Leserfragen (September 2025)


 Frage vom 30.09.2025

#Anleihen: Telekom, SABFinancial, iBonds & Frage zu Konstellation Software

Hallo Herr Heibel,

ich bin zahlendes Mitglied. Danke für ihren mehrwertspendenden Input, wirklich gute Qualität und dieser hilft mir sehr. Mich wundert es wo Sie all die Zeit hernehmen, die eMail Fragen ihrer Mitglieder zu beantworten. Echt einmalig!

Frage 1
Thema Anleihe (für mich zur Riskominimierung im Portfolio)
Sie haben ja folgendes Papier empfohlen, der Index beinhaltet 200 Unternehmen.

iShares iBonds
Dec 2031 Term EUR Corp UCITS ETF
ISIN: IE000I2WYEU9, WKN31IG
Euro-Unternehmensanleihen, Investment‑­
Grade, ESG‑Screened
Ausschüttung quartalsweise
Effektivzins aktuell: 3,26%

Ich gebe gerne den aus meiner Sicht "Guten/Nachhaltigen" mit für mich hohem Identifikationspotential mein Geld, daher ist mir dieser iBonds zu wenig spezifisch - weil ich mir bei 200 Positionen nicht mehr sicher sein kann, ob ich die einzelnen Positionen unterstützen möchte. Sie müssen wissen, ich bin einer dieser Freiburger Nachhaltigkeitsnerds die den Spagat versuchen. Das gleiche Problem habe ich bei Staatsanleihen, kommen für mich auch nicht in Frage, da zu wenig spezifisch.

Daher halte ich mir 2 Unternehmensanleihen im Portfolio:

einmal die von ihnen empfohlene (der CEO denkt mit und ich finde den Laden einfach cool):
- A4DFDZ - Deutsche Telekom-Anleihe: 3,625% bis 03.02.2045

und eine, welche ich selbst gefunden habe:
- A383P8, Windkraft Anleihe SAB WindTeam 2025/30, Unterstützt den Ausbau erneuerbarer Energien 5,85 % Zinsen p. a.

Daher denke ich, dass der richtige Weg für mich ist, eine dritte solche Anleihe mit überschaubarem Risiko mit ins Portfolio zu nehmen.

Meinen Sie, die kürzlich begebene Symrise Anleihe XS3178086230 mit Laufzeit 7 Jahren und einem Kupon von 3,25 %, könnte diese Lücke füllen? Eigentlich interessieren mich Kosmetika wenig und den nachhaltigen Impact müsste ich mir einreden....

Daher meine Frage, haben Sie noch ein Idee für mich? Sie kommen ja viel rum :-)

Frage 2
Constellation Software Inc Aktie (A0JM27)
Ist Gerade günstig zu haben, der Chef zieht sich wg. gesundheitlichen Problemen aus dem Geschäft zurück. Glauben Sie das könnte eine Investition sein?
Diese Position ist auch Bestandteil im Musterdepot (dynamisch) vom Handelsblatt, das ist neben dem HT-Portfolio meine zweite Referenz.

Ich danke im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen
Oliver aus Freiburg

 Antwort:

Vielen Dank für Ihr Schreiben und das Lob :-).

Ja, die Telekom-Anleihe finde ich noch immer gut, die Rendite ist aufgrund eines rückläufigen Kurses inzwischen auf 4,13% angestiegen. [Hier nochmal der Link zur ursprünglichen Analyse](https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2309?refID=1&referrerUrl=%2Fheibel_tickers%3Futf8%3D%25E2%259C%2593%26month%3D%26year%3D%26keyword%3DTelekom).

Die zweite von Ihnen genannte Windkraft-Anleihe von SAB notiert bei 111,75% und trägt damit trotz der hohen Verzinsung von 5,85% nur eine Rendite von 3,05%. Sie läuft bis zum 30.4.2030 und wird von keiner einzigen Rating-Agentur eingestuft. Ich kann Ihnen daher nichts über die Reputation dieser Anleihe sagen. Für mich ist das ein K.O.-Kriterium.

Die neue Symrise-Anleihe läuft bis zum 24.9.2032 und wird derzeit zu 100,3% gehandelt, also nahe dem Ausgabepreis. Die Rendite liegt bei 3,2%. Ja, wenn Ihnen diese Anleihe gefällt, können Sie sie meines Erachtens ins Depot nehmen und gut schlafen. Ich finde aber derzeit die Renditen am Anleihemarkt nicht attraktiv.

