Leserfragen (März 2022)


 Frage vom 25.03.2022

#Secunet, PVA Tepla, Rheinmetall & Verbio dick im Plus

ich habe eine Reihe Ihrer Empfehlungen frühzeitig umgesetzt und bin
Ihnen sehr dankbar für Ihre Tipps, da ich nun bereits von teilweise
deutlichen Anstiegen profitiere.

Konkret umgesetzt habe ich

Secunet (367€)
PVA Tepla (23,60€)
Rheinmetall (133€)
Verbio (66€)

PVA Tepla ist gestern ja um 20% angesprungen. Bei Rheinmetall wird mir
schon schwindelig.
Alle 4 Titel habe ich nur als "halbe Positionen" gekauft, allerdings
frage ich mich nun ob ich bei PVA oder Rheinmetall bereits
Gewinnmitnahmen umsetzen soll.

Vielen Dank für Ihre tolle Lektüre und Ihre so hilfreiche Unterstützung!

Viele Grüße

Tobias aus Filderstadt

 Antwort:

Herzlichen Glückwunsch :-). Da Sie nur „halbe“ Positionsgrößen eingekauft haben, würde ich die Positionen mit einem großzügigen Stop Loss absichern. Für „volle“ Positionen wäre es an der Zeit, Teilgewinne mitzunehmen. Grundsätzlich kann ich mir gut vorstellen, dass diese vier Titel in den kommenden Monaten weiterhin gut laufen werden. Es ist jedoch auch jederzeit eine überraschende Wende in der Geopolitik möglich, so dass ich derzeit unbedingt mit Stop Loss Aufträgen arbeiten würde, um keine böse Überraschung zu erleben.


 Frage vom 24.03.2022

#Bedeutung verschiedener Kriegsszenarien für Anleger

Guten Tag Herr Heibel.

Ich gewinne bestimmt bald den Preis Längstes Abo - kann es sein, dass es 20 Jahre sind?
Ich hoffe nicht:)

Ich habe zwei Fragen, die vielleicht auch für ihre Leser interessant sein könnten.

Es gibt 2 Szenarien, die vielleicht dem Worst Case nahe kommen.
Ich würde sie um eine börsliche EInschätzung bitten - die menschliche wäre eh unermesslich furchtbar.

1. Ausweitung des Ukraine Konflikts auf NATO Gebiet - befürchtet durch den Einsatz von Giftgas oder Biowaffen an der Grenze zum NATO Gebiet. Sollte sich daraus ein Konflikt mit deutlich mehr Parteien entwickeln (NATO) was wäre zu tun? Börslich? Alles verkaufen? Gold kaufen?
Aktien behalten - sind immerhin Anteile an einem Unternehmen?

2. vielleicht realistischer: was würde bei einem kompletten Gasstopp aus Russland passieren? Was wäre da ratsam? Vielleicht im Hinblick auf eine Rezession, wenn tatsächlich die Industrie keine Energie mehr bekommt - im nächsten Winter. Wäre das dramatisch - im Sinne von: tritt dass dann auch wirklich ein oder müssen wir dann einfach AKWs verlängern und/oder Kohle Verstromung….oder hilft das nichts, weil einfach wirklich Gas benötigt wird?

Es geht mir nur um möglich Handlungsempfehlungen bei den Worst Case Szenarios - immer vorausgesetzt, wir handeln danach noch mit Aktien - aber davon geh ich jetzt einfach mal aus.

Beste Grüße
Ich hoffe es geht ihnen gut und sie arbeiten noch lange weiter als Börsenbriefschreiber:)

LG aus Augsburg.
Philipp

 Antwort:

Sie werden wes nicht glauben: 97 Kunden sind noch ein wenig länger dabei. Sie sind am 15.5.2006 eingestiegen, angefangen hat der Heibel-Ticker zum 1.1.2006. Einige kannten mich zu diesem Zeitpunkt bereits von meiner vorangehenden Publikation, dem iWatch. Den gab es seit Anfang 2000 und meine erste Publikation damals war eine Warnung vor dem Platzen der Internetblase. Ich freue mich riesig über die große Anzahl treuer Kunden und bin auch ein wenig stolz darauf :-). Vielen Dank für Ihre Treue und für die immer wieder interessanten Leserfragen, die es mir ermöglichen, den Heibel-Ticker in Ihrem Sinne weiterzuentwickeln.

