Leserfragen (Januar 2023)


 Frage vom 23.01.2023

#Aktienanleihe: Quatsch mit Soße

Sehr geehrter Herr Heibel,

vielen Dank für die stets spannende und lehrreiche Lektüre!

Ich habe heute eine Frage (nach rund 1,5 Jahren als Kunde bei Ihnen tatsächlich das erste Mal 😄):

Ich wurde heute auf 3 „neue“ Anleihen mit einer auf den ersten Blick ziemlich hohen Verzinsung aufmerksam gemacht. Ich füge Ihnen den Link ein: https://broker-test.de/trading-news/aktienanleihen-mit-bis-zu-122-p-a/

Es geht hierbei um Infineon, Volkswagen und Amazon. Was halten Sie von diesen Anleihen?

Speziell zu Volkswagen und Infineon würde mich Ihre Meinung interessieren, ggf. auch im Vergleich zur Südzucker-Anleihe, in die ich bereits seit einiger Zeit investiert bin.

Vielen Dank im Voraus und beste Grüße aus Chemnitz bzw. aktuell gerade von Rasdhoo in den Malediven, Sven

 Antwort:

Zu 2.: Wir haben eine „Unternehmens“-Anleihe. Unsere Anleihe wurde vom Unternehmen Südzucker ausgegeben und wird variabel, in Abhängigkeit vom Marktzins (Euribor) verzinst.

Sie haben mir „Aktien“-Anleihen vorgeschlagen. Die Unternehmen Infineon, Volkswagen oder Amazon haben damit nichts zu tun. Es sind Emittenten (Banken/Broker), die diese Aktienanleihe ausgeben und versprechen, einen hohen Zins zu zahlen, falls die Aktie ansteigt. Sollte die Aktie jedoch fallen, erhalten Sie zwar den hohen Zins, aber nur einen Bruchteil Ihres Investments zurück.

Auf Seite 2 des Verkaufsprospekts zur VW-Anleihe werden die Szenarien klar definiert: Wenn die Aktie stabil läuft, erhalten Sie in einem Jahr Ihr Investment plus 10,19% zurück. Wenn die Aktie eine fulminante Rallye hinlegt, erhalten Sie ebenfalls nur Ihr Investment plus 10,19% Zinsen zurück. Sie geben Ihr Geld also in fremde Hände und erzielen maximal 10,19% Gewinn.

Auf der anderen Seite würde eine schlechte Kursentwicklung zu einer reduzierten Rückzahlung führen, was eine Rendite von -25,17% nach sich ziehen würde. Kommt es zum Crash, dann könnten Sie sogar 85% Ihres eingesetzten Kapitals verlieren.

Mit einer solchen Aktienanleihe beschränken Sie also Ihre Gewinnmöglichkeit, Ihr Verlustrisiko ist jedoch gleichzeitig unbegrenzt. Ich halte das für Schwachsinn.

Wenn Sie von einem Unternehmen überzeugt sind, dann sollten Sie sich die Aktie kaufen. Im Erfolgsfall sind Ihre Gewinnmöglichkeiten nach oben unbegrenzt. Sollten Sie falsch liegen, müssen Sie irgendwann die Reißleine ziehen und einen Verlust realisieren. Wie viel Verlust Sie akzeptieren können, das können Sie für sich selbst definieren.

Aktienmärkte schwanken. Einzelne Aktien schwanken noch stärker, sowohl nach oben als auch nach unten sind die Ausschläge mitunter sehr groß. Gute Unternehmen laufen dann aber über die Zeit nach oben deutlich besser und kompensieren für die Ausreißer nach unten. Da sind zweistellige Renditen p.a. keine Seltenheit. Ich verstehe wirklich nicht, warum man sich mit einer Aktienanleihe die Gewinnmöglichkeiten beschränken möchte, während man die Verluste im Zweifel ausufern lässt.

Ach, Sie meinen die „Barriere“? 20% „darf“ die Aktie also nach unten rutschen, ohne dass die Rückzahlung gefährdet ist.

