| | Antwort: Das ist eine schwere und sehr individuelle Frage. Grundsätzlich gehört Oracle zur KI-Allianz, die sich in meinen Augen etwas zu hoch verschuldet hat. Schauen wir mal, ob daraus zu folgern ist, dass Sie Angst um die Zins- oder gar Rückzahlung der Anleihe haben müssen.
OpenAI sucht händeringend nach einem KI-Markt. Das überlegene LLM von ChatGPT verliert nach nunmehr drei Jahren langsam seinen Vorsprung, Googles Gemini hat inzwischen aufgeschlossen, wenn nicht gar überholt. OpenAI muss nun strategisch überlegen, welchen Markt es angreifen möchte.
Meta: Die Algorithmen, mit denen Meta Kurzvideos über Instagram ausliefert, sind überaus effizient. Meta investiert dreistellige Milliardensummen, um dem Wettbewerb zu zeigen, dass es aussichtslos wäre, Meta in diesem Bereich anzugreifen. Meta entwickelt sogar eigene KI-Chips, übrigens in Kooperation mit Broadcom. Wettbewerber wie TikTok und Snap investieren ebenfalls kräftig. Was bringt OpenAI mit, um in diesem Bereich besser zu sein als die anderen? Vielleicht das bessere KI-Modell, aber den größeren Datenschatz haben die anderen und das KI-Modell kann nachgebessert werden.
Microsoft: Im Bereich der Business-Anwendungen, wenn Teamarbeit über eine KI koordiniert werden soll, ist Microsoft mit seinem Copilot im Rennen. Salesforce investiert in diesem Bereich kräftig in seine Agentforce, die insbesondere Business-Anwendungen unterstützen sollen. OpenAI dürfte Probleme haben, in diesen Bereich vorzudringen.
Amazon: Der weltgrößte Online-Händler optimiert seine Verkaufs-KI mit Hilfe eigener KI-Chips, die übrigens ebenfalls gemeinsam mit Broadcom entwickelt werden. OpenAI hat bereits Kooperationen mit Einzelhändlern abgeschlossen. Doch ich bin mir nicht sicher, ob es gegen den Giganten Amazon eine Chance haben kann.
Google entwickelte Gemini auf Basis eigenentwickelter Chips (übrigens in Kooperation mit Broadcom). Dadurch konnte mehr Rechenpower für die spezielle KI-Entwicklung genutzt werden als bei Nvidia eingekauft werden konnte. Die KI-Modelle von Google sind inzwischen, nach drei Jahren, ebenfalls soweit brauchbar, dass das Ergebnis der Anstrengungen ein sichtbarer Erfolg ist.
Was bleibt für OpenAI? Nur noch der Ruf nach staatlicher Unterstützung, wenn die Finanzierung nicht mehr zu stemmen ist? Die zugesagten Investitionen übersteigen die Finanzierungsmöglichkeiten bei Weitem. Und Oracle und Softbank sitzen mit im Boot. Die Softbank verkaufte bereits alle Nvidia-Aktien und einen großen Teil weiterer Beteiligungen, um Kapital für die Finanzierungen zu sichern. Oracle gab eine Vielzahl von Anleihen aus. Kurz danach verließ die langjährige Finanzchefin, die von der Finanzbranche stets dafür gelobt wurde, dass sie die Bilanz von Oracle so solide hielt, den Konzern.
Oracle muss ab nächsten Jahr jährlich Anleihen in Höhe von durchschnittlich 3 Mrd. USD zurückzahlen. 2027 sind es 6 Mrd. USD, 2030 nur 3 Mrd. USD, 2033 nur 1 Mrd. USD. Die Anleihen werden von den Ratingagenturen mit BBB oder einem Äquivalent von Investment Grade 5-7 eingestuft. 1 wäre am besten, 10 wäre die schwächste Investmentempfehlung. Darunter kommen noch High Field 1-6 und dann distressed (notleidend).
Oracle hat einen jährlichen freien Cashflow von … oh, hoppla, das ist ja negativ: Oracle muss im laufenden Jahr 9 Mrd. zusätzliche Schulden aufnehmen, im Jahr danach nochmals 15 Mrd. USD. Bei erwarteten 67 Mrd. USD Jahresumsatz ist das eine ordentliche Hausnummer. Der Gewinn (EBITDA) liegt bei 35 Mrd. USD und reicht offensichtlich nicht aus, um die Investitionen zu finanzieren. Hmm, da kommen nun Zweifel auf, ob Oracle die Investitionen auch langfristig wird finanzieren können. Das wiederum hängt davon ab, ob OpenAI, einer der großen Auftraggeber, auch langfristig in der Lage sein wird, die versprochenen Investitionen zu finanzieren.
Und genau hier beißt sich die Katze in den Schwanz: OpenAI sucht noch ein KI-Geschäftsmodell. Ich habe oben gezeigt, dass OpenAI ursprünglich durch das beste KI-Modell mit einem Vorsprung von 3 Jahren inzwischen 800 Mio. Kunden weltweit gewinnen konnte. Doch nun zieht die Konkurrenz nach und bietet spezialisierte KI-Angebote für ihre angestammte Kundschaft. OpenAI kann nicht gleichzeitig gegen alle Hyperscaler antreten und wird auch Probleme haben, in auch nur einen der angestammten Bereiche einzudringen. Und ein eigenes KI-Geschäftsmodell hat OpenAI noch nicht.
Also: Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass OpenAI seine versprochenen Investitionen nicht wird erfüllen können. Doch ist das ausreichend, um Oracle in die Knie zu zwingen? Ich denke nicht. Sie kennen mich als KI-Optimisten und so gehe ich davon aus, dass jede Rechenleistung, die in den kommenden 2-3 Jahren gebaut wird, auch von irgendjemandem nachgefragt wird: Unternehmen, Staaten, letztlich auch Privatanwender. Die Bilanz von Oracle ist solide und ich traue es dem Management zu, rechtzeitig den Schwenk weg von OpenAI hin zu neuen Kunden zu schaffen, wenn’s wirklich erforderlich werden sollte. Doch in der Zwischenzeit wird es turbulent zugehen und die Zahlungsfähigkeit von Oracle könnte in diesem Umfeld auch mal in Frage gestellt werden.
Anleihen werden nach Fälligkeit zu 100% zurückgezahlt und wenn wir der Einstufung der Ratingagenturen glauben, dann ist Oracle noch immer gut unterwegs. Doch zwischenzeitlich könnte es turbulent werden und ich weiß nicht, ob diese Turbulenzen dann nicht auch mal ein Opfer erfordern könnten. Wie gesagt: Ich glaube, Oracle kann das meistern, aber wer bin ich, um mir da „sicher" zu sein. Und Anleihen sollten ja in der Regel ein sicherer Hafen sein.
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