Leserfragen (November 2022)


 Frage vom 25.11.2022

#Adidas: Schlimmer kann's nimmer?

Hallo Herr Heibel,

mit Blick auf die Adidas Aktie scheinen nun alle negativen Meldungen eingepreist zu sein:

· Prognose gekappt
· Probleme mit China (Lockdowns)
· Schleppende Nachfrage in vielen Ländern (Konsum aufgrund steigender Kosten gebremst)
· Anstehender CEO Wechsel
· Abwicklung Russland Geschäft (Einmaleffekt)
· Hohe Lagerbestände, welche nun mit viel Werbung losgeschlagen werden dürften (wie kürzlich Nike)

In den zehn Jahren der Beobachtung des Sektors sei die Stimmung nie so negativ gewesen.

Blickt man auf 2023, könnte durch den Wegfall der Einmalaufwendungen und Kostensparprogramm sich die Aktie wieder deutlich erholen.

Ich denke es wäre nun ein guter Zeitpunkt für den Einstieg, eine Dividende wird auch ausgeschüttet.

Freue mich auf Ihre Einschätzung dazu.

Beste Grüße,

Fabian aus Traunstein

 Antwort:

Perfekt zusammengefasst, Adidas ist ganz oben auf meiner Wunschliste für den Fall, dass China von der Null-Covid-Strategie abrückt.


 Frage vom 25.11.2022

#Haier als Dividendenaktie

Sehr geehrter Herr Heibel,

Ich will es kurz machen. Bin auf die D-Aktie von Haier smart Home gestoßen, habe mich äußerst gründlich über das Unternehmen Informiert und festgestellt, dass das ein sehr solides, arbeitendes Unternehmen ist. Die Besonderheit liegt im Abschlag der in Deutschland gelisteten Aktie. Ich habe aufgrund der fundamental günstigen Bewertung und der Dividende, die für die Deutsche Aktie in selber Höhe ausgezahlt wird in Haier investiert.

Können Sie mir den Bewertungsabschlag erklären und mitteilen ob ich vielleicht doch wieder aus der Aktie aussteigen sollte, weil evtl. ein Delistung drohen könnte.

Mit freundlichen Grüßen

Kai-Uwe aus Fritzlar

 Antwort:

Haier ist in Hongkong gelistet, also ein chinesisches Unternehmen. Es ist schwer genug, Unternehmen zu finden, die mit unseren Bilanzierungsgrundsätzen gute Geschäfte in China machen, ich arbeite daran. Doch chinesische Bilanzen zu durchforsten, auch wenn sie in englisch oder deutsch verfügbar sind, macht wenig Sinn, wie wir in den vergangenen Monaten gesehen haben: die Zahlen sind nicht verlässlich. Zudem ist die IR-Seite von Haier nicht verfügbar, das macht auch keinen guten Eindruck.


 Frage vom 25.11.2022

#TAG Immobilien mit 12% Dividendenrendite

Lieber Herr Heibel,

habe Sie eine akt. Meinung zu Dt. Immobilenaktien (siehe Anhang) insbesondere zur TAG Immobilien?

https://www.tag-ag.com/investor-relations/prognose

Dividende laut Prognose TAG AG für 2022E 0,81 Euro bei Kurs 6,60 Euro --- Div.-Rendite 12,3%.

Mit freundlichen Grüßen

Uwe aus Stuttgart

 Antwort:

Ich schaue mir Immobilienaktien grundsätzlich nicht an, da die meisten meiner Kunden, genau wie ich, mit einem Eigenheim ohnehin bereits einen großen Teil des Vermögens in Immobilien stecken haben. Grundsätzlich sind Immobilienaktien mMn in den kommenden Jahren unter Druck, weil die Zinsen steigen. In diesem Umfeld könnte eine Dividendenrendite von 12% eher als Warnung gelten. Ich habe mir Ihren Link angeschaut, dort steht unter einem Sternchen, dass die Dividende für 2022 (zahlbar im Frühjahr 2023) „zur weiteren Stärkung der Kapital- und Finanzierungsbasis ausgesetzt“ ist.