Wenn Sie sich die Performance der Volkswagenaktie in den vergangenen vier Jahren anschauen, dann sieht das nach einer intelligenten Herangehensweise aus: Im Jahr 2019 betrug die Jahresperformance von VW -1%, im Jahr 2020 lag die Performance trotz Corona bei +8%, 2021 folgten dann -4% und selbst im Jahr 2022 kam VW mit -5% über die Ziellinie. Bei dieser Statistik sieht eine Barriere von 20% sehr gut aus.

Doch die Jahresperformance ist eher ein Zufallswert, genauso wie die Performance der VW-Aktie zum Stichtag der von Ihnen vorgeschlagenen Aktienanleihe: 15.12.2023. Denn zwischenzeitlich schwankt die Aktie sehr stark. Im Jahr 2019 lagen Hoch und Tief 27% auseinander, im Jahr 2020 waren es sogar 58%. Im Jahr 2021 betrug die Schwankungsbreite 44% und im Jahr 2022 waren es 42%.

Also wenn ich mir die Risiko/Chance-Relation für diese Aktienanleihe anschaue, kann ich nicht verstehen, dass Anleger so einen Quatsch kaufen. Tut mir leid, wenn ich hier so deutlich werde, aber solche Aktienanleihen sind mir schon lange ein Dorn im Auge.


 Frage vom 23.01.2023

#Kommerzielle Nutzung des Satellitennetzes

Hallo Herr Heibel,

ich verfolge ihren Börsenbrief ja jetzt schon über mehrere (15?) Jahre, auch wenn ich zwischendurch nur ein "Standard" Bezieher war.
Ich denke, der nächste große Boom wird das Internet über Satellit werden, wo man überall auf der Welt mobilen Internetzugang haben wird.
Bisher zeichnet sich ja ab, dass Elon Musk und Jeff Bezos wahrscheinlich das Rennen unter sich ausmachen werden, aber egal, wer das machen wird, werden wahrscheinlich andere kleinere Firmen direkt von dem neuen Geschäft stark profitieren. Qualcomm liefert ja momentan die Chips für die Smartphones um sich mit den Satelliten von Iridium zu verbinden. Wenn man sich überlegt, dass jedes mobile Gerät (Autos, Handys, Tablets...) in Zukunft Chips brauchen, die sich mit Satelliten verbinden können, dann sehe ich da ein enormes Potential für die Zukunft.
Vielleicht kann man ja frühzeitig ein weiteres Juwel finden (MS, Apple, Google, Amazon), bevor die Börse das Potential des Marktes erkennt.
Ihre Meinung dazu würde mich wirklich sehr interessieren und eventuell ist es ja auch für die Leser Ihres Börsenbriefes interessant.

Mit freundlichen Grüßen
Ralf aus Ottobrunn

 Antwort:

Wenn es ums autonome Fahren geht, wird Tesla die Nase vorn haben, weil enorme viele Daten über das Internet ausgetauscht werden müssen, und da ist Elon Musk mit seinem eigenen Satellitennetz im Vorteil ggü. Mercedes, Toyota, aber auch Google (Waymo) oder Apple. Die Kapazität der 5G-Mobilfunknetze reicht nicht ansatzweise aus, um die Daten zu transportieren, die künftig zwischen autonom fahrenden Autos ausgetauscht werden.

Aber ich bin ungern bei sehr jungen Technologien dabei, da von der technischen Realisierung bis zum wirtschaftlichen Erfolg ein weiter Weg ist, auf dem viele innovative Unternehmen aus finanziellen Gründen auf der Strecke bleiben. Mit anderen Worten: Die kommerzielle Nutzung des Satellitennetzes steckt noch in den Kinderschuhen, da warte ich noch ein wenig.


 Frage vom 18.01.2023

#Kernfusion

Gutes Neues !!!
Welches ist Ihrer Meinung nach, das erfolgversprechende Unternehmen in dem Bereich: Energie durch Kernfusion

Danke schön im voraus
Treuer Leser von Anfang an, Michael aus Freiburg

 Antwort:

Wenn es gerade erstmalig gelungen ist, die Kernfusion so durchzuführen, dass am Ende mehr Energie entstehet als eingesetzt wurde, dann ist eine lukrative Nutzung durch ein börsennotiertes Unternehmen noch Jahrzehnte entfernt, tut mir leid.


