 | Sehr geehrter Herr Heibel
Ich freue mich schon jede Woche auf den Freitag, um Ihren Interessanten Ticker lesen zu können. Abgesehen von den aktuellen Börsetipps, interessieren mich immer Ihre interessanten Ausführungen in Kapitel 2. Für die letzte Ausgabe fehlen mir allerdings als ökonomischen Laien einige Grundlagen.
Sie setzen dort MMT mit Planwirtschaft gleich. Über die Grundlagen von MMT habe ich mich bei Wikipedia etwas informiert und dort auch über die Pros und Contras gelesen. Mir klingt – laienhaft wie ich bin – bei MMT irgendwie der „New Deal“ von Präsident Roosevelt durch, oder liege ich da falsch. Immerhin kann man doch Roosevelt nicht Planwirtschaft unterstellen, vielleicht eher Keynesianismus, oder irre ich da?
Sie sehen schon, die Begriffe gehen da bei mir etwas durcheinander. Vielleicht geht es da Anderen Ihrer Leser ebenso. Es gäbe da möglicherweise in einer Ihrer nächsten Ausgaben Gelegenheit, in einem Kapitel 2 die verschiedenen Begriffe und die dahinter stehenden Denkrichtungen aus Ihrer sicht darzulegen.
Mit freundlichen Grüßen
Günter aus Klosterneuburg, Österreich |  |
| | Antwort: Vielen Dank für Ihre Rückfrage.
Ja, die Gegenüberstellung MMT = Planwirtschaft ist vielleicht etwas zu stark vereinfacht. Die Welt ist viel komplexer, als dass man sie in einem kurzen Kapitel mit allen bunten Farben darstellen könnte. Grundsätzlich bauen meine Heibel-Ticker Ausgaben stets ein wenig aufeinander auf, so dass ich nicht in jeder Ausgabe bei Adam und Eva anfange. Manchmal stehen dann Meinungen von mir ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen da.
Wenn Franklin D. Roosevelt als Reaktion auf seinen Amtsvorgänger Herbert Hoover, der freie Märkte propagierte, etwas mehr Staatseingriff vorschlug, dann war das damals sinnvoll. Immerhin betrug die Staatsquote in den USA vor der Weltwirtschaftskrise 1929-1932 lediglich 11,7%. Unter Roosevelt wurde sie fast verdoppelt, 1939 betrug sie 22,2%. In Deutschland ging sie in diesem Zeitraum übrigens von 22,4% auf 36,9%.
Im vergangenen Jahr betrug die Staatsquote in den USA 46,2%, in Deutschland sogar 51,3%. Es ist ein Unterschied, ob man in einer freiem Marktwirtschaft mit 11,7% für mehr Staat plädiert, oder aber ob man dies in einem Staat tut, der ohnehin bereits die Hälfte der Wirtschaftsleistung unter staatlicher Kontrolle hält.
Während es in meinen Augen vor 90 Jahren durchaus Bereiche gab, die vom Staat besser geregelt werden konnten als vom Markt, habe ich heute den Eindruck, dass der freie Markt, bei uns die soziale Marktwirtschaft, kaum noch Luft zum Atmen hat. |