Leserfragen (April 2022)


 Frage vom 29.04.2022

#Delisting von HolidayCheck

Sehr geehrter Herr Heibel,

die Holidaycheck Aktie weist seit langem fast täglich den gleichen Stand auf: minus 620 €. Gibt es dafür eine ähnliche Erklärung wie für flatex Degiro?

Ich bin ratlos. Muss ich mein Geld abschreiben? Oder zahlt Burda den Gegenwert aus?

Vielen Dank für Ihre Hilfe. Freundliche Grüße
Gerhard aus Marburg

 Antwort:

Seit November wird Holidaycheck nicht mehr an der Börse gelistet, Burda hat das Unternehmen übernommen.

Ich habe mit dem Unternehmen telefoniert: Nicht alle Broker haben ihre Kunden über den Vorgang informiert (bspw. Trade Republik informierte seine Kunden nicht). Daher gibt es noch immer eine Reihe von Aktionären, die auf den Aktien sitzen.

Die Aktien werden noch an der Börse Hamburg gehandelt. Der Kurs liegt sogar kontinuierlich ein oder zwei Cent über dem Delisting-Angebot von 2,70 EUR. Sie können Ihre Position also problemlos verkaufen, sofern Ihr Broker den Handel über Hamburg ermöglicht. Das ist bei einigen der Neo-Broker nicht der Fall, alle etablierten Broker bieten dies jedoch an.


 Frage vom 29.04.2022

#Coca Cola und General Mills als Alternative zu Procter und Gamble

Hallo Herr Heibel,

mit Recht haben Sie zuletzt Proctor & Gamble als gute Alternative zu Henkel genannt. Und ich selbst habe schon länger zwei weitere Aktien im Focus, die ebenfalls gut gegen eine Inflation wirken, zumal sie eine gewisse Preissetzungsmacht haben: Coca-Cola und General Mills.

Gestern habe ich dies zu General Mills gelesen. Natürlich sind diese Aktien auch von anderen begehrt und sicher nicht als günstig zu bezeichnen. Aber aktuell suchen wir ja eher eine gewisse Sicherheit, oder?

Viele Grüße aus dem Südwesten :)

Karl aus Mannheim

 Antwort:

Das Bessere ist des Guten Tod.

Im laufenden Jahr wird für P&G ein Gewinnwachstum von 13,2% erwartet, für Coca Cola nur 10,7% und für General Mills nur 13,2%. Auch in den kommenden Jahren bleibt das erwartete Wachstum bei P&G mit 7,7% leicht über dem von Coca Cola mit 6,5% und General Mills mit 4,4%.

Aber Sie haben recht: Alle drei Unternehmen haben sehr ähnliche Charakteristika und eignen sich eigentlich alle für die derzeitige Marktsituation. Ich zwinge mich halt zu einer Entscheidung für die eine beste Aktie.


 Frage vom 29.04.2022

#Krones günstig bewertet

Guten Morgen Herr Heibel,

die Krones AG wird von div. Banken auf „Buy“ eingestuft.
Was ist da aus Ihrer Sicht dran?

Schöne Grüße
Manfred vom Bodensee

 Antwort:

Krone bietet Getränkeabfüllanlagen an, ist damit ein Maschinenbauer. Ich versuche mich von Maschinenbauern fern zu halten, weil deren Geschäft sehr stark zyklisch ist.

Grundsätzlich sieht das Zahlenwerk von Krones derzeit recht gut aus: 15% Wachstum werden mit einem KGV 23e von nur 11 bewertet, in der Bilanz häuft sich Nettoliquidität an und der Cashflow reicht für eine Dividende.


 Frage vom 29.04.2022

#AlzChem ein attraktiver Zulieferer der Nahrungsmittelindustrie

Hallo Herr Heibel,

ich habe hier noch einmal eine Frage zu dem Nebenwert

AlzChem Group

Da ist heute eine Studie rausgekommen die ein Kursziel von 35,00€
z.Z. 21,10€ Dividende 1,00€

Was halten Sie davon. Ich habe diesen Wert schon lange im Auge und möchte nach den Kursverlusten der letzten Zeit eigentlich kaufen.