 Frage vom 18.01.2023

#Holcim und Hochtief

Sehr geehrter Herr Heibel

Ich hoffe, dass Sie und ihre Familie gut in das neue Jahr gekommen sind.

Zum Heibel Ticker von gestern:
Unter Anlagestrategie 2023 führen Sie Infrastruktur durch öffentliche Hand auf aber ich vermisse ein wenig die Bauindustrie.
Ich lebe in der Schweiz und habe in meinem CH-Portfolio u.a. Holcim und Implenia. Beide Titel habe ich im letzten Jahr aufgestockt und sie laufen im Moment sehr gut.
Falls der durch Russland angezettelte Krieg mal endet, werden die internationalen Bauunternehmen von einem Frieden sicher profitieren können, denn die Ukraine kann den erforderlichen Wiederaufbau sicher nicht nur mit den eigenen Baufirmen leisten.

In Deutschland schaue ich mir im Moment gerade mal Hochtief an. Die Aktie hat zum jetzigen Kurs einen Yield von 3,33 % aber die Firma hat bei besserer Konjunktur und höheren Gewinnen die Ausschüttung auch schon flexibel nach oben verändert. Und bei Kursgewinnen kann man dann ja auch mal realisieren. Hier in der Schweiz haben wir bis auf weiteres noch den Vorteil, das Kapitalgewinne nicht versteuert werden müssen.
Was ist ihre Meinung zu Hochtief?

Ihnen ein gutes Wochenende
Jutta aus Basel

 Antwort:

Holcim gehört, genau wie HeidelbergCement, zu den größten CO2-Emittenten. Ich fürchte, da kommen Kosten auf die Unternehmen zu, die kräftig an der Gewinnmarge knabbern werden. Ungeachtet dessen ist Holcim ein solides Dividendenunternehmen, wie übrigens auch Wienerberger. Mag sein, dass ich diese Unternehmen zu Unrecht links liegen lasse, aber wo ich auch hinschaue, wird für das laufende Jahr eine deutliche Abschwächung der Bautätigkeit erwartet. Das können staatliche Infrastrukturprojekte abfedern, aber deswegen sind die entsprechenden Aktien noch lange nicht attraktiv. Oder anders formuliert: Ich habe andere Dividendenaktien, die derzeit mit weniger Risiko behaftet sind.

Hochtief: In meinen Augen ist das Unternehmen noch zu wenig diversifiziert. Zwar ist es global bestens aufgestellt, aber steigende Zinsen werden auf absehbare Zeit belasten. Und für einen Wiederaufbau der Ukraine müsste der Krieg zunächst mal eine Lösungsmöglichkeit aufzeigen - die sehe ich derzeit nicht.

Aktien des Immobiliensektors gehörten im vergangenen Jahr zu den größten Verlierern. Heute schon auf eine Erholung zu setzen, könnte sich mMn als verfrüht herausstellen.


 Frage vom 18.01.2023

#Südzucker-Anleihe & Dr. Jens Erhard

Moin Herr Heibel,

Zuerst einmal Danke und Gratulation zum immer interessant lesbaren Heibel-Ticker. In der Tat eine anregende Lektüre -wie Sie das uns Lesern wünschen!
Ihren "Wutausbruch" über die angeblichen Erfolgsmeldungen der Anderen verstehe ich, aber damit muss man wohl leben, wenn man in einem Bereich wie Sie agiert. Auch ich rede Dritten gegenüber lieber über Erfolge, während man intern -und dort, wo man anderen die Schuld zuweisen kann- lieber nach dem Motto handelt, dass Snoopy beschrieb mit: " It doesn't matter if you win or lose - until you lose". Da werden die Niederlagen ausgepackt und anderen vorgeworfen.

