalszahlen von Nvidia gravierende Unstimmigkeiten in der Bilanz entdeckt haben wollen. Im Zentrum stehen auffällig hohe Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, stark steigende Lagerbestände, schwache Cashflows im Vergleich zum ausgewiesenen Gewinn sowie sinkende Margen, was alles im Widerspruch zu der offiziell kommunizierten großen Nachfrage nach GPUs stehe. Daraus ergibt sich für die KI das Bild, dass viele Kunden die gelieferten Chips gar nicht (oder nur verspätet) bezahlen können und dass Nvidia zunehmend Umsatz auf Pump macht. Parallel dazu wird offengelegt, dass große Investoren wie Michael Burry und Peter Thiel bereits vor den Q-Zahlen Aktien verkauft haben, was auf ein Smart Money-Misstrauen gegenüber der offiziellen Erfolgsstory hindeute.

Die eigentliche Sprengkraft liegt jedoch in einem vermeintlich gigantischen, kreisläufigen Finanzierungsnetz über die gesamte KI-Branche hinweg: Nvidia investiert in KI-Startups, diese verpflichten sich zu Milliarden-Ausgaben bei den großen Cloud-Anbietern, die wiederum massenhaft Nvidia-GPUs kaufen. Der Umsatz wird bei Nvidia gebucht, ohne dass dahinter ausreichend echte, profitable Nutzung der KI-Anwendungen stehe. Insgesamt summieren sich diese gegenseitigen Verpflichtungen laut Artikel auf 610 Milliarden Dollar und erinnern strukturell an Enron, WorldCom und Lucent, drei Unternehmen, die für die größten Bilanzskandale in der US-Wirtschaftsgeschichte stehen. Die Folge sind Bewertungsrisiken für Nvidia, massive Abschreibungsgefahren für KI-Startups und eine wahrscheinliche Neubewertung der gesamten KI-Infrastruktur hin zu dezentralen Alternativen. Gleichzeitig deutet sich eine regulatorische Aufarbeitung an. Ist dies der Beginn einer neuen Ära, in der maschinelle Analyse Bilanztricks in Stunden enttarnt, während die Märkte Jahre brauchen, um die Konsequenzen vollständig zu verarbeiten?

In meinen Augen zeigt sich in dieser Studie, die in diesen Tagen die Finanzwelt in Aufruhr versetzt, die Schwäche der KI: Lineares Denken. Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ ist nach wie vor irreführend, denn es handelt sich nicht um Intelligenz, sondern um Wissen. Die sogenannte KI hat ein gigantisches Wissen, das ad hoc verfügbar ist und kombiniert werden kann. So sucht die oben zitierte KI nach KI-Geschäftsmodellen, mit denen sich die Investitionen finanzieren lassen. Diese Geschäftsmodelle gibt es aber noch nicht. Daraus folgert die KI, dass die Investitionen in nicht-tragfähige Geschäfte nicht sinnvoll sind und spricht von Kreislaufwirtschaft.

Ich würde einen anderen Blickwinkel ansetzen: Natürlich werden einige, vielleicht sogar viele der KI-Unternehmen daran scheitern, funktionierende KI-geschäftsmodelle aufzusetzen. Ich bin mir derzeit bei OpenAI nicht mehr sicher, ob es Sam Altmann gelingen wird, seine angekündigten Investitionen zu finanzieren, da er bislang nur wenig Geld verdient mit seinen KI-Angeboten. Kritiker rechnen vor, dass KI-Investitionen derzeit einen Rückfluss von 20% erwarten lassen, während Investitionen in die Cloud einen Rückfluss von 140% der Investitionen versprechen. Daraus folgert der linear denkende Geschäftsmann sowie auch die KI, wie wir sie heute kennen, dass alles Geld in die Cloud investiert werden sollte.

Doch ich bin mir sicher, dass es künftig auch tragfähige KI-Geschäftsmodelle geben wird. Natürlich haben wir heute, so kurz nach der Einführung von ChatGPT im Winter 2022, noch keine etablierten KI-Geschäftsmodelle, dazu ist die KI noch zu fehlerbehaftet und zu jung. Und sicherlich werden sich einige Unternehmen mit ihren Investitionen in die KI-Infrastruktur übernommen haben.

Doch Nvidia verhält sich überaus rational: Heute wird die Grundlage dafür gelegt, dass die KI-Forschung in den kommenden Jahren, vermutlich sogar Jahrzehnten, auf der Basis des Nvidia-Ökosystems erfolgen wird. Je schneller Nvidia seine KI-Architektur in die Breite bringt, also von Hyperscalern über Staaten und große Unternehmen bis hin zu Start-Ups und Privatanwendern, um so länger wird der Erfolg der Nvidia-KI-Chips andauern. Broadcom könnte die besten KI-Chips entwickeln und würde nichts davon haben, wenn alle KI-Entwickler auf Nvidia Systemen ausgebildet wurden.

Also ja, es ist durchaus möglich, dass Nvidia kurzfristig riskiert, dass einige Investitionen in Start-Ups nicht zu den gewünschten Bestellungen von KI-GPUs im eigenen Hause führen werden. Da könnte die Erfolgsstory von Nvidia durchaus mal eine Verschnaufpause einlegen, die Aktie eine Korrektur erfahren, wie wir es gerade sehen. Doch mittelfristig sehen wir die Geburt einer neuen Intel-Dominanz, wie wir sie in den 80er und 90er Jahren gesehen haben, diesmal von Nvidia. Und da bin ich der Überzeugung, dass man Korrekturen durchstehen sollte.

Denn, Kritik wird es immer geben. Und die Kritik wird am lautesten sein, wenn die Aktie von Nvidia am Boden ist. Doch gerade dann, wenn die Aktie am Boden ist, sollten Sie als Aktionär wieder zugreifen, falls Sie sich zuvor entschieden haben, die Korrektur zu umgehen und Ihre Position zu verkaufen. Doch für Privatanleger ist es fast unmöglich, solche Korrekturen für sich zu nutzen. Verfrühte Verkäufe beschneiden die Kursgewinne und verspätete Rückkäufe führen bei solche Spielchen bei den meisten Anleger dazu, dass sie dadurch weniger profitieren, als wenn sie einfach dabei geblieben wären.


