Leserfragen (November 2021)


 Frage vom 25.11.2021

#Abgeltungsfreie Zertifikate auf Bitcoin und Ethereum

Hallo Stephan,

ich habe mal wieder eine Frage, es geht um Abgeltungssteuer auf Papiere, die BTC und ETH enthalten. Gefühlt bin ich mehr und mehr verwirrt, je mehr ich über das Thema nachlese.

Ich habe folgende Papiere: s.u. (Und werde das Gefühl nicht los, daß alle 3 Papiere anders behandelt werden). Ist grundsätzlich richtig, keine Abgeltungssteuer nach 1 Jahr Haltefrist? Und Freibetrag p.A: 600 Euro zusätzlich??

A2HDZ2 (ETH)
A22FMC
A27Z30

Danke für deine Info im voraus,
VG Christoph aus Germaringen

 Antwort:

Auf Wertpapiergewinne wird die Abgeltungssteuer fällig, ohne Wenn und Aber. Die Ausnahmen betreffen physische Werte wie Gold, Immobilien und Bitcoin, der als Währung betrachtet werden kann - eine endgültige Entscheidung diesbezüglich steht noch aus. Gute Chancen gebe ich Papieren, die zu 100% mit der entsprechenden Kryptowährung hinterlegt sind und die eine jederzeitige Auslieferung der zugrunde liegenden Kryptowährung ermöglichen.

Um diese Frage für die von Ihnen genannten Produkte zu beantworten, müssen Sie in das Basisinformationsblatt zu dem entsprechenden Produkt schauen und die Erklärungen lesen. Lässt sich daraus keine eindeutige Antwort ableiten, müssen Sie wohl beim Emittenten anrufen - die Nummer steht im Basisinfoblatt.

1. XBT Provider AB O.E. 17(unl.) Ethereum
WKN: A2HDZ2 ISIN: SE0010296582
Basisinfo: https://coinshares.com/assets/etps/documents/de-1581609046.pdf

„...Um ihre Risikoposition im Rahmen dieses Kontrakts abzusichern, erwirbt die GABI Trading Limited die jeweilige Kryptowährung im Verhältnis 1:1 sowohl in physischer Form als auch durch Einsatz von Derivatekontrakten…“

In dem Augenblick, wo Derivate eingesetzt werden, gibt es keine 100%ige Hinterlegung durch echte (wenn auch digitale) Ether. Daher werden Gewinne in diesem Papier der Abgeltungssteuer unterliegen, auch nach einem Jahr.

2. 21Shares AG OE.ZT.19(20/ul)BC/ETH BSK ABBA Index-Zertifikat
WKN: A22FMC ISIN: CH0496484640
Basisinfo: https://cdn.21shares.com/uploads/current-documents/KIDs/ABBA/CH0496484640_21SharesAG(DE).pdf

Sie kaufen hier eine Inhaberschuldverschreibung auf 21Shares Bitcoin Suisse Crypto (HODLV). Was sich darin befindet, wird nicht weiter spezifiziert. Der Wert werde aufgrund des Referenzvermögens berechnet, Anteile würden nur gegen den Kauf von diesem Papier zugrunde liegenden Kryptowährungen ausgegeben. Damit wird hier eigentlich eine 100%ige Deckung versprochen.

Eine Auslieferung der Kryptowährungen ist jedoch nicht vorgesehen, daher könnte es schwierig sein mit einer Befreiung von der Abgeltungssteuerpflicht nach einem Jahr.

3. ETC Issuance GmbH O.END ETN 20(unl.) Bitcoin Index-Zertifikat
WKN: A27Z30 ISIN: DE000A27Z304

Dies ist das von mir favorisierte Papier, das wir bereits in unserem Portfolio hatten. Die Details dazu finden Sie im Archiv des Heibel-Tickers unter https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/1850 Kapitel 06.


 Frage vom 18.11.2021

#LVMH & der Luxusgüter-Markt

Sehr geehrter Herr Heibel,

seit mehr als zehn Jahren lese ich Ihren Heibel-Ticker. Vielen Dank für Ihre scharfen Blicke hinter die Kulissen und Ihre erhellenden Erläuterungen von Zusammenhängen, die woanders kaum angesprochen werden. Ich habe von Ihnen unendlich viel gelernt – nicht nur hinsichtlich intelligenter Aktienanlagen.

Eine spannende Aktie findet jedoch leider nie Erwähnung: LVMH – Moët Hennessy Louis Vuitton. Dabei vertritt diese Aktie perfekt den attraktiven Luxusgüter-Markt: Das Vermögen der Reichen wird weltweit unaufhaltsam weiter steigen – und damit die Lust auf sehr teure Produkte mit sehr hohen Margen. Die 75 Marken des LVMH-Konzerns verteilen sich auf unterschiedliche Geschäftsfelder, die dezentral und sehr intelligent gemanagt werden.

