Leserfragen (April 2025)


 Frage vom 17.04.2025

#Invesco Physical Bitcoin

Hallo Herr Heibel,

danke für Ihren sehr hilfreichen Newsletter und den Hinweis zur steuerlichen Behandlung des CoinShares Physical Bitcoin (A3GPMN, 0,25% TER). Interessanter Weise haben Sie ein neueres Basisinformationsblatt (vom 18.03.2025) als ich heute bei Scalable Capital (vom 28.05.2024) finde. In meinem (s.a. Anhang) steht unter Art „vollständig durch den zugrunde liegenden Bitcoin gesichert“ und nicht wie bei Ihnen „vollständig durch den zugrunde liegenden Compass Crypto Reference Index Bitcoin gesichert“. Nach meinem Basisinformationsblatt wäre er also nach einem Jahr steuerfrei, nach Ihrem nicht…

Wie auch immer: Aus meiner Sicht kommt als Alternative zum recht teuren Bitwise Physical Bitcoin ETP (A27Z30, 2,00% TER) auch der Invesco Physical Bitcoin (A3GU8J, 0,25% TER) in Frage. Gem. anhängendem Basisinformationsblatt ist dieser mit Stand 15.01.2025 „vollständig durch den zugrunde liegenden Bitcoin besichert“ und damit amS nach 1 Jahr Haltedauer steuerfrei. Auch ist er mit knapp 300 Mio. € Fondgröße hinreichend groß.

Teilen Sie diese Einschätzung? Dann wäre das sicherlich auch für andere Leser interessant zu wissen.

Gruß vom Schelm

 Antwort:

Vielen Dank für den Hinweis: Da scheint Coinbase die Verwahrung und somit die wesentliche Struktur des ETPs geändert zu haben. Damit ist der Coinbase ETP also tatsächlich steuerpflichtig.

Invesco nutzt, genau wie Bitwise, Zodia Custody, um die Bitcoins eins zu eins physisch zu hinterlegen. Allerdings bietet Invesco gemäß Ihrem Basisinformationsblatt NICHT die Möglichkeit der Auslieferung an, sondern beschränkt sich hier auf einen finanziellen Ausgleich, der im Insolvenzfall aber nicht unbedingt den vollen Wert der Bitcoins ausmachen muss. Damit ist meiner Auffassung nach auch dieses Papier nicht steuerfrei. Schade, denn die 0,25% Gebühren sind auch hier attraktiv.

Aber das ist meine persönliche Einschätzung. Ich bin kein Steuerfachmann und arbeite auch nicht in der Finanzbehörde. Dort wird die Entscheidung letztlich getroffen, was steuerfrei ist und was nicht.


 Frage vom 17.04.2025

#Coinshare Physical Bitcoin ETP NICHT steuerfrei

Ich möchte mich für den kostenlosen Börsenbrief bedanken.

An dieser Stelle folgender Hinweis zu: GB00BLD4ZL17
Ist steuerfrei laut Foren; die BTC sind jederzeit auslieferbar laut Webseite des Emittenten.

https://coinshares.com/en/d/etp/physical-redemption/redemption-faq.pdf

https://coinshares.com/de/etp/physical-bitcoin/

Forum:
https://forum.blocktrainer.de/t/besteuerung-von-coinshares-physical-bitcoin-auf-scalable/30011/6

Mit freundlichen Grüßen
Sebastian

 Antwort:

Das ist wirklich kompliziert.

Zum CoinShares Physical Bitcoin (GB00BLD4ZL17) gibt es tatsächlich widersprüchliche Informationen:

Die FAQs sind vom Mai 2022. Darin wird ziemlich umständlich beschrieben, wie man sein Auslieferungsrecht auf den zugrundeliegenden Bitcoin (mindestens 1 Bitcoin) erheben kann. Ich finde in den FAQs aber keine Aussage darüber, wo oder wie die Bitcoins verwahrt werden.

Auf der Unternehmenswebseite wird tatsächlich angegeben, dass die Bitcoins über Komainu physisch verwahrt werden.