Deswegen eine erste Frage als Gegenbeweis zum oben beschrieben Trend -muss nicht unbedingt schnell oder überhaupt beantwortet werden, ich sehe das eher als Aufmunterung und als Dank an Sie-: Zu Ihrer Empfehlung zur Südzuckeranleihe von ungefähr Ende November 22. Da stand die Anleihe bei deutlich unter 80 und Sie verwiesen auf die womöglich letzte Gelegenheit, günstig zuzugreifen. Das habe ich gemacht und heute steht der Wert mehr als 10 % höher. Gibt es dafür Gründe?

Zum Ausblick 2023: Neben dem Heibel-Ticker habe ich früher auch häufig Jens Ehrhardt gelesen, der ja u.a. sehr stark auf die Liquidität schaut. Auch für 2023 sagt er voraus, dass zu sehr auf die Zinsen und zu wenig auf die (insbesondere in den USA weiter sinkende) Liquidität geschaut wird. Er ist daher eher deutlich negativ gestimmt und erwartet klar tiefere Kurse. Auch, weil die Gewinne seiner Einschätzung nach insbesondere in den USA fallen werden (schwächere Inflation führt auch zu schwächerem USD und sinkenden Gewinnen) und historisch die Börse zumeist erst 6-12 Monate NACH einem Zinshoch drehen würden. Ich hoffe, ich hab das richtig wiedergegeben. Im Endeffekt prognostizieren Sie ja ähnlich, bei etwas weniger Betonung der Liquidität.

Und zu guter Letzt:
Ich begrüße die neue Rubrik "Marktirrtum" sehr. Ich freu mich auch immer über Aussagen von Ihnen zu Aktien, die Sie betrachten oder betrachtet haben, ohne sie ins Musterdepot aufzunehmen. Denn fürs Depot haben Sie Ihre klaren Kriterien. Die man ja als Leser basierend auf der individuellen Situation nicht immer 1:1 verfolgen muss. Da helfen (mir) solche Hinweise sehr.

Danke und Grüße
Hubertus aus Hamburg

 Antwort:

Ganz herzlichen Dank für Ihr nettes Schreiben und Danke für das Lob.

Südzucker war leicht vorhersehbar: Zuerst stieg die Inflation, dann der US-Leitzins, dann der EU-Leitzins und schließlich auch der Interbanken-Zins (Euribor), der als Grundlage für die Verzinsung der Südzucker-Anleihe dient. Als dann mit dieser Verzögerung die Rendite der Südzucker-Anleihe irgendwann auch stieg, erschien sie auf den Listen einiger Anleger und wurde erst dann gekauft.

Andersherum erklärt: Der absehbare Zinsanstieg ist nicht viel wert, wenn gleichzeitig die Inflation steigt. Wenn allerdings die Inflation stagniert, oder gar rückläufig ist, und die Verzinsung der Anleihe steigt, dann wird sie relativ betrachtet viel attraktiver. Ich hatte im vergangenen Jahr in Aussicht gestellt, dass die Anleihe genau dann zu laufen beginnen wird, wenn die Differenz zwischen Inflation und Leitzins/ Euribor kleiner wird. Und ich denke, dieser Prozess ist noch nicht zu Ende.

Jens Erhardt: Ja, soweit sind wir uns einig - doch das Timing macht die ganze Sache so kompliziert. Wir können durchaus noch einige Monate steigende Kurse sehen, bevor es zu einer Konsolidierung kommt … trotz sinkender Liquidität im Markt. Die habe ich übrigens explizit am Montag in meinem Videocall angesprochen, bin da also in der Analyse auf einer Wellenlänge mit DJE. Das Timing der Konsequenz wird schwer :-(.


 Frage vom 18.01.2023

#Microsoft und ChatGPT

Hallo lieber Herr Heibel,

hoffe Sie sind gut in das neue Jahr gestartet.

Mich wuerde Ihre Meinung zu Microsoft bzw. Microsoft Aktie, insbesondere mit Hinblick auf das Invest in OpenAI und die Zukunft der Produktivitäts Sparte sehr interessieren. Vllt. schafft es dieses Thema (general AI und Anwendungsgebiete, insbesondere bei Prozessoptimierung) es ja in Ihren Ticker.