Zu 1.: Sollte die NATO aktiv in den Krieg verwickelt werden, haben wir den Dritten Weltkrieg. Ich halte das für unwahrscheinlich, aber vielleicht ist da der Wunsch der Vater des Gedanken.

Für einen solchen Fall würde ich versuchen, mich in die Köpfe der Amerikaner zu denken. Hier in Europa wird dann Chaos herrschen und ich würde einen Großteil unseres Portfolios verkaufen. Aus Sicht der US-Amerikaner wären globale Unternehmen zu meiden. US-Unternehmen mit starkem Geschäft auf dem Binnenmarkt hingegen wären ein sicherer Hafen. So auch Rüstungsaktien. Natürlich wäre auch das Gold geeignet, in meinen Augen auch der Bitcoin.

Vielen Dank für die Frage: Es fällt schwer, sich mit einer solchen Möglichkeit sachlich auseinanderzusetzen.

Zu 2.: Aktuell steht eine Antwort der EU auf die Ankündigung Putins aus, Gas und Öl nur noch gegen Rubel zu verkaufen. Schlimmstenfalls haben wir den Gas-Stop schneller, als uns das lieb ist. Die Folge wäre mit Sicherheit eine schwere Rezession … in Europa.

Die Kohlekraftwerke könnten in ihrer Laufzeit verlängert werden. Aber auch ein Großteil der Kohle kommt aus Russland. Atomkraftwerke können nicht mehr verlängert werden: Die Infrastruktur der Beschaffung und für den Betrieb ist komplex und muss auf Jahre fest geplant werden. Deutschlands Atomausstieg kann meinen Informationen zufolge inzwischen gar nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Für beide Szenarien würde ich bei unserem Portfolio „oben“ anfangen: Also spekulative Positionen verkaufen, Wachstumstitel reduzieren und bei den Dividendentiteln die konkreten Auswirkungen analysieren und dann entsprechende Anpassungen vornehmen. Den Versicherungsteil unseres Portfolio würde ich dann aufstocken. Nicht umsonst ist das Portfolio so aufgebaut, dass nach unten hin, zur „Basis", die Volatilität immer weiter abnimmt.


 Frage vom 24.03.2022

#Auswahl eines DAX-Calls

Hallo Herr Heibel,

ich halte weiterhin den punktuellen Einsatz von Optionsscheinen für sehr sinnvoll, kann aber sehr gut nachvollziehen, dass Sie unter Chance/Risiko-Abwägung im Moment davon Abstand nehmen. Dennoch möchte ich Sie fragen, ob Sie die Parameter Ihres ursprünglichen Scheins (WKN GH4Z8W) weiterhin empfehlen oder eher einen anderen bevorzugen würden.

Vielen Dank für Ihr Feedback.

Liebe Grüße aus Köln, Dirk

 Antwort:

Ich würde darauf achten, dass die Laufzeit niemals unter 6 Monate rutscht, denn ab dann wird der tägliche Zeitwertverlust erfahrungsgemäß immer stärker eingerechnet, so dass der Call es schwer hat, selbst bei steigendem DAX ebenfalls anzusteigen.