Wir haben eine Reihe von Dividendentiteln im Heibel-Ticker Portfolio, die Dividendenrenditen von deutlich über 2,5% mit sich führen. Zusätzlich winkt bei diesen Aktien noch ein möglicher Kursgewinn über die kommenden Jahre. Bei Anleihen fällt die Chance auf einen Kursgewinn weg ..., dafür natürlich auch das Risiko eines Kursverlustes. Doch dieses Risiko sehe ich bei unseren Dividendentiteln auf Sicht von mehreren Jahren als gering an. Daher ist mit eine Zins-Rendite von 3,x% zu wenig, um gegen die auf lange Sicht wahrscheinliche Kurssteigerung von Dividendenaktien anzutreten. Anleihen mit Renditen unter 4% schließe ich daher aus.

Ja, ich komme rum: Im Stadion der „Eisernen“ am Wochenende, als der HSV ein knappes 0:0 nach Hause rettete, lernte ich einen Protagonisten von Pfandbriefen kennen. Ich werde mich in den kommenden Tagen mit ihm austauschen und werde berichten, falls er gute Anlagemöglichkeiten kennt.

Zu Ihrer zweiten Frage: Constellation Software ist eine Holding, die sich an Software-Unternehmen beteiligt. Zum einen betrachte ich Holdings im Heibel-Ticker nicht, da ich damit so etwas wie einen Fonds von Fonds aufsetzen würde: Ich würde damit auf Constellation vertrauen, dass die bessere Software-Unternehmen finden und kaufen, als ich dies durch meine Analysen tun könnte. Das möchte ich nicht, denn ich kann das besser ;-) Zum anderen ist bei Holdings der CEO meist die tragende Persönlichkeit, da das Beteiligungsgeschäft häufig auf Vertrauensbasis erfolgt. Der Kurssturz der Aktie nach dem Ausscheiden des CEOs hat also tatsächlich seinen Grund.


 Frage vom 30.09.2025

#Etsy verkauft über ChatGPT

Hallo Herr Heibel,

Ich habe eine Frage zu Etsy. Können Sie mir eine Einschätzung dazu geben? :)

Ich glaube, da könnte seit April auch ein Tal der Tränen durchschritten sein. Aber leider hat es für mich aus Produktsicht / als Kunde bisher eher wenig funktioniert und ansonsten kann ich die Aktie und das Unternehmen nicht einschätzen.

Freundliche Grüße
Sven aus Stuttgart

 Antwort:

Etsy ist der erste Partner von OpenAI für den neuen Check-Out Prozess. US-Kunden können direkt über ChatGPT einkaufen.

Wenn also bspw. jemand ein Geburtstagsgeschenk für unter 50$ sucht und ein Produkt aus dem Etsy-Netzwerk vorgeschlagen bekommt, kann er direkt über ChatGPT einkaufen, ohne die App zu verlassen. Etsy muss nur für erfolgreiche Transaktionen dann eine Provision an ChatGPT abführen.

Die Aktie von Etsy sprang am Montag dieser Woche um 15% an. Damit notiert sie nun auf einem EV/EBITDA von 14, was günstig ist im Vergleich zum historischen EV/EBITDA von 22. In den kommenden Jahren erwarten Analysten ein Gewinnwachstum (Brutto), von 2-5% analog zum mauen Umsatzwachstum. Investitionen werden zurückgeschraubt und Steuereffekte werden geringer, so dass der Gewinn je Aktie in den kommenden Jahren kräftig anspringt.

Damit halte ich den Kurssprung dieser Woche für gerechtfertigt. Doch ein gegebenenfalls positiver Effekt auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung von Etsy muss sich erst noch zeigen. Es ist stets ein Prozess, die Kaufgewohnheiten der Menschen zu ändern. Zudem könnte ich mir vorstellen, dass ChatGPT sich erst noch einen guten Ruf erarbeiten muss, wenn es um Kaufempfehlungen geht. Nutzer werden schnell skeptisch: Wenn ChatGPT Provisionen für Kaufempfehlungen erhält, wird seine Meinung nicht mehr als neutral wahrgenommen.

Was also auf den ersten Blick attraktiv aussieht, könnte mehr Zeit beanspruchen, um sich im Markt zu etablieren. Somit dürfte der positive Effekt mit dem Kurssprung vorerst abgegolten sein. Langfristig halte ich die Kooperation für richtungsweisend und Etsy dürfte sich damit besser positionieren. Doch ich würde mit einem Investment abwarten, bis der Kurssprung dieser Woche verdaut (=konsolidiert) ist.