In dem Forum wird im Februar 2024 bestätigt, dass die Bitcoins physisch hinterlegt und auslieferbar sind. Diese Information findet sich auch im Basisinformationsblatt vom 28.5.2024, das ein Heibel-Ticker Mitglied mir zukommen ließ: „... vollständig durch den zugrunde liegenden Bitcoin gesichert", steht darin.

Das Basisinformationsblatt, das ich heute aufrufen kann, enthält an der gleichen Stelle den folgenden Satz: "vollständig durch den zugrunde liegenden Compass Crypto Reference Index Bitcoin gesichert“. Dieses Basisinformationsblatt ist vom 15.4.2025.

Ich würde sagen, Coinbase hat die Bedingungen nachträglich verändert. Ich bleibe also trotz Ihres Einwands bei meiner Aussage, dass dieser Bitcoin-ETP nicht steuerfrei ist … oder sein dürfte. Der Vorteil des Coinbase-ETPs gegenüber dem von mir empfohlenen Bitwise-ETP ist die niedrige Gebühr: 0,3% p.a. statt 2% p.a.. Das ist schon heftig, doch offensichtlich ist das physische Hinterlegen zu 0,3% tatsächlich nicht wirtschaftlich möglich.


 Frage vom 17.04.2025

#Merck-SpinOff Organon

Was halten Sie von Organon, ein SpinOff von Merck, als Spekulation- bzw. Dividentitel?

Freundliche Grüße aus Düsseldorf, Marius

 Antwort:

***Die Frage wurde im Live-Stream gestellt und ich versprach, mir den Titel genauer anzuschauen ***

Organon aus New Jersey spezialisierte sich auf die Gesundheit von Frauen. Das Unternehmen entstand im Juni 2021 durch die Ausgliederung aus Merck & Co. Organon konzentriert sich auf drei Hauptbereiche: Frauengesundheit (Verhütungsmittel, Fruchtbarkeitsmedikamente), Biosimilars (kostengünstigere Alternativen zu bestehenden biologischen Therapien) und etablierte Markenprodukte (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Dermatologie, zentrale Nervensystemstörungen).

Seit der Ausgliederung fiel der Kurs von 40 auf inzwischen 10 USD. Das ist kein Wunder, denn der Umsatz ist seit dem Börsengang rückläufig und auch der Gewinn wird kontinuierlich kleiner. Von 15 USD/Aktie im Jahr 2019 ging es kontinuierlich zurück auf inzwischen nur noch 4 USD im abgelaufenen Jahr. Die niedrige Bewertung ist mit einem EV/EBIDTA von 5,7 vor dem Hintergrund des schrumpfenden Geschäftsmodells in meinen Augen berechtigt.

Die aktuelle Dividendenrendite von 10,3% ist zwar ein Blickfang, doch die Dividende wird aus dem Vermögen, nicht aus dem Gewinn ausgezahlt. Daher ist sie nicht nachhaltig, was in meinen Augen ein Alarmsignal darstellt. Schauen wir mal, wieviel Vermögen das Unternehmen noch für solche Abenteuer hat: Ups! Da hat sich Merck wohl 2021 einiger Schulden entledigt. Bei einem Jahresumsatz von 6,4 Mrd. USD schiebt das Unternehmen 9 Mrd. USD an Schulden vor sich her.

Der Gewinn VOR Zinslast (EBITDA) ist mit 2 Mrd. USD und einer Gewinnmarge von 30% durchaus attraktiv. Doch offensichtlich wird der gesamte Gewinn zum Bedienen der Zinsen auf die ausstehenden Schulden benötigt. Somit ist Organon weniger ein Pharma-Konzern, als vielmehr eine Wette auf rückläufige Zinsen. Immerhin: Erst 2027 wird ein Teil der Schulden zur Refinanzierung fällig, danach erst wieder 2031.

