Leserfragen (Januar 2022)


 Frage vom 21.01.2022

#Électricité de France nicht im Fokus

Hallo Herr Heibel,

Die Électricité de France erscheint mir aktuell in Anbetracht der Ergebnisprognose für interessant/ unterbewertet im Vergleich zu 2017.

70 % vom Umsatz werden mittels CO2 freier Kernenergie erzeugt, unabhängig von Brennstoffpreisen und CO2 Preisen.

Auch die Zukunft sollte eher positiv sein, in Anbetracht absehbarer steigender Preise für Erdgas, Öl, Strom und CO2 Zertifikate.

Ca. 15 % des Umsatzes werden an vermutlich interessanten Standorten in der ganzen Welt mittels Erneuerbaren Energien erzeugt.

Nachteile sind vermutlich der "Staatsbetrieb", nur 15 % Streubesitz, ansonsten gehört EDF dem Staat Frankreich und die Verwässerung durch den Anstieg der Aktienzahl.

Im Morningsstar wird der Free Cashflow allerdings permantent als negativ angegeben. Stimmt das so ? Dann erledigen sich natürlich alle weiteren Betrachtungen!

Ihre Meinung würde mich da sehr interessieren...

Viele Grüße

Thomas aus Dresden

 Antwort:

Ich habe französische Aktien derzeit nicht im Fokus. Außerdem schließe ich Aktien, bei denen der Staat einen zu großen Anteil hat, aus. Tut mir leid, daher kann ich zu EDF nicht viel sagen.

Das Thema Energieversorgung steht bei mir oben auf der Liste, wo ich in den kommenden Wochen Research reinstecken möchte. Da finden wir bestimmt eine besser passende Aktie.


 Frage vom 21.01.2022

#Aixtron für Halbleiterboom, Deutsche Bank für steigende Zinsen

Sehr geehrter Herr Heibel,
ich wünsche Ihnen ein frohes neues Jahr (und uns allen natürlich viel Erfolg an der Börse ;-)
Derzeit habe ich zwei Titel im Blick:

1) Aixtron, wegen der Halbleiterbooms und den neuen Wafermaterialen GaN und SiC, für deren Bearbeitung die Maschinen von Aixtron eine verstärkte Nachfrage zu erwarten ist

2) Deutsche Bank. Wird der Deutsche Staat nicht pleitegehen lassen, scheint jetzt in ruhigerem Fahrwasser und hat viel Potenzial nach oben, wenn die Zinsen steigen

Was ist Ihre spontane Einschätzung?

Vielen Dank und viele Grüße,
Rainer Berlin

 Antwort:

Der Halbleiterboom hat bei Aixtron bereits nahezu zu einer Umsatzverdopplung bis 2023 geführt, aber auch die Aktie hat sich bereits mehr als verdoppelt. Maschinenbauer habe ich vor einiger Zeit aus meiner Beobachtung genommen, da deren Aktien zu volatil sind für meinen Geschmack: Sie kriechen jahrelang am Boden entlang, um sich dann binnen kurzer Zeit zu vervielfachen. Den Zeitpunkt der Kursrallye sowie auch deren Dauer zu bestimmen, war mir in der Vergangenheit selten gelungen, daher lasse ich die Finger davon.

Aixtron notiert inzwischen auf einem KGV 2023 von 21, während das Gewinnwachstum (EBITDA) in diesem Jahr bei 18% liegen soll. Da ist noch Luft nach oben, denn für Wachstumsunternehmen kann das KGV gerne mal auf das zweifache des Gewinnwachstums steigen. Doch wie gesagt, mir ist das nichts.

Im heutigen Heibel-Ticker bin ich näher auf die Q-Zahlen der großen US-Banken eingegangen. Dort ist die Zinswende schon einen Schritt weiter und die Aktien reagieren entsprechend. Für Deutschland, bzw. Europa bin ich aktuell auf der Suche nach einer Großbank, die ebenfalls besonders zinssensibel ist. Kein Grund, das zu überstürzen, werde ich zu gegebener Zeit im Heibel-Ticker vorstellen.

