Leserfragen (September 2021)


 Frage vom 30.09.2021

#Zinsbindung bei Immobilienfinanzierung

Hallo Herr Heibel,

vorab ein großes Kompliment für Ihre gute Arbeit und die verständlichen Ausarbeitungen Ihres Heibeltickers. Sie haben immer mal wieder auch eine Aussage zur Zinsentwicklung getroffen. Wie sehen Sie die Zinsentwicklung in den nächsten Jahren (es ist mir bewusst, dass es nur eine Abschätzung entsprechend der aktuellen Lage ist?.

Ich frage wegen einer Immobilienfinanzierung. Ist es in der momentanen Lage vielleicht sinnvoller eine 15-jährige Zinsbindung zu nehmen (mit leichtem Aufschlag beim Zinssatz), da die Zinsen in ein paar Jahren ggf. ansteigen werden, oder erwarten Sie, dass die Zinsen in 10-11 Jahren auch noch auf vergleichbarem Niveau sein werden?

Über eine kurze Beantwortung (wenn es zeitlich nicht geht auch ohne größere Erklärung) wäre ich sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
Martin aus Coburg

 Antwort:

Als ich vor 11 Jahren die Finanzierung meines Immobilienkaufs abgeschlossen hatte, war ich felsenfest davon überzeugt, den absoluten Tiefpunkt der Zinsentwicklung erwischt zu haben. Wenn Sie mich also heute nach meiner Einschätzung für in 10-11 Jahren fragen, dann bin ich vielleicht nicht der Richtige :-(.

Ich habe damals meine Finanzierung in 3 Tranchen geteilt: Zinsbindung für 5, für 10 und für 15 Jahre. Die Tranche mit 5 Jahren konnte ich dann glücklicherweise deutlich günstiger refinanzieren. Die beiden anderen Tranchen verhandelte ich nach 10 Jahren neu - Sie haben auch bei einer 15-jährigen Zinsbindung die Möglichkeit, nach 10 Jahren neu zu verhandeln. Der Zins ergibt sich stets auf Laufzeit und der Relation des Immobilienwerts zur Finanzierungshöhe. Wenn Sie nach 10 Jahren also nur noch 30% übrig haben, dann ist der Kredit, den Sie dann neu verhandeln, ja zu 70% besichert. Mit diesen Voraussetzungen erhalten Sie deutlich günstigere Konditionen, als Sie es heute bei einem umgekehrten Verhältnis bekommen würden (bspw. 70% Kredit und nur 30% Eigenanteil). Mit diesem Wissen würde ich mir aus heutiger Sicht sogar die Tranche über 15 Jahren sparen. Das hängt aber davon ab, in welcher Geschwindigkeit Sie Ihre Finanzierung tilgen wollen und können.


 Frage vom 27.09.2021

#Variable Südzucker-Anleihe unterbewertet

Hallo und Guten Tag Herr Heibel,

warum notiert unsere Südzucker Anleihe so weit unter pari? Die Geschäfte der Emittentin laufen doch aktuell soweit gut, das eine Aussetzung der Zinszahlung nicht zu erwarten ist. Zum aktuellen Kurs erscheint sie mir weit unterbewertet.

Falls meine Frage von allgemeinem Interesse sein könnte, würde ich mich über eine kurze Rückmeldung im Ticker freuen.

Mit freundlichen Grüßen aus Haltern

Diedrich aus Haltern

 Antwort:

Der Kurs der Südzucker-Anleihe wird maßgeblich von zwei Faktoren beeinflusst: Dem Zinsniveau und der 5%-Hürde.

Zinsniveau: Die Verzinsung der Anleihe beträgt 3,1% zzgl. dem 3-Monats-Euribor. Der ist zur Zeit jedoch negativ, also müssen wir von den 3,1% etwas abziehen.
http://de.euribor-rates.eu/euribor-zinssatz-3-monate.asp
-> Euribor am 24.9.: -0,543%
-> Zinszahlung: 3,1-0,543= 2,557%

Nun wird der Zins auf den nominalen Wert der Anleihe von 100% gezahlt. Wer heute jedoch erst kauft, der zahlt für die nominalen 100%-Papiere nur 88,61%. Die Zinszahlung auf den heutigen Kaufpreis beträgt dennoch 2,557%, also bspw. 25,57€ für einen nominalen Betrag von 1.000€, für den Sie jedoch nur 886,10€ bezahlen müssen. Folglich erhalten Sie auf 886,10 Euro 25,57€ Zinsen. Das entspricht einer Rendite von 25,57/886,1 = 0,0288, oder auch 2,88%.

Wenn das Zinsniveau steigt, steigt auch der Zins für unsere Anleihe, die Anleihe wird attraktiver. Und umgekehrt.

5%-Hürde: Sollte der Cashflow von Südzucker in einem Bilanzjahr weniger als 5% des Konzernumsatzes betragen, ist das Unternehmen berechtigt, die Zinszahlung für das entsprechende Jahr auszusetzen. Vor zwei Jahren war es mal ziemlich knapp, doch seither ist die 5%-Hürde nicht mehr in Gefahr. Die 5%-Hürde ist natürlich eine Belastung für die Anleihe, daher notiert die Anleihe immer etwas niedriger, als es das aktuelle Zinsniveau vermuten lassen würde. Aktuell ist die Gefahr eines Zahlungsausfalls gering, daher ist der Kurs der Anleihe im laufenden Jahr bereits um 15% angestiegen.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig aufklären :-).


 Frage vom 22.09.2021

#Lufthansa Bezugsrechte

Hallo Herr Heibel,
wie ist ihre Stellungnahme zur Kapitalerhöhung der Lufthansa?

BZR zukaufen oder verkaufen?

Danke im voraus für ihre Antwort

Grüße,
Gerhard aus Illingen

 Antwort:

Grundsätzlich ist es stets positiv zu werten, wenn ein Unternehmen aus eigener Kraft staatliche Hilfen zurückzahlen kann bzw. das dafür erforderliche Kapital aus eigener Kraft beschaffen kann.

Die Lufthansa hatte während der Krise bis zu 9 Mrd. Euro vom Bund zugesagt bekommen. Allerdings kam es nicht so schlimm wie befürchtet, daher nahm die Lufthansa nur etwas über 2 Mrd. Euro davon in Anspruch. Von diesen 2 Mrd. Euro konnte die Lufthansa bereits etwa 1 Mrd. Euro aus dem freien Cashflow zurückzahlen. Die nun laufende Kapitalerhöhung soll die fehlenden 1,x Mrd. Euro generieren, um sich frei zu kaufen.

