 | Lieber Herr Heibel,
"Doch die Inflation steigt in den kommenden Monaten an und führt so zu einem weiteren Abrutschen des Realzinses. Ideal für Schuldner: Niedrige Kreditzinsen bei gleichzeitiger Geldentwertung machen es leicht, die Kreditlast in der Zukunft abzutragen."
Könnten Sie dazu beim nächsten Mal etwas vertiefen, auch mit Blick auf Risiken?
Ich frage mich: Braucht es dafür keine Reallohnzuwächse, die indes fehlen? Was ist mit der Neubewertung, etwa von Immobilien, bei der Anschlussfinanzierung und der damit einhergehend steigenden Belastung für die Tilgung bei zeitgleich wachsender Restschuld?
Ein schönes Wochenende, Peter aus Franken |  |
| | Antwort: Gute Frage, da haben Sie den wichtigsten Punkt getroffen: Ich rechne mit einem vorübergehenden Anstieg der Inflation aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise, was sich einmalig auch vertikal in der Produktionskette niederschlagen wird. Wir dürfen uns auf ein höheres Preisniveau für die Zukunft vorbereiten, das sich jedoch dann auf höherem Niveau stabilisieren sollte.
Wenn diese Entwicklung zu überhöhten Forderungen nach Lohnsteigerung führt, dann werden die Menschen künftig mehr Geld in der Tasche haben und um die knappen Güter konkurrieren. Die Zahlungsbereitschaft wird steigen. Wenn die Lieferketten dann nicht schnell genug ins Lot kommen und die Nachfrage bedienen können, dann wird die erhöhte Zahlungsbereitschaft zu weiteren Preissteigerungen bei den knappen Gütern führen. Sollte dann dadurch die Inflation hoch bleiben, also nicht nur vorübergehend hoch sein, dann werden daraus auch weitere Lohnsteigerungsforderungen abgeleitet. Das Ganze kann dann zu einer Spirale führen, die sich selbst verstärkt und für eine höhere Inflationsrate über einen längeren Zeitraum sorgt.
Ich persönlich bin nach mehreren Jahrzehnten der Lohnzurückhaltung in Deutschland der Ansicht, dass uns Lohnsteigerungen gut tun würden. Die Gefahr, wie im vorigen Absatz beschrieben, muss dann im Auge behalten werden. Wir brauchen ein neues Gleichgewicht, das auf einem höheren Niveau liegen sollte. Ein Spagat, der gefährlich ist und sicherlich für viel Diskussionen sorgen wird.
Neubewertung von Immobilien? Solange die Inflation moderat ist und vor allem das Zinsniveau von den Notenbanken künstlich tief gehalten wird, dürfte zwar eine Belastung der Immobilien auf uns zukommen, aber kein Preiseinbruch. Auch hier ist wieder das Gleichgewicht gefordert, das den Preisdruck abbildet, ohne zu Zinssprüngen zu führen. Schnellt das Zinsniveau irgendwann doch nach oben, dann werden viele Immobilienfinanzierungen aus dem Ruder laufen. Doch ein großer Teil könnte aufgefangen werden, weil ja die Ursache für diese Spirale in den Lohnsteigerungen liegt, die wiederum dazu führen, dass die Menschen mehr Geld in der Tasche haben, das sie dann auch für Immobilien ausgeben können.
Kurzzeitige Rücksetzer kann man auch auf dem Immobilienmarkt nicht ausschließen. Doch mittelfristig dürfte sich der Immobilienpreis zumindest stabil entwickeln.
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