Leserfragen (Juli 2022)


 Frage vom 22.07.2022

#Auswirkung einer höheren Inflation

Hallo Herr Heibel,

sie wollen sich näher mit dem Vergleich der aktuellen Situation mit der Stagflation der 1970er auseinander setzen.
Ich freue mich schon sehr auf ihre Analysen und Ergebnisse. 🤓

Meine Gedanken, Fragen und Quellen zu dem Thema.

Am Anfang war seitens der EZB von einer temporären (transitory) Inflation die Rede. Ich finde diesen Begriff recht "interessant", insbesondere wenn Inflation durch Schocks auf der Angebotsseite (Lieferketten-Probleme, Öl/Gas durch Krieg/Sanktionen) ausgelöst wird, und nicht durch eine heißlaufende Nachfrage. Böse formuliert: Durch den Basiseffekt fällt nach 1 Jahr jeglicher Preisschock aus der Inflationsstatistik (ist somit "temporär"), auch wenn die Preise auf gleich hohem Niveau verbleiben.

Nun folgten eine einmalige(?) Effekte in Folge:
- MwSt-Senkung während Corona (temporärer künstlicher Eingriff -> Basiseffekt)
- Lieferketten-Probleme (Angebotsverknappung; kann noch einige Zeit anhalten, besteht aber auch schon einige Zeit.)
- Nachholeffekte nach Corona (temporär höhere Nachfrage, solange die Kunden es sich überhaupt noch leisten können.)
- Ukraine-Krieg / Sanktionen (Angebotsverknappung Öl/Gas, Nahrungsmittel/Dünger)

Fragen:

1. Gibt es eine verbindliche bzw. allgemein anerkannte Definition davon was noch temporäre (transitory) Inflation ist und was nicht?

2. In welcher Höhe und Dauer können sie sich Preissteigerungen durch Angebotsverknappung noch vorstellen, ehe diese durch Substitution oder Verzicht "begrenzt" werden? Ein Jahr nach Erreichen der "Schmerzgrenze" greift wieder der Basiseffekt)

3. Wie dramatisch wäre eigentlich eine Kerninflationsrate von ca. 4%, falls absehbar ist, dass sie "nur" über einen Zeitraum <4 Jahre währt? Wie würde sich das auf die "Inflationserwartungen bei unterschiedlich langen Anlagehorizonten" (Grafik aus Quirin-Newsletter, unten verlinkt) auswirken? Und wie auf die Aktienmärkte?

Bei der Angebotsverknappung durch die Lieferketten-Probleme sehe ich eine solche "Schmerzgrenze" erreicht. Alle Rabatte etc. sind gestrichen, es gibt lange Wartezeiten, aber ich denke noch höhere Preise (=> Inflation) werden wir deswegen kaum mehr sehen.

Sogar bei Gas denke ich, dass mit Abschluss der Heizsaison 10/22-04/23 die Luft raus sein wird. Und da an der Börse die Zukunft gehandelt wird, vielleicht sogar etwas früher. Zwischenzeitlich sind bis zum Nachweis das es notfalls auch ohne Putin-Gas geht (Verzicht/Substitution/LNG) der Spekulation wohl keine Grenzen gesetzt.

Ab Q2/23 werden die aktuellen Preisschocks durch Angebotsverknappung durch den Basiseffekt eingeholt.
Das "Durchsickern" der Energiekosten auf weitere Güter dauert ca. 1 Jahr länger, d.h. diesbezügliche Preissteigerungen laufen 2023 aus, und werden 2024 vom Basiseffekt eingeholt.

Ab 2024 sollte der Spuk dann - zumindest angebotsseitig - ein Ende haben. Das Risiko für eine länger als 2024 anhaltende höhere Inflationsraten liegt somit "lediglich" auf der Nachfrageseite. Somit hätten die Notenbanken bis Anfang 2024 Zeit Begehrlichkeiten auf der Nachfrageseite zu dämpfen.
Oder wie sehen sie das?

Nach ca. 25 Jahren mit einer Kerninflationsrate von <2%, sind 2-3 Jahre mit höheren Inflationsraten doch fast wieder "temporär". 😅

Mit freundlichen Grüßen
Daniel aus Essen

 Antwort:

Herzlichen Dank für Ihre Ausführungen, die ich unterschreiben würde :-).

Zu Ihren Fragen:

1.: Nein, der Begriff „temporär“ ist dehnbar… genau wie „transitory“. Beides wird inzwischen von EZB & Fed nicht mehr verwendet.

