Leserfragen (Juli 2025)


 Frage vom 14.07.2025

#Entwicklung der Konsumentenstimmung, Blick in die Glaskugel

Moin Herr Heibel,

Vielen Dank für Ihre guten und spannenden Beiträge bei der Gelegenheit.

Eine Frage habe ich noch zu Ihrer persönlichen Prognose zum deutschen Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren. Ihre Bewertung zum Dax lese ich stets sehr aufmerksam, aber die Dax-Konzerne machen ja allesamt glänzende Geschäfte im Ausland. Daher kann ich davon nicht ableiten, wie Sie die Entwicklung nur in Deutschland einschätzen. Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung der Kaufkraft und der Konsumstimmung ab 2026 in Deutschland ein? Sämtliche Prognosen von Wirtschaftsfachleuten kenne ich bereits, die sehen mehr oder weniger optimistisch aus. Ich betreibe stationäre Ladengeschäfte mit täglichen Bedarf. Meine zweite Frage hat zwar nichts mit Aktien zu tun, aber fragen kostet ja nichts. (-:

Mit freundlichen Grüßen

Michael aus der Nähe von Rostock

 Antwort:

Ich bin tatsächlich ebenfalls so optimistisch gestimmt für Deutschland wie seit vielen Jahren nicht mehr. Ich schiebe derzeit überproportional viel in Gold und Bitcoin zur Seite, weil die Schuldenorgie von Friedrich Merz den Euro irgendwann auch belasten wird … nicht gegenüber anderen Währungen (auch Fiat), sondern gegenüber Gold, Bitcoin, Aktien, Immobilien, …

Die Gelder werden langsam von den großen Konzernen nach unten zu Kleinbetrieben durchsickern und unsere Wirtschaft beleben, davon gehe ich aus. Entscheidend ist, dass der kleine Anteil an Investitionen in die richtigen Bereiche geleitet wird. Das traue ich der Merz Regierung besser zu als der ehemaligen Ampel. Daher habe ich mich nach kurzem Fremdeln auch mit dem Billionen-Kredit abgefunden.

Und so gehe ich davon aus, dass auch die Aktien kleinerer Unternehmen wieder aus der Vergessenheit auftauchen könnten, deswegen trenne ich mich derzeit nicht von PVA Tepla oder Medios.

Was Sie interessiert: Werden die Leute den Gürtel enger schnallen und weniger in den Konsum stecken? Aus meiner Vogelperspektive könnte es zu Anpassungsschwankungen kommen: Jede Änderung verunsichert zunächst einmal und die Leute halten ihr Geld zurück. Doch da ich davon ausgehe, dass die Konjunktur durch die Gelder belebt wird, dürfte die Zurückhaltung nach einiger Zeit (ich schaue mal in die Glaskugel: 2 Jahre?) wieder schwinden und sich in Zuversicht wandeln, wenn denn dann die Konjunktur tatsächlich anzieht.


 Frage vom 03.07.2025

#Holcim: US-Abspaltung Amrize noch nicht im Depot eingebucht

Guten Morgen Herr Heibel,

Ist es normal das ich meine Amrizeaktien noch immer nicht im Depot( Trade Republic) habe? Habe sie schon angeschrieben aber wie immer noch keine Antwort.

Vielen Dank , freundliche Grüße, Ulrich aus dem Harz

 Antwort:

Ich habe mich schlau gemacht: Laut Informationen von Holcim und den beteiligten Börsenplätzen erfolgt die Lieferung der Amrize-Aktien typischerweise innerhalb von 5–10 Börsentagen nach Spin-off. Da der Ex-Tag der 25. Juni war, sollte die Einbuchung also spätestens bis Mitte Juli 2025 erfolgt sein. In der Zwischenzeit sind die Amrize-Aktien „technisch“ zwar bereits in Ihrem Besitz, juristisch aber noch nicht final eingebucht. Grund dafür ist die administrative Abwicklung, meist über die Verwahrstelle Clearstream, die bei solchen seltenen Vorfällen eben manuell erfolgt und mehrere Tage in Anspruch nehmen kann.

Leider können Sie die Aktien bei Trade Republic nicht verkaufen, bevor sie in Ihr Depot eingebucht wurden. Nur im Depot eingebuchte, lieferbare Stücke sind auch verkaufsfähig, da die Abwicklung bei Trade Republic und anderen Neo-Brokern vollautomatisch ist.

Traditionelle Banken bieten ihren Kunden mitunter die Möglichkeit eines vorgezogenen Verkaufs. Der Kundenberater kann dies in die Wege leiten.