 Frage vom 18.09.2025

#Krypto-Angebot von flatex

Hallo Herr Heibel !

Zuersteinmal möchte ich Ihnen zum Heibel-Ticker gratulieren, ich bin schon seit einigen Jahren
ein begeisterter Leser und hoffe das wir noch lange das Vergnügen haben 😊

Zu meiner Frage, welche wahrscheinlich für andere Leser auch interessant sein könnte:
FlatEx bietet anscheinend seit heute direkt Kryptohandel mit einer Transaktionsgebühr von 0,5% pro Trade an.
Die Kryptos werden laut FlatEx bei der Firma Tangany aus München verwahrt.
Wie schätzen Sie dieses Angebot ein ? Zahlt sich der Umweg über spezielle Kryptobörsen da noch aus (außer man will die Kryptos in ein Cold-Wallet legen) ?
Wie schätzen Sie die Höhe der Gebühr ein ?

Ich freu mich auf eine Antwort.
Liebe Grüße aus Linz
Jürgen

 Antwort:

Herzlichen Dank für das Lob :-).

Sie kaufen echte Coins im flatex-Depot, die Verwahrung übernimmt der regulierte Münchner Kryptoverwahrer Tangany. Gehandelt wird OTC (over-the-counter, also außerbörslich) über die Wertpapierhandelsbank tradias. Für liquide Coins wie Bitcoin & Ethereum nennt flatex 0,5% Orderprovision plus fixen Spread von 0,1% (bei weniger liquiden 0,2%), also effektiv ca. 0,6–0,7% pro Trade. Das Angebot ist seit Ende 2024 in Deutschland live und wurde vor Kurzem auf Österreich ausgeweitet.

Der Haken steckt in der Flexibilität: Ein- und Auslieferung auf externe Wallets ist bei flatex derzeit nicht möglich; damit entfallen Self-Custody, On-Chain-Nutzung, DeFi & Co. Staking ist ebenfalls noch nicht verfügbar. Wer „not your keys, not your coins“ (nicht Dein Schlüssel, nicht Deine Coins) lebt oder seine Coins bewegen will, fährt mit einer eigenen Cold-Wallet wie der von mir empfohlenen BitBox02 weiterhin besser. Technisch ist dieser Weg jedoch deutlich anspruchsvoller.

Gegen große Börsen liegt flatex bei den Gebühren im Mittelfeld. Coinbase Advanced verlangt typischerweise 0,4% - 0,6%, Kraken Pro startet bei 0,16% - 0,26%; Bitstamp bei etwa 0,3% - 0,4%, jeweils volumenabhängig und ohne fixen Spreadaufschlag. Wer Limit-Orders stellt und Volumen bündelt, erzielt an Pro-Börsen in der Regel deutlich niedrigere All-in-Kosten als die 0,6–0,7% bei flatex; wer bequem per Marktorder kauft und selten handelt, zahlt bei flatex nicht wesentlich mehr als bei Coinbase, profitiert aber von Depot-Integration und deutscher Verwahrung.

Tangany ist BaFin-lizenziert (seit 2021) und hat im September 2025 eine MiCAR-Lizenz gemeldet. Das ist sauber — ändert aber nichts daran, dass Kryptowerte nicht der klassischen Einlagensicherung unterliegen. Es ist Verwahrung, kein Sparguthaben. Im Falle bspw. einer Veruntreuung durch den Verwahrer gibt es keine Einlagensicherung. Wer Emittenten-/Verwahrer-Risiken minimieren möchte, bleibt bei Selbstverwahrung im Vorteil.

Kompliziert, oder? In meinen Augen geht das Angebot an der Nachfrage vorbei. Wer in den gängigen Kryptos handeln möchte, Bitcoin oder Ethereum, für den ergibt sich kein Vorteil des Flatex-Angebots gegenüber kostengünstigen ETPs mit physischer Hinterlegung, wie von mir vorgestellt. Wer in den kleineren Kryptos spekulieren möchte, sollte sich ohnehin mit den verschiedenen Kryptobörsen auseinandersetzen. Hier bietet Flatex einen komfortablen Zugang. Ich frage mich da jedoch, ob Flatex-Kunden der richtige Adressat für dieses Angebot sind.