 Frage vom 26.11.2025

#Oracle Anleihen unter Stress wegen fehlendem KI-Geschäftsmodell von OpenAI

Moin Herr Heibel

Ich bin in den letzten 3 Monaten bei Oracle eingestiegen und aktuell 30% im minus. Da die Anleihe nicht gut angenommen wurde mache ich mir Sorgen über die Finanzierung der geplanten Investitionen bzw. ob das ein gutes Investment war.( Trennung Spreu vom Weizen)
Ist es evtl. besser die Gunst der Stunde zu nutzen und die Verluste über die Steuer auszugleichen und so die Verluste zu minimieren oder abzuwarten bzw. aussitzen.

Ihre Meinung dazu würde mich interessieren und Danke für ihre Analysen

Michael aus Erbach

 Antwort:

Das ist eine schwere und sehr individuelle Frage. Grundsätzlich gehört Oracle zur KI-Allianz, die sich in meinen Augen etwas zu hoch verschuldet hat. Schauen wir mal, ob daraus zu folgern ist, dass Sie Angst um die Zins- oder gar Rückzahlung der Anleihe haben müssen.

OpenAI sucht händeringend nach einem KI-Markt. Das überlegene LLM von ChatGPT verliert nach nunmehr drei Jahren langsam seinen Vorsprung, Googles Gemini hat inzwischen aufgeschlossen, wenn nicht gar überholt. OpenAI muss nun strategisch überlegen, welchen Markt es angreifen möchte.

Meta: Die Algorithmen, mit denen Meta Kurzvideos über Instagram ausliefert, sind überaus effizient. Meta investiert dreistellige Milliardensummen, um dem Wettbewerb zu zeigen, dass es aussichtslos wäre, Meta in diesem Bereich anzugreifen. Meta entwickelt sogar eigene KI-Chips, übrigens in Kooperation mit Broadcom. Wettbewerber wie TikTok und Snap investieren ebenfalls kräftig. Was bringt OpenAI mit, um in diesem Bereich besser zu sein als die anderen? Vielleicht das bessere KI-Modell, aber den größeren Datenschatz haben die anderen und das KI-Modell kann nachgebessert werden.

Microsoft: Im Bereich der Business-Anwendungen, wenn Teamarbeit über eine KI koordiniert werden soll, ist Microsoft mit seinem Copilot im Rennen. Salesforce investiert in diesem Bereich kräftig in seine Agentforce, die insbesondere Business-Anwendungen unterstützen sollen. OpenAI dürfte Probleme haben, in diesen Bereich vorzudringen.

Amazon: Der weltgrößte Online-Händler optimiert seine Verkaufs-KI mit Hilfe eigener KI-Chips, die übrigens ebenfalls gemeinsam mit Broadcom entwickelt werden. OpenAI hat bereits Kooperationen mit Einzelhändlern abgeschlossen. Doch ich bin mir nicht sicher, ob es gegen den Giganten Amazon eine Chance haben kann.

Google entwickelte Gemini auf Basis eigenentwickelter Chips (übrigens in Kooperation mit Broadcom). Dadurch konnte mehr Rechenpower für die spezielle KI-Entwicklung genutzt werden als bei Nvidia eingekauft werden konnte. Die KI-Modelle von Google sind inzwischen, nach drei Jahren, ebenfalls soweit brauchbar, dass das Ergebnis der Anstrengungen ein sichtbarer Erfolg ist.

Was bleibt für OpenAI? Nur noch der Ruf nach staatlicher Unterstützung, wenn die Finanzierung nicht mehr zu stemmen ist? Die zugesagten Investitionen übersteigen die Finanzierungsmöglichkeiten bei Weitem. Und Oracle und Softbank sitzen mit im Boot. Die Softbank verkaufte bereits alle Nvidia-Aktien und einen großen Teil weiterer Beteiligungen, um Kapital für die Finanzierungen zu sichern. Oracle gab eine Vielzahl von Anleihen aus. Kurz danach verließ die langjährige Finanzchefin, die von der Finanzbranche stets dafür gelobt wurde, dass sie die Bilanz von Oracle so solide hielt, den Konzern.

Oracle muss ab nächsten Jahr jährlich Anleihen in Höhe von durchschnittlich 3 Mrd. USD zurückzahlen. 2027 sind es 6 Mrd. USD, 2030 nur 3 Mrd. USD, 2033 nur 1 Mrd. USD. Die Anleihen werden von den Ratingagenturen mit BBB oder einem Äquivalent von Investment Grade 5-7 eingestuft. 1 wäre am besten, 10 wäre die schwächste Investmentempfehlung. Darunter kommen noch High Field 1-6 und dann distressed (notleidend).

Oracle hat einen jährlichen freien Cashflow von … oh, hoppla, das ist ja negativ: Oracle muss im laufenden Jahr 9 Mrd. zusätzliche Schulden aufnehmen, im Jahr danach nochmals 15 Mrd. USD. Bei erwarteten 67 Mrd. USD Jahresumsatz ist das eine ordentliche Hausnummer. Der Gewinn (EBITDA) liegt bei 35 Mrd. USD und reicht offensichtlich nicht aus, um die Investitionen zu finanzieren. Hmm, da kommen nun Zweifel auf, ob Oracle die Investitionen auch langfristig wird finanzieren können. Das wiederum hängt davon ab, ob OpenAI, einer der großen Auftraggeber, auch langfristig in der Lage sein wird, die versprochenen Investitionen zu finanzieren.

Und genau hier beißt sich die Katze in den Schwanz: OpenAI sucht noch ein KI-Geschäftsmodell. Ich habe oben gezeigt, dass OpenAI ursprünglich durch das beste KI-Modell mit einem Vorsprung von 3 Jahren inzwischen 800 Mio. Kunden weltweit gewinnen konnte. Doch nun zieht die Konkurrenz nach und bietet spezialisierte KI-Angebote für ihre angestammte Kundschaft. OpenAI kann nicht gleichzeitig gegen alle Hyperscaler antreten und wird auch Probleme haben, in auch nur einen der angestammten Bereiche einzudringen. Und ein eigenes KI-Geschäftsmodell hat OpenAI noch nicht.