2.: Ich habe am Dienstag in meinem Video (https://www.youtube.com/watch?v=zKieJujrPQU) deutlich gemacht, dass wir mMn ein vorläufiges Maximum der Inflation bereits gesehen haben. Rohstoffpreise sind bereits stark gefallen. Bis Lohnsteigerungen eine zweite Inflationswelle auslösen könnten, bleibt nun ein wenig Verschnaufpause.

3. Ich gehe tatsächlich von einer anhaltend hohen Inflation aus, bspw. 3-4%. In einer solchen Marktphase würden Dividendentitel und Unternehmen mit hohem Cashflow beliebter sein als Wachstumsunternehmen, deren zukünftigen Gewinne mit höheren sicheren Rückflüssen konkurrieren müssten.

Leider passt die EZB das Zinsniveau nicht der Inflation an, daher werden wir auf absehbare Zeit einen negativen Realzins (Zinsniveau minus Inflation) haben. Wer also glaubt, mit Anleihen seine Kaufkraft zu sichern, wird enttäuscht sein. Vielmehr brauchen wir Aktien, deren Dividendenrendite über dem Zinsniveau liegt.


 Frage vom 22.07.2022

#Negative Quant-Einschätzung zu PVA TEPLA

Hallo Herr Heibel,

verwirrt bin ich. Zitat Heibel:
"In meinen Augen ist PVA TEPLA super positioniert. Das ist langfristig bullisch. Ich bleibe dabei."

Und nun Aktuelles von der Consors:

PVA TEPLA erhält nur 1 von 4 Sternen wegen hohem Risiko und sehr geringen Chancen (theScreener.com).

Wie lösen Sie, bitte, diesen für mich Widerspruch auf?

Danke. Es grüßt Lothar aus Karlsruhe

 Antwort:

Es handelt sich um eine automatisch erstellte Einschätzung, die folgende negativen Entwicklungen mathematisch berücksichtigt: rückläufige Gewinnnprognosen von Analysten und relative Performance der vergangenen zwei Wochen.

Die Aktie schwankt deutlich stärker als Indizes. Die Indizes sinken seit einigen Monaten, natürlich sinkt PVA TEPLA überproportional. Daraus ein negatives Votum abzuleiten, ist in meinen Augen zu kurz gedacht.


 Frage vom 22.07.2022

#Turbulente Zeiten

Hallo Herr Heibel,

ich bin immer wieder begeistert wie Sie es schaffen, in der heutigen Informationsflut die Dinge so zu durchleuchten und spannend und frisch geschrieben auf den Punkt zu bringen!

Ihre Zusammenfassung bei Dow Jones Entwicklung zwischen 1965-1982 kann ich jedoch mit 75% Verlusthistorie in 17Jahren nicht nachvollziehen (s.Anlage). Vergleiche ich hier Äpfel mit Birnen bzw. auf welche Basis beziehen sie sich?

Die schon jetzt völlig überzogenen Gas- und Ölpreise für die Endverbraucher machen mir langsam Angst. Was wird da in den Versorgerpreisen in den jetzigen 1 Jahresverträgen gehandelt, insbesondere wenn ich mir die Börsenpreise von 2008 ansehe (s.Anlage Gaspreis, Wechselkurs & Steuer mal unberücksichtigt)? Wie stellt sich die Industrie vor durch die Nachzahlungen oder drohenden Kosten die fehlende Kaufkraft kompensieren zu können und wie stellen sich insbesondere die Vermieter vor wer die Zeche zahlt? Die Abschläge bei Jahresgasverträgen können gut und gerne auf Faktor 4 hochschnellen und 400Eur im Monat je Haushalt und mehr betragen. Die fehlende Kaufkraft bei 40Mio. Haushalten kann so schnell mehrere 100Mrd.€ ausmachen. Bei den Ratenzahlungen für Hauskredite und Immopreisen wird es dann auch spannend wenn die Ausfälle kommen. Wie sind diese Szenarien in den Aktienkursen schon eingepriesen oder wird es ein Runterschnellen der Preise wie in 2009 geben. Alles andere kann meines Erachtens nicht möglich sein, wobei andere Seiten von noch höheren Preisen bis 365$/Barel sprechen. Das steht doch alles in keinem Verhältnis wie auch manche Verbraucherpreise. Gebaut wird immer sagt man, aber was bedeutet dies für HeidelbergClement oder BASF als Grundversorger für Vorprodukte und andere Firmen in dieser Branche, wenn schon jetzt von einem Rückgang der Nachfrage von 30-40% gesprochen wird. Kann oder sollte man jetzt schon zukaufen (HeidelbergCement & BASF)? Angebot und Nachfrage haben und werden immer wieder funktionieren, aber die Extreme sind schon sehr beängstigend.