Ja, die Deutsche Bank ist systemrelevant für das exportorientierte Deutschland. Aber sie hat in den vergangenen Jahren viel ihrer Verdienstmöglichkeiten abgegeben. Für den Ungeduldigen kann man mMn gerne mit der Deutschen Bank auf steigende Zinsen in Europa setzen. Doch wie gesagt: Ich lasse mir damit noch ein wenig Zeit und suche noch den geeigneten Kandidaten aus.


 Frage vom 21.01.2022

#Goldpreisentwicklung bei steigenden Zinsen

Hallo Herr Heibel,

wie schätzen Sie die Entwicklung unserer Goldmine und dem Gold-Lizenzunternehmen vor dem Hintergrund der zu erwartenden Zinspolitik ein. Ich habe beide Titel im Portfolio.

bin auf ihre Antwort gespannt.

alles Gute für das kommende Jahr!

Klemens aus Wuppertal

 Antwort:

Einen der beiden Titel haben wir inzwischen verkauft - leider zu früh, denn diese Woche ist die Aktie angesprungen. Ich überlege, sie wieder zurückzukaufen: Steigende Zinsen führen in der Regel zu einem steigenden US-Dollar und das wirkt eigentlich belastend auf den Goldpreis. Doch ich habe den Eindruck, dass der US-Dollar in der zweiten Jahreshälfte schwächeln könnte und dann würde der Goldpreis kräftig anziehen. Grundsätzlich bin ich - unabhängig von der kurzfristigen Wechselkursentwicklung - ziemlich bullisch für den Goldpreis, weiß nur noch nicht genau, wann der beste Einstiegszeitpunkt ist. Daher behalten wir den einen Titel und warten noch ein wenig mit dem Rückkauf von des anderen.


 Frage vom 13.01.2022

#US-Dollar, Gold und Festgeld

Hallo Stephan,

ich fahre gerne urlaubstechnisch in Richtung Karibik und Asien, beides Regionen, die sehr vom US Dollar Kurs abhängig sind. Seit 2 Jahren warte ich schon auf meinen nächsten Tripp, ich hoffe auf 2022 doer 2023. ABER: Wie wird dann der USD Kurs stehn? Im Augenblick schauts ja eher nach Parität aus, was meinen Urlaub nochmal teurer macht. Wie schätzt du die Situation nach den geänderten Zinsmodalitäten ein, verfällt der Euro zum USD weiter, was logisch wäre? Oder siehst du schon eine Trendwende?

Der fallende Euro Kurs steht ja auch einem steigenden Goldpreis entgegen. Und irgendwie werde ich, trotz wohl flatterhafter Inflation, das Gefühl nicht los, dass sich der Goldpreis auf jeden Fall nicht höher orientieren wird, wie siehst du das??

Noch eine Frage, ich erhalte im Frühjahr ca. 10t Euro, welches ich erst Anfang 2023 (Auto und hoffe auch bisserl Urlaub) brauchen werde. Mir tut das echt weg, es nur auf ein 0,00 Tageszinskonto zu schieben. Mit dem Zeithorizont von 12 Monaten, wie würdest du die 10t anlegen? Ich würde gerne streuen, bin aber total verunsichert, wie .... Freue mich auf deine Anregungen :-)

Danke und viele Grüße Christoph aus Germaringen

 Antwort:

Ich könnte mir gut vorstellen, dass der US-Dollar bis ca. Mitte des Jahres weiterhin fester ist als der Euro. Als Zielmarke habe ich mir einen Wechselkurs knapp unter 1,10 USD/EUR notiert. In der zweiten Jahreshälfte könnte die EZB dann unter Druck geraten, ebenfalls ihre Geldpolitik zu straffen ..., was zu einer Umkehr in der Wechselkursentwicklung führen könnte.