Also: Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass OpenAI seine versprochenen Investitionen nicht wird erfüllen können. Doch ist das ausreichend, um Oracle in die Knie zu zwingen? Ich denke nicht. Sie kennen mich als KI-Optimisten und so gehe ich davon aus, dass jede Rechenleistung, die in den kommenden 2-3 Jahren gebaut wird, auch von irgendjemandem nachgefragt wird: Unternehmen, Staaten, letztlich auch Privatanwender. Die Bilanz von Oracle ist solide und ich traue es dem Management zu, rechtzeitig den Schwenk weg von OpenAI hin zu neuen Kunden zu schaffen, wenn’s wirklich erforderlich werden sollte. Doch in der Zwischenzeit wird es turbulent zugehen und die Zahlungsfähigkeit von Oracle könnte in diesem Umfeld auch mal in Frage gestellt werden.

Anleihen werden nach Fälligkeit zu 100% zurückgezahlt und wenn wir der Einstufung der Ratingagenturen glauben, dann ist Oracle noch immer gut unterwegs. Doch zwischenzeitlich könnte es turbulent werden und ich weiß nicht, ob diese Turbulenzen dann nicht auch mal ein Opfer erfordern könnten. Wie gesagt: Ich glaube, Oracle kann das meistern, aber wer bin ich, um mir da „sicher" zu sein. Und Anleihen sollten ja in der Regel ein sicherer Hafen sein.


 Frage vom 19.11.2025

#Grundsatzfragen zu Konjunkturdaten und deren Wirkung auf Konjunktur & Inflation

Sehr geehrter Herr Heibel,

freue mich schon auf die hochprofessionelle Ausgabe des Börsenbriefes für diese Woche. Natürlich habe ich auch Fragen mitgebracht.

1. Ist es vielleicht ausreichend auf die Wirtschaftsdaten zu schauen, welche die Fed für den amerikanischen Markt beobachtet: GDP, Non farm Payrolls und PCE Index, da ich mittlerweile die Vermutung habe, dass Wirtschaftsdaten an sich in den letzten Jahren gar nicht mehr so stark beobachtet werden und die KI Nachrichten über immer höhere Investitionen viel stärker beachtet werden, oder ist dies nur meine Wahrnehmung?

2. Macht es Sinn Aktien aus ihrem Portfolio und Auch generell US Aktien in einem Dollar geführten Depot wegen Währungsschwankungen zu handeln und das Depot auch viele Jahre in US Dollar zu halten, oder macht dies ihrer Ansicht keinen Sinn?

3.Ist es Sinnvoller Aktien zum Jahresende immer zu verkaufen und dann zum Jahresbeginn direkt wieder den Gewinn zu reinvestien wegen dem Zinseszins?

4. Zählen non farm payrolls, pmi und Arbeitslosenquote eher zu Wachstumdaten oder Inflationsdaten bezogen auf die 4 unterschiedlichen Wirtschaftszyklen: Goldilocks, Reflation, Stagflation und Deflation?

5. Sehen Sie den S&P500 und den Dax40 bis nächstes Jahr zur Sommerpause eher steigen, oder fallen?

Vielen Dank im voraus für Ihre Antwort und

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen,
Dennis aus Heinsberg

 Antwort:

Das sind ja recht konkrete und doch umfangreiche Fragen. Ich werde mal versuchen, sie zu beantworten.

Zu 1.: Ausreichend wofür? Ich habe eigentlich kaum einen festen Fahrplan für Konjunkturdaten, sondern ich richte mich nach dem, was am Markt am lautesten diskutiert wird. Für mich ist die Stimmung der Anleger am wichtigsten. Daher schaue ich weniger auf die absoluten Zahlen von Wirtschaftsdaten als vielmehr auf die Veränderung in der Stimmung, die überraschende Daten erzeugt. Daraus schließe ich dann, in welcher Verfassung der Markt gerade ist. Klingt kompliziert, ist es leider auch :-(.

Zu 2.: Absolut nicht. Gehen wir mal davon aus, dass Sie in Deutschland (oder Europa) leben und abgesehen von einem Auslandsurlaub Europa nicht verlassen. Ob Sie eine Apple-Aktie in Ihrem Euro-Depot halten, oder in einem US-Dollar-Depot, spielt für Sie keine Rolle. Die Kurse laufen, bereinigt um die Wechselkursänderung, parallel. Wenn Sie die Aktie in US-Dollar halten, dann spüren Sie den Wechselkurs am Tag Ihres Verkaufs, da Sie vermutlich dann den Erlös auf Ihr Euro-Konto buchen lassen. Wenn Sie die Aktie in Ihrem Euro-Depot halten, sehen Sie täglich den Euro-Wert.

Häufig fallen Gebühren für US-Dollar Depots an, daher vermeide ich das.

Zu 3.: Naja, Sie partizipieren doch am Kursgewinn. Ob Sie den zum Jahresende realisieren und dann zum Jahresbeginn das Geld wieder neu einsetzen, bringt doch keinen Gewinn gegenüber dem Liegenlassen. Sie bekommen zum Jahresbeginn nicht mehr Aktie, als Sie zum Jahresende hatten. Negativ sind bei einem solchen Verkaufen-Kaufen-Prozess natürlich die Transaktionskosten, die den Gewinn schmälern würden. Nein, das macht keinen Sinn.

Zu 4.: Non-Farm-Payrolls, PMI und Arbeitslosenquote gehören klar auf die Wachstums-Achse. CPI & PCE bestimmen die Inflationsseite.

Wenn man das 4-Felder-Modell nimmt – Goldilocks, Reflation, Stagflation, Deflation – dann sind NFP, PMI und Arbeitslosenquote die klassischen Aktivitäts-Indikatoren: Wie gut läuft die Wirtschaft, wie eng ist der Arbeitsmarkt, wie viel Nachfrage steckt im System?

Non-Farm-Payrolls messen, wie viele Jobs neu geschaffen werden. Das ist pures Wachstumsfutter: viele neue Stellen = starke Konjunktur, schwache NFP = Wachstumsdelle. PMI ist ein Frühindikator für die reale Aktivität in Industrie und Dienstleistungen. Ein Wert deutlich über 50 signalisiert Expansionsphase, unter 50 Schrumpfung. Die Arbeitslosenquote schließlich ist die Kehrseite der NFP: niedrige Quote = boomender Arbeitsmarkt, hohe Quote = schwache Nachfrage.