 Frage vom 24.11.2022

#Netflix unter Wettbewerbsdruck, Nemetschek solide aufgestellt

Hallo Herr Heibel,

mich würde Ihre Meinung zu den 2 Aktien interessieren. Netflix als angeschlagene Platzhirsch, jetzt mit neuem Abo mit Werbung und Kooperation mit Microsoft. Vielleicht steigen die Abo Zahlen doch wieder?

Nemetschek ist für mich eine Nischenfirma mit den entsprechenden Burggräben, wenn die ihr Wachstum wieder aufnehmen, sollte m. M.n. ein Anstieg zwingend sein.

Viele Grüße
Thomas aus Dresden

 Antwort:

Bei Netflix lässt das Umsatzwachstum nach. Zwar soll der Gewinn in den kommenden Jahren noch mit 19% p.a. anwachsen, doch der Umsatz bleibt mit 10% p.a. dahinter zurück. Das heißt, das Unternehmen ist nun in die Melk-Phase übergegangen, möchte den vorhandenen Umsatz stärker kapitalisieren. Das finde ich gut, aber das Unternehmen ist bereits hochprofitabel (operative Marge 18%) und muss sich gegen den Wettbewerb absichern. Das heißt, es wird ein Spagat nötig: Mit besseren Inhalten dem Wettbewerb Paroli bieten, gleichzeitig jedoch die Gewinnmarge ausweiten, also weniger investieren. Das gefällt mir nicht.

Nemetschek gefällt mir da schon besser, aber auch diese Aktie ist in meinen Augen noch zu hoch bewertet. 10-12% Umsatz- und Gewinnwachstum sind für das Geschäftsmodell, das sich durch langfristig treue Kunden auszeichnet, gut genug. Die Gewinnmarge von 32% (EBITDA) spiegelt diese gute Wettbewerbssituation allerdings bereits deutlich wider. Immerhin zahlt das Unternehmen sogar eine Dividende (Rendite 0,8%), die Bilanz würde sogar eine deutlich höhere Dividende zulassen. Unterbewertet ist das Unternehmen auf dem aktuellen Kursniveau nicht. Vielmehr wurden die Exzesse der vergangenen Jahre abgebaut. Doch langfristig sollte diese Aktie eine solide Entwicklung vollziehen.


 Frage vom 19.11.2022

#Wandelbarkeit von Linde nach DAX-Abschied

Guten Tag Herr Heibel,

ich bin neu im Schnupper-Abo und habe schon gleich eine Frage: Sie haben Linde im PF, eine Aktie, die auch bei mir auf der Favoritenliste steht. Ich habe gelesen, dass Linde den Dax verlassen will. Was bedeutet das für die Handelbarkeit in Deutschland? Wenn ich jetzt Linde kaufe, muss ich damit rechnen, dass ich die dann die Aktie später nicht wieder über deutsche Börsen verkaufen kann?

Ein Kriterium, das auch bei schweizer Aktien zutrifft, weshalb diese für mit nicht infrage kommen, da nur handelbar über Zürich und Nasdaq mit entsprechend hohen Transaktionskosten bei deutschen Banken/Brokern.

Vielen Dank im voraus für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Ellen aus Mühltal

 Antwort:

Seit Mitte 2019 können Schweizer Aktien nicht mehr über deutsche Börsen gekauft werden. Die EU hat der Schweiz die Äquivalenz der Handelsplätze aberkannt, was europäische Anleger verpflichtet hätte, Schweizer Aktien über deutsche Handelsplätze zu kaufen. Um dieser Einschränkung entgegen zu wirken, haben die Schweizer den Handel der Schweizer Aktien außerhalb der Schweiz verboten. Wenn ich den Kommentaren der Beteiligten glaube, dann handelt es sich bei dem Vorgang um ein politisches Kräftemessen auf dem Finanzmarkt, leider.

In den folgenden zwei Jahren waren die Verhandlungen ergebnislos, so dass dieser Zustand seit Mitte 2021 nun dauerhaft gilt. Deutsche, die Schweizer Aktien kaufen wollen, müssen ihren Broker beauftragen, über die Schweizer Börse zu Schweizer Franken und höheren Gebühren zu kaufen. Alternativ gibt es einige außerbörslich Handelsplattformen (Lang & Schwarz Tradecenter, Baader Bank), die den Handel mit einigen Schweizer Aktien auf eigene Rechnung anbieten. Die Verwahrstelle bleibt aber auch in diesem Fall in der Schweiz.