Viele Grüße
Christian aus Einbek

 Antwort:

Sie haben Recht, Danke für den Hinweis, da ist mir ein inflationsbereinigter Chart in die Hände gefallen, siehe hier: https://www.macrotrends.net/1319/dow-jones-100-year-historical-chart.

Ihre aufgezählten Schiefstände bzw. zu erwartenden Horror-Szenarien schaue ich mir derzeit ebenfalls an. Doch grob gesagt habe ich in den vergangenen Jahrzehnten gelernt, dass es immer ausreichend Papiergeld für alles geben wird, solange die Bevölkerung in die EZB und die (EU-)Politik vertraut. Die EU-Politik ist so undurchsichtig, dass es kaum Vertrauen gibt, das zerstört werden könnte. Im Gegenteil, die Südländer wissen, dass der Norden hinter der EU- & EZB-Politik steht, daher macht man weiter wie bisher.

Das Spekulieren auf das Ende des Euros hat sich in den vergangenen zwanzig Jahre als falsch erwiesen ;-). Irgendwann wird jede Währung kollabieren oder umstrukturiert werden. Doch es kann viel länger dauern, bis ein System kollabiert, als wir Geld haben, um darauf zu spekulieren. Daher bleiben wir wachsam, halten ein wenig Gold und sogar den Bitcoin als Systemabsicherung, und segeln bis auf weiteres mit den Unternehmen mit, die diese turbulenten Zeiten am besten meistern.


 Frage vom 22.07.2022

#Profitieren vom hohen US-Zinsniveau

Hallo Hr. Heibel

Was halten Sie von amerikanischen Staatsanleihen oder ETF`s. Das Zinsniveau ist höher wie in Europa. Habe hört, ETF`s kann man in Euro und in Dollar kaufen, was was empfehlen Sie als Profi?

Vielen Dank im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen, Gerhard aus Lustenau, Österreich

 Antwort:

Hui, da sprechen Sie ein ziemlich komplexes Thema an. Ich nehme an, Sie meinen US-Staatsanleihen und ETFs, die US-Staatsanleihen halten. Und ich nehme auch an, Sie möchten gerne vom höheren Zinsniveau in den USA gegenüber Europa profitieren.

Das ist gar nicht so einfach :-(.

US-DOLLAR ODER EURO

Pauschal lässt sich sagen, es ist egal, ob Sie in US-Dollar oder in Euro investieren. ETFs auf US-Anleihen, die jedoch in Euro notieren, rechnen ihren Wert zum tagesaktuellen Wechselkurs um. Ob Sie also direkt eine US-Anleihe kaufen, die in US-Dollar notiert, und den Betrag zum Ende der Laufzeit in den Euro zurückholen, oder aber ob Sie einen ETF auf US-Anleihen kaufen, der jedoch in Euro notiert, macht keinen großen Unterschied.

ZINSDIFFERENZ

In den USA ist das Zinsniveau höher als in Europa. Für eine 10 Jahre laufende US-Staatsanleihe erhalten Sie aktuell eine Rendite von 2,9%, für eine 10 Jahre laufende Bundesanleihe gibt’s nur knapp 2%. Dafür ist der US-Dollar aber deutlich stärker als der Euro. Das ist tendenziell immer so, solange der US-Zins einen Vorteil gegenüber dem EU-Zins hat. Wenn der Euro in diesen Tagen zulegen kann, dann ist das nur eine Verschnaufpause. Der Zinsvorteil wird also langfristig durch den Wechselkurs zunichte gemacht. Wenn Sie von dem Vorteil profitieren wollen, dann müssen Sie kurzfristig spekulieren, und das ist selten das Ziel von Anleiheanlegern.

WECHSLEKURS

Es gibt keine Möglichkeit, die 2,9% in Euro zu vereinnahmen. Auf dem Weg zu Ihrem Euro-Depot gibt es stets den Wechselkurs, der entweder von Ihnen oder vom ETF-Anbieter eingerechnet wird. Sogenannte „Währungsbesicherte“ Finanzprodukte sichern Wechselkursschwankungen mit weiteren Finanzinstrumenten ab, was wiederum ebenfalls Geld kostet.