Über Lohnverhandlungen und Konsum wirkt sie mittelbar auf Inflation, aber in der Systematik deines Zyklusmodells gehört sie klar in den Wachstumsblock.

Für die Einordnung in die vier Phasen können Sie sich das so merken:
Goldilocks und Reflation sind die Wachstums-hohen Phasen: NFP kräftig, PMI >50, Arbeitslosenquote eher niedrig oder fallend – der Unterschied liegt dann bei den Inflationsdaten (moderate Inflation = Goldilocks, anziehende Inflation aus tiefem Niveau = Reflation).

Stagflation und Deflation sind die Wachstums-schwachen Phasen: NFP enttäuschend, PMI um/unter 50, Arbeitslosenquote stabil hoch oder steigend – ob das dann Stagflation oder Deflation ist, entscheidet die Inflationsseite (hoch = Stagflation, fallend/niedrig = Deflation).

Zu 5.: Ich bin kein Seher ;-). Grundsätzlich gehe ich derzeit davon aus, dass wir punktuelle Korrekturen in überhitzen Aktienbereichen erleben (Kryptomining, Nuklearenergie, kreditfinanzierte KI-Rechenzentren, ...), die Grundtendenz sollte aber bis März/April meiner Einschätzung nach positiv bleiben.


 Frage vom 19.11.2025

#Risiken des Bitcoins von Strategy, Walen und ETFs

Hallo Herr Heibel,

Ich habe eine Frage bezüglich Bitcoin und Krypto im Allgemeinen. Haben wir hier noch eine unabhängige Alternative zu Gold?
In letzter Zeit wurden vor allem von Firmen wie Strategy große Summen an Bitcoin Käufen getätigt. Außerdem lese ich immer wieder, dass große Wale stattdessen ihre alten Bitcoin Bestände verkaufen. Wie gefährlich sind diese Treasury Unternehmen für den Markt in diesem Kontext? Mir persönlich ist nicht klar, warum man in solche Unternehmen investieren sollte, beziehungsweise ob es nicht sogar ein Schneeballsystem ist, dass irgendwann kollabiert? Was würde in diesem Kontext mit dem Bitcoin Kurs passieren? Ich weiß nicht, ob sie schon einmal von Julian Hosp gehört haben. Ich persönlich bin kein großer Freund seiner polarisierend Thesen, nutze sie aber, um mich kritisch mit der Situation auseinander zu setzen. Er war ein großer Bitcoin Verfechter und lässt nun keine Gelegenheit aus, gegen Krypto und Bitcoin zu wettern. Er spricht den Kryptos den Nutzen und aufgrund der ETFs und deren Regulation auch die Unabhängigkeit ab. Auch die limitierte Anzahl von Bitcoin ist für ihn kein Punkt solange die Nachfrage nicht da ist. Ist zu befürchten, dass die Unternehmen einen massiven Kursrutsch auslösen, wenn sie nachhaltig unter einen mNAV von 1 fallen? Die großen Treasury Firmen sind diesem Wert gefährlich nahe.
Ich entschuldige mich für die etwas längere Frage, ich wollte sicherstellen, dass der Kontext klar ist. Über eine Einschätzung würde ich mich sehr freuen.

Besten Dank für Ihre Antwort und Ihre exzellenten Analysen.
Michael aus München

 Antwort:

Die Kontrolle über den Bitcoin bleibt verteilt auf tausende Miner, auch wenn diese ihre Stimmvollmacht vorübergehend an Mining-Pools abgeben. Ich vertraue darauf, dass das Bitcoin-Netzwerk auch in der Zukunft Lösungen finden wird, wenn sich zu viel Macht auf den Schultern einiger weniger konzentriert.

Mit dieser grundlegenden Einschätzung blicke ich zuversichtlich auf die kommenden Jahrzehnte und widerspreche damit der von Ihnen genannten Meinung einer Person, die ich nicht kenne.

Schneeballsystem? Nun, wenn Gold ebenfalls ein Schneeballsystem ist, dann hat er in diesem Punkt recht. Das „Schneeballsystem“ hält sich bei Gold schon seit Jahrtausenden, weil der Mensch stets einen Zufluchtsort vor der Gesellschaft benötigt. Der Bitcoin ist ebenso ein Zufluchtsort, nur eben digital. Wenn weltweit weniger Oligarchen und Tyrannen regieren, könnte der Bitcoin nachhaltig an Bedeutung verlieren. Menschen könnten wieder Vertrauen in die politischen Geldsysteme fassen. Das würde ich mir wünschen, sehe es derzeit aber nicht.

Strategy (vormals Microstrategy) und Bitcoin-Wale sind Teil des verteilten Systems. Sollte es zu Zwangsliquidationen kommen, wie immer wieder in Richtung Strategy befürchtet wird, dann würde der Abverkauf der Strategy-Bitcoins (aktuell über 600.000 Stück) sicherlich zu einem Preissturz führen. Ich sehe diese Gefahr für Strategy aber nicht: Das Unternehmen wird mit 74 Mrd. USD bewertet (EV), was über dem aktuellen Wert des Bitcoin-Bestands (54 Mrd. USD) liegt. Doch die ausstehenden Schulden belaufen sich lediglich auf 8 Mrd. USD, fällig in den Jahren 2028 bis 2032. Zum Bedienen dieser Schulden könnte Strategy jederzeit ein paar Bitcoin verkaufen.

mNAV, Market Net Asset Value, also der Marktwert der Bitcoins, die Strategy hält: Ich habe nun nochmals genau nachgeschaut und gerechnet. Strategy veröffentlichte zuletzt am 26.10. die Menge an gehaltenen Bitcoin: 640.808 Bitcoin, die zu durchschnittlich 74.032 USD gekauft wurden. Kurs aktuell: 91.500, also +23%.

Der aktuelle Marktwert dieser Bitcoin beträgt 58,6 Mrd. USD. Der Enterprise Value liegt bei 74 Mrd. USD, die Marktkapitalisierung (also nach Abzug von Schulden und Vorzugsaktien) liegt bei 59 Mrd. USD. Damit liegt der mNAV also bereits unter dem Enterprise Value. Was bedeutet das?

