Leserfragen (Februar 2022)


 Frage vom 25.02.2022

#Rolle der Volatilität beim Optionsschein

Hallo Herr Heibel !

Dieses Jahr hat ja wirklich nicht gut angefangen ☹ hoffentlich wird es im Jahresverlauf wieder besser.
bin mit meinem Depot seit Jahresanfang mit knapp 20 % im Minus. Die größten Brocken sind Paypal, Biontech und das Bitcoin (ETC).
Zum Verkaufen ist es wahrlich zu spät, aber Geduld hat sich bei mir schon öfter ausgezahlt.

Ich habe eine Frage zum DAX Call (bzw. generell zu Optionsscheinen):

Sie verwenden eine aktuelle Volatilität von 21,13%. Mit dieser Volatilität kommen Sie auf einen fairen Wert für den Optionsschein von 3,60 Euro.

Meine Frage bezieht sich auf den Parameter der Volatilität, woher nehmen Sie diese, oder ist das ein Schätzwert ?
Ich habe im Internet ein bißchen recherchiert und habe den VDAX als Volatilitätindikator gefunden. Der war gestern bei Handelsschluss bei 36,78 Punkte ( sind das % ? )
Wenn ich diese Volatilität einsetzte und den DAX Schlusskurs, dann siehts so aus: 9,99 Euro.

Der Optionsschein hatte gestern allerdings einen Schlusskurs von 4,47 Euro.

Da ich mich mit Optionsscheinen noch nicht wirklich auskenne, bin ich mir eh nicht sicher ob ich mich da reinstürze (eventuell mit einem kleinen Betrag),
allerdings würde ich es einfach gerne verstehen.
Vielleicht können Sie die Antwort heute noch im Heibel Ticker einflechten, ich könnte mir vorstellen das mehrere Leute da unsicher bzw. unwissend sind 😊

Ich wünsche Ihnen noch alles gute und nur weiter so, auf Jahressicht wird schon wieder ein Plus rausschauen 😊

LG
Jürgen aus Linz

 Antwort:

Die aktuelle Volatilität (stets in Prozent) zu diesem Schein entnehme ich Comdirect:
https://www.comdirect.de/inf/optionsscheine/detail/uebersicht/uebersicht.html?SEARCH_REDIRECT=true&REDIRECT_TYPE=WKN&REFERER=search.general&ID_NOTATION=331479244&SEARCH_VALUE=GH4Z8W
Der 4. Eintrag unter „Kennzahlen“ gibt den Wert an.

Für die Prognose schätze ich dann einfach den Wert: Für die tiefere Prognose im DAX gehe ich von einer weiteren Erhöhung der Volatilität aus. Sollte sich der DAX erholen, gehe ich von einem Rückgang in der Volatilität aus.

Die Volatilität wirkt wie ein Hebel auf den Optionsscheinpreis: Je höher die Volatilität, desto höher der Preis. Wenn also der DAX bspw. seitwärts läuft, dann nimmt die Volatilität ab und der Preis des Optionsscheins sinkt. Das ist einer der Effekte, die zu dem Zeitwertverlust führen. Es ist also wichtig, dass der erwartete Anstieg, auf den wir hier spekulieren, schnell kommt.


 Frage vom 23.02.2022

#Gold als sicherer Hafen funktioniert erst später

Hallo Herr Heibel!

Zunächst erst mal großes Lob, wie aufrichtig Sie mit Fehleinschätzungen (Call) umgehen.
Was ich in den Börsenreaktionen nicht nachvollziehen kann, ist die ausbleibende Gegenreaktion vom Goldkurs!
Wenn Gold nach wie vor mit der Marktunsicherheit korreliert, müsste er doch durch die Decke gehen, da noch unsichere Zeiten kaum vorstellbar sind.

Was meinen Sie?

Liebe Grüße

Dirk aus Köln

 Antwort:

In Marktphasen, in denen Aktien ausverkauft werden, geht zumeist auch der Goldpreis zunächst in die Knie. Viele Anleger generieren in solchen Marktphasen Cash, um handlungsfähig zu bleiben. Da wird dann auch viel Geld aus dem Goldmarkt abgezogen. Erst in einer zweiten Reaktion ist dann damit zu rechnen, dass Gold als sicherer Hafen steigt. Sie bekommen hier also eine zweite Chance, in Gold einzusteigen, wenn Sie so wollen :-).


 Frage vom 22.02.2022

#Schrittweise kaufen und verkaufen

Sehr geehrter Herr Heibel,

Wo kann ich nachlesen, was Ihre Kaufempfehlungen sind, wenn Sie schreiben „nachkaufen“ oder „geringfügig verkaufen“. Wieviel soll das immer sein? Am Ende der Woche kann ich es immer nur an den Prozentzahlen in Ihrem Musterdepot sehen ;)

Viele Grüße
Stephan aus Grevenbroich

 Antwort:

Ich habe mir angewöhnt, ich Schritten zu kaufen und zu verkaufen. Da fällt die Entscheidung leichter und man erhält einen gemittelten Kurs, was häufig von Vorteil ist, da man das Tief nur in den seltensten Fällen trifft.