PROFITIEREN VON DER ZINSDIFFERENZ

Es gibt einen Grund für die Zinsdifferenz: Die US-Wirtschaft ist gesünder als die europäische Wirtschaft und kann daher einen höheren Zins verkraften. Es ist daher zu erwarten, dass sich US-Unternehmen besser entwickeln, und US-Aktien daher besser performen als ihre europäische Konkurrenz. Ich habe daher schon seit einigen Monaten bevorzugt US-Aktien in unser Portfolio geholt.


 Frage vom 22.07.2022

#Darum meiden wir IT-Aktien

Sehr geehrter Herr Heibel,

da ich neuer Abonnent bin, möchte ich gerne wissen, wieso Sie in keine Internationalen Aktien, insbesondere im IT-Bereich investieren. Für eine Antwort danke ich im voraus.

Mit freundlichen Grüßen, Christa aus München

 Antwort:

Ich habe zwei Jahre in den USA gelebt und war 5 Jahre lang SAP-Berater: IT, insbesondere die US-IT ist mein Schwerpunkt. Alphabet, Marvell und Skyworks Solutions wurden dieses Jahr jedoch aus dem Portfolio geworfen, weil der Tech-Bereich meiner Erwartung nach stärker korrigieren würde (und dies auch tut) als andere Branchen. TeamViewer, Spotify, Apple, Facebook, Twitter und Nvidia waren im vergangenen Jahr zeitweilig im Portfolio.

Wenn wir tatsächlich eine längere Phase mit höheren Inflationszahlen bekommen, und die EZB hat diesen Wunsch ja ausdrücklich formuliert, dann werden künftig IT-Unternehmen im B2B-Bereich besser fahren als im B2C-Bereich. Wenn die Bewertungen im IT-Bereich an die Welt höherer Inflationsraten angepasst ist, werde ich dort nach Kandidaten für unser Heibel-Ticker Portfolio schauen. Doch noch ist es nicht soweit.


 Frage vom 05.07.2022

#Inflation im historischen Vergleich

Hallo Herr Heibel,

ich frage mich angesichts von Aussagen wie „Die Inflation ist gekommen um zu bleiben“ (höhere Zinsen schlecht für Aktien) und „Eine Rezession droht..“(auch schlecht für Aktien), ob es überhaupt noch sinnvoll ist, weiter in Aktien zu investieren?
Ich kenne die Theorien, dass man nur lang genug warten müsse…aber zur Zeit habe ich nach wie vor meine Sparpläne laufen in der Hoffnung, nun wenigstens mal gute Preise zu bekommen. Unf ich frage mich als nicht mehr ganz junger Sparer …wieviele Jahre werden das angesichts wirtschaftlicher, politischer und klimatischer Krisen wohl sein?

Sie sind kein Hellseher, aber ich würde mich freuen, wenn Ihnen eine beruhigende und nachvollziehbare Antwort für mich einfiele :-)

Ein wenig beschleicht mich als Laien die Vermutung, dass der Boom der letzten Jahre, angefeuert durch die Politik des billigen Geldes, nicht mehr wird wiederholbar sein.

Viele Grüße aus der Handelsblattheimat
Inga aus Düsseldorf

 Antwort:

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Wir können aus der Geschichte vielleicht ein Gefühl für das bekommen, was wir derzeit erleben.

Die große Finanzkrise 2007 bis 2009 war ein Crash der Finanzwelt, der die Wirtschaft mit in den Abgrund zog. Durch Liquiditätsflutung (Finanzmittel) konnte das Desaster eingedämmt werden und es folgte eine schnelle Erholung, da die Wirtschaft ja eigentlich gesund war.

Das Platzen der Internetblase 2000 bis 2003 betraf überwiegend die Internet- und Technologieaktien. Der Rest der Wirtschaft hatte nach wenigen Monaten einen Boden gefunden und anschließend vergleichsweise normal weitergewirtschaftet. Wer in Dividendenaktien und Versorger investiert war, kam gut aus diesem Crash heraus.

Der große Crash 1987 war ein IT-Crash: Erstmals wurde mit automatisch hinterlegten Stop Loss Orders gearbeitet. Als wichtige Unterstützungen unterschritten wurden, konnten die automatisch erzeugten Verkaufsorders nicht schnell genug aufgefangen werden. Auch dieser Crash war schnell vorüber.