Ungeachtet der Hilfen (=Kredite) bleibt der Bund weiterhin mit 20% an der Lufthansa beteiligt. Diese Beteiligung soll jedoch schon bald auf 15% reduziert werden. Damit kauft sich die Lufthansa also noch nicht völlig frei, sondern bleibt weiterhin Einflüssen aus der Politik ausgesetzt.

Für 2022 erwartet die Lufthansa einen Jahresumsatz von 26 Mrd. Euro. Bei einer Marktkapitalisierung on 3,7 Mrd. Euro und Schulden in Höhe von 11 Mrd. Euro wird das Geschäft also mit rund 15 Mrd. Euro bewertet. Sollte es der Lufthansa gelingen, in den kommenden Jahren eine ordentliche Gewinnmarge zu etablieren, wäre ein Kurs/Umsatz-Verhältnis (inkl. Schulden) von 1 fair. Die Aktie könnte in einem solchen Szenario um 150% anspringen. Doch zur Erinnerung: Fluggesellschaften sind weltweit Spielbälle der Politik, die Konkurrenz kann häufig auf dem Heimatmarkt das Geld verdienen, was es im internationalen Wettbewerb verliert. Es ist schwer, Fluggesellschaften nachhaltig profitabel zu betreiben. Ich habe daher Aktien von Fluggesellschaften in den vergangenen Jahrzehnten gemieden.


 Frage vom 09.09.2021

#Churchill IV wurde zu Lucid & Optionsschein

Hallo, Herr Heibel,

ich will keineswegs Ihren wohlverdienten Sommerurlaub stören, wäre aber erfreut, wenn Sie nachher nochmal zu dem derzeitigen "Verhau" von Churchill &Co Stellung nehmen würden.

Dass sich die ursprünglichen 95 Anteile nach WKN A2QAZC als Warrants herausstellten, und ich deshalb noch 60 Anteile nach WKN A2QAMY als Aktien kaufte, geht eigentlich in Ordnung.

Jetzt erfrahre ich per Mitteilung vom 29.7., dass die Lucid Group IV UTS25, WKN A2QAZC, im Rahmen einer Stockdividende - God knows what that is - im Verhältnis 1,00: 0,20 am 29.7. eingebucht wurde, wobei in meinem Depot 19 OS auftauchten. Gleichzeitig tauchen in meinem Depot 155 Anteile der Lucid GroupI NC A- ,0001(H2A) unter WKN A3CVXG auf, wobei man wohl nur meine 95 Warrants und 60 Aktien einfach zusammengezählt hat.

Ob diese Firma eines Tages, wie Sie mal andeuteten, der nächste Tesla sein wird, steht noch in den Sternen, aber mit ihrem abenteuerlichen Finanzjonglieren lassen diese Leute die Herren von Wirecard schon heute alt aussehen.

Mit freundlichen Grüßen
Willi aus Ismaning

 Antwort:

Ich habe auf verschiedenen Wegen versucht, weitere Informationen zu erlangen, doch leider ohne Erfolg. Weder Lucid, noch das Institut, das Lucid bei dieser Transaktion berät, noch meine Bank haben Antworten geliefert. Aber so viel kann ich sagen:

Sie dürften heute wieder 95 Lucid Aktien WKN A3CVXG haben. Die zwischenzeitlich angezeigten 155 dürfte ein Fehler Ihrer Bank gewesen sein.

Zusätzlich dürften Sie heute noch die 19 Optionsscheine (Warrants) mit der WKN A3CV9A haben. Diese Optionsscheine werden in Deutschland nicht gehandelt. Sie können diese Optionen ausüben: Für eine Zahlung von 11,50 USD erhalten Sie eine Lucid-Aktie (Kurs aktuell: 19,86 USD). Diese Möglichkeit besteht nur noch bis Anfang Oktober, dann werden die Optionen ohne Zuzahlung entsprechend dem Verhältnis in Aktien getauscht.

Fragen Sie mich bitte nicht, welche Gebühren bei dieser Transaktion anfallen. Wenn ich das richtig verstehe, waren diese Optionsscheine Teil der Transaktion, mit dem der SPAC Churchill Capital IV den Autobauer Lucid übernommen hat. Nun sollen diese Optionsscheine vom Markt genommen werden, wobei ein Mindestpreis der Lucid-Aktie von 18 USD Voraussetzung ist. Wenn ich das richtig verstanden habe, würden Sie also 12 neue Lucid Aktien für Ihre 19 Optionsscheine erhalten. Die anteiligen Aktien, die Ihnen hinterm Komma noch zustünden, werden vermutlich verfallen.

Auch ich habe meine Lucid Aktien behalten, da ich die SPAC-Geschichte damit besser verstehen wollte. Ich lasse mich überraschen, ob meine Erwartung stimmt :-).


 Frage vom 08.09.2021

#ETF oder Fonds auf MSCI World

Guten Morgen,

beginne nun mich intensiver mit dem Thema Aktien näher zu beschäftigen und auch mit Ihrem Heibel Ticker.
Nun war ich letzte Woche auf einer Veranstaltung von scalable, da mich das Thema ETF als Langfristanlage interessiert.
Könnten Sie auf ETFs näher eingehen (Vorteile/Nachteile) und hier auch Empfehlungen aussprechen?
z.B. ist der HSBC MSCI World UCITS ETF innerhalb eines Jahres um 30 Prozent gestiegen, macht es
hier noch Sinn einzusteigen.
Vielen Dank vorab und sonniges Wochenende
wünscht
Christine aus Oberursel

 Antwort:

ETFs sind passiv gemanagte Fonds, bei denen Sie einen Anspruch auf die darin enthaltenen Wertpapiere erhalten. Sollte die Fondsgesellschaft pleite gehen, bleiben Ihnen die Wertpapiere, des Fonds, Sie erleiden also keinen Verlust.

Häufig werden tatsächlich die Wertpapiere, deren Kursverlauf abgebildet werden soll (bspw. Indizes) entsprechend gekauft. Doch häufig wird die Kursentwicklung auch durch andere Instrumente abgebildet: Durch Optionsscheine, Swaps, durch finanzmathematisch optimierte alternative Gewichtungen oder Ähnliches. Sollte der Emittent dieser Instrumente Pleite gehen, haben auch Sie Probleme, an Ihr Geld zu kommen. Daher ist es ratsam, nur ETFs zu nutzen, die auf Futures und Swaps etc. Verzichten, sondern tatsächlich die im Index enthaltenen Aktien kaufen.