Nun, Strategy verfolgte bislang die Strategie, neue Aktien zu verkaufen, um mit dem Erlös Bitcoin zu kaufen. Solange eine Aktie mehr wert ist als der anteilige MNAV der gehaltenen Bitcoins, war es für Strategy sinnvoll, neue Aktien auszugeben. Dadurch konnten für den Gegenwert der neuen Aktien mehr Bitcoin je Aktie gekauft werden als bislang je Aktie im Bestand befindlich. Somit profitierten also auch die Altaktionäre von dieser Strategie, da ihre Aktie nicht nur parallel zum Bitcoin-Preisanstieg zulegte, sondern sogar überproportional durch die stets leicht größere Zuführung neuer Bitcoin-Anteile.

Nun fiel der mNAV je Aktie also unter den Bitcoinpreis. Das System, mit dem neue Investoren angelockt wurden, funktioniert also nicht mehr. Doch nun enthält jede Aktie anteilig mehr Bitcoin, als ihr Kurs anzeigt. Sie können aktuell also über die Strategy-Aktie Bitcoin zum reduzierten Preis kaufen. Eigentlich dürfte das für eine steigende Nachfrage nach Strategy-Aktien sorgen, was wiederum den Kurs stabilisieren sollte.

Dennoch fürchten einige Marktbeobachter, dass diese Vorgänge ein negatives Signal in den Markt senden. Wenn Anleger für eine Strategy-Aktie nicht einmal so viel auf den Tisch zu legen bereit sind, wie Bitcoin hinter jeder Aktie stehen, dann interpretiert man dies als Pessimismus gegenüber dem Bitcoin. Darüber hinaus fällt nun Strategy als wichtiger Käufer am Bitcoinmarkt aus, da die Finanzierung über die Ausgabe neuer Aktie bei niedrigem Kurs nicht mehr funktioniert. Daraus leiten Skeptiker ab, dass der Bitcoin nun in eine Abwärtsspirale verfallen könnte, die nur schwer aufzufangen sei.

All dies vor dem Hintergrund der immer wieder in Frage gestellten Nützlichkeit des Bitcoins wird meiner Einschätzung nach tatsächlich zu einem ordentlichen Verkaufsdruck führen. Wir befinden uns mittendrin. Doch fragen Sie mich nicht, wie weit der Bitcoin fallen kann. Wie gesagt, ich sehe dessen Nutzen langfristig.

Ich kann natürlich nicht ausschließen, dass irgendwann einmal ein Zwangsverkauf bei einem Wal erfolgt. Oder, schlimmer noch, ich kann ich nicht ausschließen, das einer der Wale irgendwann mal die Welt in den Abgrund reißen möchte und dies durch den Verkauf seiner Bitcoins lostreten möchte. Stranger things happened. Also ja, die Gefahr besteht. Doch wie wahrscheinlich ist sie? Ich halte es für unwahrscheinlich.


 Frage vom 19.11.2025

#Vietnam ETF

Hallo Herr Heibel,
ich war gerade mit einer Gruppe von 17 Unternehmern in Vietnam. Wir haben uns dort einige Firmen wie Tesa (Beiersdorf), Vinfast, zwei kleine"Chipfertiger", ein Rechencentrum usw. angeschaut und hatten Gelegenheit mit den Inhabern oder Vorständen zu sprechen.

Weiterhin konnten wir den CEO von Deep C Industrial Zone in Hai Phong sprechen, der uns die Vision des Hafenausbaus mit Anschluß an die neue Eisenbahnstrecke (mit Anschluß an Chinas Süden) und die Erweiterung für zukünftigen Tourismus aufzeigt.

Weiter Gesprächspartner waren Mitarbeiter von Banken und Beratern im Deutsch Haus von Ho Chi Minh City. Begleitet wurden wir auf der gesamten Reise von Host Geicke der seit vielen Jahren in Hongkong, China und Vietnam investiert. Vietnam glänzt weiterhin durch Reformen und Abbau von Bürokratie. So wurde z.B. in den letzten 6 Monaten die wie bei uns ähnlichen Bundesländer um 50% verkleinert/zusammengelegt um sich insgesamt als Land schlanker und schneller aufzustellen.

Jetzt zu meiner Frage:
Vietnam wächst seit Jahren um 8 -10% und will diese Wachstum - was ich glaube - fortsetzten. Man spricht dort von China Plus 1. Ich würde gerne an dem langfristigen Wachstum "teilnehmen" und suche nach einer Anlagemöglichkeit im Bank-, Verkehr oder Real Estade Bereich. Das sind aus meiner Sich die Aktien die zuerst vom Wachstum profitieren. Ich denke es könnte - auch von das Land nur von eier Partei geführt wird - eine China 2.0 werden.

Vlt. haben Sie ähnliche Gedanken oder schauen sich den Aktienmarkt dort mal an. Es wäre schön, wenn Sie mir eine Rückmeldung mit Ihrer Meinung oder sogar einen Aktien oder ETF Tip gegen könnten.

Freundlichen Gruß
Stephan aus Düsseldorf

 Antwort:

Der Xtrackers FTSE Vietnam Swap UCITS ETF (WKN: DBX1AG ISIN: LU0322252924) bildet über Swaps den vietnamesischen Markt ab. Das Volumen ist gering, ich habe keinen Einblick in die dortige Finanzregulierung. Zum Spekulieren können Sie sich einen solchen ETF zulegen, doch es gibt bei Swap-ETFs zusätzliche Risiken. Ich vermute, dass der vietnamesische Finanzmarkt eben noch nicht ausreichend reguliert ist, um es westliches ETFs zu ermöglichen, dort direkt in die entsprechenden Aktien zu investieren.

Ich habe schon häufig aussichtsreiche Länder gesehen, in die ich gerne investiert hätte. Dann hört man von Einzelnen, die vor Ort erfolgreich investierten. Doch um aus der Ferne zu investieren, müssen Sie zusätzliche Risiken in Kauf nehmen und daher kann das in meinen Augen höchstens eine kleine Spekulation sein.


 Frage vom 19.11.2025

#Nvidia, AMD und General Electric: Lohnt sich das Tal der Tränen?