Von aktuell 1,14 USD/EUR zu 1,10 USD/EUR sind es nur 3,5%. Das ist nicht so viel, aber je nach Ihrem Urlaubsbudget kann da schon das eine oder andere schöne Abendessen rausspringen. Wenn Sie im Sommer fahren wollen, könnten Sie ja die Hälfte des Budgets absichern, indem Sie heute schon in USD wechseln.

Für das Gold gehe ich trotz steigender Zinsen und festem US-Dollar davon aus, dass er nach unten gut abgesichert ist. Ob schon im ersten Halbjahr ein deutliches Ansteigen des Goldpreises zu erwarten ist, oder aber erst später, da bin ich unsicher. Aber nach unten befürchte ich nach den mehrfachen Tests diverser Unterstützungen in den vergangenen Monaten nicht mehr viel. In Zahlen: Unter 1.700 USD/Oz dürfte der Goldpreis meiner Meinung nach nicht mehr fallen. Ein Lauf in Richtung 2.000 halte ich durchaus für möglich.

An die Aktienbörse gehört nur Geld, das Sie in den kommenden 12-18 Monaten nicht benötigen. Wenn Sie also 10T€ in einem Jahr für Auto und Urlaub brauchen, dann ist das Risiko zu groß, dass ein eventuelles Aktienengagement zwischenzeitlich abtaucht und Ihnen statt Karibik nur die Ostsee ermöglicht. Wohin damit? Keine Ahnung, mir fällt da derzeit auch nichts wirklich Lukratives ein.


 Frage vom 12.01.2022

#Put-Absicherung versus Cash generieren

Hallo Herr Heibel,

ich hatte es bisher versäumt, meine Depot’s abzusichern und deshalb 0 praktische Erfahrung diesbezüglich.
Sie hatten von schwarzen Schwänen geschrieben und leider muss ich sagen, dass ich einen - den Ukraine-Russland Konflikt gar nicht für solch einen halte. Ich sehe hier die Wahrscheinlichkeit für eine Eskalation deutlich höher, weshalb das kein schwarzer Schwan für mich wäre.

Putin ist in der Regel sehr lange eher ruhig und bedient sich anderer Mittel wie z.B. Geheimdienst und Söldnern.
Irgendwann wird der aber wieder zeigen wollen, wer der große Mann in Russland ist, mit allen Konsequenzen.

Das könnte dann durchaus eskalieren, mit dem Resultat von deutlichen Verlusten in den Indizes.

Ich bin auf der Suche nach einem Instrument, das einen Dax-Rückschlag um 40% abfangen kann, Laufzeit bis Juni 2022.
Hätten Sie da eine Empfehlung?

Mein persönlicher Black Swan wäre eine neue Covid-Variante mit der Verbreitungsgeschwindigkeit von Omikron und einer deutlich höheren Sterblichkeit erst nach mehreren Monaten (schweres Organversagen).

Im Gegensatz zu PCR-Tests erkennen viele Rapid-Antigen Tests auch die Delta und Omikron Varianten.
„Nucleocapsid" ist der Bereich, der herangezogen wird, nicht „Spike“.

Ich habe einige Crashs miterlebt, deswegen meine Frage zur Absicherung.
Je älter man wird, umso schwerer wird es - gerade in miesen Zeiten - das Verlorene wieder aufzuholen.

Wir liegen nicht weit auseinander. BJ 1967 :-)

Beste Grüße aus Sinntal,
Eric aus dem Sinntal

 Antwort:

Vielen Dank für Ihr Schreiben.

Aufwärtstrends dauern stets sehr lange, in der Regel länger, als wir das für möglich halten. Ausverkäufe hingegen nehmen nur etwa ein Drittel der Zeit in Anspruch, um den zuvor erzielten Kursgewinn auszuradieren.

Put-Absicherungen auf Aktienindizes oder einzelne Aktien unterliegen dem Zeitwertverlust. Jeden Tag, den Sie länger auf den Crash warten müssen als gedacht, kostet es zusätzlich (auch bei gleichbleibendem Kurs verliert ein entsprechender Put, so wie auch ein Call täglich an Wert). Optionsscheine sind also nur etwas für Börsenphasen, die extrem volatil sind.