 Frage vom 17.03.2022

#Vetropack und Bayer betroffen von Ukraine-Krieg

Lieber Herr Heibel,
als erstes möchte ich mich vor allem Bedanken für Ihren ehrlichen, ausführlichen und vor allem verständlichen Börsenbrief. Dieser wurde mir empfohlen, da ich allgemein sehr skeptisch war bei der Auswahl. Es war genau die richtige Wahl. Das Webinar mit Thomas Vittner fand ich auch sehr sympathisch und habe mich am Schluss gefühlt, als würde ich mit im Zimmer sitzen, weil es so natürlich war.
Bleiben Sie bitte weiter bei Ihrer Einstellung und der Sicht auf die Dinge.
Eine Sache ist mir am Wochenende aufgefallen, die ich Ihnen mitteilen wollte. Sie hatten geschrieben, dass sie bei den Schweizer Dividendentiteln die Firma Vetropak ins Auge gefasst haben. Mein Arbeitskollege hatte letzte Woche kurzfristig an einer Veranstaltung zum Industriegemüseaustausch mit Hinblick auf die Ukrainekrise teilgenommen. Vor allem die bayerischen Feldgemüseanbauer sind hier betroffen. Dabei kam die Info, dass die Verfügbarkeit der Betriebsmittel, z.B. Gläser und Deckel schwierig ist. „Ein großes Gläserwerk des Schweizer Produzenten Vetropak bei Kiew soll bereits zerstört worden sein. Dosen/Gläser kamen in der Vergangenheit z.T, aus der Ukraine und Russland. Betriebe hatte schon einen Teil vorgekauft, aber die Lieferung steht noch aus.“
Ich kann nicht einschätzen, ob dies eine längerfristige Auswirkung hat oder überhaupt Bedeutung für die Dividende, aber da ich Ihnen mein Lob schon länger schreiben wollte, hatte ich jetzt einen guten Anlass.
Da ich bei meiner Arbeit immer wieder mit dem Bayer Konzern in Berührung komme (allerdings nur mit der Saatgut Sparte) und sich hier immer wieder etwas tut, die Aktie aber nicht so wirklich vorangeht wollte ich Fragen, ob Sie hierzu eine Meinung haben. Lohnt es sich die Aktie zu beobachten? Diese Frage brauchen Sie nicht zu beantworten, wenn es aus Zeitgründen andere Prioritäten gibt.
Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche und alles Gute!
Viele Grüße aus Waghäusel
Inga aus Waghäusel

 Antwort:

Herzlichen Dank für Ihre Info: Tatsächlich habe auch ich gesehen, dass Vetropack in Kiew ein Werk unterhält (Gostomel). Der Großteil der Produktion steht allerdings in Tschechien, Moldawien und Kroatien, die Ukraine machen ca. 25% aus. Das Unternehmen ist derzeit damit beschäftigt, sich um die Mitarbeiter in Kiew zu kümmern und ich wünsche dabei viel Erfolg.

Die Aktie von Vetropack ist in Folge des Angriffs Russlands auf die Ukraine bereits um 20% eingebrochen. Detaillierte Informationen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen liegen noch nicht vor, daher würde ich vorerst noch abwarten.

Zu Bayer: Die Aktie ist in den vergangenen Tagen kräftig angestiegen. Nachdem die Übernahme von Monsanto über Jahre für fallende Kurse gesorgt hat, dürfte gerade dieser Geschäftsteil in den kommenden Jahren, in denen Ernteausfälle in der Ukraine zu befürchten sind, gut performen. Die Aktie ist extrem günstig bewertet und könnte im Falle eines Stimmungswandels eine deutlich höhere Bewertung erklimmen.

Vielen Dank für Ihre netten Worte, höre ist stets gerne :-).


 Frage vom 17.03.2022

#Cliq Digital: Intransparenz verhindert Bewertungsansatz

Sehr geehrter Herr Heibel,

als erstes möchte ich mich bei Ihnen bedanken, dass Sie sich jetzt auch mal die Dividendenaktien näher anschauen, da ich auch in diesem Sektor u.a. mit BASF, Münchener Rück, Allianz, VW, Daimler, Porsche usw. schon investiert bin.
Ihr Tipp mit Devon Energy hat mich veranlasst, auch diesen Wert ins Depot zu nehmen. Die positive Entwicklung dieses WP ist natürlich zum größten Teil Herrn Putin zu verdanken. Einen realisierten Gewinn werde ich zu gegebener Zeit tatsächlich spenden. Das gilt auch für einige Rüstungspapiere die ich ins Depot genommen habe. Dafür schäme ich mich in keiner Weise.

Nun aber zu einem Papier zu dem ich von Ihnen gerne eine Einschätzung hätte.
Ich habe schon seit längerer Zeit Cliq Digital im Depot WKN A0HHJR
Diese Aktie wird meines Erachtens total unter Wert gehandelt, so dass ich nicht verstehe wo bei dieser Aktie der Haken liegt.
Am 1.3. wurden die prognostizierten Zahlen zum Geschäftsjahr 2021 bestätigt. Alles was ich mir angeschaut habe sieht positiv aus. Nur der Chart nicht.
Da ich weiß, dass Sie sich mit diesem Geschäftsmodell der Streamingdienste (Spotify) beschäftigt haben, frage ich Sie nun, wo sehen Sie einen Grund für die unbefriedigende Entwicklung dieser Aktie.
Ich hänge Ihnen den Geschäftsbericht mal an, und würde mich freuen wenn Sie mir dazu etwas mitteilen könnten.