Lieber Herr Heibel,
ich habe gestern in meinem Ntv-Nachrichten einen Artikel über die Kreisgeschäfte der grossen Chip und KI Firmen gelesen. Da ich schon Jahre in AMD (2023;17,50€) und Nvidia (2021;21,17€)investiert bin, hat sich ganz schön was angesammelt. Im Depot stark übergewichtet,habe ich aus steuerlichen Gründen nur wenig davon verkauft.Meine Depots sind 2025 Stand heute 29% im plus,Dank Nvidia,AMD,GE...

Ihre Meinung zu diesen "Kreisgeschäften" würde mich sehr interessieren.

Mit freundlichen Grüssen
Hans-Jürgen Löffler aus Michendorf

PS: wir sind Jahrgang 1938 und wir haben seit 1972 ein paar Aktien, haben wir eine Menge mit Aktien erlebt, also unser Bedarf an Aufregungen an der Börse ist gedeckt.

 Antwort:

Das Thema „Kreisgeschäfte“ geht schon seit einigen Wochen in der KI-Branche um. Ich habe in den vergangenen Wochen mehrfach dazu Stellung bezogen. Neben OpenAI und Oracle griff diese Woche auch Amazon zum Instrument der Kreditfinanzierung von KI-Rechenzentren. Wir sehen eine heftige Korrektur in der KI-Branche, so auch bei Nvidia und AMD.

Ihrem abschließenden Satz entnehme ich, dass Sie keine Lust haben, ein Tal der Tränen zu durchschreiten. Doch genau das hat Ihnen in der Vergangenheit vermutlich die gute Performance in der Aktienanlage beschert. In meinen Augen sind gerade Nvidia und AMD bestens aufgestellt, um auch ohne die Hyperscaler weiter zu wachsen, nicht zuletzt durch Staaten, die inzwischen an eigenen KI-Lösungen forschen, sowie später auch durch große Unternehmen, die nicht von den Hyperscalern abhängig sein wollen. Der aktuelle Rückschlag ist daher in meinen Augen dazu da, ungeduldige Anleger zu vergraulen.

Doch wer diese Korrektur aussparen möchte, der muss zweimal richtig liegen: Einmal, wann der beste Verkaufszeitpunkt ist, und dann nochmal, wann der beste Wiedereinstiegszeitpunkt ist. Wenn man ein erfolgreiches Unternehmen im Depot liegen hat, das auf Sicht von 2-3 Jahren noch immer günstig bewertet ist, und ich halte Nvidia und AMD aus diesem Blickwinkel noch immer für günstig, dann sollte man nicht riskieren, sie zu verkaufen und dann nicht mehr den richtigen Einstiegszeitpunkt zu finden.

Natürlich ist es eine andere Frage, wenn Sie auf das Geld aus diesen Aktien angewiesen sein sollten. Dann wäre ein Umschichten tatsächlich ratsam, ich würde dann ein paar Dividendenaktien ins Portfolio holen, um regelmäßige Ausschüttungen zu erhalten, die dann in die Haushaltskasse fließen können.

Ich hoffe, ich konnte ein paar Denkanregungen geben.


 Frage vom 19.11.2025

#Tauschangebot CureVac in BioNTech bei hohem Verlust annehmen?

Hallo Herr Heibel,
ich habe noch einen Altbestand von 45 CureVac - Aktien. Diese weisen einen hohen Verlust aus: Vor Jahren gekauft für 75 € je Aktie.
Empfiehlt es sich, für diese Aktien das Tauschangebot in Höhe von 5,46 $ anzunehmen (aktueller Kurs: 5,25 $) oder würden Sie mit hohem Verlust verkaufen und dann den Wertverlust steuerlich geltend machen?
Danke und Grüße
Gerhard aus Wurstweiler

 Antwort:

Ihre Frage streift zwei Themen: Steuer & BioNTech.

Wenn Sie im laufenden Jahr ausreichend Gewinne realisiert haben, dann würde ich die Position verkaufen und den steuerlichen Verlust nutzen, um die Abgeltungssteuer auf die bereits erzielten Gewinne zu mindern.

Wenn nicht, dann würde ich die Entscheidung von meiner Meinung zu BioNTech abhängig machen. BioNTech ist in meinen Augen auf einem guten Weg, Fortschritte in der Krebsforschung zu erzielen. Nach wie vor liegen in der Bilanz 10 Mrd. EUR an Barreserven. Aktuell „verbrennt“ das Unternehmen rund 700 Mio. EUR pro Jahr. Sollte in einigen Jahren mal ein erfolgsversprechendes Produkt gefunden werden, dürfte das Unternehmen die üppigen Barreserven für die Marktzulassung und Markteinführung verwenden. So oder so bleibt es eine heiße Spekulation.

Zwar ist BioNtech finanziell bestens aufgestellt, um im Falle eines Forschungserfolges einen großen Teil des zu erwartenden Gewinns zu erwirtschaften, ohne auf fremdes Kapital angewiesen zu sein. Doch es bleibt die Variable „im Falle eines Forschungserfolges“. Und die kann ich nicht abschätzen.

Für meinen Geschmack sind Forschungsergebnisse noch immer zu weit in der Zukunft. Ich würde mit anderen Biotech-Unternehmen auf einen Aufschwung in dieser Branche spekulieren, die von den derzeit rückläufigen Zinsen profitiert. Doch Ihr Investment beträgt knapp 250 EUR, ist also ziemlich überschaubar. Wenn Sie mit einem solchen Betrag 10% oder 20% erwirtschaften, wird Sie das nicht reich machen. Warum also nicht mit einem so kleinen Betrag voll ins Risiko gehen? Aber gegen diese Vorgehensweise spricht meine eigene Regel, dass ich nicht zu viele „Leichen“ in meinem Portfolio haben möchte. Ich persönlich würde daher hier das Ende mit Schrecken wählen, die Position versilbern und nach anderen Aktien Ausschau halten.

Warten auf eine Abfindung lohnt ebenfalls nicht, denn die Schwankungen im Cent-Bereich, um die sich der Übernahmepreis noch ändern kann, spielt prozentual letztlich kaum eine Rolle.


