Leserfragen (Juli 2021)


 Frage vom 09.07.2021

#BVB gut für Transfermarkt positioniert

Hallo Herr Heibel,

hab gerade eine Mail bekommen von seasonax.
Laut dem Artikel sollte Borussia Dortmund die nächsten 8 Wochen ca. 12% steigen.
Wäre schön, oder?

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich aus Landshut

 Antwort:

Wie so häufig sind Prognosen, die allein aus der Entwicklung in der Vergangenheit abgeleitet werden, mit großen Risiken behaftet :-). Die Aktie hat erst einmal die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen.

Grundsätzlich ist der BVB in meinen Augen eine Spekulation wert: derzeit kommt nochmals Angst wegen der Delta-Variante auf und es ist durchaus möglich, dass auch die neue Saison erst einmal mit weniger Zuschauern starten wird. Doch der BVB hat einige Talente und erzielt einen Großteil seiner Einnahmen über den Transfermarkt. Das könnte in den kommenden Monaten zu positiven Schlagzeilen führen.


 Frage vom 09.07.2021

#Lucid & Churchill Capital IV mit Finanzierungslücke

Guten Abend Herr Heibel,

wie der Leser der letzten Woche (s.u.) habe ich ebenfalls vor einiger Zeit auf Ihren Spekulations-Vorschlag hin das SPAC Churchill Capital IV in mein Portfolio aufgenommen (den Warrant A2QAZC). Den zwischenzeitlichen Absturz habe ich dann beschlossen auszusitzen und bin jetzt je nach Tagesschwankung ca. 5-10% im Plus.

Ich war ursprünglich tatsächlich davon ausgegangen, eine AKTIE gekauft zu haben und habe erst nach besagter Leserfrage angefangen, mich etwas näher damit auseinander zu setzen. Dabei merke ich dass ich den Mechanismus des SPAC wohl nur sehr oberflächlich verstanden habe und war kurz davor, den kleinen Gewinn einfach einzustreichen.

Aber Spekulation ist Spekulation und bevor ich mich anschließend ärgere, eine günstig aussehende Gelegenheit versäumt zu haben, wäre ich für eine kurze Antwort auf die beiden folgenden (Verständnis-) Fragen dankbar - vielleicht tappen andere Leser hier ja ebenfalls ähnlich im Dunkeln):

1. Wenn ich richtig recherchiert habe soll sich im Laufe des Monats Juli entscheiden, ob das SPAC tatsächlich mit Lucid Motors fusioniert. Wäre diese m.E. sehr wahrscheinliche Fusion (ist ja wohl letztendlich von Anfang an das Ziel eines SPACs?) Ihrer Einschätzung nach eher ein positives Zeichen, das SPAC zu behalten? Oder eher "sell the news" und nix wie weg damit?

2. Rein technische Frage (falls ich mich für Behalten entscheide): Muss ich irgend etwas eigeninitiativ unternehmen, damit ich nach dieser Fusion irgendwie an Lucid Motors "beteiligt" bin oder geht so etwas normalerweise vom Broker aus (Anfrage an mich, was ich tun möchte, automatisches Umschreiben?)

Wenn ich hier schon ein bisschen "zocke" möchte ich zumindest in Grundzügen wissen, worauf ich mich einlasse.

Ihnen und Ihrer family ansonsten einen gemütlichen Sommer.

Sonnige Grüße aus der Nähe von Tübingen
Michael

 Antwort:

Nein, Sie müssen nichts tun, die Umwandlung erfolgt automatisch. Ich würde in den kommenden Wochen verkaufen, egal ob kurz vor oder kurz nach der Umwandlung.

Lucid hat eine Vereinbarung mit Churchill Capital IV, zu 24 Mrd. USD übernommen zu werden. Aus der Transaktion fließen Lucid 4,4 Mrd. USD Barmittel zu, bis Ende 2022 ist nach unternehmenseigener Aussage die Finanzierung gesichert. Die Produktion des Edel-Elektroautos namens Air wird beschleunigt, es liegen bereits 10.000 Reservierungen vor, in denen jeweils je nach Modell 300 bis 1.000 USD Reservierungsgebühr angezahlt wurden. Die Autos sollen dann ab 2023 ausgeliefert werden, geplant sind ca. 50.000 pro Jahr.