 Frage vom 18.09.2025

#Aktien für Industrieroboter

Hallo Herr HEIBEL,

Herr HEIBEL ich habe eine Frage:

Ich habe meine Positionen in meinem Depot, mit denen ich ins Rennen der kommenden Saison gehe, zu 90% abgeschlossen und möchte nun zuletzt noch 1-2 Positionen in Robotik einbauen. Zur Auswahl habe ich nach einigen Analysen erstellt wie folgt:

-ABB
-FANUC
-SIEMENS DIGITAL INDUSTRIES
-TERADYNE UNIVERSAL ROBOTS

Es wäre mir eine Hilfe, wenn Sie mir ihre Einschätzungen zu diesen vier Positionen mitteilen.

Mit bestem Dank im Voraus und Grüße von der Exekutiven…. 😉 Marc aus Frankfurt/M

 Antwort:

Hui, das ist eine sehr komplexe Frage. Ich gebe mal einen ersten Einblick:

Die Schweizer ABB notiert auf einem EV/EBITDA von 19 und somit über dem historischen Durchschnitt von 15. Die Dividendenrendite von 1,7% ist okay. Der Gewinn wächst in den kommenden Jahren Analystenschätzungen zufolge mit 9% p.a. Die Gewinnmarge (Brutto) ist aktuell mit 39,1% bereits recht hoch für das Geschäft von ABB. Ich denke, die Aktie ist inzwischen fair bewertet. Günstig ist die Aktie nicht, sie kann dennoch weiter steigen, wenn Euphorie für Industrieaktien anhalten sollte.

Die japanische FANUC wird mit einem EV/EBITDA von 14 günstiger bewertet und notiert historisch auf 18. Gewinnwachstum und Gewinnmarge liegen auf dem Niveau von ABB. Die Dividendenrendite liegt mit 2,2% etwas höher.

Ich nehme an, Sie meinen die Siemens AG, denn es gibt auch eine chinesische Siemens Digital Communication Aktie. Unsere Siemens notiert auf einem EV/EBITDA von 15 (durchschnittlich 13) und verfügt über ein Gewinnwachstum von 8%. Die Gewinnmarge ist ebenfalls vergleichbar und die Dividendenrendite liegt bei 2,3%.

Die amerikanische Teradyne wird mit einem EV/EBITDA von 26 bewertet (durchschnittlich 20), wächst im Gewinn mit 45% p.a. und verfügt über eine Gewinnmarge von 58%. Dafür gibt es nur eine Dividendenrendite von 0,4%.

Teradyne ist eher im Test und Qualitätssicherung der Chips/Elektronik stark, während ABB, FANUC und Siemens mehr in der eigentlichen Fertigung/ Automatisierung + Hardware + Integration tätig sind. Siemens hat im Bereich der Software und Digitalisierung den breitesten Ansatz mit Plattformen, Digital Twin, Industrial AI, Mixed Reality etc. ABB und FANUC investieren ebenfalls, allerdings mehr fokussiert auf Robotikbetrieb, Steuerung, Interaktion etc.

Wenn Sie also nach Robotik suchen, sollten Sie sich zwischen ABB und FANUC entscheiden. Ich würde bei dieser Entscheidung die Währungskomponente einbeziehen: In welcher Region möchten Sie investiert sein? Sowohl Japan als auch die Schweiz haben derzeit ihre eigenen währungspolitischen Herausforderungen.

Teradyne hängt in meinen Augen stark an der Chip-Industrie, die wir in unserem Heibel-Ticker Portfolio bereits ausreichend berücksichtigen. Grundsätzlich habe ich Siemens auf meiner Wunschliste, weil das Unternehmen wie kein zweites Unternehmen bewiesen hat, mit Innovationen Branchen zu besetzen.


 Frage vom 15.09.2025

#Gerresheimer wechselt CFO

Sehr geehrter Herr Heibel,

Sie haben vor ca. einem Jahr in Ihrem Newsletter Gerresheimer zum Kauf empfohlen. Was halten Sie davon, das jetzt nachzuholen? Mit freundlichen Grüßen Günter aus Österreich

 Antwort:

Ende August kaufte sich der aktivistische Investor Active Ownership Capital (AOC) bei Gerresheimer ein und begann sofort, an den Vorstandsstühlen zu sägen. Zum 1.9. wurde dann überraschend ein Wechsel des CFOs verkündet: Wolf Lehmann übernimmt. Er kommt aus der Welt des Private Equity (PE), wenngleich er auch operativ als Finanzchef seine Qualitäten hat. Der Wechsel aus einer PE-Umgebung bringt oft Erwartungen mit sich: Wertsteigerung, Exit-Optionen, Kapitalmarktorientierung. PE-Leute schauen stark auf Kennzahlen, Margen, Cash Flow, Bilanzstruktur, Kapitalallokation. Diese Denkweise legt nahe, dass CFO Lehmann nicht nur Zahlen präsentieren, sondern auch Optimierung und ggf. strategische Veränderungen anstoßen wird, um Bewertungspotenziale zu heben.