LVMH ist bereits seit einigen Jahren in meinem Portfolio. Zuletzt habe ich in der Corona-Delle kräftig dazugekauft. In meinem ansonsten sehr technologie-orientierten Portfolio sorgt dieser „Luxusgüter-Indexfonds“ für ein schönes Gegengewicht und satte Gewinne. In den letzten Jahren lag die Aktie immer signifikant über der allgemeinen Marktentwicklung. Zwar kam es wegen Sorgen um das China-Geschäft im August zu einem kurzen Schwächeanfall, dennoch ist die Aktie allein dieses Jahr wieder um 40% auf ein neues Allzeithoch gestiegen. Eigentlich müsste ich LVMH nun kräftig zurechtstutzen. Jedoch traue ich dem Konzern auch in den nächsten 10 Jahren zu, den richtigen Riecher für teure Marken zu haben. Von der Aktie erwarte ich daher langfristig ein überdurchschnittliches Wachstum. Spricht aus Ihrer Sicht etwas dagegen, dass diese Rechnung aufgeht?

Beste Grüße aus Rheingönheim
Frank aus Ludwigshafen

 Antwort:

LVMH habe ich tatsächlich nicht auf dem Radar, das habe ich manchmal schon bereut. Aber bei den vielen tausend Aktien, die grundsätzlich in Frage kommen, kann es schon mal sein, dass mir was durch die Lappen geht. Ich habe grundsätzlich keinen besonders guten Zugang zu französischen Aktien, obwohl mein Französisch ganz brauchbar ist.

LVMH hat von dem wahnsinnigen Wachstum der Mittelschicht in China profitiert. China hat vor einigen Monaten beschlossen, dass Reichtum gegen die Prinzipien des Landes verstößt und so könnte ich mir vorstellen, dass die chinesische Mentalität des „Angebens“ bald einen Dämpfer bekommt.

Außerdem ist CEO Bernard Arnault bereits jetzt eine Legende, ihm ist der märchenhafte Aufstieg seines Konzerns zuzuschreiben. Mit seinen 72 Jahren würde es mich nicht überraschen, wenn er bald eine Nachfolgeregelung bekannt gibt.

Die Aktie notiert auf einem KGV 2022e von 30, der Gewinn soll um rund 10% wachsen. Das KGV / Gewinnwachstum (PEG-Ratio) steht also bei 3. Bis 2 halte ich für vertretbar, doch 3 ist zu teuer. Ich würde also zumindest einen ordentlichen Teil des Gewinns realisieren, herzlichen Glückwunsch :-).

Vielen Dank für das Lob.


 Frage vom 17.11.2021

#Steuer auf Aktiengewinne

Hallo Herr Heibel,

aufgrund der inflationären Aktienkursentwicklung nach oben stellen sich sicherlich viele deutsche Börsianer, die wie Herr Musk auf hohen Buchgewinnen sitzen, verunsichert die Frage über den möglichen Wegfall ungerechter Steuerprivilegien der Aktienbesitzer/Privatiers gegenüber der Lohnbesteuerung des arbeitenden Mittelstandes durch die neue Regierung? Müssen deutsche Aktionäre wie in den USA vielleicht auch bald 54 % Steuern zahlen anstatt bisher nur 25 %?

(In Deutschland gab es im Jahr 2018 rund 627.000 Privatiers. Im Jahr 2000 waren es noch etwa 372.000 Personen. Das entspricht einer Steigerung von 68,5 % seit der Jahrtausendwende.

Presse:
https://www.theeuropean.de/valentin-weimer/elon-musk-der-reichste-mensch-der-welt-braucht-geld/
--> Elon Musk verkauft eigene Aktien für 20 Mrd. USD, um Steuerschulden aus aufgelaufenen Buchgewinnen zu begleichen

ð man kann mit dem Verkaufserlös die gleichen Aktien ja gleich wieder neu kaufen, nur nach Abzug der KESt. sind es dann eben etliche weniger…. insbesondere bei Werten, die sehr gut gelaufen sind und deshalb über 10 bis fast 25 % der Aktien auf den Markt geschmissen werden müssen, um zu vermeiden später bis fast 50 % der Aktien auf den Markt zu schmeißen, um die Steuern bezahlen zu können
ð um den Kursrutsch zu verstetigen, sollte der Stichtag für die höhere Gewinnbesteuerung von der Regierung unverzüglich mit Bekanntgabe der Absicht der Gesetzesänderung rückwirkend mit dem Tag der Absichtserklärung in Kraft treten, sonst würde der Versuch der Gewinnrealisierung zum niedrigen Steuersatz noch vor diesem Termin – so wie bei TESLA – einen ziemlichen Crash auslösen bei Aktien von Unternehmen, die zu einem größeren Anteil in der Hand deutscher Steuerzahler sind.

Mit besten Grüßen
Jürgen aus Graz

 Antwort:

Im Jahr 2020 waren über 12,4 Millionen Deutsche am Aktienmarkt investiert. Mag sein, dass 627.000 davon als Privatiers aus den Aktiengewinnen ihren Lebensunterhalt bestreiten und keiner weiteren Arbeit nachgehen. Das heißt aber, dass 12,4 - 0,6 = 11,8 Mio. Deutsche nicht von den Aktiengewinnen leben. Für die meisten ist die Aktienanlage eher eine Rücklage fürs Alter.