Meine Absicherung besteht daher seit vielen Jahren nur noch darin, mehr Cash zu halten, wenn ich turbulente Phasen befürchte. In der Vergangenheit habe ich Crashs ganz gut erkannt: auch wenn ich nicht zum Top verkauft habe, sondern erst 10% oder 15% tiefer, war das stets noch gut genug. Das gilt für das Platzen der Internetblase, der Griechenlandkrise sowie für den Corona-Crash. Alles andere in den vergangenen 20 Jahren waren kleine Korrekturen, die man im Rahmen von kleinen Nachkäufen und Teilverkäufen ganz gut ausnutzen konnte.

Danke für den Hinweis auf den Unterschied Spike - Nucleocapsid. Ich werde künftig drauf achten.


 Frage vom 12.01.2022

#Spannungen zwischen China & USA treiben Rüstungsaktien

Hallo Herr Heibel,

hier ein paar ganz unweihnachtliche Gedanken, die nicht zur Thematik Ihrerr anstehenden Video-Konferenz passen.

Ihr schwarzer Schwan, den Sie im letzten Ticker angesprochen haben, eine Zuspitzung des Konflikts zwischen den USA und China, erscheint mir realistisch. Der früheste Zeitpunkt wäre der März, nach dem Ende der Winterspiele in Peking. Vielleicht auch später. Niemand kann in die Köpfe der chinesischen Führer schauen. Aber der Weg scheint mir vorgezeichnet. In den letzten Jahren Annexion des südchinesischen Meeres, dieses Jahr war Hongkong dran; jetzt ist Taiwan an der Reihe.

Worauf ich raus will: Die USA würden bei einer Zuspitzung wohl ihre Rüstung intensivieren. Wer würde davon profitieren? Boeing, u. a. Waffenschmieden wie Lockheed Marietta, Raytheon, Northrop Grumman.

Oder Zulieferer, vielleicht aus der IT Branche? Wie sehen Sie in diesem Kontext die Chancen von Skyworks? Apple hätte eher schlechte Karten. Aber Nvidia?

Mich interessieren Ihre Einschätzungen zu dieem Szenario, das mir verdammt realistisch erscheint. Es ist das alte Modell Hitler: Überschreitung des 100 000 Mann Limits bei der Reichswehr, Einmarsch ins Rheinland, Österreich, Tschechoslowakei, schließlich Polen. Der Pfad expansiv orientierter Diktatoren.

Also: Was halten Sie von einem Engagement in Rüstungsprofiteure? Und welche?

Wenn es da was zu verdienen gibt, dann macht irgendjemand die Kohle. Wenn nicht wir, dann halt andere.

Trrotz dieser unweihnachtlichen Gedanken Ihnen und Ihrer Familie eine „staade“ Vorweihnachtszeit, angenehme Feiertage und ordentlich Erfolg in 2022!

Mit freundlichen Grüßen
Edgar aus Erbendorf

 Antwort:

Ja, das Szenario ist angsteinflößend. Aber Hongkong war eine „low hanging fruit“, die sich China gerne gepflückt hat. Mit Taiwan wird das nicht so einfach gehen, insbesondere da Taiwan sehr wichtig für die weltweite Chipproduktion ist. Wenn die USA nun die Chipproduktion im eigenen Land fördern, dann dürfte es noch ein paar Jahre dauern, bis die USA unabhängig genug von Taiwan sind, um einer möglichen Annexion tatenlos zuzuschauen. Soll heißen: Das Szenario ist für mich nicht auszuschließen, aber für das Jahr 2022 noch nicht akut ... , hoffe ich.

Rüstungskonzerne haben unter Donald Trump große Aufträge erhalten. Für Biden dürfte die Haushaltskonsolidierung zunehmend wichtig werden, was dann irgendwann auch auf den Verteidigungsetat durchschlagen sollte.

Mit Aktien von Rüstungskonzernen würde ich mich daher erst dann intensiv beschäftigen, wenn die Spannungen im Umfeld zu Taiwan stark zunehmen sollten.