Zweimal musste Gerresheimer im laufenden Jahr bereits die Gewinnprognose senken. Ein geplanter Verkauf von Gerresheimer an Finanzinvestoren platzte schließlich. Die Quartalszahlen fielen in den vergangenen Quartalen überwiegend „überraschend“ schlecht aus. Ich habe den Eindruck, dass das Management seinen Laden nicht im Griff hat. Der Vorstandswechsel ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Die Bewertung war allerdings vor einem Jahr bereits günstig. Seither fiel die Aktie um 35%, doch die Bewertung hat sich dadurch nicht verbessert, weil der Gewinn parallel dazu schrumpfte. Noch immer steht das EV/EBITDA bei 8, während der langjährige Durchschnitt bei 10 liegt. Es fehlt die Perspektive für Gerresheimer.

Wettbewerber von Gerresheimer ist Schott Pharma, die unter anderem pharmazeutische Gläschen produzieren. Das EV/EBITDA steht bei 12, die Gewinnmarge (Brutto) liegt bei 35%, Gerresheimer 28%. Doch auch Schott Pharma musste seine Unternehmensprognose deutlich nach unten revidieren, die Aktie von Schott lief in den vergangenen 12 Monaten nicht viel besser als die von Gerresheimer. Die Probleme scheinen also auch an der Branche zu liegen: Hohe Energiepreise in Deutschland sind Gift für die energieintensive Produktion von Glas.

Der Vorteil dieser Branche, dass man über extrem langfristige Rahmenvereinbarungen mit den Kunden verfügt, hat sich im Umfeld steigender Energiepreise zum Nachteil verkehrt: Preisanpassungen nach oben sind bei den langfristigen Verträgen nur bedingt machbar.

Also: Nachkaufen? Hmm, ich würde noch ein paar Wochen warten, bis der neue CFO seine ersten Zahlen veröffentlicht. Nicht selten holt er natürlich erst einmal alle Leichen aus dem Keller, das haben wir schon unzählige Male gesehen. Das könnte nochmals den Kurs unter Druck setzen, doch danach lässt sich besser abschätzen, wohin die Reise geht.


 Frage vom 15.09.2025

#Symrise-Anleihe für kurzfristige Rendite

Servus Herr Heibel,

ich möchte anstatt Sparbuch oder Festgeld oder Küngigungsgeld (1,3% Zins bei 3monatiger Kündigung) 30000 Euro möglichst sicher anlegen.

Verfolge Ihren Heibel-Ticker scho seit iWatch und bin kein Anfänger.

So möchte ich auch meinem Vater (86) dieses Papier empfehlen. Bei einer Laufzeit bis ende 2025. Mich würde Ihre Einschätzung brennend interessieren.

Ganz herzlichen Dank für Ihre Arbeit, mit freundlichen Grüßen
Wolfgang aus Bad Reichenhall

 Antwort:

Vielen Dank für Ihre „ewige“ Treue :-).

Wenn Sie heute kaufen, wird mir ein Kurs von 99,83% angezeigt. Daraus errechnet sich eine Rendite VOR Kosten von 2,737%. Bei 30.000 Euro, die Sie nur für 2,5 Monate (fällig 29.11.2025) anlegen, ergibt das einen Ertrag von

Zins: 1,25% x 30.000€ *(2,5/12) = 78,125 €
Kursgewinn: 30.000 - (30.000 x 99,83%) = 51,00 €
—> 78,125€ + 51,00 € = 129,13 €

Dagegen müssen Sie nun die Kauf- und Verkaufgebühren rechnen, bei unseren alten Traditionsbanken gerne mal jeweils über 50€. Bitte fragen Sie bei Ihrer Bank konkret nach den Gebühren, bevor Sie für so kurze Zeit dieses Papier kaufen :-).