Sowohl Fonds als auch passiv gemanagte ETFs benötigen Menschen, die das Ganze umsetzen. Das kostet Geld und schmälert die Performance. Außerdem kaufen Sie die durchschnittliche Performance aller darin enthaltenen Aktien. Ich möchte aber gezielt diejenigen Aktien auswählen, denen ich die besten Chancen gebe. Das bedeutet zwar mehr Aufwand, für jedoch auch hoffentlich mehr Ertrag.

Somit sind Fonds und ETFs etwas für diejenigen, die nicht so viel Energie und Zeit in Ihre Vermögensanlage stecken möchten, das kostet aber Geld (bzw. Performance).

Ich habe mich nun einmal auf Aktien konzentriert, ETFs nehme ich nur in seltenen Ausnahmefällen mal mit auf. Daher bin ich nicht der richtige Ansprechpartner für Ihre Frage, sorry.

In den vergangenen fünf Jahren ist der MSCI World, den der von Ihnen vorgeschlagene ETF abbilden soll, um 200% angestiegen. Ihr ETF jedoch nur um 180%. In der Beschreibung steht „... der Fonds möglicherweise nicht jeden Bestandteil des zugrunde liegenden Index oder die Bestandteile nicht entsprechend den Gewichtungen im Index hält. Der Fonds kann Wertpapiere halten, die keine Indexbestandteile sind… Der Fonds kann bis zu 10 % seines Vermögens in andere Fonds investieren, einschließlich HSBC-Fonds… Der Fonds kann bis zu 10 % seines Vermögens in Total Return Swaps und Differenzkontrakte investieren…“

Ich habe nichts dagegen, wenn jemand in Fonds & ETFs investiert. Im Gegenteil, wer nicht die Zeit aufbringen möchte, der sollte das tun! Mit dem Heibel-Ticker helfe ich meinen Kunden, die notwendige Zeit ein wenig zu reduzieren, wenn Sie ihre Anlageentscheidungen selber in die Hand nehmen möchten. Abnehmen kann ich die Entscheidungen nicht. Wem das nicht reicht, der sollte tatsächlich auf Fonds und ETFs zurück greifen.

Der Xtrackers MSCI World Swap UCITS ETF (WKN DBX1MW) ist kostengünstiger und kommt über die vergangenen 5 Jahre auf eine Performance von 195%. Gefällt mir besser :-).


 Frage vom 08.09.2021

#So bereiten Sie sich auf die straffere Geldpolitik vor

Hallo Herr Heibel,

ich habe eine Frage, die vermutlich viele Ihrer Leser beschäftigt. Hintergrund ist der enttäuschende US-Arbeitsmarktbericht vom Montagmorgen, der zu vielfältigen Reaktionen geführt hat.

Viel interessanter ist natürlich, was passiert, wenn Jay Powell das Anleihe-Kaufprogramm reduziert oder beendet und die US-Zinsen steigen? Wir kann man sich optimal auf diesen Schritt vorbereiten?

Antworten erhoffe ich mir in folgender Form:

- Die Goldpreise dürften steigen, da Gold keine Zinsen erwirtschaftet?

- Japanische, chinesische und viele andere ausländische Papiere dürften fallen, da der USD-Wechselkurs steigen wird?

- Rentenpapiere im Depot dürften fallen - oder muss man zwischen solchen mit kurzer und langer Duration (oder zwischen Staatsanleihen und Unternehmensanleihen oder zwischen US- und anderen Papieren) unterscheiden?

- Steigende Zinsen haben negative Auswirkungen auf Wachstumspapiere - sollte man die jetzt verkaufen?

- Viele Papiere werden fallen - gibt es auch welche, die profitieren werden?

- Wie sollte ich mein Depot umbauen, damit steigende Zinsen keine bösen Konsequenzen haben?

Über eine Antwort würde ich mich riesig freuen,

Danke und Gruss aus Bochum, Andreas

 Antwort:

Wir müssen unterscheiden zwischen dem Anleihe-Kaufprogramm, dem Leitzins und der Inflation … und vielem mehr, aber belassen wir es vorerst bei diesen drei Komponenten.

Wenn das Anleihe-Kaufprogramm irgendwann herunter gefahren wird, dann werden wir an den Aktienmärkten noch keinen Gegenwind verspüren. Der Rückenwind der vergangenen Jahre wird nur ein wenig schwächer. Davon bremst man also noch nicht, lediglich die hohe Wachstumsgeschwindigkeit kann dann vielleicht nicht mehr ganz gehalten werden.

Das heißt, strukturell ändert sich erst einmal sehr wenig, solange der Rückenwind nur etwas reduziert wird. Insgesamt wird der Aktienmarkt gebremst, vielleicht kommt es sogar zu einer kleinen Korrektur. Doch das dürfte schnell vorübergehen. Der Leitzins jedoch bleibt unverändert. Der negative Einlagenzins (Strafzins) für Guthaben der Geschäftsbanken bei den Notenbanken sowie auch der Guthaben von Privatanlegern bei ihren Banken dürfte noch lange Zeit bestehen bleiben.

Der Inflationsdruck jedoch könnte durch die Reduktion der Anleihekäufe etwas abgemildert werden. Wenn weniger Liquidität im Umlauf ist, konkurrieren die Waren um weniger Geld, es entsteht Preisdruck, sofern es sich nicht um eine anderweitig verursachte Knappheit handelt (bspw. Chips).

Gold hat mit alledem wenig zu tun. Gold wirft zwar keine Zinsen ab, kostet aber auch keine Strafzinsen. Daher dürfte das Gold in dieser Phase nach wie als sicherer Hafen gefragt sein.

Wenn Sie die USA als den Nabel der Welt sehen, dürften japanische und chinesische Papiere fallen. Ich persönlich habe mir Hamburg zu meinem Nabel der Welt ausgewählt und betrachte daher alles aus der Euro-Brille. In meinen Augen steht die europäische Wirtschaft derzeit deutlich besser da als die US-Wirtschaft. Eine straffere Geldpolitik ist in Europa daher meines Erachtens eher möglich als in den USA. Doch kulturell bedingt sind wir hier etwas langsamer als die USA, daher dürften die USA tatsächlich als erstes die geldpolitischen Zügel straffen. Das dürfte dem US-Dollar jedoch nur ein bisschen helfen, da nicht nur Währungsknappheit, sondern auch die Konjunktur für den Wechselkurs verantwortlich ist.