 Frage vom 19.11.2025

#Bitcoin-Absturz

Guten Abend Herr Heibel,

ich bin ein bekennender "Bitcoin- Fan" und fühle mich mit Ihren Ausführungen zu dem Thema immer wieder bestätigt.
Ich bin schon lange dabei und habe erst einmal zwischendurch starke Zweifel gehabt. Das war der Rückgang von 60T auf 20T Dollar.
In meinen Augen ist der Bitcoin "erwachsen" geworden. Er findet immer mehr Beachtung und gewann zunehmend an Bedeutung. Die Vola wurde geringer und bedeutende Rücksetzer erfolgten im Rahmen des gesamten Marktes.
Jetzt haben wir aus meiner Sicht aber eine neue Sitution. Obwohl der Gesamtmarkt nach wie vor Rekorde aufstellt(Dow), fällt der Bitcoin auf immer neue Tiefs. Selbst das Reißen der 100.00er Marke erfolgte nun ohne größere Gegenwehr.
Ich habe nirgendwo Anhaltspunkte gefunden, die diesen nachhaltigen Rückgang begründen.
Cathie Woods äußerte sich und meinte, da verschiebt sich etwas vom Bitcoin zu den Stablescoins. Das kann aber auch nicht der Grund sein, da würden Coinbase und Circle im Gegenzug steigen.
Kennen Sie einen Grund oder mehrere Gründe, welche die Kursschwäche erklären können?
Sie könnten meine "kleinen" Zweifel vielleicht aus der Welt schaffen.

Falls ich zu keiner anderen Meinung gelange, möchte ich bei 90TDollar weiter zukaufen. Würde aber auf den von Ihnen vorgeschlagenen ETP wechseln wollen, der eine geringer Gebühr p. a. aufweist, als der den wir im Depot haben. Leider kann ich den Ticker nicht ausfindig machen, indem Sie ihn vorgestellt haben.
Können Sie mir auch da bitte behilflich sein?

Vielen Dank und Grüße
Roy aus Lützen

 Antwort:

Hier die Daten zum alternativen, günstigeren ETF:
CoinShares Physical Bitcoin Index-Zertifikat
WKN: A3GPMN ISIN: GB00BLD4ZL17
Jährliche Kosten: 0,3%

Sie finden die Informationen am besten im Mitglieder-Bereich unserer Webseiten, wenn Sie auf „Updates“ gehen und dort dann im Pulldown „Absicherung“ auswählen. Der entsprechende Artikel stammt vom 18.7.25, die Daten zu diesem ETF habe ich aber zusätzlich auch in die Beschreibung zum Bitcoin eingefügt.

Nach wie vor ist der Bitcoin ein vergleichsweise wenig regulierter Markt. In den vergangenen Monaten strömte sehr viel institutionelles Geld in den Bitcoin, so dass dieser langsam sein Image als „Freak-Investment“ verliert. Von Mainstream sind wir noch weit entfernt, aber immerhin schreitet die Regulierung voran und parallel mit ihr die Akzeptanz durch Investoren.

Das hat zur Folge, dass die 4-Jahreszyklen, die zu Preisvervielfachungen und anschließenden Korrekturen um 75-80% führten, immer schwächer werden. Wurde also für diesen Zyklus ein Bitcoin-Hoch bei 160.000-180.000 USD erwartet, so wurde bislang nur 125.000 USD erklommen. Seit diesem Allzeithoch im Oktober brach der Bitcoinpreis auf inzwischen 91.000 USD ein, -27%.

Im Heibel-Ticker verwenden wir den Bitcoin weniger zum Spekulieren als vielmehr für die langfristige Vermögensanlage. Die heftigen Schwankungen wurden bislang durch die Investitionszyklen in die Mining-Hardware determiniert. Inzwischen spielen jedoch Spekulanten und institutionelle Anleger eine viel größere Rolle. Ich will nicht ausschließen, dass die gemäß den 4-Jahreszyklen die nahende Korrektur bereits frühzeitig durch ihre Gewinnmitnahmen eingeläutet haben könnten. Auf der anderen Seite wird es auch viele Bitcoin-Spekulanten geben, die kreditfinanzierte Spekulationen vorgenommen haben. Diese sind nun mit ihrem Investment im Minus und müssen gegebenenfalls ihre Spekulationen mit Verlust auflösen. Sprich: Die Korrektur könnte den Bitcoin noch deutlich tiefer führen, wenn seitens überschuldeter Spekulanten Druck auf das System gegeben wird.

Sie wollen wissen, ob meine langfristige Überzeugung Risse bekommen hat: Nein. Ich würde weiterhin auf dem Weg nach unten schrittweise nachkaufen. Nicht alles auf eine Karte setzen, sondern noch ausreichend Spielraum zum Nachlegen lassen.


 Frage vom 14.11.2025

#KI-Stromverbrauch ETF

Lieber Herr Heibel,

danke für ihren spannenden Newsletter! Darf ich Sie fragen, wie Sie den erwarteten weltweit starken Anstieg des Stromverbrauchs in Rechenzentren in den nächsten fünf Jahren einschätzen? Verschiedene Studien prognostizieren enorme Zuwächse, und Sie hatten ja schon im September darauf hingewiesen, dass Deutschland bis 2035 kaum nachkommen wird – spannend finde ich dabei, dass der Verbrauch wohl unabhängig davon steigen dürfte, ob mit KI kurzfristig überhaupt Gewinne erzielt werden.

Eine Möglichkeit, die ich gefunden habe, ist folgender ETF:
ETF First Trust Nasdaq Clean Edge Smart Grid Infrastructure
IE000J80JTL1

Ich wäre sehr gespannt auf ihre Meinung zu dem ETF. 🙏
Herzliche Grüße
Jonathan aus Wien

 Antwort:

Der jährliche Stromverbrauch global liegt bei rund 24 TWh. Deutschland verbraucht 0,5 TWh, also 2%. Alle Rechenzentren der Welt verbrauchen 0,45 TWh. Die laufenden und bereits angekündigten Projekte neuer Rechenzentren werden den Stromhunger von Rechenzentren bis 2030 auf rund 1 TWh mehr als verdoppeln, ein Wachstum von 17% p.a. Diese Wachstumsrate ist ein Vielfaches dessen, was Netflix, EVs und Energiewende an Stromverbrauchwachstum erzeugen.

