 | Hallo Herr Heibel,
bei den Diskussionen und dem Bashing um Nvidia, Apple & Co stelle ich mir folgende Frage(n):
Wie verbindlich sind solche Investitionszusagen und wie schnell fließt das Geld tatsächlich ab?
Chipfabriken dürften auch in den USA nicht über Nacht gebaut werden. (Lokation, Genehmigungen, Basisarbeiten, ...)
Und wenn der Aufbau solcher Fabriken nach Abschluss des Zollkriegs im Sande verläuft ...?
Wie viele Ausstatter kommen überhaupt zur Bestückung solcher High-End-Fabriken in Frage? Gibt es da nicht einen ähnlichen Flaschenhals wie bei Boeing, d.h. das bei Neuaufträgen mit langen Wartezeiten zu rechnen ist?
Können die Firmen da nicht (vorläufig) viel versprechen, aber nachher nicht einhalten, sobald sich der Staub erstmal wieder gelegt hat?
Um wieviel teuer ist eine automatisierte High-End-Fertigung in den USA tatsächlich?
Sie schrieben Nvidia kauft sich nur teures Personal ein.
Erfolgt die Fertigung bisher nicht weitgehend in Taiwan? (wahrscheinlich deutlich teurer als in China)
Wie groß ist in dieser Industrie überhaupt der Personalkostenanteil?
Wie stark sind die Unternehmen WIRKLICH von den Zöllen betroffen?
Meinem Verständnis nach hat weder Apple noch Nvidia eine Endfertigung in den USA, oder doch?
Falls nicht, sind sie von Exportzöllen doch nicht betroffen.
Und was Importzölle in die USA angeht, wird eine Lieferung in andere Länder, z.B. in Europa, für die Unternehmen dadurch nicht attraktiver? Solange das Angebot die Nachfrage nicht deckt (Nvidia), wird sich doch immer ein Abnehmer finden.
Mit freundlichen Grüßen
Daniel aus Essen |  |
| | Antwort: Donald Trump steht gerade mal am Anfang seiner Amtszeit. Wenn er die vier Jahre durchhält, dann dürften solche Großprojekte schon deutlich vorangetrieben werden. Kein Unternehmen kann es sich leisten, Versprechen zu brechen. Das würde auch ein Nachfolger Trumps nicht tolerieren.
In solchen „Deals“ geht es am Ende nicht um die Nachkommastelle. Wenn Nvidia und Apple zusagen, Fabriken im Wert von 500 Mrd. USD zu bauen, dann wird nach heutigen Preisen die Dimension einer solchen Fabrik abgesteckt. Wie teuer das am Ende dann tatsächlich sein wird, spielt dann weniger eine Rolle. Der Flaschenhals sind derzeit die Nvidia-KI-GPUs. Die freie Marktwirtschaft findet Lösungen für solche Nachfrageschübe, solange sich die Politik raushält. Der Vergleich mit Boeing hinkt, denn für den Bau eines Flugzeugs wird „Raketentechnik“ benötigt: Vom Knowhow bis zur Fertigung ist das hochspezialisiert, der Bau von Rechenzentren dagegen ist nicht kompliziert, das Komplizierteste sind die KI-Chips und deren Kühlung, daher ist dort auch der Flaschenhals.
Der Anteil der Personalkosten beim Betrieb eines Rechenzentrums lieg bei nur 5-10%. Bei hochautomatisierten KI-Rechenzentren geht dieser Anteil in Richtung 3-5% nach unten. Personal“kosten“ sind daher wohl kaum ein Standortargument, höchstens die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal. Wichtiger sind die Energiekosten, die 40-60% der Betriebskosten ausmachen. Und da ist Donald Trump ja mit seiner Direktive "Drill, Baby Drill“ auf dem Weg, diese weiter zu senken.
Es gibt Exportzölle und Importzölle. Für Nvidia, die den Großteil ihrer Chips in Taiwan fertigen, fallen diese Zölle bei Lieferung an China nicht an …, wenn sie dort einliefern dürften. Die Chips sind jedoch als nationales Sicherheitsrisiko eingestuft und dürfen daher, weil das Know-how in den USA liegt, nicht nach China geliefert werden.
Apple fertigt tatsächlich viel in China und liefert dann in die USA. Damit muss Apple die US-Zölle zahlen, die für China aufgelegt wurden: Bis zu 145%, derzeit noch 30% (10% Pauschalzoll plus 20% Fentanyl-Strafzoll). Apple hat verstanden, dass in China nicht mehr produziert werden soll und verlagert die Produktion daher nach Indien. In China werden lediglich iPhones gefertigt, die für den chinesischen Markt bestimmt sind. Dabei übersah CEO Tim Cook, dass Donald Trump nicht nur „gegen China“ ist, sondern eigentlich am liebsten die gesamte Fertigung in die USA holen möchte. Hier gibt es noch einen schwelenden Konflikt zwischen Tim Cook und Donald Trump.
Für Apple, das die ganze Welt mit iPhones beliefert, ist der Zollstreit tatsächlich eine Gefahr. Für Nvidia, die ohnehin die Nachfrage nicht decken können, ist es eine Frage der Wachstumsgeschwindigkeit. Nachdem die Hyperscaler (Microsoft, Amazon, Alphabet) bereits lange Bestelllisten aufgegeben haben, kommen nun die staatlichen KI-Projekte hinzu (Saudi-Arabien, Katar, Taiwan, …). Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Europa auf der Bildfläche erscheint. Da geht es für Nvidia nicht darum, kurzfristig Abnehmer zu finden, sondern es geht darum, wie man die globale Infrastruktur der eigenen Chipfertigung aufstellt: Wieviel wird in den USA gefertigt, wieviel in Taiwan, nun ist Frankreich im Gespräch.
Das erratische Vorgehen Trumps mag man verachten. Doch er hat erkannt, das wir derzeit an der Infrastruktur bauen, die uns in den kommenden Jahrzehnten dominieren wird. Er holt mit rabiaten Methoden so viel wie möglich davon ins eigene Land. |