Ich habe mir nun einmal die Zeit 1965 bis 1980 angeschaut. Im Jahr 1965 erreichte der Dow Jones am Ende des Nachkriegsbooms (Wirtschaftswunder) sein damaliges Allzeithoch bei 9.040 Punkten. Für die folgenden 17 Jahre ging es dann nur noch abwärts, im Juli 1982 Stand der Dow Jones bei gerade einmal 2.424 Punkten, also um fast 75% tiefer. In dieser Zeit war die Inflation von 1,5% im Jahr 1965 auf 14% im Jahr 1980 angestiegen. Es gab vier Rezessionen: 1970, 1974, 1980 und 1982.

Eine zögerliche Zinspolitik der US-Notenbank startete bei 3% im Jahr 1965 und führte den Leitzins bis 1979 nicht über 8%. Erst durch die beherzten Zinsanhebungen durch den US-Notenbanker Paul Volcker, der im August 1979 ins Amt kam, wurde der Leitzins auf zwischenzeitlich 14% in die Höhe geschraubt. Es folgte die Rezession 1980 sowie eine weitere 1982, doch danach war der Spuk vorbei.

Die Inflation fiel im Jahr 1982 auf 3% zurück. Der Leitzins wurde nur langsam zurückgeführt, erst 1993 stand er erstmals wieder bei 3%. Der Dow Jones stieg von seinem Tief bei 2.424 Punkten im Sommer 1982 ungebremst auf 20.000 Punkte vom Rahmen der Internetblase im Jahr 2000.

An Gemeinsamkeiten im Vergleich zur heutigen Situation gibt es keinen Mangel: Einige von Ihnen werden sich an die Ölkrise der 1970er Jahre erinnern. Um Öl zu sparen, wurde der autofreie Sonntag eingeführt. Heute sollen wir kürzer duschen und nicht über 30°C waschen.

Wenn ich mir diese Parallelen so vor Augen führe, fürchte ich, dass ich wohl noch ein wenig mehr Arbeit in diesen Vergleich stecken muss. Immerhin gab es in den 15 Jahren des Niedergangs im Dow Jones auch vier Erholungsrallyes mit 15-30% Plus.


 Frage vom 05.07.2022

#Ernst Wolff vs. Verschwörungstheorie

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich schätze Ihren Newsletter und Ihre Analysen sehr! Denn bei Ihnen habe ich den Eindruck, weit mehr Wahrheit und Hintergundwissen zu erfahren, als im Fernsehen.

Ein Autor, der schon seit Jahren vor der heutigen Situation gewarnt hat, ist Ernst Wolff. Mich würde sehr interessieren, wie Sie die Einschätzung von Herrn Ernst Wolff über die aktuelle Situation bewerten.

https://www.youtube.com/watch?v=4ZtRSPMDCOI
https://www.youtube.com/watch?v=_YcyiD5fguA

Ist die Umstrukturierung unseres Finanzsystems eine Verschwörung, wie er sagt? Wäre die Einführung einer Zentralbankwährung wirklich so schlimm für uns "Normalsterbliche"? Ich weiß, Sie sind vermutlich viel beschäftigt, darum würde ich mich über eine Antwort, bzw. eine Einschätzung von Ihnen sehr freuen,

mit feundlichem Gruß, Silke aus Hamburg

 Antwort:

Herzlichen Dank für das Lob. Ich habe einige Beiträge von Herrn Wolff gesehen. Er besticht durch Detailkenntnisse. Doch seine Schlussfolgerungen sind mMn vorschnell.

Es gibt unzählige „Ereignisse“. Wenn man eine Vermutung zu den Hintergründen hat (bspw. Verschwörung), dann wird man aus den unzähligen Ereignissen genau diejenigen wahrnehmen und herausfiltern, die die eigene Erwartung unterstützen. Aneinandergereiht wird dann ein lückenloses Bild erstellt, das genau die eigene Erwartung „beweisen“ soll.

Die Frage, die hinter all diesen Argumentationen steckt, lautet: Sind die Handlungsketten, die aufgezeigt werden, „vorsätzlich“ um etwas Bestimmtes zu erreichen? Oder sind die Akteure einfach nur dumm, weil sie nicht erkennen, worauf diese Handlungen hinaus laufen müssen? Oder aber, und das ist mMn der Fall, gibt es vielleicht noch andere Aspekte, die bei der Entscheidungsfindung eine Rolle spielen. Andere Sachzwänge, andere Abhängigkeiten, die ein vermeintlich intelligentes Entscheiden verhindern?

Kurz gesagt: die Welt ist viel komplexer, als wir das von unserem Schreibtisch aus sehen können.