Danke und Viele liebe Grüße!, Marcel aus Berlin

 Antwort:

Microsoft ist auf dem Weg zu einer soliden Dividendenaktie. Zwar ist die Dividendenrendite mit rund 1% leider viel zu niedrig, aber das Unternehmen hat in den vergangenen 10 Jahren zehnmal die Dividende angehoben, verfügt über reichlich mehr Cashflow, so dass die Dividende künftig gesichert erscheint, und verfügt auch über ein ordentliches Umsatzwachstum. Wenn Sie die Aktie auf lange Sicht im Portfolio haben möchten, dann kann ich Sie darin nur bestärken.

Kurzfristig jedoch kennen Sie sicherlich meine Einschätzung inzwischen: Technologieaktien und insbesondere die Mega-Caps wie Microsoft haben einfach zu viel Anlegerkapital auf sich vereint, als dass sie den nächsten Aufschwung an den Aktienmärkten mitmachen könnten. Institutionelle Anleger, die neue Aktien kaufen wollen, müssen ihre großen Positionen in Aktien wie Microsoft verkleinern, um Cash für die neuen Käufe zu generieren. Das dürfte wie eine Last auf dem Aktienkurs liegen, so dass ich für die Microsoft Aktie für 2023 und 2024 eine unterproportionale Entwicklung zum breiten Aktienmarkt befürchte.

OpenAI und der ChatGPT ist ein großer Schritt nach vorn. Wir lassen teilweise schon Marketingtexte von ihm formulieren. Alles, was man in einem Lexikon nachschlagen könnte, vielleicht sogar auch Wikipedia, liefert der ChatGPT in gut verständlich formulierten Antworten, die in ihrer Länge auch stets auf einen überschaubaren Absatz beschränkt sind. Klasse.

Der Service wird über die Microsoft Cloud Azure derzeit kostenfrei angeboten. Sicherlich werden wir künftig immer mehr Dienste künstlicher Intelligenz bekommen, ChatGPT ist da ein Vorreiter. Doch wie man das zu Geld machen kann, ist mir noch nicht ganz klar.

Der Begriff "künstliche Intelligenz“ (AI - artificial intelligence) wird in meinen Augen sehr schnell verwendet, wenn eine Software Ergebnisse liefert, die Menschen nur schwer nachvollziehen können. Dahinter steckt jedoch noch immer nichts weiter als ein Algorithmus, wenngleich es ein sehr intelligenter sein mag. Ich würde die Entwicklung in diesem Bereich daher gerne als generisch, also kleine Schritte, sehen und glaube nicht daran, dass irgendwer mal das Ei des Kolumbus findet und einen Algorithmus erstellt, der Probleme lösen kann, die in der Struktur des Algorithmus ursprünglich nicht vorgesehen waren … oder wie sollen wir künstliche Intelligenz definieren?

Microsoft hat bereits 2019 1 Mrd. USD in OpenAI, die Macher des ChatGPT, investiert. Vor wenigen Tagen investierte Microsoft Berichten zufolge weitere 10 Mrd. USD und sicherte sich so 49% der Anteile an OpenAI. Es ist gut, dass Microsoft bei diesem wichtigen Thema am Ball bleibt. Doch mehr Bedeutung würde ich der Beteiligung nicht beimessen.

Rückantwort:

Vielen Dank für Ihre Antwort. Ich stimme der Aktienbetrachtung in den nächsten 1-2 Jahren zu, sehe aber die Entwicklung bzw. den Einfluss von AI Services schneller und plötzlicher voranschreiten. Die Schritte scheinen mir eher exponentiell als linear. Auch ist das im Hintergrund arbeitende Algorithmische nicht mit den linear arbeitenden Algorithmen der Vergangenheit zu vergleichen, ich bin hier aber auch kein Experte. Ich sehe vor allem im Productivity Bereich viel Potenzial, insbesondere wenn die Kosten für Services (Copyrighting, Research etc.) sehr schnell sehr gering werden. Das wird Einfluss auf alle Bereiche haben, aber es gibt nicht viele Unternehmen, die Zugang zu sowohl Daten als auch Computing Power haben.