Es ist mir nur nicht klar, wie weit die Rohstoffsituation (Gas/Öl) Alzchem beeinträchtigt. In der Studie wird davon ausgegangen dass Alzchem mit einer gewissen Marktmacht Preiserhöhungen durchsetze könnte.

Viele Grüße aus Essen von einem BVB-Fan aus Essen, der trotzdem BVB nicht kauft (wegen Klumpenrisiko und hohem Enttäuschungspotenzial)

Friedrich aus Essen

 Antwort:

Tut mir leid, AlzChem ist nur 220 Mio. Euro an der Börse wert und nur 22% der Aktien befinden sich im Streubesitz - damit weniger als 100 Mio. Marktkapitalisierung verfügbar für uns Anleger. Ich habe das Unternehmen nicht im Blick.

Grundsätzlich sieht das Geschäftsfeld vielversprechend aus: Die Nahrungsmittelindustrie dürfte in den kommenden Monaten leider sehr gefragt sein. 7% Wachstum bei einem KGV 23e von 7 sieht günstig aus, zudem gibt’s eine ordentliche Dividende.


 Frage vom 19.04.2022

#Alibaba Aktien in China oder Hongkong

Sehr geehrter Herr Heibel,
Ich wünsch Ihnen und Ihrer Familie schöne Ostern.
Es beschäftigt mich eine Frage die ich nicht alleine überblicken kann darum wende ich mich an Sie.
Vielleicht haben Sie eine Sicht auf die Dinge die mir helfen könnten.Ich bin bei Alibaba investiert und im minus meine Idee ist es
die ADR s in Aktien aus Honkong zu tauschen um dann lange Zeit zu warten bis ich im plus bin.
Eine Anfrage bei der Bank ergab kein Problem imTausch 1:8 mit überschaubaren Kosten ohne steuerliche Nachteile.
Meine Frage bin ich zu aufgeregt oder ist die Idee nicht schlecht.


Andreas aus Schöneiche

 Antwort:

Vor fünf Jahren hätte ich das für eine sehr gute Idee gehalten … Seither wird Hongkong zunehmend durch China eingegliedert und ich bin nicht sicher, wie lange die finanzmarkttechnischen Vorteile Hongkongs noch gehalten werden. Im Sinne meiner inzwischen recht großen Sorge über die Zukunft unserer geopolitischen Verhältnisse würde ich derzeit keine langfristige Wette auf China eingehen.


 Frage vom 12.04.2022

#SAP und Evotec im Heibel-Ticker

Hallo Herr Heibel,
Haben sie schon einmal SAP beschrieben, sowie Evotec? Wenn ja, ist es schon lange her? Die Welt hat sich ja radikal verändert. Sind sie es wert einzusteigen?
Viele Grüße

Karin aus Vorwerk

 Antwort:

Ja, SAP ist schon sehr lange her - ich war früher SAP-Berater und kenne das Unternehmen gut. Leider erfüllt die Aktie nicht meine Kriterien, weder als Dividenden- noch als Wachstumsaktie.

Für eine Dividendenaktie ist die Dividendenrendite zu niedrig, aktuell 1,9%. Aber immerhin wurde die Dividende zehnmal in Folge angehoben und das bei einer Ausschüttungsquote von nur 30%. Die Aktie ist daher sicherlich eine gute Wahl für ein konservatives Dividendenportfolio, ich habe aber „bessere“ gefunden :-).
Für ein Wachstumsunternehmen ist das Wachstum zu gering: Nur 8% p.a. wird für die kommenden Jahre erwartet.

