| Antwort: Zu 2.: Wir haben eine „Unternehmens“-Anleihe. Unsere Anleihe wurde vom Unternehmen Südzucker ausgegeben und wird variabel, in Abhängigkeit vom Marktzins (Euribor) verzinst.
Sie haben mir „Aktien“-Anleihen vorgeschlagen. Die Unternehmen Infineon, Volkswagen oder Amazon haben damit nichts zu tun. Es sind Emittenten (Banken/Broker), die diese Aktienanleihe ausgeben und versprechen, einen hohen Zins zu zahlen, falls die Aktie ansteigt. Sollte die Aktie jedoch fallen, erhalten Sie zwar den hohen Zins, aber nur einen Bruchteil Ihres Investments zurück.
Auf Seite 2 des Verkaufsprospekts zur VW-Anleihe werden die Szenarien klar definiert: Wenn die Aktie stabil läuft, erhalten Sie in einem Jahr Ihr Investment plus 10,19% zurück. Wenn die Aktie eine fulminante Rallye hinlegt, erhalten Sie ebenfalls nur Ihr Investment plus 10,19% Zinsen zurück. Sie geben Ihr Geld also in fremde Hände und erzielen maximal 10,19% Gewinn.
Auf der anderen Seite würde eine schlechte Kursentwicklung zu einer reduzierten Rückzahlung führen, was eine Rendite von -25,17% nach sich ziehen würde. Kommt es zum Crash, dann könnten Sie sogar 85% Ihres eingesetzten Kapitals verlieren.
Mit einer solchen Aktienanleihe beschränken Sie also Ihre Gewinnmöglichkeit, Ihr Verlustrisiko ist jedoch gleichzeitig unbegrenzt. Ich halte das für Schwachsinn.
Wenn Sie von einem Unternehmen überzeugt sind, dann sollten Sie sich die Aktie kaufen. Im Erfolgsfall sind Ihre Gewinnmöglichkeiten nach oben unbegrenzt. Sollten Sie falsch liegen, müssen Sie irgendwann die Reißleine ziehen und einen Verlust realisieren. Wie viel Verlust Sie akzeptieren können, das können Sie für sich selbst definieren.
Aktienmärkte schwanken. Einzelne Aktien schwanken noch stärker, sowohl nach oben als auch nach unten sind die Ausschläge mitunter sehr groß. Gute Unternehmen laufen dann aber über die Zeit nach oben deutlich besser und kompensieren für die Ausreißer nach unten. Da sind zweistellige Renditen p.a. keine Seltenheit. Ich verstehe wirklich nicht, warum man sich mit einer Aktienanleihe die Gewinnmöglichkeiten beschränken möchte, während man die Verluste im Zweifel ausufern lässt.
Ach, Sie meinen die „Barriere“? 20% „darf“ die Aktie also nach unten rutschen, ohne dass die Rückzahlung gefährdet ist.
Wenn Sie sich die Performance der Volkswagenaktie in den vergangenen vier Jahren anschauen, dann sieht das nach einer intelligenten Herangehensweise aus: Im Jahr 2019 betrug die Jahresperformance von VW -1%, im Jahr 2020 lag die Performance trotz Corona bei +8%, 2021 folgten dann -4% und selbst im Jahr 2022 kam VW mit -5% über die Ziellinie. Bei dieser Statistik sieht eine Barriere von 20% sehr gut aus.
Doch die Jahresperformance ist eher ein Zufallswert, genauso wie die Performance der VW-Aktie zum Stichtag der von Ihnen vorgeschlagenen Aktienanleihe: 15.12.2023. Denn zwischenzeitlich schwankt die Aktie sehr stark. Im Jahr 2019 lagen Hoch und Tief 27% auseinander, im Jahr 2020 waren es sogar 58%. Im Jahr 2021 betrug die Schwankungsbreite 44% und im Jahr 2022 waren es 42%.
Also wenn ich mir die Risiko/Chance-Relation für diese Aktienanleihe anschaue, kann ich nicht verstehen, dass Anleger so einen Quatsch kaufen. Tut mir leid, wenn ich hier so deutlich werde, aber solche Aktienanleihen sind mir schon lange ein Dorn im Auge.
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