 Frage vom 11.09.2025

#Lang & Schwarz verdauen Erfolg aus 2024

Guten Tag Herr Heibel,

als alter Abonnent muß ich Ihnen doch mal wieder eine Frage stellen:

Warum sind Lang & Schwarz so schwach bzw. dümpeln so dahin ??
Niedriges KGV von ca. 9, hohe Div. von ca. 8 % - warum stehen die nicht weit höher ?
Die letzten Zahlen waren auch gut - für mich ist der derzeitige Kurs nicht zu verstehen.
Danke für Ihre baldige Antwort und weiter viel Erfolg -

machen Sie weiter so.

Mit freundlichen Grüßen, Norbert

 Antwort:

2024 war ein Ausnahmejahr aus hoher Volatilität, reger Privatanleger-Tätigkeit und starker Produktnachfrage. 2025 bleibt operativ gut, aber die Latte aus 2024 hängt hoch und der Wettbewerb zwickt an den Spreads – das macht ein „copy & paste“ des Rekordgewinns wenig wahrscheinlich. Gleichzeitig steigen die Verwaltungsaufwendungen (u.a. variable Vergütung nach dem starken Vorjahr). Also vor allem Basiseffekt plus Margendruck, nicht fehlende Nachfrage.

Die Aktie ist nicht teuer, aber Kurstreiber gibt es wohl erst, wenn wieder Wachstum erzeugt werden kann. Und das ist nach dem guten Jahr 2024 erst einmal schwer.


 Frage vom 11.09.2025

#Freenet im Abwärtstrend

Hallo Herr Heibel,
ich möchte Sie darum bitten, die Aktie von Freenet einzuschätzen.
Ich habe diese zu 21,38€ gekauft, jetzt 28,24€.
Wertzuwachs: 32,19%.
Seit ca. 3 Monaten ist ein Abwärtstrend zu beobachten.
Die Stimmung über diese Aktie ist nicht besonders optimistisch.

Ihnen und Ihrer Familie ein schönes, nicht verregnetes Wochenende
Grüße
Horst aus Weißenfels

 Antwort:

Freenet ist eine Dividendenaktie, ein Unternehmen mit hohem Cashflow aber immer neuen Herausforderungen. Im Land der großen und behäbigen Telco-Unternehmen gibt es immer die Möglichkeit für das kleine Schnellboot Freenet, Geld zu verdienen. Kürzlich übergab der langjährige CEO Vilanek sein Amt an Robin Harries. Ich würde erst einmal abwarten, wie er sich macht. Da dieses Unternehmen in der Vergangenheit stark durch Vilanek geprägt wurde, würde ich erst einmal ein Jahr abwarten, bis sich der neue CEO bewährt hat.


 Frage vom 11.09.2025

#Bitcoin Hardware Wallet oder ETP

Hallo Herr Heibel,

ich wollte mich noch für ihren sensationellen Livestream
Thema Bitcoin im März bedanken!
Super erklärt und sehr spannendes Thema. Ich bin offen dafür, trotzdem habe ich einiges nicht verstanden…

Ich hatte bei Trade Republic Bitcoin gekauft/getradet, was ja dort keine ‚echten‘ Bitcoins sind, somit wie zB eine Aktie gehandelt wird, und somit auch versteuert werden muß.

Mittlerweile habe ich den Bitcoin dort mit gutem Gewinn verkauft und ich überlege jetzt den ‚echten‘, physischen Bitcoin zu kaufen als Langfristanlage.

Es gibt ja unterschiedliche Möglichkeiten, die sie gut erklärt haben. Was mir noch unklar ist, was für mich das Beste ist, von den Kosten/Gebühren her
und auch vom Handling.

Sehe ich es richtig, daß man halt beim HW-Wallet die Schlüssel auf einem USB-Stick hat, so wie den Goldbarren zB im Safe. Wenn ich das jetzt nicht unbedingt und einfacher haben will, könnte ich den von ihnen vorgeschlagenen Bitwise Physical Bitcoin ETP kaufen, da wäre alles viel einfacher. Wo ist dann der Haken an der Sache?

Die Jahresgebühr von 2% finde ich schon ziemlich viel. Beim Hardware Wallet muß ich ja nur den Stick kaufen, oder? (zB Ledger Nano S Plus) Auf dem Stick habe ich dann die Schlüssel und wie wird dann dort ein Verkauf gehändelt?

Was haben Sie und was würden sie mir empfehlen?

Ich habe einen Anlagehorizont von 5-10 Jahren.