Also: Investitionen in den Ausbau des Geschäfts finden derzeit nicht nennenswert statt. Die Schuldenlast ist zu hoch. Wenn das Zinsniveau in den USA tatsächlich sinken sollte, ergeben sich finanzielle Spielräume für Organon, die dann zum Tilgen der Schulden und auch für Investitionen genutzt werden könnten. Doch die Erwartungen für die künftige Zinsentwicklung gehen derzeit diametral auseinander: So wirklich weiß das derzeit niemand. Daher wäre mir eine Investition in Organon zu diesem Zeitpunkt zu riskant. Sollten sich nachhaltig rückläufige Zinsen in den USA abzeichnen, ist das Unternehmen einen zweiten Blick wert.


 Frage vom 17.04.2025

#Drohendes Delisting von Clip Digital

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich habe schon seit Jahren die Cliq Digital Aktie mit 85% im Minus. Jetzt habe ich von Cliq Digital gehört, dass evtl. ein Delisting ansteht.
Kann es evtl sein. dass die Aktie noch etwas ansteigt oder soll ich die Aktie verkaufen bevor sie nicht mehr handelbar ist.
Für eine Antwort wäre ich dankbar.
Freundliche Grüße
Inge aus Nürnberg

 Antwort:

Clip Digital, früher bekannt als Bob Mobile, verkaufte zunächst Klingeltöne fürs Handy und wechselte vor einigen Jahren auf den Betrieb von Streaming-Paketen. Dabei fällt der Dienstleister immer wieder durch seine aggressive Marketing-Aktivität auf. Kunden werden in Abo-Modelle gelockt, doch das Unternehmen baut sich keinen treuen Kundenstamm auf, sondern schlage die Kunden häufig um (ich habe etwas von 8 Monaten gelesen). Dadurch bleiben die Marketingkosten hoch, denn immer erneue Kunden müssen gefunden werden.

Vor einem Jahr kürzte das Unternehmen zunächst die Dividende, dann den Ausblick, Die Aktie befindet sich seither in einem beschleunigten Abwärtstrend. Die Aktie brach von 16 auf vorübergehend 3 EUR ein. Noch Anfang 2021 notierte die Aktie bei 41 EUR.

Im März gab Clip bekannt, mit Hilfe der niederländischen Investmentgesellschaft Dylan Media B.V. ein Delisting anzustreben: es soll den Aktionären ein Kaufangebot gemacht werden. Ein solcher Kaufpreis richtet sich zunächst nach dem Durchschnittskurs der vorangegangenen Zeit, aber natürlich auch nach einem vermuteten Wert, den man dem Unternehmen zuschreibt. In diesem Fall beteiligt sich das aktuelle Management von Clip Digital an dem Delisting-Prozess und möchte auch anschließend eine aktive Rolle übernehmen. Diese Umstände sprechen in meinen Augen nicht unbedingt dafür, den Aktionären ein besonders attraktives Angebot zu machen.

Also, ich weiß nicht, worauf Sie als Aktionärin setzen: Auf ein gesundes Geschäftsmodell, das derzeit unterbewertet ist? Das kann ich nicht erkennen. Der Umsatz ist rückläufig, 2024 wurde ein Verlust erwirtschaftet und auch für die kommenden Jahre erwarten Analysten nur ein moderates Gewinnwachstum. Hoffen Sie auf ein attraktives (=höher als aktueller Aktienkurs) Angebot für das Delisting? Das mag durchaus sein, doch das hat dann nichts mit einem Investment zu tun: Sie würden hier auf das Resultat eines rechtlichen Prozesses spekulieren. Beim Delisting müssen bestimmte Bedingungen erfüllt werden und das kann durchaus zu einem höheren Übernahmepreis führen. Doch das nichts für uns Privatanleger, dort tummeln sich eher Arbitrageure und Juristen, die ausrechen wollen, wie viel Cent noch draufzuschlagen sind.

Als Anleger würde ich nehmen, was noch zu holen ist, und mir eine aussichtsreichere Aktie suchen.