Bei Titeln aus dem Dividendenbereich und dem Wachstumsbereich wird eine Portfoliogröße von 6% des Gesamtportfolios angestrebt. Diese wird in zwei Schritten aufgebaut, im ersten Schritt 3% und im zweiten Schritt dann, wenn der Kurs noch nachgegeben hat, etwas mehr als 3%, um auf die 6% zu kommen. Sollte die Aktie dann deutlich im Plus stehen, kommt es vor, dass ich einen Teilgewinn realisiere und die Portfoliogröße damit wieder zurück auf die 6% (beabsichtigte Portfoliogröße) bringe. Ansonsten gebe ich explizit an, wenn wir unsere Position wieder auf die halbe beabsichtigte Größe stutzen.

Für Spekulationen gilt ganz oder gar nicht, da wird nur in einem Schritt ge- und verkauft.

Für die Absicherungspositionen mit einer beabsichtigten Portfoliogröße von 6,6% können es zwei oder drei Schritte sein, mit denen Sie die Position aufbauen, je nach Ihrem Geschmack. In der Regel sind aber auch hier zwei Schritte ausreichend.


 Frage vom 10.02.2022

#Sammelklage gegen Airbus

Guten Tag Herr Heibel,

Habe von meiner Bank eine Information über eine Sammelklage gegen Airbus erhalten - was ist davon zu halten? Genaueres finden Sie auf folgender Seite weiter unten: https://drrt.com/cases/global-securities-litigation/open-cases/

Viele Grüße,

Hans-André aus Seesen

 Antwort:

Das ist ja ein alter Fall, der inzwischen geklärt ist. Natürlich gibt es da Anwälte, die unzufriedenen Aktionären versprechen, einen daraus entstandenen Schaden einzuklagen. Die Anwälte suchen nun nach Aktionären, die ihren vermeintlichen Anspruch durchsetzen wollen. Wenn sie genug Aktionäre zusammen haben, beurteilen die Anwälte, ob sich ein Prozess wirklich lohnt.

… die Bedeutung für den Kurs der Airbus-Aktie? In meinen Augen vernachlässigbar.


 Frage vom 02.02.2022

#Teilverkäufe versus Alles oder Nichts

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich wollte mal das Thema Teilverkäufe ansprechen, da ich
der Ansicht bin, dass diese nichts bringen wegen dem first in first out
Prinzip und beim Teilverkauf ja der erste Einstiegskurs zum Verkauf genommen
wird und somit einen großen Verlust verursacht.
Wäre es nicht sinnvoller nur einmal beim runter fallen nachzukaufen und
Wunschpreises alle Anteile der jeweiligen Position zu veräußern und anschließend
auf tiefer Kurse zu warten?
Meine auch seit längerem zu beobachten, dass Stops ständig abverkauft werden
bei Longpositionen um anschließend auf Schlusskurs Basis über der Unterstützung
den Handel zu beenden.
Anschließend am nächsten Tag geht es dann wieder ordentlich Aufwärts.
Oder wäre es auch sinnvoll nach einem Schlusskurs unter der Unterstützung am
nächsten Tag zu veräußern, damit man nicht unnötig in das Minus läuft?
Beste Grüße, Dennis aus Heinsberg

 Antwort:

Vielen Dank für Ihre Überlegungen. Ich möchte mit meinen Teilkäufen und Teilverkäufen keine steuerlichen Dinge optimieren, sondern trage dem Umstand Rechnung, dass wir höchstens per Zufall, also sehr selten, die besten Kurse treffen. Es fällt leichter, einen Teil der Position zu verkaufen als alles. Und es hat sich gezeigt, dass man, wenn man häufiger mal kleine Schritte unternimmt, Schwankungen besser für sich nutzen kann.

Mit dem Ansatz "Alles oder Nichts“ endet man viel zu häufig im „Nichts“. Oder, um es mit einem anderen Sprichwort zu sagen: Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.


 Frage vom 02.02.2022

#Gold versus Goldmine

Lieber Herr Heibel,

der Chart für Gold ist doch eigentlich extrem bullisch, aber die Goldaktien schwächeln gewaltig. Wie deuten Sie diesen Sachverhalt ..?

Bin seit 12 Jahren Kunde bei ihnen und dies ist mein erster Leserbrief resp. Anfrage.

Mit herzlichen Grüssen

Wolfgang aus München

 Antwort:

Herzlichen Dank für Ihre langjährige Treue :-).