Ich persönlich muss als Selbständiger selber für meine Altersrücklage sorgen. Es gibt unzählige „Produkte“, die steueroptimiert diese Aufgabe für mich übernehmen können. Doch, Sie werden es mir glauben: Ich möchte das gerne selber machen. Ich möchte gerne das, was ich am Jahresende aus den Einnahmen von Ihren Abos übrig habe, für meine Altersvorsorge beiseite legen. Am liebsten in Aktien. Ich möchte darauf hinweisen, dass ich das nur mit bereits versteuertem Einkommen tun kann.

Wenn ich nun mein bereits versteuertes Einkommen als Altersrücklage im Sinne der im Heibel-Ticker gezeigten Anlagephilosophie anlege, dann zahle ich bei jedem Verkauf Steuern für den erzielten Gewinn. Das halte ich nicht für fair, denn, wie gesagt, ich muss aus dem bereits versteuerten Einkommen ausreichend beiseite legen, um im Alter davon zu leben.

Wenn also eine solche Steuererhöhung kommt, gehe ich davon aus, dass dies nur einhergehen kann mit der gleichzeitigen Schaffung einer steuerfreien Rücklagenbildungsmöglichkeit fürs Alter - bspw. dann einmalig zu versteuern zum 65. Geburtstag oder ähnliches. Lassen wir uns also überraschen.


 Frage vom 17.11.2021

#Wasserstoff, Tesla & Bitcoin

Hallo Herr Heibel,

ich habe 2 allgemeine Fragen zu ihrer aktuellen Einschätzung für Wasserstoffaktien und Kryptowährungen z.B. Ethereum.
Ich habe mich da noch nicht ran getraut – gibt es da von ihnen Empfehlungen zum Einstieg?

Des Weiteren interessiert mich ihre Meinung zu Tesla:
Dem Kurssprung nach der Sixt-Meldung folgte eine Korrektur auf unter 900€; Stand heute wieder 954€
Könnte sich ein Einstieg noch lohnen durch die Phantasie oder ist das von den Kennzahlen her schon das Ende der Fahnenstange?

Vielen Dank und bullische Grüße – Knut aus Friedrichshafen

 Antwort:

WASSERSTOFF & TESLA
Genau wie der Elektroantrieb (Tesla) scheint mir das Thema Wasserstoff derzeit an den Finanzmärkten stark überhitzt. Grundsätzlich finde ich Unternehmen wie Linde oder Plug Power und sogar Fisker derzeit sehr interessant, aber nicht auf dem aktuellen Kursniveau.

Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Zwischenzeitlich ist jedoch die Korrekturgefahr zu groß.

KRYPTOWÄHRUNGEN
Ähnlich wie Wasserstoff ist auch der Krypto-Bereich derzeit ziemlich heiß. Der Bitcoin ist in den vergangenen Tagen um 15% eingebrochen. Zum kurzfristigen Zocken mag das schon ein Einstiegspunkt sein. Mittel- und langfristig würde ich jedoch auf dem aktuellen Niveau vorsichtig sein und nur kleine Mengen kaufen.


 Frage vom 17.11.2021

#Beyond Meat stürzt ab

Guten Tag Herr Heibel

Wir hatten im BEYOND MEAT INC im Depot.

Nun sind die aktuellen Zahlen schlecht und der Kurs steht bei Euro 66 = -22%. Mir gefällt die Vision und die Zusammenarbeit mit Pepsi.

Chartechnisch läuft ein B runter und das 61er Retrecment bei Euro 70 Euro wurde negiert, somit könnte der Preisbereich 100% der Welle zu ca. Euro 30 erricht werden.

Wie schätzen Sie die Fundi Daten ein?

Grüsse, Mike aus Zürich

 Antwort:

Grund des Kurssturzes waren schlechte Q-Zahlen: Der Umsatz ist nur um 13% gestiegen, Wachstumsraten über 20% werden für dieses Wachstumsunternehmen jedoch erwartet. Der Grund: International wuchs der Umsatz sogar um 186%, doch der Anteil ist noch so klein (18%), dass damit der Umsatzrückgang von 4% auf dem Heimatmarkt USA (53%) nicht ausreichend kompensiert werden konnte.

Lieferprobleme haben das US-Geschäft beeinträchtigt. Die Kosten sind in die Höhe gesprungen, doch die Lieferlogistik stockt, produzierte Ware musste abgeschrieben werden, Personal wurde aufgestockt und Anleger fragen sich, ob das Unternehmen somit bereits in Sachen Wachstum an die Decke stößt. Außerdem deuten die Zahlen darauf hin, dass die Waren inzwischen keinen reißenden Absatz mehr finden. Vielleicht ist der Markt für Fleischersatzprodukte doch nicht so groß wie von CEO Ethan Brown behauptet.

Kurz gesagt: Wenn Beyond Meat schon auf dem Heimatmarkt Probleme hat, dann könnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis diese Probleme sich auch international zeigen.

Meine Meinung: Ein Unternehmen mit einem Bewertungsniveau vom 10-fachen Jahresumsatz darf sich keine Fehler erlauben. Beyond Meat hat einen Fehler gemacht (Heimatmarkt stockt) und muss nun erst beweisen, dass auch in den USA wieder ordentlich gewachsen werden kann. Solange dieser Beweis aussteht, bleibt die Aktie am Pranger.

