Leserfragen (Oktober 2021)


 Frage vom 22.10.2021

#Chipknappheit: Abhängigkeit von China

Guten Tag Herr Heibel,
Ich möchte spontan schreiben, ich habe mir gestern noch einmal das Salz & Pfeffer Video mit Herrn Schopf von PVA Tepla angehört, Er hat die Situation der Halbleiter Hersteller Weltweit beschrieben, die größten Hersteller sitzen in Taiwan, TSMC zB. China zündelt aktuell in der Region, sollte China in Taiwan einmarschieren, was ich mir leider durchaus vorstellen kann, bekämen sie die Kontrolle über die größten Chiphersteller. oh oh , Was passiert mit den Halbleiteraktien, wenn eines Tages die Meldung kommt China überrent Taiwan, in Hongkong hat es auch geklappt, Ich glaube aktuell hält unter anderem die Evergrand Imobilien Sache Präsident Xi davon ab weiter gegen Taiwan vorzugehen, ich glaube das er erst mal " eine Baustelle " fertig macht, das Volk , die Ersparnisse, die Eigentumswohnungen wieder in ordnung zu krigen , die Bevölkerung zufriedenzustellen, im Moment haben die Chinesen andere Sorgen als Taiwan, hier könnte jedoch Gefahr drohen. China hätte auf einen Schlag Zugriff auf die ganze Chip Industrie, mann, mann, , Übrigens, wenn ich die Videos das zweite Mal anhöre geht immer noch das eine oder andere Licht mehr auf :-) Danke & schöne Grüße Henry aus Wittenburg, MV

 Antwort:

Vielen Dank für das Lob. Ja, das Video mit Herrn Schopf war sensationell, er hat auch für mich eine ganze Reihe von Fragezeichen aus meinem Kopf entfernt :-). Im heutigen Heibel-Ticker habe ich mich intensiv mit der Chipbranche beschäftigt.

Unter anderem komme ich zu dem Schluss, dass Europa eine eigene Chipproduktion vorantreiben sollte. Entsprechende Pläne gibt es wohl schon, habe ich gehört. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, aber schon ernstzunehmende Bestrebungen werden China ein wenig disziplinieren.

Da sehr viel der Technologie aus Deutschland kommt, siehe PVA Tepla, gehe ich davon aus, dass wir in Europa noch das notwendige Knowhow haben, um so etwas selbst aufzubauen. Infineon hat dies zuletzt erfolgreich in Österreich getan. Etwas problematischer wird es bei der Rohstoffversorgung, doch auch das ist nicht unlösbar. Mag sein, dass Chips unterm Strich deutlich teurer werden, aber in einem inflationären Umfeld ist auch das nicht weiter tragisch ;-).


 Frage vom 04.10.2021

#Festkörperbatterien

Guten Abend Herr Heibel,

momentan hört oder liest man viel über neue Akkugenerationen auf
Natrium-Basis.
Gibt es Infos welche Firmen hier schon Erfolge vorweisen können
und wie ist Ihre Meinung dazu.

Mit freundlichen Grüßen - Best regards
Manfred aus Ludwigsburg

 Antwort:

Akkus auf Natriumbasis, oder auch Festkörperbatterien, sind sicherlich eine viel versprechende Zukunftstechnologie. Doch bis zur Marktreife ist es noch ein langer Weg. Und in der Forschungsphase verbrennen Unternehmen in der Regel sehr viel Geld, manche Ansätze scheitern und für uns Anleger ist es schwer bis unmöglich, frühzeitig auf das richtige Pferd zu setzen.


 Frage vom 03.10.2021

#Effekt der Abdoskontierung künftiger Cashflows

Guten Tag Herr Heibel,

ich verstehe eine Aussage von Ihnen nicht. Ihre Aussage passt aber zur aktuellen Entwicklun­g vieler Wachstumsw­erte, bezogen auf den Bewertungs­abschlag. Sie und der Markt gehen scheinbar davon aus, dass Wachstumsw­erte künftig höhere Kosten durch steigende Zinsen haben werden. Viele Wachstumsw­erte benötigen aber überhaupt keine Kredite, die haben selbst genug cash. Außerdem entwertet doch die Inflation ebenfalls Kredite und Kreditkost­en, was dann wieder gut für Wachstumsw­erte wäre, wenn ich mich denn auf diese Argumentat­ion einlasse?