Evotec habe ich am 11.2. ausführlich besprochen, siehe hier:
https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/1950
-> Kapitel 06


 Frage vom 08.04.2022

#Fehlende Kabelbäume aus der Ukraine können Autoproduktion in Deutschland belasten

Guten Tag Herr Heibel,

in diesen Tagen bin ich auf einen Artikel gestoßen, der die Abhängigkeit von Mercedes Benz von der Lieferung der Kabelbäume aus der Ukraine behandelt, siehe angefügten Link.. Das hört sich alles sehr dramatisch an. Anders als bei den fehlenden Chips, bei denen man "auf Halde" produzieren und die Chips später einstecken kann, ist dies bei den Kabelbäumen nicht möglich, da diese ziemlich am Anfang des Produktionsprozesses in die Rohkarosserie eingebaut werden müssen. Gibt es keine Kabelbäume, steht die Produktion definitv still. Solche Artikel sind in Ihren Aussagen ja oft einseitig und überzogen. Wie aus Ihren kürzlichen Analysen z. B. zu Devon und Flatex für mich hervorgeht, liefern Sie dagegen stets sachliche, detaillierte Analysen.Da ich in meinem Depot eine MB-Position habe, würde mich Ihre Meinung zu diesem Thema sehr interessieren.

Mit bestem Dank im voraus und freundlichen Grüßen G.Groschup

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Kollabiert-die-deutsche-Autoindustrie-article23217276.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

Gerhard aus Ludwigsburg

 Antwort:

Herzlichen Dank für den Artikel. In meinen Augen ist die Gefahr eines vorübergehenden Produktionsstopps real, der Artikel endet jedoch leider zu früh. Der Autor belässt es leider bei dem Hinweis „... In den vergangenen Jahren wurde die gesamte Kabelbaumproduktion aus Nordafrika abgezogen…“. Ich bin sicher, die Autobauer arbeiten mit Hochdruck daran, diese alten Beziehungen wieder zu aktivieren. Die wichtigen Fragen lauten also, wie lange reichen die Kabelbäume noch und wie lange braucht die Industrie, um alternative Lieferanten aufzubauen?

Grundsätzlich frage ich mich immer häufiger, wo mein grenzenloser Optimismus hin entschwunden ist, mit dem ich die ersten 30-40 Jahre meines Lebens ausgestattet war. Doch die Erinnerung daran lässt mich auf die jetzige junge Generation vertrauen, die sicherlich kreativ genug ist, um Alternativen zu finden.

Also: Die Welt wird nicht enden, wenn wir keine Kabelbäume mehr aus der Ukraine bekommen. Doch vorübergehende Verwerfungen sind wohl tatsächlich zu erwarten. Daher haben wir unser Portfolio in den vergangenen Monaten zunehmend „krisenfest“ gemacht. Autos haben wir schon lange nicht mehr im Portfolio.


 Frage vom 08.04.2022

#Wachstum vs. Deglobalisierung

Hallo Herr Heibel,

ihre Analyse und auch die frische Art und Weise der Erläuterung finde ich einfach immer wieder Klasse :-) Insbesondere ihre Einschätzung zur hemmungslosen und unbedachten Globalisierung sehe ich auch so. Was mir persönlich aber Angst macht, ist der Spiraleneffekt und die Gier mit der derzeit verbundenen Inflation und die Gefahr der Stagnation die nie so richtig in den Fokus rutscht. Ist das Gespenst wirklich nicht da!? Ich rede nicht vom Momentum, sondern wo soll das Wachstum bei einem Rückgang der Globalisierung bei abnehmender Kaufkraft langfristig herkommen? Welcher kleine Mann soll sich das noch leisten können?

Firmen freuen sich über satte Gewinne und machen beim Absatzrückgang teilweise enorme Gewinne, obwohl keine Knappheit herrscht oder diese teilweise künstlich erzeugt oder erwartet wird. Der Spritpreis abhängig aber nun preislich abgekoppelt vom Ölpreis zeigt dass man im Grunde als Verbraucher keine andere Wahl hat. Da brauch es keine Absprachen. Welcher Verbraucher kann das in der Masse betrachtet langfristig bezahlen? Ist Wachstum unendlich oder soll man sich überspitzt gesagt irgendwann jedes Jahr einen neuen Fernseher kaufen, wenn man im Gegenzug ständig von Nachhaltigkeit spricht. Ich denke es wird sich einiges aber nun auch schneller ändern. Die Enteignung der Sparer wird zügiger gehen und ob Aktien dies unter der Konstellation weiter in der Wertentwicklung auffangen können wird sich zeigen. Ich setze weiter auf Valuetitel und streue breit und hab wie immer bislang in jedem Crash mit Widerwillen eingekauft. Man wird zwar über die Jahre und Erfahrung entspannter aber die Bedenken steigen fundamental betrachtet zunehmend. Investition oder das Geld ausgeben scheint derzeit alternativ los!?