Mit den US-Börsen haben wir in Deutschland entsprechende Abkommen, die den Handel von US-Aktien über deutsche Börsen ermöglichen. Die Kurse werden kontinuierlich mit den Kursen an der US-Börse abgeglichen und gleich gehalten, allerdings funktioniert das nur zu sich überschneidenden Handelszeiten, also von 15:30 Uhr bis 17:30 Uhr deutscher Zeit. Am Vormittag unterliegen die Kurse von US-Aktien an deutschen Börsen teilweise starken Schwankungen, daher sende ich meine Handelsempfehlungen zu US-Aktien in der Regel erst am Nachmittag aus.

Das wird auch bei Linde so sein, da brauchen Sie sich keine Sorgen machen.


 Frage vom 17.11.2022

#Palo Alto Networks oder Check Point Software

Sehr geehrter Herr Heibel,

Schon lange folge ich Ihrem Börsenbrief und finde Ihre Analysen sehr treffsicher und zutreffend.

Heute habe ich eine Frage zu Checkpoint Software (CHKP) und Palo Alto Networks (PANW). Sicherheitssoftware ist meines Erachtens ein langfristiger Trend, auf den ich gerne setzen möchte. Wegen Ihrer überragenden Bedeutung für Privatpersonen und Unternehmen, aber auch befeuert durch z.B. die Ukrainekrise, sollte die Branche langfristig zu den Gewinnern gehören.

Ich denke, Sie sehen das ähnlich, denn Sie sehen Palo Alto Networks (PANW) positiv. In Zeiten von steigenden Zinsen sind m.E. Unternehmen, die Verluste erwirtschaften, nicht mehr vorteilhaft. Im Folgenden beziehe ich mich auf die Jahresabschllüsse 2021 und eher. PANW erzielte in den letzten sieben Jahren, mit einer Ausnahme (2019), immer einen positiven FCF, was darauf hindeutet, dass sie in Wahrheit profitabel sind. Auf der anderen Seite hat CHKP in den letzten 9 Jahren über 40% Gewinn nach Steuern vom Umsatz, hatte immer positiven und in absoluten Beträgen höheren FCF als PANW.
CHKP hat nicht so hohe Wachstumszahlen wie PANW (lediglich ca 7% gegenüber 32% in den letzten Jahren).

Dafür jedoch hat CHKP 55% Eigenkapital an der Bilanzsumme (PANW 2%!). CHKP ist schuldenfrei und hat sein EK in Cash auf dem Konto liegen. PANW ist, wenn auch nur leicht, verschuldet. Wenn wir eventuell auf eine Rezession zumarschieren, ist Resilienz im wahrsten Sinne überlebenswichtig. Vergleiche ich die Marktkapitalisierung, ist PANW mit ca. 48 Mrd. € bewertet und CHKP mit nur 16 Mrd. €.

Können Sie mir bitte helfen zu klären, warum die Bewertung der Börse so unterschiedlich ausfällt? Welche der beiden soll ich kaufen?

Vielen Dank im Voraus.
Ihr Ulrich aus Mühlacker

 Antwort:

Für Palo Alto wird für die kommenden fünf Jahre ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 25% p.a. erwartet, bei Check Point Software nur 7%. Während Check Point Software die dezentral genutzten IT-Geräte dezentral absichert, hat Palo Alto die Sicherheit in eine Cloud verlegt. Das lässt sich viel besser skalieren, wie man sieht. Daher ist Palo Alto so viel höher bewertet.

Mir gefällt Palo Alto, das Unternehmen, sehr gut, doch die Aktie ist mir zu teuer. Ich würde mir einen weiteren Kursrückgang wünschen :-).


 Frage vom 17.11.2022

#Bitcoin ETC

Hallo Herr Heibel,

Meine Bitcoin Anlage ist diese Adresse: Underlying Tracker ETC Issuance GmbH 2020-open end auf BTC, DE 000A27Z304 Anlagewährung in USD. Wurde damals von Ihnen als Anlagemöglichkeit erwähnt. Soviel ich weiss wird Dollar-Anlage mit Bitcoin verglichen. Geht Bitcoin rauf, geht auch Dollar-
Anlage rauf.