RÜCKMELDUNG
Hallo Herr Heibel

Vielen Dank für die schnelle Antwort! Ihre Fundierte Einschätzung begeistert mich immer wieder - BOMBE.

Hab bei meinem Preisbereich gekauft. Nun wird sich zeigen ob sich Fundamentale - und Charttechnische Daten verschmelzen lassen.

Freundliche Grüsse
Mike


 Frage vom 17.11.2021

#BASF, IVU & init

Hallo Herr Heibel,

nach wie vor großes Lob, wie Sie die Abonnenten durch die Korrektur manövrieren. Ich denke, dass ist immer noch einmalig in der deutschen Börsenbrief-Landschaft. Danke!

Zu unserem Portfolio-Wert BASF habe ich mir einige Gedanken gemacht. Das Ergebnis ist nicht wirklich optimistisch.
Zwar hat die Aktie lt. Finanzen.net nur ein KGV von rund 10 und wird mit "Stark unterbewertet" eingestuft, aber ich weiß nicht, ob die Aussichten da nicht zu positiv eingeschätzt werden. In den nächsten Jahren wird sich eine Sache dramatisch zuspitzen - egal, wer an die Macht kommt: der Strompreis.

Die Energiewende ist fast zum Stoppen gekommen. Der Ausbau erneuerbarer Energien lahmt, die notwendigen Leitungen von Nord nach Süd werden nicht ausgebaut. Die Kernkraftwerke werden in naher Zukunft abgeschaltet (den Sinn will ich nicht bewerten). Die Betriebsaufnahme der neuen Gazprom-Pipeline machen die Politiker zu einer politischen Erpressung der Russen. Es droht eine deutliche Stromunterversorgung. Die Strompreise werden weiter steigen. Dabei sind die deutschen Strompreise inzwischen weltweit führend.
(https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/strompreise-deutschland-vergleich-rekordhoch-eeg-101.html)

Den Stromverbrauch hat BASF (BASF-Webseite) mit derzeit über 6 Terawattstunden (TWh) pro Jahr angegeben - gut ein (!) Prozent des gesamten deutschen Verbrauchs. Es gibt in anderen Quellen, die wegen des Ziels der Klimaneutralität und der weitgehenden Elektrifizierung der Produktionsprozesse für 2030 von bis zu 40 TWh ausgehen. Da hilft es m.M. nach nur wenig, dass BASF große Teile des Stroms selbst erzeugt. Die Energiekosten werden dramatisch steigen.

BASF derzeit mit über 5% sicher eine gute Dividenden-Rendite. Aber ist das auch noch eine gute Anlage?

Nun noch eine Idee:
Ich bin "studierter" Transporttechnologe, mit Spezialisierung im ÖPNV, und beobachte die Entwicklung eigentlich ständig. (Auch der völlig unfähige Verkehrsminister Herr Scheuer konnte mich davon nicht abbringen.) Durch die Digitalisierung steht dieser Sektor vor einem starken Entwicklungsschub.
Zwei deutsche Konzerne sind dabei, sich von dem weltweiten Kuchen ein großes Stück abzuschneiden.
Zum einen die IVU Traffic Technologies (744850), zum anderen die Firma mit dem schönen Namen init innovation in traffic systems SE. Beide sind bisher gut durch die Korrektur gekommen.

Besonders init (575980) - mein Favorit.
INIT ist ein weltweit führender Anbieter von IT-Lösungen für den öffentlichen Verkehr. Seine Lösungen sind in vielen Städten/Ländern der Welt eingesetzt. (https://www.initse.com/ende/projects/)

Die Ziele für 2021 wurden bestätigt. Durch die fortschreitende Digitalisierung und neue Investitionsprogramme für den ÖPNV erwartet der init-Vorstand ab 2022 eine nachhaltige Beschleunigung des Wachstums. Dabei dürften dann die Budget-Begrenzungen der öffentlichen Hand durch CORONA wieder abgebaut werden.

Das KGV liegt derzeit bei ca. 22, die Div.-Rendite bei 1,6%. Das Umsatzwachstum lag 2019 und 2020 bei ca. 15%. Das Ergebnis nach Steuern wuchs 2020 um 31%. Die Marktkapitalisierung beträgt ca. 440 Mio € (Alle Zahlen von finanzen.net). Für mich wäre das eine Position für das Wachstumsdepot aus einer völlig anderen Branche, als wir bisher haben. Die Aktie befindet sich seit September 2017 auch im "FOOL.de Universum" und ist seitdem um 169% gestiegen. Aktuelle Einschätzung: BUY.

Ich selbst bin sogar schon seit Februar 2017 mit einer inzwischen großen Position drin. Eines meiner erfolreichsten Investments.

So. Jetzt war ich mal sehr fleißig. Ich bin gespannt auf Ihre Meinung, wenn es ins Konzept paßt.

Beste Grüße aus Dresden
Wolfgang

 Antwort:

Herzlichen Dank für Ihre interessanten Ausführungen.

