Leserfragen (Oktober 2026)


 Frage vom 08.10.2026

#Steuerliche Berücksichtigung von Verlusten

Hallo Herr Heibel

Ich habe eine Frage zur buchhalterischen Seite. Betrifft Novo und Medios. Bei Novo Nordisk sind wir seinerzeit 2024 eine Überposition von (8.8%) eingegangen. Aktuell sitze ich auf einem Gesamtverlust von ca. 44% obwohl ich schon einmal mit Verlust ca.3000 € verkauft habe. Ähnlich geht es mir bei Medios

Nun zu meiner eigentlichen Frage. Wie verbuchen sie die jährlichen Verluste. Verrechnen sie die Gewinne mit den Verlusten im jeweiligen Jahr und schreiben den tatsächlichen Wert der jeweiligen Aktie im Januar neu fest? (Verlust und Gewinn im jeweiligen Jahr verrechnet). Ich lege immer den jeweiligen Kaufpreis zu Grunde auch wenn ich die Aktie mehrere Jahre halte bzw. nachkaufe und verbuche den jeweiligen Gewinn bzw. Verlust komplett zum Verkauf.

Mache ich einen Fehler beim verechnen? Ich schleppe die Realverluste (Leichen) immer über Jahre bis zum Verkauf mit.
Ihre Meinung dazu würde mich brennend interessieren

Mit freundlichen Grüßen, Michael aus Erbach

 Antwort:

Sie machen keinen Fehler. Ihre Methode ist genau die, mit der auch das Finanzamt rechnet: Maßgeblich ist der Kaufpreis, und Gewinn oder Verlust entsteht erst beim Verkauf. Bei Nachkäufen im selben Depot gilt dabei die Reihenfolge „first in, first out“, die zuerst gekauften Stücke gelten also als zuerst verkauft. Ihr realisierter Verlust von rund 3.000 € liegt im Aktienverlusttopf Ihrer Bank und wird mit künftigen Aktiengewinnen verrechnet. Buchverluste, also Ihre „Leichen“, haben steuerlich keine Wirkung, solange Sie nicht verkaufen. Wenn Sie jetzt also den Rest verkaufen, wird auch der Rest bei Ihrer 2026er Steuer berücksichtigt.

Ich selbst habe mich bislang dagegen gewehrt, steuerliche Aspekte im Heibel-Ticker zu berücksichtigen, da mein Anliegen ist, die besten Aktien zu finden. Wenn das mal so gehörig schief geht wie bei Novo Nordisk, dann frage ich mich auf jedem Kursniveau erneut, ob ich zu dieser Bewertung kaufen, halten oder verkaufen würde … bewusst ohne steuerliche Aspekte einfließen zu lassen. Steuerliche Aspekte sind bei jedem Anleger unterschiedlich, daher würde das die Beurteilung einer Aktie hier im Heibel-Ticker verzerren…

…oder zumindest die Komplexität stark erhöhen. Mit Hilfe der KI bin ich derzeit dabei, viele komplexe Arbeitsschritte zu standardisieren und zu automatisieren. Mal schauen, vielleicht ist künftig ja auch die steuerliche Optimierung für den Heibel-Ticker möglich.


 Frage vom 08.10.2026

#Spekulation auf fallende Zinsen mit TLT

Moin Herr Heibel,
vielen Dank für die tollen Infos zum Kapitalmarkt!!!
Was muß ich machen um in einen ETF auf Anleihen und in welchem zu investieren. Möchte doch mein Kapital mehr streuen.
Herzlich Ernst aus Betzdorf

 Antwort:

Na, Sie machen doch schon alles richtig: Sie lesen den Heibel-Ticker ;-) Ich habe den iShares 20+ Year $ Treasury Bond 20+yr UCITS ETF (WKN: A12HL9 ISIN: IE00BSKRJZ44) im Auge, der in seinem Korb US-Anleihen mit Laufzeiten von über 20 Jahren hält. Zu gegebenem Zeitpunkt möchte ich diesen ETF in unser Portfolio holen.