Frage:Wie sicher ist diese Adresse und wenn ja, würde ich noch etwas investieren da ich um $30 eingestiegen bin. Momentaner Kurs ca $17.- Da ich bei Krypto-Wärungen keine Ahnung habe, aber Ihre Einschätzung teile,das der Bitcoin sich wieder erholt,(wie auch andere Titel Ihrer Einschätzungen) würde ich noch etwas $ riskieren.

Es würde mich freuen wenn sie bei Gelegenheit diesen Titel beurteilen könnten. Ansonsten freue ich mich auf jedes Wochenende Ihren fundierten Börsenbrief zu lesen.

Mit bestem Dank für ihre Bemühungen grüsst
Ruedi aus Einsiedel, Schweiz.

 Antwort:

Die Kryptowelt ist noch immer nicht reguliert. Ich habe Ihnen daher eine Broker herausgesucht, der sich den deutschen Bankenregulierungen unterworfen hat. Ihre Bitcoins bei Bitwala/ Nuri waren sicher und konnten von Ihnen trotz der Insolvenz des Unternehmens problemlos versilbert oder auf ein anderes Wallet transferiert werden.

Den Bitcoin ETC habe ich empfohlen, weil er zu 100% mit echten Bitcoins hinterlegt ist. Der Betreiber, ETC Issuance GmbH, hat sich ebenfalls dem deutschen Recht unterworfen. Sie können also jederzeit Ihre in diesem ETC befindlichen Bitcoins an ein Wallet liefern lassen, oder aber ihre Anteile verkaufen. Die Bitcoins dürften meinen Recherchen zufolge nicht verloren gehen, auch wenn die Kryptowelt vollständig kollabiert.

Der Unterschied zur BitBox02, die ich vorgezogen habe, ist, dass die Finanzmärkte in turbulenten Zeiten vorübergehend geschlossen werden können, oder aber dass der Handel vorübergehend beeinträchtigt sein kann. In der großen Finanzkrise 2008 haben einige Emittenten den Handel der von ihnen emittierten Papiere temporär eingestellt, Sie mussten damals bis zu 2 Monate warten, bis Sie über Ihre Anteile wieder verfügen konnten.

Grundsätzlich vergleiche ich die Zerstörung der Kryptowelt mit dem Platzen der Internetblase 2000 bis 2003. Damals dauerte es drei Jahre und am Ende blieb nur ein gutes Dutzend Internetunternehmen übrig, bspw. Amazon und Google. Die Kryptowelt besteht aus dem Bitcoin als einzige Währungsalternative der Kryptowelt und über eintausend Unternehmensideen, genannt Token oder ähnlich. Ich gehe davon aus, dass der Bitcoin auch in drei Jahren noch existieren wird. Doch bei den tausenden anderen Kryptoangeboten, inklusive Cardano und auch Ethereum, bin ich mir nicht ganz so sicher.

Leider wird der Bitcoin mit den anderen Kryptoangeboten in einen Topf geworfen und wann immer ein Token kaputt geht, wird der Bitcoin ebenfalls ausverkauft. Ich will also nicht ausschließen, dass der Bitcoin noch deutlich tiefer gehen kann. Aktuell bei 17.000 USD kann es durchaus auch noch unter 10.000 USD, vielleicht sogar unter 7.000 USD gehen. Ich habe daher keine Eile, noch ein wenig Bitcoin nachzukaufen.


 Frage vom 17.11.2022

#Aktualität von Datenquellen

Hallo Herr Heibel,

als Datenquelle für Langfrist Wachstum und Gewinn pro Aktie benutze ich üblicherweise Finanzen.net oder Finance.yahoo.

Ich habe gesehen, dass Sie üblicherweise die comdirekt [K] Plattform nutzen.

Wissen Sie aus Erfahrung wie oft die Daten auf diesen Plattformen aktualisiert werden? Ist es Q-weise?

Würde mich interessieren, um zu wissen, wie oft ich meine Kalkulationen anpassen muss 😉

Danke!

Vg Fabian aus Traunstein

 Antwort:

Täglich :-(.