Fallen dürften höchsten die Aktien von Schwellenländern, die sich hoch in US-Dollar verschuldet haben. Japan und China verfügen jedoch über eine eigenständige Konjunktur, dürften also nicht mehr so stark von den Entwicklungen in den USA abhängen, wie das vor einigen Jahrzehnten noch der Fall war.

Rentenpapiere, also Anleihen, dürften im Kurs fallen und die Renditen dürften steigen, weil die Anleihenschwemme nicht mehr von den Notenbanken aufgesogen wird. Das heißt in erster Linie, dass sich der Marktzins vom Leitzins entfernen dürfte. Der Leitzins dürfte mMn noch lange niedrig bleiben. Der Marktzins dürfte dann, je länger die Laufzeit, um so stärker ansteigen. Das gilt gleichermaßen sowohl für Staatsanleihen als auch Unternehmensanleihen. Und das gilt für US-Papiere halt ein bisschen früher als für europäische Papiere.

Ja, steigende Zinsen haben negative Auswirkungen auf Wachstumswerte, weil deren in der fernen Zukunft erwirtschafteten Gewinne mit einem höheren Zinssatz abdiskontiert werden. Aber wenn ich eingangs von weniger Rückenwind gesprochen habe, dann gilt dies erweitert auch noch für das Zinsniveau: Bei einem Leitzins von bis zu 3% spricht man noch immer von Rückenwind. Erst darüber lässt sich eine Bremswirkung verzeichnen. Davon sind wir jedoch noch weit entfernt.

Wenn also eine Zinsanhebung in Sicht kommt, dann dürften die Aktienmärkte, insbesondere die Wachstumsunternehmen, kurz und heftig korrigieren, anschließend jedoch ihren Anstieg fortsetzen.

Wann genau eine solche Reaktion erfolgt, lässt sich schwer bestimmen. Und wie tief genau die Papiere korrigieren, ist ebenso schwer. Ich halte es daher für nicht zielführend, wenn man jetzt alles verkauft, den Rest der noch laufenden Rallye verpasst und dann später in der Korrektur vermutlich den günstigen Einstieg verpasst :-(.

Profitieren würden in einem solchen Szenario natürlich die Versorger, die durch einen hohen Cashflow einen verlässlichen Rückfluss (Dividende) anbieten.

Wie Sie Ihr Depot umbauen sollten? Nun, die Gretchenfrage lautet: Schaffen Sie es, solche Marktschwankungen zum eigenen Vorteil zu timen? Ich versuche dies mit einem kleinen Teil unseres Portfolios. Ich verkaufe Teile von Positionen und segel vor erwarteten Korrekturen mit mehr Cash durch die stürmische See. Doch viel wichtiger als die kleine Timing-Komponente in unserem Heibel-Ticker Portfolio ist die intelligente Risikostreuung: Wir haben einige dividendenstarke Versorger im Portfolio, wir haben eine Unternehmensanleihe mit variablem Zins, wir haben Wachstumstitel, die meines Erachtens nach einer kleinen Korrektur schnell wieder auf ein noch höheres Kursniveau laufen dürften, etc.

Das Timing darf meiner Ansicht nach in diesem Umfeld nur ein kleines Hobby sein, nicht jedoch der Schwerpunkt Ihrer Strategie.


 Frage vom 01.09.2021

#Flatex DeGiro zu teuer

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich muss nun endlich eine gegenteilige Meinung bezüglich ihrer "Jubelarien" über die flatex-deGiro-Bank los werden.

Die flatex-deGiro-Bank ist die einzige Online-Bank mit Negativzinsen auf dem Guthaben ab dem ersten Euro und zusätzlichen Depotgebühren von 0.1% p.a. + MwSt. Des Weiteren ist diese Bank mit ihrer eigenen, hochgelobten IT die langsamste Bank bei der Erstellung der Jahressteuerbescheinigungen.

Ein buy-and-hold-Anleger blutet mit Depotgebühren, ein Trader bezahlt Negativzinsen für jeden Euro, der auf dem Konto als Liquiditätsreserve vorrätig gehalten wird. Daher ist es kein Wunder zu erraten, woher die Gewinne stammen. Ich habe mein Konto bei der flatex nach 10 Jahren gekündigt, weil flatex immer nur die Expansion und immer weniger die Interessen seiner Kunden im Blickfeld hatte. Übrigens war die deGiro-Bank eine der günstigsten Onlinebanken, wenn nicht sogar die günstigste, bis, ja bis sie von flatex übernommen wurde. Und pünktlich mit der Übernahme der deGiro-Bank wurden die Depotgebühren eingeführt. Letztlich haben alle Kunden, sowohl die flatex- als auch die vormaligen deGiro-Kunden keinen Vorteil aus dieser Übernahme erfahren. Für die Aktionäre ist die flatex-Bank sicher wunderbar, aber sie ist keine Empfehlung für den Trader und Anleger. Vielleicht erwähnen sie diese Umstände in der nächsten Beurteilung der flatex einmal. Der ständige Hinweis auf die Ordergebühren von 5,90 € pro Trade spiegeln eben nur die halbe Wahrheit wieder.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas aus Berlin

 Antwort:

Ja, da haben Sie Recht - aber ;-)

Eine Bank, die kein Geld verdient, kann nicht überleben. Flatex ist, im Unterschied zu vielen Wettbewerbern, profitabel. DeGiro war nicht in der Lage, ein tragfähiges Geschäftsmodell aufzubauen, ohne die Kunden zur Kasse zu bitten. Verständlich, dass Sie den kundenfreundlichen, aber nicht tragfähigen Geschäftsmodellen nachweinen. Solche Angebote kann man aber immer nur kurze Zeiten nutzen. Ich bevorzuge eben tragfähige Geschäftsmodelle :-).

Service / Jahresabschluss: Wie gesagt: Das Unternehmen wächst schnell, so etwas sind in meinen Augen Wachstumsschmerzen.


 Frage vom 01.09.2021

#Günstige PEG-Rate bei deutschen Unternehmen

Guten Tag Herr Heibel,

vielen Dank für die sehr interessante Gegenüberstellung bzw. Einschätzung in dem letzten Heibel-Ticker!

Zu dem PEG Faktor noch eine Frage: Ich kenne ihn mit einem Grenzwert von 1 anstatt von 2, wie von Ihnen angesetzt. Das macht natürlich einen Riesenunterschied, einige Billionen von Marktkapitalisierung. Danach wäre nur Alphabet/Google gerade mal fair bewertet, und Apple, Amazon und Microsoft wären hoffnungslos überbewertet. Andererseits sind tatsächlich viele zyklische Werte immer noch unterbewertet, auch mit einem PEG von unter 1. Was sagen Sie dazu?