BASF:
Ja, Ihre Einwände sehe ich auch. Zusätzlich bin ich der Meinung, dass die Preisexplosion der vergangenen Monate, inkl. Energiepreise sowie Pop-Preise (Kunststoffe), sich bald zurück entwickeln könnten. Steigende Energiekosten konnte BASF bislang gut weitergeben. Doch das könnte bald enden und der Kunststoffpreis könnte stärker zurückkommen, als der Energiepreis an Entlastung bringen würde.

Dennoch ist die Dividende (5,5%) gut durch den freien Cashflow abgesichert. Wir haben eine halbe Position, da sehe ich keinen Handlungsdruck.

IVU
Mit einem KGV 2022e von 30 bei 12% Wachstum halte ich für schon ziemlich hoch bewertet. Gerne, wenn die Aktie mal zurückkommen sollte. IT für Bus und Bahn ist ein stabiles Geschäft und ja, ich glaube auch, dass in diesem Bereich künftig ordentlich investiert wird. Doch diese Erwartung scheint sich schon in der hohen Bewertung der Berliner widerzuspiegeln.

INIT
Telematik für den ÖPNV ist ebenfalls ein Wachstumsmarkt und somit ist auch die Karlsruher INIT bestens aufgestellt für diesen Markt. Das Bewertungsniveau ist mit einem KGV 2022e von 25 für die 12% Wachstum okay.

Beide Unternehmen sind noch nicht in der DAX-160-Familie (DAX, MDAX, SDAX) und daher „Nebenwerte“. Ich denke, wir können uns diese beiden Titel gerne noch ein wenig anschauen und warten, bis ein entsprechender Aufstieg in die höhere Liga ansteht.


 Frage vom 10.11.2021

#Gewinnmitnahme bei Lucid

Guten Morgen Herr Heibel,

ich bin Ende Juni in den Spac von Lucid Motors eingestiegen. Mittlerweile ist hier ein Buchgewinn von 96% entstanden und das in wenigen Wochen. Wie Sie im letzten Ticker geschrieben hatten scheint das Motto wieder "Risk on" zu lauten.

Ich bin nun am überlegen 50% der Position zu verkaufen, möchte aber natürlich die Welle möglichst lange reiten. Lucid Motors hat aus meiner Sicht das Potential von der Börse als "Neue Tesla-Aktie" gewertet zu werden und damit weiterhin hohes Wachstumspotential (das sich fundamental aber nicht begründen lässt). Haben Sie hierzu eine Meingung?

Besten Dank vorab und freundliche Grüße

Simon aus Mannheim

 Antwort:

Herzlichen Glückwunsch :-). In den nächsten Tagen wird Rivian an die Börse gehen, Ford & Amazon sind Investoren bei Rivian und es wird erwartet, dass dieser E-Autobauer 60-70 Mrd. USD Marktkapitalisierung auf die Waage bringt - etwa so viel wie BMW. Aktien im Wert von 10 Mrd. USD sollen im Rahmen des IPOs platziert werden. Lucid bekommt also Konkurrenz.

Elon Musk hat angekündigt, eigene Aktien von Tesla im Wert von 20 Mrd. USD zu verkaufen. Auch dafür müssen sich erst einmal E-Autofans finden, die diese Aktien kaufen.

Vor diesem Hintergrund könnte ich mir gut vorstellen, dass die Lucid Aktien kurzfristig erst einmal an die Decke stoßen. Ich würde also den Gewinn mitnehmen, mindestens die halbe, wenn nicht gar die ganze Position.


 Frage vom 08.11.2021

#Gamma-Squeeze bei Tesla

Hallo Herr Heibel,

ich hätte zwei Leserfragen zu zwei sehr verschiedenen Aktien:

1. Tesla hatte ja in den letzten beiden Wochen einen starken Lauf und ich habe sehr bedauert nicht wie von mir überlegt eingestiegen zu sein. Es soll sich bei dem starken Anstieg ja auch zum Teil um einen Gamma-Squeeze gehandelt haben.
Wie schätzen Sie daher derzeit die Gefahr eines starken Rücksetzers aus bzw. würden Sie zum jetzigen Niveau einen Einstieg wagen ?

2. BRAIN Biotech ist ja eine Aktie der seitens Warburg Research eine starkes Potential "vorhergesagt" wird. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Vielen Dank für Ihre Antworten im Voraus und ein schönes Wochenende !

Jörg aus Melsungen

 Antwort:

Zu 1.: Natürlich spielen da viele Effekte zusammen: Ein Short Squeeze, der Leerverkäufer zu Deckungskäufen zwingt, sowie auch ein Gamma-Squeeze, der durch das Hedging der Optionsscheinemittenten erfolgt. Ein steigendes Spekulationsvolumen in der Aktie zwingt die Emittenten entsprechender Spekulationspapiere (Optionsscheine), ihre emittierten Papiere mit realen Aktien abzusichern. Die entsprechenden Käufe treiben die Aktie dann nach oben.

Sollte das Interesse an dieser Spekulation dann nachlassen, werden diese Herging-Positionen aufgelöst und die Aktie könnte unter dem Verkaufsdruck fallen. Ja, das ist ein durchaus realistisches Szenario für Tesla.