Ja, der Goldpreis hat in meinen Augen eine gute Ausgangsposition für steigende Kurse im Jahresverlauf gebildet. Technisch betrachtet sollte der Goldpreis nicht unter 1.700 USD/Unze fallen, um dann beim Überspringen der 1.930 USD/Unze zu neuen Allzeithochs aufzubrechen. Aktuell notiert er irgendwo dazwischen bei 1.808 USD/Unze. Eine Entscheidung ist also noch nicht gefallen.

Nun werden für die USA Zinserhöhungen erwartet: Aktuell bis zu sieben für das laufende Jahr. Steigende Zinsen machen Gold als sicheren Hafen weniger attraktiv. Warum sollte man für die Lagerung von Gold auch noch Geld ausgeben, wenn das Geld in Staatsanleihen endlich wieder Zinsen verdienen kann? Die Entscheidung zwischen Staatsanleihen und Gold wird also in diesem Jahr erschwert.

Was genau meinen Sie mit Goldaktien? Aktien von Goldminenbetreibern? Die hängen nur bedingt am Goldpreis, aber auch an der Corona-Pandemie, die mit all ihren Sicherheitserfordernissen die Goldproduktion teurer gemacht hat. Auch politische Auseinandersetzungen und Umweltereignisse können den Kurs von Minenbetreibern beeinflussen. Natürlich hilft ein steigender Goldpreis auch den Minenbetreibern, aber es gibt eine Vielzahl von Einflussfaktoren. Häufig, wenn die anderen Einflussfaktoren nicht negativ einschlagen, verläuft der Kurs einer Mine gehebelt zur Goldpreisentwicklung.

Minenbetreiber schwächelten in den vergangenen Wochen meinem Eindruck nach weitgehend parallel zur Goldpreisentwicklung. Im Heibel-Ticker setzen wir in erster Linie auf Goldbarren, oder aber auch Wheaton Precious, weil dort das Risiko der Minenbetreiber ausgeklammert wird.

Habe ich damit Ihre Frage ausreichend beantwortet?


 Frage vom 01.02.2022

#Procter & Gamble gut für Inflation aufgestellt

Hallo Herr Heibel,
zuerst wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie ein gutes neues Jahr.
Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen mein Depot neu zu sortieren bzw. zu
konsolidieren, da sich im Laufe der Jahre (zu) viele Positionen angesammelt haben.
Dazu gehört auch eine überproportionale Position an Procter & Gamble Aktien.
Deswegen würde mich interessieren wie Sie diese für die Zukonft einschätzen bzw. bewerten.
Besten Dank dafür im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen aus dem Süden
Albrecht aus Schorndorf

 Antwort:

P&G produziert Dinge des täglichen Gebrauchs, für die Kunden eine vergleichsweise geringe Preiselastizität aufweisen: Sprich, etwaiger Kostendruck - durch höhere Rohstoff- oder Logistikkosten - lassen sich gut an den Kunden weitergeben. Deswegen ist die Aktie in den vergangenen Monaten gegen den Markttrend sehr stark angesprungen (+40% in 12 Monaten). Ich denke, einmal abgesehen von zwischenzeitlichen Korrekturen, dass die Aktie in den kommenden ein oder zwei Jahren der hohen Inflation weiter gut laufen wird.


 Frage vom 01.02.2022

#Adyen entwickelt Point of Sale

Guten Abend Herr Heibel,

Adyen verfolge ich schon länger und war und bin seit kurzem wieder investiert.

Gestern kam folgende Nachricht:
Adyen setzt am POS auf integrierte Android-Terminals
https://www.it-finanzmagazin.de/adyen-setzt-am-pos-auf-integrierte-android-terminals-132675/
Wieso hat Paypal das noch nicht und wenn die dann auch noch die
"Mit diesem können Händler wichtige Apps wie etwa die Bestandsverwaltung, Kundenbindungsprogramme, Rückgaben-Abwicklung und viele weitere Vorgänge im Terminal hochladen und dort direkt verwalten."

Und heute fallen sie, tja ich muss ja nicht alles verstehen.
Da ich der Meinung bin, die Meldung ist einen Kauf wert, möglicherweise alleine aufgrund der HW-Ersparnis.

Etwas für den Heibel-Ticker?

Mit freundlichen Grüßen,
Reiner aus dem Ahrtal

 Antwort:

Inzwischen müsste die Meldung lauten „auch“ Adyen baut auf Point of Sale Geräte. Denn inzwischen hat auch Apple bekannt gegeben, an entsprechenden Lösungen für das iPhone zu arbeiten - ohne weitere Hardware. Aden beobachte ich schon seit langer Zeit, das junge Unternehmen aus Holland wächst exorbitant schnell, ist aber mMn nur einer unter vielen. Seit Anfang Januar ist die Aktie um 25% gefallen und notiert noch immer auf einem KGV 2023e von 60. Das ist mir zu teuer für die derzeitige Marktsituation.