Viele Grüße aus dem regnerischen Harz!

Hanns-André aus Seesen

 Antwort:

Ja, normalerweise wird eine PEG-Rate von 1 angesetzt. Da ich im Heibel-Ticker jedoch sehr viel über Technologie- und Wachstumstitel schreibe, die ihre jeweiligen Märkte dominieren, habe ich mich den in den USA in diesem Fall angesetzten 2 angepasst. Also eine PEG-Rate von bis zu 2 wird nur dann als fair bezeichnet, wenn das Unternehmen hochprofitabel ist und den Wettbewerb beherrscht (Marktführer).

Ich suche nach Marktführern in konjunkturunabhängigen Wachstumsmärkten mit ordentlicher Bilanz, weil ich diesen Unternehmen ordentliches Wachstumspotential zuschreibe. Daher kommt bei mir die PEG-Rate von 2 so häufig vor.

Die deutsche Industrie segelt häufig mit PEG-Raten unter 1. Das liegt an schwachen Wachstumszahlen, an den reifen Märkten und an Altlasten, die sie mit sich herum schleppen (hohe Verschuldung, Pensionsverpflichtungen). Derzeit erleben wir einen starken Konjunkturaufschwung, der zunächst die Rohstoffe, dann die Industrieunternehmen mit sich zieht. Es gibt viele Industrieunternehmen, die nun starkes Umsatzwachstum ausweisen und noch eine niedrige PEG-Rate mit sich tragen. Da gibt es viele Chancen, die ich mir auch derzeit anschaue.


 Frage vom 01.09.2021

#CureVac oder BioNTech

Hallo Herr Heibel,

Sie hatten ja in Ihrer letzten HT-Ausgabe u.a. BioNTech empfohlen und Abstand von Cure-Vac genommen. Richtigerweise aufgrund der Probleme und Erfahrungen bei Cure-Vac. Da ich allerdings den Stop-Loss nicht fest im System eingegeben hatte, wurde auch der Verkauf nicht ausgefuehrt. Anschliessend wollte ich dann einfach nicht mehr zu den tiefen Kursen verkaufen. Mittlerweile ist ja der Kurs wieder etwas gestiegen und es stellt sich die Frage, jetzt schnell verkaufen und auf BioNTech umsteigen oder auf eine weitere Erholung von Cure-Vac setzen. Ganz so dumm sollten die ja auch nicht sein, um bald mal Erfolge veroeffentlichen zu koennen und dann sollte der Kurs wieder an alte Werte anknuefpen?

Oder was sehe ich hier falsch?
Oder ist es besser: Ein Ende mit Schrecken …….. als hinterher zu träumen? Und dann in einen Marktfuehrer einzusteigen?

Danke fuer Ihre Meinung. Vielleicht sind ja auch noch andere Abonennten von Ihnen in einer aehnlichen Lage.

Liebe Gruesse

Joerg aus Thailand

 Antwort:

Wenn ich mir anschaue, dass CureVac seit dem Ausverkauf wieder um fast 50% angestiegen ist, BioNTech jedoch um 25% zurück gekommen ist, dann würde ich einen Umstieg von CureVac auf BioNTech für aussichtsreich halten.


 Frage vom 01.09.2021

#Cathie Wood und Spotify

Hallo Herr Heibel,
ich lese Ihre Newsletter seit Iwatch-Zeiten und bin damit sehr zufrieden.
„Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen“ (Mark Twain)
Sie haben keine Glaskugel und trotzdem wagen Sie jeden neuen Brief eine Prognose. Respekt.

Meine Frage:
Wie hoch schätzen Sie die Folgen eines möglichen Crash von Cathie Wood Fonds für Spotify?
Dann könnte es ja im schlimmsten Fall zu unlimitierte Verkäufen kommen.
Können Sie das "Klumpenrisiko" für den Kurs von Spotify abschätzen?

Vielen Dank und machen Sie weiterso.

Klaus-Peter aus Ahaus

 Antwort:

Hui, seit iWatch-Zeiten - das ist aber lange. Den habe ich Anfang 2000 gegründet und wollte damit ausdrücken: iWatch … the Markets for you - ich beobachte die Märkte für Sie. Leider habe ich das damals mit einem Partner zusammen getan, mit dem ich mich irgendwann auseinander entwickelt habe. Anfang 2006 folgte dann der Heibel-Ticker (ohne Partner). Vielen Dank, dass Sie mir so lange die Treue halten :-).

Wenn Cathie Wood die Grätsche machen sollte, wird das schwere Folgen für Spotify und viele andere darin enthaltene Aktien haben. Denn viele Anleger, auch einige Profis, kopieren die Trades von Cathie Wood oder lassen sich durch sie zumindest inspirieren. Wenn Anleger also Cathie Woods ARK Fonds fliehen, dann werden diese Aktien inklusive ausverkauft, Cathie Wood steht plötzlich als Verliererin da und viele Anleger, die ihr zuvor gefolgt sind, werden sich nun von den Aktien ebenfalls verabschieden. Ich mag mir das gar nicht vorstellen.


 Frage vom 01.09.2021

#China Aktien im Ausverkauf

Hallo Herr Heibel,

seit geraumer Zeit halte ich die "Alibaba Group", WKN: a117me. Inzwischen sitze ich auf einem Minus von gut 25 %. Das Papier wird aber von verschiedenen Analysten zum Kauf empfohlen, wie so einige chinesische Werte auch.

Frage: Wie schätzen Sie das Papier ein? Eine Bodenbildung soll es angeblich bei Kurs 189 geben, derzeit notiert das Papier bei 199. Sollte ich die Unterstützungslinie abwarten, oder doch besser jetzt verkaufen?

Danke für Ihre Antwort,

mfG,

Herri aus Münster

 Antwort:

Tut mir leid, ich bin vermutlich nicht qualifiziert, Ihnen dazu eine Empfehlung zu geben. China ist ein autoritäres System, das mit unserem Demokratieverständnis nicht gut geheißen werden darf. Dennoch schaffen die Chinesen es mit Autorität, wichtige Regelungen umzusetzen:

- Lehrbetriebe dürfen keinen Gewinn machen
- Tech-Giganten dürfen mit individuellen Daten Individuen nicht bei Kaufentscheidungen beeinflussen
- Tech-Giganten müssen ihre gesammelten Nutzerdaten frei zugänglich machen
- Kinder dürfen nur noch Freitags zwischen 20 und 21 Uhr, Samstags sowie Sonntags je eine Stunde spielen
- …

Das sind Eingriffe in Wettbewerb und persönliche Belange, die wir nicht tolerieren. Dennoch muss ich zugeben, dass ich diese Entscheidungen eigentlich gut finde.