Doch das ist etwas für Trader, die sehr kurzfristige Spekulationen eingehen wollen. Ich versuche jedoch lieber zu beurteilen, ob Tesla eine Zukunft hat, oder nicht. Wenn ich mir vorstellen kann, dass Tesla in fünf Jahren deutlich höher notiert als heute, dann möchte ich die Aktie nicht shorten. Das Risiko, den falschen Zeitpunkt gewählt zu haben, ist zu groß. Wer kann denn schon sagen, wie weit ein entsprechender Squeeze die Aktie noch treiben kann? Berechnungen dafür gibt es nicht.

Unabhängig davon ist Tesla derzeit ziemlich fair bewertet: Analysten erwarten ein Gewinnwachstum von 73% p.a. für die kommenden fünf Jahre! Und das KGV 2022e steht bei 147, also dem zweifachen Gewinnwachstum. Leerverkaufen würde ich höchstens im Falle einer Überbewertung, doch die ist bei Tesla noch immer nicht vorhanden. Die hohe Bewertung spiegelt das rasante Wachstum wieder.

Zu 2.: Brain Biotech: Habe ich nicht im Visier, sorry.


 Frage vom 05.11.2021

#Varta hoch bewertet

Hallo Herr Heibel.

Haben sie eine Meinung zu Varta?
Die Aktie bewegt sich ja seit einiger Zeit seitwärts.

Buy/Sell/Hold…

Vielleicht ja mal ein Thema.

Beste Grüße,
Philipp aus Augsburg

 Antwort:

Nein, nicht wirklich: Grundsätzlich ist das Batteriethema nun schon alt und es läuft eher auf eine Batteriefertigungskapazitätsschwemme hinaus, es fehlen die Rohstoffe. Varta muss nun erst einmal zeigen, dass die Produktionspläne auch umgesetzt werden können. Dann könnte es in den kommenden Jahren in die hohe Bewertung (KGV 32 bei 14% Umsatzwachstum) hinein wachsen.


 Frage vom 05.11.2021

#CO2-Zertifikate handeln

Hallo Hr. Heibel,

hier mal abwechslungsweise eine "Leserfrage" von mir:

Macht es Sinn, in CO2-Emissionsrechte zu investieren? Der Preis sollte doch gerade jetzt mittelfristig erheblich ansteigen. Wo kann man diese erwerben? Und wie lassen diese sich dann auch wieder gewinnbringend verkaufen? Welche Kosten entstehen?

Danke schon mal,

Mit freundlichen Grüßen,
Michael aus München

 Antwort:

CO2-Zertifikate werden größtenteils über die Energiebörsen gehandelt. Die größte Energiebörse Deutschlands befindet sich in Leipzig. Sie müssten dort als Händler zugelassen werden, denn Banken bieten diesen Dienst nicht für ihre Kunden an. Ich denke, für uns Anleger ist es besser, wenn wir uns Unternehmen aussuchen, die davon profitieren und deren Aktien über die „normalen“ Börsen gehandelt werden. Verbio ist in diesem Umfeld nach wie vor interessant.


 Frage vom 05.11.2021

#Staatsschulden

Sehr geehrter Herr Heibel,
aus der Mediathek des SWR2 möchte ich Sie auf diese Sendung aufmerksam machen:

Rote Zahlen statt schwarzer Null – Wie gefährlich sind Staatsschulden?

In Ihrem Ticker werden immer wieder "Staatsschulden" thematisiert, auch im Zusammenhang mit der Börse. In dieser Sendung werden unterschiedliche Aspekte dazu angesprochen.

Es geht hier u.A. um den Umgang mit Staatsschulden, um das Thema Schattenhaushalte, Willkür von Schulden-Obergrenzen, wann soll der Staat investieren usw.

Mich würde grob interessieren, welche Meinungen und Behauptungen Sie mittragen bzw. nicht mittragen können.

Herzlichen Dank im Voraus und schönen Sonntag

Mit freundlichen Grüßen
Gerhard aus Sindelfingen

 Antwort:

Ich werde dazu Stellung nehmen, ohne den ganzen Podcast gehört zu haben, denn sowohl die in der Einleitung beschriebene Sichtweise als auch Prof. Bofinger sind mir gut bekannt. Bei Prof. Bofinger habe ich mein mündliches VWL-Examen abgelegt. Seine Frage in Sachen Außenhandelstheorie beantwortete ich graphisch, doch nach zwei Minuten unterbrach er mich mit den Worten: „da sind Sie auf dem Holzweg“. Da ich mir ziemlich sicher in dem war, was ich erzählen wollte, brach in diesem Moment eine Welt für mich zusammen: Was an meiner Argumentation war falsch? Solange ich das nicht verstand, konnte ich auch keine Korrektur vornehmen.

Glücklicherweise sprang mir der Assistent zu Hilfe und beschwichtigte Prof. Bofinger: „Lassen Sie ihn mal erzählen. Ich denke, das kann schon passen“. Prof. Bofinger lenkte ein und ich konnte meine gesamte Redezeit dafür aufwenden, seine Frage graphisch zu beantworten. Am Ende bekam ich eine Eins. Ohne die Intervention des Assis wäre es wohl auf eine Fünf hinausgelaufen.