Wann? Nun, derzeit würden wir noch in ein fallendes Messer greifen, denn die US-Renditen steigen noch. Wenn man glaubt, es kann doch nicht mehr so weitergehen … dann ist man allein mit diesem Argument häufig zu früh dran. Ich warte lieber, bis sich eine Trendwende abzeichnet und verzichte auf die ersten Prozente.


 Frage vom 08.10.2026

#Micron vor Kurshalbierung

Hallo Herr Heibel,

jetzt haben wir Ewigkeiten nichts mehr voneinander gehört. Marc der ehemalige langjährige Rentenhändler aus der Münchner Gegend. ich weiß nicht ob Sie sich noch an mich erinnern. Ich möchte mich gerne ganz kurz an Sie wenden, um Sie bei einer Ihrer Lieblingsaktien zu warnen.

Sie waren mir immer sympathisch, sonst würde ich das jetzt nicht schreiben. Sie sind ein Fan von Micron. Diese Aktie sieht laut den Zahlen und Ihrer Analyse extrem billig aus. Gibt man die Daten bei der KI ein, so bestätigt diese Ihre Einschätzung. Trotzdem bin ich überzeugt, dass sich diese Aktie in den nächsten 2 Monaten halbieren wird. Diese Einschätzung teilt übrigens auch der bislang erfolgreichste Micron Analyst. Namen mal außen vor, weil dies nicht mein Argument ist.

Die Micron Zahlen sind Vergangenheit und wurden geschönt. Micron ist extrem abhängig von den Seltenen Erden. Mehr als jeder andere Chiphersteller. Und geht bislang offiziell davon aus, dass sie auf gleicher Basis diese Seltenen Erden weiterhin bekommen. Ausschließlich darauf fußen die vorgelegten Erwartungen.

Jetzt sage ich Ihnen aber, dass in den nächsten 4 Wochen bekannt wird, dass China minimum 30 Prozent weniger Seltene Erden liefern wird und Micron all seine Aufträge dadurch nicht erfüllen kann. Zudem fallen dann Strafzahlungen für nicht abgewickelte Aufträge an.

Der Versuch von Trump das Problem mit den Seltenen Erden mi Xi zu beheben schlug fehl. Trump ist sich dieses riesigen Problemes bewußt und Micron schweigt und macht auf vergangene gute Zahlen. Und wenn Sie bei Micron genau hinsehen wird ganz deutlich von großer Seite abgeladen und Kleinanleger fangen das auf. Sprich die großen Hände verabschieden sich hier massiv.

Vielleicht irre ich mich, aber ich glaube es nicht. Ich bin seit den Zahlen ganz massiv short in diesem Titel. Und dann ist man oft betriebsblind. Überprüfen Sie meine Ansicht. Gerade weil Sie hier so optimistisch snd sollte man so einem Hinweis nachgehen.

Herzlicher Gruß und Ihnen alles Gute. Marc aus München

 Antwort:

Natürlich erinnere ich mich an Sie :-) Nehmen Sie mir die pauschale Einordnung bitte nicht übel: Während Aktientrader häufig wie Glücksritter denken, die mit dem nächsten Trade den Jackpot knacken möchten, läuft bei Rentenhändlern eher die Endlosschleife „Wo ist das Risiko“ beim Analysieren der verschiedenen Finanzinstrumente ab. Das ist sinnvoll, weil Anleihen (Renten) eher für sicher kalkulierbare Rückflüsse verwendet werden, wo jede Störung der verlässlichen Kalkulation zu großen Verlusten führen kann. Aktien sind per se spekulativer und die tolerierten Verluste einzelner Positionen sollen mit überproportionalen Gewinnen anderer Positionen überkompensiert werden. Die Chance wird gesucht.

Dies vorweggeschickt, möchte ich Ihre Bedenken nicht einfach abtun. Das Risiko mag bestehen, aber die Chance ist in meinen Augen um ein Vielfaches größer, so dass ich Ihren Short für gefährlich halte. Schauen wir uns Ihre Argumente mal im Einzelnen an.