Das hat jedoch zur Folge, dass die Verdienstmöglichkeiten von Alibaba, Tencent und Co. stark beschnitten werden. Die Aktienkurse brechen ein.

Wenn Sie die Vorgänge in China einschätzen können und eine Meinung dazu haben, dann können Sie gegebenenfalls die künftige Aktienentwicklung für Alibaba daraus ableiten. Ich denke, dazu ist in Deutschland kaum jemand in der Lage.

Werden die Chinesen ihre Wirtschaft kaputt machen? Nein. Irgendwann werden sich Alibaba und Tencent wieder erholen. Doch wann das sein wird, und was Aktionäre auf dem Weg noch aushalten müssen, das weiß ich nicht. Genau das ist der Grund, warum ich den Hype um chinesische Aktien in den vergangenen Jahren selten, und wenn, dann nur sehr kontrolliert, mitgemacht habe.


 Frage vom 01.09.2021

#Block.one beteiligt sich an Northern Data

Hallo Herr Heibel,

seit einigen Jahren lese ich sie bereits, seit einigen Monaten auch mit Abo. Mit Spannung habe ich verfolgt das sie sich für Northern Data interessieren. Ein Unternehmen welches ich ebenfalls seit einiger Zeit verfolge.

Nun habe ich ihre aktualisierte Analyse gelesen und kann diese auch nachvollziehen. Aber trotzdem Frage ich mich ob sie zutrifft. Vor ein paar Tagen hat block.one an Northern Data ziemlich viel Hardware verkauft. Dafür gab es Geld und Aktienanteile. Damit hat block.one jetzt fast 20% des Unternehmens. Block.one ist eine bekannte Größe in der Szene und versteht das Geschäft von ND, wieso sollten die ihre Anteile nochmal erhöhen, wenn sie befürchten müssen das ND betrügt? Zu dem Deal hat ja sicherlich eine DD gehört und wenn man sich die begleitende Kanzlei anguckt, dann waren das zumindest keine Amateure.

Was meinen Sie dazu? Ich bin etwas ratlos.

Anbei die Pressemeldung

Viele Grüße

Felix aus Siegen

 Antwort:

Aha, wenn die neue Hardware wollen, können die nur noch mit neuen, eigenen Aktien bezahlen? Dadurch wird der Anteil der bestehenden Aktionäre verwässert, sofern die Aktien dafür neu ausgegeben wurden. Andernfalls könnte auch ein Eigner Kasse machen. Da sind die abenteuerlichsten Konstellationen möglich. Natürlich ist auch möglich, dass Block.one wirklich ein großes Interesse an Northern Data hat.

Soll heißen: So eine Transaktion ist sehr komplex, unterschiedliche Interessen vieler Parteien müssen in Einklang gebracht werden. Für mich ist diese Transaktion nicht klar genug, um Northern Data einen Freibrief zu geben.


 Frage vom 01.09.2021

#Schaltbau +35% durch Übernahme

Hallo Herr Heibel,

einen kleinen «Nachtrag» zum aktuellen Börsenbrief hätte ich noch:

Zu den grössten Wochengewinnern gehört auch die Schaltbau AG mit über 35% Plus. Grund: «Erhalt einer Mitteilung über die Absicht zum Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags zwischen Schaltbau Holding AG und Voltage BidCo GmbH».

Da hätte ich gerne mal Ihre Meinung dazu gehabt (die Schaltbau AG haben sie ja einmal vorgestellt…ich bin damals eingestiegen und freue mich natürlich nun über einen schönen Zuwachs…).

Besten Dank schon mal im Voraus und ein schönes Wochenende!


Viele Grüsse

Berthold aus Waldshut

 Antwort:

Ja, das hatte ich damals gesehen. Das freut mich für die Schaltbau AG, die dadurch Zugang zu Investitionskapital erhält. Der Käufer, Carlyle, ist ein strategischer Finanzinvestor, der sich hier ein lukratives Unternehmen mit aussichtsreicher Zukunft sichert. Schade, ich hätte das Unternehmen gerne weiterhin am Aktienmarkt gesehen. Wer die Aktie hat, der kann jetzt verkaufen, denn viel weiter wird die Aktie nicht ansteigen: Herzlichen Glückwunsch :-).


 Frage vom 01.09.2021

#Arbitrage von DAX-Umstellung auf 40 nutzen

Hallo Herr Heibel,

wie schätzen Sie denn die Auswirkungen bei der Umstellung auf den DAX40 ein?

Theoretisch (aus Sicht des DAX) soll sich nichts ändern (der Punktestand bleibt gleich). Allerdings denke ich, dass z.B. die DAX Fonds dann Mittel aus den „alten“ Dax-Werten in „neue“ DAX-Werte umschichten müssen, um die DAX40 Zusammensetzung abzubilden. Und da in DAX-Werten erhebliche Mittel stecken nehme ich an, dass das auch Auswirkungen auf die Kurse haben sollte?

Also, vereinfacht gesagt: „alte“ Dax-Werte verkaufen, „neue“ Dax Werte kaufen (vor der Umstellung)? Was meinen Sie ?

Mit freundlichen Grüßen, Willy aus Rastatt

 Antwort:

Ja, da ist was dran. Arbitrageure werden entsprechende Trades machen. Arbitrageure sind Spekulanten, die auf genau solche unterschiedlichen Entwicklungen zwischen Aktiengruppen setzen. Da ist es egal, ob der Index unterm Strich nach oben, oder nach unten läuft. Arbitrageure verdienen am Unterschied in der Entwicklung der beiden Aktiengruppen.

Im Heibel-Ticker spekulieren wir nicht auf solche Dinge. Dazu müsste ich mir nun ein paar Aktien aus dem DAX aussuchen, die besonders leiden dürften, sowie einige potentielle Aufsteiger. Dann müssten wir die alten DAX-Aktien leerverkaufen (Shorten) und die DAX-Aspiranten kaufen. Dazu nimmt man dann Kennziffern, die meist durch griechische Buchstaben symbolisiert werden, um ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den beiden Gruppen zu erzeugen.