Und ja, Sie haben recht: Wenn Sie zu lange warten und das Delisting-Angebot verpassen, dann können Sie die Aktie hinterher gar nicht mehr über den freien Markt handeln. In diesem Fall würde ich lieber ein Ende mit Schrecken wählen als ein Schrecken ohne Ende.


 Frage vom 11.04.2025

#Nur mal theoretisch: Schuldenschnitt

Hallo Herr Heibel,

Sie sind zwar der einzige, der Donald Trump rationales Handeln zutraut, trotzdem eine Frage an Sie beziehungsweise gerade deshalb meine Frage an Sie: für wie realistisch halten SIE das Szenario, dass Donald Trump den bestehenden Schulden nicht nachkommen WILL? Und die Verpflichtungen der USA zur Verhandlungsmasse weltweit macht?

Vielleicht finden Sie ja Zeit für eine Antwort?

Viele Grüße nach Hamburg! 😎 Sonja aus Bamberg

 Antwort:

„Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“: War Konrad Adenauer rational?

In der heutigen Ausgabe gehe ich näher auf den Verkaufsdruck am US-Anleihemarkt ein. Die Anleihepreise sinken, das Zinsniveau steigt und der US-Dollar fällt. Eigentlich ist das eine Entwicklung, die Donald Trump begrüßt, denn er wünscht sich ja einen schwachen US-Dollar, damit seine Exportwirtschaft nicht mehr benachteiligt ist. Der starke Doller der vergangenen Jahrzehnte hat seiner Überzeugung nach die US-Industrie zerstört.

Nun geht mit einem schwachen US-Dollar und einem weniger großen Handelsbilanzdefizit auch ein Rückgang der Auslandsnachfrage nach US-Staatsanleihen einher. Bei steigenden Zinsen wird es schwerer für die US-Regierung, den Haushalt zu finanzieren und fällig werdende Anleihen zu refinanzieren. Sie fragen nun also, ob es möglich ist, dass die USA fällige Anleihen nicht zurückzahlen, oder vielleicht auch schon bei noch laufenden Anleihen die Zinszahlung aussetzen.

Bei einzelnen Bundesstaaten der USA ist so etwas eher die Regel als die Ausnahme. Und auch bei anderen Ländern auf der Welt kommt sowas immer wieder vor. Die USA jedoch gelten als solvent und genießen somit ein vergleichsweise günstiges Zinsniveau. Diese Bonität hat ihren Wert. Ich denke nicht, dass Donald Trump diese Bonität leichtfertig aufgeben wird. Denkbar wäre in meinen Augen eher, dass die US-Notenbank Fed massiv Anleihen aufkauft, so wie es in Japan schon seit Jahrzehnten üblich ist und auch in Europa und den USA während verschiedener Krisen bereits praktiziert wurde. Ein Szenario, das bereits häufig durchgespielt, aber noch nie umgesetzt wurde, ist, dass die Anleihen, die sich dann im Besitz der US-Notenbank befinden, vielleicht einfach ausgebucht werden. Ja, dann würde die USA ihren Schulden nicht nachkommen, doch der Leidtragende wäre zunächst mal die eigene Notenbank.

Ob ich mir sicher bin? Nein, absolut nicht. Trump reitet auf der Rasierklinge. Die Zölle werden weltweit verurteilt, weil Zölle schädlich für alle sind, so die gängige Meinung. Außer im Heibel-Ticker habe ich nirgends gehört oder gelesen, dass diese Zölle vorübergehend durchaus für ein bestimmtes Ziel hilfreich sein könnten, zumindest aus Sicht der USA. Der Schaden sei viel größer, wird dann eingewendet. Doch wir wissen, dass die ganze Welt umgehend wieder dankend die helfende Hand der US-Amerikaner nehmen wird, wenn der Zollstreit, auf welche Weise auch immer, endet.