Viele liebe Grüße!, Marcel aus Berlin

Rück-Rückantwort
Ah, so langsam verstehe ich die Phantasie bzgl. ChatGPT: An den Finanzmärkten wird nun darüber spekuliert, ob die Suchmaschine Google nach zwei Jahrzehnten unangefochtener Monopolstellung vielleicht einen ernstzunehmenden Wettbewerber bekommen, wenn ChatGPT in Microsofts Suchmaschine Bing integriert wird. Ja, das wäre durchaus bereits in ein bis zwei Jahren ein ernstzunehmender Wettbewerb zwischen Microsoft und der Google-Mutter Alphabet. Könnte spannend werden.


 Frage vom 18.01.2023

#BASF

Guten Tag Herr Heibel,

würden Sie mir Ihre Einschätzung zu BASF geben?

Mit freundlichen Grüßen

Gerd aus Senden

 Antwort:

Wir haben die BASF als größtem Energiekonsumenten unserer Republik aus dem Depot geworfen. Natürlich produziert BASF schon lange nicht mehr nur in Deutschland, dennoch haben höhere Energiekosten einen negativen Effekt auf BASF. Ich gehe davon aus, dass die Energiepreise weiterhin unter Schwankungen moderat ansteigen werden, das ist kein gutes Szenario für BASF.

Grundsätzlich hat BASF über Jahrzehnte für jedes Problem Lösungen gefunden. Der Cashflow ist weiterhin gesund und die Dividendenrendite entschädigt für vieles. Dennoch halte ich die Aktie nicht mehr für so solide wie früher, und daher haben wir sie durch ein anderes Dividendenunternehmen in unserem Portfolio ersetzt. Soll heißen: Es gibt Bessere.


 Frage vom 18.01.2023

#Telekom-Versorger Elisa Oyi aus Finnland

Guten Tag Herr Heibel,
sehr gespannt verfolge ich aktuell Ihr Vorgehen zur Neuausrichtung des Heibel-Portfolios.

Bezügl. Dividendentitel befasse ich mich aktuell mit Elisa OYI aus Finnland. Die Aktie ist aktuell wohl etwas überbewertet, bei Dividenden um die 4% und ordentlichem Dividendenwachstum (ohne -senkung seit 11 Jahren) würde ich das in Kauf nehmen.

Mein Plan wäre über Short Puts (allenfalls auch noch mit Rollen nach unten) zu operieren, bis ich auf einem Einstandskurs wäre, den ich für gut genug befinde und sie dann andienen lassen. Bis dahin würde ich die Optionsprämien mitnehmen. Die Optionen sind bei diesem Titel zwar nicht besonders liquide aber die Prämien recht attraktiv.

Übersehe ich einen grösseren Haken bei diesem Titel?

Merci und beste Grüsse aus Schliengen / Basel, Michael

 Antwort:

Da haben Sie ein interessantes Unternehmen gefunden: Der finnische Telekom-Versorger bietet von Telefon-, Mobilfunk-, Internet und Kabel-TV-Verträgen über Video-Streaming und Speichermedien bis hin zu Haus-Überwachungsanlagen ein breites Spektrum an datenorientierten Dienstleistungen für Private und Geschäftskunden.

Sie haben Recht: in den vergangenen 10 Jahren gab es 8 Dividendenanhebungen und keine Senkung. Die Rendite liegt bei 4-5% und wächst parallel zum Gewinn, der mit 3-5% p.a. anwächst.

Eine Kleinigkeit sorgt dafür, dass Elisa sich nicht für den Heibel-Ticker qualifiziert: Die Ausschüttungsquote liegt kontinuierlich zwischen 92-95%. Ein Unternehmen, das kontinuierlich den Großteil seines Gewinns an die Aktionäre ausschüttet, hat nicht mehr viel Geld zum Investieren übrig. Das Unternehmen lebt aus der Substanz. Mag sein, dass Investitionen bei dem Geschäftsmodell nicht so wichtig sind, immerhin nutzt das Unternehmen die Infrastruktur anderer und bastelt passende Angebote für die Kunden.