Wie gesagt. Da ist was dran, aber das ist nicht mein Revier :-)


 Frage vom 01.09.2021

#Verbio auf Wolke 7

Hallo, Herr Heibel,
wagen Sie sich an eine Analyse zu VERBIO (VERBIO VER.BIOENERGIE ON A0JL9W)
heran? Ich seit Ihrer ersten Empfehlung dabeigeblieben, habe schon ein paarmal
Gewinne gesichert, nun wird mir die Entwicklung unheimlich.
Leider habe ich nicht die Zeit und die Professionalität, die weitere Entwicklung
realistisch einzuschätzen.
Wag Sie sich dran?
Viele Grüße aus dem Odenwald
Edgar

 Antwort:

Herzlichen Glückwunsch :-). Verbio hat über Jahre eine hochkomplexe, integrierte Produktionsanlage aufgebaut und optimiert. Endlich läuft alles rund und just zu diesem Zeitpunkt bricht das Angebot der Wettbewerber (Ethanol aus Brasilien) wegen einer schwachen Ernte ein und die Margen schießen nach oben. Verbio ist eine aussichtsreiche Firma, doch aktuell spielte alles in die Hände von Verbio. Das bleibt nicht so, schon die nächste Saison kann wieder anders aussehen. Ein KGV von 39 lässt sich mit einer im Jahr 2022 erwarteten rückläufigen Gewinnentwicklung nicht halten. Ich würde weitere Gewinne mitnehmen und mich bei nächster Gelegenheit von Verbio vorerst verabschieden. Sie werden später günstiger wieder einsteigen können.

Wenn Sie ganz viel Geduld haben, können Sie die Sache auch aussitzen, bis weitere Produktionsanlagen aufgebaut und ans Laufen gebracht wurden. Ich kann mir aber vorstellen, dass in den nächsten 12-18 Monaten keine positiven Überraschungen am Fließband mehr geliefert werden können.


 Frage vom 01.09.2021

#ESG im Heibel-Ticker

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich lese seit 2009 ihren Ticker und bin immer noch begeistert, wie sehr Sie es schaffen, ihre Analyse unemotional, nett, teilweise lustig zu lesen mit sympathischen, persönlichen Kommentaren garniert zu präsentieren und diesem Stil über die lange Zeit treu zu bleiben. Danke!

Mit Ihren Anregungen habe ich gute Erfahrungen gemacht und auch meine daraus initiierten Investitionen waren nicht übel. Der Schelm in mir wartet immer, bis ihre Empfehlungen im Keller sind ;) auf diese Art stellen Sie eine Art ganz eigenen Index für mich dar, mit Verlaub. :)

Seit einiger Zeit habe ich etwas Kopfweh mit dem Portfolio im HTP. Das liegt darin begründet, dass ich mich intensiv mit Nachhaltigkeit befasse - und hier mit Aktien wie von Airbus und einigem im Goldbereich nach Recherche von Ökobilanzen etc. gar nichts mehr anfangen kann und dabei sehr begeistert und enthusiastisch in Erneuerbare, plastikfreies, Öl-, Gas- und waffenloses und tatsächlich enkeltaugliches investiere und das auch gerne mit Ihren Anregungen.

Meine Fragen an Sie: Wie stehen Sie zu Paris-kompatibler Anlage? (1,5°-Ziel...), Sie schreiben von "Enkel-Anlagen" als Kategorie, das ist in meinen Augen aber rein finanziell und lässt die äußeren Umstände etwas außer Acht (Umwelt-, Arten-, Klimaveränderungen und -chancen/Möglichkeiten).

Dabei ist das Thema längst in der Großfinanz angekommen Gelegentlich verweisen Sie auch darauf (bei Deutscher Bank zB) - ich bin beruflich auch mit einigem davon in Kontakt und kann Ihnen z.B. die Global Coal Exit List von NGOs wie urgewald e.V. ans Herz legen, siehe auch hier. Ferner die Initiativen von fossilfree (350.org) o.ä. Bei uns entstehen daneben auch Startups wie Right.Basedonscience, die etwa eine Klima-Metrik für Unternehmen entwickelt haben und auch einige spannende Referenzen aufweisen.

Solche Dinge nehmen zu - und ich denke, dass auch die Anlegerschaft sich zunehmend in so eine Richtung orientiert - wie ich z.B.

Daher fände ich gelegentliche Ausführungen zu diesem Thema gut, abgesehen davon, dass wenn Sie sich zB mit der Windkraftausbau-Lücke und der dazugehörigen Industrie befassen, die Bundestagswahl mit Sicherheit eine Wende darstellen wird in diesem Thema - und dazu passende Investitionschancen birgt? Welche "Nuggets" bringt der Green New Deal bzw. das, was in den USA davon übrig geblieben ist mit? Welche Klima-Invests mit Zukunft können Sie empfehlen?

Mag sein, dass das nicht ihrer Philosophie im Invest zusagt, aber von den persönlichen Anmerkungen Ihrer Person her, denke ich, dass das einen fruchtbaren Boden trifft. Vielleicht greifen Sie die Anregung und Fragen auf, ich würde mich freuen, zu lesen welchen Klima-Heibel Sie ansetzen. (Der Wortwitz sei Angesichts des Börsenschreibel erlaubt).

mit klimafreundlichen Grüßen
Markus aus München

 Antwort:

Herzlichen Dank für Ihre Ausführungen. Ich habe bereits mehrere Anläufe in Sachen ESG-Investments unternommen. Leider war ich mit dem Resultat bislang noch nicht zufrieden: Jedes Unternehmen stellt sich ins rechte Licht und behauptet, höchste ESG-Ziele zu erfüllen. Es gibt einige junge Unternehmen, die ein ESG-Score erstellen und Unternehmen entsprechend einstufen. Doch diese Ansätze sind, wenn man dann ins Detail schaut, sehr beliebig und meinem Eindruck nach ideologisch verstrahlt.

Aller Anfang ist schwer und Sie haben ja richtig angemerkt, dass ich immer wieder entsprechende Analysen und aussichtsreiche Aktien anbiete. Ich bleibe am Ball, doch ich bin auf eine bessere Datenlage angewiesen. Tatsächlich kenne ich zwei der in diesem Bereich führenden Marktteilnehmer persönlich und suche nach Möglichkeiten, deren Know-how im Heibel-Ticker einfließen zu lassen :-).


 Frage vom 01.09.2021

#ETF auf DAX oder S&P 500

Sehr geehrter Herr Heibel ich habe ein paar Fragen an Sie:

1. Den sentiment Daten, welche Sie wöchentlich erheben gelten nur für den Dax
oder auch für den MDax?

2. Können die sentiment Daten auch für den s&p verwendet werden?

3. Ist es sinnvoller mit aktien auf Unterstützungen und Widerstände zu spekulieren,
oder kann dies auch mit dem Dax als etf gemacht werden weil dieser ja ein Index
ist und daher unter Umständen nicht so genau verläuft wie einzel Aktien?