 Frage vom 10.04.2025

#Investments in Rüstungsaktien

Sehr geehrter Herr Heibel,

beim Lesen ihrer letzten Ausgabe habe ich wieder gefragt, inwieweit ein KI zum Einsatz kommt.
Seite 14 zu DELL, zweiter Absatz: " Das heißt, es wird ein markenschwaches Geschäft durch ein morgenschwächeres substituiert."
Soll jeweils marge heißen, oder?

Anderes Thema. Ihre grds. Ablehnung gegenüber Aktien des Rüstungssektors kann ich nicht nachvollziehen!
Es geht dabei nicht darum, welche Waffen eines Herstellers am tödlichsten sind, sondern welches Unternehmen der westlichen Wertegemeinschaft
die geeignetsten Fähigkeiten und Waffensystem zum Erhalt ihrer Grundlagen in Zeiten der latenten Bedrohung zur Verfügung stellt.
Damit sind diese aus meiner Sicht bspw. den Werkzeugen von Snap-on vergleichbar. Sie dienen uns einem lebenswichtigen Zweck.
Aus diesem Grund habe ich am 07.04. günstig den ETF Wisdom Tree Europe Defence in mein Portfolio gekauft. Dieser bildet reineuropäische
Rüstungskonzerne ab. Sollte Zukunft haben! Ihre Meinung dazu würde mich interessieren.

Mit freundlichen Grüßen aus dem Ahrtal, ihr treuer Leser

Andreas aus Koblenz

 Antwort:

Nein, der von Ihnen aufgezeigte Formulierungsfehler wurde durch die automatische Rechtschreibkorrektur erzeugt. Die KI nutze ich zum Recherchieren von Ideen und komplexen Themen, formuliere dann aber in der Regel selbst.

Ihre Einstellung bezüglich der Investitionen in Rüstungsaktien ist von meiner gar nicht so unterschiedlich. Immerhin habe ich im Dezember 2021 Investitionen in Rüstungsaktien vehement verteidigt, während so etwas damals, kurz vor dem Einmarsch der Russen in die Ukraine, noch als Kriegstreiberei verunglimpft wurde. Ich stehe voll hinter einem starken Militär und würde auch entsprechend investieren.

Es bleibt aber der Umstand, dass Rüstungsaktien stark ansteigen, wenn ein Krieg tobt. Und da ich im Heibel-Ticker stets erklären muss, was den Aktienkurs treibt, müsste ich in diesem Fall darauf hinweisen, dass die Aktien der Rüstungsunternehmen um so besser laufen, je länger und grausamer der Krieg läuft. Dieses Thema in einem öffentlichen Investmentbrief zu verarbeiten, ist nicht leicht und ich habe darauf verzichtet. Dennoch weise ich bei jeder Gelegenheit darauf hin, dass ich nichts dagegen habe, wenn Anleger Rüstungsaktien kaufen. Sie können den damit eventuell erzielten Gewinn dann ja an Friedensorganisationen spenden und würden damit mehr für den Frieden tun, als wenn man weder investiert noch spendet.


 Frage vom 10.04.2025

#Vollkommene Märkte durch KI

Hallo Herr Heibel,
ich habe eine eher allgemeine Frage bzgl. KI und Kursentwicklungen an den Börsen. Vielleicht gibt es schon verlässliche/seriöse KI-Lösungen, um Kursentwicklungen zu prognostizieren.
Sollte sich dies zum Standard entwickeln, würde dies nicht die Kursbildung im Sinne einer Self-fulfilling Prophecy beeinflussen und dies das Börsengeschehen im worst case ausschalten (da wenn alle den gleichen Wert kaufen, steigt dieser ins Unermessliche)?
Falls die Frage nicht zu abgefahren ist, würde ich mich über Ihre Einschätzung freuen.
Viele Grüße aus dem schönen Düsseldorf an die Elbe!
Dieter aus Düsseldorf

 Antwort:

Ihre Frage zielt darauf ab wie sich der Markt entwickeln würde, wenn es die vollkommene Transparenz, die vollkommen gleiche Informationsverfügbarkeit für alle Marktteilnehmer gäbe. In der Volkswirtschaftstheorie ging man lange davon aus, dass der Markt wie von einer unsichtbaren Hand stets in den Zustand gebracht würde, der den aktuellen Informationsstand widerspiegelt. Es hat sich herausgestellt, dass dieser Zustand niemals erreicht wird: der Markt ist unvollkommen.