Ich selbst habe Hello fresh und Westwing im Depot. Beide Firmen haben bereits schon jetzt hohe Cashflows, sind nicht vom Chip-Mange­l betroffen und auch hier kann man höhere Kosten weitergebe­n.

Die grundsätzl­iche Auffassung­, wonach alle Wachstumsu­nternehmen­ bei steigenden­ Zinsen einen Risikoabsc­hlag verdienen, ist daher für mich nicht nachvollziehbar. Sie sagen das ja klar vor dem Hintergrun­d der Cashflows,­ die erst später kommen. Wo besteht da jetzt der Zusammenha­ng zu den vielen Wachstumsu­nternehmen­ im Online-Ber­eich, die ja gerade wegen der hohen Margen und Cashflows so gefragt sind?

Klar gibt es gerade in den USA hochbewert­ete Tecs, deren hohe Wachstunsr­aten in sehr hohen KUVs von 5-10 vorweggeno­mmen wurden und die aktuell extrem investiere­n und daher kaum oder gar keine FreeCashfl­ows erwirtscha­ften. Nur was hat das mit extrem günstigen Unternehme­n mit hohen Cashflows wie Westwing, sehr günstiger Marketingi­dee und wenig Capex zu tun? Übersehe ich etwas?

Mit freundlichen Grüßen

Micha aus Bützow

 Antwort:

Gute Frage :-) Sie vergessen einen kleine, aber wichtigen Punkt: 200 Euro im Jahr 2021 sind mehr wert, als 200 Euro im Jahr 2022. Wenn ich die Wahl habe, meinen Heibel-Ticker Abo heute für 200 Euro zu verkaufen, dann ist mir das lieber, als wenn ich die 200 Euro erst in einem Jahr erhalte.

Denn die 200 Euro, die ich heute erhalte, kann ich schon anlegen und erhalte bspw. Zinsen darauf. In den vergangenen Jahren des Nullzinsumfeldes war das nicht ganz so dramatisch, wenn man das Geld erst später erhalten hat. Doch wenn das Zinsniveau nun steigt, dann sind die 200 Euro von heute immer mehr wert. Oder anders herum: Bei 4% wären meine 200 Euro, die ich heute erhalte, in einem Jahr schon 208 Euro. Bei 6% sogar schon 212 Euro.

Wenn wir Unternehmen bewerten, dann rechnen wir rückwärts. Ein Unternehmen, das uns verspricht, im Jahr 2030 100 Mio. Euro Umsatz zu machen, heute aber noch nichts verdient, müssen wir mit einem Zeitwertabschlag versehen. Man nennt das, künftige Cashflows werden „abdiskontiert“. Und je höher das Zinsniveau, desto heftiger fällt dieser Abschlag aus.

Ein guter Ansatz, einen fairen Wert für ein Unternehmen auszurechnen, ist, die in der Zukunft erwarteten Cashflows auf den heutigen Tag abzudiskontieren. Je stärker ein Unternehmen wächst, desto größer wird der Anteil der in der Zukunft liegenden Cashflows. Und diese künftigen Cashflows spielen bei Wachstumsunternehmen eine anteilig wichtigere Rolle in der Bewertungsberechnung, als bei Unternehmen, die heute schon hohe Cashflows hat, die nicht abdiskontiert werden müssen.

Im laufenden Jahr verfügt Hellofresh bspw. über einen erwarteten Cashflow von 2,59 Euro je Aktie. Bei einem Aktienkurs von aktuell 80 Euro beträgt das Verhältnis Kurs/Cashflow 80/2,59 = 31. Schon im nächsten Jahr soll der Cashflow auf 3 Euro steigen, das Verhältnis sinkt dann auf 27. Nehmen wir also an, Analysten empfinden derzeit ein Kurs/Cashflow-Verhältnis von 27 als fair.

Wenn nun die 3 Euro der Zukunft mit einem Zins von 4% abdiskontiert werden müssen, sind die 3 Euro plötzlich nur noch 2,88 Euro wert. Das Verhältnis würde auf 28 steigen, wäre also höher als die für fair empfundenen 27.

Bei der Wertberechnung für ein Unternehmen werden die abdiskontiert Cshflows der einzelnen Jahre zusammen gerechnet und je höher der Anteil der Cashflows in der Zukunft, desto größer der Effekt der Abdiskontierung.