Das erinnert mich an Freenet hier bei uns in Deutschland, die ebenfalls eine hohe Ausschüttungsquote haben: 2017-2021 durchschnittlich 99,4%. Allerdings wächst Freenet schneller, hat dafür jedoch auch mal Rückschläge zu verkraften. Elisa sieht also aus wie eine konservative Version von Freenet.

Zu Ihren Puts: Wenn ich von einer Aktie/ Unternehmen überzeugt bin, dann würde ich die Aktie kaufen, andernfalls nicht. Ein Kauf über Puts heißt, Sie verkaufen Puts auf eine Aktie, die Sie nicht haben. Der Käufer Ihrer Puts darf Ihnen dann Aktien zu einem festgelegten Preis verkaufen, wenn er möchte. Dieser Preis liegt dann über dem aktuellen Marktpreis. Mit der Put-Prämie können Sie ein wenig davon abfangen, doch vielleicht kommen Sie gar nicht zum Zug. Während der Wartezeit haben Sie dann die Prämie kassiert, müssen jedoch Barmittel für den eventuellen Kauf vorhalten. Diese Barmittel sind in dieser zeit dann blockiert. Ich würde mir da eher heute schon attraktive Aktien aussuchen :-).


 Frage vom 18.01.2023

#Woodside Energy und Südzucker Anleihe

Hallo Herr Heibel,

Mich würde ihre Meinung zu zwei Fragen interessieren. Im Zuge meiner BHP Aktien habe ich Aktien von Woodside Energy Group erhalten. Soweit ich es sehen kann, ist hier auch eine gute Dividendenrendite von etwa 10% gegeben . Wie ist ihre Meinung zu diesem Unternehmen?

Zweite Frage: Lohnt sich jetzt noch ein Einstieg in die Südzucker Anleihe oder ist sie nun nach aktuellem Kursanstieg zu teuer?

Vielen Dank und liebe Grüße, Andreas aus Dinslaken

 Antwort:

Die australische Öl- und Gasfirma Woodside ist in der richtigen Branche unterwegs, denn ich erwarte für das laufende Jahr eher steigende Energiepreise. Allerdings sind die Zahlen, die ich mir angeschaut habe, rückläufig: Umsatz, Gewinn und Dividende. Im Gegenzug steigt die Verschuldung. Hmm, schön ist das nicht, insbesondere für ein Dividendenunternehmen. Da gefallen mir die von mir vorgestellten Unternehmen dieser Branche besser.

Die Südzucker Anleihe ist in meinen Augen ein Langzeitinvestment, das auch auf dem aktuellen Kursniveau noch attraktiv ist.


 Frage vom 13.01.2023

#Aktienanleihe mit 40% Sicherheitspuffer auf Tesla

Lieber Herr Heibel,

zu meiner Anleihe bzgl. Tesla habe ich die Frage, was Sie in der aktuellen Lage bzgl. Ausverkauf Tesla bei dem Titel raten?

Damals habe ich den Sicherheitspuffer mit 40% mehr als ausreichend eingeschätzt, dass nun eine solche Abwertung stattfindet (Shortseller?/ Musks-Engagement bei Twitter?) hätte ich nie erwartet.

Soll ich die Anleihe lieber mit Schmerz verkaufen oder doch besser am Ende der Laufzeit gegen die Aktien eintauschen? Die Hoffnung, dass der Basiswert auf über 199 US $ geht, habe ich nicht wirklich.

Herzliche Grüße

Horst aus Ratingen

 Antwort:

Oh, da hat es Sie aber ganz schön hart erwischt, tut mir leid. Tesla ist in meinen Augen langfristig ein neuer und ernstzunehmender Automobilbauer. Bis vor kurzem waren Anleger so begeistert von dem Unternehmen, dass sie es auf eine Bewertung gehoben haben, die nur durch die Auslöschung aller anderen Automobilhersteller zu rechtfertigen war. Diese Übertreibung wird derzeit korrigiert.