Prof. Bofinger war bekannt dafür, gerne mal Gedankenexperimente mit uns Studenten durchzuspielen. Wir haben das geschätzt, denn seine Vorlesungen wurden dadurch lebhafter. Nicht selten kam er in die Vorlesung und teilte uns mit, dass er heute keine Lust auf das eigentliche Vorlesungsthema habe, denn gestern Abend hatte er eine Idee, die er gerne mit uns durchsprechen wolle. Dann begann er seine Gedanken zu skizzieren und wir versuchten, ihm zu folgen. Manchmal endete sein Gedankenabenteuer mit einer Meldung eines Studenten, der ihn dann auf einen Fehler in seiner Argumentationskette hinwies.

Ich habe daraus gelernt, dass Prof. Bofinger nach Wegen sucht, die etablierten (alten) Volkswirtschaftstheorien in Frage zu stellen. Mit der Modern Monetary Theory (MMT) ist einigen Volkswirtschaftsprofessoren dies gelungen. Ich habe im Frühjahr in insgesamt vier Ausgaben die MMT diskutiert (suchen Sie im Heibel-Ticker Archiv danach). Kurz gesagt: Der berechtigten Kritik an der Freien Marktwirtschaft, die nicht immer eine gesellschaftlich optimale Lösung hervor bringt, wird die MMT als Königsweg gegenüber gestellt: Der Staat weiß, was richtig ist.

Wir bauen in Deutschland nicht auf die Freie Marktwirtschaft, sondern auf die Soziale Marktwirtschaft, doch dieser feine Unterschied wird von den amerikanisch dominierten Wissenschaftlern ignoriert. Außerdem gibt es in der MMT keine maximale Schuldentragfähigkeit. Solange die Gesellschaft die Schulden trägt, also akzeptiert, ist alles in Ordnung. Man stützt sich auf die Argumentation, dass die 60%-Grenze (Maastricht Kriterium: Kein Land darf mehr Schulden haben, als 60% des BIP) willkürlich gewählt sei.

Auch das ist richtig: Historische Betrachtungen haben erarbeitet, dass Staaten in finanzielle Schwierigkeiten geraten, wenn die Schulden zu hoch sind. Als Schwelle hat man die 60% auserkoren, weil ab dem Überschreiten dieser Marke Staatspleiten häufiger auftraten. Doch natürlich gibt es auch Staaten, die über einen langen, sehr langen Zeitraum mit einer deutlich höheren Verschuldung zurecht kommen (Japan). Daher wird die 60%-Marke von der MMT nicht akzeptiert.

Sind Sie schon mal bei rot über eine Ampel gefahren? Wem das passiert ist, der weiß, dass er Glück gehabt hat. Ein Unfall folgt nicht zwangsläufig. Doch wenn man zu häufig über rote Ampeln fährt, kann man davon ausgehen, dass es irgendwann schief geht. Und so geht ein Staat nicht zwangsläufig Pleite, wenn die willkürlich gewählte Schwelle von 60% überschritten wird.

Daraus jedoch abzuleiten, dass Deutschland nicht wettbewerbsfähig sei, wenn der Staat nicht durch das Überschreiten dieser Schwelle wichtige Ausgaben tätigt, entspricht nicht meiner Denkrichtung. Abenteuerlich finde ich diesen Vorschlag, wenn ich mir vergegenwärtige, dass dieser Vorschlag von Links, also von Menschen kommt, die das Geld dann überwiegend konsumtiv (Sozialleistungen) ausgeben wollen und nicht investiv.


 Frage vom 04.11.2021

#Valneva: Corona-Impfstoff aus Frankreich

Hallo Herr Heibel,
ich habe heute etwas über Valneva SE (WKN A0MVJZ) gelesen.
Kommt hier evt das neue BioNTech?

Das Unternehmen hat einen Impfstoff in Phase 3 - der für viele Millionen Menschen für eine ehe unbekannte Krankheit wichtig ist - und forscht auch an einen CORONA Impfstoff für die neuen Varianten.

Der Impfstoff in Phase 3 wird bereits produziert. Weiterhin hat man ein Verfahren als einzige Unternehmen entwickelet, wo auf Veränderungen des Virus schnell reagiert werden kann. Was halten Sie von dem Unternehmen?

Gruß
Stephan aus Düsseldorf

 Antwort:

Valneva verspricht einen Vektor-Impfstoff wie AstraZeneca, der jedoch besser wirken und weniger Nebenwirkungen haben soll. Klingt schön und der Bedarf ist sicherlich weiterhin vorhanden. Das französische Unternehmen ist 2 Mrd. Euro wert und könnte im Falle einer Zulassung im Januar 2022 ordentlich anspringen. Entsprechende Abnahmeverträge mit einigen EU-Ländern würden bestehen, so die Meldungen.

Für mich sind BioNTech und Moderna jedoch die Corona-Impfstoffgewinner: Deren mRNA-Impfstoffe haben neue Möglichkeiten eröffnet, die in den kommenden Jahren genutzt werden. AstraZeneca hat in Windeseile einen herkömmlichen Impfstoff entwickelt. Warum brauchte Valneva so lange? Warum sollte ich nun in den zweit- oder drittplatzierten investieren? Auch in der Zukunft könnte Valneva im Zweifel zu langsam sein, wenn neue Medikamente entwickelt werden.