Vielen Dank und kryptische Grüße - Knut aus Meckenbeuren

 Antwort:

Ja, wenn Ihnen das Handling eines Hardware Wallet zu kompliziert ist, dann können Sie gerne auch einen passenden ETP kaufen. Ich habe den
Bitwise Core Bitcoin ETP Index-Zertifikat
WKN: A4AER6 ISIN: DE000A4AER62
empfohlen, dort betragen die jährlichen Gebühren nur 0,47%.

Alternativ den
CoinShares Physical Bitcoin Index-Zertifikat
WKN: A3GPMN ISIN: GB00BLD4ZL17
Jährliche Kosten: 0,3%

Sollten Sie sich für ein Hardware Wallet entscheiden, würde ich nochmals die BitBox02 empfehlen, da dort die Sicherheitsstandards derzeit mMn noch immer am besten gelöst sind.


 Frage vom 11.09.2025

#Festverzinsliche Anlagen

Hallo Herr Heibel,

vielen Dank für Ihre fundierten Analysen zum Thema Anleihen. Der 31IG erscheint mir tatsächlich als interessante und faire Alternative zum Geldmarktfonds – ich werde ihn entsprechend als Bestandteil meines „Puffers“ umsetzen.

Darüber hinaus würde mich – und vielleicht auch andere Leser des Heibel-Tickers – eine Anleihe oder ein ETF mit einer Laufzeit von ca. 10 bis 11 Jahren und einer Rendite um die 4 % interessieren. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, startete Ihre Recherche zu Anleihen genau mit diesen Parametern.

Bei meiner eigenen Suche bin ich über justETF.com auf den IG33 (bis 2033) und IG34 (bis 2034) gestoßen – beide thesaurierend, was einen direkten Vergleich zu ausschüttenden Produkten erschwert. Grundsätzlich wirken die ETFs hinsichtlich des Ausfallrisikos deutlich robuster, bei ähnlicher Rendite.

Es wäre großartig, wenn Sie diesem Themenkomplex noch etwas Zeit widmen könnten – gerade weil die öffentlich zugänglichen Ressourcen wenig komfortabel oder transparent sind. Vielleicht wäre das Thema Anleihen ja auch etwas für den anstehenden Video-Call?

Mit besten Grüßen aus Bochum, Christoph

 Antwort:

Tut mir leid, das Thema liegt mir nicht. Für mich passt am besten, auch mal große Barbestände auf dem Konto liegen zu haben. Im Falle eines Crashs, wie wir ihn alle paar Jahre im DAX erleben, bin ich dann handlungsfähig und erziele in kurzer Zeit eine Rendite, die den niedrigen Zins über lange Jahre, der derzeit am Zinsmarkt erzielbar ist, übersteigt.

Alternativ interessiere ich mich auch für den Kryptomarkt, wie Sie wissen. Wenn ich also zur Absicherung meiner Aktien und Bitcoins Sicherheit suche, dann reicht mir das Bargeld auf dem Konto und ich verzichte auf wenige Prozent Rendite, die dafür mein Geld festsetzen.

Wenn überhaupt, dann hole ich mal eine kurze Laufzeit ins Portfolio, wie beim Heibel-Ticker geschehen. Tut mir leid, aber da bin ich für Ihr Anliegen wohl nicht der richtige Ansprechpartner.

RÜCKMELDUNG

Hallo Herr Heibel,

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung, die mich nochmal zum Nachdenken anregt. Ich muss Ihnen Recht geben, dass die geringen Renditen die mangelnde Flexibilität nicht (mehr) rechtfertigen.

Bei dem Versuch, den letzten Euro Rendite aus dem verfügbaren Kapital zu quetschen, läuft man Gefahr die langfristige Perspektive aus den Augen zu verlieren und Chancen zu verpassen.

Dennoch fühlt sich Geld auf dem Konto insbesondere in der aktuellen Phase, in der die Märkte nahezu täglich steigen, nicht gut an und man will agieren (fomo).

Wünsche einen schönen Feierabend.

Viele Grüße
Christoph


 Frage vom 11.09.2025

#Poste Italien hoch verschuldet, dennoch attraktive Dividendenaktie

Guten Morgen Herr Heibel,

ich habe im Juni vor der Dividendenzahlung die obige Aktie gekauft, da mich die 5 Jahreszahlen und die Dividenden Entwicklung beieindruckt haben. Nach der Dividendenzahlung fiel die Aktie unter €18,00 und ich habe nachgekauft. Jetzt ueber €20,00...Ich meine, es ist ja "nur" eine Post-Aktie, wo ist der Haken? Haben Sie eine Erklaerung?