Es handelt sich also um eine Edellimousine, die erst in zwei Jahren verfügbar ist, wobei die Barmittel des Unternehmens vor der Auslieferung des ersten Modells auslaufen. Wir haben also nach der vollzogenen Transaktion mit Churchill Capital IV eine Durststrecke von mindestens anderthalb Jahren, sowie eine Finanzierungslücke von mindestens einigen Monaten. So zukunftsweisend das Auto auch sein mag, es wird sicherlich skeptische Berichte geben, die den Kurs belasten. Ich würde also nach vollzogener Transaktion Gewinne mitnehmen.


 Frage vom 09.07.2021

#Redemption Right für Churchill Capital IV (WKN A2QAMY)

Sehr geehrter Herr Heibel,

Für meine  CHURCHILL CAP.IV A -,0001 (WKN A2QAMY)Anteile hat mir Consorsbank ein Angebot zur Ausübung eines Redemption Right´s geschickt. 10 USD per Anteil. Der Börsenkurs liegt bei über 21 USD. Keine Ahnung, was das nun genau bedeutet. Bekomme ich, bei Annahme den Börsenkurs plus 10 USD oder nur 10 USD. Was empfehlen Sie mir zu tun?

Mit freundlichen Grüßen

Manfred aus Nürnberg

 Antwort:

Ich würde das ignorieren, das ist Bauernfängerei: SPACs beinhalten das Recht der Eigentümer des SPACs (also Sie), das Papier zum Ausgabewert (10 USD) zurückzugeben, wenn die beabsichtigte Übernahme nicht erfolgen sollte. Aus diesem Recht stricken sich nun findige Anwälte ein „Rückkaufangebot“, auf das sicherlich einige Anleger eingehen werden. Ich würde nichts tun.


 Frage vom 02.07.2021

#Put auf den DAX

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich möchte gern auf einen fallenden DAX mit einem Optionsschein traden.

Dabei möchte ich von einer steigenden Volatilität profitieren.
Was muss ich bei der Auswahl des PUT-Optionsscheins beachten (innerer Wert, Zeitwert u.a.)? Können sie einen Schein empfehlen?

Mit freundlichen Grüßen
Jörg aus Ratzeburg

 Antwort:

Im Heibel-Ticker bespreche ich sehr selten Optionsscheine, da ich diese nur in seltenen Fällen für Privatanleger für geeignet halte. Wenn Sie fallende Kurse befürchten, dann ist für Privatanleger meiner Erfahrung nach der bessere Weg, das Portfolio etwas auszudünnen.

Wenn ich einen DAX-Put suchen würde, dann ginge ich wie folgt vor:

Basispreis: Der Schein sollte im Geld sein, der Basispreis also über 15.700 Punkte liegen.
Restlaufzeit: Mindestens 6 Monate, am liebsten 1 Jahr. Wenn die Restlaufzeit zu kurz ist, dominiert der Zeitwertverlust, egal wie sich Der DAX entwickelt.
Emittent: Wählen Sie einen etablierten Emittenten, gerne ihre eigene Bank, wenn möglich.
Das Bezugsverhältnis ist meistens 100:1.

Mit Hilfe von Optionsscheinrechnern können Sie sodann Szenarien berechnen lassen. Wenn Sie Interesse haben, kann ich Ihnen gerne meine eigene Excel-Kalkulation für solche Fälle zusenden. Auf meiner Webseite unter „Grundlagen“ ist ein Optionsscheinrechner für Calls verfügbar. Den für Puts übersende ich auf Anfrage gerne.


 Frage vom 02.07.2021

#TUI Wandelanleihe

Guten Tag Herr Heibel,
ich würde gerne mehr über die Tui Anleihe wissen die die Aktie belastet. Wie kann man die kaufen und für wie attraktiv halten Sie diese? Zu welchen Kurs kann man die später in Aktien tauschen?

take share, Andreas aus Krefeld

 Antwort:

Die Wandelanleihe von TUI läuft unter der WKN: A3E5KG und der ISIN: DE000A3E5KG2. Die Rendite beträgt aktuell 4,1% pro Jahr, die Zinszahlung in Höhe von 5% erfolgt halbjährlich. Das Papier kann für einen Preis von 5,3631 EUR in eine Aktie umgewandelt werden, die Wandlungsprämie wird mit 25% angegeben.