Kann nun die KI dazu beitragen, den Markt „vollkommen“ zu machen? Nun, ich denke, der Markt wird effizienter, also noch schneller auf neue Informationen reagieren als bisher. Gestern dauerte es 15 Minuten im nachbörslich gehandelten DAX, um 7,5% anzuspringen. Doch weiß die KI, was als Nächstes kommt? Weiß die KI, welches Unternehmen seine Produkte bei 10% US-Zoll besser an den Mann bringen kann und welches nicht? Da gibt es noch immer viel Ungewissheit bezüglich künftiger Entwicklungen in den Unternehmen, das nicht zuletzt vom Geschick der einzelnen Mitarbeiter abhängt …

… wenn aber auch die Mitarbeiter KI-gestützt immer „das Richtige“ machen, kann die KI dann frühzeitig die Spreu vom Weizen trennen? Nun, meiner Einschätzung nach kann die KI zu immer besseren Entscheidungen führen, aber was richtig ist und was falsch, lässt sich nur schwer definieren. Auch beim Schach gibt es kein richtig oder falsch bzw. keinen garantierten Weg zum Erfolg. Es wird immer eine Abhängigkeit von den Interaktionen mit Kunden, Geschäftspartnern und anderem abhängen, wie sich ein Unternehmen entwickelt. Entsprechend wird es die von Ihnen beschriebene Situation meiner Einschätzung nach nicht geben.


 Frage vom 05.04.2025

#Sicherheit des Geldmarktfonds bei Trade Republic

Guten Tag Herr Heibel,

die FAZ berichtet, dass selbst Schweden nun zurückrudert und Bargeldzahlungen überall wieder ermöglichen will. Berichte legen den Verdacht nahe, dass Cyberangriffe größeren Stils zu erwarten sind und man Bargeld bevorraten sollte. Als die EZB neulich Überstunden geschoben hat, damit die Renten gezahlt werden können, haben wir uns bereits Fragen gestellt.

Meine konkrete Frage an Sie unabhängig von Ihrer Vorliebe für die Comdirect: Wie sicher ist Bargeld bei den Onlinebanken aufgehoben und wie steht es insbesondere rechtlich um die Geldmarktfonds, die die Trade Republic einrichtet. Es gibt widersprüchliche Angaben zu den 100.000 € Einlagensicherung in diesem Fall.

Für mich ist die Frage vor allem deshalb wichtig, weil ich große Summen bei der TradeRepublic parke, nicht nur der Zinsen wegen, sondern auch, weil ich im Krisenfall in größerem Umfang Aktien erwerben möchte. Die neuesten Nachrichten haben mich allerdings stark verunsichert, ob es sinnvoll ist, das Risiko auf eine Bank zu setzen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie dieses Thema aufgreifen möchten.

Vielen Dank für Ihre wertvollen Einschätzungen zur Gesamtlage!

Inga aus Düsseldorf

 Antwort:

Trade Republic bietet über die Funktion “Zinsen” Zugang zu kurzlaufenden, täglich fälligen Geldmarktfonds, insbesondere den “HSBC Euro Liquidity Fund” oder ähnliche Fonds großer Anbieter wie BlackRock oder Amundi. Diese Fonds investieren in kurzfristige Staatsanleihen, Einlagen bei Zentralbanken, und sehr kurzfristige, liquide Unternehmensanleihen höchster Bonität.

Geldmarktfonds sind Investmentfonds, keine Einlagen. Es gibt keinen klassischen Einlagensicherungsfonds, wie bei einem Tagesgeldkonto einer Bank (darauf bezieht sich Ihre Frage nach der 100.000€-Absicherung). Stattdessen ist Fondsvermögen ein Sondervermögen, d.h. es wird getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft und auch von Trade Republic verwahrt. Selbst im Insolvenzfall des Brokers oder der Kapitalverwaltungsgesellschaft ist das Fondsvermögen geschützt.