 Frage vom 01.07.2025

#Kursschwankung bei Anleihe-ETFs ausschließen

Hallo Herr Heibel,

habe, wie immer, sehr gern die aktuelle Ausgabe des Heibel-Tickers gelesen und verfolge auch Ihre Suche nach einer Anleihe. Die Geldmarktfonds bringen aktuell nur noch um die 2%, daher überlege ich diese durch Ihren aktuellen Favoriten (iShares Core EUR Corporate Bond UCITS ETF, ISIN: IE00B3F81R3) als Sicherheitsbaustein zu ersetzen. Allerdings zeigt der Kurs des ETFs auf Jahresbasis eine Schwankungsbreite vom ca. 2-fachen der jährlichen Ausschüttung. Anders als bei einer einzelnen Anleihe, die meist einen Rückkaufswert von 100 hat, spiegelt der ETF anscheinend die aktuellen Kurse der hinterlegten Anleihen wider - und eignet sich damit nur bedingt als Sicherheitsbaustein bzw. Geldmarktfonds-Ersatz.
In einer früheren Ausgabe hatte die Sentiment-Analyse sinkende Kurse für Anleihen prognostiziert. Würden eventuelle Kursverluste bei einem Kauf heute durch eine steigende Rendite des ETFs ausgeglichen, ähnlich wie dies bei Anleihen der Fall ist?
Hoffe, Sie können da mit Ihrer Expertise ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Besten Dank vorab für Ihre geschätzte Meinung.

Viele Grüße aus Bochum,
Christoph

 Antwort:

Sehr gute Frage: Tatsächlich werden die im ETF enthaltenen Anleihen nur so lange gehalten, wie sie die Kriterien erfüllen. Und die Restlaufzeit von 3-5 Jahren ist ein wichtiges Kriterium. Wenn also die Restlaufzeit zu kurz wird, verkauft der ETF-Betreiber die entsprechende Anleihe und ersetzt sie durch eine andere mit 5 Jahren Restlaufzeit. Also werden alle im ETF enthaltenen Anleihen innerhalb von ein bis zwei Jahren umgeschlagen.

Dadurch kommt man nicht in den Genuss der Rückzahlung zu 100% bei Endfälligkeit, sondern die nicht mehr qualifizierten Anleihen werden zuvor zum Marktpreis verkauft. Der ETF unterliegt damit stark den Schwankungen am Anleihemarkt und ich kann nicht mit Gewissheit sagen, dass die Rendite eventuelle Kursschwankungen ausgleichen kann.

Es gibt andere Papiere, die ihre Anleihen bis zur Endfälligkeit halten. Ich habe für unsere Mitglieder einen passenden iBond recherchiert, siehe Kapitel 4.


 Frage vom 01.07.2025

#Währungsverluste bei US-ETFs

Hallo Herr Heibel,

mit großer Freude und einem Hauch Ungeduld erwarte ich jeden Freitag Ihre Mail. Die aktuelle Ausgabe des Tickers verschlinge ich fast immer sofort nach deren Eingang. Ich danke Ihnen für die professionelle Aufarbeitung des aktuellen Börsengeschehens und hoffe auf viele weitere interessante Neuigkeiten.

Ich habe letztes Jahr damit begonnen den ETF iShares Core S&P 500 UCITS ETF USD (Dist) 622391 zu besparen. Dieser hatte sein Hoch im Februar 2025 bei 58,71€ und aktuell notiert er bei 52,45€.

Der S&P stand im Februar 2025 bei ca. 6130 Pkt. Jetzt sind es aktuell ca. 6141 Pkt.

Nun meine Frage: Welchen Hintergrund hat es, das der Basiswert des ETFs ein neues Hoch markiert und der ETF selbst ca. 10% unter seinem Hoch vom Februar liegt. Hat dies mit der ausschüttenden Natur des ETFs zu tun? In solcher Höhe erscheint mir das ziemlich unrealistisch.

Ich bin gespannt auf Ihre Antwort.

Freundliche Grüße aus Sachsen
Marco aus Meißen

 Antwort:

Der ETF liegt in Ihren Depot als Euro-ETF. Während der S&P 500 Index, der in US-Dollar gemessen wird, seine Hochs vom Februar wieder erreicht, fiel der US-Dollar im gleichen Zeitraum von 1,05 auf 1,17 USD/EUR. Ihre Beteiligung am US-Dollar Aktienindex S&P 500 ist also aufgrund des Dollarverfalls um 11% im gleichen Zeitraum heute 11% weniger wert, als der Indexstand in US-Dollar vermuten lässt.

Ich habe mal den S&P 500 in Euro anzeigen lassen:
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