Nun haben wir zusätzlich das Pech, dass an den Aktienmärkten ein Umdenken stattfindet: Meiner Überzeugung nach werden die Favoriten der vergangenen 10 Jahre nicht die Favoriten der kommenden 10 Jahre sein. Die Korrektur der Übertreibung kann vor diesem Hintergrund bis zu drei Jahre andauern, so lange hatte es zumindest beim Platzen der Internetblase gedauert. Ich denke, den Großteil der Korrektur hat Tesla schon hinter sich - wertmäßig betrachtet - doch zeitlich betrachtet dürfte es eine Weile dauern, bis die Aktie wieder auf die Beine kommt.

Mag sein, dass Sie die Anleihe zum Stichtag am 25.4.2023 besser in Aktien tauschen können, als sie heute zu verkaufen. Doch ich bin überzeugt, dass Sie mit anderen Aktien in den kommenden Monaten mehr Freude haben werden. Ich würde also verkaufen und das Geld anderweitig investieren.


 Frage vom 12.01.2023

#Privatisierung von Boskalis

Guten Tag Herr Heibel und auch wenn verspätet: Ein frohes neues Jahr!

Könnten Sie mir bitte eine Frage klären, zu der sich die Traderepublic nicht in der Lage sieht?
Ich habe einige Boskalisaktien und wollte sie neulich verkaufen. TR antwortet, die seien nicht mehr gelistet und ich könnte sie zu einer anderen Bank übertragen, wenn ich wollte.

Auf meine Rückfrage, was das bedeutet und ob ich sie dort verkaufen kann zuckte man die Achseln.
Das ist natürlich unerhört, aber bevor ich mich auf eine Grundsatzdebatte zu unmöglichem Service einlasse, dachte ich, ich versuche meine verlässlichen Quellen zu fragen.

Wissen Sie, ob mit Boskalis irgendetwas passiert ist, dass ich die Aktien nicht mehr verkaufen kann?
Oder hat sich lediglich TR entschlossen, sie aus dem Programm zu werfen?
Ich bin auch nach Internetrecherche bislang ratlos.

Mit freundlichen Grüßen
Inga aus Düsseldorf

 Antwort:

Das Unternehmen ist privatisiert worden, die Aktien werden nicht mehr gehandelt. Ihr Broker hätte Ihnen darüber eine Info geben müssen:

https://boskalis.com/press/press-releases-and-company-news/last-trading-day-boskalis-shares

Schauen Sie mal in Ihrer Inbox des Brokers nach, ob Ihnen vielleicht eine entsprechende Info zugestellt wurde.

Verkaufen können Sie die Aktien nun nur noch direkt über das Unternehmen. Auf obiger Seite steht ein Kontakt, worüber Sie sich für weitere Infos in Verbindung setzen sollten.


 Frage vom 06.01.2023

#Palo Alto: Mitarbeiteroptionen belasten

Hallo Herr Heibel,

Sie hatten diesen Wert vor ein paar Wochen positiv angesprochen. Ich bin mir aber nicht mehr sicher, ob Sie ihn schon auf der Einkaufsliste hatten.

Inzwischen ist auf Palo Alto Networks in der einen und anderen Publikation positiv hingewiesen worden. So zum Beispiel in der Wirtschaftswoche
und Börse Online. Und ich habe gerade einen Artikel in "Der Aktionär" gelesen, der überschrieben war mit "eine gigantische Gelegenheit". Und das
war schon 2022 bei damals 172 Euro... Aktuell liegen wir bei 35% unter Höchstwert. Wie gigantisch sehen Sie denn die Aktie zur Zeit, Herr Heibel? :)

Freundliche Grüße

Karl aus Viernheim

 Antwort:

Ich habe Palo Alto, wie auch eine Reihe weiterer US-Wachstumstitel, aus unserer Einkaufsliste gestrichen, weil dort zu hohe Mitarbeiterbeteiligungsprogramme laufen. Auf absehbare Zeit werden sämtliche zukünftige Gewinne zu einem zu großen Teil an die Mitarbeiter ausgeschüttet, die Aktionäre gehen leer aus. In der Heibel-Ticker Ausgabe vom 9.12. in Kapitel 07 habe ich das Thema ausführlich erläutert:

Heibel-Ticker 22#49 vom 9.12.22