Besonderheit bei Trade Republic: “Zinsen” - Wenn Sie bei Trade Republic Ihr Geld unter dem Menüpunkt „Zinsen“ parken, investieren Sie nicht direkt in einen Fonds, sondern in ein Modell, bei dem ein Geldmarktfonds im Hintergrund verwendet wird. Trade Republic agiert dabei als Vermittler, Sie erhalten täglich „Zinsen“, die aus der Performance des zugrunde liegenden Fonds stammen. Die Rendite hängt also davon ab, wie gut der Fonds läuft – sie ist nicht garantiert, aber ziemlich planbar. Ihr Anteil am Geldmarktfonds bleibt aber Sondervermögen und ist damit von einer eventuellen Insolvenz der Trade Republic geschützt.


 Frage vom 05.04.2025

#DAX-Unterstützungen und -Widerstände

Hallo Herr Heibel,

sehr gut geschrieben und analysiert. Sie sollten mal öffentlich auftreten und das Feld nicht unseren Poltikern überlassen. Endlich mal Fakten statt Ideologie!

Wie weit kann denn der DAX noch fallen in den angenommenen 14 Tagen?

Wie geschrieben, ein sehr guter Artikel!!!!

Danke dafür

Michael aus Nürnberg

 Antwort:

Unter https://www.hsbc-zertifikate.de/home/dailytrading.html beschäftigt sich Jörg Scherer täglich mit relevanten DAX-Marken. Das ist Charttechnik, da bin ich nicht zu Hause. Ich beobachte die inhaltliche Entwicklung und leite daraus meine Erwartungen ab.


 Frage vom 02.04.2025

#Unterschiedliche Bewertung von Hensoldt

Hallo Herr Heibel,

ich halte zwar nicht viel von den Börsen-Videos, die bei n-tv gesendet werden. Deutlich wird das wieder mal, was sie taugen, bei einem Beitrag einer Frau Birgit Haas, Redakteurin Capital, die sich über Rüstungsaktien äußert.
Sie sagt hier, Hensoldt habe einen Wert von 600. Vermutlich ist das KGV gemeint.
Ich nehme dies aber zum Anlaß, eine Frage über die Werthaltigkeit der im Netz angegebenen KGVs zu stellen.
Hensoldt wird bei onvista mit einem KGV von 47 angegeben. Bei n-tv mit 135, was ja fast stimmig ist mit der Aussage der Frau Haas. Die Differenz zwischen 47 und 135 ist aber irrational.
Ich gehe traditionsgemäß nach wie vor davon aus, daß generell die onvista-Werte in etwa stimmen.

Liege ich damit richtig?

Mit freundlichen Grüßen, Siegfried aus Erfurt

 Antwort:

Ich bin im Video gestern darauf eingegangen: Ungefähr bei 1:18:20
https://www.youtube.com/live/Z2Y-jx_NogM?t=4700s

Es ergeben sich häufig große Differenzen, je nachdem welches KGV man betrachtet. Für 2024 ergab sich zum Jahreswechsel ein KGV von 37. Aktuell notiert das KGV bei 69, aber es werden die Gewinne der jüngsten 12 Monate (TTM - Training Twelf Months) berücksichtigt. Wenn wir die Gewinnschätzung für 2025 in Höhe von 1,79 EUR je Aktie zugrunde legen, ergibt sich ein KGV 25e von 34.

Bei diesen Zahlen handelt es sich um „adjustierte“ Zahlen. Unternehmen rechnen aus den Gewinnen häufig Sondereffekte heraus, die jedoch nach den allgemeinen Bilanzierungsregeln nicht herausgerechnet werden dürfen. Damit ergeben sich hier auch nochmals unterschiedliche KGVs. Für 2024 wird bspw. ein adjustierter Gewinn je Aktie von 1,66 EUR angegeben, was zu einem KGV von 37 führt. Nach GAAP-Bilanzierungsregel bleibt von dem Gewinn jedoch nur noch 0,93 EUR übrig, was wiederum zu einem KGV von 66 führt.