 Frage vom 04.11.2021

#Auswirkung einer chinesischen Immobilienkrise

Hallo Herr Heibel,

ich wende mich mit einer kleinen Frage an Sie, deren Beantwortung wahrscheinlich nicht kurz ausfallen kann. Allerdings denke ich, dass momentan viele Ihrer Leser die gleiche Frage umtreibt: Evergrande, Sinic, Modern Land, Fantasia,... . Bleibt die chinesische Immobilienkrise wirklich nur in China, oder stehen wir durch die Globalisierung und die zahlreichen Verknüpfungen von z. B. Evergrande (Sport, Elektromobiliät und Bereichen, die wir noch gar nicht kennen) bei einem Zahlungsausfall vor einer neuen Wirtschaftskrise?

Ansonsten bin ich mit Ihrer Arbeit sehr zufrieden! Ohne Ihren Börsenbrief hätte ich höchst wahrscheinlich in den letzten Monaten deutlich mehr gehandelt und dabei jede Menge Verluste eingefahren!

Da ich gerade einen Mosel Weißwein vor dem offenen Feuer trinke, denke ich gerne an die Weinprobe zurück. Falls es Ihre Zeit erlaubt, ich wäre
wieder dabei :-).

Beste Grüße aus Saarbrücken
Thomas

 Antwort:

Vielen Dank für das Lob.

Der chinesische Immobilienmarkt würde zunächst einmal nur China belasten. Westliche Banken sind nur wenig involviert. Allerdings beruht der chinesische Reichtum der vergangenen Jahrzehnte zu einem großen Teil auf den Wertsteigerungen des Immobilienmarktes. Viele Konsumenten von Luxusgütern könnten betroffen sein. Da Hersteller von Luxusgütern jedoch selten börsennotiert sind, dürfte also auch hier die Wirkung überschaubar bleiben.

Ich habe den Eindruck, dass die Kommunistische Partei gezielt gegen „Reiche“ vorgeht. Der Mittelstand wird in Ruhe gelassen und somit auch die Basis für den Aufschwung.

Wenn Sie wissen möchten, wie wichtig der Absatzmarkt China für die westliche Welt ist, dann schauen Sie sich bitte mal die Transportkosten für Container an:
https://fbx.freightos.com

Von China an die Westküste USA: 17.478 USD
Von Westküste USA nach China: 1.068 USD.

Von China nach Europa: 14.255 USD
Von Europa nach China: 1.332 USD

Es kostet also 10 bis 15 mal soviel, Waren von China nach Deutschland oder die USA zu verschiffen, als von dort nach China. Da hängt irgendwas schief und eine Immobilienkrise in China hätte da kaum noch einen weiteren Effekt.


 Frage vom 04.11.2021

#Westwing: Online-Innenausstatter

Hallo Stephan,

heute habe ich auch einmal eine Frage zu einem Aktientitel: Westwing (A2N4H0)

Finde den Wert ganz interessant und auch die Zahlen finde ich OK. Trotzdem hat der Wert ziemlich deutlich in den letzten Wochen verloren. Übersehe ich da etwas? Hast Du zu der Aktie eine Meinung?

Vielen Dank im Voraus.
VG
Oliver aus Northeim

 Antwort:

Oh ja, sehr spannend: Der Onlinehändler für Inneneinrichtung und Möbel aus dem Hause Rocket Internet war im Rahmen der Corona-Rallye von 3 auf 53 Euro geschossen. Seither ist die Aktie auf nunmehr 27,50 Euro zurück gekommen. Ein erwarteter Jahresumsatz von 536 Mio. Euro im laufenden Jahr wird mit einer Marktkapitalisierung von 560 Mio. Euro bewertet. Das Wachstum von 16% wird mit einem KGV 22e von 25 belegt. Schulden gibt es nicht, derzeit schlummern 100 Mio. Euro Nettoliquidität in der Bilanz. Das sieht ziemlich super aus.

Westwing hat gleich zwei Trendmärkte bedient: zum einen zwang die Corona-Pandemie Kunden zu Online-Käufen. Zum anderen sind die Immobilienpreise in die Höhe geschossen, so dass viele Immobilienbesitzer sich „reicher“ fühlen und daher mehr für die Inneneinrichtung ausgeben. Beide Trends scheinen derzeit ihr Ende gefunden zu haben und Anleger zweifeln daran, ob das Wachstum beibehalten werden kann.

Risk-Off hieß es in den vergangenen Sommermonaten: Anleger suchten Anlagen, in denen ihr Geld nicht so abhängig von Konjunkturschwankungen, Wirtschaftskrisen und Pandemien ist. Da gehörte Westwind natürlich überhaupt nicht dazu. In den kommenden Monaten erwarte ich wieder einen zunehmenden Appetit auf Risk-On Aktien. Vor diesem Hintergrund könnte Westwing wieder in den Fokus vieler Anleger rücken. Gute Idee.