4. Wie finden Sie die Bewertung des Dax und S&p 500, da ich überlege bei beiden
Indexen einen etf zu kaufen und laufen zu lassen und Korrekturen dann mit
weiterem Geld nachzukaufen und diese Positionen nur bis zum letzten hoch
laufen zu lassen. Da würde mich ihre Unabhängige Profi Ansicht sehr interessieren!

5. Gibt es Profis welche Atieb kaufen die im Dax am schwersten sind um damit
den Index in eine für Sie günstige Position zu bewegen?

Mit freundlichen Grüßen

Dennis aus Heinsberg

 Antwort:

Die Sentimendaten geben einen Einblick in die Gemütslage der deutschen Anleger. Eine Übertragung für den MDAX ist grundsätzlich möglich, Unterschiede zwischen den beiden Indizes DAX und MDAX bestehen dann nur im Detail. Eine Übertragung auf den S&P ist grundsätzlich ebenfalls möglich, da US- und deutsche Märkte teilweise in die gleiche Richtung laufen. Doch an dieser Stelle gibt es manchmal Unterschiede, diese beziehen sich dann jedoch eher auf die Intensität einer Bewegung, nicht auf die Richtung. Daher betrachte ich separat stets auch die US-Sentimentdaten.

Unterstützungen und Widerstände sind Marken aus der technischen Analyse. Im Heibel-Ticker gehe ich jedoch eher fundamental an die Analyse heran und nehme technische Marken dann erst im zweiten Schritt auf, um geeignete Kauf- oder Verkaufsmarken zu bestimmen. Ob dies nun mit Aktien oder einem ETF geschieht, ist da zweitrangig. Da ETFs inzwischen ein großes Gewicht am Aktienmarkt haben, sind technische Marken für den DAX eine wichtige Orientierung, genau wie für Einzelaktien.

Ein guter Indikator dafür, ob die Märkte „teuer“ oder „billig“ sind, ist das KGV. Doch auch das Index-KGV muss man differenziert betrachten. Zum einen darf das KGV um so höher ausfallen je niedriger das Zinsniveau am Markt ist. Beim aktuellen Negativzins in Deutschland und niedrigem Zins in den USA dürfen die KGVs also im historischen Vergleich etwas höher sein, ohne eine Überbewertung anzuzeigen.

Außerdem kommen wir aus einer Krise, in der viele Unternehmen kaum Geld verdienten. Jetzt wird um so mehr verdient. Das KGV eines Indexes berücksichtigt die Gewinne der jüngsten vier Quartale. Da ist es wenig verwunderlich, dass das KGV des S&P kürzlich auf historisch hohem Niveau über 45 notierte. Man könnte fürchten, dass die Kurse purzeln müssen, um das KGV auf ein vernünftiges Maß unter 20 zurück zu holen. Doch stattdessen springen die Gewinne deutlich an, so dass das KGV inzwischen auf 33 zurück gekommen ist, ohne dass die Kurse purzeln mussten. Gewinnaussichten werden reihenweise angehoben. Es ist nicht undenkbar, dass aufgrund der niedrigen Zinsen sowie des hohen Gewinnwachstums auf absehbare Zeit ein KGV von deutlich über 20 als fair betrachtet wird, und dieses KGV könnte allein durch Gewinnwachstum und nicht durch purzelnde Kurse erreicht werden.

Für den DAX gilt das Gleiche, nur dass der DAX immer etwas günstiger bewertet ist, also immer ein etwas niedrigeres KGV mit sich trägt. Im Frühjahr sprang das durchschnittliche DAX-KGV von 10 auf 30, aktuell notiert es wieder bei 15. So betrachtet ist der DAX schon wieder deutlich günstiger als der S&P 500.

Sie fragen nach Marktmanipulation: Ja, das versuchen viele. Manchmal gelingt das, jedoch nur kurzfristig. Besonders anfällig dafür sind die Sommer- und Weihnachtsferien :-).


 Frage vom 01.09.2021

#Ausbau der 5G-Netze durch Telefonica, 1&1, Vodafone & Dt. Telekom

Sehr geehrter Herr Heibel!

Ich bin seit über einem Jahr Bezieher des Heibel Tickers.

Ihr Heibel Ticker ist hervorragend, weil sehr informativ, verständlich erklärt, immer auf dem Neuesten Stand und vor allem schätze ich Ihre außerordentliche kompetente Stellungnahme zu den aktuellen Finanzmärkten und damit verbunden eindeutige Aussagen darüber und nicht wie in vielen Börsennewsletter nichtssagende Statements.

Wenn es Ihnen irgendwann möglich ist (wenn nicht macht dies überhaupt nichts), könnten Sie im Heibel Ticker kurz ihre Einschätzung zu den deutschen Telefon- bzw. Internetanbieter abgeben und zwar insbesondere der Telefonica Deutschland, United Internet/1&1 Drillitsch und Vodafone.

Ein sehr großer Fan aus Österreich, Josef

 Antwort:

Vielen Dank für das Lob. Für jemandem mit einem ausgeprägten Sendungsbewusstsein wie mich ist Lob ein wesentlicher Bestandteil meiner Entlohnung :-).

Telefonica: Toller Dividendentitel (7%), aber nur Tochtergesellschaft und daher nicht Entscheidungsbefugt: Wenn’s Probleme bei der Mutter gibt, wird man sich in den Kassen der Tochter bedienen. Ich mag daher solche Konstrukte nicht.

United Internet / 1&1: Ebenfalls tolles Unternehmen mit pfiffigem CEO Dommermuth. Gigantische Investition in den Aufbau eines eigenen 5G-Netzes stehen an. Das wird sich mMn auszahlen, kann aber dauern: Kann sein, dass Sie hier viel Geduld brauchen.

Vodafone: Und noch ein tolles Unternehmen, toller Dividendentitel (6%) aber bereits hoch verschuldet, daher nicht wirklich handlungsfähig im Wettkampf um den Ausbau des besten 5G-Netzes.

—> Alle vier Unternehmen investieren in die 5G-Welt, Genbau wie auch die Dt. Telekom. Es ist noch zu früh, einen Gewinner auszurufen, daher bin ich ganz zufrieden mit unserer Position in Freenet, Freenet investiert nicht, sondern mietet später entsprechende Kapazitäten. Wenn Sie das Unternehmen herausfiltern möchten, das am besten für die 5G-Welt positioniert ist, würde ich anschauen, wer die besseren Lösungen im B2B-Bereich anbietet.