Mit freundlichen Gruessen

Hans (frueher aus Scottburgh/ZA - jetzt Bad Kissingen )

 Antwort:

Da haben Sie ein gutes Auge: Die Poste italiane erfüllt alle meine 5 Dividendenkriterien: Dividendenrendite über 2,5%, kein Dividendenrückgang in den vergangenen 10 Jahren, stattdessen 10 Dividendenanhebungen, Ausschüttungsquote 57% und eine zu erwartende jährliche Rendite inkl. Wachstum von 12%. Das ist langfristig überaus attraktiv.

Warum die Aktie kürzlich zurückgefallen war? Der Rückgang betrug weniger als 7%, fällt daher meiner Definition nach unter Tagesschwankungen ohne Bedeutung :-).

Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die italienische Post bei 13 Mrd. EUR Jahresumsatz mit aktuell 52 Mrd. EUR verschuldet ist (Nettoschulden). Bei einem Gewinn (EBITDA) von 4 Mrd. bleibt unterm Strich ein freier Cashflow von 3 Mrd. EUR. Damit können Schulden und auch eine attraktive Dividende bedient werden. Dennoch ist die Aktie stark abhängig vom Zinsniveau. Sollten sich steigende Zinsen abzeichnen, dürfte diese Aktie auf Talfahrt gehen.


 Frage vom 11.09.2025

#ETP auf Ethereum

Moin Stephan,

Mir geht es darum eine Position in Etherum aufzubauen, da ich glaube das sich dort eine
Entwicklung abzeichnet. Folgende Positionen finde ich hier interessant:

nxtAssets ethereum direct ETP (NXTA02; DE000NXTA026)
CoinShares Physical Ethereum Staked ETP (A3GQ2N; GB00BLD4ZM24)
21Shares Ethereum ETP (A2T68Z; CH0454664027)

Gibt es hier einen Favoriten für Dich ? Oder eine andere Empfehlung ?

Danke für Deine Meinung

und Gruß aus Hannover, Dirk

 Antwort:

CoinShares Physical Ethereum Staked (ISIN GB00BLD4ZM24) ist günstig strukturiert: 0% laufende Gebühr, dazu werden 1,25% p.a. Staking-Ertrag täglich über die Coin-Entitlement erhöht - das ist so etwas wie eine Verzinsung. Verwahrt wird bei Komainu. CoinShares beschreibt für seine „Physical“-ETPs ausdrücklich einen „physical redemption“-Mechanismus: Der eingetragene Inhaber kann eine Auslieferung des Ethereums beantragen. Praktisch heißt das: Du musst über Deinen Broker zum „registered holder“ werden und den Antrag nach deren Vorgaben stellen.

21Shares Ethereum Staking ETP (AETH, CH0454664027) arbeitet mit klassischer TER (zuletzt 1,49% p.a., Staking-Erträge werden reinvestiert) und hat die Anleger-Auslieferung detailliert in den Basisunterlagen verankert: Als Investor kannst Du mit 30–60 Tagen Vorlauf eine Rückgabe des Ethereums beantragen; geliefert wird Ethereum an das im Formular angegebene Wallet. Das ist keine Market-Maker-Sonderregel, sondern ausdrücklich ein Anlegerrecht – administrativ allerdings etwas papierlastig.

nxtAssets Ethereum direct (NXTA02, DE000NXTA026) ist neu am Markt, 1,00% TER, und wirbt offensiv mit „Auszahlung ins persönliche Wallet“. In den Formularen steht allerdings klar: Auslieferung nur an ein Wallet bei einem lizenzierten Crypto-Asset-Service-Provider (MiCAR/KWG), keine Self-Hosted-Wallets; dazu fallen ein Fixbetrag (50€) plus bis zu 1,00% des Anspruchs als Ausübungsgebühr an. Für manche Anleger ist das ok, wer Hard-Wallet-Self-Custody will, stößt hier an Grenzen.

CoinShares ETHE wäre derzeit mein Favorit, wenn ich in Ethereum investieren wollte. Für uns im Heibel-Ticker reicht der Bitcoin. Zwei Hinweise: ETPs sind Schuldverschreibungen des Emittenten – „physisch besichert“ reduziert, eliminiert aber Emittenten- und Abwicklungsrisiken nicht. Und die steuerliche Behandlung von Staking-Erträgen im ETP-Mantel kann je nach Depot-/Wohnsitz leicht variieren; im Zweifel bitte den Steuerberater fragen.