Ich bedanke mich schon mal im Voraus und hoffe für Sie und für unsere ganze Anlegergemeinde, dass wir heile aus diesem Putin-Krieg herauskommen.
Für mich ist entscheidend wie der Mao2.0 XI Jinping sich verhält. Wenn sich wieder zwei Blöcke gegenüberstehen, und einen Wirtschaftskrieg gegeneinander führen, sind wir in Europa auf Gedeih und Verderb auf Amerika angewiesen.
Und wenn dort dann wieder Trump, oder auch einer seiner Jünger, möglicherweise durch manipulierte Wahlen, an die Macht kommt, sind wir verraten und verkauft.
Ich mag mir dieses Szenario gar nicht vorstellen.

Viele Grüße

Friedrich aus Essen

 Antwort:

Bei Cliq Digital treffen zwei Welten aufeinander: Zum einen gibt das Unternehmen Prognosen aus, die eine viel höhere Bewertung rechtfertigen. Zum anderen weigern sich die meisten Analysten, diese Prognosen in ihre Erwartungen zu übernehmen.

Dabei erfüllt Cliq Digital seit langem jegliche Unternehmensprognosen. Außerdem wird eine attraktive Dividende (6,6%) geboten. In der Bilanz sammelt sich Nettoliquidität an, Zweitplatzierungen von Aktien wurden in der jüngeren Vergangenheit nicht vorgenommen. Das sieht also alles sehr gut aus.

… zu gut? Analysten bemängeln die fehlende Transparenz beim Geschäftsmodell. Außerdem ist das Produkt nicht gerade das, was mich vom Hocker reißt: Streaming-Abo für Filme, Musik und Hörbücher, allerdings kaum aktuelle, sondern eher historische alte Inhalte.

Ich persönlich kenne niemanden, der das Angebot von Cliq Digital nutzt. Also kann ich mir keine Meinung über die Qualität erlauben. Doch bei dem Erfolg, den das Geschäftsmodell augenscheinlich haben soll ist es schon merkwürdig, dass in meinem Umfeld niemand davon gehört hat.

Sprich: Wenn das alles stimmt, was ich vom Unternehmen höre, müsste die Aktie nicht bei 24 Euro, sondern bei 240 Euro stehen. Der Umstand, dass dies nicht der Fall ist, sollte schon ausreichen, um eine gesunde Skepsis an den Tag zu legen. Für meinen Geschmack ist das zu intransparent :-(.


 Frage vom 17.03.2022

#TUI als Spekulation auf Ende der Pandemie

Hallo Herr Heibel,

ich weiß, daß Sie sich ja (m.E. zu Recht) vorgenommen haben, weniger Einzelfragen zu beantworten, um mehr Zeit für Recherche zu haben.

Dennoch wäre es gut, wenn Sie folgendes Thema in einem Ihrer nächsten Updates mal kurz erwähnen würden.

Wir hatten ja mal vor einiger Zeit Tui im Portfolio, unter der Prämisse, daß der Nachholbedarf an Reisen nach „Ende“ der Pandemie sicherlich groß ist und davon u.a. Reiseveranstalter profitieren werden. Aus meiner Sicht hat sich an dieser Tatsache ja auch nicht viel geändert.

Nun haben wir ja Tui wieder aus dem Portfolio rausgeworfen und aktuell keine Aktie im Depot, die das Thema „Reisen“ abdeckt.
Von daher würde mich Ihre Meinung interessieren, ob es sinnvoll ist, diesen Sektor abzudecken und wenn ja mit welchem Titel?

Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen
Alexander aus Neunkirchen (Saarland)

 Antwort:

Oh, eine schwere Frage: Ich versuche derzeit Aktien zu finden, die möglichst unabhängig von den geopolitischen Entwicklungen sind. Da ist aktuell der BVB mein Favorit, dessen Aktie durch die Normalisierung des gesellschaftlichen Lebens nach der Pandemie wieder auf das Vorpandemie-Niveau klettern könnte. Alternativ gefällt mir als internationaler Titel auch AirBnB, aber das Bewertungsniveau ist mir dort vor dem Hintergrund der steigenden Zinsen zu hoch.