Je nachdem, welche Zahlen Sie interessieren, gehen unterschiedliche Quellen ein. Für die von Ihnen genutzten Wachstums- und Gewinnaussichten - ich gehe davon aus, dass Sie die Aussichten meinen - gibt es täglich neue und angepasste Analystenschätzungen, die nach Veröffentlichung in die Datenbank eingegeben werden und entsprechende Ziffern/ Durchschnittswerte beeinflussen.

Wann genau Analysten ihre Einschätzungen überarbeiten, ist leider nicht bekannt.


 Frage vom 10.11.2022

#Wann kauft man Big Tech und Chip-Aktien zurück

Hallo Herr Heibel,

auch wenn sie es bereits oft gesagt haben - bei mir sinkt es leider erst jetzt so langsam ein:
Zwischen Unternehmen und Aktie zu differenzieren.

Ich bin nach wie vor von den meisten BigTechs (Alphabet, Amazon, Microsoft) und Chip-Herstellern (Marvell, Nvidia, AMD) als Unternehmen überzeugt.
Dazu dann noch Disney als Content-Lieferant mit eigener Streaming-Plattform.

Ich werde nun in den sauren Apfel beißen müssen und die Positionen verkaufen bzw. im Fall von Microsoft reduzieren (da war es "nur" der USD).
Ich stelle mir allerdings auch sogleich die Frage: Wann und zu welchem Kurs wieder einsteigen?
Auf welche Trigger muss man achten?
Breakeven von Zins und Inflation? (bzw. sobald dieser zeitlich greifbar wird - die Börse handelt die Zukunft)
Auf bestimmte KGVs bzw. KUVs, PEG, ...? (unter Berücksichtigung der Cashreserven der Unternehmen)

Ich bin noch nicht bereit, die Aktien der Unternehmen, von denen ich nach wie vor überzeugt bin, für die nächste Dekade "abzuschreiben". :)

Danke für eine kleine Hilfestellung.

Mit freundlichen Grüßen
Daniel aus Essen

 Antwort:

Wer in den kommenden Jahren als Schwerpunkt auf Technologie- und Wachstumsaktien setzt, wird nicht mit der Performance der breiten Aktienmärkte mithalten können. Wachstum ist in Zeiten hoher Inflation zu teuer.

Mag sein, dass das eine oder andere ehemalige Wachstmsunternehmen zu einem Versorger und/oder einer Dividendenaktie wird. Bei Apple kann ich mir das gut vorstellen, eigentlich auch bei Microsoft. Aber der einstige technologische Vorsprung der Tech-Giganten wird kleiner, der Wettbewerb härter und entsprechend werden die Aktien nicht mehr so einfach weiterlaufen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Tech-Giganten mit Marktkapitalisierungen von 1 Billionen USD und mehr eine beliebte Quelle für Liquidität darstellen: Große Fonds, die neue Investmentideen verfolgen möchten, suchen nach Möglichkeiten im bestehenden Portfolio, Liquidität zu schaffen. Das geht am leichtesten und marktschonendsten bei den großen Tech-Giganten. Ich fürchte, das wird auf Sicht einiger Jahre so bleiben und könnte verhindern, dass diese Aktien neue Hochs erklimmen.

Also: Wann Sie Wachstumsaktien wieder kaufen sollen? Nun, wenn die Inflation niedriger ist als der Leitzins … und das könnte einige Jahre dauern.


 Frage vom 10.11.2022

#Schweizer Franken als Absicherung

Hallo Herr Heibel,

die Politik der EU,insbesondere der EZB bereitet mir zunehmend Sorgen.Wie schätzen sie den Schweizer Franken als relativ sichere und wertbeständige Währung ein?

Mit freundlichen grüßen aus dem Vogtland

Knut aus Plauen

 Antwort:

Nicht ohne Grund bleiben die Schweizer dem Eurosystem fern. Doch die Schweiz ist zu klein, um sich unabhängig vom Euro zu machen. Sollte es um den Euro zu Turbulenzen kommen, so wird das den Schweizer Franken ebenfalls in Mitleidenschaft ziehen. Als eine unter mehreren Absicherungsstrategien ist es sicherlich eine gute Idee, ein paar Schweizer Franken zu halten. Doch ich würde mich nicht allein darauf verlassen.


 Frage vom 10.11.2022

#Dividendenaktien: Stanley Black & Decker vs. Snap-On

Lieber Herr Heibel,

was macht SNA soviel besser als SWK?