Bereits seit einem Jahr (seit dem 9. Oktober 2025) wird der Export Seltener Erden aus China kontrolliert. Da China für ca. 85-90% aller raffinierten Seltenen Erden auf dem Weltmarkt zuständig ist, schwebt hier tatsächlich ein Damoklesschwert über den Märkten. Für die Chip-Produktion von Micron ist das tatsächlich relevant, da DRAMs und NANDs seltene Erden wie CER, Lanthan und Yttrium benötigen. Die Fertigung könnte tatsächlich leiden, wenn die Exportkontrollen zuschlagen.

Doch die folgenden Dinge werden meines Erachtens vermischt: Auch SK Hynix und Samsung benötigen genau diese Seltenen Erden und auch SK Hynix und Samsung wären von einer konsequenten Umsetzung der Exportkontrollen seitens Chinas unmittelbar betroffen. Warum sollte sich also nur Micron halbieren? Warum nicht auch SK Hynix und Samsung?

Doch die Umsetzung der Exportkontrollen wurde ja „ausgesetzt“. Beim Besuch der USA von Chinas Präsident Xi wurde mit Trump vereinbart, diese Aussetzung um zwei Monate, also bis in den Januar hinein, zu verlängern. Das ist nicht viel, aber widerspricht Ihrem Zeithorizont von "4 Wochen bis zum Bekanntwerden“. Zum einen ist das schon seit 12 Monaten bekannt und zum anderen kann bis zum Vorabend des Scharfschaltens immer eine Einigung in letzter Minute erfolgen, wie wir in den vergangenen Monaten häufig gesehen haben.

Seltene Erden werden nicht nur für NAND und DRAMs verwendet, sondern natürlich auch für die modernen KI-Speicher HBM. Die gesamte KI-Branche wäre also betroffen. Schlimmer noch, auch die KI-GPUs von Nvidia, die durch Taiwan Semiconductor gefertigt werden, benötigen Seltene Erden. Wenn China die Exportkontrollen also tatsächlich umsetzt, ist Micron unser kleinstes Problem.

Parallel dazu werden die Produktionskapazitäten von Seltenen Erden in Australien, den USA und in Europa ausgebaut. Nicht schnell genug, um schon bald China überflüssig zu machen, doch das Problem ist erkannt und wird angegangen. Außerdem werden keine großen Mengen dieser Materialien benötigt und ich habe gehört, dass sich Unternehmen derzeit diese Materialien so gut es geht auf Lager legen und somit etwaige Lieferausfälle über viele Monate ausgleichen könnten.

Ihre Aussagen „große Hände verabschieden sich massiv“ und „Zahlen … wurden geschönt“ kann ich nicht nachvollziehen, mir liegen keine entsprechenden Informationen vor. Da müssen Sie schon etwas konkreter werden, damit ich damit etwas anfangen kann :-)

Also: Ihre Bedenken sind richtig, doch sowohl Zeithorizont als auch deren potenzielle Wirkung lassen sich mit den mir vorliegenden Informationen nicht belegen … könnten also übertrieben sein. Und auch das schlimmste Szenario des Produktionsausfalls und der Verletzung der Lieferverpflichtungen müssten wir zunächst gegen die Vertragsgestaltung von Micron mit seinen Kunden prüfen, denn vielleicht sind dort passende force majeure Klauseln enthalten, die vor Entschädigungsforderungen schützen.

Gleichzeitig ist für Sie das Verlustrisiko nach oben exorbitant groß: Micron ist kolossal unterbewertet, weil viele Anleger ein Zyklus-Top der KI-Revolution befürchten. Allein schon wenn das Zyklus-Top noch eine Weile auf sich warten lässt, dürfte die Aktie in den kommenden Monaten kräftig ansteigen.

Ich habe in den vergangenen Wochen mehrfach geäußert, dass ich die Finanzmärkte derzeit als ziemlich angespannt wahrnehme und ich will nicht ausschließen, dass wir kurzfristig noch eine heftige Kursreaktion in die eine oder andere Richtung sehen könnten. Doch das würde den gesamten Markt betreffen, nicht allein Micron. Sollte Micron aufgrund der von Ihnen befürchteten Entwicklung leiden müssen, dann dürfte der Gesamtmarkt einbrechen - nicht nur Micron.