 Frage vom 17.03.2022

#Ist Beyond Meat verloren?

Schönen guten Tag Herr Heibel,

ich habe noch eine große alte Position von Beyond Meat. Ich war auch so ein "Überzeugter"
Seit Monaten geht es nun bergab und ja ... es tut ganz schön weh mittlerweile.

Meine Frage: ist es bei dieser Aktie besser zu warten, weil sie eh im Keller ist oder sollte man das durchweg schwache Umfeld nutzen, um die -50% zu akzeptieren und umzustrukturieren. Ich weiß, sie sind kein Hellseher, aber was ist denn da die wahrscheinlich bessere Option? Schief gehen kann es natürlich immer.

Viele Grüße nach Hamburg,

Tobias aus Chemnitz

 Antwort:

750 Mio. USD Jahresumsatz werden mit einem Unternehmenswert (EV) von 3 Mrd. bewertet. Das KUV steht bei 6, also noch immer abenteuerlich hoch.

Analysten erwarten ein Umsatzwachstum von 25% und ein Gewinnwachstum von 15%. Skaleneffekte sind also nicht zu sehen, im Gegenteil: Jeder zusätzliche Umsatzdollar kostet immer mehr. Beyond Meat hat nicht die Ressourcen, um die Produktion kostengünstig zu skalieren. Das war auch nie die Absicht, man will die Bauern für ihre Produkte fair entlohnen. Doch nun kommt die Konkurrenz und bietet ähnliche Produkte in größeren Mengen zu günstigeren Preisen an. Da reicht die Ideologie der First Mover bei Beyond Meat nicht aus, um den Marktanteilsgewinn der Konkurrenz aufzuhalten.

Ungeachtet der schwierigen Wettbewerbssituation sind hoch bewertete Unternehmen im Umfeld steigender Zinsen nicht beliebt.

Ich fürchte, ich würde in den sauren Apfel beißen und mich nach Alternativen Anlageorten umschauen.


 Frage vom 17.03.2022

#Abschreibung der Kosten für Nord Stream 2: Wintershall, Uniper, OMV, Engie, Shell

Lieber Herr Heibel,

Sie schreiben im aktuellen Ticker-Brief, dass sich die MuV aus der Versicherung von NS2 zurückgezogen habe.

Wissen Sie, über welche Gesellschaft die Versicherung dann läuft?

Hätten Sie eine Schätzung, um welche Größenordnung es sich handelt, wenn NS2 nicht in Betrieb geht?

Vielen Dank für Ihre Recherche!

Viele Grüße, Nikolai aus Essen

 Antwort:

Die Hälfte des 10 Mrd. EUR-Projekts Nordstream 2 wird von Gazprom finanziert. Fünf europäische Partner übernahmen jeweils rund 1 Mrd. Euro der Kosten: Shell, OMV, Engie, Uniper und Wintershall DEA.

Ob und wie die einzelnen europäischen Partner versichert sind, weiß ich nicht.

Bei der BASF-Tochter Wintershall DEA wurde vor einigen Tagen bekannt gegeben, dass die Milliarde abgeschrieben wird. Hört sich für mich nicht nach einer Versicherung an :-(. CEO Mario Mehren verurteilte den „Angriffskrieg“ Putins und verkündete, keine zusätzlichen Projekte mehr in Russland zu verfolgen. Auch Zahlungen nach Russland wurden per sofort eingestellt. Ein harter Schlag, da Wintershall rund die Hälfte seiner Gas- und Ölvorkommen in Russland betreibt. Zudem befinden sich die 30% der Anteile, die nicht im Besitz der BASF sind, im Besitz eines russischen Oligarchen Michail Fridman.

Auch Uniper, OMV, Shell und Engie (Frankreich) haben inzwischen bekannt gegeben, jeweils rund 1 Mrd. Euro aus dem Projekt abzuschreiben. Da es sich um ein politisches Projekt handelte, waren alle fünf Unternehmen davon ausgegangen, dass nur eine politische Entscheidung das Projekt stoppen könnte, was dann zu einer politischen Ausgleichszahlung geführt hätte. Davon ist derzeit keine Rede.