Sie sehen, die Unterschiede können groß sein. Wie immer geben solche Kennzahlen nur einen ersten Eindruck. Wenn man sich ein Bild über die tatsächliche Situation im Unternehmen machen möchte, muss man also ein wenig tiefer eintauchen.

n-tv kommt nun auf ein KGV von 123 (https://www.n-tv.de/boersenkurse/aktien/hensoldt-ag-inh-on-36901501), weil man das „verwässerte“ Ergebnis je Aktie betrachtet. Ich kann nur vermuten, dass dabei künftige Kapitalmaßnahmen (Ausgabe von Aktien, Vergütung von Mitarbeitern in Form von Aktien) berücksichtigt werden. Diese Vorgehensweise ist mir neu: Ich betrachte die Kapitalmaßnahmen und Vergütungsversprechen stets in meiner Analyse, doch ich rechne sie bei der Berechnung der Bewertung noch nicht ein, da sie noch nicht gewiss sind. Vielfach hängen diese Vergütungen von Kursentwicklungen oder anderen Bedingungen ab, deren Eintreten nicht sicher ist.

Zu der von Ihnen genannten 600 kann ich mir keinen Reim machen.


 Frage vom 02.04.2025

#Insiderkäufe bei Merck KG aA

Hallo Herr Heibel,

besten Dank für die sehr aufschlussreichen Ausführungen in dem soeben beendeten VC!

Leider haben Sie Merck KGaA nicht mehr behandelt bzw. behandeln können. Da der Kurs der Aktie zuletzt stark gefallen ist und diese dem Anschein nach vielfach zum Kauf empfohlen wird, könnte sich ein Einstieg vielleicht lohnen. Was meinen Sie? Vielleicht bietet sich eine Rückmeldung im Rahmen des nächsten HeibelTicker(s) im Rahmen der Rubrik „Leserfragen“ an.

Besten Dank und viele Grüße aus Düsseldorf

Marius aus Düsseldorf

 Antwort:

Ja, ich kann gerne noch einen genaueren Blick auf Merck werfen. Das Unternehmen war uns ja aufgefallen, weil in den vergangenen Tagen eine ganze Reihe von Insidern nennenswerte Käufe in der Aktie getätigt haben. Wenn Insider die Aktie also für günstig und aussichtsreich halten, lohnt vielleicht ein genauerer Blick.

Als Dividendenaktie ist Merck attraktiv, erfüllt aber nicht alle unsere Kriterien: Die Dividendenrendite ist mit aktuell 1,8% deutlich unter unserer Mindestrendite von 2,5%. Schauen wir uns daher mal die Bewertung an.

Die Gewinnentwicklung schwankt stark: Im angelaufenen Jahr 2024 wuchs der Gewinn um 3%, im laufenden Jahr soll der Gewinn um 25% anspringen, danach aber wieder nur noch um 8%. Dieses Wechselbad der Gefühle wird mit einem EV/EBITDA von 10 bewertet. Dabei ist Merck bekannt für konservative Prognosen: Analysten hoben ihre Gewinnschätzungen für das laufende Halbjahr von Merck in den vergangenen anderthalb Jahren immer wieder an.

Neben der Autoindustrie befürchten Anleger auch US-Zölle auf Medikamente, die in die USA exportiert werden. Daher befinden sich ausländische Pharma-Titel derzeit unter Druck. Heute Abend werden wir mehr wissen, denn Donald Trump wird heute Details zu seinen neuen Zöllen verkünden. Wenn Sie heute noch kaufen, spekulieren sie auf moderate Zölle - können damit aber falsch liegen. Wenn Sie bis morgen warten, könnte Ihnen ein erster Kurssprung entgehen, aber dafür haben Sie dann Gewissheit für die künftige Entwicklung. Ich würde abwarten.