| Antwort: Natürlich erinnere ich mich an Sie :-) Nehmen Sie mir die pauschale Einordnung bitte nicht übel: Während Aktientrader häufig wie Glücksritter denken, die mit dem nächsten Trade den Jackpot knacken möchten, läuft bei Rentenhändlern eher die Endlosschleife „Wo ist das Risiko“ beim Analysieren der verschiedenen Finanzinstrumente ab. Das ist sinnvoll, weil Anleihen (Renten) eher für sicher kalkulierbare Rückflüsse verwendet werden, wo jede Störung der verlässlichen Kalkulation zu großen Verlusten führen kann. Aktien sind per se spekulativer und die tolerierten Verluste einzelner Positionen sollen mit überproportionalen Gewinnen anderer Positionen überkompensiert werden. Die Chance wird gesucht.
Dies vorweggeschickt, möchte ich Ihre Bedenken nicht einfach abtun. Das Risiko mag bestehen, aber die Chance ist in meinen Augen um ein Vielfaches größer, so dass ich Ihren Short für gefährlich halte. Schauen wir uns Ihre Argumente mal im Einzelnen an.
Bereits seit einem Jahr (seit dem 9. Oktober 2025) wird der Export Seltener Erden aus China kontrolliert. Da China für ca. 85-90% aller raffinierten Seltenen Erden auf dem Weltmarkt zuständig ist, schwebt hier tatsächlich ein Damoklesschwert über den Märkten. Für die Chip-Produktion von Micron ist das tatsächlich relevant, da DRAMs und NANDs seltene Erden wie CER, Lanthan und Yttrium benötigen. Die Fertigung könnte tatsächlich leiden, wenn die Exportkontrollen zuschlagen.
Doch die folgenden Dinge werden meines Erachtens vermischt: Auch SK Hynix und Samsung benötigen genau diese Seltenen Erden und auch SK Hynix und Samsung wären von einer konsequenten Umsetzung der Exportkontrollen seitens Chinas unmittelbar betroffen. Warum sollte sich also nur Micron halbieren? Warum nicht auch SK Hynix und Samsung?
Doch die Umsetzung der Exportkontrollen wurde ja „ausgesetzt“. Beim Besuch der USA von Chinas Präsident Xi wurde mit Trump vereinbart, diese Aussetzung um zwei Monate, also bis in den Januar hinein, zu verlängern. Das ist nicht viel, aber widerspricht Ihrem Zeithorizont von "4 Wochen bis zum Bekanntwerden“. Zum einen ist das schon seit 12 Monaten bekannt und zum anderen kann bis zum Vorabend des Scharfschaltens immer eine Einigung in letzter Minute erfolgen, wie wir in den vergangenen Monaten häufig gesehen haben.
Seltene Erden werden nicht nur für NAND und DRAMs verwendet, sondern natürlich auch für die modernen KI-Speicher HBM. Die gesamte KI-Branche wäre also betroffen. Schlimmer noch, auch die KI-GPUs von Nvidia, die durch Taiwan Semiconductor gefertigt werden, benötigen Seltene Erden. Wenn China die Exportkontrollen also tatsächlich umsetzt, ist Micron unser kleinstes Problem.
Parallel dazu werden die Produktionskapazitäten von Seltenen Erden in Australien, den USA und in Europa ausgebaut. Nicht schnell genug, um schon bald China überflüssig zu machen, doch das Problem ist erkannt und wird angegangen. Außerdem werden keine großen Mengen dieser Materialien benötigt und ich habe gehört, dass sich Unternehmen derzeit diese Materialien so gut es geht auf Lager legen und somit etwaige Lieferausfälle über viele Monate ausgleichen könnten.
Ihre Aussagen „große Hände verabschieden sich massiv“ und „Zahlen … wurden geschönt“ kann ich nicht nachvollziehen, mir liegen keine entsprechenden Informationen vor. Da müssen Sie schon etwas konkreter werden, damit ich damit etwas anfangen kann :-)
Also: Ihre Bedenken sind richtig, doch sowohl Zeithorizont als auch deren potenzielle Wirkung lassen sich mit den mir vorliegenden Informationen nicht belegen … könnten also übertrieben sein. Und auch das schlimmste Szenario des Produktionsausfalls und der Verletzung der Lieferverpflichtungen müssten wir zunächst gegen die Vertragsgestaltung von Micron mit seinen Kunden prüfen, denn vielleicht sind dort passende force majeure Klauseln enthalten, die vor Entschädigungsforderungen schützen.
Gleichzeitig ist für Sie das Verlustrisiko nach oben exorbitant groß: Micron ist kolossal unterbewertet, weil viele Anleger ein Zyklus-Top der KI-Revolution befürchten. Allein schon wenn das Zyklus-Top noch eine Weile auf sich warten lässt, dürfte die Aktie in den kommenden Monaten kräftig ansteigen.
Ich habe in den vergangenen Wochen mehrfach geäußert, dass ich die Finanzmärkte derzeit als ziemlich angespannt wahrnehme und ich will nicht ausschließen, dass wir kurzfristig noch eine heftige Kursreaktion in die eine oder andere Richtung sehen könnten. Doch das würde den gesamten Markt betreffen, nicht allein Micron. Sollte Micron aufgrund der von Ihnen befürchteten Entwicklung leiden müssen, dann dürfte der Gesamtmarkt einbrechen - nicht nur Micron.
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