Gerne hätte ich gewusst wie Sie zum Stagnationgespenst stehen.

Ein schönes Wochenende und viele Grüße
Christian aus Einbek

 Antwort:

Ich habe in der heutigen Ausgabe für alle Positionen im Heibel-Ticker Portfolio ein Merkmal „le“ für „local economy“ eingeführt. Ja, auch ich befürchte, dass wir im Rahmen einer Deglobalisierung, also teilweisen Rücknahme der Globalisierung der vergangenen 40 Jahre, Wachstumsprobleme, insbesondere aber auch Versorgungsprobleme bekommen werden. Nicht alle globalen Lieferketten werden zusammenbrechen, doch wenn einzelne Länder ihre eigenen Prioritäten überdenken, wird es immer wieder punktuell zu Problemen kommen.

Wachstum, wie wir es in den vergangenen Jahrzehnten erleben durften, wird sich in andere Bereiche verschieben. Wie oben angedeutet rechne ich insbesondere für Unternehmen, die ein stark lokales Geschäft haben, mit einer guten Entwicklung. Entsprechend werden wir solche Unternehmen in unserem Portfolio übergewichten. Außerdem wird es Unternehmen geben, die aufgrund der internationalen Verflechtungen bislang keine Chance im Wettbewerb hatten, die nun jedoch aus strategischen Gründen gefördert werden. Nach solchen Unternehmen halte ich Ausschau. Bspw. unser Maschinenbauer aus der Chip-Industrie fällt in diese Kategorie (siehe Spekulatives Portfolio).


 Frage vom 08.04.2022

#Grund für niedrige Bewertung von BioNTech

Guten Tag Herr Heibel,

eine kurze Anmerkung zu BioNTech:
Wenn man die Bilanz zu Ende 2021 betrachtet, stellt man fest, daß 12 von den 16 Mia Bilanzsumme Forderungen sind.
Offensichtlich hat man bisher erst wenige Zahlungen für die gelieferten Impfdosen erhalten.
Ich will jetzt nicht sagen, daß das bedenklich ist, aber überraschend finde ich das schon. Vielleicht auch ein Grund für die niedrige Bewertung.

Freundliche Grüße
Harald aus Marktheidenfeld

 Antwort:

Da überwiegend Staaten die zahlungspflichtigen Kunden sind, halte ich die Forderungen nicht für gefährdet. Nein, der Grund für die niedrige Bewertung ist, dass niemand weiß, wie lange die Corona-Umsätze anhalten und ab wann neue Produkte Umsatz generieren werden. Zwischen diesen beiden Ereignissen könnten mehrere Jahre der Dürre liegen.


 Frage vom 08.04.2022

#Cashquote in Abhängigkeit vom 5-Wochendurchschnitt des animusX-Sentiments

Hallo Herr Heibel,

mit großem Interesse verfolge ich Ihren wöchentlichen Brief.
Habe eine Frage bzgl. dem 5 Wochen Sentiment, dass in dieser Zeit wieder gute Dienste geleistet hat für zumindest kurz-bis mittelfristige Long Positionen.

Haben Sie schon eine Art Handelssystem auf diesen Indikator getestet?

z.B. Long ab gewissem Wert, danach Ausstieg bei bestimmten Wert, bzw. Short ab Wert X, dann Ausstieg bei Wert X.

So wie ich das die letzten Jahre verfolge, wäre dieser Ansatz sicher erfolgreicher gewesen wie buy and hold und lässt sich sicher gut programmieren bzw. backtesten, wenn die Datenreihe vorliegt.

Somit hätte man auch eine Art Ampel zum Ein- bzw. Ausstieg.

Gruß
Tim

 Antwort:

Ja, habe ich vor vielen Jahren und die Ergebnisse sind der Grund, warum ich meine Cashquote stark nach dessen Aussage ausrichte.