Sehen Sie eine Chance auf einen Turnaround bei SWK?

VG, Nikolai aus Essen

 Antwort:

Da haben Sie mich ganz schön arbeiten lassen. Stanley Black & Decker erfüllt tatsächlich ebenfalls alle meine Kriterien für eine qualifizierte Dividendenaktie.

Bei der direkten Gegenüberstellung der Zahlen von Snap-On und Stanley Black & Decker gibt es ein Kopf-an-Kopf Rennen: Beide haben in den vergangenen 10 Jahren jedes Jahr die Dividende erhöht. Die Ausschüttungsquote der beiden ist ähnlich. Doch im Umsatzwachstum der kommenden drei Jahre hat Snap-On mit erwarteten 8,4% p.a. die Nase vorn gegenüber Stanley Black & Decker mit nur erwarteten 3,2%. Das führt bei Snap-On zu einem höheren erwarteten Free Cashflow in den kommenden Jahren, und gerade der Free Cashflow ist für Dividendentitel wichtig.

Aber der viel wichtigere Unterschied zwischen den beiden Unternehmen ist der, dass Stanley Black & Decker zu einem großen Teil in China produzieren lässt und durch die permanenten Lockdowns stark betroffen ist, während Snap-On zum größten Teil in den USA produziert. Mag sein, dass in den kommenden Monaten, sollte China Corona in den Griff bekommen, Stanley Black & Decker ein wenig aufholt gegenüber Snap-On, doch ich habe mich bewusst dafür entschieden, bei Dividendenaktien so viele Risiken wie möglich auszuschließen … und China läuft bei mir derzeit als „Risiko“.


 Frage vom 03.11.2022

#MSCI World vs. S&P500 equal weight

Hallo Herr Heibel,

zunächst einmal vielen Dank für die wertvollen Infos im letzten Video-Call. Gern möchte ich eine im Call gestellte Frage aufgreifen, mit der ich mich bereits länger beschäftige. Es wurde die Frage zum Standard-ETF Basis-Invest gestellt, dem MSCI World ETF. Diesen halten Sie aktuell für "kaufenswert".

Was den Zeitpunkt angeht, bin ich bei Ihnen. Jedoch zeigen die geopolitischen Entwicklungen sowie auch die aktuelle Energiepolitik einhergehend mit der Abhängigkeit Europas, dass die USA langfristig deutlich besser positioniert und unabhängiger sind als zB Europa oder UK, die einen wesentlichen Teil der 30% nicht-US Aktien im MSCI World ausmachen.

Als Konsequenz plane ich meinen regelmäßigen Sparplan auf 100% USA umzustellen. Der S&P500 ist aktuell zu Tech-lastig. Als hervorragende Alternative sehe ich den S&P500 equal weight, der sogar den S&P500 ETF über die letzten 5 Jahre outperformed hat - trotz Tech.

Ihre Einschätzung würde mich sehr interessieren. Vielen Dank im Voraus.

Viele Grüße
Christoph aus Bochum

 Antwort:

Die USA gehen endlich konsequent gegen China vor und holen viel Industrie nach Hause zurück. Dieser Trend wird auch unter Präsident Joe Biden fortgesetzt, ohne dass er der Kritik seines Vorgängers dafür ausgesetzt ist.

Auch die Geldpolitik in den USA ist konsequent, wie ich in der aktuellen Ausgabe ausführe. Und um die Tech-Giganten zu umgehen, klingt Ihre Überlegung erst einmal sehr gut, ich kann das gut nachvollziehen.

Allerdings würde ich weder die Schwellenländer noch China abschreiben. Und wenn China sich erholen sollte, dann wird auch Europa und insbesondere Deutschland davon profitieren. Wir wissen einfach nicht, was als Nächstes passieren wird und daher ist eben insbesondere für Fonds- oder ETF-Sparer wichtig, einen breit gefächerten Fonds auszuwählen.