Leider erlaubt die Wandelanleihe nur Anlagebeträge in einer Stückelung von 100.000 EUR, daher ist sie für unser Heibel-Ticker Portfolio nicht geeignet.


 Frage vom 02.07.2021

#Inflationsspirale durch Rohstoffe und Löhne

Lieber Herr Heibel,

"Doch die Inflation steigt in den kommenden Monaten an und führt so zu einem weiteren Abrutschen des Realzinses. Ideal für Schuldner: Niedrige Kreditzinsen bei gleichzeitiger Geldentwertung machen es leicht, die Kreditlast in der Zukunft abzutragen."

Könnten Sie dazu beim nächsten Mal etwas vertiefen, auch mit Blick auf Risiken?
Ich frage mich: Braucht es dafür keine Reallohnzuwächse, die indes fehlen? Was ist mit der Neubewertung, etwa von Immobilien, bei der Anschlussfinanzierung und der damit einhergehend steigenden Belastung für die Tilgung bei zeitgleich wachsender Restschuld?

Ein schönes Wochenende, Peter aus Franken

 Antwort:

Gute Frage, da haben Sie den wichtigsten Punkt getroffen: Ich rechne mit einem vorübergehenden Anstieg der Inflation aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise, was sich einmalig auch vertikal in der Produktionskette niederschlagen wird. Wir dürfen uns auf ein höheres Preisniveau für die Zukunft vorbereiten, das sich jedoch dann auf höherem Niveau stabilisieren sollte.

Wenn diese Entwicklung zu überhöhten Forderungen nach Lohnsteigerung führt, dann werden die Menschen künftig mehr Geld in der Tasche haben und um die knappen Güter konkurrieren. Die Zahlungsbereitschaft wird steigen. Wenn die Lieferketten dann nicht schnell genug ins Lot kommen und die Nachfrage bedienen können, dann wird die erhöhte Zahlungsbereitschaft zu weiteren Preissteigerungen bei den knappen Gütern führen. Sollte dann dadurch die Inflation hoch bleiben, also nicht nur vorübergehend hoch sein, dann werden daraus auch weitere Lohnsteigerungsforderungen abgeleitet. Das Ganze kann dann zu einer Spirale führen, die sich selbst verstärkt und für eine höhere Inflationsrate über einen längeren Zeitraum sorgt.

Ich persönlich bin nach mehreren Jahrzehnten der Lohnzurückhaltung in Deutschland der Ansicht, dass uns Lohnsteigerungen gut tun würden. Die Gefahr, wie im vorigen Absatz beschrieben, muss dann im Auge behalten werden. Wir brauchen ein neues Gleichgewicht, das auf einem höheren Niveau liegen sollte. Ein Spagat, der gefährlich ist und sicherlich für viel Diskussionen sorgen wird.

Neubewertung von Immobilien? Solange die Inflation moderat ist und vor allem das Zinsniveau von den Notenbanken künstlich tief gehalten wird, dürfte zwar eine Belastung der Immobilien auf uns zukommen, aber kein Preiseinbruch. Auch hier ist wieder das Gleichgewicht gefordert, das den Preisdruck abbildet, ohne zu Zinssprüngen zu führen. Schnellt das Zinsniveau irgendwann doch nach oben, dann werden viele Immobilienfinanzierungen aus dem Ruder laufen. Doch ein großer Teil könnte aufgefangen werden, weil ja die Ursache für diese Spirale in den Lohnsteigerungen liegt, die wiederum dazu führen, dass die Menschen mehr Geld in der Tasche haben, das sie dann auch für Immobilien ausgeben können.

Kurzzeitige Rücksetzer kann man auch auf dem Immobilienmarkt nicht ausschließen. Doch mittelfristig dürfte sich der Immobilienpreis zumindest stabil entwickeln.