| Antwort: Herzlichen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung – es freut mich ganz besonders, wenn ich langjährigen Wegbegleitern wie Ihnen helfen darf.
Tatsächlich hat sich durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die daraus resultierenden sicherheitspolitischen Umbrüche ein nachhaltiger Trend etabliert: Rüstung wird – nach Jahrzehnten des Sparens – wieder zum politisch legitimierten und finanziell geförderten Investitionsfeld. Die Zeitenwende ist nicht nur ein deutsches Phänomen, sie zeigt sich auch in den USA, Südkorea, Japan und quer durch Europa.
Rheinmetall ist durch seine starke Stellung im Bereich gepanzerter Fahrzeuge und Munition zur Speerspitze dieses Trends in Deutschland geworden. Aber wie Sie schon vermuten, gibt es noch eine ganze Reihe weiterer spannender Kandidaten – teils etabliert, teils innovativ:
In Europa: Neben Rheinmetall lohnt ein Blick auf Thales (Frankreich), stark im Bereich Cyberabwehr und militärische Kommunikation. BAE Systems (UK) ist als einer der größten Rüstungskonzerne Europas breit aufgestellt. Saab aus Schweden entwickelt Luftabwehrsysteme und Kampfflugzeuge wie den Gripen, mit Fokus auf Effizienz statt Maximaltechnologie.
In den USA dominieren die großen fünf: Lockheed Martin, Northrop Grumman, Raytheon, General Dynamics und L3Harris. Besonders spannend finde ich Northrop Grumman, die führend im Bereich Drohnentechnologie und Weltraumabwehr sind, zwei Felder mit enormem Zukunftspotenzial. Auch Palantir wird gerne als Software-„Rüstungswert“ betrachtet, denn hier fließen Big Data und Militär zunehmend zusammen.
Innovativ & kleiner: Ein wachsendes Feld ist die Drohnenabwehr. Firmen wie Anduril Industries (nicht börsennotiert, aber Vorreiter im Bereich autonomer Systeme) oder Dedrone (Cyberabwehr gegen Drohnen, derzeit noch im Start-up-Status) könnten die nächste Welle prägen. An der Börse gibt es zudem kleinere Rüstungszulieferer, die Sensorik oder KI-gesteuerte Systeme für Zielerkennung und Verteidigung entwickeln.
Ich habe mir alle hier genannten Aktien näher angeschaut und möchte es bei einer Pauschalbewertung belassen: Sämtliche Rüstungsaktien verzeichnen ein Gewinnwachstum von 20%, 30%, teilweise 50% und notieren auf einem für dieses Wachstum günstigen EV/EBITDA, häufig zwischen 11 und 17. Solange das exorbitante Wachstum anhält, werden die Aktien weiterhin kräftig ansteigen. Sollten diese Wachstumsraten langfristig gehalten werden, dann dürften die Aktien sich sogar nochmals vervielfachen, um dieses Wachstum zu rechtfertigen.
Doch auch wenn wir auf Sicht mehrerer Jahre aufrüsten, so ist dennoch irgendwann ein Ende der Rallye in Rüstungsaktien zu erwarten, denn die Welt wird nicht ewig in diesem Tempo aufrüsten. Sollte sich in der Ukraine eine Möglichkeit des Friedens abzeichnen und sollte der Angriff auf den Iran begrenzt bleiben, dann werden die Aktien, die heute noch günstig bewertet sind, auf Basis eines nachlassenden Gewinnwachstums bewertet … und dann sind sie sehr schnell teuer.
Derzeit ist eine solche Entwicklung noch nicht in Sicht und die Rallye dürfte meiner Befürchtung nach noch weiterlaufen. Ich würde an einer solchen Rallye nur in Form von einer Spekulation teilnehmen, jederzeit bereit, die entsprechende Position abzustoßen, wenn sich die geopolitischen Spannungen beruhigen sollten.
|