Weltweit steht rund die Hälfte der Rechenzentren in den USA, ein Viertel in China und 15% in Europa (Frankfurt, Niederlande, Irland, Nord-Schweden). Dabei stellt die Konzentration auf wenige Standorte eine besondere Herausforderung dar, denn die lokale Infrastruktur wird durch das starke Wachstum überfordert: Leitungen fehlen, Umspannwerke sind voll, Genehmigungen dauern. [Daher mein Hinweis im September](https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2335): Deutschland wird bis Mitte der 2030er Jahre Mühe haben, den zusätzlichen Bedarf an Rechenzentren, E-Mobilität und Wärmepumpen gleichzeitig zu stemmen.

Der von Ihnen genannte ETF entwickelte sich in der jüngeren Vergangenheit sehr erfreulich. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass gerade seit den hohen Zinsen im Jahr 2022, die in diesem Sektor für niedrige Bewertungen sorgten, eine Aufholjagd für die gute Performance dieses ETFs sorgte. Inzwischen beträgt das durchschnittliche KGV des ETFs 25, was für Stromkonzerne in meinen Augen schon recht hoch ist. Schauen wir mal in die Details.

Die größten Positionen des ETFs sind Schneider Electric, ABB, Eaton, Johnson Controls, National Grid, Quanta Services, Prysmian und E.ON. Das sind keine KI-Lieblinge, sondern Unternehmen, die Trafos, Schaltanlagen, intelligente Gebäudetechnik, Hochspannungsleitungen und Netzbau liefern. Kurz gesagt: die Schaufeln und Bagger der Stromnetz-Goldgräberei.

Auf Sicht von 5 Jahren wird dieser ETF vermutlich eine gute Rendite erzeugen. Doch ein ETF unterliegt verschiedenen Restriktionen, die wir im Heibel-Ticker nicht haben. Je „erfolgreicher“ ein ETF ist (aus Vertriebssicht, also je mehr Kapital in den ETF strömt), desto mehr qualifizierte Unternehmen müssen in den ETF gekauft werden. Da werden dann auch Unternehmen aus der zweiten Reihe genommen, um ausreichend Volumen zu finden. Im Heibel-Ticker suchen wir uns lieber Einzelaktien aus und können dies unabhängig von solchen Restriktionen tun.

Viele der in diesem ETF enthaltenen Titel haben ein breites Produktportfolio, das auch langweilige Themen wie die Netz-Instandhaltung, Gebäudetechnik und Industrieautomatisierung beinhaltet. Der Bau von Rechenzentren, so stark das Wachstum in diesem Bereich auch sein mag, spielt in der Jahresbilanz dieser Unternehmen nur eine kleine Rolle. So betrachtet ist das oben genannte durchschnittliche KGV für diesen ETF eher ein Resultat des KI-Hypes als ein Zeichen des anstehenden Wachstums des breiten Geschäfts dieser Konzerne.

Also: Als Beimischung in einem Portfolio kann ein solcher ETF stets sinnvoll sein, wenn Sie sich nicht mit der Auswahl von Einzeltiteln beschäftigen wollen. Der ETF thesauriert (Dividenden werden reinvestiert) und die laufenden Kosten von jährlich 0,63% liegen im normalen Bereich.


 Frage vom 11.11.2025

#Pig Butchering Betrug durch internationale Banden

Guten Tag Herr Heibel,

ich möchte Sie hiermit davon unterrichten, dass ich mich, wenn mein gegenwärtiges Abonnement ausläuft, auf die Gratisversion Ihres Tickers zurückstufen lassen möchte. Der Hauptgrund dafür ist, dass ich Opfer eines "pig butchering" Betrugs geworden bin und nun nichts mehr zum Anlegen übrig habe.

Es ist übrigens kürzlich in der Hinsicht eine gute Sendung beim Deutschlandfunk herausgekommen (an der ich auch beteiligt gewesen bin). Die Sendung lautet "Kriminalität - Bei Kryptobetrug verlieren Menschen mehr als Geld" und ist auf der dlf-Audiothek abrufbar. Vielleicht ist die Sendung einen Hinweis in Ihrem Ticker wert.

Viele Grüße,

Thomas aus Seesen

 Antwort:

Das ist ja schrecklich, es tut mir leid, was Ihnen da widerfahren ist.

Betrügerbanden sind seit langem international, die Methoden werden - auch dank KI - immer ausgefeilter und häufig individuell auf die Opfer ausgerichtet. Gerne werde ich den Link zum Beitrag in den Heibel-Ticker aufnehmen. [Hier der Link.](https://www.deutschlandfunkkultur.de/organisierte-kriminalitaet-wie-menschen-durch-kryptobetrug-ihr-geld-verlieren-100.html)

Für Ihre Zukunft wünsche ich alles Gute.

RÜCKMELDUNG

Vielen Dank für die Anteilnahme! Es ist für mich tatsächlich eine harte Veränderung in meinem Leben und das ohne Vorwarnung. Deswegen habe ich eine Sendung beim Deutschlandfunk angeregt, und die ist dann auch herausgekommen. Es soll dann noch eine Sendung über Maßnahmen zur Strafverfolgung herauskommen (nichts Berühmtes...). [Hier der Link für die erste Sendung](https://share.deutschlandradio.de/dlf-audiothek-audio-teilen.html?audio_id=dira_37A7549AB68911F077D648DF3755BF60)

Zur Strafverfolgung in Deutschland: Es stellt sich heraus, dass die deutschen Behörden in keinster Weise für solche Fahndungen ausgerüstet sind und sich damit sehr schwer tun, Kriminelle international aufzuspüren. Ich bin erst anderthalb Monate nach der Strafanzeige durch meinen Anwalt von der Polizei befragt worden, und danach dreht sich die Strafverfolgung schon seit Monaten im Kreis. Sie wurde schon einmal eingestellt und ist nach meinem Protest seit kurzem wieder aufgenommen worden. Die Strafverfolgung wird in jedem Bundesland getrennt vorgenommen, eine zentrale Stelle, die effektiv international vorgehen könnte, gibt es nicht.

Beste Grüße meinerseits