Neben dem MSCI World gibt es noch den MSCI ACWI IMI Index, der die gesamte investierbare Welt zu 99% abzubilden versucht. Doch auch dort machen die US-Tech-Giganten Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet und Tesla bereits über 11% des gesamten Portfolios aus. Vielleicht nimmt man einen solchen ETF zu 60% und mischt ihn mit einem MSCI Emerging Markets ETF, der die Schwellenländer abbildet. Um Ihrer Erwartung der besonders guten Entwicklung der kleineren US-Unternehmen Rechnung zu tragen, können Sie dann ja bspw. 20% in einen entsprechenden ETF investieren. Dann haben Sie mit 3 ETFs eine aktuelle und breit gestreute Anlagestrategie :-).


 Frage vom 03.11.2022

#Apple, Foxconn und Chinas Lockdowns

Sehr geehrter Herr Heibel,

leider konnte ich bei beim Videostreaming meine Frage nicht anbringen, irgend etwas hat eben nicht funktioniert.

Also hole ich die Frage nach, weil ich denke, das Thema könnte von allgemeinem Interesse sein:

Wird das Weihnachtsgeschäft von Apple mehr oder doch nur etwas durch die Probleme beim grössten Zulieferer bzw. Hersteller Foxconn beeinträchtigt? Wissen Sie mehr oder wie schätzen Sie die Lage ein?

Beste Grüsse

Hasso aus der Schweiz

 Antwort:

Der Erfolg oder Misserfolg von Apple hängt nicht alleine am - zugegebenermaßen größten - Zulieferer Foxconn. Apple hat seine Lieferantenstruktur in den vergangenen Jahren sehr stark diversifiziert. Die einstig sehr große Abhängigkeit vom chinesischen Foxconn ist ein wenig kleiner geworden. Wenn nun also aufgrund der Null-Covid Politik große Teile der Foxconn-Fertigung still liegen, dann werden andere Lieferanten Zusatzschichten fahren, um den Produktionsausfall auszugleichen.

Tim Cook, CEO von Apple, ist dafür bekannt, gerade das operative Geschäft gegen alle Eventualitäten abzusichern. Es würde mich nicht wundern, wenn Apple trotz der Schließung großer Teile Foxconns sogar seine Produktionsziele erreicht oder gar übertrifft.

Viel wichtiger für Apple ist der Absatzmarkt China. Und der schwächelt, weil Präsident Xi sich anschickt, im Stile Mao Zedongs China wieder stärker in Richtung Kommunismus umzubauen. Die Wachstumsraten sind eingebrochen, China ist nicht mehr der Wachstumsmotor der Welt. Zum einen die Null-Covid-Strategie und zum anderen die Kommunismus-Bestrebung haben dem Wachstum zugesetzt.

Kommunismus-Bestrebung: Präsident Xi wurde vor wenigen Tagen für eine dritte Amtszeit zum Parteivorsitzenden gewählt und wird daher auch eine weitere Amtszeit als Präsident absolvieren. Bislang durfte man nur zwei Amtszeiten absolvieren, diese Begrenzung hat Präsident Xi beseitigt. Wir dürfen uns daher darauf einstellen, dass Präsident Xi auf Lebenszeit Chinas Präsident bleiben wird. Seine Politik hat sich von seinen Vorgängern abgewendet, symbolisch ließ er auf dem Parteitag seinen Amtsvorgänger Hu Jintao abführen.

Null-Covid: Die Null-Covid Politik lässt sich nicht ewig fortführen. Auch Präsident Xi merkt, dass westliche Unternehmen ihr Netzwerk internationaler ausrichten, also aus China abwandern, um sich gegen das Risiko eines Lockdowns abzusichern. China gehen dadurch Geschäft verloren, das darf nicht ewig so weitergehen.

Ein Kauf der westlichen mRNA-Impfstoffe lässt der Stolz Chinas nicht zu. In diesen Tagen mehren sich die Gerüchte, dass China einen eigenen mRNA-Impfstoff habe, der vor der Zulassung steht. Was der Westen innerhalb eines Jahres entwickelt hat, könnte China innerhalb von zwei Jahren kopiert haben, würde ich boshaft behaupten. Wie dem auch sei, sollte China einen mRNA-Impfstoff vorstellen und damit die Null-Covid Strategie beenden, so würde das die Abwanderung der ausländischen Unternehmen verlangsamen und dürfte einen neuen Wachstumsimpuls erwarten lassen. Das wäre positiv für Apple, für die globale Konjunktur und damit auch für den DAX. Diese Möglichkeit sollten wir im Hinterkopf behalten.